{"id":25437,"date":"2015-03-18T09:17:56","date_gmt":"2015-03-18T08:17:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25437"},"modified":"2019-07-05T10:27:17","modified_gmt":"2019-07-05T08:27:17","slug":"griechenland-vs-deutschland-ping-pong-zwischen-bild-und-kammenos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25437","title":{"rendered":"Griechenland vs. Deutschland \u2013 Ping-Pong zwischen BILD und Kammenos"},"content":{"rendered":"<p>Im zweiten Teil seiner dreiteiligen Miniserie zu den aktuellen deutsch-griechischen Beziehungen analysiert unser Griechenland-Korrespondent <strong>Niels Kadritzke<\/strong> die &Auml;u&szlig;erungen des griechischen Verteidigungsministers Panos Kammenos, der in Personalunion auch Vorsitzender der rechtspopulistischen Partei ANEL (Unabh&auml;ngige Griechen) ist, mit der Syriza koaliert. Einen besonderen Blick wirft <strong>Niels Kadritzke<\/strong> dabei auf ein j&uuml;ngst erschienenes Interview, das Kammenos ausgerechnet mit der BILD gef&uuml;hrt hat.<br>\n<!--more--><br>\n<em>Der erste Teil der Miniserie &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25408\">Griechenland vs. Deutschland &ndash; Das Klima ist vergiftet<\/a>&ldquo; ist am Montag auf den NachDenkSeiten erschienen.<\/em><\/p><p>Welche Motive die BILD-Redaktion auf die Idee brachten, den rechtspopulistischen Koalitionspartner der Linkspartei Syriza zu interviewen, k&ouml;nnen wir nicht wissen. Um so durchsichtiger ist die Absicht bei dem Interview, mit dem das Springer-Blatt gestern nachgelegt hat: Zu Wort kam der &Ouml;konomie-Professor und Syriza-Parlamentsabgeordnete Costas Lapavitsas, der als &bdquo;einer der wichtigsten Berater von Griechen-Regierungschef Alexis Tsipras&ldquo; vorgestellt wird. Das aber ist nicht nur falsch, sondern eine bewusste L&uuml;ge, denn nat&uuml;rlich wei&szlig; die Bild-Redaktion, dass Lapavitsas eben kein Berater von Tsipras, sondern im Gegenteil der prominenteste Kontrahent des wichtigsten Tsipras-Beraters ist, n&auml;mlich des Finanzministers Yianis Varoufakis. Und genau wegen dieser Rolle ist Lapavitsas f&uuml;r BILD ein willkommener Interviewpartner:  als  sch&auml;rfsten Kritiker der eigenen Regierung, der innerhalb der Syriza der prominenteste Bef&uuml;rworter eines Ausscheidens aus der Euro-Zone ist. Jenes  Grexit also, den Varoufakis und Tsipras unbedingt verhindern wollen, den die Bild-Zeitung hingegen seit Jahren im Namen ihrer &uuml;ber Griechenland erz&uuml;rnten Leser herbeischreiben will.<\/p><p>Ich werde auf das Interview mit Lapavitsas im Zusammenhang mit den Kontroversen innerhalb der Syriza zur&uuml;ck kommen, die ich im dritten Teil meines Berichts darstellen will. <\/p><p><strong>Was lernen wir aus der BILD-Zeitung &uuml;ber Kammenos?<\/strong><\/p><p>Zur&uuml;ck zu Kammenos. Das Interview mit dem rechtspopulistischen Vorsitzenden der Anel, das in der BILD vom letzten Samstag (14. M&auml;rz) abgedruckt wurde, ist ein probater Anschauungsunterricht f&uuml;r die Art und Weise, wie der Verteidigungsminister der Regierung Tsipras mit der Wirklichkeit, also mit der Wahrheit umgeht. Ich zitiere in der Folge einige zentrale Aussagen, die ich anschlie&szlig;end  der tats&auml;chlichen Faktenlage konfrontiere.    <\/p><ol>\n<li>Zum Thema Migrantenflut<br>\n<blockquote><p>\n<strong>BILD: Herr Minister, Sie haben die Deutschen erschreckt: Sie drohen, Europa mit Hundertausenden von Fl&uuml;chtlingen zu &uuml;berschwemmen&hellip;<\/strong><\/p>\n<p><strong>Panos Kammenos:<\/strong> &bdquo;Ich habe lediglich deutlich gemacht, was es bedeuten kann, wenn Griechenland aus der Euro-Zone gedr&auml;ngt wird. Es geht nicht nur um eine wirtschaftliche Krise, sondern auch um eine humanit&auml;re. Dann gelten keine Absprachen mehr, keine Abkommen, nichts.