{"id":254,"date":"2005-04-25T13:25:58","date_gmt":"2005-04-25T12:25:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=254"},"modified":"2016-03-15T16:59:04","modified_gmt":"2016-03-15T15:59:04","slug":"statement-anlasslich-einer-veranstaltung-des-managerkreises-der-friedrich-ebert-stiftung-fest-in-berlin-am-1442005","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=254","title":{"rendered":"Statement anl\u00e4sslich einer Veranstaltung des Managerkreises der Friedrich-Ebert-Stiftung (FESt) in Berlin am 14.4.2005"},"content":{"rendered":"<p>Zur Einf&uuml;hrung eines Disputs mit Ulrich Pfeiffer, Sprecher des Managerkreises.<br>\n(Langfassung &ndash; die vorgetragene Fassung war etwas k&uuml;rzer.)<br>\n<!--more--><br>\nAls ich ziemlich genau vor einem Jahr dem Lektor meines Verlages den Text meines Buches &ldquo;Die Reforml&uuml;ge&rdquo; schickte, hatten wir die Sorge, das Thema k&ouml;nnte w&auml;hrend der Produktionszeit an Aktualit&auml;t einb&uuml;&szlig;en, weil die Meinungsf&uuml;hrer und Entscheider erkennen k&ouml;nnten, <\/p><ul>\n<li>dass ihre Vorstellung vom Reformstau nicht stimmt,<\/li>\n<li>dass die vielen Reformen reihenweise erfolglos bleiben, und<\/li>\n<li>wir stattdessen immer tiefer in eine Rezession abgleiten.<\/li>\n<\/ul><p>Gerade im April letzten Jahres gab es im Umfeld der Nachrichten &uuml;ber eine neuerliche Fehlensch&auml;tzung der Steuereinnahmen und im Kontext der anstehenden Entscheidung &uuml;ber den neuen Bundesbankpr&auml;sidenten Hinweise darauf, dass der Bundeskanzler zu begreifen beginnt, dass es hierzulande an anderem als Reformen mangelt. <\/p><p>Unsere Sorgen waren &ndash; leider &ndash; v&ouml;llig unbegr&uuml;ndet. Die sogenannten Reformen gehen weiter (&uuml;brigens auch die Steuermindereinnahmen), seit Mitte M&auml;rz mit neuer Schubkraft von Bundespr&auml;sident und Berliner Gipfel. Und in &ldquo;Permanenz&rdquo;, wie es der Managerkreis in seinem Papier vom M&auml;rz richtungsweisend schon vor den Auftritten von Bundespr&auml;sident und Bundeskanzler forderte. <\/p><p>Es wird auch weiter nach Herzenslust schwarzgemalt, &uuml;bertrieben und manipuliert. Der Bundespr&auml;sident h&ouml;chst pers&ouml;nlich hat in seiner bejubelten Rede vom 15. M&auml;rz den Ton vorgegeben, in dem er weitere Reformen anmahnte und zur Untermauerung den Schuldenstand unseres Landes durch die groteske Addition der Anwartschaften in den Sozialversicherungen so nebenbei auf insgesamt 7,1 Billionen Euro hochrechnete. Dieser schrille Ton eines &uuml;bertreibenden und irref&uuml;hrenden Umgangs mit der Wirklichkeit bestimmt die Tonlage in unserem Land. Wir haben eine Atmosph&auml;re, die von Zynismus und von Unwahrheiten gepr&auml;gt ist. <\/p><p>Friedhelm Hengsbach hat eine sehr freundliche Rezension meines Buches geschrieben. Nur der Begriff Reforml&uuml;ge gef&auml;llt ihm nicht. Ich kann diesen Einwand verstehen. Aber richtig finde ich ihn nicht. Denn in der Reformdebatte wird ma&szlig;los &uuml;bertrieben und gelogen: <\/p><p>Es ist nicht wahr, dass wir fundamentale Strukturprobleme haben.<br>\nWir haben ein massives konjunkturelles Problem &ndash; seit ausgangs der 70er Jahre und verst&auml;rkt nach einem kurzen, 1992 willentlich abgebrochenen Boom. Nur 1,3% reales Wachstum im Schnitt der Jahre seit 1991. Das ist unser gr&ouml;&szlig;tes Problem. Ausl&auml;ndische Experten wie der Chef&ouml;konom von Goldman Sachs und Nobelpreistr&auml;ger Robert Solow sehen das genauso und wundern sich &uuml;ber unsere Unf&auml;higkeit zu einer pragmatischen Makropolitik.<br>\nDie Reformer dichten uns gro&szlig;e Strukturprobleme an, um damit System&auml;nderungen zu begr&uuml;nden. Nicht alle sind so ehrlich wie Josef Ackermann, der bei einem Neujahrsempfang in Frankfurt gesagt hat: <\/p><blockquote><p>W&auml;re es nicht an der Zeit, nach f&uuml;nfzig erfolgreichen Jahren Bundesrepublik die Strukturen neu zu entwerfen?