{"id":25512,"date":"2015-03-23T10:22:29","date_gmt":"2015-03-23T09:22:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25512"},"modified":"2015-03-23T12:19:24","modified_gmt":"2015-03-23T11:19:24","slug":"sahra-wagenknecht-hat-den-kampf-um-den-fraktionsvorsitz-aufgegeben-und-oppermann-freut-sich-ueber-die-verstaerkung-von-tina","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25512","title":{"rendered":"Sahra Wagenknecht hat den Kampf um den Fraktionsvorsitz aufgegeben. Und Oppermann freut sich \u00fcber die Verst\u00e4rkung von TINA."},"content":{"rendered":"<p>Die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, hat am 6. M&auml;rz erkl&auml;rt, dass sie bei den im Herbst anstehenden Wahlen zum Fraktionsvorsitz der Linken nicht antritt. Siehe <a href=\"http:\/\/www.sahra-wagenknecht.de\/de\/article\/2073.persoenliche-erklaerung.html\">hier<\/a>. Sie hat eingesehen, dass die Mehrheit ihrer Fraktion auf Anpassungskurs ist und deshalb der Kampf zerm&uuml;rbend w&auml;re. Das freut den SPD-Fraktionsvorsitzenden Oppermann &ndash; siehe <a href=\"http:\/\/www.abendzeitung-muenchen.de\/inhalt.wagenknecht-hat-nichts-mehr-zu-sagen-spd-fraktionschef-oppermann-lobt-linkspartei-fuer-griechenland-politik.e56d14b2-8596-4778-8205-cf159f335b0e.html\">hier<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/griechenland-thomas-oppermann-warnt-vor-grexit-a-1024753.html\">hier<\/a>. Schlie&szlig;lich wird mit dem Verzicht Wagenknechts auf die Nachfolge Gysis die Front der Profillosen und Angepassten links von Frau Merkel gest&auml;rkt. Sahra Wagenknecht hat allerdings in einer Rede im Deutschen Bundestag vom 19. M&auml;rz, eine Entgegnung auf die Regierungserkl&auml;rung der Bundeskanzlerin, <a href=\"https:\/\/m.youtube.com\/watch?v=yKF15uQWsgw\">gezeigt<\/a>, dass ihr Verzicht nicht bedeutet, dass sie ihre Stimme der Vernunft nicht weiter erheben wird. Ob sie das durchhalten kann, wird sich zeigen.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Ein Einordnungsversuch &ndash; ohne Polemik allerdings nicht m&ouml;glich:<\/strong><\/p><p>Nach 16 Jahren Kanzlerschaft Helmut Kohls (CDU) hat die SPD zusammen mit den Gr&uuml;nen im September 1998 die Mehrheit f&uuml;r einen Regierungswechsel erreicht &ndash; mit 40,9 % f&uuml;r die SPD und 6,7 % f&uuml;r B&uuml;ndnis 90\/Die Gr&uuml;nen. Entgegen weitreichender Erwartungen ihrer Anh&auml;nger haben Rot und Gr&uuml;n danach ihr Profil professionell geschliffen: zuerst durch das eifrige Mitmachen am Kosovo Krieg und damit am ersten milit&auml;rischen Einsatz der Bundeswehr au&szlig;erhalb des NATO-Bereichs, dann durch den Aufbau eines Niedriglohnsektors mithilfe der Agenda 2010. 2005 hat die SPD dann zur Rettung dieser wunderbaren Agenda Politik vorzeitig den Bundestag zur Aufl&ouml;sung gebracht und die Kanzlerschaft aufgegeben &ndash; mit einem rasanten Abstieg von 40,9 % in 1998 auf 34,2 %. Angela Merkel wurde Bundeskanzlerin. <\/p><p>Aber der Abstieg beim W&auml;hlerpotenzial reichte den fast ausschlie&szlig;lich aus Niedersachsen kommenden SPD-Spitzen von Schr&ouml;der &uuml;ber Steinmeier und Gabriel bis Oppermann noch nicht. Mit Steinmeier als Kanzlerkandidat steigerte sie den Abstiegskampf um die erfolgreichste Anpassung und Profillosigkeit 2009 auf 23 %. Das war gerade die H&auml;lfte des sozialdemokratischen Spitzenergebnisses von 45,8 % im Jahr 1972 und zugleich sozusagen das Spitzenergebnis einer weitgehend profillosen SPD.