<\/p>\n<p>Wir sind dann nicht mehr verpflichtet, als Ankunftsland die Fl&uuml;chtlinge auch aufzunehmen. Wer Griechenland aus der Euro-Zone dr&auml;ngen will, sollte das wissen. Und Europa muss verstehen, dass wir hier derzeit mit einer Bombe allein gelassen werden. Wie kann ein Krisenland allein mit 1,5 Millionen Fl&uuml;chtlingen klarkommen?&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Kommentar:  Kammenos schwindelt. Er hat sich in seiner Rede vom 8. M&auml;rz keinesfalls auf den Fall bezogen, dass Griechenland aus der Eurozone gedr&auml;ngt werden k&ouml;nnte (siehe das w&ouml;rtliche Zitat im <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25408\">ersten Teil dieses Berichts vom Montag<\/a>), sondern seine Drohung sehr viel allgemeiner formuliert. <\/p>\n<p>Die Zahl von 1,5 Millionen Fl&uuml;chtlingen auf griechischem Boden ist spekulativ und auf jeden Fall zu hoch. Laut amtlichen Statistiken sind letztes Jahr 77 000 Fl&uuml;chtlinge ohne Papiere ins Land gekommen (v.a. &uuml;ber die T&uuml;rkei), aber die Dunkelziffer ist wesentlich h&ouml;her. NGOs sch&auml;tzen, dass im Lauf der letzten Jahre eine halbe Million &bdquo;Illegaler&ldquo; in Griechenland h&auml;ngen geblieben sind, was f&uuml;r die Betroffenen eine humanit&auml;re Katastrophe und f&uuml;r das Krisenland eine unzumutbare Belastung darstellt. <\/p>\n<p>Die von Kammenos phantasierte Abschiebe-Aktion ist eine v&ouml;llig absurde Idee schon deshalb, weil sie nur dazu f&uuml;hren w&uuml;rde, dass die anderen EU-L&auml;nder versch&auml;rfte Grenzkontrollen f&uuml;r Einreisende aus Griechenland einf&uuml;hren w&uuml;rden &ndash; zu Lasten der griechischen B&uuml;rger. <\/p>\n<p>Im &Uuml;brigen hat die zust&auml;ndige Vize-Ministerin f&uuml;r Einwanderungsfragen unverz&uuml;glich erkl&auml;rt, dass die &Auml;u&szlig;erungen von Kammenos &bdquo;nicht die Position der griechischen Regierung darstellen&ldquo;. Und Finanzminister Varoufakis hat sich, in der ARD-Diskussionsrunde vom Sonntag-Abend, explizit von Kammenos distanziert.<\/p><\/li>\n<li>Zum Thema Grexit<br>\n<blockquote><p>\n<strong>Kammenos:<\/strong> &bdquo;Es ist unm&ouml;glich f&uuml;r uns, aus dem Euro auszusteigen, das ist illegal, daf&uuml;r gibt es keine M&ouml;glichkeit. Wenn Griechenland explodiert, dann als n&auml;chstes Spanien, Italien. Und irgendwann Deutschland. Wir m&uuml;ssen deshalb einen Weg innerhalb des Euro finden. Aber dieser Weg darf nicht sein, dass die Griechen immer weiter zahlen m&uuml;ssen.<\/p>\n<p>Ganz unabh&auml;ngig davon: Es kann nicht sein, dass bei uns ein Espresso 3 Euro kostet und in Wien 1,20 Euro. Warum sollten die Touristen da zu uns kommen? <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/themen\/specials\/steuersenkungen\/politik-geld-steuer-wirtschaft-nachrichten-news-fotos-videos-20894950.bild.html\">Deswegen m&uuml;ssen wir unsere Steuern senken<\/a>, um f&uuml;r Touristen attraktiver zu werden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Kommentar: Ein klassisches Beispiel f&uuml;r viele andere  Prophezeihungen des Freizeit-&Ouml;konomen Kammenos auf rein spekulativer Basis. Zugleich aber auch ein Beleg daf&uuml;r, dass sich seine Partei ANEL auf klassisch rechtspopulistische Weise als Steuersenkungs-Partei positioniert. Dabei kommt Kammenos gar nicht auf die Idee, dass der 3-Euro-Espresso vor allem von den Mietforderungen an die Caf&eacute;-Betreiber herr&uuml;hrt und nach einer Mehrwertsteuer-Senkung immer noch 2, 90 Euro kosten w&uuml;rde.