{"id":2547,"date":"2007-08-13T09:02:46","date_gmt":"2007-08-13T07:02:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2547"},"modified":"2015-12-29T15:55:18","modified_gmt":"2015-12-29T14:55:18","slug":"gibt-es-ein-oeffentliches-interesse-an-der-bereitstellung-eines-internationalen-casinos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2547","title":{"rendered":"Gibt es ein \u00f6ffentliches Interesse an der Bereitstellung eines internationalen Casinos?"},"content":{"rendered":"<p>Am 10.8.2007 erschien im Zeit <a href=\"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=191\">Weblog<\/a> ein kritischer Beitrag des Experten f&uuml;r internationale Finanzm&auml;rkte und W&auml;hrungsfragen Dieter Wermuth. Bei der Lekt&uuml;re dieses aufschlussreichen Beitrags mit dem Titel &bdquo;Liquidit&auml;tskrise!!!&ldquo; ergaben sich ein paar, hoffentlich weiterf&uuml;hrende Fragen. Dieter Wermuth (DW) hat sie dankenswerterweise schnell beantwortet. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>AM:<\/strong> Sie gelten als Experte f&uuml;r internationale Finanzm&auml;rkte und W&auml;hrungsfragen (falls n&ouml;tig bitte erg&auml;nzen oder korrigieren). Am 10.8.2007 erschien im Zeit <a href=\"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=191\">Weblog<\/a> ein kritischer Beitrag von Ihnen mit dem Titel &bdquo;Liquidit&auml;tskrise!!!&ldquo;. Es bleiben ein paar Fragen. Ich beginne mit einer, die ein Leser der NachDenkSeiten stellte: Wie passt eigentlich die Unterst&uuml;tzung der Banken mit Hunderten von Milliarden wegen der Immobilienkrise zu den Theorien der &bdquo;Neoliberalen&ldquo;?<\/p><p><strong>DW:<\/strong> Man sieht einmal mehr, dass die M&auml;rkte, wenn sie sich selbst &uuml;berlassen werden, nicht immer von sich aus stabile Gleichgewichte erreichen. Angebot und Nachfrage k&ouml;nnen bei sehr unterschiedlichen Preisniveaus zum Ausgleich gebracht werden, ohne dass sich sagen lie&szlig;e, das eine ist das richtige und die anderen sind die falschen. Vor allem bei Wechselkursen, Rohstoffen und an den Aktienm&auml;rkten l&auml;sst sich das beobachten. Der neoliberale Ansatz liefert keine n&uuml;tzlichen Erkl&auml;rungen f&uuml;r Finanzkrisen. So etwas wie Euphorie, Angst, Herdentrieb, also den homo irrationalis gibt es nicht. Selbst realwirtschaftliche Ph&auml;nomene k&ouml;nnen fast nie plausibel erkl&auml;rt werden. Deutschland konnte jahrelang aufgrund von Strukturproblemen, zu vielen unvollkommenen M&auml;rkten, nicht wachsen, erkl&auml;rten uns die Neoliberalen. Im Grunde sei unsere Volkswirtschaft ein hoffnungsloser Fall. Auf einmal aber geht es los mit der Expansion, ohne dass die M&auml;rkte effizienter geworden w&auml;ren, einfach weil die Weltwirtschaft brummt, der Wechselkurs nicht &uuml;berbewertet ist und die EZB f&uuml;r eine Weile die Realzinsen nahe null h&auml;lt. W&auml;re es nach den Neoliberralen gegangen, h&auml;tten wir uns mit 10% Arbeitslosigkeit abfinden m&uuml;ssen &ndash; dem Niveau, das aufgrund unserer schrecklichen Strukturen das nat&uuml;rliche sei. In der Praxis produzieren die Neoliberalen nichts als krausen Unsinn. Die M&auml;rkte jedenfalls couldn&rsquo;t care less.