{"id":2514,"date":"2007-07-30T09:12:08","date_gmt":"2007-07-30T07:12:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2514"},"modified":"2016-01-01T10:44:54","modified_gmt":"2016-01-01T09:44:54","slug":"versicherungslobbyist-raffelhueschen-ist-wieder-auf-werbetour-jetzt-fuer-die-privatisierung-der-pflegeversicherung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2514","title":{"rendered":"Versicherungslobbyist Raffelh\u00fcschen ist wieder auf Werbetour, jetzt f\u00fcr die Privatisierung der Pflegeversicherung"},"content":{"rendered":"<p>Nachdem nun bei der Rente der Durchbruch in die private Vorsorge geschafft ist, soll als n&auml;chstes die gesetzliche Pflegeversicherung sturmreif geschossen werden. Vorneweg als Sturmstaffel mal wieder die <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/Soziales\/Pflege.html;jsessionid=BF943271F0F38FE5D524B7D339C787E4\">&bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo;<\/a> und die ach so seri&ouml;se <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub28FC768942F34C5B8297CC6E16FFC8B4\/Doc~EDE89DD1F90F6429FB5F00D4513B26BA4~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">&bdquo;FAZ&ldquo;<\/a>.  Im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung stellte der als wissenschaftliches Sturmgesch&uuml;tz der Versicherungswirtschaft (ver)dienende Professor Raffelh&uuml;schen &bdquo;wissenschaftliche Berechnungen&ldquo; an. Diese beweisen &ndash; nat&uuml;rlich streng wissenschaftlich: &bdquo;Sp&auml;testens im Jahr 2045 (!) m&uuml;ssen Arbeitnehmer rund sieben Prozent ihres Einkommens f&uuml;r die Pflegeversicherung abf&uuml;hren. Das ist eine Steigerung um mehr als 400 Prozent im Vergleich zum heutigen Satz.&ldquo; F&uuml;r den &bdquo;Wissenschaftler&ldquo; sind die Konsequenzen aus dem &bdquo;erschreckenden Befund&ldquo; offenkundig: Das umlagefinanzierte System m&uuml;sse schnellstens reformiert werden. Am einfachsten ginge das bei der Pflege. &bdquo;Noch k&ouml;nnen wir aus der umlagefinanzierten Pflegeversicherung aussteigen&ldquo;, alarmiert Raffelh&uuml;schen. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><\/p><p>Obwohl kaum ein seri&ouml;ser Wissenschaftler eine sichere Prognose dar&uuml;ber wagen w&uuml;rde, wie hoch die Besch&auml;ftigung im kommenden Jahr sein wird, wei&szlig; der Freiburger Finanzwissenschaftler Bernd Raffel&uuml;schen schon heute genau wie hoch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Berufst&auml;tigen in knapp vierzig Jahren sein wird:<\/p><blockquote><p>Im Jahr 2045 wird es ein Viertel weniger Berufst&auml;tige geben, die Beitr&auml;ge zur Sozialversicherung zahlen. Das hat Konsequenzen: Im Jahr 2045 liegt der Beitrag zu den Rentenkassen bei mindestens 22 Prozent, bis zu 27 Prozent beansprucht allein die gesetzliche Krankenversicherung und weitere 2,5 Prozent verlangt die Arbeitslosenversicherung. Addiert man die Einzelposten (inklusive zwei Prozent f&uuml;r die gesetzliche Unfallversicherung) hei&szlig;t das, dass bald 60 Prozent des Bruttoeinkommens an die Sozialkassen abgef&uuml;hrt werden m&uuml;ssen, ein Betrag, den sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen. Zieht man noch die Steuerbelastung von durchschnittlich 31 Prozent in Betracht, offenbaren die Berechnungen ihre absurde Konsequenz: Das umlagefinanzierte System der sozialen Sicherung wird unfinanzierbar. &bdquo;Das kann nicht eintreten, weil es nicht mehr funktioniert&ldquo;, sagt Raffelh&uuml;schen.