<\/p><p>Der n&auml;chste Kanzlerkandidat Peer Steinbr&uuml;ck stabilisierte diesen Erfolg einer gesellschaftspolitisch und friedenspolitisch abgeschliffenen SPD dann bei 25,7 %. Die aktuellen Umfragen zeigen, dass die SPD-F&uuml;hrung dieses Niveau ausgezeichnet halten kann. Hier die aktuellen Werte der verschiedenen Umfrageinstitute: 26,0 % 24 % 24 % 24 %  23 % 24 % 22,5 %. Das ist das Ergebnis einer zielgenauen politischen Planung.<\/p><p>Damit ist auch sichergestellt, dass die SPD-F&uuml;hrung keinerlei Gefahr sehen muss, demn&auml;chst und in absehbarer Zeit um die Kanzlerschaft und eine politische Alternative zu Frau Merkel k&auml;mpfen zu m&uuml;ssen. Jetzt verlautet schon, dass der heutige Vorsitzende und Vizekanzler Gabriel diese Gefahr nicht mehr am Horizonte auftauchen sieht. <\/p><p>Diese Entwicklung gibt die M&ouml;glichkeit, alle wesentlichen bisherigen sozialdemokratischen Positionen zu r&auml;umen: ihre gro&szlig;e historische Leistung, den Graben zwischen Ost und West, zwischen dem Westen und Russland zu &uuml;berbr&uuml;cken, was die SPD mit der Ostpolitik geschafft hatte, hat man erfolgreich vergessen gemacht. Das SPD-Grundsatzprogramm von 1989 mit der Forderung nach dem Ende beider Bl&ouml;cke, auch der NATO, ist soweit im Orkus versenkt worden, dass es schon gar nicht mehr st&ouml;rt. In der Gesellschaftspolitik, in der Wirtschaftspolitik und Finanzpolitik ist die SPD kein St&ouml;rfaktor mehr. Sie ist f&uuml;r TTIP und f&uuml;r den Umgang mit Griechenland a la Merkel und Sch&auml;uble. Sie baut kr&auml;ftig mit an der Festigung der Parole von Frau Thatcher: There is no alternative &ndash; TINA! Basta!<\/p><p>Bisher gab es aber leider noch einen St&ouml;rfaktor bei diesem erfolgreichen Kampf um die Profil- und Bedeutungslosigkeit: die Linkspartei und ihr entsetzlicher fundamentalistischer Fl&uuml;gel, namentlich Oskar Lafontaine und Sahra Wagenknecht. Aber auch das Problem lie&szlig; sich l&ouml;sen: die &Uuml;berreste der alten SED-Kader wurden mithilfe der Union und einflussreicher Medien zum &bdquo;Reformfl&uuml;gel&ldquo; umfirmiert, aus den zum Teil aus Westdeutschland stammenden Parteiteilen der Linken um fr&uuml;here Sozialdemokraten wie Uli Maurer und Lafontaine wurden die Fundamentalisten. Damit war wieder mal bewiesen, dass man mithilfe von Meinungsmache aus einem X ein U machen kann. <\/p><p>Dennoch: es blieben ein paar St&ouml;rfaktoren, namentlich vor allem Sahra Wagenknecht, die einfach nicht in das Schema einer radikalen Fundamentalistin passen wollte &ndash; zu intelligent, zu b&uuml;rgerlich im Auftritt, zu verst&auml;ndlich in der Sprache, kein marxistisches Kauderwelsch. Mit ihr musste man das anstellen, was man zuvor schon in der SPD und bei den Gr&uuml;nen ausprobiert hatte: die innerparteiliche Niedermache alles Linken.<\/p><p>Bei der SPD dauerte das immerhin vom beginnenden Kampf gegen Willy Brandt im Wahljahr 1972 (Siehe dazu mein kleines Buch zum 100-j&auml;hrigen Geburtstag von Willy Brandt &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?page_id=19538\">Brandt aktuell<\/a>&ldquo; aus dem Jahr 2013) bis 1999, dem Jahr der Zerm&uuml;rbung des Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine durch den Kanzler Gerhard Schr&ouml;der und seine Mannen. (Die parteiinterne Umdeutung des Wortes &bdquo;Zerm&uuml;rbung&ldquo; hei&szlig;t &bdquo;Hingeschmissen&ldquo;.) &ndash; <\/p><p>Bei der Linkspartei hat der Zerm&uuml;rbungsprozess nicht so lange gedauert. Der sogenannte Reformfl&uuml;gel hat mit Unterst&uuml;tzung des Fraktionsvorsitzenden Gysi die Anpassung in k&uuml;rzerer Zeit geschafft. Die Linkspartei