<\/p><p><strong>AM:<\/strong> Warum intervenieren die EZB und andere Zentralbanken &ndash; mit insgesamt &uuml;ber 150 Milliarden?<\/p><p><strong>DW:<\/strong> So viel wird wohl n&ouml;tig gewesen sein angesichts der Liquidit&auml;tsklemme der Banken. Die Anleger hatten aus Angst vor Wertverlusten deutlich mehr Fondsanteile verkauft als normal, also Bargeld verlangt. Das Bankensystem insgesamt konnte im Geldmarkt nicht gen&uuml;gend Liquidit&auml;t mobilisieren, um den Anforderungen der Kunden gerecht zu werden. Manchmal kommt es zu solchen Krisen &ndash; sie haben ihren Grund darin, dass die Aktiva des Bankensystems nicht sofort in Geld verwandelt werden k&ouml;nnen (durch Verkauf an die Sparer). Es sind allerdings gen&uuml;gend Aktiva da, nur nicht in der erforderlichen liquiden Form. Es dauert angesichts des &bdquo;bank runs&ldquo; ein paar Tage, bis die Banken die Anpassung ihrer Bilanzen geschafft haben &ndash; daher wenden sie sich an die Notenbank, die ihnen mit einem &Uuml;berbr&uuml;ckungskredit aus der Klemme hilft.  Daf&uuml;r gibt es ja diese sogenannten Schnelltender. Wegen vor&uuml;bergehender Probleme mit kurzfristigen Verbindlichkeiten sollen Banken nicht Konkurs anmelden m&uuml;ssen. Volkswirtschaftlich sind die Kosten von Bankenzusammenbr&uuml;chen oft sehr gro&szlig; und sollten daher vermieden werden, wenn die betreffenden Banken grunds&auml;tzlich gesund sind. Die Notenbank (und damit der Steuerzahler) verdient im &Uuml;brigen an diesen Krediten &ndash; sie werden ja verzinst. Eine andere Frage ist, warum denn die Anleger auf einmal Kasse sehen wollen.<\/p><p><strong>AM:<\/strong> Interveniert wird wohl aus Sorge dar&uuml;ber, die Krise der Finanzm&auml;rkte k&ouml;nnte auf die reale &Ouml;konomie &uuml;bergreifen, also die Investitionen, den Konsum und dann auch die Konjunktur bremsen. Diese Sorge will ich nicht als abwegig bezeichnen. Aber in diesem Zusammenhang wird dann bei uns auch ein Interesse daran formuliert, die Aktienkurse nicht allzu sehr einbrechen zu lassen. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Ludwig Stiegler meinte <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/_inc\/_globals\/print.php?em_cnt=1189292&amp;em_ref=\/top_news&amp;em_ivw=fr_topnews&amp;em_client=fr&amp;em_site_color=1&amp;em_site_style=1&amp;em_site_template=1&amp;em_site_text=1\">gegen&uuml;ber der Frankfurter Rundschau<\/a>, es sei &bdquo;eine alte Lebenserfahrung, dass die Investitionskurve in Deutschland immer der DAX-Kurve gefolgt ist&ldquo;. Was halten Sie von diesem Argument? Ist es &uuml;berhaupt sachlich richtig?<\/p><p><strong>DW:<\/strong> Eigentlich k&ouml;nnte man eine mittelgro&szlig;e Bank wie die IKB auch mal in Konkurs gehen lassen, n&auml;mlich dann, wenn die Verbindlichkeiten die Aktiva um mehr als das Eigenkapital &uuml;bersteigen. Die IKB hatte sich wohl mit amerikanischen Asset Backed Securities vollgeladen, die angesichts der Immobilienkrise doch nicht so solide waren wie gedacht. Sie hatten dramatisch an Wert verloren. Der Vorstand hatte sich einfach in gro&szlig;em Stil verzockt und der Aufsichtsrat hatte nichts gemerkt oder nichts merken wollen. Es zeigt sich, ziemlich &uuml;berraschend, dass die IKB eine schlecht gef&uuml;hrte Bank ist. Warum sollte sie gerettet werden? Die Eigent&uuml;mer (die Aktion&auml;re) sind sich des Konkursrisikos ja durchaus bewusst &ndash; es ist ein konstituierendes Element des Aktienmarktes und ein Grund daf&uuml;r, dass Aktion&auml;re im Durchschnitt besser fahren als die Besitzer von Staatsanleihen.