<\/p><\/blockquote><p>Dass diese &bdquo;Berechnungen&ldquo; &bdquo;absurd&ldquo; sind, erkennt unser &bdquo;Wissenschaftler&ldquo; wenigstens selbst. Schaut man diese &bdquo;Berechnungen&ldquo; einmal genauer an, so gehen als &bdquo;Datengrundlage&ldquo; ein: &bdquo;Erstens ein geschlossenes Budget der SPV (Soziale Pflegversicherung) f&uuml;r das Basisjahr 2004, zweitens altersspezifische Querschnittsprofile, um die makro&ouml;konomischen Gr&ouml;&szlig;en auf die individuelle Ebene herunterzubrechen und drittens eine umfassende <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/Downloads\/PDF_-_Dateien\/Kosten_SPV.pdf\">Bev&ouml;lkerungsprojektion.&ldquo; [PDF &ndash; 52 KB]<\/a><\/p><p>Wie alle, die die Alarmsirenen wegen der demografische Entwicklung schrillen lassen, nimmt auch Raffelh&uuml;schen die Modellrechnungen (also keineswegs Prognosen) des Statistischen Bundesamtes &uuml;ber die Bev&ouml;lkerungsentwicklung als &bdquo;Datengrundlage&ldquo;. Dass diese Berechnungen jedoch unsicher sind, wissen selbst die amtlichen Statistiker. Deshalb bieten sie selbst eine Vielzahl von Modellvarianten an. Danach liegt etwa die Spannbreite der Bev&ouml;lkerungszahl in Deutschland im Jahre 2050 zwischen 67 und 81 Millionen Menschen. &bdquo;Von Sicherheit keine Spur!&ldquo;, sagt dazu der Statistiker <a href=\"http:\/\/www.linksnet.de\/drucksicht.php?id=2520\">Gerd Bosbach<\/a>  und f&uuml;gt hinzu: &bdquo;Vorhersagen der Bev&ouml;lkerungsentwicklung sind nichts anderes als Modellrechnungen, die bekannte Trends fortschreiben. Strukturbr&uuml;che k&ouml;nnen sie nicht prognostizieren. Eine 50-Jahres-Prognose aus dem Jahr 1950 h&auml;tte weder den Pillenknick noch den Babyboom, weder den Zustrom ausl&auml;ndischer Arbeitnehmer und osteurop&auml;ischer Aussiedler noch den Trend zu Kleinfamilie und Single-Dasein ber&uuml;cksichtigen k&ouml;nnen. Eine Berechnung von 1900 f&uuml;r das Jahr 1950 h&auml;tte sogar zwei Weltkriege &uuml;bersehen m&uuml;ssen. Nur heute wird anma&szlig;end behauptet, man k&ouml;nne trotz unserer schnelllebigen Zeit so weit in die Zukunft genauestens vorausschauen.&ldquo;<\/p><p>W&uuml;rde man die &bdquo;wissenschaftlichen Berechnungen&ldquo; des Herrn Raffelsh&uuml;schen beispielsweise einmal auf die Vergangenheit &uuml;bertragen, so w&auml;ren die seit Bismarcks Zeiten eingef&uuml;hrten umlagefinanzierten sozialen Sicherungssystemen wegen der zwischenzeitlichen &bdquo;&Uuml;beralterung&ldquo; der Bev&ouml;lkerung schon l&auml;ngst kollabiert. So stieg die Lebenserwartung der Bev&ouml;lkerung im letzten Jahrhundert um 30 Jahre. Die von den Experten erwartete Erh&ouml;hung der Lebenserwartung soll in den n&auml;chsten 50 dagegen &bdquo;nur&ldquo; um 6 Jahre Jahren steigen. Dieser vergleichsweise geringe Anstieg soll aber jetzt in die Katastrophe f&uuml;hren.<br>\nSolche &bdquo;Prognosen&ldquo; &uuml;ber einen so langen Zeitraum sind so unsinnig oder so sinnvoll, wie die Berechnungen von Wissenschaftlern vor zweihundert Jahren, wonach London wegen des zunehmenden Verkehrs mit Pferdekutschen schon l&auml;ngst h&auml;tte in Pferdemist versunken sein m&uuml;ssen.