{"id":25544,"date":"2015-03-25T16:53:25","date_gmt":"2015-03-25T15:53:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25544"},"modified":"2015-04-02T09:37:43","modified_gmt":"2015-04-02T07:37:43","slug":"vertrauenskrise-der-medien-die-kritik-an-den-medien-ist-unberechtigt-alles-in-ordnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25544","title":{"rendered":"Vertrauenskrise der Medien \u2013 Die Kritik an den Medien ist unberechtigt? Alles in Ordnung??"},"content":{"rendered":"<p>Im M&uuml;nchner Gewerkschaftshaus fand am 19. M&auml;rz eine Podiumsdiskussion &uuml;ber die Glaubw&uuml;rdigkeitskrise der Medien statt. Mit dabei waren Professor Wolfgang Donsbach, Kommunikationswissenschaftler aus Dresden, Detlef Esslinger, Ressortleiter Innenpolitik bei der S&uuml;ddeutschen Zeitung und Albrecht M&uuml;ller\/NachDenkSeiten. &ndash; Bei meiner Einf&uuml;hrung zu dieser Podiumsdiskussion war ich noch davon ausgegangen, es gebe eine gewisse Einsicht bei Medien und Medienwissenschaftlern in die Problematik. Das war blau&auml;ugig. Die Kritisierten glauben wirklich, dass die Medienordnung Deutschlands und die Praxis der Medien im Gro&szlig;en und Ganzen in Ordnung seien und den Bed&uuml;rfnissen einer lebendigen Demokratie entspr&auml;chen. &ndash; Im Folgenden finden Sie eine Langfassung meiner Einf&uuml;hrung zur Diskussion. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7965\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-25544-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150327_Vertrauenskrise_der_Medien_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150327_Vertrauenskrise_der_Medien_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150327_Vertrauenskrise_der_Medien_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150327_Vertrauenskrise_der_Medien_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=25544-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150327_Vertrauenskrise_der_Medien_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"150327_Vertrauenskrise_der_Medien_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Zw&ouml;lf Anmerkungen und Beobachtungen zur Glaubw&uuml;rdigkeitskrise der Medien<\/strong><\/p><p>Medien in der Vertrauenskrise? So lautet das gestellte Thema. Es ist mit einem Fragezeichen versehen. Wenn sich die Medien eines Landes &uuml;ber Tage mit einem Stinkefinger besch&auml;ftigen und zugleich mehrheitlich eine bemerkenswerte Kampagne gegen eine kleines europ&auml;isches Volk forcieren und sich und ihre Leser und Zuschauer an dieser ausgedehnten Dem&uuml;tigung Griechenlands erg&ouml;tzen, dann ist das Fragezeichen wohl unangebracht. Der Vertrauensverlust ist da und er ist berechtigt. Ich will trotzdem artig konstruktiv sein und 12 Beobachtungen zum gestellten Thema vortragen:<\/p><p><strong>Erste Beobachtung:<\/strong><\/p><p>Immer wieder, auch in der letzten Zeit, begegnen wir hervorragenden Medienprodukten. Es gibt wahre Sternstunden der Aufkl&auml;rung durch Journalistinnen und Journalisten.<\/p><p><strong>Zweite Beobachtung:<\/strong><\/p><p>Es f&auml;llt auf, dass Artikel und Sendungen, die man als Sternstunden betrachten kann, h&auml;ufig nicht lange im Gespr&auml;ch bleiben, oft gar nicht. Komischerweise finden diese Medienereignisse keine gro&szlig;e Verbreitung und geraten schnell in Vergessenheit. Mal sehen, ob ich richtig liege mit meiner Vermutung: ich teste bei Ihnen, sehr verehrtes Publikum, ob Ihnen einige markante Medienprodukte aufgefallen und in Erinnerung geblieben sind:<\/p><ol class=\"abc\">\n<li>Zum ersten: Eine Analyse des stellvertretenden Chefredakteurs des Berliner Tagesspiegel zum Verkauf der