{"id":2511,"date":"2007-07-27T09:21:06","date_gmt":"2007-07-27T07:21:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2511"},"modified":"2019-02-15T13:13:22","modified_gmt":"2019-02-15T12:13:22","slug":"neoliberalismus-wettbewerbsfoederalismus-und-foederalismusreform","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2511","title":{"rendered":"Neoliberalismus, Wettbewerbsf\u00f6deralismus und F\u00f6deralismusreform"},"content":{"rendered":"<p>&bdquo;Wettbewerb&ldquo; dient Neoliberalen als Zauberwort, mit dem sie die angeblich verkrusteten Strukturen des Wohlfahrtsstaates aufbrechen und auch bei einer Reform des F&ouml;deralsystems der Staatsordnung die bisherigen, als &uuml;berholt bezeichneten Verh&auml;ltnisse zum Tanzen bringen m&ouml;chten. Rainer Hank, Leiter des Wirtschaftsressorts der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, verlangt Wettbewerb auf den Arbeitsm&auml;rkten, in den sozialen Sicherungssystemen und im Bundesstaat: &bdquo;Ein wichtiger Schl&uuml;ssel zu mehr horizontalem Wettbewerb liegt auf dem Felde des Sozialen. Der gegenw&auml;rtige Sozialstaat mu&szlig; st&auml;rker privatisiert, der verbleibende Kernsozialstaat st&auml;rker dezentralisiert werden.&ldquo; Christoph Butterwegge hat uns einen Beitrag aus dem Buch &bdquo;Kritik des Neoliberalismus&ldquo; zur Verf&uuml;gung gestellt, das er zusammen mit Bettina L&ouml;sch und Ralf Ptak herausgibt und das dieser Tage erscheint.<br>\n<!--more--><br>\nWer &ndash; wie mancher Neoliberaler &ndash; die kapitalistische &Ouml;konomie verabsolutiert, negiert im Grunde demokratische Politik und repr&auml;sentative Demokratie, weil beide Mehrheitsentscheidungen und nicht das Privateigentum an Produktionsmitteln zum Fixpunkt gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse machen. Um den &bdquo;Standort D&ldquo; zu retten, stellte J&uuml;rgen Schrempp, seinerzeit Vorstandsvorsitzender der Deutschen Aerospace AG und Vorstandsmitglied der Daimler-Benz AG, Mitte der 1990er-Jahre die politische Kultur der Bundesrepublik in Frage: &bdquo;Das etablierte Vorgehen, das die politischen Entscheidungen von ihrer Mehrheitsf&auml;higkeit abh&auml;ngig macht, ist der heutigen Zeit nicht mehr gewachsen.&ldquo; Den damaligen BDI-Pr&auml;sidenten Hans-Olaf Henkel trieben &auml;hnliche Sorgen um. Er hielt das deutsche Verh&auml;ltniswahlrecht f&uuml;r &uuml;berholt und konstatierte: &bdquo;Wenn es (&hellip;) so ist, da&szlig; der Wettbewerb zwischen Standorten eine relative Veranstaltung ist und da&szlig; wir selbst bei eigener Bewegung zur&uuml;ckfallen, wenn andere schneller auf die Herausforderungen der Globalisierung reagieren als wir, dann m&uuml;ssen wir uns fragen, ob unser politisches System eigentlich noch wettbewerbsf&auml;hig ist.&ldquo;<\/p><p>In seiner Rede zur Aufl&ouml;sung des Bundestages und zur Ausschreibung der Neuwahl seiner Abgeordneten erkl&auml;rte Horst K&ouml;hler am 21. Juli 2005 ein Grundprinzip der Verfassung zumindest in seiner konkreten Auspr&auml;gung, das bew&auml;hrte Institutionengef&uuml;ge und die vertikale Gewaltenteilung der Bundesrepublik kurzerhand f&uuml;r antiquiert: &bdquo;Die f&ouml;derale Ordnung ist &uuml;berholt.&ldquo; Bisher war der F&ouml;deralismus ein institutionelles Hindernis f&uuml;r radikale Reformen des Neoliberalismus, das zu &uuml;berwinden sich die Bertelsmann Stiftung, der &bdquo;Konvent f&uuml;r Deutschland&ldquo; mit Hans-Olaf Henkel und Altbundespr&auml;sident Roman Herzog sowie andere Lobbygruppen seit l&auml;ngerem als Ziel ihrer Bem&uuml;hungen gesetzt hatten. Francis G. Castles, Herbert Obinger und Stephan Leibfried gelangten in einem sechs OECD-L&auml;nder erfassenden Vergleich zu dem Ergebnis, &bdquo;dass der F&ouml;deralismus den R&uuml;ckbau des Sozialstaates nicht erleichtert, sondern eher erschwert hat.