<\/p><p>Aber selbst wenn man einmal die &bdquo;Datengrundlagen&ldquo; f&uuml;r die Prophezeiungen des Herrn Raffelsh&uuml;schen als unumst&ouml;&szlig;lich unterstellte, so m&uuml;sste man seri&ouml;serweise diesen Daten gleichfalls entnehmen, dass ein beachtlicher Anstieg der Rentnerzahlen und damit einhergehend (sofern sich sonst nichts &auml;ndert) ein nennenswerter Abgang aus dem Erwerbspersonenpotential fr&uuml;hestens ab 2025 erfolgte. Dann n&auml;mlich, wenn die geburtenstarken Jahrg&auml;nge von Anfang der sechziger Jahre das Renteneintrittsalter erreicht haben werden. Weil also die n&auml;chsten 20 Jahren f&uuml;r das Erwerbspersonenpotential v&ouml;llig undramatisch sind und es in der kommenden Dekade viel eher ein Problem sein d&uuml;rfte, wie der dramatische Anstieg der Studierendenzahlen um 40 % bew&auml;ltigt werden soll und wie ausreichend Ausbildungspl&auml;tze f&uuml;r die k&uuml;nftigen Beitragszahler zur Verf&uuml;gung gestellt werden k&ouml;nnen, m&uuml;ssen die Panikmacher wie Raffelh&uuml;schen ihre &bdquo;Berechnungen&ldquo; auf  das Jahr 2045 und damit kaum noch seri&ouml;s prognostizierbare Zukunft verlegen, um mit ihren Katastrophen-Hochrechnungen &Auml;ngste sch&uuml;ren zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Aber jenseits der Ausblendung der einigerma&szlig;en absehbaren Zukunft und der Leugnung der Tatsache, dass jedenfalls f&uuml;r die kommenden zwanzig Jahre die demografische Entwicklung nicht das eigentlich Problem f&uuml;r die Finanzierung der gesetzlichen Pflegeversicherung darstellt,  lassen die ach so &bdquo;wissenschaftlichen Berechnungen&ldquo; des Herr Raffelsh&uuml;schen so ziemlich jeden Faktor au&szlig;er Betracht, der nicht in das Untergangsszenarium passen k&ouml;nnte, das er als Drohkulisse f&uuml;r den Ausstieg aus der umlagefinanzierten Pflegeversicherung aufbaut. <\/p><p>Wir haben z.B. im letzten Jahrhundert sowohl beim &Auml;lterwerden als auch beim R&uuml;ckgang des Anteils der Kinder und Jugendlichen an der Bev&ouml;lkerung  &bdquo;viel mehr verkraftet, als f&uuml;r die Zukunft erwartet wird. Und das bei massiv steigendem Wohlstand f&uuml;r alle und einem Auf- und Ausbau der Sozialsysteme. Altern und weniger Kinder erzwingen also mitnichten einen Abbau sozialer Leistungen&ldquo;, rechnet Bosbach vor.<\/p><p>Dass etwa die Entwicklung der Arbeitslosigkeit, die Aussch&ouml;pfung des Erwerbspersonenpotentials, also z.B. die Erwerbsquote der Frauen oder die Besch&auml;ftigung &auml;lterer Menschen (und sei es nur die Angleichung des tats&auml;chlichen an das gesetzliche Renteneintrittsalters) wesentlich gr&ouml;&szlig;ere Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme haben, als die demografische Entwicklung, wird schlicht unterschlagen.<\/p><p>Dass die Entscheidung von Familien in Zukunft wieder mehr Kinder auf die Welt zu bringen etwas mit der der Kinder- und Familienfreundlichkeit der Gesellschaft &ndash; also auch mit Politik &ndash; zu tun haben k&ouml;nnte, kommt den demographischen Alarmisten schon gar nicht in den Sinn.<\/p><p>Die Steigerung der Produktivit&auml;t pro Erwerbst&auml;tigem wird gleichfalls (bewusst) &uuml;bersehen, obwohl die Steigerung der wirtschaftlichen Leistungsf&auml;higkeit in der Vergangenheit den zu verteilenden &bdquo;Kuchen&ldquo; um so viel gr&ouml;&szlig;er hat werden lassen, dass (fast) alle davon ein St&uuml;ckchen mehr abhaben konnten. Bosbach: &bdquo;Dabei w&uuml;rde selbst eine geringf&uuml;gige Steigerung von 1,25 Prozent pro Jahr (Prognose der Herzog-Kommission) in 50 Jahren die Leistung jedes Erwerbst&auml;tigen um 86 Prozent steigen lassen. Und davon k&ouml;nnten Junge und &Auml;ltere gleicherma&szlig;en profitieren, einschr&auml;nken m&uuml;sste sich keiner.