ostdeutschen Banken an die westdeutschen Banken &ndash; verkauft weit unter Wert und mit gravierenden Folgen f&uuml;r die Betriebe in der ehemaligen DDR. &bdquo;Schulden ohne S&uuml;hne&ldquo; war dieser Artikel im Berliner Tagesspiegel  &uuml;berschrieben. &bdquo;Eines der extremsten Kapitel der W&auml;hrungsunion ist der Ausverkauf der ostdeutschen Banken&ldquo;, hei&szlig;t es bei Google. Immerhin. Es war ein grotesker Vorgang. &ndash; Noch in Erinnerung? Die Journalisten haben damals und auch sp&auml;ter nicht nach dem zugrunde liegenden Bundesrechnungshof-Gutachten gefahndet. Sie haben einfach akzeptiert, dass dieses Gutachten geheim ist, obwohl klar sein musste, warum es Gutachten geheim gehalten wurde<\/li>\n<li>Zum zweiten: Wer erinnert sich noch an den ebenfalls im Tagesspiegel erschienenen Beitrag &bdquo;Die Geretteten&ldquo; vom 13. September 2009? &bdquo;Hypo Real Estate: Die Geretteten&ldquo; hie&szlig; es damals <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/finanz\/hypo...geretteten\/1598962.html\">im Tagesspiegel<\/a> und weiter &bdquo;&hellip; aber f&uuml;r wen, das sollen Sie nicht wissen. Wir dokumentieren die Liste der Geretteten &ndash; die bisher keinen Cent zur Rettung beitragen m&uuml;ssen.&ldquo; So ist es bis heute. M&uuml;nchen war 2008, sowie davor und danach die Drehscheibe eines au&szlig;erordentlichen Betrugsvorgangs zulasten der Steuerzahler. HRE.<\/li>\n<li>Zum dritten: &bdquo;Rentenangst&ldquo; &ndash; ein Film der ARD von Ingo Blank und Dietrich Krauss mit einer herausragenden Konfrontation des sogenannten Rentenexperten Professor Raffelh&uuml;schen in einem Interview mit seinen widerspr&uuml;chlichen eigenen Aussagen vor einer Versammlung von Versicherungsvertretern.<\/li>\n<li>Zum vierten: Frank Schirrmacher in der FAZ vom 15.8.2011: &bdquo;Ich beginne zu glauben, dass die Linke recht hat&ldquo;. Daran erinnern <strong>Sie<\/strong> sich vielleicht noch. Aber aus der &ouml;ffentlichen Debatte ist die Erkenntnis Schirrmacher verschwunden. &Uuml;brigens: Kein Wunder, dass Frank Schirrmacher ein Freund der NachDenkSeiten geworden war.<\/li>\n<li>Zum f&uuml;nften: In der &bdquo;Zeit&ldquo; Ausgabe 44 vom 23.10.2014 erschien ein Artikel mit der &Uuml;berschrift: &bdquo;Sanktionen: Die Superwaffe des Mr. Glaser&ldquo;. &bdquo;Sanktionen gegen Russland und den Iran: Wie amerikanische Finanzbeamte zu Wirtschaftskriegern werden.&ldquo;<\/li>\n<\/ol><p>Wenn diese und &auml;hnliche Medienprodukte das Bild der deutschen Medien bestimmen w&uuml;rden, wir br&auml;uchten uns heute hier nicht zu treffen. Aber das ist nicht so. Die gro&szlig;e Zahl der Medienprodukte haben eine ganz andere Sto&szlig;richtung. Deshalb ist das Vertrauen in sie verloren gegangen. Die in der Einf&uuml;hrung zu unserer Veranstaltung genannten Zahlen entsprechen vermutlich der Wirklichkeit. Viele Menschen, nach der zitierten Erhebung 69%, vertrauen den Medien nicht oder wenig. Damit bin ich bei der<\/p><p><strong>Dritten Beobachtung:<\/strong><\/p><p>Vielen Menschen st&ouml;&szlig;t auf, dass ihre eigenen Erfahrungen im Leben, bei ihrer Arbeit, dass ihre Berufschancen und wirtschaftlichen M&ouml;glichkeiten nicht dem entsprechen, was von den Medien mehrheitlich als sch&ouml;ne Wirklichkeit verk&uuml;ndet wird. Da ist in der Regel zu h&ouml;ren: &bdquo;Es geht uns gut.