{"id":2542,"date":"2007-08-10T12:42:59","date_gmt":"2007-08-10T10:42:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2542"},"modified":"2015-12-31T11:25:07","modified_gmt":"2015-12-31T10:25:07","slug":"betriebliche-altersversorgung-durch-entgeltumwandlung-ist-ein-schlechtes-geschaeft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2542","title":{"rendered":"Betriebliche Altersversorgung durch Entgeltumwandlung ist ein schlechtes Gesch\u00e4ft"},"content":{"rendered":"<p>Aufgrund unseres <a href=\"?p=2539\">Hinweises Nr. 3 vom 9.8.<\/a> &bdquo;Kabinett beschlie&szlig;t Sozialversicherungsfreiheit der Entgeltumwandlung &uuml;ber 2008 hinaus&ldquo;, versehen mit einem Kommentar von Martin Betzwieser (siehe unten Anlage), hat der NachDenkSeiten-Leser Manfred Frieling gerechnet &ndash; hoffentlich richtig &ndash; und kommt zu dem Schluss, wie im erw&auml;hnten Hinweis schon angedeutet, dass diese betriebliche Altersversorgung ein schlechtes Gesch&auml;ft, eine Mogelpackung ist.<br>\nArbeitnehmer und Betriebsr&auml;te sollten sich diese Rechnung einmal anschauen. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Manfred Frieling<\/strong><\/p><p><strong>Betriebliche Altersversorgung durch Entgeltumwandlung ist eine Mogelpackung &hellip;<\/strong> <\/p><p>Wenn ich mal grob rechne: Ein Arbeitnehmer nutzt die 2.520 Euro f&uuml;r 2007 f&uuml;r eine Direktversicherung. Er spart dann ca. 20% SV-Beitr&auml;ge, ergibt auf den Monat runtergerechnet ca. 42 Euro Ersparnis bei der Sozialversicherung.<\/p><p>Bei der gesetzlichen Rente kann man grob rechnen: je 1.000 Euro Bruttojahreslohn ergibt ca. 0,90 Euro Monatsrente. Das ist dann ja bei Umwandlung von 2.520 Euro zugunsten einer beitragsfreien Direktversicherung monatlich 2,27 Euro weniger gesetzliche Rente. Und das auf 20 Jahre hochgerechnet, ergibt 45 Euro weniger gesetzliche Bruttorente pro Monat und nach heutigem Stand ca. 41 Euro weniger Nettorente bei gesetzlich Krankenversicherten.<\/p><p>Ich spare heute 42 Euro pro Monat und bekomme daf&uuml;r 41 Euro weniger gesetzliche Rente, also ist das allenfalls ein Nullsummenspiel bei der Sozialversicherung, wenn ich jetzt mal die von Herrn Betzwieser genannten und zutreffenden K&uuml;rzungen bei den anderen Sozialleistungen au&szlig;er acht lasse. <\/p><p>Aber da ist ja noch die Steuer:<\/p><p>Jemand der 45 Jahre alt und verheiratet ist, ein steuerpflichtiges Jahreseinkommen von 30.000 Euro hat und steuerlich zusammen mit dem Ehegatten veranlagt wird, hat eine monatliche Steuerersparnis von ca. 70 Euro (angenommener Spitzensteuersatz 17,22%), wenn er die maximal m&ouml;glichen 360 Euro monatlich f&uuml;r die Direktversicherung aufwendet. Er hat also dann einen Nettoaufwand von 290 Euro.<\/p><p>Daf&uuml;r bekommt er von einem der besten Direktversicherer Cosmos mit 65 Jahren eine garantierte lebenslange Rente von monatlich 411 Euro (kann dort online gepr&uuml;ft werden) von dem nach heutigem Ma&szlig;stab dann noch 16% Kranken- und Pflegeversicherungsbeitr&auml;ge zu zahlen sind, sofern er gesetzlich krankenversichert ist. Es bleibt ihm dann 346 Euro lebenslange Monatsrente, jedenfalls die garantierte Rente. Stirbt er mit 66\/67 Jahren ist fast das ganze Geld futsch, f&auml;llt an das Versicherungskollektiv; stirbt er mit 77, hat er auch noch reichlich viel Geld verschenkt.