<\/p><\/li>\n<li>Zum Thema Russland-Ukraine<br>\n<blockquote><p>\n<strong>BILD: Griechenland ist Mitglied der Nato. Trotzdem wollen Sie sich an Russland wenden, um an Hilfe zu kommen. Meinen Sie das ernst?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kammenos:<\/strong> &bdquo;Wir haben viel Geld durch die EU-Sanktionen gegen Russland verloren. Fast 70 Prozent unserer landwirtschaftlichen Exporte gehen dorthin. Auch der Tourismus ist extrem wichtig, 25 Prozent unserer Touristen kommen aus Russland.<\/p>\n<p>Wir brauchen deshalb eine Entsch&auml;digung der EU f&uuml;r das Geld, das wir dort verlieren. Ansonsten k&ouml;nnen und wollen wir uns nicht an Sanktionen gegen Russland beteiligen, die allein unserer Wirtschaft schaden.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote>\n<p>Kommentar: Dass 70 Prozent der griechischen Agrarexporte nach Russland gehen, ist entweder eine glatte L&uuml;ge oder ein Beleg unfasslicher Ignoranz. Der tats&auml;chliche Anteil der Exporte betr&auml;gt h&ouml;chstens 6 Prozent (Exporte nach Russland im Wert von 200 Mill. Euro, bei Gesamterl&ouml;sen aus dem Agrarexport von rund 4 Milliarden Euro). &Auml;hnlich phantastisch ist der behauptete Anteil der russischen Touristen von 25 Prozent der ausl&auml;ndischen Besucher. Deren Zahl belief sich in der Saison 2014 auf 19  Millionen, von ihnen kamen 1,1 Millionen aus Russland. Das sind also nicht 25, sondern 5,8  Prozent. Der Anteil der deutschen Touristen lag mit 13 Prozent mehr als doppelt so hoch.<\/p>\n<p>Dass 2014 weniger russische Touristen einreisten als erwartet, ist eine Folge der russischen Wirtschaftskrise und vor allem der Schw&auml;che des Rubel, was Auslandsreisen verteuert. Beides hat nur zum Teil mit den Sanktionen des Westens zu tun und geht gleicherma&szlig;en auf den Einbruch des &Ouml;lpreises zur&uuml;ck. Dass die EU Griechenland f&uuml;r ausbleibende russische Touristen entsch&auml;digen m&uuml;sse, ist eine absurde Forderung, die von v&ouml;lliger Unkenntnis der Gemeinschaftsregeln zeugt. <\/p>\n<p>Was die Agrarexporte betrifft, so k&ouml;nnen griechische Produzenten EU-Kompensationgelder nach denselben Kriterien beantragen wie andere Mitgliedsl&auml;nder auch. Im &uuml;brigen bem&uuml;ht sich Griechenland derzeit sehr intensiv, in Verhandlungen mit Moskau seine wichtigsten Agrarexporte (Pfirsiche, Erdbeeren) von der russischen Embargoliste zu streichen.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Die Welt nach Panos Kammenos<\/strong><\/p><p>Was bringt einen Mann wie Kammenos dazu, in einem &bdquo;strategisch&ldquo; wichtigen Interview, das er dem Zentralorgan der deutschen Grexit-Betreiber gew&auml;hrt, mit Behauptungen und Zahlen aufzutrumpfen, die man selbst ohne Detailkenntnisse sofort als Unwahrheit erkennen kann? Ich bin geneigt, eine bewusste Unwahrhaftigkeit auszuschlie&szlig;en, denn erfolgreiches L&uuml;gen setzt immerhin eine gewisse Geschicklichkeit voraus. Die aber fehlt hier v&ouml;llig. Der griechische Verteidigungsminister geh&ouml;rt offenbar zu den &ndash; gar nicht seltenen &ndash; Politikern, die sich Argumente und Fakten so zurechtlegen, dass sie bequem zu einer vorgefassten Meinung passen. Und die dabei ihren eigenen Behauptungen &ndash; zumindest im Moment des Aussprechen &ndash; vollkommen vertrauen. Dieser Eindruck verst&auml;rkt sich im Fall Kammenos noch, wenn man ihn sprechen sieht und