&ldquo; &bdquo;Wir haben ein Wirtschaftswunder&ldquo;. &bdquo;Deutschland ist spitze&ldquo; usw. diese verbreiteten Parolen werden von der Lebenswirklichkeit vieler Menschen nicht best&auml;tigt. Gehen Sie mal nach Sachsen-Anhalt oder ins n&ouml;rdliche Ruhrgebiet oder in die Westpfalz oder nach Brandenburg. Selbst Menschen im bl&uuml;henden M&uuml;nchen, die nicht wirklich viel verdienen, bekommen t&auml;glich vorgef&uuml;hrt, dass sie Versager sind. Sie k&ouml;nnen die Mieten in der Stadt nicht mehr bezahlen und m&uuml;ssen nach drau&szlig;en ziehen. Jedenfalls merken sie, dass zum Beispiel auch die allabendlichen Parolen der B&ouml;rsensendung der ARD &uuml;ber den immer weiter steigenden DAX und das damit insinuierte Bl&uuml;hen und Wachsen des Wohlstands nicht dem entspricht, was sie an wirtschaftlichen Zuw&auml;chsen f&uuml;r sich und ihre Kinder vermerken k&ouml;nnen.<\/p><p>Zu ihren eigenen Erfahrungen kommen dann noch Informationsquellen und kritische Stimmen im Internet hinzu. Diese s&auml;en Zweifel. Sie bieten Fakten. Aber: wenn diese kritischen Anmerkungen im Netz nicht der selbst erfahrenen Wirklichkeit vieler Menschen entspr&auml;chen, w&uuml;rden sie nicht geglaubt und die Glaubw&uuml;rdigkeit der Medien w&uuml;rde nicht von so vielen Menschen infrage gestellt. <\/p><p>Beides zusammen, die eigene Erfahrung, die den verbreiteten Meldungen vom allgegenw&auml;rtigen Wohlstand wiedersprechen, und die kritischen Impulse aus dem Internet ersch&uuml;ttern immer wieder die Glaubw&uuml;rdigkeit der involvierten Medien.<\/p><p><strong>Vierte Anmerkung:<\/strong><\/p><p>Die Medien insgesamt haben als kritische Instanz versagt. Viele Menschen merken n&auml;mlich, dass sie von der Politik nicht wahrheitsgem&auml;&szlig; unterrichtet werden, dass Politiker nicht das Richtige tun, dass sie schwadronieren, zum Beispiel &uuml;ber die angeblich notwendige Reformpolitik und &uuml;ber die Notwendigkeit zum Beispiel der Privatvorsorge und die Notwendigkeit von TTIP und der Privatisierung &ouml;ffentlicher Unternehmen einschlie&szlig;lich jener der Daseinsvorsorge. Sie haben aber auf mehreren Feldern eigene Vorstellungen, die den politischen L&ouml;sungsans&auml;tzen der ma&szlig;geblichen Politiker widersprechen. Ihre kritische Einstellung bekommt von den Medien keine Unterst&uuml;tzung &ndash; so ist es in der Mehrheit der F&auml;lle. Im Gegenteil und damit bin ich bei der f&uuml;nften Anmerkung:<\/p><p><strong>F&uuml;nfte Anmerkung:<\/strong><\/p><p>Wo man hinschaut: Kampagnenjournalismus. Was ich damit meine, muss ich wohl erkl&auml;ren: Wer heute &uuml;ber viel Geld und\/oder publizistische Macht verf&uuml;gt, kann die politischen Entscheidungen ma&szlig;geblich mitbestimmen, wenn er oder sie sich an Meinungsmache beteiligt bzw. sie organisiert. Das haben die finanzstarken Gruppen und Oberschichten gemerkt und sie handeln danach. Zur Durchsetzung ihrer Interessen planen sie die notwendige Meinungsbildung. Strategisch. Langfristig angelegt.<\/p><p>Bestes Beispiel ist die Eroberung eines neuen Gesch&auml;ftsfeldes durch Versicherungen und Banken. Sie haben sich eine subtile Strategie ausgedacht: die Dramatisierung des demographischen Wandels, die Erosion der Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente und dann auch noch die N&ouml;tigung des Staates zur Zahlung einer Subvention f&uuml;r die Privatvorsorge, genannt F&ouml;rderrente. Ein ungeheuerlicher Vorgang.<\/p><p>Auch die Behauptung, es gebe keine Alternative zur sogenannten Reformpolitik &ndash; there is no alternative: TINA &ndash; ist das Ergebnis strategischen Planens. Genauso die Feiern zum Exportweltmeister oder die Behauptung, nur sparen sparen sparen br&auml;chte in jeder Lebenslage einen wirtschaftspolitischen und finanziellen Erfolg. &bdquo;Sparabsicht gleich Sparerfolg&ldquo; &ndash; das ist makro&ouml;konomisch betrachtet ein wahres Meisterst&uuml;ck der Indoktrination eines Denkfehlers. &ndash; Entstaatlichung und Schuldenbremse sind &auml;hnlich gute Beispiele f&uuml;r erfolgreiche Strategien der Meinungsmache. Die seit 2010 laufende Kampagne gegen Griechenland gr&uuml;ndet in weitem Ma&szlig;e auf diesen Denkfehlern und war und ist bis heute massiv.