<\/p><p>Bankpleiten gef&auml;hrden allerdings das Vertrauen in das Geldwesen und werden daher aus Stabilit&auml;tsgr&uuml;nden tunlichst vermieden. Eine kollabierende Bank aufzufangen, also durch andere zu &uuml;bernehmen, ist allemal billiger als die Sparer so zu schockieren, dass sie ihre Einlagen abziehen und damit die Kreditketten zerst&ouml;ren, die eingespielten Beziehungen zwischen Sparern und Investoren &ndash; was unabsehbare Schocks und damit eine Rezession ausl&ouml;sen k&ouml;nnte.<\/p><p>Man kann auch nicht so apodiktisch sagen, dass die Geldpolitik nie die Aktienkurse stabilisieren sollte. Es kommt darauf an. Die wichtigste Aufgabe der Geldpolitik ist ja nicht, das Preisniveau zu stabilisieren, sondern f&uuml;r ein funktionierendes Geldwesen zu sorgen. Und wenn die Aktienindices so stark einbrechen, dass breite Bev&ouml;lkerungskreise de facto &uuml;berschuldet sind, so dass auf Teufel komm raus gespart werden muss und dadurch Nachfrage und Konjunktur so sehr zur&uuml;ckgehen, dass sich daraus eine Depression oder eine lang anhaltende Deflation entwickeln k&ouml;nnten, ist die Notenbank sehr wohl gefordert. Das sind aber die absoluten Ausnahmen. Im Allgemeinen sollten die Notenbanken die Finger von den Aktienm&auml;rkten lassen, auch wenn es der Konjunktur helfen mag, wenn die Kosten f&uuml;r Eigenkapital real niedrig sind, die Aktienkurse also hoch. Es ist schon eine ziemlich schwierige Aufgabe, die Inflationserwartungen und die aktuelle Inflation bei dem Niveau zu stabilisieren, das angestrebt wird (etwas unter 2% im europ&auml;ischen Fall). Wenn das gelingt, d&uuml;rften die Realzinsen relativ niedrig bleiben, was wiederum (wenn auch nicht alleine) den Aktienkursen und der Investitionst&auml;tigkeit hilft.<\/p><p><strong>AM:<\/strong> Das hei&szlig;t doch auf Deutsch: &Ouml;ffentliches Geld soll jetzt auch noch die Kursgewinne der Aktienspekulanten sichern?<\/p><p><strong>DW:<\/strong> Wenn die Notenbank nach einem Crash &agrave; la 1929, Japan 1989\/90, USA 2000\/2001 stabilisierend eingreift, sind ja die Kursgewinne der Aktienspekulanten schon weg &ndash; dann geht es darum, Schaden von der Volkswirtschaft insgesamt abzuwenden, den negativen Verm&ouml;genseffekt zu begrenzen. Wenn die Leute sich angesichts von Kursverlusten von 90% (oder so) auf einmal total verarmt vorkommen und das Geldausgeben einstellen, bek&auml;men wir eine Spirale nach unten. Wie wir in den drei&szlig;iger Jahren gesehen haben, kann weitverbreitetes Elend in einer einst wohlhabenden Gesellschaft zu &uuml;bertriebenem Nationalismus und Faschismus f&uuml;hren, gef&auml;hrdet also potentiell das demokratische System. W&auml;hrend es vollkommen falsch und auch ungerecht ist, &bdquo;die Kursgewinne der Aktienspekulanten (mit &ouml;ffentlichem Geld zu) sichern&ldquo;, kann durchaus &ouml;ffentliches Geld nach einem Crash eingesetzt werden, wenn das Risiko besteht, dass er ausser Kontrolle ger&auml;t. Das darf man (aus Gr&uuml;nden des moral hazard) aber nie vorher verk&uuml;nden.