{"id":25219,"date":"2015-02-27T09:51:48","date_gmt":"2015-02-27T08:51:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25219"},"modified":"2022-10-18T17:13:53","modified_gmt":"2022-10-18T15:13:53","slug":"freihandelskonferenz-der-spd-reklame-fuer-den-sog-freihandel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25219","title":{"rendered":"Freihandelskonferenz der SPD: Reklame f\u00fcr den sog. Freihandel"},"content":{"rendered":"<p>Die Konferenz <a href=\"http:\/\/spd-freihandelskonferenz.de\/\">&bdquo;Transatlantischer Freihandel &ndash; Chancen und Risiken&ldquo; der SPD und der SPD-Bundestagsfraktion<\/a> war eine Werbeveranstaltung f&uuml;r die Abkommen CETA und TTIP. Eine Zusammenfassung von <strong>Christian Reimann<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Schiedsgerichte<\/strong><\/p><p>Die Vorsitzenden der SPD und der Bundestagsfraktion, Sigmar Gabriel und Thomas Oppermann, sprachen sich eindeutig f&uuml;r diese Abkommen des sog. Freihandels aus. Das Ziel sei die Schaffung von &bdquo;Regeln der Globalisierung&ldquo; &ndash; f&uuml;r eine &bdquo;globale Handelsarchitektur&ldquo;.<br>\nW&auml;hrend im Titel der Konferenz noch von &bdquo;Chancen <em>und<\/em> Risiken&ldquo; die Rede war, kamen die Risiken von Seiten der h&ouml;herrangigen SPD-Vertreter kaum, eigentlich gar nicht zur Sprache.<\/p><p>F&uuml;r eine Zustimmung sind nicht einmal harte Bedingungen gestellt worden. Lediglich Anregungen f&uuml;r inhaltliche Verbesserungen sind ausgesprochen worden. Diese betreffen insbesondere die Schiedsgerichte, von denen offenbar in beiden Abkommen, die geheim verhandelt wurden bzw. werden, die Rede ist.<\/p><p>So betonte Oppermann, dass er nicht gegen Schiedsgerichte, sondern f&uuml;r diese u.a. eine andere Legitimation notwendig sei.<br>\nGabriel konkretisierte diese Anregung und schlug u.a. vor, dass die Schiedsgerichte:<\/p><ul>\n<li>mit qualifizierten und erfahrenen Berufsrichtern bzw. Wissenschaftlern besetzt werden;<\/li>\n<li>transparent arbeiten;<\/li>\n<li>nationaler Gerichte nicht beschr&auml;nken d&uuml;rfen;<\/li>\n<li>Berufungen zulassen m&uuml;ssen.<\/li>\n<\/ul><p>Die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmstr&ouml;m hob hervor, dass Schiedsgerichte quasi eine deutsche Erfindung aus den 1950er Jahren seien, die nun eben modernisiert werden m&uuml;sse, da u.a. Investitionen nun mal gesch&uuml;tzt werden m&uuml;ssten.<\/p><p>Der Rechtswissenschaftler Franz C. Mayer bezeichnet diesbez&uuml;glich die <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/ttip-und-investorenschutz-spd-will-unternehmensmacht-begrenzen\/11408252.html\">aktuellen Beschl&uuml;sse der europ&auml;ischen Sozialdemokraten von Madrid<\/a> als &bdquo;Schritte in die richtige Richtung&ldquo;. Dort sei die Rede von einem Handels- und Investitionsgericht.<\/p><p><strong>Zwei demokratische Bl&ouml;cke<\/strong><\/p><p>Der Pr&auml;sident der Europaparlaments, Martin Schulz,  begr&uuml;&szlig;te grunds&auml;tzlich das gemeinsame Vorgehen von Amerika und Europa. Von den beiden (gr&ouml;&szlig;ten) &bdquo;demokratischen Bl&ouml;cken&ldquo; war die Rede.<\/p><p>Gabriel warnte vor einem &bdquo;Vakuum&ldquo;, das entstehen k&ouml;nnte, wenn diese Abkommen zwischen Amerika und Europa nicht zustande k&auml;men. Zugleich entwarf er ein Angstszenario vor asiatischen L&auml;ndern, die dieses Vakuum f&uuml;llen und niedrigere Standards die Folge sein k&ouml;nnten.