{"id":2552,"date":"2007-08-14T14:59:57","date_gmt":"2007-08-14T12:59:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2552"},"modified":"2015-12-29T15:50:13","modified_gmt":"2015-12-29T14:50:13","slug":"dass-die-mehrheit-linken-positionen-zustimmt-kann-aus-vernunft-nicht-folgen-so-die-gaengige-leere-auch-in-der-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2552","title":{"rendered":"Dass die Mehrheit linken Positionen zustimmt, kann aus Vernunft nicht folgen &#8211; so die g\u00e4ngige Leere. Auch in der \u201eZeit\u201c."},"content":{"rendered":"<p>Einer unserer Leser, durch Ausbildung und Beruf kompetent in der Einsch&auml;tzung sozialwissenschaftlicher Arbeit, schickte uns eine Bewertung der viel <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2007\/33\/Links-ZEIT-Umfrage\">Aufmerksamkeit erregenden Zeit-Publikation<\/a> &uuml;ber die linken Mehrheiten im Meinungsbild der Befragten. Wir &uuml;bernehmen die Analyse als Kommentar zu diesem Zeit-Bericht &uuml;ber die Umfrage &ndash; einschlie&szlig;lich des freundlichen Lobs zu Beginn der Mail. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nLiebes Team von den Nachdenkseiten,<\/p><p>seit l&auml;ngerem bin ich dankbarer Nutzer Ihres Internetangebots, das f&uuml;r mich eine der ganz wenigen UNABH&Auml;NGIGEN und denkerisch eigenst&auml;ndigen Informationsquellen unserer degenerierten Medienlandschaft darstellt.<\/p><p>Heute wende ich mich einmal an Sie, um Sie auf eine <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2007\/33\/Links-ZEIT-Umfrage\">Zeit-Publikation hinzuweisen<\/a>.<\/p><p>Da wird also ein &uuml;ber das gesamte Spektrum hinwegreichender Linksruck diagnostiziert im Sinne von: &ldquo;Egal welcher Partei die Befragten nahe stehen, (fast) immer stimmen sie klassisch linken Positionen mit &uuml;berw&auml;ltigender Mehrheit zu&rdquo;.<br>\nDas ist ja zun&auml;chst erst einmal in der baren empirischen Faktizit&auml;t ein Ergebnis wie Donnerhall und der Zeit nat&uuml;rlich eine Schlagzeile wert. Immerhin, es ist ja schon l&ouml;blich, dass dieses Ergebnis so &uuml;berhaupt verk&uuml;ndet wird.<\/p><p>Nur: In der Analyse, bzw. daran, dass der Versuch einer ernsthaften Analyse schon im Ansatz scheitert, zeigt sich ein peinliches journalistisches Versagen, das man so von der Zeit nicht erwarten mochte. Wenn es wenigstens einen Kommentar oder auch nur eine Glosse g&auml;be, um diese Scharte zumindest teilweise auszuwetzen &hellip;<br>\nDen Zeit-Leuten f&auml;llt nichts anderes zu diesen drastischen Umfrageergebnissen ein, als der ganze schon endlos vorgekaute Brei von Unsinn im Stil von &ldquo;Linke von heute sind weltfremde Ewiggestrige, die sich in die gute, alte Zeit der 70er Jahre zur&uuml;cksehnen&rdquo; oder &ldquo;dieser Linksruck ist das Zeichen einer tiefen Verwirrung und Verunsicherung in der Mitte der Gesellschaft&rdquo; und so weiter &hellip; mit anderen Worten: Die gro&szlig;e Mehrheit in der Bev&ouml;lkerung, die den ganzen Reforml&uuml;genwahnsinn nicht mittr&auml;gt, sei einfach zu doof, um die alleinseligmachende Wahrheit des Neoliberalismus zu kapieren. Diese bei unseren gesellschaftlichen &ldquo;Eliten&rdquo; (also auch vielen Journalisten) so verbreitete Attit&uuml;de haben Sie ja dankenswerter Weise auch schon geb&uuml;hrend aufgespie&szlig;t.