{"id":25491,"date":"2015-03-20T09:23:13","date_gmt":"2015-03-20T08:23:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25491"},"modified":"2017-05-09T14:09:38","modified_gmt":"2017-05-09T12:09:38","slug":"einfach-zum-kotzen-wie-der-stern-den-eurovision-song-contest-zur-russlandhetze-instrumentalisiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25491","title":{"rendered":"Einfach zum Kotzen \u2013 wie der Stern den Eurovision Song Contest zur Russlandhetze instrumentalisiert"},"content":{"rendered":"<p>Der diesj&auml;hrige Eurovision Song Contest (ehemals Grand Prix) steht unter dem sch&ouml;nen Motto &bdquo;Building Bridges&ldquo;. Ob ein durch und durch kommerzialisiertes TV-Event &uuml;berhaupt Br&uuml;cken bauen kann, lassen wir an dieser Stelle mal offen. Fest steht jedoch, dass Teile der deutschen Medienlandschaft die Br&uuml;cken nicht bauen, sondern einrei&szlig;en. Anders ist Jens Maiers im Stern erschienener Kommentar <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/kultur\/musik\/eurovision-song-contest\/esc-song-fuer-wien-russland-als-weltverbesserer-zum-kotzen-2180452.html\">&bdquo;Russland als Weltverbesserer? Zum Kotzen!&ldquo;<\/a> kaum zu verstehen. ESC-Spezialist Maier echauffiert sich dort lautstark und stets unter G&uuml;rtellinie, dass &bdquo;ausgerechnet&ldquo; aus Russland ein Lied ins Rennen geschickt wird, in dem es um Frieden geht. Damit setzt der Stern ein weiteres Highlight der langen Reihe antirussischer Demagogie in den deutschen Medien. Und es ist zu bef&uuml;rchten, dass die Demagogen ihre Leser und Zuschauer bis zum ESC derart aufputschen, dass es zum Eklat kommt. Maiers Rat an die Zuschauer in Wien lautet: &bdquo;Zur Not auch mit Buhrufen&ldquo; &hellip; dieser Rat wird sicher von einigen verwirrten Geistern geh&ouml;rt werden. Von <strong>Jens Berger<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_8067\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-25491-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150320_Zum_Kotzen_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150320_Zum_Kotzen_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150320_Zum_Kotzen_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150320_Zum_Kotzen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=25491-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150320_Zum_Kotzen_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"150320_Zum_Kotzen_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Vielleicht sollten wir Jens Maier einmal fragen, mit welchem Lied Russland denn seiner Meinung nach am ESC teilnehmen sollte? Wahrscheinlich w&uuml;rde er gerne sehen, dass Wladimir Putin h&ouml;chstpers&ouml;nlich eine Peformance als homophober Gangster-Rapper zum Besten gibt. Nun ist dieser Part aber bereits von zahlreichen Berliner J&uuml;nglingen besetzt, die jedoch keine nennenswerte Chance haben, ihr Land beim ESC zu vertreten. Was also dann? Vielleicht hilft eine kurze &Uuml;bersicht der ins Deutsche &uuml;bersetzten Titel, mit denen die K&uuml;nstler beim diesj&auml;hrigen ESC zu gl&auml;nzen versuchen: &bdquo;Ich will Deine Liebe&ldquo;, &bdquo;Ich bin am Leben&ldquo;, &bdquo;So wie du bist&ldquo;, &bdquo;Sch&ouml;nheit l&uuml;gt nie&ldquo;, &bdquo;Kriege f&uuml;r nichts&ldquo; (Obacht, dieser Titel stammt aus Ungarn und somit laut Stern-Logik direkt von Viktor Orban), &bdquo;Abschied&ldquo;, &bdquo;Es gibt ein Meer, das uns trennt&ldquo;, &bdquo;Die Hoffnung stirbt nie&ldquo;, &bdquo;Im Namen der Liebe&ldquo;, &bdquo;F&uuml;r Dich da&ldquo;, &bdquo;Gro&szlig;e Liebe&ldquo;, &bdquo;Ich geh&ouml;re Dir&ldquo; und &bdquo;Immer noch in dich verliebt&ldquo; &ndash; letzterer Song stammt &uuml;brigens aus dem von Grund auf pazifistischen Gro&szlig;britannien. So kennt man Schlager, so kennt man den ESC. Liebe, Herz, Schmerz und die Hoffnung auf Frieden in der Welt allenthalben &ndash; und ausgerechnet Russland soll nun nach dem Willen des Sterns offenbar martialisch daherkommen? Zumindest vom Titel her kommen zumindest Malta und Georgien ein wenig eher die Richtung, die sich Maier wohl auch f&uuml;r Russland w&uuml;nscht &ndash; beide L&auml;nder treten mit dem Titel &bdquo;Krieger&ldquo; an.