&rdquo; <\/p><\/blockquote><p>So zu formulieren, ist einfach nett. <\/p><p>Es ist nicht wahr, dass Konjunkturprogramme in fr&uuml;heren Jahren Strohfeuer waren &ndash; und ob sie es heute w&auml;ren, das wissen nur die Reformer ganz genau. <\/p><p>Es ist nicht wahr, dass wir &uuml;ber unsere Verh&auml;ltnisse leben. Hier zu Lande wird immer noch mehr gespart als in vielen anderen L&auml;ndern; der hohe Leistungsbilanz&uuml;berschuss belegt, dass wir auch nicht auf Kosten des Auslands leben. Wir leben <strong>unter<\/strong> unseren Verh&auml;ltnissen; die Kapazit&auml;ten unserer Volkswirtschaft sind mit knapp &uuml;ber 80 Prozent sehr schlecht ausgelastet. <\/p><p>Es ist auch nicht wahr, dass die &ldquo;Demografie unser Schicksal wird&rdquo;, wie es in einem Papier des Managerkreises vom Oktober 2001 hei&szlig;t und seit dem in Variationen wiederholt wird. Dieser Satz ist als solcher schon sehr seltsam, um es vornehm auszudr&uuml;cken. &ndash; Die Reformer reden den Jungen ein, die &Auml;lteren w&uuml;rden auf ihre Kosten leben. Sie sch&uuml;ren so einen Generationenkonflikt, der schlicht unn&ouml;tig ist. Ein unglaublicher Vorgang. <\/p><p>Es ist nicht wahr, dass die Senkung der Lohnebenkosten der Hebel zum Wirtschaftsaufschwung ist. Das ist eine Irrlehre, die ihre Glaubw&uuml;rdigkeit allein dem Umstand verdankt, dass nahezu alle dies sagen &ndash; Frau G&ouml;ring-Eckardt und das Kanzleramt, der Managerkreis, die Jungen Abgeordneten, Herr R&uuml;ttgers, Herr Clement und sicher auch Frau Merkel. Die Bedeutung der Lohnnebenkosten wird weit &uuml;bersch&auml;tzt. Sie sind <strong>ein<\/strong> Faktor unter vielen, die dar&uuml;ber entscheiden, ob mehr produziert, ob investiert wird und Arbeitspl&auml;tze geschaffen werden. Andere Faktoren sind heute viel entscheidender. Ein praktisches Beispiel zur Erl&auml;uterung: Mein s&uuml;dpf&auml;lzischer Nachbar, ein Tiefbauunternehmer, leidet wie Tausende seiner Unternehmerkollegen nicht zuallererst unter hohen Lohnnebenkosten, sondern darunter, dass er ein Drittel seiner Zeit faulen Forderungen hinterher rennen muss, mindestens ein weiteres Drittel f&uuml;r die m&uuml;hsame und viel zu h&auml;ufig erfolglose Suche nach Auftr&auml;gen draufgeht, und dann noch darunter, dass seine Kapazit&auml;ten unterausgelastet sind. Das belastet seine Kostenkalkulation um vieles mehr als die Lohnebenkosten. <\/p><p>Au&szlig;erdem: wo wollen Sie die Kosten nach der &ldquo;Halbierung&rdquo; der Lohnebenkosten &ndash; wie Sie vorschlagen &ndash; denn hinschieben? Wenn Sie z.B. die 4 bis 5% einheitsbedingten Beitragslasten auf Steuern, etwa die Mehrwertsteuer, verschieben, dann ist die Last ja nicht weg. Und der Drang auf Schwarzarbeit keineswegs gelindert. Aber vielleicht mache ich mir viel zu viele Gedanken. Wahrscheinlich hat der federf&uuml;hrende Mitarbeiter Ihrer Arbeitsgruppe, der Berliner Finanzsenator Dr. Sarrazin, einen Goldesel zu Hause. <\/p><p>Die Einlassungen des Managerkreises zu diesen Fragen sind abenteuerlich: &ldquo;Ohne Entlastung der Arbeitskosten keine internationale Wettbewerbsf&auml;higkeit.&rdquo; Wie das? Sind wir nicht wettbewerbsf&auml;hig? Glauben Sie den Ammenm&auml;rchen des Prof. Sinn? Wir hatten 2003 einen Leistungsbilanz&uuml;berschuss von &uuml;ber 50 Mrd. $ und sind mit 10,2% das Land mit dem h&ouml;chsten Welthandelsanteil. (2004 wird die Bilanz vermutlich noch besser gewesen sein.) Um den Unsinn von der mangelnden Welthandelsst&auml;rke im Vergleich zu den USA dennoch zu belegen, nahm der &ldquo;gro&szlig;e&rdquo; Professor Sinn statt der Exporte die Importziffern der USA und Deutschlands her. So geriet ihm das gro&szlig;e Problem der USA, das hohe Leistungsbilanzdefizit, zum Beleg der St&auml;rke der USA &ndash; seitenlang. Eine beachtliche Leistung &ndash; ein deutscher National&ouml;konom verwechselt Ex- und Importe, wenn er die Weltmarktst&auml;rke Deutschlands mit der der USA vergleicht. <\/p><p>Die in seinem Buch abgebildete Grafik musste der &ldquo;beste&rdquo; &Ouml;konom Deutschlands, wie BILD ihn nennt, gegen eine neue austauschen. <\/p><p>Am Fall Sinn kann man vielf&auml;ltig studieren, wie unser Volk an der Nase herum gef&uuml;hrt wird: Er behauptet allen Ernstes auch in den weiteren Auflagen, Deutschland werde &ldquo;Von den Weltm&auml;rkten verdr&auml;ngt&rdquo;. &ndash; Wir