h&ouml;rt. Deshalb kann ich nur empfehlen, auch ohne Griechisch-Kenntnisse in das einst&uuml;ndige Interview hineinzusehen, das Kammenos am 12. M&auml;rz, kurz vor dem Besuch der BILD-Redakteure in Athen, dem lokalen Sender TV Kosmos in Rhodos gegeben hat. Auch hier behauptet Kammenos mit einer Selbstgewissheit, die an Autosuggestion grenzt, die unglaublichsten Dinge und hat auf jeden Einwand (den der Interviewer selten genug vorbringt) ohne jedes Z&ouml;gern oder Nachdenken die passende Antwort (abzurufen ist das Interview &uuml;ber die <a href=\"http:\/\/anexartitoiellines.gr\/webtv\/videoview.php?vid_id=845\">Website der Kammenos-Partei<\/a>)<\/p><p>Da solche Interviews in entfernten Lokalsendern selten zur Kenntnis genommen werden &ndash; und in diesem Fall selbst von der Athener Presse nicht registriert wurde &ndash; will ich hier die verbl&uuml;ffendsten Kammenos-Thesen wiedergeben.<\/p><ol>\n<li>Kammenos spricht von gewaltigen Mengen an Erd&ouml;l und Erdgas, die angeblich rund um Rhodos und in der von Griechenland noch zu beanspruchenden &bdquo;Ausschlie&szlig;lichen Wirtschaftszone&ldquo; (AWZ) &ouml;stlich der Insel schlummern und die Griechenlands &ouml;konomische Probleme in Zukunft vollst&auml;ndig und f&uuml;r immer l&ouml;sen werden. Dabei kommen zwei Dinge nicht zur Sprache: Erstens dass der Umfang der AWZ, die Griechenland zwischen Rhodos und Zypern beanspruchen kann, wegen konkurrierender Anspr&uuml;che der T&uuml;rkei sehr umstritten ist. Und zweitens, dass es noch keinerlei Studien, geschweige denn Prospektionen gibt, die Aussagen &uuml;ber die vermuteten Gas- und &Ouml;lvorkommen erlauben.<\/li>\n<li>Kammenos behauptet auch in diesem Interview, dass 70 Prozent der griechischen Exporte (hier sogar: aller Exporte und nicht nur der Agrarprodukte) nach Russland gehen und dass 25 Prozent der ausl&auml;ndischen Touristen Russen sind. Da ihm der Redakteur eines griechischen Lokalsenders diese Zahlen offenen Mundes abgenommen hat, mag sich Kammenos ermutigt gef&uuml;hlt haben, dieselben Zahlen auch den BILD-Redakteuren aufzutischen. <\/li>\n<li>In dem TV-Interview erz&auml;hlte Kammenos aber noch mehr &uuml;ber die besonderen Beziehungen zwischen Griechenland und Russland.  Wobei er versichert, genau so habe er es vor kurzem seinen Nato-Kollegen dargelegt: Griechenland wolle zwar nicht aus dem westlichen B&uuml;ndnis austreten, werde aber immer ein spezielles Verh&auml;ltnis zu seinem (christlich-)orthodoxen &bdquo;Verb&uuml;ndeten&ldquo; Russland pflegen. Insbesondere werde man sich nie an irgendwelchen Nato-Pl&auml;nen gegen Russland beteiligen, weil Athen gerade in Sachen Ukraine keinesfalls &bdquo;ohne Interessen&ldquo; sei. Was sind diese griechischen Interessen? &bdquo;In Mariupol und auf der Krim leben Hunderttausende von Griechen, die in diesem Augenblick von neofaschistischen Ukrainern angefeindet werden und sich zudem von islamistischen Extremisten bedroht f&uuml;hlen. Deshalb wollen sie von Russland gesch&uuml;tzt werden.&ldquo;\n<p>Auch diese Argumentation &ndash; in sich schon bemerkenswert &ndash; beruht auf nicht existenten Fakten.  Laut Volksz&auml;hlung von 2002 hatte Mariupul (von ihrer Gr&uuml;ndung bis Ende des 19. Jahrhunderts tats&auml;chlich eine &uuml;berwiegend griechische Stadt) knapp 500 000 Einwohner, von denen 21 000 oder  4,3 Prozent Griechen waren.  