{"id":2567,"date":"2007-08-20T09:01:29","date_gmt":"2007-08-20T07:01:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2567"},"modified":"2015-12-28T11:29:52","modified_gmt":"2015-12-28T10:29:52","slug":"fragen-zur-wertschoepfung-des-finanzsektors","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2567","title":{"rendered":"Fragen zur \u201eWertsch\u00f6pfung\u201c des Finanzsektors"},"content":{"rendered":"<p>In den Hinweisen vom 17.8. findet sich ein Verweis auf einen Artikel von Egon W. Kreutzer: <a href=\"http:\/\/www.egon-w-kreutzer.de\/Meinung\/0PAD33.html\">&bdquo;Das Beben der M&auml;rkte&ldquo;<\/a>. Dort steht neben vielem Interessanten eine fragw&uuml;rdige Passage. (Siehe Anhang unten.) Kreutzer bef&uuml;rchtet, dass durch die Krise auf dem US-Hypothekenmarkt die Baubranche nahezu zum Erliegen kommt und dies immerhin 4,9% des Bruttoinlandsprodukts der USA betreffe. 20,9% des Bruttoinlandsprodukts mache der ebenfalls betroffene Bereich &bdquo;Immobilien und Finanzierung&ldquo; aus. Dort sei zwar in Relation zur hohen Wertsch&ouml;pfung eine geringere Zahl von Arbeitspl&auml;tzen betroffen. &bdquo;Dabei handelt es sich um gute Jobs aus dem Kernbereich der Erwerbst&auml;tigkeit&ldquo;, meint Kreutzer.<br>\nIch bezweifle, dass es sich beim Sektor Finanzierung um einen Kernbereich der Erwerbst&auml;tigkeit handelt. Jedenfalls soweit in diesen Bereichen die neuen Finanzprodukte entwickelt werden, die dem Casinobetrieb oder der Verschleierung fauler Hypothekenkredite dienen <a href=\"?p=2564\">(siehe auch NachDenkSeiten vom 17.8.)<\/a>, kann man wahrlich nicht von einem Kernbereich sprechen. Meine Gegenthese: Im Bereich Finanzdienstleistungen findet eine riesige Verschwendung von volkswirtschaftlichen Ressourcen statt. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nVorweg: Sie finden zu diesem Thema schon einige Beitr&auml;ge in den NachDenkSeiten (siehe unter anderem die <a href=\"?cat=29\">Rubrik Sachfragen Unterrubrik Kapitalmarkt<\/a>.)<br>\nUnd nun zur Begr&uuml;ndung meiner Gegenthese einige stichwortartige Hinweise und Fragen. Dabei gilt meine Kritik nicht speziell dem Beitrag von Kreutzer. Er ist nur der Ansto&szlig; zu einer Diskussion, die angesichts der Blase auf den Finanzm&auml;rkten, der Folgen und der Rettungsaktionen zulasten der Allgemeinheit gef&uuml;hrt werden muss:<\/p><ol>\n<li>Der Kapitalmarkt hat wie der Markt f&uuml;r G&uuml;ter und andere Dienstleistungen (zum Beispiel Transportleistungen) eine wichtige Funktion: Personen, Unternehmen und andere Einrichtungen, die sparen, werden mit jenen zusammengebracht, die Kredite brauchen. Der Betrieb von Wettspielen und der Betrieb eines weltweiten Casinos geh&ouml;ren nicht zu den notwendigen Leistungen des Kapitalmarkts. Die Erfindung von Wertpapieren, mit denen man faule Hypotheken mit anderen Krediten b&uuml;ndeln kann, geh&ouml;rt auch nicht zu den produktiven Leistungen des Kapitalmarkts.<\/li>\n<li>Wenn es wirklich stimmt, dass 20,9% des amerikanischen Bruttoinlandproduktes im Segment Immobilien und Finanzierung &bdquo;erarbeitet&ldquo; werden, so Kreutzer (ich kann es kaum glauben &ndash; das ist etwas mehr als ein F&uuml;nftel), dann zeigt das schon, wie aufgeblasen dieser Sektor ist.<\/li>\n<li>Es w&auml;re interessant zu untersuchen, inwieweit der mit gl&auml;nzenden Augen immer wieder gefeierte hohe Dienstleistungsanteil am Bruttoinlandprodukt in Gro&szlig;britannien und in den USA ein Signal f&uuml;r die Gr&ouml;&szlig;e dieses unproduktiven Sektors dieser Volkswirtschaften ist. Dann w&auml;re das allerdings kein Grund zum Feiern, sondern zum Beklagen. &ndash; Es ist zugleich die Frage, ob wir gut daran tun, diesen Sektor auch bei uns zu f&ouml;rdern und auszuweiten. Dass wir schon mittendrin sind, zeigen die Beteiligungen an der Finanzierung der amerikanischen Hypothekenblase und die hohen Verluste beteiligter deutscher Banken.<\/li>\n<li>Die damit verbundene Ressourcenverschwendung hat obendrein, wenn die Blase platzt, negative R&uuml;ckwirkungen f&uuml;r andere Bereiche.