&ldquo; Dies gilt auch und gerade f&uuml;r Deutschland, wo der Bundesrat h&auml;ufig als besonders effektives Vetoorgan fungierte, das &auml;rmere L&auml;nder beg&uuml;nstigte und eine desto gr&ouml;&szlig;ere Wirkung erzielte, je mehr Landtagswahlen eine Regierungspartei oder -koalition beispielsweise aufgrund der K&uuml;rzung von Transferleistungen verlor. Schon deshalb bedeuteten weniger Landtagswahlen infolge von vier auf f&uuml;nf Jahre verl&auml;ngerter Legislaturperioden, die sich partiell durchsetzten, auch nicht mehr Demokratie, sondern trugen eher zum weiteren Abbau des Wohlfahrtsstaates bei.<\/p><p>Selbst das Grundgesetz ist Ultraliberalen ein Dorn im Auge, suchen sie doch sein Sozialstaatsgebot au&szlig;er Kraft zu setzen und dem Markt nicht nur Vor-, sondern auch Verfassungsrang zu verschaffen. Dabei st&ouml;ren demokratische Willensbildungs- und Entscheidungsprozesse, die (zu) lange dauern, Prinzipien wie die Gewaltenteilung und f&ouml;derale Strukturen, weil sie Macht tendenziell beschr&auml;nken, sowie der Konsenszwang eines Parteienstaates. Thomas Darnst&auml;dt l&auml;sterte denn auch in einem Spiegel-Heft (v. 12.5.2003), dessen Titelblatt das Grundgesetz als Erstausgabe mit Goldschnitt zeigt, auf die eine fast heruntergebrannte Kerze ihren Wachs unter der &Uuml;berschrift &bdquo;Die verstaubte Verfassung. Wie das Grundgesetz Reformen blockiert&ldquo; ergie&szlig;t: &bdquo;Das Grundgesetz der Hightech-Gesellschaft des 21. Jahrhunderts &auml;hnelt einem VW-K&auml;fer, Baujahr Mai 1949 &ndash; das waren die mit den Brezelfenstern.&ldquo; Den hierzulande angeblich bestehenden &bdquo;Reformstau&ldquo; erkl&auml;rte Darnst&auml;dt prim&auml;r mit den voneinander abweichenden Mehrheitsverh&auml;ltnissen in Bundestag und -rat. Letzterer erschien ihm geradezu als Blockadeinstrument und Bremsklotz jeglicher Reformpolitik: &bdquo;Wie (&hellip;) soll der Staat der 16 Bundesl&auml;nder funktionieren, wenn das Tempo immer vom Langsamsten bestimmt wird?&ldquo;<\/p><p>Als m&ouml;gliches Heilmittel gilt Kritikern ein &bdquo;sozialer Wettbewerbsf&ouml;deralismus&ldquo;, den die Bertelsmann-Kommission &bdquo;Verfassungspolitik und Reformf&auml;higkeit&ldquo; vorschlug. Gegen einen fairen Wettbewerb, der von freiwillig daran Teilnehmenden nach im Konsens festgelegten, allgemein verbindlichen und keinen von ihnen benachteiligenden Regeln erfolgt, hat niemand etwas einzuwenden. Den neoliberalen &bdquo;Modernisierern&ldquo; geht es jedoch um etwas ganz anderes, n&auml;mlich eine Form der Konkurrenz, die (Wohlfahrts-)Staaten, L&auml;nder und Kommunen wie hart arbeitende Menschen bzw. ihre Familien unter einen permanenten Leistungsdruck setzt und sie teilweise bei der Strafe ihres Untergangs zwingt, auf dem Markt erfolgreicher, billiger und\/oder besser als die Mitbewerber\/innen zu sein.