lagen im Jahr 2003 mit den genannten 10,2% vor allen anderen L&auml;ndern. Wenn Britten, Japaner und Franzosen so d&auml;chten wie Herr Sinn, dann m&uuml;ssten sie sich allesamt einen Strick kaufen. Denn ihre Welthandelsanteile liegen weit abgeschlagen bei 4,2%, 6,5% und 5,1%, also im Schnitt bei der H&auml;lfte Deutschlands.. <\/p><p>Und dennoch wird dieser Professor von den deutschen Medien und dem Managerkreis ernst genommen. Obwohl auch seine These von Deutschland als Basar&ouml;konomie nicht nur die Unwahrheit sondern auch eine Lachnummer ist. Auf kr&auml;ftig gewachsenem Niveau der Internationalen Arbeitsteilung ist die Wertsch&ouml;pfung hierzulande mitgewachsen. Andernfalls k&ouml;nnten wir keinen so extrem hohen Leistungsbilanz&uuml;berschuss haben. <\/p><p>Welche Bl&uuml;ten diese auf Strukturreformen und auf Lohnsenkungen zielenden L&uuml;gen treiben, m&ouml;chte ich Ihnen an einem konkreten Beispiel zeigen: Als das Gerede von der Basar-&Ouml;konomie so richtig en vogue wurde, rief ich einen Vertreter der Industrie- und Handelskammer in meinem ehemaligen Wahlkreis an, um dessen praktische Erfahrung vom Nur-noch-zusammen-Stecken zu erfahren. &ndash; Ja, so seine Antwort, der Mercedes-LKW Actros werde in W&ouml;rth, dem Ort mit dem gr&ouml;&szlig;ten LKW-Werk Europas, nur noch zusammenmontiert. &ndash; Ein Anruf beim Betriebsratsvorsitzenden gen&uuml;gte, um dieses bundesweit angedrehte Gerede zu widerlegen: der Motor kommt aus Mannheim, die Getriebe aus Gaggenau, die Achsen aus Kassel und Gaggenau, alle wichtigen Komponenten kommen aus Deutschland. Im s&uuml;dpf&auml;lzischen W&ouml;rth selbst wurden in der letzten Zeit 1000 neue Mitarbeiter eingestellt. Wenn Wertsch&ouml;pfung hierzulande nicht mehr stattf&auml;nde, w&uuml;rde dieser Betrieb nicht mehr, sondern weniger Leute besch&auml;ftigen. <\/p><p>Ich wei&szlig;, dass es auch andere F&auml;lle gibt. Aber es macht in keinem Fall Sinn, pars pro toto zu nehmen, weder so rum noch so rum. Nur eines ist klar, eine Basar-&Ouml;konomie sind wir nicht. <\/p><p>Nahezu nichts stimmt in dieser Reformdebatte. 40 der g&auml;ngigen Legenden und Denkfehler untersuche ich in meinem Buch. Der rote Faden dabei, im Buch wie in unserer Wirklichkeit, ist George Orwells Diagnose: <\/p><blockquote><p>Und wenn alle anderen die &hellip;. verbreitete L&uuml;ge glaubten &ndash; wenn alle Aufzeichnungen gleich lauteten &ndash;, dann ging die L&uuml;ge in die Geschichte ein und wurde Wahrheit.&rdquo; <\/p><\/blockquote><p>Den viel beschworenen Reformstau gibt es nicht. Seit &uuml;ber 20 Jahren wird im neoliberalen Sinne reformiert:<\/p><ul>\n<li>Mit dem nahenden Ende der Regierung Schmidt ging es schon los.<\/li>\n<li>Den mit Reformen betriebenen Sozialabbau zu Kohls Zeiten bezifferte Bl&uuml;m auf 98 Mrd. DM bezogen auf das Jahr 1997. Wo sind die versprochenen Arbeitspl&auml;tze?<\/li>\n<li>Ladenschluss &ndash; dreimal schon ge&ouml;ffnet. 40.000 Arbeitspl&auml;tze sollte das bringen. Wo sind sie?<\/li>\n<li>Green card?<\/li>\n<li>Riester-Rente. War das nix? Immerhin eine &ldquo;Jahrhundertreform!&rdquo; &ndash; mit einer Verfallszeit von knapp zwei Jahren.<\/li>\n<li>Hartz I, II, III. Zwei Millionen neue Arbeitspl&auml;tze versprach Herr Hartz im Sommer 2002 pers&ouml;nlich.<\/li>\n<li>Und jetzt Hartz IV.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Wo sind die Erfolge geblieben? <\/strong><br>\nSogar SpiegelOnline bescheinigte &ldquo;Clements Wunderwaffen&rdquo; zur Reform des Arbeitsmarktes letzten Freitag miserable Ergebnisse. PSA ein Flop, Job-floater hohe Mitnahmeeffekte, Minijobs ersetzen regul&auml;re Arbeitsverh&auml;ltnisse, wie von Fachleuten vorhergesagt. &ndash; Aber schofel ist es ja schon, jetzt Clement alleine zuzuschieben, was alle Neoliberalen inkl. Spiegel rund um die Uhr angepriesen haben. <\/p><p>Zynismus macht sich breit: Als der Bundesrechnungshof bem&auml;ngelte, Hartz IV sei wirkungslos, meldete sich wenig sp&auml;ter der damalige BDI-Pr&auml;sident Rogowski mit der Bemerkung: <\/p><blockquote><p>Wenn Sie fragen: Wo sind die Jobs, und wie kriegen wir die Jobs, dann w&uuml;rde ich empfehlen: Hartz V bis VIII.