{"id":2538,"date":"2007-08-09T09:11:12","date_gmt":"2007-08-09T07:11:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2538"},"modified":"2015-12-31T11:29:09","modified_gmt":"2015-12-31T10:29:09","slug":"der-bologna-prozess-fuer-einen-europaeischen-hochschulraum-oder-wie-ein-europaeischer-traum-an-der-wettbewerbsideologie-zerplatzte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2538","title":{"rendered":"Der Bologna-Prozess f\u00fcr einen \u201eEurop\u00e4ischen Hochschulraum\u201c \u2013 oder wie ein europ\u00e4ischer Traum an  der Wettbewerbsideologie zerplatzte"},"content":{"rendered":"<p>Der Aufsatz von Dieter Lemke <a href=\"?p=2535\">&bdquo;Lernen im Gleichschritt&ldquo;<\/a> hat mich in meiner Kritik best&auml;tigt, die ich seit l&auml;ngerer Zeit am Hochschulreformprozess hin zur &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschule &uuml;be. Lemke endet mit dem Satz &bdquo;Schade, dass der Name Bologna nun auch zum Symbol f&uuml;r das Begr&auml;bnis der Europ&auml;ischen Universit&auml;t geworden ist!&ldquo; So sehe ich das auch.<br>\nDie Bologna-Erkl&auml;rung f&uuml;r einen &bdquo;Europ&auml;ischen Hochschulraum&ldquo; ist 1999 von 31 europ&auml;ischen Bildungsministern unterzeichnet wurde. Ich war bis zum Jahre 2000 Staatssekret&auml;r im Nordrhein-Westf&auml;lischen Wissenschaftsministerium und habe deshalb die Diskussion um diese Erkl&auml;rung mitverfolgt, ja sogar mitbegleitet. Aus heutiger Sicht muss ich entt&auml;uscht feststellen, dass die Visionen und Hoffnungen, die ich zu Beginn damit verbunden habe, im Verlauf des Bologna-Prozesses geradezu pervertiert worden sind. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nMitte der 90er Jahre fand unter den Hochschulpolitikern und den Hochschulen eine kontroverse Diskussion statt. Zwar traten nahezu alle f&uuml;r die Idee einer politischen Union in Europa ein. Doch die Idee eines &bdquo;Europ&auml;ischen Hochschulraums&ldquo; war h&ouml;chst umstritten. Gemeinsame Au&szlig;engrenzen, gemeinsamer Markt und einheitliche W&auml;hrung und vielleicht einmal eine gemeinsame Au&szlig;en- und Sicherheitspolitik sch&ouml;n und gut, aber nun auch noch eine gemeinsame europ&auml;ische Hochschulpolitik? So haben viele, ja sogar die meisten Hochschulangeh&ouml;rigen gefragt.<\/p><p>Stand eine gemeinsame europ&auml;ische Hochschulpolitik nicht im Widerspruch zum erkl&auml;rten politischen Willen, die Autonomie der einzelnen Hochschule zu st&auml;rken? Wurde nicht in der Vergangenheit die L&auml;nderzust&auml;ndigkeit f&uuml;r das Hochschulwesen gegen Kompetenzanma&szlig;ungen des Bundes verteidigt? Warum sollte das Prinzip der Dezentralit&auml;t und Selbstverantwortung nicht in noch viel st&auml;rkerem Ma&szlig;e gegen&uuml;ber einem Zuwachs an Zust&auml;ndigkeiten oder gegen einen Einigungsdruck auf noch viel h&ouml;herer, europ&auml;ischer Ebene gelten?<\/p><p>Ich geh&ouml;rte zu den Skeptikern. Der Lissabon-Prozess mit seinen &ouml;konomischen Liberalisierungen, die anstehende W&auml;hrungsunion mit dem Verzicht auf eine nationale W&auml;hrungspolitik und eine durch Maastrichter strangulierte fiskalische Handlungsf&auml;higkeit der europ&auml;ischen Nationalstaaten etwa, waren eher Anlass, dar&uuml;ber nachzudenken, die Frage nach den Zielen und Zust&auml;ndigkeiten der verschiedenen Ebenen innerhalb der Europ&auml;ischen Gemeinschaft neu zu stellen. Schon damit angesichts der damals aufkommenden &bdquo;Europam&uuml;digkeit&ldquo; der Sinn und der Nutzen einer Einigung auf europ&auml;ischer Ebene von den europ&auml;ischen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rger wieder st&auml;rker h&auml;tte akzeptiert werden k&ouml;nnen.