<\/p><p><strong>AM:<\/strong> Bekommt die EZB die Milliarden wieder zur&uuml;ck, mit denen sie intervenierte?<\/p><p><strong>DW:<\/strong> Das ist sehr wahrscheinlich &ndash; und, wie oben gesagt &ndash; mit Zinsen. Es handelt sich ja um Kredite, und die Kreditnehmer sind grunds&auml;tzlich gesunde Banken. Das hat bis zum Beweis des Gegenteils zu gelten, sonst funktionierten die Geldmarktoperationen der Notenbanken nicht. <\/p><p><strong>AM:<\/strong> Bekommt die &ouml;ffentliche KfW die &uuml;ber 8 Milliarden zur&uuml;ck, die sie zur Vermeidung der Insolvenz der IKB bereitgestellt hat, einer Bank die immerhin &uuml;berwiegend privaten Eigent&uuml;mern und nur zu 38% der KfW und damit Bund und L&auml;ndern geh&ouml;rt?<\/p><p><strong>DW:<\/strong> Schwer zu sagen. Vermutlich muss eine Menge abgeschrieben werden, da es sich nicht um eine Liquidit&auml;tsklemme sondern um Verluste aus Portfolioinvestitionen handelt (wenn ich recht informiert bin). Letztlich subventioniert der Steuerzahler die &uuml;brigen Eigent&uuml;mer, falls die KfW f&uuml;r einen h&ouml;heren Teil der Verluste aufkommt und damit Feuerwehr spielt, als der 38%-Anteil an der IKB rechtfertigen w&uuml;rde. Das w&auml;re unerfreulich und ordnungspolitisch nicht zu rechtfertigen.<\/p><p><strong>AM:<\/strong> Die Krise hatte im konkreten Fall ihren Ursprung in den USA und dem dortigen Hypothekenmarkt. Joseph Stiglitz schildert in einem Beitrag f&uuml;r <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/meinung\/kommentare\/236415.html?mode=print\">FTD.de<\/a>, dass und wie Alan Greenspan amerikanische Eigenheiminteressenten zu noch h&ouml;herer Risikobereitschaft ermuntert hat. Man kann mit Recht von einer amerikanischen Krise sprechen. Und dennoch hat die Europ&auml;ische Zentralbank mit 94,8 Milliarden &euro; und dann noch einmal mit 61,05 Milliarden &euro; den L&ouml;wenanteil an Liquidit&auml;tszufuhr geleistet. Warum das?<\/p><p><strong>DW:<\/strong> In der Tat: Der Ausgangspunkt der Krise war in den USA. Nach dem Kollaps der Aktienm&auml;rkte 2000\/2001 wurden aus Furcht vor einer Rezession infolge von Verm&ouml;gensverlusten die Zinsen stark gesenkt, bis auf schlie&szlig;lich 1%, was real deutlich negativ war. Durch die Entschlossenheit der Fed konnte eine gr&ouml;&szlig;ere Rezession vermieden werden, und der gr&ouml;&szlig;te Teil der Verluste an den Aktienm&auml;rkten wurde durch den Anstieg der Immobilienpreise kompensiert. Das Vertrauen der Verbraucher hatte per Saldo kaum gelitten. Im Verlauf der Immobilienhausse kam es allerdings zu einer immer aggressiveren Kreditvergabe, verbunden mit einer Verbriefung der Hypotheken. Sie wurden in Wertpapiere verwandelt, die dann in den Markt verkauft wurden, unter anderem an die IKB, die BNP Paribas, die SachsenLB, den Frankfurt Trust, im Grunde an Gott und die Welt, an jeden, der Geld anzulegen hatte und an einer attraktiven Rendite interessiert war. Dadurch war die US-Immobilienkrise auf einmal auch unsere Krise. Die EZB hatte keine Wahl: Sie musste handeln, und es brachte nichts, zu fragen, wer denn der Teufel im St&uuml;ck sei.   <\/p><p><strong>AM:<\/strong> Sie wundern sich dar&uuml;ber, &bdquo;wie naiv deutsche (und franz&ouml;sische) Banker und Portfoliomanager sein m&uuml;ssen, wie wenig sie die Risiken zu verstehen scheinen, auf die sie sich einlassen&ldquo;, wenn sie sich bei schlechten Hypothekenkrediten und der Finanzierung von &Uuml;bernahmen engagieren. Muss man sich dar&uuml;ber wirklich wundern, da die Banker doch die Erfahrung machen, dass die &Ouml;ffentlichkeit zur Schadensbegrenzung einspringt? Sie werden f&uuml;r ihre Naivit&auml;t und riskanten Spekulationen nicht bestraft. Im Gegenteil, weil sie mit den riskanten Spekulationen gro&szlig;e Gewinne gemacht haben, gelten sie als besonders erfolgreich. Und werden gerettet, wenn etwas schief geht. Halten Sie das f&uuml;r wegweisend?<\/p><p><strong>DW:<\/strong> Ich wiederhole mich: Die EZB rettet nicht nur die Banker, sie rettet auch das System. Es ist auch klar, dass die Banken eine Menge Geld mit ihren Anlagen in Asset Backed Securities verloren haben und noch verlieren werden. Daher sinken ihre Aktienkurse ja auch so stark. Dass die Investmentbanken dennoch, &uuml;ber l&auml;ngere Zeitr&auml;ume gerechnet, ungeheuer viel Geld verdient habe, liegt vermutlich an mangelndem Wettbewerb (durch hohe Zugangsh&uuml;rden) und intransparente Produkte, die sie geschickt an renditegierige Anleger rund um den Globus verkauft hatten. Sie haben sicher recht mit Ihrem Eindruck, dass die Banken in der Gewissheit, dass sie allein wegen ihrer Gr&ouml;&szlig;e nicht fallen gelassen werden d&uuml;rften, umso aggressiver und damit profitabler agieren k&ouml;nnen als normale Unternehmen. Ich glaube aber nicht, dass staatliche Banken die L&ouml;sung w&auml;ren. Die werden doch st&auml;ndig vom Steuerzahler rausgehauen, so wie jetzt die IKB &uuml;ber die staatliche KfW, oder wie immer wieder die diversen Landesbanken. Ein Problem scheint mir auch zu sein, dass den meisten Wirtschaftspolitikern die Investmentbanken und die Private Equity und Hedge Funds ein Buch mit sieben Siegeln sind. Was ist eigentlich mit unseren Bankenaufsehern los?<\/p><p><strong>AM:<\/strong> Sind die enormen Gewinne der Deutschen Bank AG oder anderer Institute auch auf &auml;hnliche riskante Operationen zur&uuml;ckzuf&uuml;hren? W&auml;ren einige Insolvenzen nicht notwendig, um die absurden Renditevorstellungen zu korrigieren, die um sich gegriffen haben?<\/p><p><strong>DW:<\/strong> Die Gewinne entstehen weniger durch die Anlage in Asset Backed Securities, die jetzt so stark an Wert verlieren, als vielmehr durch die Kreiierung dieser Produkte und ihren Verkauf an Endinvestoren. Daneben gibt es fette Geb&uuml;hren in den Gesch&auml;ften mit Unternehmens&uuml;bernahmen, B&ouml;rseng&auml;ngen, Verm&ouml;gensverwaltung, Geldtransfers, aber auch im (spekulativen) Eigenhandel in Devisen, Bonds, Aktien, Rohstoffen und allen m&ouml;glichen derivativen Produkten. Aus der Risiko&uuml;bernahme bei Krediten und aus der sogenannten Fristentransformation verabschieden sich die Banken zunehmend. Aus Banken werden Makler und Spekulanten, um es mal hart und zugespitzt zu sagen. Eine Fehlentwicklung!