<\/p><p>Verst&auml;ndnis ist auch f&uuml;r die im Geheimen stattfindenden Verhandlungen ge&auml;u&szlig;ert worden. Frau Malmstr&ouml;m bezeichnete dieses Vorgehen quasi als vertrauensbildende Ma&szlig;nahme. Herr Schulz betonte, dass diesea Vorgehen von nationalstaatlicher Seite, also von Mitgliedsl&auml;ndern gew&uuml;nscht gewesen sei. Notwendig seien Geheimnisse, damit die Strategien der Verhandlungen nicht vereitelt werden k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Kritische Stimmen<\/strong><\/p><p>Der Europaabgeordnete Bernd Lange sah noch gro&szlig;e Probleme bei den Themen Schiedsgerichte, Arbeitnehmerrechte und Umweltstandards.<\/p><p>Eindeutig kritische Stimmen zu den Freihandelsabkommen gab es lediglich von den gewerkschaftlichen Vertretern.<br>\nDer DGB-Vorsitzende, Reiner Hoffmann, betonte, dass die Wachstumsraten und Besch&auml;ftigungseffekte aus ersten Studien &uuml;ber die Freihandelsabkommen reines Wunschdenken gewesen seien. Er verwies auf das gemeinsame Papier zwischen DGB und SPD, das einige Risiken benenne. Die EU-Kommission m&uuml;sse die Chancen f&uuml;r eine faire Globalisierung nutzen. Das CETA-Abkommen in der bestehenden Form bezeichnete er insbesondere wegen der Schiedsgerichte als nicht akzeptabel. Implizit hat Hoffmann sie als &uuml;berfl&uuml;ssig betrachtet.<\/p><p>Wilhelm Segerath, der Konzernbetriebsratsvorsitzende der ThyssenKrupp AG, hat zwei Erwartungen hervorgehoben:<\/p><ul>\n<li>die USA sollen endlich die ILO-Arbeitsnormen ratifizieren;<\/li>\n<li>die freie Bet&auml;tigung von Gewerkschaften in den USA.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Verfahren und Zukunft der Abkommen<\/strong><\/p><p>Cecilia Malmstr&ouml;m bezeichnete das CETA-Abkommen als abgeschlossen. Es k&ouml;nne nicht weiter verhandelt werden.<\/p><p>Dem widersprachen insbesondere die beiden SPD-Europaparlamentarier und verwiesen auf die noch nicht vorhandenen Unterschriften.<\/p><p>W&auml;hrend sich die EU-Kommissarin sich nicht gesichert dazu &auml;u&szlig;erte, ob die Abkommen gemischte Abkommen sind, gaben Bernd Lange und Martin Schulz ihre &Uuml;berzeugung zum Ausdruck, dass dem so sei.<\/p><p>Offenbar ist &uuml;ber das exakte Ratifizierungsverfahren f&uuml;r TTIP noch nicht entschieden worden: Die Frage also, ob lediglich europ&auml;ische oder auch nationale Gremien entscheiden m&uuml;ssen.<\/p><p>Und der Rechtswissenschaftler Mayer sprang den EU-Parlamentariern bei. Auch wenn der Versuch unternommen worden sei, einen anderen Eindruck zu erwecken, m&uuml;ssten sowohl das Europaparlament als auch die nationalen Gremien der Mitgliedsstaaten &uuml;ber CETA und TTIP entscheiden.<\/p><p>F&uuml;r Interessierte hier noch ein ausf&uuml;hrliches Protokoll der Konferenz:<\/p><p><strong>Protokoll: Konferenz Transatlantischer Freihandel &ndash; Chancen und Risiken<\/strong><br>\nFreihandelskonferenz der SPD und SPD-Bundestagsfraktion1<\/p><p><strong>Er&ouml;ffnung<\/strong><\/p><p>Die Er&ouml;ffnung erfolgte durch den Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Herrn Oppermann. Dieser freute sich, denn: Noch nie h&auml;tten sich so viele Menschen mit Handelspolitik besch&auml;ftigt wie heute. Eine zweite Konferenz des BDI zeige: &bdquo;Das Thema ist in Bewegung&ldquo;.<\/p><p>Herr Oppermann wirbt f&uuml;r die Freihandelsabkommen: U.a. schaffe Handel Wohlstand und sei auch ein Friedensprojekt.<\/p><p>Die Abkommen d&uuml;rften nicht der kleinste gemeinsame Nenner sein. Z.B. &ouml;kologische und soziale Normen m&uuml;ssten bestehen bleiben.