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Unsere Reformeliten sind Spielernaturen! <\/p><p>Es ist nicht wahr, dass wir unter Reformstau leiden. Nirgendwo ist das so offensichtlich wie bei den Steuern. Ich nenne Ihnen sieben gravierende Steuerreformen &ndash; aus Kohls und Schr&ouml;ders Zeit: <\/p><ul>\n<li>Streichung der Verm&ouml;genssteuer<\/li>\n<li>Streichung der Gewerbekapitalsteuer<\/li>\n<li>Einschneidende K&uuml;rzung der K&ouml;rperschaftssteuer<\/li>\n<li>Erlass der Besteuerung der Gewinne bei Verkauf von Unternehmensteilen<\/li>\n<li>Senkung des Spitzensteuersatzes auf 42%<\/li>\n<li>Amnestie f&uuml;r Steuers&uuml;nder<\/li>\n<li>Korrektur des Halbeink&uuml;nfteverfahrens zugunsten der Versicherungswirtschaft. = ca. 5 Mrd. Steuererlass<\/li>\n<\/ul><p><strong>Nach neoliberaler Theorie m&uuml;ssten die Investitionen &ldquo;brummen&rdquo;.<br>\nWo sind die Erfolge geblieben?<\/strong> <\/p><p>Die effektive Wirkung der Steuerreformen und -senkungen ist kontr&auml;r zur propagierten Wirkung. Und dennoch, obwohl das z.B. das K&ouml;rperschaftsteueraufkommen gemessen an Gesamtsteueraufkommen in Deutschland am unteren Ende der OECD-L&auml;nder liegt, wird nun noch einmal gesenkt. Noch eine Reform &ndash; das war das Gipfelergebnis. Die Reformer sind wie Drogenabh&auml;ngige. Wirkt die Droge nicht, dann verlangen sie die Erh&ouml;hung der Dosis. Statt nachzudenken legen sie nach. <\/p><p>Dabei wird &uuml;brigens nicht bedacht, dass die Politik der permanenten Reformen teuer ist. Sich immer wieder auf neue Regeln einzustellen, kostet Kraft und Geld. Wo bleibt eigentlich die Studie &uuml;ber die Kosten der Reformen zur Senkung der Lohnnebenkosten im Vergleich zu den erzielten Einsparungen? Daf&uuml;r zahlt keiner der Finanziers der neoliberalen Lobby, die Bertelsmann Stiftung nicht und nicht die Deutsche Bank, nicht die Initiative Neue Soziale Markwirtschaft und auch nicht das DIA*. Und die Journalisten k&uuml;mmert das leider auch nicht. <\/p><p>Die Reformen waren bisher nahezu erfolglos. Die von den neoliberalen Modernisierern gepr&auml;gten Jahrzehnte &ndash; von den 80ern bis heute &ndash; sind die schlechtesten in der Nachkriegszeit. Eigentlich m&uuml;ssten die neoliberalen Reformer den Bankrott ihrer Ideologie anmelden, statt immer mehr davon zu fordern. Aber sie tun das nicht und werden von der deutschen &Ouml;ffentlichkeit auch nicht dazu gezwungen. Sie bestimmen im wesentlichen, was hierzulande von den Meinungsf&uuml;hrern gesagt und gedacht wird. Das ist schon ein merkw&uuml;rdiger Erfolg einer erfolglosen Theorie. <\/p><p>Wie kommt es, dass die politischen und &ouml;konomischen Eliten einem Konzept hinterherlaufen, das bisher nichts Wesentliches gebracht hat? Wie konnte sich eine so irrationale politische Bewegung durchsetzen?<br>\nIn der heute gel&auml;ufigen Mischung aus Parteieliten- und Mediendemokratie werden politische Entscheidungen weitgehend von der &ouml;ffentlichen Meinungsbildung vorentschieden. Wer die &ouml;ffentliche Meinung beherrscht, der bestimmt auch die politische Linie. Und weil es gro&szlig;e Interessen gibt, die die politische Linie bestimmen wollen, forcieren sie ihren Einfluss auf die &ouml;ffentliche Debatte. Sie haben nahezu eine Hegemonie erreicht. <\/p><p>Das gelang erstens mit viel Geld, zweitens mit einer cleveren professionellen Strategie, drittens mit Hilfe von willigen Partnern &ndash; ich nenne sie die Koalition der Willigen &ndash; und viertens auf der Basis von Denkfehlern und Vorurteilen, Mythen und Legenden, die uns alle plagen. <\/p><p>Am Komplex Demographie will ich zeigen, wie das funktioniert. Ich beschreibe die clevere Strategie zur Zerst&ouml;rung des Vertrauens in die &raquo;staatliche Rente&laquo;: <\/p><p>Angenommen, Sie h&auml;tten ein Unternehmen mit einem Umsatz von 67 Milliarden Euro &ndash; etwas gro&szlig;, zugegeben, aber es kommt hier nur auf die Relationen an. Und angenommen, Sie h&auml;tten einen noch gr&ouml;&szlig;eren Konkurrenten, der 156 Milliarden Euro umsetzt. Und nun h&auml;tten Sie die Chance, f&uuml;rs erste gute 10 