<\/li>\n<li>In dem Artikel von Kreutzer findet sich auch noch ein Hinweis auf eine besondere Struktur dieses Sektors der &Ouml;konomie: Hohe angebliche Wertsch&ouml;pfung bei niedriger Besch&auml;ftigungszahl. Ich sage &bdquo;angebliche&ldquo; Wertsch&ouml;pfung, weil diese an der H&ouml;he der Gewinne und der Einkommen gemessen wird. Ein anderes Ma&szlig; gibt es nicht. Das hei&szlig;t konkret: die unglaublichen Geh&auml;lter der Londoner Investmentbanker, die mehreren Hunderte von Millionen f&uuml;r die j&auml;hrliche Entlohnung des Eigners von Blackstone, die v&ouml;llig unverh&auml;ltnism&auml;&szlig;igen Gewinne der Deutschen Bank, die riesigen Beratungshonorare f&uuml;r Privatisierungen und Teilprivatisierungen &uuml;ber PPP &ndash; im Falle der Teilprivatisierung der Londoner U-Bahn betrugen diese Honorare &uuml;ber 700 Millionen &euro;  &ndash; , die Beratungshonorare f&uuml;r Friedrich Merz und Rudolf Scharping und all die vielen andern <a href=\"?p=2394\">(siehe NachDenkSeiten)<\/a> gehen alle in die Berechnungen der &bdquo;Wertsch&ouml;pfung&ldquo; ein. Das ist aber keine Wertsch&ouml;pfung, das ist schlicht Verschwendung, die Folge eines aufgeblasenen Kapitalmarkts und einer ideologisch angefeuerten Privatisierungswelle.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Anhang:<\/strong><\/p><p>Auszug aus: Das Beben der M&auml;rkte von Egon W. Kreutzer:<\/p><p>&bdquo;Doch damit ist das Krisenszenario l&auml;ngst nicht vollst&auml;ndig beschrieben. Parallel zu dieser Entwicklung wird die Baubranche nahezu zum Erliegen kommen. Weder neu errichtete Luxusappartements noch nagelneue Fertigh&auml;user aus dem Katalog werden Abnehmer finden. Denn einerseits ist die Zahl der per Zwangsversteigerung zu erwerbenden Billigst-Schn&auml;ppchen viel zu gro&szlig; und andererseits hegt f&uuml;r lange Zeit niemand mehr eine Renditeerwartung, die den Neubausektor aus spekulativen Erw&auml;gungen heraus befl&uuml;geln k&ouml;nnte. Selbst gro&szlig;e staatliche Bauprogramme, wof&uuml;r auch immer, k&ouml;nnen den &uuml;ber mehrere Jahre anhaltenden Niedergang der Bau- und Einrichtungsbranche in den USA nicht aufhalten, einerseits, weil der geeignete Startzeitpunkt bereits verpasst ist, andererseits weil auch die Regierung ein Problem haben wird, in Zeiten zusammenbrechender Finanzm&auml;rkte die notwendige Liquidit&auml;t bereitzustellen, ohne mit jedem zus&auml;tzlichen Dollar ein massives Ansteigen der Inflation auszul&ouml;sen.<br>\nDoch der Bausektor selbst ist nur die Spitze des Eisbergs. Das Bruttoinlandsprodukt der USA, im Jahre 2006 immerhin 13,25 Billionen US$, entstand zwar nur zu 4,9 Prozent im Bau, zu 20,9 Prozent jedoch im Bereich Immobilien und Finanzierung &ndash; und weil auch diese tief in die Krise verstrickt sind, ist damit rund ein Viertel der statistisch erfassten Wertsch&ouml;pfung der USA betroffen. Obwohl der Personalbedarf der Bereiche Immobilien und Finanzierung in Relation zur Wertsch&ouml;pfung sehr gering ist, so kann doch gesch&auml;tzt werden, dass alleine dadurch, dass den Immobilienm&auml;rkten die Luft ausgeht, bis zu 10 Millionen Arbeitspl&auml;tze akut bedroht sind &ndash; und dass alleine in Folge dieser Entwicklung, ohne die weiteren ung&uuml;nstigen Rahmenbedingungen zu ber&uuml;cksichtigen, binnen der n&auml;chsten 12 Monate mindestens 3 Millionen Jobs verloren gehen. Dabei handelt es sich um gute Jobs aus dem Kernbereich der Erwerbst&auml;tigkeit. Da die Statistiker in den USA mit den Begriffen Erwerbst&auml;tigkeit und Arbeitslosigkeit noch weitaus gro&szlig;z&uuml;giger umgehen, als wir das in Deutschland allm&auml;hlich kennenlernen, ist das ein weit gr&ouml;&szlig;eres St&uuml;ck vom Kuchen der Erwerbst&auml;tigkeit, als es die v&ouml;llig &uuml;berzogene Zahl der &ldquo;per Telefonumfrage im Stichprobenverfahren&rdquo; festgestellten 142 Millionen Erwerbst&auml;tigen vorgaukelt.&ldquo;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Hinweisen vom 17.8. findet sich ein Verweis auf einen Artikel von Egon W. Kreutzer: <a href=\"http:\/\/www.egon-w-kreutzer.de\/Meinung\/0PAD33.html\">&bdquo;Das Beben der M&auml;rkte&ldquo;<\/a>. Dort steht neben vielem Interessanten eine fragw&uuml;rdige Passage. (Siehe Anhang unten.) Kreutzer bef&uuml;rchtet, dass durch die Krise auf dem US-Hypothekenmarkt die Baubranche nahezu zum Erliegen kommt und dies immerhin 4,9% des Bruttoinlandsprodukts der USA<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2567\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,50,174],"tags":[283,293,1246],"class_list":["post-2567","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-finanzkrise","category-usa","tag-finanzmaerkte","tag-finanzwirtschaft","tag-immobilienblase"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2567","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2567"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2567\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29768,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2567\/revisions\/29768"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2567"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2567"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2567"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}