<\/p><p><strong>AM:<\/strong> H&auml;tte man die IKB zum Beispiel nicht besser in Insolvenz gehen lassen sollen, um ein Exempel zu statuieren? &Uuml;brigens auch um sichtbar zu machen, dass ein erstaunlicher Teil der deutschen Finanz-, Wirtschafts- und Politikelite als Aufsichtsr&auml;te und Berater dieses Instituts nichts gemerkt oder alles geduldet hat?<\/p><p><em>siehe dazu:<\/em><a href=\"?p=2525\">NachDenkSeiten<\/a><\/p><p><strong>DW:<\/strong> Es ging um eine G&uuml;terabw&auml;gung: Bei der IKB w&auml;re es tats&auml;chlich m&ouml;glich gewesen, sie Konkurs gehen zu lassen, bei der Deutschen oder der WestLB w&auml;re das keine Option. Das System der Einlagensicherung d&uuml;rfte aus gesamtwirtschaftlicher Sicht das Schlimmste verhindert haben. Ich kenne die Details nicht und kann daher nicht gut beurteilen, warum die Auffangl&ouml;sung gew&auml;hlt wurde. Vermutlich wird wieder einmal vieles unter den Teppich gekehrt, was wir eigentlich wissen sollten, damit solche Desaster nicht noch einmal passieren. <\/p><p><strong>AM:<\/strong> Sie weisen auch auf Probleme hin, die im Kontext mit Krediten f&uuml;r Unternehmensk&auml;ufe stehen. K&ouml;nnen Sie das etwas genauer erl&auml;utern?<\/p><p><strong>DW:<\/strong> Hier geht es um Kredite an Private Equity-Firmen, um die sich die Banken geradezu gerissen hatten. Sie wurden n&auml;mlich nicht nur syndiziert, also auf mehrere Schultern verteilt, sondern auch als Pakete verschn&uuml;rt und mit einem wohlwollenden Rating von Standard&amp;Poor&rsquo;s oder Moody&rsquo;s versehen im Markt platziert und verschwindet damit aus der eigenen Bilanz. Neben der Kreditvergabe an Hedge Funds war das das Wachstumsgesch&auml;ft schlechthin. Am Ende waren die Bonit&auml;tsstandards bei diesen Krediten so niedrig (wegen des f&uuml;r die Banken geringen Riskos), dass man von &bdquo;covenants light&ldquo; sprach &ndash; es wurden keine echten Sicherheiten mehr verlangt. Das Zeug war ja nur kurz in den Bilanzen der Banken und landete nach k&uuml;rzester Zeit bei den Endanlegern (wie der IKB). Wie sich jetzt zeigt, sind die Banken nach dem Markteinbruch f&uuml;r diese Art Produkte doch auf einer Menge solcher Kredite sitzengeblieben und stehen nun einigerma&szlig;en bel&auml;mmert da.<\/p><p>Bei den Hypotheken gab es ein &auml;hnliches Ph&auml;nomen: Wegen der Aussicht, dass man die Risiken umgehend im Markt abladen k&ouml;nnen w&uuml;rde, waren die Bonit&auml;tsanforderungen an die Kreditnehmer immer mehr zur&uuml;ckgeschraubt worden, so dass Leute H&auml;user erwerben konnten, die sich das eigentlich nicht leisten konnten. Die Quittung kam prompt.   <\/p><p><strong>AM:<\/strong> K&ouml;nnen Sie Beispiele daf&uuml;r nennen, welche &Uuml;bernahmen von deutschen Unternehmen durch Hedgefonds und Private Equity zu den Flops werden k&ouml;nnten, die nur mit spitzen Fingern angefasst werden, wie Sie schreiben?<\/p><p><strong>DW:<\/strong> Dazu kann und will ich mich nicht &auml;u&szlig;ern. Ab und zu h&ouml;rt man Ger&uuml;chte, ich habe aber keine Ahnung, was daran sein k&ouml;nnte.