<\/p><p>Warum sollte der Prozess der politischen Einigung Europas auch noch die Hochschulen tangieren, wo sie doch in Deutschland &ndash; und in den meisten anderen europ&auml;ischen Staaten auch &ndash; eine mit Verfassungsrang ausgestattete Freiheitsgarantie genie&szlig;en, um ihren &ouml;ffentlichen Auftrag zur Vermittlung und Weiterentwicklung von Bildung und Kultur erf&uuml;llen zu k&ouml;nnen?<\/p><p>Trotz dieser Bedenken, habe ich die Bologna-Erkl&auml;rung &ouml;ffentlich bef&uuml;rwortet. Ein eher vision&auml;res Ziel zur Bewahrung einer europ&auml;ischen Identit&auml;t gegen eine marktradikale Globalisierung und eine Reihe pragmatische Argumente sprachen aus meiner damaligen Sicht eher daf&uuml;r.<\/p><p>Die vision&auml;re Ebene lag auf der Linie der Gedanken, die im Jahre 2003 von Jacques Derrida und J&uuml;rgen Habermas in ihrem Aufruf zur &bdquo;Wiedergeburt Europas&ldquo; zu Papier gebracht haben.  Europa sollte  nicht nur ein gemeinsamer Markt mit einer einheitlichen W&auml;hrung, also eine blo&szlig;e &bdquo;Zweckgemeinschaft&ldquo; sein. Der politische Einigungsprozess w&uuml;rde von den B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern dauerhaft nur mitgetragen, wenn &uuml;ber die wirtschaftliche Dimension hinaus Europa eine kulturelle und symbolische Anziehungskraft f&uuml;r die Menschen beh&auml;lt oder neu entwickelt. Es ging also &ndash; wie Habermas das dann sp&auml;ter in der ZEIT formuliert hat &ndash; um die &bdquo;Idee der Bewahrung einer spezifischen, heute in Gefahr geratenen Kultur und Lebensform&ldquo;.<\/p><p>Pathetisch gesagt haben ich und viele andere daran geglaubt, dass nur ein starkes und einiges Europa, das sich auf seine gemeinsamen Errungenschaften, auf eine gemeinsame Wertorientierung besinnt, seine Gestaltungsmacht und seine politische Handlungsf&auml;higkeit gegen&uuml;ber einer unter dem Stichwort Globalisierung vorangetriebenen weltweiten Marktradikalisierung bewahren k&ouml;nnte.<br>\nUnd zu den s&auml;kularen Errungenschaften der europ&auml;ischen Kultur geh&ouml;rte f&uuml;r mich, neben Demokratie, Menschenrechten und Sozialstaat eben auch das Prinzip der Freiheit der Wissenschaft und die Idee der &bdquo;universitas litterarum&ldquo;, der Einheit von Lehre und Forschung mit einer allseitigen humanistische Bildung. <\/p><p>Ich hatte die Hoffnung, dass sich der aufkl&auml;rerische Kern des universit&auml;ren Anspruchs &ndash; um es mit dem Philosophen Gadamer zu sagen &ndash;, n&auml;mlich &bdquo;Wahrheit und Methode&ldquo;, gegen die &ouml;konomischen und zunehmend auch politischen Wahrheits- oder Geltungsanspr&uuml;che, die sich hinter dem Begriff der Globalisierung verbargen, durchsetzen k&ouml;nnte.<\/p><p>Es gab ja in Deutschland schon vor der Jahrtausendwende gen&uuml;gend Beispiele daf&uuml;r, wie selbst verfassungsrechtlich garantierte institutionelle Gew&auml;hrleistungen wie etwa die Organisation der Freiheit von Forschung, Lehre und Studium durch die unmittelbare Konkurrenz anders verfasster weltweiter Anbieter unterlaufen werden sollten.<br>\nSo sah etwa schon das allgemeine Abkommen &uuml;ber den Dienstleistungsverkehr GATS aus dem Jahre 1994 eine Verpflichtung zur v&ouml;lligen Liberalisierung des Dienstleistungsverkehrs vor und meint damit auch die Einbeziehung des Bildungssektors mitsamt dem terti&auml;ren Bildungsbereich.<br>\nEs war zum Beispiel schon damals verpflichtend, dass selbst au&szlig;ereurop&auml;ische Bildungsanbieter &ndash; sei es &uuml;ber das Internet oder sei es als sogenannte Franchise-Betriebe &ndash; nicht nur freien Marktzugang hatten, sondern, wie das Beispiel der International University Bremen (IUB), damals noch ein Ableger der texanischen Rice-Universit&auml;t, zeigte, auch die sogenannte Inl&auml;nderbehandlung etwa bei der Beantragung von staatlichen Hochschulbauf&ouml;rdermittel genie&szlig;en sollten. In einzelnen Debattenbeitr&auml;gen tauchte gar schon die Frage auf, ob die bisherige Freiheit von Studiengeb&uuml;hren, gegen&uuml;ber privaten Bildungsanbietern nicht eine unerlaubte staatliche Subvention darstelle.