Prozent seines Umsatzes auf sich umzulenken. Und alles, was Sie daf&uuml;r tun m&uuml;ssten, um auf Anhieb Ihren Umsatz um ein knappes Viertel aufzustocken, ist etwas Eigenwerbung und die Verbreitung des Ger&uuml;chts, der Konkurrent sei ein Auslaufmodell. Das w&auml;re doch was&hellip; Bei einem erwarteten Umsatzplus von 15 Milliarden w&auml;ren die 20, 30 oder auch 100 Millionen, die Sie f&uuml;r Zeitungsanzeigen und eine gro&szlig;angelegte PR-Arbeit unter Wissenschaftlern und Politikern, Journalisten und Managerkreisen investieren m&uuml;ssten, l&auml;cherlich wenig. Peanuts sozusagen. <\/p><p>Das M&auml;rchen vom schlagartigen Umsatzzuwachs ist nahe an der Wirklichkeit. Nicht f&uuml;r Sie und nicht f&uuml;r mich. Aber f&uuml;r die Lebensversicherungsbranche und f&uuml;r die Banken, die am Transfer und an der Anlage des Geldes verdienen. Sie tun viel daf&uuml;r, um das M&auml;rchen in klingende M&uuml;nze umzusetzen. Vor allem machen sie Propaganda. Wie die entsprechende Werbearbeit aussieht, zeigt ein Zitat aus dem Brief eines Vorstandmitglieds der Dresdner Bank, ver&ouml;ffentlicht per Zeitungsanzeige: <\/p><blockquote><p>Sehr geehrte Damen und Herren,<br>\nangesichts des demographischen Wandels &ndash; immer mehr &auml;lter werdende Menschen stehen immer weniger jungen B&uuml;rgern gegen&uuml;ber &ndash; machen sich viele Sparer Gedanken &uuml;ber ihre finanzielle Sicherheit im Alter. Es zeichnet sich ab, dass die staatliche Rentenversicherung den Versicherten in Zukunft nicht mehr das gewohnte Leistungsniveau bieten kann. Deshalb w&auml;chst der privaten Altersvorsorge eine immer gr&ouml;&szlig;ere Bedeutung zu.&rdquo;<\/p><\/blockquote><p>Der Absender dieses Textes ist austauschbar. Das k&ouml;nnte auch Bert R&uuml;rup oder Ulla Schmidt, Frau Merkel, Herr Westerwelle oder Herr Miegel, die INSM oder der Managerkreis der FESt gesagt haben. <\/p><p>Basis der Agitation ist die erkennbare Strategie, erst Angst vorm Wenigerwerden zu machen, dann Angst vorm &Auml;lterwerden und dann als Angebot zur Vertreibung der &Auml;ngste Privatvorsorge anzubieten. Als Beipack f&uuml;r alle Familien-Sonntagsredner gibt&rsquo;s die Forderung nach mehr Geburten. &ndash; Das ist professionell gemacht. Bewundernswert, ich kann das ein bisschen beurteilen, weil ich fr&uuml;her f&uuml;r SPD und Bundesregierung Strategien entworfen habe. Aber gemessen daran, was heute beim Thema Demographie geboten wird, waren wir Laienspieler. Allenfalls Brandts und Bahrs Strategie zur Durchsetzung der Ostpolitik hatte eine &auml;hnlich professionelle Dimension. <\/p><p>&Uuml;brigens l&auml;uft die Privatvorsorge-Strategie weltweit. Wenn Sie internet-Zugang haben, klicken sie mal auf <a href=\"http:\/\/www.pensionreform.org\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.pensionreform.org\">www.pensionreform.org<\/a>. Sie landen beim ehemaligen Arbeitsminister Pinochets, Jose Pinera, der schon Teile der chilenischen Arbeitnehmer mit Privatvorsorge in die Altersarmut zu treiben vermocht hat und jetzt weltweit t&auml;tig ist. <\/p><p>Die Warnungen des jetzigen Chilenischen Pr&auml;sidenten, der im Januar in Berlin war und in einem FR-Interview berichtete, dass der chilenische Steuerzahler jetzt nachfinanzieren muss, damit die von der Privatvorsorge ruinierten Arbeitnehmer nicht total in die Altersarmut fallen, beeindruckt hierzulande &uuml;berhaupt nicht. Die Meinungsmache und die politische Entscheidungsfindung ist in den H&auml;nden privater Interessen. Basta. <\/p><p>Nahezu nichts stimmt an den g&auml;ngigen Wertungen in der Demographiedebatte: <\/p><ul>\n<li>Das Wenigerwerden wird ma&szlig;los &uuml;bertrieben.<\/li>\n<li>Das &Auml;lterwerden entbehrt jeder Dramatik.<\/li>\n<li>Und die Privatvorsorge ist um keinen Deut produktiver oder billiger als die staatliche Rente.<\/li>\n<\/ul><p>Ich will in Stichworten zu allen drei Komplexen ein paar Fakten nennen:<br>\nWir sind mit 231 Einwohnern pro qkm eines der dicht besiedelten L&auml;nder. Frankreich hat 111, weniger als die H&auml;lfte, &Ouml;sterreich 97, D&auml;nemark 124 und Polen 123.