<\/p><p>Zum Thema &bdquo;Schiedsgerichte&ldquo; (ISDS) betonte Herr Oppermann, dass die bestehende Gerichtsbarkeit nicht behindert werden solle. Er sei nicht gegen Schiedsgerichte, aber eine andere Legitimation sei notwendig.<\/p><p>Herr Oppermann regte zu einem Internationalen Handelsgerichtshof an.<\/p><p><strong>Gabriel-Rede<\/strong><\/p><p>Herr Gabriel meinte, dass Sorgen der Bev&ouml;lkerung ernst genommen werden m&uuml;ssten &ndash; z.B. um den Fortbestand der Kultur, konkret die Buchpreisbindung.<\/p><p>Grundlage von Beurteilungen m&uuml;ssten jedoch Fakten sein und nicht diffuse Thesen. Spr&uuml;che wie &bdquo;TTIP ist b&ouml;se&ldquo; w&uuml;rden uns nicht weiter bringen. Stattdessen m&uuml;sse auf die F&auml;higkeiten der Argumentation und Gegenargumentation vertraut werden. Vertrauen in diese F&auml;higkeiten sei wichtig.<\/p><p>Das Ziel der Abkommen sei nicht, arbeitsrechtliche, &ouml;kologische, rechtliche oder soziale Standards zu senken. Vielmehr brauche Globalisierung Gestaltung und dann d&uuml;rfe man keine Angst vor entsprechenden Verhandlungen haben.<\/p><p>Es sollen &bdquo;Regeln der Globalisierung&ldquo; geschaffen werden &ndash; f&uuml;r eine &bdquo;globale Handelsarchitektur&ldquo;.<\/p><p>Andernfalls w&uuml;rden andere L&auml;nder das Vakuum f&uuml;llen, wenn TTIP scheitere. Deren Standards (durch asiatische Staaten) d&uuml;rften niedriger sein als durch Amerika und Europa.<\/p><p>Freihandel, so eine These von Herrn Gabriel, k&ouml;nne zum Abbau von sozialen Ungleichheiten f&uuml;hren.<\/p><p>Es bestehe ein &bdquo;Wachstumsrisiko&ldquo; falls TTIP scheitere, was aber kaum erw&auml;hnt werde.<\/p><p>Herr Gabriel betonte, unsere Vorstellungen z.B. von Handel und Nachhaltigkeit k&ouml;nnten nur mit Partnern umgesetzt werden.<\/p><p>Gesetze f&uuml;r Verbraucher und Parlamente d&uuml;rften nicht abgebaut werden. Prinzipien f&uuml;r Gerechtigkeit und Umweltschutz m&uuml;ssten weiterhin bestehen bleiben. Durch CETA und TTIP d&uuml;rften demokratische Regulierungen nicht aufgehoben werden. Vielmehr m&uuml;ssten die Freihandelsabkommen u.a. solidarisch (mit den Entwicklungsl&auml;ndern) sein und den Primat der Politik hervorheben.<\/p><p>Als Alternative zu den bisherigen Vorstellungen von Schiedsgerichten schl&auml;gt Herr Gabriel vor, dass die Gerichte mit qualifizierten und erfahrenen Berufsrichtern bzw. Wissenschaftlern, die Transparenz bei ihrer Arbeit gew&auml;hrleisten k&ouml;nnen, besetzt werden. Insbesondere Urteile nationaler Gerichte d&uuml;rften nicht aufgehoben werden k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Statement von Frau Malmstr&ouml;m<\/strong><\/p><p>Frau Malmstr&ouml;m bezeichnete die TTIP-Verhandlungen als Chance f&uuml;r Deutschland und Verhandlungen f&uuml;r Verantwortungen: Mehr Export bedeute mehr Nachfrage.<\/p><p>TTIP k&ouml;nne Zollkosten sparen und die derzeitig &uuml;berteuerten Kosten f&uuml;r medizinische Produkte senken.<\/p><p>TTIP schaffe auch Chancen f&uuml;r Volkswirtschaften. Frau Malmstr&ouml;m sprach merhfach von &bdquo;Verantwortung&ldquo;.<\/p><p>Verantwortung hie&szlig;e u.a. Standards zu halten und gegenseitig zu respektieren. Z.B. Gesetze &uuml;ber Hormonfleisch sollen nicht ver&auml;ndert werden.<\/p><p>Verantwortung bedeute jedoch auch, dass Investitionen gesch&uuml;tzt werden sollen &ndash; bei Gew&auml;hrleistung von (bestehenden) Garantien f&uuml;r die B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger.<\/p><p>Verantwortung bedeute auch die Pr&auml;ferenz einer Allianz mit den USA, die nahe Werte und Demokratievorstellungen h&auml;tten.<\/p><p>Zum Thema &bdquo;Transparenz&ldquo; betonte Frau Malmstr&ouml;m, dass Dokumente ins Internet gestellt w&uuml;rden. Sie wolle Foren, Konferenzen besuchen, um zu verstehen &ndash; gemeint sind auch die Sorgen.<\/p><p><strong>Zur ersten Diskussionsrunde &bdquo;Chancen und Risiken des transatlantischen Freihandels&ldquo;<\/strong><\/p><p>Teilgenommen haben:<\/p><ul>\n<li>Sigmar Gabriel, MdB, SPD-Vorsitzender und Bundesminister f&uuml;r Wirtschaft und Energie<\/li>\n<li>Reiner Hoffmann, Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)<\/li>\n<li>Bernd Lange, MdEP, Vorsitzender des Handelsausschusses des Europ&auml;ischen Parlamentes<\/li>\n<li>Dr. Cecilia Malmstr&ouml;m, EU-Kommissarin f&uuml;r Handel<\/li>\n<li>Dr. Eric Schweitzer, Pr&auml;sident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK)<\/li>\n<li>Leitung der Diskussion: Hubertus Heil, MdB, stellv. Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion<\/li>\n<\/ul><p>Zur Frage von Herren Heil an Frau Malmstr&ouml;m, ob sie in Deutschland eine besondere Debatte um die Freihandelsabkommen beobachte, meinte die EU-Kommissarin sinngem&auml;&szlig;:<\/p><p>Vor einigen Jahren sei eine Debatte kaum zu sehen gewesen, nun sei sie hierzulande hitziger als in anderen L&auml;ndern.<\/p><p>Weiter betonte Frau Malmstr&ouml;m, dass in den Abkommen die nationalen Gerichte bestehen blieben. Schiedsgerichte g&auml;be es in Deutschland seit den 1950er Jahren. Nun m&uuml;ssten sie modernisiert werden, denn u.a. m&uuml;ssten Investitionen gesch&uuml;tzt werden.<\/p><p>Herr Gabriel kn&uuml;pfte daran an und hob hervor, dass insbesondere CETA keine nationalen Gerichte angreife. Im CETA sei au&szlig;erdem ausdr&uuml;cklich festgeschrieben worden, dass nationale und europ&auml;ische Unternehmen bei Ausschreibungen bevorzugt werden d&uuml;rften.<br>\nAls wichtiges Anliegen betonte Herr Gabriel, dass Berufungen bei Schiedsgerichten m&ouml;glich sein m&uuml;ssten.<\/p><p>Frau Malmstr&ouml;m meinte erneut, dass Schiedsgerichte modernisiert und unabh&auml;ngiger werden m&uuml;ssten. Sie betonte ausdr&uuml;cklich, dass die Verhandlungen &uuml;ber CETA abgeschlossen seien und nicht weiter verhandelt werden k&ouml;nne.<\/p><p>Herr Hoffmann und Herr Schweitzer wurden nach ihrer Einsch&auml;tzung zu den Abkommen gefragt:<\/p><p>Herr Hoffmann verwies auf das gemeinsame Papier zwischen DGB und SPD, das einige Risiken benenne. Er erw&auml;hnte sodann, dass die DGB-Jugend zu dem Ergebnis gekommen sei, dass Handel zu zahlreichen Vorteilen gef&uuml;hrt h&auml;tte. Die &bdquo;Fr&uuml;chte&ldquo; seien jedoch anders verteilt worden.<br>\nHerr Hoffmann betonte, dass die EU-Kommission die Chancen f&uuml;r Fairness nutzen m&uuml;sse. Derzeit w&uuml;rden in den USA die ILO-Arbeitsnormen kaum eingehalten (z.B. keine Koalitionsfreiheit bei Gewerkschaftsarbeit). Die Chance f&uuml;r eine faire Globalisierung sollten genutzt werden.<\/p><p>Herr Schweitzer meinte, der Hauptabsatzmarkt deutscher Firmen sei Europa. Europa schw&auml;chele aber. Daher sei ein Abkommen mit Amerika eine Chance &ndash; insbesondere f&uuml;r den Mittelstand.<\/p><p>Frau Malmstr&ouml;m sagte, die ILO-Arbeitsnormen seien wichtig und es werde sich um Dialog mit US-Vertretern bem&uuml;ht. Ebenso wie bei den Zielen Klimaschutz und gegen Kinderarbeit.