<\/p><p>Ein typisches Beispiel f&uuml;r die Art und Weise, wie Neoliberale &ouml;konomische Funktionsmechanismen auf politische Entscheidungsprozesse und innerstaatliche Machtverh&auml;ltnisse &uuml;bertragen, ohne deren Eigengesetzlichkeit und spezifischen Charakter zu ber&uuml;cksichtigen, bietet das Konzept des Wettbewerbsf&ouml;deralismus. Da sollen Bundesl&auml;nder, als &bdquo;Wirtschaftsstandorte&ldquo; begriffen, die um Investoren bzw. Gro&szlig;anleger buhlen, gegeneinander konkurrieren, statt wie bisher miteinander zu kooperieren und wechselseitig ihre Schw&auml;chen zu kompensieren. Wenn man die (ihrer Zahl nach reduzierten) L&auml;nder, einer &bdquo;Logik des Gaspedals&ldquo; folgend, wie Unternehmen miteinander konkurrieren l&auml;sst, geh&ouml;ren die wohlhabenderen zu den Gewinnern, die bed&uuml;rftigen hingegen zu den Verlierern. Dadurch w&uuml;rde sich die Kluft zwischen Ost- und West-, Nord- und S&uuml;ddeutschland vertiefen und die Gleichwertigkeit der Lebensverh&auml;ltnisse als Staatsziel aufgegeben.<\/p><p>Die unterschiedliche Bev&ouml;lkerungsentwicklung der Bundesl&auml;nder im Rahmen des demografischen Wandels wird als Begr&uuml;ndung angef&uuml;hrt, warum das Verfassungsgebot der &bdquo;Herstellung gleichwertiger Lebensverh&auml;ltnisse im Bundesgebiet&ldquo; (Art 72 Abs. 2 GG), erst 1994 im Zuge der durch die deutsche Vereinigung erzwungenen Grundgesetz&auml;nderungen an die Stelle des noch strikteren und ehrgeizigeren Postulates &bdquo;Wahrung der Einheitlichkeit der Lebensverh&auml;ltnisse&ldquo; getreten, mittlerweile unerf&uuml;llbar sei. Eva Barl&ouml;sius bem&auml;ngelt, dass &bdquo;Gleichwertigkeit&ldquo; als weitgehende Gleichheit bzw. Gleichf&ouml;rmigkeit missdeutet wird, um dieselbe Zug&auml;nglichkeit zum Bildungs- und Gesundheitssystem oder identische Erwerbschancen leichter problematisieren zu k&ouml;nnen: &bdquo;Damit wird der demographische Wandel dazu genutzt, einen bisher geltenden gesellschaftlichen und politischen Grundkonsens in Frage zu stellen.&ldquo;<\/p><p>Mit seinem Urteil vom 27. Juli 2004 hat das Bundesverfassungsgericht nicht nur die Einf&uuml;gung der Juniorprofessur ins Hochschulrahmengesetz f&uuml;r verfassungswidrig erkl&auml;rt, sondern auch die Position der L&auml;nder im f&ouml;deralen Gef&uuml;ge deutlich gest&auml;rkt und die Gesetzgebungskompetenzen des Bundes drastisch beschr&auml;nkt. Die von Bundestag und -rat eingesetzte &bdquo;Kommission zur Modernisierung der bundesstaatlichen Ordnung&ldquo; unter dem Vorsitz von Franz M&uuml;ntefering und Edmund Stoiber erkl&auml;rte am 17. Dezember 2004 ihr Scheitern. Nur die engere Zusammenarbeit von CDU\/CSU und SPD auf der Regierungsebene des Zentralstaates bot noch die Chance eines neuen Anlaufs. Bei der F&ouml;deralismusreform, die wegen der dazu n&ouml;tigen Grundgesetz&auml;nderungen eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und -bundesrat erforderte, brachte die im November 2005 gebildete Gro&szlig;e Koalition den lange erhofften Durchbruch.<\/p><p>Die am 1. September 2006 in Kraft getretene F&ouml;deralismusreform war der schwerwiegendste Eingriff in das Grundgesetz seit den Notstandsgesetzen. Durch die gr&ouml;&szlig;te Verfassungs&auml;nderung seit 1949 wurden die sozialpolitischen Kompetenzen des Zentralstaates ebenso beeintr&auml;chtigt wie die Einflussm&ouml;glichkeiten der &auml;rmeren Bundesl&auml;nder. Kaum war das Grundgesetz ge&auml;ndert, schon standen in einigen L&auml;ndern soziale Mindeststandards zur Disposition: Das von CDU und FDP regierte Nordrhein-Westfalen sowie das von SPD und Linkspartei.PDS regierte Berlin liberalisierten als erste Bundesl&auml;nder den Ladenschluss und erm&ouml;glichten damit (gro&szlig;en) Gesch&auml;ften nunmehr &Ouml;ffnungszeiten rund um die Uhr; blo&szlig; der Sonntag und gesetzliche Feiertage blieben &ndash; wohl aus Gr&uuml;nden christlicher Piet&auml;t, nicht des Arbeitsschutzes und der n&ouml;tigen Erholungspausen f&uuml;r die Verk&auml;ufer\/innen wegen &ndash; von dieser Freigabe (noch) verschont. Baden-W&uuml;rttemberg