{"id":2531,"date":"2007-08-06T09:11:05","date_gmt":"2007-08-06T07:11:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2531"},"modified":"2015-12-31T13:33:36","modified_gmt":"2015-12-31T12:33:36","slug":"die-reformen-greifen-bis-zu-145-prozent-weniger-altersruhegeld-fuer-neu-rentner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2531","title":{"rendered":"Die Reformen greifen: Bis zu 14,5 Prozent weniger Altersruhegeld f\u00fcr Neu-Rentner"},"content":{"rendered":"<p>Die Renten-Reformen haben offenbar zu einer deutlichen Reduzierung der Altersruhegelder gef&uuml;hrt. Wie die &ldquo;Bild&rdquo;- Zeitung unter Berufung auf Zahlen der Deutschen Rentenversicherung Bund berichtet, sind die Bez&uuml;ge f&uuml;r Versicherte, die im vergangenen Jahr in den Ruhestand gegangen sind, im Vergleich zum Jahr 2000 um bis zu 14,5 Prozent gesunken. Danach erh&auml;lt ein Mann in Westdeutschland heute eine durchschnittliche Netto-Rente von 790 Euro im Monat, im Osten sind es 836 Euro. Frauen bekommen 434 beziehungsweise 660 Euro. Das liegt unter anderem daran, dass Fr&uuml;hrentner deutliche Abschl&auml;ge hinnehmen m&uuml;ssen und dass Senioren mehr in die Kranken- und Pflegeversicherung <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/0,1518,498115,00.html\">einzahlen m&uuml;ssen als fr&uuml;her<\/a>. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nDer Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Bund, Dirk von der Heide, best&auml;tigte der &ldquo;Bild&rdquo;-Zeitung die Entwicklung. Dank der Rentenreformen der letzten Jahren ist die gesetzliche Rente f&uuml;r den sog. Durchschnittsrentner dort angekommen, wo sie hinkommen sollte: an der Armutsgrenze. Das hat man also ganz konkret unter dem Tarnwort vom &bdquo;Umbau&ldquo; des Sozialstaates zu verstehen.<\/p><p>&ldquo;Die Verringerung der Rentenzahlbetr&auml;ge bei Neu-Rentnern zeigt, dass die Rentenreformen und Abschl&auml;ge bei fr&uuml;hzeitigem Renteneintritt wirken&rdquo;, sagte von der Heide. Die Selbstverwaltung der Rentenversicherung und die Politik k&ouml;nnten auch &ldquo;ein bisschen stolz&rdquo; sein. Die Herausforderungen, die sich f&uuml;r die Alterssicherung aus der demografischen Entwicklung erg&auml;ben, seien &ldquo;rechtzeitig&rdquo; bew&auml;ltigt worden. Dazu geh&ouml;re auch die Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre.<\/p><p>Dass &bdquo;Politik und die Selbstverwaltung der Rentenversicherung&ldquo; &uuml;ber diese drastische Rentenk&uuml;rzung &bdquo;ein bisschen stolz&ldquo; sein k&ouml;nnten, ist aus dem Munde eines Sprechers der gesetzlichen Rentenversicherung nur noch blanker Zynismus.<\/p><p>Die gesetzliche Rentenversicherung ist f&uuml;r &uuml;ber 80 Prozent der Rentner die Haupteinkommensquelle. Konnte noch in den siebziger Jahren mit einer Rente von knapp 60 Prozent des Nettoeinkommens gerechnet werden, so ist das Rentenniveau drastisch abgesunken und bewegt sich auf die bisher vorgesehene Untergrenze von 43 Prozent zu. Das Unverantwortliche dabei ist, dass die im vergangenen Jahr in Ruhestand gegangenen Rentner noch nicht einmal die Chance hatten, sich durch eine private Riester-Rente vor der Altersarmut zu retten. Ihre Rentenanspr&uuml;che wurden in den letzten Jahren ihres Arbeitslebens durch die von Schr&ouml;der durchgesetzten und von Riester exekutieren Renten-&bdquo;Reformen&ldquo; schlicht teilenteignet.<\/p><p>Nicht nur, dass durch die &bdquo;Reformen&ldquo; das Vertrauen in die gesetzliche Rente zerst&ouml;rt wurde, um den Durchbruch zu einer privaten Altersvorsorge zu schaffen, nein, jetzt wird dieser Mammut-Deal zugunsten der Versicherungswirtschaft auch noch auf den Knochen derjenigen ausgetragen, die von diesem Gesch&auml;ft zwischen Politik und Versicherungswirtschaft noch gar nichts ahnen konnten.<\/p><p>Zynisch ist gleicherma&szlig;en die Bemerkung des Sprechers der Deutschen Rentenversicherung, die Herausforderungen, die sich aus der demografischen Entwicklung erg&auml;ben, seien &bdquo;rechtzeitig&ldquo; bew&auml;ltigt worden.