<br>\nSie hob hervor, dass US-Firmen, die nach Europa k&auml;men, die EU-Vorschriften einhalten m&uuml;ssten.<br>\nDerzeit werde eine Datenbank f&uuml;r Firmen des Mittelstandes vorbereitet, um diesen erleichtert Informationen &uuml;ber die Vorteile des Freihandels zukommen zu lassen.<br>\nOb CETA ein gemischtes Abkommen ist, sei unklar. Eventuell reiche die Zustimmung durch EU-Gremien; m&ouml;glicherweise m&uuml;ssten auch die Nationalgremien entscheiden. &Uuml;ber TTIP sei das noch nicht entschieden.<\/p><p>Herr Lange vertrat die &Uuml;berzeugung, dass CETA und TTIP gemischte Abkommen seien. Er sei daf&uuml;r, dass alle Nationalparlamente entscheiden k&ouml;nnen sollen.<br>\nIm Gegensatz zu Frau Malmstr&ouml;m hob er hervor, dass CETA noch nicht endg&uuml;ltig abgeschlossen sei &ndash; es liege schlie&szlig;lich noch keine Unterschrift vor. Es k&ouml;nne also noch weiter verhandelt werden.<br>\nGro&szlig;e Probleme sehe er bei den Themen Schiedsgerichte, Arbeitnehmerrechte und Umweltstandards. Er betonte, dass gegenseitige Anerkennungen m&ouml;glich seien. <\/p><p>Frau Malmstr&ouml;m und Herr Gabriel nannte als Beispiel, dass Genfood durch CETA und TTIP in der EU nicht m&ouml;glich seien.<\/p><p>Frau Malmstr&ouml;m begr&uuml;ndete abschlie&szlig;end geheime Verhandlungen aus R&uuml;cksicht um Vertrauensherstellung. Nun jedoch werde alles ver&ouml;ffentlicht, was Herr Heil zusammenfassend so formulierte: &bdquo;Soviel Vertrauen wie n&ouml;tig, soviel Transparenz wie m&ouml;glich&ldquo;.<\/p><p>Herr Gabriel sch&uuml;rt sodann implizit Gefahren vor Asien, deren Bev&ouml;lkerung wachse, w&auml;hrend Europa schrumpfe. Er hob die Bedeutung der amerikanischen Partner und die gemeinsamen Standards hervor.<\/p><p>Herr Hoffmann hob hervor &ndash; und meinte, Herr Gabriel h&auml;tte das auch erw&auml;hnen sollen &ndash; dass Wachstumsraten und Besch&auml;ftigungseffekte aus ersten Studien &uuml;ber die Freihandelsabkommen reines Wunschdenken seien.<br>\nEr betonte, dass CETA in der bestehenden Form nicht akzeptabel sei und stellte Schiedsgerichte mit den USA infrage. Wir seien schlie&szlig;lich keine &bdquo;Bananenrepublik&ldquo;.<\/p><p>Herr Lange betonte, dass nicht durch Abkommen, sondern durch Investitionen Arbeitspl&auml;tze geschaffen w&uuml;rden.<\/p><p><strong>Schulz-Rede<\/strong><br>\nHerr Schulz macht darauf aufmerksam, dass viel von Chancen und Risiken geredet worden sei. Die Frage &bdquo;Wie kriegen wir es hin, die beiden Bl&ouml;cke zu vers&ouml;hnen?&ldquo; m&uuml;sse beantwortet werden.<br>\nPrinzipiell sei es zu begr&uuml;&szlig;en, dass die beiden demokratischen Bl&ouml;cke (gemeint sind Amerika und Europa; CR) sich zusammen schlie&szlig;en. Kritik m&uuml;sse ernst genommen werden und wettert sodann gegen Leute, die einen Anti-Amerikanismus betreiben w&uuml;rden. Amerika und Europa: Das seien etwa 800 Millionen Menschen. Andere, vor allem asiatische Regionen seien viel gr&ouml;&szlig;er.<br>\nNotwendig seien Regeln f&uuml;r die Globalisierung.<br>\nTransparenz wurde von nationalen Interessen behindert &ndash; nicht von europ&auml;ischer Ebene. Aber nicht alle Verhandlungen k&ouml;nnten offen gelegt werden, weil sonst die Verhandlungsstrategien vereitelt werden k&ouml;nnten.<br>\nHerr Schulz gab sich zuversichtlich, dass auch CETA nachverhandelt werden k&ouml;nnte, weil bisher noch keine Unterschriften vorl&auml;gen.