<br>\nNach der mittleren Variante der Modellrechnung des Statistischen Bundesamtes werden hier im Jahr 2050 75 Mio. leben. 1950 waren es mit 68,7 deutlich weniger. Dabei liegt die weitere Entwicklung keinesfalls fest. Deshalb auch 9 Varianten der Modellrechnung. Die Lebenserwartung, die Zuwanderung und auch die Geburtenziffer kann sich innerhalb von fast 50 Jahren &auml;ndern. So stieg in Frankreich die Geburtenziffer in 7 Jahren von 1,65 auf 1,88. Der FAZ-Mit-Herausgeber Schirrmacher sagt schlicht die Unwahrheit, wenn er in seinem Buch behauptet, die Weichen f&uuml;r die n&auml;chsten 50 Jahre seien unumkehrbar gestellt. <\/p><p>Schirrmacher hat sich in einem Beitrag vom 7.3.05 in der FAZ zu der These verstiegen, ein Mitarbeiter von mir im Bundeskanzleramt und ich seien verantwortlich f&uuml;r die Stagnation der Geburtenrate. Ich habe es Ende der 70er geschafft, die Deutschen vom Zeugen und Geb&auml;ren abzuhalten. Das ist wahrlich zu viel der Ehre. Und absurdes Theater wie die gesamte Demographiedebatte. <\/p><p>Im eigenen Blatt traf den Feuilletonisten Schirmmacher acht Tage sp&auml;ter ein grandioser Blattschuss. Der Physik-Professor Ruprecht Jaenicke fragte: &ldquo;Ist es wirklich sinnvoll, die Bev&ouml;lkerung wieder zum Wachstum durch Geburten anzuregen?&rdquo; Und dann zeigte er, welche Gedankenlosigkeit hinter der Vorstellung steckt, die ideale Pyramide, geformt wie ein A mit breitem Fu&szlig; und Spitze, sei ein gutes Modell f&uuml;r den Bev&ouml;lkerungsaufbau. Wenn die Pyramide so aussehen soll, m&uuml;ssen viele Kinder und Erwachsene vor dem Alter leiden und sterben.<br>\nJaenicke macht auch, wie andere vor ihm, auf die Selbstverst&auml;ndlichkeit aufmerksam, dass ja wohl auch die Kinder- und Jugendgeneration von der arbeitenden Generation versorgt und erzogen werden muss. <\/p><p>In der &ldquo;Reforml&uuml;ge&rdquo; k&ouml;nnen Sie nachlesen, dass die Luft aus der Angst vorm &Auml;lterwerden drau&szlig;en ist, wenn man die Gesamtbelastung als Kriterium heranzieht. Dann wird aus der &auml;ngstigenden Fast-Verdoppelung der sogenannten Alterslast von 44 auf 78 ein viel harmloserer Anstieg von 82 auf 112. &ndash; Wenn Sie noch dazu einrechnen, dass es ja innerhalb der n&auml;chsten 45 Jahre vielleicht m&ouml;glich ist, dass die Menschen auch &uuml;ber 60 ein bisschen arbeiten wollen, dann w&auml;chst die Gesamtbelastung fast nicht. Und wenn Sie dann noch beachten, dass in dieser langen Zeit vermutlich auch die Arbeitsproduktivit&auml;t steigt, dann l&ouml;st sich die ganze Aufregung in Luft auf. <\/p><p>Das ist schlecht f&uuml;r die Demographen, denn diese Ansammlung von Wichtigtuern lebt von der Dramatisierung. <\/p><p>Diese Anmerkung gilt auch f&uuml;r den Managerkreis, der in seinem Papier vom M&auml;rz mit dem gewichtigen Titel &ldquo;Staatshaushalt, Wachstum, Demographie&rdquo; schreibt: &ldquo;Die Alterung wird bei weitem schwieriger zu bew&auml;ltigen sein als die Wiedervereinigung.&rdquo; Donnerwetter!<br>\nAn anderer Stelle ist vom &ldquo;Demographischen Desaster&rdquo; die Rede.<br>\nOder Sie lassen uns wissen: &ldquo;Das gemeinsame Interesse der Deutschen kann nur darin bestehen, &hellip; die Geburtenrate zu steigern.&rdquo; Jaenickes Blattschuss gilt auch Ihnen.<br>\nSie schreiben: &ldquo;Heute sind Kinder &ndash; anders als zu Adenauers Zeiten &ndash; angesichts ihres Mangels nicht mehr reine Privatsache.&rdquo; Diese Instrumentalisierung der Kinder &ndash; die das Papier des Managerkreises wie andere einschl&auml;gige Einlassungen von vorn bis hinten durchzieht &ndash; nehmen wir einfach so hin? <\/p><p>Die dramatisierende Demographiedebatte gipfelt in der Regel im Sto&szlig;seufzer &ldquo;Jetzt hilft nur noch Privatvorsorge&rdquo;. Wie diese helfen soll, ist schon theoretisch unklar. Denn die &Auml;nderung des Finanzierungssystems &auml;ndert nichts daran, dass die arbeitende Generation die Alten und die Nachwachsenden versorgen muss. Das sogenannte Mackenroth-Theorem gilt.