<br>\nWir haben derzeit alles andere als ein demografisches Problem, wir haben die Babyboomer der sechziger Jahre im Erwerbsf&auml;higenalter. Die aktuellen K&uuml;rzungen haben mit der Demografie rein gar nichts zu tun. Wir haben im Gegenteil &uuml;ber 200.000 Jugendliche, die keinen Ausbildungsblatz finden, wir haben inklusive der Arbeitnehmer, die in Warteschleifen sind oder die so wenig verdienen, dass sie Alg-II-Aufstocker sind, etwa 7 Millionen Menschen, die ohne Arbeit sind oder nur geringf&uuml;gige Arbeit haben. Wir haben bei weit &uuml;ber der H&auml;lfte der Arbeitnehmer einen erzwungenen und mit Rentenabschl&auml;gen sanktionierten Vorruhestand. Diese Herausforderungen des Arbeitsmarkts und damit gleichzeitig auch f&uuml;r die gesetzliche Rente wurden von &bdquo;der Politik&ldquo; nicht &bdquo;bew&auml;ltigt&ldquo;; gerade diese gravierenden Probleme h&auml;tten aber &bdquo;rechtzeitig&ldquo; bew&auml;ltigt werden m&uuml;ssen. Und f&uuml;r diese Fehlleistung der Politik d&uuml;rfen nun die Neu-Rentner &bdquo;bluten&ldquo;. <\/p><p>Wir haben &uuml;ber den Irrweg der Renten-&bdquo;Reformen&ldquo; und ihre politischen Hintergr&uuml;nde in zahllosen Beitr&auml;gen berichtet, dazu brauchen Sie nur einmal den Begriff Rente in unsere Suchfunktion eingeben. Deshalb ersparen wir uns an dieser Stelle die Wiederholung unserer Kritik.<\/p><p>Schlimm ist es, wenn jetzt dieses Versagen und die Tatsache, dass diese &bdquo;Reformen&ldquo; auf dem R&uuml;cken der Neu-Rentner ausgetragen werden, als Erfolg verkauft wird. <\/p><p><strong>P.S.: <\/strong><br>\nUnter Umgehung der Trennung von Berichterstattung und Werbung bringt es Focus Online einmal mehr auf den Punkt, worum es bei der Rentenreform letztlich ging: Die gesetzliche Rente auf eine minimale Grundsicherung einzuschrumpfen, um den privaten Versicherern ein Milliarden-Gesch&auml;ftsfeld zu er&ouml;ffnen &ndash; und das mit staatlichen Subventionen. Am Schluss des Beitrags &uuml;ber die Rentenk&uuml;rzungen hei&szlig;t es dort bezeichnender Weise:<\/p><p>&bdquo;<strong>Mehr Geld im Alter<\/strong><br>\nJetzt 50% Zulagen vom Staat<br>\nMit einer Riester-Rente sichern Sie sich zus&auml;tzliches Geld f&uuml;r Ihre Altersvorsorge. Niemand sollte sich diese Chance entgehen lassen.&ldquo;<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.focus.de\/finanzen\/altersvorsorge\/rente\/rentenreformen_aid_68827.html\">Focus<\/a><\/p><p>Sehen sie dazu auch Klaus Brandner, den sozialpolitischen Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion in der ZDF-Nachrichtensendung <a href=\"http:\/\/www.heute.de\/ZDFheute\/inhalt\/23\/0,3672,5582679,00.html\">&bdquo;heute&ldquo;<\/a>:<\/p><blockquote><p>Wir wissen, dass das Rentenniveau sinkt. Wir haben aber Vorsorge getroffen, indem private und betriebliche Altersvorsorge durch staatliche F&ouml;rderung, das ausgleichen sollen, was die gesetzliche Rente alleine nicht mehr leisten kann.<\/p><\/blockquote><p>Wenn man diesen &bdquo;Reformer&ldquo;-Neusprech &uuml;bersetzt, m&uuml;sste das Zitat so lauten:<\/p><blockquote><p>Wir wollten, dass das Rentenniveau sinkt, damit (nicht wir sondern) die Menschen sich zus&auml;tzlich ohne parit&auml;tische Finanzierung privat versichern und wir (die Steuerzahler) subventionieren daf&uuml;r noch die Versicherungswirtschaft und die Arbeitgeberseite, damit die Arbeitnehmer f&uuml;r die private und betriebliche Altersvorsorge mehr bezahlen m&uuml;ssen, als sie f&uuml;r eine ausk&ouml;mmliche gesetzliche Rente je h&auml;tten leisten m&uuml;ssen.<\/p><\/blockquote><p>So redet das ehemalige Mitglied im &bdquo;Beirat f&uuml;r Zukunftsfragen der Altersversorgung&ldquo; des <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/fotostrecke\/0,2828,PB64-SUQ9MjI5MzcmcGljdHVyZT0xMSZwcmludD0x,00.html%20\">Allianz-Versicherungskonzerns<\/a>. <\/p><p>Auf die Frage, was die Neu-Rentner von dieser &bdquo;Vorsorge&ldquo; haben, geht er gar nicht erst ein.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Renten-Reformen haben offenbar zu einer deutlichen Reduzierung der Altersruhegelder gef&uuml;hrt. 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Danach erh&auml;lt ein Mann in Westdeutschland<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2531\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[155,39,40],"tags":[635,1592,273,301,394,221],"class_list":["post-2531","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-demografische-entwicklung","category-rente","category-riester-ruerup-taeuschung-privatrente","tag-altersarmut","tag-deutsche-rentenversicherung","tag-privatvorsorge","tag-rentenalter","tag-subventionen","tag-versicherungswirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2531","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2531"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2531\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29794,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2531\/revisions\/29794"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2531"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2531"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2531"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}