&ldquo;<\/p><p>Der &bdquo;Wissenschaftler&ldquo; Raffelh&uuml;schen tut  aber so, als sei die Entwicklung bis 2045 fest programmiert, als g&auml;be es keine Bewegungsspielr&auml;ume mehr, als w&auml;re die Zukunft nicht mehr gestaltbar. Dass die Arbeitnehmer etwa am Produktivit&auml;tsgewinn teilhaben k&ouml;nnten und h&ouml;here L&ouml;hne beziehen k&ouml;nnten, aus denen auch locker ein h&ouml;herer Beitrag f&uuml;r die Pflegeversicherung abgezweigt werden k&ouml;nnte, dass auch in Zukunft der gr&ouml;&szlig;ere Kuchen gerecht verteilt werden k&ouml;nnte oder dass auch andere Einkommensbezieher als sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigte an der Finanzierung der Pflegekosten beteiligt werden k&ouml;nnten, all diese (politischen) Gestaltungsm&ouml;glichkeiten schlie&szlig;t er aus.<\/p><p>Man m&uuml;sste und k&ouml;nnte noch viele andere Einflussfaktoren erw&auml;hnen (siehe dazu nochmals <a href=\"http:\/\/www.linksnet.de\/drucksicht.php?id=2520\">Gerd Bosbach<\/a>, die die &bdquo;wissenschaftlichen Berechnungen&ldquo; von Herr Raffelh&uuml;schen als das erkennbar machen w&uuml;rden, was sie in Wahrheit sind, n&auml;mlich plumpe Propaganda f&uuml;r die Privatisierung der Pflegeversicherung.<\/p><p>Doch selbst wenn die &bdquo;erschreckenden Befunde&ldquo; &uuml;ber die unfinanzierbaren Beitragssteigerungen f&uuml;r die soziale Pflegeversicherung, die Rentenkassen und die gesetzlichen Krankenkassen tats&auml;chlich dazu f&uuml;hren w&uuml;rden, &bdquo;dass bald 60 Prozent des Bruttoeinkommens an die Sozialkassen abgef&uuml;hrt werden m&uuml;ssen, ein Betrag, den sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen&ldquo;, dann m&uuml;sste Raffelh&uuml;schen wenigstens plausibel begr&uuml;nden, warum seine Alternative, dass die Menschen sich privat versichern, geringere Kosten verursachte und warum der Anteil f&uuml;r die private Vorsorge am Bruttoeinkommen niedriger l&auml;ge als bei der umlagefinanzierten. Er m&uuml;sste dazu hin noch offen legen, warum die Arbeitnehmer sich mit einer privaten Pflegeversicherung besser stellen sollten,  obwohl die Kosten f&uuml;r die private Vorsorge sich dann Arbeitnehmer und Arbeitgeber nicht mehr teilen w&uuml;rden, sondern ausschlie&szlig;lich aus dem Nettoeinkommen der Arbeitnehmer finanziert werden m&uuml;ssten.<\/p><p>Wir haben das gleiche Gauklerst&uuml;ck schon einmal bei der Riester-Rente erlebt: Um die Beitr&auml;ge f&uuml;r die parit&auml;tisch finanzierte Rente unter 20 Prozent zu halten, wird die private Zusatz-Rente &ndash; zwar staatlich subventioniert &ndash; von den Arbeitnehmern (wohlgemerkt) aus ihrem Nettoeinkommen finanziert und die Arbeitgeber konnten sich aus der Finanzierung der Riester-Rente verabschieden. Dass &bdquo;nur&ldquo; 8 Millionen von etwa 27 Millionen sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigten, obwohl ihnen allenthalben vorhergesagt wird, dass die gesetzliche Rente ein Armutsrisiko darstellt, eine Riester-Rente abgeschlossen haben, beweist doch &uuml;berdeutlich, dass die Leute 1 und 1 zusammenz&auml;hlen k&ouml;nnen. Sie  merken das doch unmittelbar in ihrem Portemonnaie, dass eine Zusatzrente zus&auml;tzliches und mehr Geld kostet als eine Anhebung der Rentenbeitr&auml;ge um ein paar Zehntel. Die Belastung f&uuml;r die Altersvorsorge f&uuml;r den einzelnen Arbeitnehmer mit einer Riester-Rente liegt doch schon heute h&ouml;her, als wenn die Rentenversicherungsbeitr&auml;ge um einen oder maximal 2 Prozentpunkte angehoben worden w&auml;re &ndash; dies dann allerdings parit&auml;tisch finanziert.