{"id":25180,"date":"2015-02-25T08:19:02","date_gmt":"2015-02-25T07:19:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25180"},"modified":"2015-02-25T08:23:30","modified_gmt":"2015-02-25T07:23:30","slug":"leserbrief-zum-artikel-die-hartz-iv-ideologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25180","title":{"rendered":"Leserbrief zum Artikel \u201eDie Hartz-IV-Ideologie\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Ich m&ouml;chte mich vor dem Hintergrund des Artikels &bdquo;Die Hartz-IV-Ideologie&ldquo; an Sie wenden. Die von dem Autor vorgebrachten Schilderungen und Einsch&auml;tzungen kann ich nur best&auml;tigen. Schlie&szlig;lich unterliege auch ich seit dem erfolgreichen Abschluss meines VWL-Masterstudiums vor vier Monaten den perfiden Zwangs- und Sanktionsmechanismen, mit denen das &bdquo;Hartz-IV&ldquo;-Regime verbunden ist. Meine auf der &ndash; bisher erfolglosen &ndash; Suche nach einem Arbeitsplatz gesammelten Erfahrungen wurden <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/pdf\/150115_Hartz_von_unten_Leserbrief.pdf\">bereits auf den Nachdenkseiten ver&ouml;ffentlicht<\/a>.<br>\n<!--more--><br>\nAuf eine l&auml;ngere Fassung, die ich in der Community des &bdquo;Freitag&ldquo; ver&ouml;ffentlicht hatte, haben die Nachdenkseiten im Rahmen der <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23753#h16\">Hinweise des Tages vom 29. Oktober 2014 aufmerksam gemacht<\/a>.<\/p><p>Dass ich mein Masterstudium der Volkswirtschaftslehre erst vor wenigen Monaten erfolgreich abgeschlossen habe, spielte weder fu&#776;r die von mir zun&auml;chst konsultierte Arbeitsagentur noch fu&#776;r das nun in meinem &bdquo;Fall&ldquo; zust&auml;ndige &bdquo;Jobcenter&ldquo; eine Rolle. Schlie&szlig;lich wurde mir schon zu Beginn meiner Arbeitslosigkeit mitgeteilt, dass bei der Arbeitsvermittlung keine Ru&#776;cksicht auf meine Qualifikation genommen werden k&ouml;nne und ich jede mir angebotene Arbeit annehmen mu&#776;sse. So du&#776;rfe ich auch eine T&auml;tigkeit als &bdquo;Packer&ldquo; nicht ablehnen, wenn ich keine Sanktionen &ndash; in Form von Leistungsku&#776;rzungen &ndash; riskieren wolle.<\/p><p>Beim fu&#776;r mich zust&auml;ndigen &bdquo;Jobcenter&ldquo; wurde mir noch kein einziges Stellenangebot unterbreitet.<\/p><p>Vielmehr wurde ich auf die vielen im Internet vorzufindenden Stellenb&ouml;rsen verwiesen. Daher bewerbe ich mich st&auml;ndig auf die &ndash; permanent vorzufindenden oder wiederholt auftauchenden &ndash; &bdquo;Blindausschreibungen&ldquo;, hinter denen kein echtes Stellenangebot steckt. So habe ich auf zig Bewerbungen &ndash; allenfalls &ndash; Absagen erhalten, da eine Antwort oftmals ausbleibt.<\/p><p>Da mir auch die Bewerbungserfahrungen meiner Kommilitonen und fru&#776;heren Mitschu&#776;ler bekannt sind, habe ich im &bdquo;Jobcenter&ldquo; darauf aufmerksam gemacht, dass fu&#776;r meine Qualifikation relevante Stellen in der Regel u&#776;ber pers&ouml;nliche Beziehungen vergeben wu&#776;rden, weshalb sich die Arbeitsplatzsuche schwierig gestalte. Mir wurde von der zust&auml;ndigen Sachbearbeiterin jedoch sofort entgegnet, dass es sehr wohl erfolgreiche Bewerber gebe und das &bdquo;Problem&ldquo; bei mir zu suchen sei. Zudem k&ouml;nne das Jobcenter niemanden zwingen, mich einzustellen.<\/p><p>Als ich auf die Qualit&auml;t meines Masterabschlusses und die erzielten Studienerfolge hinwies, wurde mir nur mitgeteilt, dass ich nicht berechtigt sei, hieraus &bdquo;irgendwelche Anspru&#776;che&ldquo; abzuleiten.<\/p><p>Schlie&szlig;lich sei die Arbeitsmarktkompatibilit&auml;t meiner universit&auml;ren Ausbildung anzuzweifeln, wenn ich trotz allem dazu gezwungen sei, Sozialleistungen zu beantragen. Dass ich vor dem Studium nicht erst eine Berufsausbildung absolviert habe, wurde gleich als &bdquo;Vermittlungshemmnis&ldquo; interpretiert.