In der gesamten Krim wurden 2800 Griechen gez&auml;hlt. Macht insgesamt knapp 24 000 Griechen f&uuml;r Mariupol und die Krim. Wie Kammenos auf mehrere Hunderttausend kommt, bleibt sein Geheimnis. Aber f&uuml;r selbstgewisse Charaktere wie ihn reicht es v&ouml;llig aus, die Zahl zu behaupten. Damit wird sie zur Wirklichkeit. So schafft man sich eine Welt, in der alle eigenen, eigenwilligen Thesen, Sichtweisen, Vermutungen wie durch Zauberhand plausibel werden, ja bewiesen sind.<\/p><\/li>\n<li>Gewissheit hat Kammenos auch in den gro&szlig;en geopolitischen Fragen. Zum Beispiel steht f&uuml;r ihn unverr&uuml;ckbar fest, dass China zum strategischen B&uuml;ndnispartner Griechenlands bestimmt ist. Peking wolle bekanntlich die &bdquo;moderne Seidenstra&szlig;e&ldquo; bis &Auml;ypten ausbauen, schwadroniert Kammenos in Rhodos. Und die n&auml;chste logische Station sei nat&uuml;rlich Griechenland (Anmerkung: dass Kammenos die Seidenstra&szlig;e &uuml;ber &Auml;gypten f&uuml;hrt, hat den Vorteil, dass sie damit den Nachbarn und Erzfeind T&uuml;rkei umgeht!). Deshalb solle man Peking erm&ouml;glichen, das griechische Eisenbahnnetz zu kaufen und auszubauen. Die Chinesen w&uuml;rden dann vom Hafen Pir&auml;us aus alle ihre G&uuml;ter &uuml;ber das europ&auml;ische Schienennetz verteilen, das sie bis Rotterdam ausbauen wollen (womit vermutlich der Hafen von Rotterdam durch die chinesische Eisenbahn in Grund und Boden konkurriert w&uuml;rde!)<\/li>\n<li>&Uuml;berhaupt w&uuml;rden die Chinesen, wenn man sie nur l&auml;sst, in Griechenland f&uuml;nf Mal mehr Geld investieren als die ganze EU, plaudert Kammenos aus. Und auch mit den USA hat er gro&szlig;e Pl&auml;ne: Mit den Amerikanern sollte Griechenland ein Abkommen schlie&szlig;en, das diesen f&uuml;r immer die Ausbeutung s&auml;mtlicher Gas- und &Ouml;lvorkommen Griechenlands &uuml;berl&auml;sst. Daf&uuml;r w&uuml;rde Washington ganz sicher einige zig Milliarden Dollar zahlen. Was k&uuml;mmert es, dass die USA auf dem besten Weg sind, sich von Energieimporten unabh&auml;ngig zu machen? Und dass die erahnten griechischen &Ouml;l- und Gasvorkommen noch ihrer Entdeckung harren und eine profitable Erschlie&szlig;ung aus heutiger Sicht h&ouml;chst zweifelhaft ist? Das Alles kann einen populistischen Vision&auml;r nicht irritieren. Die Welt nach Kammenos ist wunderbar und verhei&szlig;t seinem Land eine phantastische Zukunft.\n<p>Diese Zukunft sieht Kammenos in einem &bdquo;Europa der Vaterl&auml;nder&ldquo;, in dem Griechenland mit allen anderen L&auml;ndern wunderbar auskommen kann. Mit allen? Nein, da gibt es ja leider noch die Deutschen. Die macht der griechische Verteidigungsminister als die einzigen Feinde Griechenlands aus, ja als Bedrohung f&uuml;r den ganzen Kontinent, weil sie &bdquo;Europa seit vierzig Jahren mit der Waffe der &Ouml;konomie unterwerfen wollen&ldquo;.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Eine &bdquo;loose canon&ldquo; als Verteidigungsminister<\/strong><\/p><p>Wenn ich Kammenos &uuml;ber seine Welt reden h&ouml;re, f&uuml;hle ich mich stark an die &ndash; alle gro&szlig;en Probleme der Welt ber&uuml;hrenden &ndash; Debatten erinnert, die man in griechischen Kafenions erleben kann (wo sich allerdings ein Dorfweiser einschalten w&uuml;rde, der einem Dorf-Kammenos klarmachen w&uuml;rde, dass das mit den griechischen Agrarexporten nach Griechenland kaum stimmen kann!). <\/p><p>Allerdings sitzt unser Mann nicht im Kafenion, sondern in einer griechischen Regierung, die sich gerade in einer sehr delikaten, ja bedrohlichen Phase der Verhandlungen mit ihren europ&auml;ischen und internationalen Partnern befindet. Zudem &auml;u&szlig;ert sich dieser Kammenos immer wieder so, als spreche er im Namen dieser Regierung. Zum