<\/p><p>Wo war und ist der Einspruch unserer Medien und die Korrektur solchen Wahnsinns interessengeleiteter Kampagnen? Fehlanzeige. Viele Medien waren und sind handfest eingebunden und damit bin ich bei der sechsten Beobachtung:<\/p><p><strong>Sechste Beobachtung:<\/strong><\/p><p>Die Macht der Public Relations ist gewachsen. Public Relations sind ein wichtiger Teil der Lobbyarbeit und der Lobby<\/p><p><strong>Siebte Anmerkung:<\/strong><\/p><p>Guter Journalismus und Kampagnen-Journalismus leben in einer merkw&uuml;rdigen Parallelwelt zusammen im eigenen Haus. Das ist auch w&ouml;rtlich so gemeint. In den Medienh&auml;usern sitzen beide Typen von Journalistinnen und Journalisten, die publizistisch arbeitenden Journalisten und die PR Journalisten und Mischformen. Viele Journalisten k&ouml;nnen sich nicht mehr &ouml;konomisch &uuml;ber Wasser halten, ohne Public-Relations-Arbeit zu leisten. Das ist kein neues Ph&auml;nomen. Schon als ich 1968 von M&uuml;nchen nach Bonn wechselte, begegneten mir leibhaftige Belege f&uuml;r sechsstellig bezahlten PR-Journalismus. Wer diese Erfahrungen eine Verschw&ouml;rungstheorie nennen wollte, dem kann ich zur besseren Beobachtung verhelfen. Schon damals waren die Verh&auml;ltnisse schlimmer als sich Verschw&ouml;rungstheoretiker dies ausdenken k&ouml;nnten.<\/p><p><strong>Achte Beobachtung:<\/strong><\/p><p>Dass es gute Medienprodukte gibt &ndash; siehe die erste Beobachtung &ndash; , erh&ouml;ht die Glaubw&uuml;rdigkeit der Medien, auch f&uuml;r den PR-Journalismus, auch f&uuml;r die von den Medien mit betriebenen Kampagnen zugunsten von gro&szlig;en Finanzinteressen. So bitter dies f&uuml;r die guten Journalisten ist. Ingo blank und Dietrich Krauss, die Autoren und Produzenten des erw&auml;hnten Films, haben mit ihrem Film Rentenangst zum einen gute Aufkl&auml;rungsarbeit geleistet und zum anderen die Glaubw&uuml;rdigkeit des Ersten Deutschen Fernsehens gef&ouml;rdert. Dort liefen dann parallel reihenweise Kampagnenjournalismus-St&uuml;cke zum gleichen Thema wie zum Beispiel Sendewochen zum angeblich dramatischen demographischen Wandel und zu seiner angeblich gro&szlig;en Gefahr, derentwegen man privat vorsorgen m&uuml;sse, also Riestervertr&auml;ge abschlie&szlig;en m&uuml;sse.<\/p><p><strong>Neunte Anmerkung:<\/strong><\/p><p>Journalistinnen und Journalisten lassen sich in Kampagnen einbauen, weil ihnen gar nichts anderes &uuml;brig bleibt. Sie sind aus wirtschaftlichen Gr&uuml;nden dazu gezwungen. Ein aktuelles Beispiel ist die teilweise verleumderische Aggression junger Journalisten im Umgang mit den Ans&auml;tzen einer neuen Friedensbewegung. Da wurden ohne jegliche ernsthafte Faktenbasis Parolen &uuml;ber die sogenannte Querfront mit rechts und &uuml;ber angeblichen Antisemitismus verbreitet. Ich war selbst Opfer dieser Kampagne und kann deshalb einigerma&szlig;en beurteilen, wer die armen Kerle unter den Journalisten waren und sind, die in diese Kampagnen eingespannt sind: meist j&uuml;ngere, wenig etablierte Journalisten, denen keine andere Wahl bleibt, als dieses schmutzige Gesch&auml;ft mit zu betreiben. Herausragendes Beispiel ist ein Christian Jakob bei der TAZ. Dort aber nicht nur dort.<\/p><p>Journalisten lassen sich oft auch freiwillig auf Kampagnen ein, weil sie die notwendigen Fakten zum kritischen Begleiten des Geschehens nicht parat haben.