<\/p><p>Der gleiche Rosst&auml;uschertrick soll nun bei der Pflegeversicherung noch einmal vorgef&uuml;hrt werden. Herr Raffelh&uuml;schen, die INSM, die FAZ  und die vielen anderen Protagonisten der privaten Vorsorge in der Politik und den Medien meinen wohl immer noch, dass sie mit ihren Milchm&auml;dchenrechnungen &uuml;ber die Pflegeversicherung und ihrer Propaganda f&uuml;r die Privatisierung der Vorsorge die Menschen ein weiteres Mal t&auml;uschen k&ouml;nnten. Die Privatisierungslobby steht dabei allerdings einmal mehr vor dem &bdquo;Vermittlungsproblem&ldquo;, dass weniger Menschen an deren Verhei&szlig;ungen glauben, als es Lobbyisten gibt, die solche angeblich objektiv notwendigen &bdquo;Reformen&ldquo; den Leuten glauben machen wollen.<\/p><p>Dass sich &bdquo;Wissenschaftler&ldquo; wie Raffelh&uuml;schen und andere dabei zu wohlfeilen Erf&uuml;llungsgehilfen der Versicherungswirtschaft machen, st&ouml;rt sie offenbar gar nicht.<br>\nDass die privaten Rentenversicherer und  Finanzdienstleister die Pflegeversicherung  gerne ihrem Protofolio einverleiben m&ouml;chte versteht sich von selbst. Die Beitr&auml;ge f&uuml;r die gesetzliche Pflegeversicherung addieren sich derzeit auf &uuml;ber 16 Milliarden Euro pro Jahr. Dass sich die Finanzwirtschaft dieses h&uuml;bsche S&uuml;mmchen &uuml;ber Versicherungsbeitr&auml;ge gerne aneignen m&ouml;chte, kann man ihr aus  ihrem Interessenhorizont noch nicht einmal vorwerfen. <\/p><p>Vorwerfen muss man allerdings den Medien (wie etwa in diesem konkreten Falle der FAZ) oder den Propagandaagenturen (wie der INSM) und den &bdquo;Wissenschaftlern&ldquo; wie Raffelh&uuml;schen, dass sie sich zu Mietm&auml;ulern der Versicherungswirtschaft machen lassen. Und vorhalten muss man der Politik und den Parteien, dass sie diese Interessen nicht offen thematisiert, sondern wie etwa bei der Rente sich sogar als Vollzugsorgane dieser Interessen einspannen lassen.<\/p><p>Dass gerade Herr Raffelh&uuml;schen ein Lobbyist der Versicherungswirtschaft ist, das haben wir auf den <a href=\"?p=1294\">NachDenkSeiten<\/a> schon oft thematisiert.<br>\nEr ist Direktor des &bdquo;Forschungszentrums Generationenvertr&auml;ge(!)&ldquo; in Freiburg. Unter dem Forschungsschwerpunkt &bdquo;Alterssicherung&ldquo; konnte man vor kurzem noch nachlesen: &bdquo;Die Forschungst&auml;tigkeit in diesem Bereich erfolgt mit freundlicher Unterst&uuml;tzung der Victoria Versicherung und ERGO People &amp; Pensions.&ldquo; Man scheute sich bis vor einiger Zeit noch nicht einmal die Links zu diesen Versicherungskonzernen zu setzen. (Nachdem Raffelh&uuml;schen wegen dieser Verbindungen in die Kritik geraten war, scheint man solche Hinweise aus dem Internetauftritt genommen zu haben.)<\/p><p>Das Freiburger Forschungszentrum hat einen F&ouml;rderverein und den Vorstand dieses F&ouml;rdervereins bilden <a href=\"http:\/\/www.vwl.uni-freiburg.de\/fiwiI\/fzg\/verein\/vorstand.html\">G&uuml;nther Knortz und Professor Bernd Raffelh&uuml;schen<\/a>. G&uuml;nther Knortz war Vorstandsmitglied bei der ERGO-Versicherungsgruppe, befindet sich jetzt in Altersteilzeit. Professor Raffelh&uuml;schen sitzt im Gegenzug im Aufsichtsrat der <a href=\"http:\/\/www.ergo.com\/cms\/ergo\/de\/company\/management\/default.htm\">ERGO-Versicherungsgruppe<\/a>.