wiederum preschte bei den Pensionsregelungen f&uuml;r seine Beamt(inn)en vor; die Verl&auml;ngerung von deren Lebensarbeitszeit avancierte praktisch &uuml;ber Nacht zu einem &bdquo;Standortvorteil&ldquo; f&uuml;r ihren Dienstherrn. Umgekehrt verhielt es sich beim l&auml;ngst &uuml;berf&auml;lligen Nichtraucherschutz in Kneipen, Restaurants und Diskotheken: Mit der Begr&uuml;ndung, dass nur die einzelnen L&auml;nder entsprechende Rauchverbotsbestimmungen f&uuml;r diesen Bereich erlassen k&ouml;nnten, setzten die Tabak- und die Gastst&auml;ttenlobby im Dezember 2006 gemeinsam durch, dass kein Bundesgesetz zustande kam, obwohl sich die Gro&szlig;e Koalition darauf in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe bereits geeinigt hatte und der immer noch auf zentraler Ebene zu regelnde Arbeitsschutz eine Handhabe daf&uuml;r bot. <\/p><p>Die negativen Auswirkungen von &bdquo;Sparma&szlig;nahmen&ldquo; im Jugend-, Sozial- und Gesundheitsbereich wie auch bei den Bundeszusch&uuml;ssen zum &ouml;ffentlichen Nahverkehr (K&uuml;rzung der sog. Regionalisierungsmittel) beeintr&auml;chtigen die Zukunftsperspektiven der k&uuml;nftigen Generationen. Dazu z&auml;hlt ebenfalls die Beschneidung der Bundeskompetenzen im Bildungsbereich, weil die F&ouml;deralismusreform mit ihrer Transformation des kooperativen zum Wettbewerbsf&ouml;deralismus einer desastr&ouml;sen Konkurrenz zwischen den Bundesl&auml;ndern nunmehr T&uuml;r und Tor &ouml;ffnete, was den (Hoch-)Sch&uuml;lern in finanzschwachen L&auml;ndern besonders schadet, k&ouml;nnen die guten Lehrkr&auml;fte doch leichter abgeworben werden. &bdquo;Der Wettbewerbsf&ouml;deralismus liefert (&hellip;) die schw&auml;chsten Mitglieder der Gesellschaft, die Kinder, endg&uuml;ltig dem Markt aus.&ldquo; (Jutta Roitsch)<\/p><p>Wolfgang Lieb spricht unter Bezugnahme auf die analoge Entwicklung im deutschen Profifu&szlig;ball von einem &bdquo;Bayern-M&uuml;nchen-Effekt&ldquo;, der die (finanz)starken Bundesl&auml;nder in S&uuml;dwestdeutschland noch (finanz)st&auml;rker und die (finanz)schwachen in Nordostdeutschland noch (finanz)schw&auml;cher mache. Dabei gehe es den neoliberalen &bdquo;Reformern&ldquo; gar nicht um die St&auml;rkung der f&ouml;deralen Strukturen. &bdquo;Ziel ist es vielmehr, der Bundesregierung ein &sbquo;Durchregieren&lsquo; in der Wirtschafts- und Sozialpolitik zu erleichtern, w&auml;hrend als Gegenleistung die Regelungszust&auml;ndigkeit der L&auml;nder gerade auf wichtigen Feldern w&auml;chst.&ldquo; Genannt seien in diesem Zusammenhang der &ouml;ffentliche Dienst, das Hochschulwesen und der Umweltschutz.<\/p><p>Am 15. Dezember 2006 setzten Bundestag und -rat eine gemeinsame Kommission ein, die unter dem Vorsitz des SPD-Fraktionsvorsitzenden Peter Struck und des baden-w&uuml;rttembergischen Ministerpr&auml;sidenten G&uuml;nther H. Oettinger als n&auml;chster Schritt der F&ouml;deralismusreform gedachte Vorschl&auml;ge zur &bdquo;Modernisierung&ldquo; der Bund-L&auml;nder-Finanzbeziehungen erarbeiten soll. Dabei geht es sowohl um die Steuerhoheit, d.h. die F&auml;higkeit, L&auml;ndersteuern in eigener Regie zu erheben und ihre H&ouml;he zu bestimmen, wie auch um den Finanzausgleich (zwischen Bund und L&auml;ndern sowie zwischen den Letzteren). In der Diskussion sind unterschiedliche Regelungen, die von einer &Uuml;bertragung der Kriterien des Europ&auml;ischen Stabilit&auml;ts- und Wachstumspakts auf die nationale Ebene bis zu einem Neuverschuldungsverbot mit Verfassungsrang reichen. Zuerst haben Neoliberale den Staat durch die wiederholte