<br>\nMan m&uuml;sste noch viele Beispiele f&uuml;r eine derartige Aush&ouml;hlung nationalen Verfassungsrechts durch internationale Vertr&auml;ge anf&uuml;gen.<\/p><p>Die Durchdringung vorhandener Systeme von au&szlig;en geschieht ja einerseits in einem von Markt und Wettbewerb gepr&auml;gten und damit demokratisch und politisch weitgehend unkontrollierten Prozess. Andererseits ist diese schleichende Assimilation jedoch keineswegs ein unentrinnbares Naturereignis sondern durchaus politisch gest&uuml;tzt und gewollt. <\/p><p>Auch ich war damals ein Anh&auml;nger der im fortschrittlicheren Lager bis heute vertretenen These, dass es in Zukunft von der politischen Einigung Europas abh&auml;ngen wird, ob wir auf einer h&ouml;heren, europ&auml;ischen Ebene wieder eine st&auml;rkere Gestaltungssouver&auml;nit&auml;t und demokratisch bestimmte Regelungsmacht wiedergewinnen k&ouml;nnten, die einzelne Staaten, auf sich allein gestellt, im Zuge des mit der falschen Globalisierung  einhergehenden Deregulierungsprozesses immer mehr zu verlieren scheinen. <\/p><p>Insofern sollte die Gestaltung eines europ&auml;ischen Hochschulraums eine Barriere und zugleich einen Schutz f&uuml;r die europ&auml;ische Universit&auml;tsidee und f&uuml;r die Selbstverwaltungsf&auml;higkeit der europ&auml;ischen Hochschulen vor dem immer st&auml;rker in alle gesellschaftlichen Bereiche eindringenden Wirtschafts- und Marktparadigma bieten.<\/p><p>Kulturgeschichtlich betrachtet war die Schaffung eines europ&auml;ischen Hochschulraumes eigentlich auch nichts Neues, sondern eher eine R&uuml;ckbesinnung auf eine bedeutende Errungenschaft europ&auml;ischer Kultur, die in fr&uuml;heren Zeiten eine nahezu weltweite Ausbreitung erfahren hat.<br>\nDie Archetypen unserer heutigen europ&auml;ischen Universit&auml;tsidee in Bologna und Paris oder sp&auml;ter mit der Carolina in Prag waren letztlich europ&auml;isch ausgerichtet. Ihr universelles Prinzip verk&ouml;rperte sich in weitgehend frei zirkulierenden Studierenden und Akademikern, die das enzyklop&auml;disch geordnete Wissen &uuml;ber den ganzen europ&auml;ischen Kontinent verbreiteten.<\/p><p>Zwar haben sich die Hochschulen in Europa ganz unterschiedlich ausgepr&auml;gt und ihre unterschiedliche Tradition entwickelt, aber es waren Institutionen die geschichtlich gewachsen sind und in den einzelnen Nationen einen hohen Identifikationswert erlangt und gestiftet hatten. Gerade dadurch erschienen sie gegen eine nivellierende Harmonisierung von au&szlig;en gewappnet. Vielfalt sollte in guter europ&auml;ischer Tradition eine Quelle der Erneuerung sein und einen durchaus notwendigen Reformprozess in Gang bringen, in dem das gute nationale Beispiel zum besseren europ&auml;ischen Ganzen f&uuml;hren sollte.<\/p><p>Die &bdquo;Magna Charta Universitatem&ldquo; von Bologna, die schon 1988 anl&auml;sslich der neunten Jahrhundertfeier der &auml;ltesten europ&auml;ischen Universit&auml;t von den dort versammelten europ&auml;ischen Universit&auml;tsrektoren feierlich verabschiedet wurde, dokumentierte kulturelle Grunds&auml;tze und Mittel, die bei allen landesspezifischen Ausdifferenzierungen sich transnational &uuml;berlappten und von Lehrenden und Studierenden in ganz Europa zwanglos h&auml;tten geteilt und befolgt werden k&ouml;nnen. Diese Grunds&auml;tze fanden unter Lehrenden und Studierenden auch Anerkennung und Unterst&uuml;tzung<\/p><p>Ich hatte die Hoffnung, dass gerade die Hochschulen eine wichtige institutionelle und kommunikative Ebene f&uuml;r die Herstellung einer bisher fehlenden europ&auml;ischen &bdquo;&Ouml;ffentlichkeit&ldquo; h&auml;tten sein k&ouml;nnen. Die in einen demokratischen Meinungs- und Willensbildungsprozess eingebettete Schaffung eines europ&auml;ischen Hochschulraums h&auml;tte ein Beitrag zur Herausbildung einer grenz&uuml;berschreitenden politischen Kultur und damit zur politischen Identit&auml;tsfindung Europas sein k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Neben diesen &bdquo;&Uuml;berbau&ldquo;-Argumenten gab es nat&uuml;rlich auch eine ganze Reihe ganz pragmatischer Erw&auml;gungen f&uuml;r einen &bdquo;Europ&auml;ischen Hochschulraum&ldquo;:<\/strong><\/p><p>Innerhalb eines europ&auml;ischen Arbeitsmarktes war es nur naheliegend, zur F&ouml;rderung der Mobilit&auml;t der Arbeitskr&auml;fte und zur Schaffung gleicher beruflichen Chancen ein &ndash; wie es in der Bologna-Erkl&auml;rung hei&szlig;t &ndash; &bdquo;System leicht verst&auml;ndlicher und vergleichbarer Abschl&uuml;sse&ldquo; anzustreben.<br>\nWarum sollte den Studierenden schon w&auml;hrend ihres Studiums der Aufenthalt in einem europ&auml;ischen Nachbarland durch die gegenseitige Anerkennung von Studienleistungen und Zertifikaten erleichtert werden? Was spricht gegen einen vermehrten Austausch von Lehrkr&auml;ften innerhalb Europas?<br>\nDiese ganz konkreten Anliegen f&uuml;r eine Verbesserung des Austauschs von Wissenschaft und Forschung in Europa lie&szlig;en sich noch um viele positiven Aspekte erg&auml;nzen.<\/p><p>Doch der in Bologna vor acht Jahren in Bologna angesto&szlig;ene Prozess, nahm vor allem in Deutschland einen v&ouml;llig anderen Verlauf.<\/p><p>Von der von Habermas und Derrida proklamierten &bdquo;Wiedergeburt Europas&ldquo; ist jedenfalls im Hochschulraum nichts zu erkennen. &Uuml;ber die rein wirtschaftliche Dimension geht von den Hochschulen, wie auch Umfragen belegen, kaum noch eine kulturelle Anziehungskraft auf die europ&auml;ischen B&uuml;rgerinnen B&uuml;rger aus. Eine Besinnung auf gemeinsame Errungenschaften und eine gemeinsame Wertorientierung fand nicht statt. Im Gegenteil: Statt ein europ&auml;isches Bollwerk gegen einen wertblinden weltweiten Wettbewerb zu errichten und die Vielfalt der europ&auml;ischen Hochschullandschaften gegen eine gleichmacherische Globalisierungsideologie zu verteidigen, hat man sich aus der politische Gestaltungsmacht zunehmend entledigt und der Staat hat sich mancherorts sogar schon v&ouml;llig aus den Hochschulen verabschiedet und diese den Zw&auml;ngen der Konkurrenz um Ausbildungs- und Wissensm&auml;rkte ausgeliefert. <\/p><p>Europa ist weder demokratischer noch sozialer geworden und von den Prinzipien der Freiheit der Wissenschaft redet man in Deutschland nur noch im Zusammenhang mit  der &bdquo;unternehmerischen Freiheit&ldquo; der Hochschulen.<br>\nDer aufkl&auml;rerische Kern der europ&auml;ischen Universit&auml;tsidee, die Suche nach Wahrheit und der dazu geeigneten Methoden ist den Geltungsanspr&uuml;chen des Marktdogmas untergepfl&uuml;gt worden.<\/p><p>An die Stelle der Selbstverwaltungsf&auml;higkeit der europ&auml;ischen Hochschulen, sind aus Gro&szlig;konzernen entliehene Managementprinzipien getreten. Statt historisch gewachsener Vielfalt, wird Uniformierung und Hierarchisierung erzwungen.<\/p><p>Hochschulen &ndash; jedenfalls so wie sie derzeit im politischen Raum gehandelt werden &ndash; tragen kaum noch zur kulturellen Identit&auml;tsstiftung ihrer jeweiligen Region, geschweige denn f&uuml;r Europa bei. Sie sind regionale oder international agierende Unternehmen geworden, die, wie alle anderen gro&szlig;en Betriebe auch, Arbeitspl&auml;tze bieten, ihr Produkt Wissen mehr oder weniger erfolgreich auf dem Markt anbieten und die ihre &bdquo;Kunden&ldquo; f&uuml;r den Arbeitsmarkt &bdquo;fit&ldquo; machen sollen.