<br>\nAber noch h&auml;rter als die Theorie ist die Praxis. Rund um uns herum floppen die Privatvorsorgesysteme. In Chile, in USA, in Gro&szlig;britannien. Und bei uns. Oder ist die Riesterrente ein Erfolg? &ndash; Es f&auml;ngt schon damit an, dass die privaten Kapitaldeckungssysteme teurer arbeiten. Die Kosten von 10% bei der Riesterrente, 18% in Chile und bis zu 40% in GB z.B. m&uuml;ssen doch erst einmal verdient werden. Das Umlageverfahren mit seinen max. 4% Verwaltungskosten f&uuml;r BfA und LVAs m&uuml;sste man erfinden, wenn es das nicht g&auml;be. <\/p><p>Dennoch hei&szlig;t es beim Managerkreis: &ldquo;Rentenniveau absenken, Privatvorsorge ausbauen&rdquo;. Das zeigt in vier Worten alles. So ehrlich wird die Verkaufsstrategie der Finanzindustrie selten offen gelegt: Die gesetzlichen Renten <strong>m&uuml;ssen<\/strong> runter, damit das Vertrauen darauf g&auml;nzlich schwindet. Das ist kostenlose Werbung f&uuml;r die Lebensversicherer und die Banken. <\/p><p>Sie k&ouml;nnten mit Recht einwenden, Sie seien in guter Gesellschaft. Stimmt. Ulla Schmidt verk&uuml;ndete schon vor einem Jahr im Fernsehen, dass jetzt privat vorgesorgt werden muss. Und der SPD-Vorsitzende erw&auml;gt, die Riesterrente obligatorisch zu machen. Ein tolles St&uuml;ck: Unter dem gro&szlig;artigen Etikett &ldquo;Mehr Eigenverantwortung&rdquo; wird Privatvorsorge propagiert, und dann macht man, weil die Menschen sich nicht freiwillig darauf einlassen oder kein Geld daf&uuml;r &uuml;brig haben, die Eigenverantwortung zur Pflicht. Der Staat als Handlanger der Versicherungswirtschaft. Das f&ouml;rdert die Staatsverachtung, vor der gerade der SPD-Vorsitzende gestern gewarnt hat. <\/p><p>Zum Schluss dieses Kapitels noch einmal eine Anmerkung zur aktiven Geburtenpolitik. Ich teile das Anliegen insofern, als der Staat eine gewisse Verantwortung daf&uuml;r hat, dass jene, die Kinder haben wollen, dies auch realisieren k&ouml;nnen sollen. Die Gesellschaft sollte jedenfalls helfen, dass junge Menschen Beruf und Familie verbinden k&ouml;nnen.<br>\nWenn man das wirklich will, dann muss man aber vor allem die L&uuml;cke schlie&szlig;en zwischen den Sonntagsreden der Familikenministerin Renate Schmidt und den Werktagsreden des Wirtschaftsministers Wolfgang Clement. Die eine will mehr Geburten und der andere erkl&auml;rt die Erosion von gesicherten Arbeitsverh&auml;ltnissen zum Trend. Clement macht so aus der Not der Menschen einen Trend. Wenn ein Drei&szlig;igj&auml;hriger wegen der miserablen konjunkturellen Lage nur einen befristeten Arbeitsvertrag bekommt, dann nimmt er ihn. Und wenn seine 28-j&auml;hrige Partnerin nur einen ungesicherten Teilzeitjob bekommen kann, dann f&uuml;gt sie sich in dieses Schicksal. Von einem solchen Paar dann zu erwarten, dass sie ein, zwei oder gar drei Kinder bekommen, ist abenteuerlich. Die jungen Menschen sehen das so. Darauf deuten die durchgehend abgesackten Geburtenziffern in den mittel- und osteurop&auml;ischen L&auml;ndern hin.<br>\nDer Wirtschaftsminister und die Bundesregierung sollten aufh&ouml;ren, aus der Not der Menschen einen Trend zu konstruieren. Und die Bundesregierung sollte, wenn sie ihre familienpolitischen Sonntagsreden ernst nimmt, ein Programm zur Stabilisierung der Normalarbeitsverh&auml;ltnisse auflegen. Der erste Schritte dazu w&auml;re, ihre Erosion nicht zum notwendigen Trend zu erkl&auml;ren. <\/p><p>Zur&uuml;ck zu der Frage, wie es dazu kommt das eine so erfolglose Ideologie wie der herrschende Neoliberalismus so nachhaltig die &ouml;ffentliche Meinung in unserem Land bestimmt. Das hat viel mit der Entwicklung der Medien zu tun, kritische Medien gibt es fast nicht. Ich beschreibe in meinem Buch, welche Rolle das Kampfblatt des Neoliberalismus, der Spiegel, bei verschiedenen Themen spielt. <\/p><p>Der Spiegel ist Teil eines weitgespannten Propagandanetzes. Ich nenne die Mitwirkenden die Koalition der Willigen: PR-Agenturen, die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft und die vielen &auml;hnlich gestrickten Lobbyorganisationen, Teile der Wissenschaft, die Bertelsmann Stiftung, Die Jungen Abgeordneten, Teile der Publizistik und nahezu die gesamte Politik, leider auch die SPD. <\/p><p>Den Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung habe ich in meinem Buch vornehm beiseite