<\/p><p><strong>AM:<\/strong> Gibt es nach den jetzigen Erfahrungen noch ein &ouml;ffentliches Interesse daran, den hier sichtbaren Teil des Kapitalmarktes mit Casinocharakter und undurchsichtigen Produkten und Risiken zu erhalten? Was haben wir, was haben unsere und andere Volksherrschaften davon, dass es diese Art von Kapitalmarkt gibt? Warum beschr&auml;nken wir den Kapitalmarkt nicht wieder auf seine zentrale Aufgabe, wie Sie sagen, n&auml;mlich aus kurzfristigen Einlagen langfristige Kredite zu machen, auf die so genannte Fristentransformation? Gibt es irgend ein &ouml;ffentlichen Interesse an der Bereitstellung eines internationalen Casinos, wenn am Ende die &Ouml;ffentlichkeit die Spieler, wenn sie ihre Spielschulden nicht mehr bezahlen k&ouml;nnen, bezahlen muss, um sch&auml;dliche R&uuml;ckwirkungen dieser Spielerei f&uuml;r die Allgemeinheit zu vermeiden?<\/p><p><strong>DW:<\/strong> Leichter gesagt als getan! Es l&auml;sst sich gegen den Widerstand Washingtons, Londons, Z&uuml;richs, Luxemburgs und aller gro&szlig;en Banken nicht viel machen, vor allem wenn wir den Kapitalverkehr nicht einschr&auml;nken wollen. Wenn es mehr Wettbewerb, mehr Transparenz, eine bessere Aufsicht zum Schutz der Anleger, die Abschaffung der Steueroasen auf europ&auml;ischem Territorium g&auml;be, w&auml;re schon viel gewonnen. Eigentlich m&uuml;sste das Internet doch auch dazu f&uuml;hren, dass es Alternativen zu den etablierten Banken und B&ouml;rsen gibt. Die Hedge Funds und die Private Equity Funds repr&auml;sentieren bereits Versuche, die oligopolistische Struktur des Marktes f&uuml;r Finanzdienstleistungen aufzubrechen. B&ouml;rseng&auml;nge k&ouml;nnten demn&auml;chst &uuml;ber&rsquo;s Interne laufen &ndash; so eine hohe Kunst sind sie nicht , dass die Investmentbanken daran 3 bis 7% des Emissionsertrags verdienen m&uuml;ssen. <\/p><p><strong>AM:<\/strong> Na ja. &hellip; Halten Sie es f&uuml;r notwendig, die Kapitalm&auml;rkte neu zu regulieren? Welche Regeln w&auml;ren n&ouml;tig und hilfreich?<\/p><p><strong>DW:<\/strong> Basel II zeigt gerade, dass gut gemeint gelegentlich das Gegenteil von gekonnt ist. Banken werden gezwungen, weniger Risiken einzugehen &ndash; und verwandeln sich in der Folge zu Risikovermittlern, die von den Geb&uuml;hreneinnahmen leben, wie Immobilienmakler. Eine langfristige L&ouml;sung besteht vermutlich in einer Weltw&auml;hrung und einer zentralen Aufsichtsbeh&ouml;rde &ndash; bis dahin sollte im Rahmen der Bank f&uuml;r Internationalen Zahlungsausgleich f&uuml;r mehr Transparenz, Anlegerschutz und Wettbewerb unter Banken und B&ouml;rsen gesorgt werden. Vielleicht sollten auch alle deutschen Bankvorst&auml;nde und Aufseher mindestens f&uuml;nf Jahre in New York oder London gearbeitet haben, damit sie verstehen, was gespielt wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 10.8.2007 erschien im Zeit <a href=\"http:\/\/blog.zeit.de\/herdentrieb\/?p=191\">Weblog<\/a> ein kritischer Beitrag des Experten f&uuml;r internationale Finanzm&auml;rkte und W&auml;hrungsfragen Dieter Wermuth. Bei der Lekt&uuml;re dieses aufschlussreichen Beitrags mit dem Titel &bdquo;Liquidit&auml;tskrise!!!&ldquo; ergaben sich ein paar, hoffentlich weiterf&uuml;hrende Fragen. Dieter Wermuth (DW) hat sie dankenswerterweise schnell beantwortet. 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