<\/p><p>Ich w&uuml;rde mich auch auf keinen Fall auf irgendwelche Beispielrechnungen mit sch&ouml;nf&auml;rberischen Ablaufleistungen und reizvollen Rendite-Prognosen der Versicherungen verlassen, sondern immer nur die &bdquo;garantierte&ldquo; Rente im Auge haben. Beispiel- und Hochrechnungen f&uuml;r die n&auml;chsten 20 &ndash; 30 Jahre, die auf den Verlauf des aktuellen Gesch&auml;ftsjahres abstellen, sind gelinde gesagt unseri&ouml;s.<\/p><p>Wenn in 20\/30 Jahren die X-Millionen Menschen, die eine betriebliche Altersversorgung, einen Riester- oder R&uuml;ruprentenvertrag haben, alle auf einmal ihr Geld beanspruchen, dann bekommen sie nach meiner festen &Uuml;berzeugung ein Schreiben von ihrer Versicherung, das in etwa so aussehen wird: <em>Die Auswirkungen der steigenden Lebenserwartung und der Kapitalmarktentwicklung lassen die Aufrechterhaltung des bisherigen &Uuml;berschussniveaus nicht mehr zu.<\/em><br>\nOder: <em>&hellip; leider, leider kann aufgrund der Situation am Kapitalmarkt, nicht mehr als die garantierte Rente gezahlt werden.<\/em><\/p><p>Alternativ bekommt er von diesem Direktversicherer auch eine Kapitalabfindung von garantiert 101.473 Euro. Bei einer Kapitalabfindung l&ouml;st sich der Steuervorteil sofort in Luft auf; es bleibt vom garantierten Kapital 81.179 Euro bei einem angenommenen Steuersatz von 20% im Alter, und die 16% Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag zahlt er auch bei einer Kapitalabfindung; sie werden dann auf 120 Monate verteilt.<\/p><p>Wenn derselbe Mensch denselben Nettoaufwand von 290 Euro (also nicht mal die 360 Euro) in einen simplen Banksparplan mit 4,4% garantierten Zinsen f&uuml;r die n&auml;chsten 20 Jahre steckt (und den gibt es zur Zeit z.B. bei der ING-DiBa, auch das kann dort online ermittelt werden), dann hat er in 20 Jahren ein garantiertes Kapital von 110.610 Euro. Selbst unter Ber&uuml;cksichtigung der Abgeltungssteuer von 25% auf die Zinsen &ndash; einmal angenommen, er nutzt den Sparerfreibetrag anderweitig &ndash; bleiben ihm immer noch 100.357 Euro.<\/p><p>Wenn er aber das aus dem Banksparplan ehrlich versteuerte Kapital von 100.357 Euro zu 4% Zinsen anlegen kann, kann er sich selber eine Monatsrente von 334 Euro monatlich g&ouml;nnen, ohne dass er auch nur einen Cent seines Verm&ouml;gens verbrauchen muss. Ohne, oder mit weniger Abgeltungssteuer auf die Zinsen (Sparerfreibetrag) kann er sich erheblich mehr Monatsrente leisten. Und Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag muss er, jedenfalls nach heutigem Stand, davon nicht zahlen.<\/p><p>Er kann dann aber auch gucken, wenn er mit 65 Jahren noch kerngesund ist und davon ausgeht, dass er noch sehr lange lebt, welche Versicherung bietet mir wie viel lebenslange, garantierte Monatsrente, wenn ich 100.357 Euro als Einmalzahlung leiste.<\/p><p>Und selbst dann, wenn er die ganzen, ja schon ehrlich versteuerten 100.357 Euro von der Bank abhebt und unter die Matratze legt, kann er sich jeden Monat denselben Betrag, den ihm die Versicherung garantiert zahlt, n&auml;mlich 346 Euro (411 .\/. 16% Kranken- und Pflegeversicherungsbeitr&auml;ge) g&ouml;nnen, 24 Jahre lang, also bis er 89 Jahre alt ist. Stirbt er fr&uuml;her, freuen sich die Frau, die Kinder, Enkelkinder, der Lebensgef&auml;hrte, der Tierschutzverein oder auch die Kirche &uuml;ber den Geldsegen unter der Matratze.<\/p><p>Ergo ist das f&uuml;r mein Verst&auml;ndnis ein ganz miserables Gesch&auml;ft mit der Entgeltumwandlung im Rahmen der betrieblichen Altersversorgung, jedenfalls f&uuml;r gesetzlich Krankenversicherte. (Und f&uuml;r uns Steuerzahler, AM) <\/p><p>Leibrenten sind nichts anderes als eine Wette auf ein sehr langes Leben. Durch die Fixierung auf die Sozialversicherungsfreiheit und den Steuervorteil oder die Riester-Zulage werden sie weder sinnvoller noch rentabler.