gelassen, obwohl Sie, wenn man Ihre Texte liest und wertet, Anspruch darauf haben, zu dieser Koalition der Willigen und M&auml;chtigen gerechnet zu werden. Manchmal sind unsere Medien ja richtig aufkl&auml;rerisch. So hat die Berliner Zeitung den Bericht &uuml;ber Ihr neuestes Papier am 10. M&auml;rz unter ein Foto von der Spree-Aktion der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft gesetzt: &ldquo;H&ouml;chste Zeit f&uuml;r Reformen&rdquo;, andernfalls geht Deutschland unter. &ndash; war da zu sehen. Auch dass Ihre beliebten Quellen Sinn und Steingart, Schirrmacher und Nolte, Zimmermann und McKinsey sind, l&auml;sst tief blicken. Da w&auml;chst zusammen, was zusammen geh&ouml;rt. <\/p><p>Die eher zur linken H&auml;lfte unserer Gesellschaft zu rechnenden Gruppen und Personen sind f&uuml;r den propagandistischen Erfolg der neoliberaler Bewegung sehr wichtig. Sie machen sie erst richtig glaubw&uuml;rdig. Deshalb sind Sie als Br&uuml;ckenkopf der herrschenden Bewegung im linken Lager von gro&szlig;er Bedeutung. In Peter Glotz und in Teilen der Bundesregierung, in den Netzwerkern und der Berliner Republik haben Sie ein bisschen Konkurrenz, aber die belebt bekanntlich das Gesch&auml;ft. <\/p><p>Mich l&auml;sst der mit den Reformen verbundene Niedergang der SPD &uuml;berhaupt nicht kalt, gerade die aktuellen und absehbaren Ereignisse in Nordrhein-Westfalen nicht. Vor genau 30 Jahren wurde ich zusammen mit den Kollegen im Parteivorstand der SPD von den Spitzen der Sozialliberalen Koalition im Bund und in Nordrhein-Westfalen bei einer Notstandsitzung im Kanzlerbungalow gebeten, mit konzeptioneller und praktischer Arbeit die bef&uuml;rchtete Abwahl des damaligen Ministerpr&auml;sidenten Heinz K&uuml;hn abzuwenden. Damals haben wir dann plakatiert: &ldquo;Den Aufschwung w&auml;hlen&rdquo;. Das war &uuml;brigens kein falsches Versprechen. Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts erholte sich von minus 1,3% in 1975 auf plus 5,3% realem Wachstum in 1976, und erreichte einen Durchschnitt f&uuml;r die n&auml;chsten vier Jahre von 3,8%.<br>\nDie Wahlen wurden gewonnen. Heute schreitet man sehenden Auges in den politischen Tod. Weil man sich der Reformpolitik verpflichtet f&uuml;hlt und nichts mehr von Globalsteuerung wissen will und offenbar auch nicht viel davon versteht. Und sichtlich auch nicht so schrecklich viel von Wahlk&auml;mpfen: Der Ministerpr&auml;sident stellt die eigene Koalition in Frage und erkl&auml;rt zugleich die Wahl zur Richtungswahl. Der NRW-Generalsekret&auml;r ernennt jene Menschen, die wegen der Agenda 2010 erw&auml;gen zu Hause zu bleiben, zur &ldquo;Sofapartei&rdquo;. <\/p><p>Die SPD wird so das Opfer ihrer Anpassung an eine sinnlose Reformpolitik und ihrer Unf&auml;higkeit zu verstehen, dass dieser Kotau vor der deutschen Spielart des Thatcherismus ihre aktivsten und engagiertesten Mitglieder und Sympathisanten zutiefst verletzt und l&auml;hmt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Einf&uuml;hrung eines Disputs mit Ulrich Pfeiffer, Sprecher des Managerkreises.<br \/> (Langfassung &ndash; die vorgetragene Fassung war etwas k&uuml;rzer.) <\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[155,11,211,30],"tags":[522,499,300,312,410],"class_list":["post-254","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-demografische-entwicklung","category-strategien-der-meinungsmache","category-veranstaltungshinweiseveranstaltungen","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-fes","tag-handelsbilanz","tag-mueller-albrecht","tag-reformpolitik","tag-reformstau"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/254","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=254"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/254\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":32152,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/254\/revisions\/32152"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=254"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=254"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=254"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}