<\/p><p>Wenn schon die Idee f&uuml;r einen europ&auml;ischen Hochschulraum gescheitert ist, umso mehr  sind es die pragmatischen Erwartungen.<br>\nSchon innerhalb Deutschlands ist es inzwischen schwieriger geworden, den Studienort zu wechseln, gar nicht zu reden von den Problemen eines Studienplatzwechsel innerhalb Europas. Die Hochschulabschl&uuml;sse &ndash; zumal der Bachelor &ndash; sind in einem Anerkennungschaos gelandet. F&uuml;r einen Wechsel des Studienortes bleibt wegen der &Uuml;berfrachtung und &Uuml;berregulierung der Studieng&auml;nge f&uuml;r weniger Studierende eine Chance als zuvor. Ein Austausch der Lehrkr&auml;fte findet allenfalls dann statt, wenn mehr bezahlt wird. Aus der europ&auml;ischen Tradition einer &bdquo;Bildung durch Wissenschaft&ldquo; sind reine Paukstudien mit einem vorgeschriebenen &bdquo;workload&ldquo; und fl&uuml;chtigem Wissen geworden. Die Arbeitsmarkttauglichkeit der Abschl&uuml;sse ist v&ouml;llig ungewiss. <\/p><p>Wie kam es zu dem Scheitern der Idee eines &bdquo;Europ&auml;ischen Hochschulraums?<br>\nWaren die Ziele zu idealistisch, waren die Anh&auml;nger dieser Ziele zu blau&auml;ugig?<br>\nDar&uuml;ber m&uuml;sste und k&ouml;nnte man B&uuml;cher schreiben.<\/p><p>Der Hauptgrund d&uuml;rfte sein, dass die Politik in fast allen europ&auml;ischen Staaten der Vergesellschaftung der Wettbewerbs- und Marktideologie nichts entgegenzusetzen hatte und wollte, im europ&auml;ischen Br&uuml;ssel schon gar nicht.<br>\nWer h&auml;tte schon 1999, also am Beginn des Bolognaprozesses, den v&ouml;lligen Paradigmenwechsel durch die Agenda-Politik von Bundeskanzler Schr&ouml;der vorausahnen k&ouml;nnen? Wer h&auml;tte voraussehen k&ouml;nnen, wie sehr sich die Hochschulpolitik etwa der Wettbewerbsideologie des Bertelsmannschen Centrum f&uuml;r Hochschulentwicklung ausliefern w&uuml;rde?<br>\nWer h&auml;tte gedacht, dass die Hochschulen ihre &uuml;ber Jahrhunderte errungene Selbstverwaltung kampflos einem Top-down-Management und der Fremdbestimmung durch Hochschulr&auml;te preisgeben w&uuml;rden?<br>\nDer am Beginn des Bologna-Prozesses amtierende Vorsitzende der Hochschulrektorenkonferenz ist heute Headhunter f&uuml;r Hochschulmanager.<\/p><p><strong>p.s.:<\/strong><\/p><p><strong>Nicht zur Entschuldigung, aber zur Information:<br>\n<\/strong>Als ich die Fehlentwicklung erkannte, wurde ich als Staatsekret&auml;r entlassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Aufsatz von Dieter Lemke <a href=\"?p=2535\">&bdquo;Lernen im Gleichschritt&ldquo;<\/a> hat mich in meiner Kritik best&auml;tigt, die ich seit l&auml;ngerer Zeit am Hochschulreformprozess hin zur &bdquo;unternehmerischen&ldquo; Hochschule &uuml;be. Lemke endet mit dem Satz &bdquo;Schade, dass der Name Bologna nun auch zum Symbol f&uuml;r das Begr&auml;bnis der Europ&auml;ischen Universit&auml;t geworden ist!&ldquo; So sehe ich das auch.<br \/> Die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2538\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[17,160,161],"tags":[373,320,565],"class_list":["post-2538","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-hochschulen-und-wissenschaft","category-markt-und-staat","category-wertedebatte","tag-oekonomisierung","tag-bolognaprozess","tag-unternehmerische-hochschule"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2538","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2538"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2538\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29790,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2538\/revisions\/29790"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2538"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2538"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2538"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}