<\/p><p>Aber zur&uuml;ck zu Maiers Kritik an Russland. Was passt ihm eigentlich konkret nicht? Beispielsweise, dass die &bdquo;Friedens-Hymne [aus Russland] in Wien f&uuml;r viele Ohren wie Hohn klingen [wird]. Denn ausgerechnet Russland macht auf Peace and Love.&ldquo; &bdquo;Russland als Weltverbesserer?&ldquo; Das findet Maier &bdquo;zum Kotzen!&ldquo; Da fragt man sich, wie Maiers Kritik ausgefallen w&auml;re, wenn die Ukraine, deren Armee sich ja immerhin aktiv am B&uuml;rgerkrieg beteiligt, mit einer &bdquo;Friedens-Hymne&ldquo; teilnehmen w&uuml;rde? Eine rhetorische Frage &ndash; die Ukraine muss beim ESC in diesem Jahr mangels finanzieller Mittel passen. <\/p><p>Aber wie sah es denn in der Vergangenheit aus? Als die NATO 1999 Serbien bombardierte, schickte Deutschland den Schlagers&auml;nger Guildo Horn mit &bdquo;Guildo hat Euch lieb&ldquo; zum ESC. Gab es damals Kritik von deutschen Schlager-Experten? Hatte 1999 irgendwer ein Problem damit, dass Deutschland einen v&ouml;lkerrechtswidrigen Angriffskrieg f&uuml;hrt und gleichzeitig einen Schlagerbarden zum ESC schickt, der dort einen &bdquo;Jux-Lied&ldquo; zum Besten gibt? Als die &bdquo;Koalition der Willigen&ldquo; 2003 v&ouml;lkerrechtswidrig den Irak angriff, schickte Kriegsteilnehmer Gro&szlig;britannien das zu Recht unbekannte Pop-Duo &bdquo;Jemini&ldquo; mit dem Herz-Schmerz-Schmachtfetzen &bdquo;Cry baby&ldquo; (Weine, Liebling) ins Rennen. Der Song belegte zwar den letzten Platz &ndash; aber sich nicht, weil das deutsche Feuilleton in Erregung ausgebrochen ist, da Tony Blair den ESC f&uuml;r seine Propaganda missbraucht habe. Als Israel 2006 v&ouml;lkerrechtswidrig Bomben auf den Libanon warf und damit fast eine Millionen Menschen zu Fl&uuml;chtlingen machte, trat f&uuml;r das Land ein gewisser Eddie Butler beim ESC an und pr&auml;sentierte der Welt&ouml;ffentlichkeit die Friedenshymne &bdquo;Together we are one&ldquo; (Zusammen sind wir eins). Wurde dies damals als &bdquo;Verh&ouml;hnung&ldquo; der Opfer Israels bezeichnet? F&uuml;hlte sich ein deutscher Kommentator damals berufen, zu schreiben, dass &bdquo;ausgerechnet&ldquo; Israel eine &bdquo;Friede-Freude-Eierkuchen-Ballade&ldquo; ins Rennen schickt? Forderte der Stern seine Leser auf, Eddie Butler auf der B&uuml;hne auszubuhen?<\/p><p>Bei diesen Vergleichen ist &uuml;brigens Vorsicht geboten. W&auml;hrend alle genannten westlichen Staaten nachweislich und v&ouml;lkerrechtswidrig einen Angriffskrieg f&uuml;hrten, ist die russische Beteiligung am B&uuml;rgerkrieg in der Ukraine eher indirekter Natur. Und wenn man nun Beispiele aufz&auml;hlen w&uuml;rde, in denen westlichen Staaten indirekt in Kriege involviert waren und gleichzeitig belanglose Liebes-  oder Friedenslieder zum ESC entsandten, k&auml;me wohl eine Liste heraus, die diesen Rahmen hier sprengen w&uuml;rde. Und wenn man gar den Rahmen des ECS verlassen und einmal protokollieren w&uuml;rde, wie viele amerikanische Herz-Schmerz-Schlager weltweit gefeiert wurden und werden, w&auml;hrend die USA weltweit uns&auml;gliches Leid anrichteten und anrichten, w&uuml;rde dies wohl vollends den Rahmen sprengen. Dazu habe ich zumindest ich jedoch noch nie Kritik vernommen. <\/p><p>Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und wirst nicht gewahr des Balkens in deinem Auge? Man kann nat&uuml;rlich vortrefflich &uuml;ber die musikalische Qualit&auml;t des russischen ESC-Beitrags streiten &ndash; daf&uuml;r sind solche Veranstaltungen schlie&szlig;lich auch gedacht. Ihn als Propagandawerkzeug zu verunglimpfen, ist ungeh&ouml;rig und bigott. Und das Publikum zu einem Pfeifkonzert aufzustacheln, ist &ndash; um es mit Jens Maier zu sagen &ndash; einfach zum Kotzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der diesj&auml;hrige Eurovision Song Contest (ehemals Grand Prix) steht unter dem sch&ouml;nen Motto &bdquo;Building Bridges&ldquo;. Ob ein durch und durch kommerzialisiertes TV-Event &uuml;berhaupt Br&uuml;cken bauen kann, lassen wir an dieser Stelle mal offen. Fest steht jedoch, dass Teile der deutschen Medienlandschaft die Br&uuml;cken nicht bauen, sondern einrei&szlig;en. 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