tr&auml;gt die Griechenland Politik der Bundesregierung mit. Es gibt Stimmen, die die Fundamentalopposition gegen Milit&auml;reins&auml;tze aufgeben wollen. Wir k&ouml;nnen also gut verstehen, dass sich der SPD Bundestagsfraktionsvorsitzende Oppermann freut und gleichzeitig die Messlatte h&ouml;her legt. Die Linkspartei m&uuml;sse sich noch entschlossener von der Fundamentalopposition lossagen. Insgesamt stehe sie erst am Anfang umfassender Ver&auml;nderungen, um eines Tages regierungsf&auml;hig werden zu k&ouml;nnen, sagte er. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Davon sind sie noch meilenweit entfernt. Die schrillen T&ouml;ne in der Au&szlig;en-, Verteidigungs- und Anti-Globalisierungspolitik zeigen, dass die Bereitschaft, sich in eine Regierung einbinden zu lassen, noch nicht sehr weit entwickelt ist.&ldquo; (Zitiert nach M&uuml;nchner Abendzeitung vom 22.3.2015)\n<\/p><\/blockquote><p>Diese Aussage musste w&ouml;rtlich zitiert werden, damit Sie, liebe Leserinnen und Leser der NachDenkSeiten sich diese klassische Anpassungsaufforderung auf der Zunge zergehen lassen k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Eine pers&ouml;nliche Anmerkung zu Sahra Wagenknechts Entscheidung:<\/strong><\/p><p>Sahra Wagenknecht war einer der letzten Stolpersteine auf dem Weg zur Anpassung auch der Linkspartei. Sahra Wagenknecht wurde von au&szlig;en und von innen zerm&uuml;rbt. Ich pers&ouml;nlich verstehe, dass sie den aus ihrer Sicht zerm&uuml;rbenden Kampf um das einflussreiche Amt der Fraktionsvorsitzenden nicht weiterf&uuml;hrt. Sie will versuchen, mit ihren inhaltlichen Alternativen in der politischen Debatte pr&auml;sent zu bleiben. Ich hoffe, dass das gelingt. Dass dies n&ouml;tig w&auml;re, k&ouml;nnen Sie ermessen, wenn Sie die <a href=\"https:\/\/m.youtube.com\/watch?v=yKF15uQWsgw\">Rede im Bundestag vom 19.3.2015<\/a> anschauen und anh&ouml;ren.<\/p><p>In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal auf ihre Mitwirkung am 21. Pleisweiler Gespr&auml;ch von 2011 und ihre damit auch sichtbare Sympathie f&uuml;r die NachDenkSeiten verwiesen. <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=9723\">Hier ist der Link zu diesem Gespr&auml;ch<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Linkspartei, Sahra Wagenknecht, hat am 6. M&auml;rz erkl&auml;rt, dass sie bei den im Herbst anstehenden Wahlen zum Fraktionsvorsitz der Linken nicht antritt. 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Das freut den SPD-Fraktionsvorsitzenden Oppermann &ndash; siehe<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25512\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[195,198,191],"tags":[330,860,359,312,411,632],"class_list":["post-25512","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-die-linke","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-spd","tag-lafontaine-oskar","tag-oppermann-thomas","tag-parteistroemungen","tag-reformpolitik","tag-schroeder-gerhard","tag-wagenknecht-sahra"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25512","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=25512"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25512\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25521,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25512\/revisions\/25521"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=25512"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=25512"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=25512"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}