<br>\nEr betonte auch, dass die Hoheit &uuml;ber Gesetze und Demokratie bei den Parlamenten liege. Dieses Recht sollten sich Parlamentarier nicht nehmen lassen.<\/p><p><strong>Zum &bdquo;Hearing&ldquo; Arbeit, Wirtschaft, Investorenschutz<\/strong><br>\nDrei Gespr&auml;chsrunden2 haben parallel stattgefunden.<br>\nAn dieser Gespr&auml;chsrunde zum Thema &bdquo;Arbeit, Wirtschaft, Investorenschutz&ldquo; haben teilgenommen:<\/p><ul>\n<li>Matthias Machnig, Staatssekret&auml;r im Bundesministerium f&uuml;r Wirtschaft und Energie<\/li>\n<li>Prof. Dr. Franz C. Mayer, Universit&auml;t Bielefeld, Lehrstuhl f&uuml;r &Ouml;ffentliches Recht, Europarecht, V&ouml;lkerrecht<\/li>\n<li>Wilhelm Segerath, Konzernbetriebsratsvorsitzender der ThyssenKrupp AG, Vorstandsmitglied der IG Metall<\/li>\n<li>Carl Martin Welcker, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrender Gesellschafter der Alfred H. Sch&uuml;tte GmbH, stellv. Pr&auml;sident des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA)<\/li>\n<\/ul><p>Leitung: Christine Lambrecht, MdB, Erste Parlamentarische Gesch&auml;ftsf&uuml;hrerin der SPD-Bundestagsfraktion<\/p><p>Herr Welcker meinte, die Amerikaner w&uuml;rden Arbeitnehmer anders behandeln. Man solle nicht erwarten, dass die USA ihre Gesetze &auml;ndern w&uuml;rden. Sie seien demokratisch legitimiert.<\/p><p>Herr Segerath betonte sehr vehement, dass die USA endlich die ILO-Arbeitsnormen ratifizieren sollen. Das erwarte er ebenso wie die freie Bet&auml;tigung von Gewerkschaften in den USA.<\/p><p>Herr Machnig hob zun&auml;chst einige Statistiken hervor, u.a. dass nicht alle Verfahren als Schiedsverfahren angenommen w&uuml;rden. Etwa ein Drittel der beabsichtigten Verfahren w&uuml;rden abgelehnt und etwa ebenfalls ein Drittel w&uuml;rden au&szlig;erhalb von Schiedsgerichten beendet.<br>\nEr betonte auch die beiden demokratischen Bl&ouml;cke &ndash; wie zuvor Herr Schulz.<\/p><p>Herr Mayer vertrat die Ansicht, dass die Freihandelsabkommen gemischte Abkommen sein m&uuml;ssten, aber es sei der Versuch unternommen worden, dass nationale Parlamente nicht beteiligt werden sollten.<\/p><p>Es gab von Publikumsseite Nachfragen zum Investorenschutz und zu den ILO-Arbeitsnormen.<br>\nHerr Mayer betonte, dass die USA eine andere politische Kultur als Europa h&auml;tten, was bei den ILO-Normen bedeutsam sei. Beispielsweise herrsche in den USA eine andere Auffassung dar&uuml;ber vor, was &uuml;berhaupt geregelt werden m&uuml;sse.<\/p><p>Herr Machnig meinte, der Investorenschutz sei insbesondere f&uuml;r den Mittelstand wichtig. Das m&uuml;sse aber nicht durch die sog. ISDS-Verfahren geregelt werden. Es g&auml;be auch andere M&ouml;glichkeiten.<br>\nZur Frage &bdquo;Was geht in Europa noch?&ldquo; meinte Herr Machnig:<br>\nEr w&uuml;rde nicht von &bdquo;Nachverhandlungen&ldquo;, sondern beispielsweise von &bdquo;Pr&auml;zisierungen&ldquo;, &bdquo;Konkretisierungen&ldquo; oder &auml;hnlichem sprechen.<br>\nF&uuml;r ihn sei es unvorstellbar, dass in 2016, mitten im US-Wahlkampf in den USA &uuml;ber die ILO-Arbeitsnormen diskutiert werde und neue Vorschriften erlassen w&uuml;rden.<\/p><p>Herr Welcker betonte, dass er bei jedem Amerika-Gesch&auml;ft mit seinen US-Gesch&auml;ftspartnern ein Schiedsabkommen abschlie&szlig;e.<\/p><p>Herr Mayer hob &ndash; diese Diskussion abschlie&szlig;end &ndash; hervor, dass Investition Risiko bedeute. In den USA g&auml;be es keinen Investitionsschutz und die Gesch&auml;fte h&auml;tten in der Vergangenheit auch funktioniert.