<\/p><p>Es ist zum Verzweifeln!<\/p><p>Die Analyse kann schlie&szlig;lich doch nur lauten:<br>\nDas Umfrageergebnis zeigt eine deutsche Gesellschaft, in der &uuml;ber den grundlegenden politischen Kurs, der f&uuml;r das GEMEINWOHL n&ouml;tig w&auml;re, erstaunlich gro&szlig;e Einigkeit herrscht &ndash; und die Politik schert sich einen Dreck darum! Eigentlich wollte ich den &uuml;berstrapazierten Namen Lafontaine hier au&szlig;en vor lassen, aber ich komme einfach nicht umhin, ihm in diesem Zusammenhang ausdr&uuml;cklich in seiner Aussage zuzustimmen, dass seit Jahren in diesem Land die politischen Apparate konsequent Entscheidungen gegen den breiten gesellschaftlichen Konsens, gegen die gro&szlig;e Mehrheit der Bev&ouml;lkerung, nicht zuletzt gegen ihre eigene Basis, treffen.<br>\nWie lange wollen wir schlaffen und tr&auml;gen Deutschen uns das eigentlich noch bieten lassen?!<br>\nIn Frankreich h&auml;tte der Protest auf den Stra&szlig;en unsere Regierungen der letzten Jahre schon zehn Mal hinweggefegt &hellip;<\/p><p>Als Soziologe muss ich hier ganz klar sagen: Die deutsche Demokratie steckt, wie nicht nur die Zeit-Umfrage zeigt, tief in einer Systemkrise, die in der Herausbildung eines politischen Apparates gipfelt, der seit Jahren unter vollkommener Gesellschaftsferne politische (Fehl-)Entscheidungen trifft, die nicht mehr prim&auml;r dem Gemeinwohl, sondern vorrangig den Interessen des globalisierten Gro&szlig;kapitals dienen.<br>\nVerantwortlich hierf&uuml;r ist vor allem die den gesellschaftlich-medialen Rahmenbedingungen des 21. Jahrhunderts nicht mehr entsprechende Ausgestaltung der Parteiendemokratie, die in Wahrheit zu einer Herrschaft der &ldquo;Netzwerke&rdquo; (besser: Seilschaften), der Hinterzimmerrunden und vor allem der Lobbys degeneriert ist. Dem entsprechen die defizienten Rekrutierungs- und Elitenbildungsprozesse, also die dysfunktionalen Selektionsmechanismen in den Parteien, die zuverl&auml;ssig daf&uuml;r sorgen, dass integre und unabh&auml;ngige Personen in der Politik keine Chance haben, in Entscheiderpositionen zu gelangen. Diese stehen nur denjenigen offen, die dem Teufel ihre Gro&szlig;mutter verkaufen w&uuml;rden und ihr Gewissen im Tausch gegen das Parteibuch abgegeben haben.<br>\nSo ist aber kein Staat zu machen!<\/p><p>Der Verh&ouml;hnung des erkl&auml;rten politischen Willens der gro&szlig;en Mehrheit der Bev&ouml;lkerung seitens der durch und durch mental wie moralisch korrumpierten Politik ist kein Ende.<\/p><p>&Auml;ndern kann man wahrscheinlich nichts daran, aber wenigstens laut und deutlich sagen muss man es.<\/p><p>Freundliche Gr&uuml;&szlig;e und ein dankbares &ldquo;weiter so&rdquo;<br>\nFB<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einer unserer Leser, durch Ausbildung und Beruf kompetent in der Einsch&auml;tzung sozialwissenschaftlicher Arbeit, schickte uns eine Bewertung der viel <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2007\/33\/Links-ZEIT-Umfrage\">Aufmerksamkeit erregenden Zeit-Publikation<\/a> &uuml;ber die linken Mehrheiten im Meinungsbild der Befragten. 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