<br>\nWie hie&szlig; es doch auf der Website des &bdquo;Forschungszentrums Generationenvertr&auml;ge&ldquo; bis vor kurzem so passend:<br>\nWir bedanken uns bei den nachstehenden F&ouml;rderern f&uuml;r die Unterst&uuml;tzung:<\/p><ul>\n<li>BDO Deutsche Warentreuhand AG<\/li>\n<li>Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft<\/li>\n<li>M&uuml;nchener R&uuml;ckversicherungs-Gesellschaft<\/li>\n<li>SICK AG<\/li>\n<li>S&uuml;ddeutsche Krankenversicherung a.G.<\/li>\n<li>Verband der privaten Krankenversicherung e.V.<\/li>\n<\/ul><p>Dass Raffelh&uuml;schen Vorstandmitglied der Stiftung Marktwirtschaft und versicherungswirtschaftlicher <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/Die_INSM\/Kuratoren_und_Botschafter.html\">Hausberater der INSM<\/a> ist versteht sich sozusagen von selbst.<br>\nEs wundert einen auch nicht, dass Raffelsh&uuml;schen als Werbetr&auml;ger des <a href=\"http:\/\/www.competence-site.de\/presse.nsf\/0\/d16025fc8cd02e52c1256f9400508a66?OpenDocument\">Finandienstleisters MLP<\/a> durch die Lande tingelte und &uuml;ber auf mehr als 40 Veranstaltungen seine Werbebotschaften f&uuml;r die private Vorsorge verk&uuml;ndete. <\/p><p>An solche &bdquo;Wissenschaftler&ldquo; gibt die FAZ Forschungsauftr&auml;ge, ohne auch nur den kleinsten Hinweis darauf zu geben, von welchen Interessen sie &bdquo;gef&ouml;rdert&ldquo; werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem nun bei der Rente der Durchbruch in die private Vorsorge geschafft ist, soll als n&auml;chstes die gesetzliche Pflegeversicherung sturmreif geschossen werden. Vorneweg als Sturmstaffel mal wieder die <a href=\"http:\/\/www.insm.de\/Soziales\/Pflege.html;jsessionid=BF943271F0F38FE5D524B7D339C787E4\">&bdquo;Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft&ldquo;<\/a> und die ach so seri&ouml;se <a href=\"http:\/\/www.faz.net\/s\/Rub28FC768942F34C5B8297CC6E16FFC8B4\/Doc~EDE89DD1F90F6429FB5F00D4513B26BA4~ATpl~Ecommon~Scontent.html\">&bdquo;FAZ&ldquo;<\/a>. Im Auftrag der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung stellte der als wissenschaftliches Sturmgesch&uuml;tz der Versicherungswirtschaft (ver)dienende Professor<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2514\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[128,148,11],"tags":[376,1542,343,273,487,363],"class_list":["post-2514","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-insm","category-pflegeversicherung","category-strategien-der-meinungsmache","tag-bosbach-gerd","tag-faz","tag-luegen-mit-zahlen","tag-privatvorsorge","tag-produktivitaet","tag-raffelhueschen-bernd"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2514","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2514"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2514\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29806,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2514\/revisions\/29806"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2514"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2514"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2514"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}