<\/p><p>Ein gutes Beispiel daf&uuml;r ist, dass so viele Journalisten sich bewundernd an der Agitation zum Sparen und zur Austerit&auml;tspolitik beteiligen und dann auch an den Aggressionen gegen Griechenland zum Beispiel.<\/p><p>Ein weiteres gutes Beispiel ist wiederum die Mitwirkung an den Debatten um den demographischen Wandel: wir werden immer weniger, wir werden immer &auml;lter, immer weniger arbeitsf&auml;hige m&uuml;ssen f&uuml;r immer mehr Alte sorgen; der Generationenvertrag tr&auml;gt nicht mehr; jetzt hilft nur noch Privatvorsorge. <\/p><p>Diese Glaubenss&auml;tze wurden von vielen Kolleginnen und Kollegen heruntergebetet, weil sie es nicht anders wussten, weil sie keine Ahnung davon haben, dass das sogenannte demographische Problem wegen der Produktivit&auml;tszuw&auml;chse unserer Volkswirtschaft und in Kenntnis der M&ouml;glichkeit, die Erwerbsquote erh&ouml;hen zu k&ouml;nnen und die Arbeitslosenzahl zu vermindern, kein bedr&auml;ngende Problem ist und gel&ouml;st werden kann. Hier fehlte es wie auf vielen anderen Feldern aus dem Bereich der Wirtschaft-und Gesellschaftspolitik einfach an Fachwissen.<\/p><p><strong>Zehnte Anmerkung:<\/strong><\/p><p>Was m&uuml;sste sich &auml;ndern, damit die Menschen Vertrauen in die Medien zur&uuml;ckgewinnen. In Stichworten:<\/p><ul>\n<li>Mehr Biss, mehr kritischer Verstand, mehr fachliches und sachliches Wissen.<\/li>\n<li>Mehr Interesse f&uuml;r das Leben und die Sorgen der normalen Menschen, der Arbeitnehmer und ihrer Organisationen, der Betriebe, der Betriebsr&auml;te und nicht nur f&uuml;r jene da oben<\/li>\n<li>Mehr Unabh&auml;ngigkeit der Journalisten\/innen und d.h. als Voraussetzung mehr Jobs und d.h. notfalls &ouml;ffentliche F&ouml;rderung der Unabh&auml;ngigkeit, entsprechende Gesetzgebung. Redaktionsstatute. Das haben wir uns fr&uuml;her alles an den Schuhsohlen schon abgelaufen. Es ist nichts daraus geworden, weil die Medien hoch konzentriert sind. <\/li>\n<li>Deshalb mehr Konzentrationskontrolle<\/li>\n<li>F&ouml;rderung kritischer Medien.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Elfte Anmerkung:<\/strong><\/p><p>Es ist nicht einzusehen, dass harte Fronten und Feindseligkeit zwischen herk&ouml;mmlichen Medien und kritischen neuen Medien fortbestehen und aufrecht erhalten werden m&uuml;ssen. An uns liegt das nicht. Ich sto&szlig;e aber immer wieder auf geradezu b&ouml;sartige Kommentare zur Arbeit der Internet Medien. <\/p><p>Wir bringen auf den NachDenkSeiten jeden Tag Hinweise auf gute Beitr&auml;ge in den Medien. Manche Journalistinnen und Journalisten wissen das und nutzen das und genie&szlig;en das auch. Wir tun einiges f&uuml;r ihre Verbreitung. Allerdings leisten wir eben auch die Vorarbeit f&uuml;r eine kritische Betrachtung der Medien und nehmen dabei kein Blatt vor den Mund und sind damit vielleicht mitverantwortlich f&uuml;r schwindendes Vertrauen. Das liegt aber nicht an uns<\/p><p><strong>Zw&ouml;lfte Anmerkung:<\/strong><\/p><p>Die Medien sollten die Verantwortung f&uuml;r die Vertrauenskrise nicht den Kritikern zuschieben. <strong>Sie<\/strong> sollten sich ver&auml;ndern. Nicht die Kritiker.<\/p><p><strong>Nachtrag:<\/strong><\/p><p>Die Einlassungen der Gespr&auml;chspartner zeigten, dass diese letzte Anmerkung keinerlei Grundlage findet. Die Medienschaffenden und die sie begleitende Wissenschaft gehen offensichtlich davon aus, dass an der Vertrauenskrise die Kritiker schuld sind und nicht zum Beispiel der um sich greifende PR- und Kampagnenjournalismus. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im M&uuml;nchner Gewerkschaftshaus fand am 19. M&auml;rz eine Podiumsdiskussion &uuml;ber die Glaubw&uuml;rdigkeitskrise der Medien statt. 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