steuerliche Entlastung von Kapitaleigent&uuml;mern und Spitzenverdienern in finanzielle N&ouml;te gest&uuml;rzt, nunmehr wollen sie ihm Fesseln hinsichtlich seiner M&ouml;glichkeiten zur Aufnahme &ouml;ffentlicher Kredite anlegen. Debattiert wird auch &uuml;ber Heberechte der Bundesl&auml;nder bei der Unternehmensbesteuerung sowie Zu- bzw. Abschl&auml;ge auf die von ihnen mit dem Bund geteilte Einkommen- und K&ouml;rperschaftsteuer. Sollten die Landesparlamente k&uuml;nftig die H&ouml;he der Steuers&auml;tze festlegen, z&ouml;gen vermutlich noch mehr Einkommensmillion&auml;re und Verm&ouml;gende in den prosperierenden S&uuml;dwesten Deutschlands, der es sich viel eher leisten k&ouml;nnte, sie mit Steuernachl&auml;ssen anzulocken, w&auml;hrend die &uuml;brigen Regionen noch st&auml;rker ins Hintertreffen geraten w&uuml;rden.<\/p><p>Die bisherige Finanzverfassung der Bundesrepublik bezeichnet Roman Herzog, namhaftester F&uuml;rsprecher neoliberaler Reformbestrebungen, als &bdquo;wichtigste Wettbewerbsbremse&ldquo;, was er durch Weiterf&uuml;hrung der F&ouml;deralismusreform &auml;ndern zu k&ouml;nnen hofft: &bdquo;Mit dem Pochen auf &sbquo;Einheitlichkeit der Lebensverh&auml;ltnisse&lsquo; werden wir die Wende zur lebensnotwendigen Reformf&auml;higkeit unseres Landes nicht schaffen.&ldquo; Dagegen h&auml;lt Werner Reutter die Herstellung gleichwertiger Lebensverh&auml;ltnisse in der gesamten Bundesrepublik nicht nur f&uuml;r einen verfassungsrechtlichen Auftrag, sondern auch f&uuml;r eine &ouml;konomische und politische Notwendigkeit, was die &Uuml;bertragung von Umwelt-, Rechts- und Hochschulpolitik an die L&auml;nder im Rahmen des ersten Teils der F&ouml;deralismusreform ignoriert bzw. konterkariert: &bdquo;W&auml;hrend sich die Reform an den Prinzipien Entflechtung und Trennung orientiert, verlangen die Funktionsprinzipien des kooperativen F&ouml;deralismus weiterhin Kooperation und Konsens.&ldquo;<\/p><p>Wom&ouml;glich schweben manchem Ultraliberalen bei der n&auml;chsten Stufe der F&ouml;deralismusreform, die noch in der laufenden Legislaturperiode mit einer Zweidrittelmehrheit aus dem Regierungslager von CDU\/CSU und SPD im Bundestag und -rat beschlossen werden soll, US-amerikanische Verh&auml;ltnisse vor: Dort gibt es keinen Finanzausgleich zwischen den (armen und reichen) Bundesstaaten, was mit dazu beigetragen hat, dass sich die Lebensverh&auml;ltnisse der Bewohner\/innen je nach Region ganz erheblich voneinander unterscheiden. Wie das Verfassungsgerichtsurteil zur Haushaltssituation des Landes Berlin vom 19. Oktober 2006 zeigte, haben finanziell benachteiligte Gebietsk&ouml;rperschaften auch hierzulande k&uuml;nftig kaum noch Unterst&uuml;tzung zu erwarten. Vielmehr geht der allgemeine Trend dahin, ihnen mehr &bdquo;Eigenverantwortlichkeit&ldquo; abzuverlangen.<\/p><p>Vom Verfasser &uuml;berarbeiteter Auszug aus: Christoph Butterwegge\/Bettina L&ouml;sch\/Ralf Ptak, Kritik des Neoliberalismus, Verlag f&uuml;r Sozialwissenschaften (Wiesbaden), ISBN-Nr. 978-3-531-15185-4, 298 Seiten, Preis: 12,90 Euro. Prof. Dr. Christoph Butterwegge lehrt Politikwissenschaft an der Universit&auml;t zu K&ouml;ln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&bdquo;Wettbewerb&ldquo; dient Neoliberalen als Zauberwort, mit dem sie die angeblich verkrusteten Strukturen des Wohlfahrtsstaates aufbrechen und auch bei einer Reform des F&ouml;deralsystems der Staatsordnung die bisherigen, als &uuml;berholt bezeichneten Verh&auml;ltnisse zum Tanzen bringen m&ouml;chten. 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