Beispiel, wenn er (in seinem Interview mit dem Sender in Rhodos) den Kauf von weiteren russischen Boden-Luft-Raketen vom Typ  S-300 ank&uuml;ndigt, oder noch viel bedeutendere Zukunftspl&auml;ne schmiedet. Vor einem Wirtschaftsforum in Athen zauberte Kammenos k&uuml;rzlich folgende Idee aus dem Hut: Griechenland werde steuerlich beg&uuml;nstigte &bdquo;Sonderwirtschaftszonen&ldquo; f&uuml;r ausl&auml;ndische R&uuml;stungsunternehmen schaffen, wobei man Kooperationsvertr&auml;ge mit den drei R&uuml;stungsgro&szlig;m&auml;chten USA, Russland und China anstrebe (Bericht in Ta Nea vom 14. M&auml;rz). Von dem kolossalen Projekt d&uuml;rften die Ministerkollegen von Kammenos zum ersten Mal geh&ouml;rt haben. Es ist jedenfalls v&ouml;llig ausgeschlossen, dass es innerhalb der Regierung diskutiert wurde, schon weil die Syriza solche Sonderwirtschaftszonen als Mittel der Wirtschaftspolitik strikt ablehnt. <\/p><p>F&uuml;r Politiker vom Typ des Anel-Vorsitzenden hat man im englischen Sprachraum einen sch&ouml;nen Begriff. Man nennt jemanden, der so wild und unbedacht daher redet, eine &bdquo;loose canon&ldquo;. Aber kann sich die griechische Regierung eine solche Figur ausgerechnet als Verteidigungsminister leisten? <\/p><p>Diese Frage wird innerhalb der Syriza mit wachsender Besorgnis gestellt. Zwar ist auch Finanzminister Varoufakis innerhalb der Partei nicht mehr unumstritten und wird inzwischen selbst von Tsipras ermahnt, seine Auftritte in den Medien sorgf&auml;ltiger zu dosieren. Aber so lange sich die Athener Regierung einen Dampfplauderer  wie Kammenos leistet, bleibt ein seri&ouml;ser Kommunikator wie Varoufakis f&uuml;r die griechische Sache absolut unentbehrlich. Das hat der Finanzminister auch am Sonntag Abend in der ARD bewiesen, als er mit seinem Auftritt bei Jauch mit kluger, pr&auml;ziser und zugleich ma&szlig;voller Argumentation die hierzulande herrschenden Vorurteile &uuml;ber seine Person und sein Land erfolgreich unterminierte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im zweiten Teil seiner dreiteiligen Miniserie zu den aktuellen deutsch-griechischen Beziehungen analysiert unser Griechenland-Korrespondent <strong>Niels Kadritzke<\/strong> die &Auml;u&szlig;erungen des griechischen Verteidigungsministers Panos Kammenos, der in Personalunion auch Vorsitzender der rechtspopulistischen Partei ANEL (Unabh&auml;ngige Griechen) ist, mit der Syriza koaliert. Einen besonderen Blick wirft <strong>Niels Kadritzke<\/strong> dabei auf ein j&uuml;ngst erschienenes Interview, das Kammenos ausgerechnet mit<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25437\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[139,173,123,41],"tags":[459,379,1045,1291,259,260,340],"class_list":["post-25437","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-euro-und-eurokrise","category-griechenland","category-kampagnentarnworteneusprech","category-medienanalyse","tag-bild","tag-china","tag-grexit","tag-kammenos-panos","tag-russland","tag-ukraine","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25437","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=25437"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25437\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53060,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25437\/revisions\/53060"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=25437"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=25437"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=25437"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}