<\/p><p><strong>Anlage<\/strong><\/p><p><strong>Hinweis Nr. 3 vom 9.8.2007:<\/strong><\/p><p><strong>Kabinett beschlie&szlig;t Sozialversicherungsfreiheit der Entgeltumwandlung &uuml;ber 2008 hinaus<\/strong><br>\nMit dem Gesetzentwurf wird die Sozialversicherungsfreiheit der Entgeltumwandlung in selber Form und H&ouml;he wie bisher &uuml;ber 2008 hinaus unbefristet fortgesetzt. Au&szlig;erdem wird das Lebensalter f&uuml;r die Unverfallbarkeit von arbeitgeberfinanzierten Betriebsrentenanwartschaften vom 30. auf das 25. Lebensjahr abgesenkt.<br>\nDie neben der ohnehin geltenden Steuerbefreiung nun ebenfalls fortgesetzte Sozialversicherungsfreiheit der Entgeltumwandlung schafft eine solide und dauerhafte Grundlage f&uuml;r die F&ouml;rderung der betrieblichen Altersversorgung. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhalten dadurch ebenso wie Arbeitgeber Planungssicherheit. Anreize und Attraktivit&auml;t beim Aufbau von Betriebsrentenanwartschaften bleiben voll erhalten. Der mit der Rentenreform 2002 eingeleitete Auf- und Ausbau kapitalgedeckter zus&auml;tzlicher Altersvorsorge kann und muss auf breiter Front weitergehen.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/Presse\/pressemitteilungen,did=213578.html\">Bundesarbeitsministerium<\/a><\/p><p><em><strong>Anmerkung Martin Betzwieser:<\/strong> Zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie Ihre\/n Sachbearbeiter\/in bei der Deutschen Rentenversicherung und\/oder Ihrer Krankenkasse. Jeder beitragsfrei umgewandelte Euro reduziert das sozialversicherungspflichtige Entgelt, welches die Berechnungsgrundlage f&uuml;r Rente und Entgeltersatzleistungen ist. Das bedeutet im Klartext:<\/em><\/p><ul>\n<li><em>Wenger Rente<\/em><\/li>\n<li><em>Weniger Arbeitslosengeld I<\/em><\/li>\n<li><em>Weniger Krankengeld<\/em><\/li>\n<li><em>Weniger &Uuml;bergangsgeld<\/em><\/li>\n<li><em>Weniger Krankengeld bei Betreuung eines kranken Kindes<\/em><\/li>\n<li><em>Weniger Mutterschaftsgeld<\/em><\/li>\n<li><em>Weniger Elterngeld<\/em><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aufgrund unseres <a href=\"?p=2539\">Hinweises Nr. 3 vom 9.8.<\/a> &bdquo;Kabinett beschlie&szlig;t Sozialversicherungsfreiheit der Entgeltumwandlung &uuml;ber 2008 hinaus&ldquo;, versehen mit einem Kommentar von Martin Betzwieser (siehe unten Anlage), hat der NachDenkSeiten-Leser Manfred Frieling gerechnet &ndash; hoffentlich richtig &ndash; und kommt zu dem Schluss, wie im erw&auml;hnten Hinweis schon angedeutet, dass diese betriebliche Altersversorgung ein schlechtes Gesch&auml;ft, eine<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2542\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[39],"tags":[802,221],"class_list":["post-2542","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-rente","tag-betriebliche-altersvorsorge","tag-versicherungswirtschaft"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2542","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2542"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2542\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29788,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2542\/revisions\/29788"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2542"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2542"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2542"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}