<\/p><p>Anstatt meine Stellensuche zu unterstu&#776;tzen, wurde mir nur eine Liste regionaler Zeit- und Leiharbeitsfirmen u&#776;berreicht, an die ich mich zu wenden h&auml;tte, da &bdquo;Arbeit nicht verboten&ldquo; sei. Gleichzeitig wurde mir die Teilnahme an einer &ndash; von der &ouml;rtlichen Handwerkerschaft durchgefu&#776;hrten &ndash; &bdquo;Aktivierungsma&szlig;nahme&ldquo; auferlegt. Da ich dahinter die einschl&auml;gigen Veranstaltungen vermutete, betonte ich, schon an der Universit&auml;t an verschiedenen &ndash; auf Akademiker zugeschnittenen &ndash; Bewerbungskursen teilgenommen zu haben. Mein Einwand wurde aber nicht zur Kenntnis genommen.<\/p><p>Der mir verordnete &bdquo;Aktivierungskurs&ldquo; stellte sich &ndash; von mir unerwartet &ndash; als reine Schikane in Form einer Erziehungsma&szlig;nahme heraus. So forderte die fu&#776;r den Kurs zust&auml;ndige &bdquo;Betreuerin&ldquo; mich dazu auf, einen &bdquo;Ma&szlig;nahmenvertrag&ldquo; zu unterzeichnen. Mit diesem verpflichtet sich der Kursteilnehmer dazu, &ndash; auf unbestimmte Zeit &ndash; w&ouml;chentlich mehrere ganzt&auml;gige &bdquo;Pr&auml;senztermine&ldquo; wahrzunehmen.<\/p><p>Um den eigentlichen Inhalt dieser Veranstaltungen zu ermitteln, las ich mir den &ndash; mehrere Seiten umfassenden &ndash; &bdquo;Ma&szlig;nahmenvertrag&ldquo; durch. Dieser schreibt den Teilnehmern unter anderem vor, pu&#776;nktlich zu erscheinen, w&auml;hrend der Veranstaltung nu&#776;chtern zu bleiben, nur in festgelegten Pausenzeiten zu essen, sich leise zu verhalten, kein Mobiltelefon mitzubringen und das Geb&auml;ude nur mit ausdru&#776;cklicher Genehmigung der Kursleitung zu verlassen. Als ich dann auch noch las, dass k&ouml;rperliche Gewalt gegen andere Kursteilnehmer und die Kursleitung verboten sei und mit einem Ausschluss von der &bdquo;Aktivierungsma&szlig;nahme&ldquo;, Hausverbot und Sozialleistungsku&#776;rzungen verfolgt wu&#776;rde, fragte ich nach dem eigentlichen Inhalt und Sinn der Veranstaltung. Auf meine Anfrage teilte man mir mit, dass der Kurs das Ziel verfolge, den Teilnehmern die &bdquo;Strukturierung des Tages&ldquo; und &bdquo;Selbstdisziplin&ldquo; beizubringen. Schlie&szlig;lich richte sich der Kurs vor allem an alkohol- und drogenkranke Langzeitarbeitslose, die auf ein geregeltes Leben vorbereitet werden sollen. Au&szlig;erdem k&ouml;nne man Menschen beim Verfassen einer Bewerbung unterstu&#776;tzen, wenn dies Probleme bereite.<\/p><p>Als ich erz&auml;hlte, dass ich Akademiker sei und erst ku&#776;rzlich sehr erfolgreich mein wirtschaftswissenschaftliches Studium abgeschlossen h&auml;tte, zeigte man sich verwundert, dass mir die Teilnahme an einer derartigen Veranstaltung auferlegt worden ist. Sp&auml;ter hat sich mir der eigentliche Zweck dieser &bdquo;Ma&szlig;nahme&ldquo; offenbart: W&auml;hrend der Dauer dieses &ndash; als Berufsvorbereitung interpretierten &ndash; &bdquo;Aktivierungskurses&ldquo; wu&#776;rde ich dem Arbeitsmarkt nicht zur Verfu&#776;gung stehen, sodass ich aus der Arbeitslosenstatistik getilgt w&auml;re.<\/p><p>Vor dem Hintergrund meiner bisherigen Erfahrungen kann ich nur best&auml;tigen, dass die vermeintliche &bdquo;Hilfe&ldquo; der sogenannten &bdquo;Jobcenter&ldquo; allein darauf ausgelegt ist, durch Sanktionen &ndash; zu Lasten der Arbeitslosen &ndash; Einsparungen zu erzielen und eine massive Kosmetik der Arbeitsmarktstatistiken zu erreichen. Aus dieser zynischen Strategie resultieren fu&#776;r die Betroffenen st&auml;ndige Demu&#776;tigungen, Erniedrigungen und Ausgrenzungen.<\/p><p>Ich habe die fu&#776;r meine Region verantwortlichen Abgeordneten im Land- und Bundestag, die zust&auml;ndigen Ministerien, die Jugendorganisationen der Parteien, Gewerkschaften und Arbeitgeberverb&auml;nde mit meinen &ndash; den angeblichen &bdquo;Fachkr&auml;ftemangel&ldquo; betreffenden &ndash; Erfahrungen konfrontiert, weshalb ich derzeit auf entsprechende Antworten warte &ndash; und hoffe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich m&ouml;chte mich vor dem Hintergrund des Artikels &bdquo;Die Hartz-IV-Ideologie&ldquo; an Sie wenden. Die von dem Autor vorgebrachten Schilderungen und Einsch&auml;tzungen kann ich nur best&auml;tigen. 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