<br>\nIn Bezug auf die letzte &Auml;u&szlig;erung von Herrn Welcker betonte er, dass Schiedsverfahren im Privatrecht von Schiedsverfahren im V&ouml;lkerrecht zu unterscheiden seien. Denn: Beim Privatrecht sei allen Beteiligten bekannt, worum es gehe. Das sei bei diesen Abkommen jedoch nicht der Fall, da die Verhandlungen dazu geheim seien.<br>\nAbschlie&szlig;end vertrat Herr Mayer die &Uuml;berzeugung, dass die Beschl&uuml;sse der europ&auml;ischen Sozialdemokraten von Madrid3 zum CETA-Abkommen und insbesondere den dort enthaltenen Handels- und Investitionsgericht Schritte in die richtige Richtung seien.<\/p><p><em><strong>Anmerkung CR:<\/strong> Oft ist die Rede von den zwei gr&ouml;&szlig;ten demokratischen Bl&ouml;cken gewesen, die sich zusammen schlie&szlig;en k&ouml;nnen, um Standards zu setzen &ndash; gemeint waren Amerika und Europa. Insbesondere Martin Schulz, Mattias Machnig und Wilhelm Segerath haben diese Redewendung benutzt. Martin Schulz nannte die Zahl von etwa 800 Millionen Menschen, die in dem zuk&uuml;nftigen &bdquo;Freihandelsraum&ldquo; zwischen Amerika und Europa leben.<\/em><br>\n<em>Meines Wissens wird jedoch generell Indien als (sogar gr&ouml;&szlig;te) Demokratie hervorgehoben. Dort leben etwa 1 Milliarde Menschen. Dann w&auml;ren Amerika und Europa nicht der gr&ouml;&szlig;te demokratische Block.<\/em><\/p><p><em>Herr Gabriel m&ouml;chte mit diesen amerikanisch-europ&auml;ischen Freihandelsabkommen &bdquo;Regeln der Globalisierung&ldquo; schaffen. Er meinte, diese Standards seien h&ouml;her als sie mit anderen Regionen (vor allem mit asiatischen Staaten) m&ouml;glich seien. Die Entwicklung in Asien &ndash; insbesondere die der Bev&ouml;lkerungszunahme &ndash; wird faktisch als Schreckensszenario dargestellt.<\/em><br>\n<em>Herr Ganriel offenbart hier sein Denkverm&ouml;gen, dass implizit &uuml;ber Schwarz-Wei&szlig;-Kategorien nicht hinaus kommt: Amerika-Europa sei gut &ndash; Asien-Europa sei schlecht. Damit f&uuml;hrt er auch den oben erw&auml;hnten Vorwurf gegen Attac (&bdquo;TTIP ist b&ouml;se&ldquo;) ad absurdum.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Konferenz <a href=\"http:\/\/spd-freihandelskonferenz.de\/\">&bdquo;Transatlantischer Freihandel &ndash; Chancen und Risiken&ldquo; der SPD und der SPD-Bundestagsfraktion<\/a> war eine Werbeveranstaltung f&uuml;r die Abkommen CETA und TTIP. Eine Zusammenfassung von <strong>Christian Reimann<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[37,191,11],"tags":[895,401,1336,1335,860,1193],"class_list":["post-25219","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-globalisierung","category-spd","category-strategien-der-meinungsmache","tag-freihandel","tag-gabriel-sigmar","tag-hoffmann-reiner","tag-malmstroem-cecilia","tag-oppermann-thomas","tag-schulz-martin"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25219","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=25219"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25219\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":89374,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25219\/revisions\/89374"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=25219"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=25219"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=25219"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}