{"id":25677,"date":"2015-04-09T16:49:14","date_gmt":"2015-04-09T14:49:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25677"},"modified":"2015-04-09T18:31:01","modified_gmt":"2015-04-09T16:31:01","slug":"mangelnde-sachkenntnis-und-primitivitaet-des-denkens-sind-vermutlich-wichtige-ursachen-fuer-das-versagen-der-sogenannten-qualitaetsmedien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25677","title":{"rendered":"Mangelnde Sachkenntnis und Primitivit\u00e4t des Denkens sind vermutlich wichtige Ursachen f\u00fcr das Versagen der sogenannten Qualit\u00e4tsmedien"},"content":{"rendered":"<p>Ein Leser der NachDenkSeiten machte uns auf eine Serie von sonderbaren und hochmanipulativen Beitr&auml;gen des WDR aufmerksam. Ein Beispiel von mehreren: Heute fr&uuml;h im Morgenecho kam der CDU Europa-Abgeordnete Elmar Brok <a href=\"http:\/\/www.wdr5.de\/sendungen\/morgenecho\/interviewbrok110.html\">zu Wort<\/a>, unwidersprochen mit dieser Aussage: &ldquo;Eine wirkliche Perspektive f&uuml;r Griechenland [ist es nur], wenn sie die Reformma&szlig;nahmen machen, die sie wieder wettbewerbsf&auml;hig machen, damit sie ein normales westliches Lebensniveau f&uuml;r dieses Land wiederherstellen k&ouml;nnen.&ldquo; Hier wird wie bei einigen 1000 anderen Medienereignissen der Wirkungszusammenhang von Reformen der neokonservativen Art mit wirtschaftlichem Erfolg propagiert. Der angebliche Zusammenhang wird wie eine Blackbox in die Argumentationsketten eingebaut. Und die Medien widersprechen nicht, obwohl es viele Gr&uuml;nde gibt, diesen Wirkungszusammenhang infrage zu stellen. Auf das gleiche Ph&auml;nomen des Nichtwissens oder Nicht-wissen-wollens und zugleich einer primitiven weil undifferenzierten und monokausalen Betrachtung von Wirkungszusammenh&auml;ngen treffen wir bei anderen Sachfragen. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Zum Beispiel beim Thema Sparen<\/strong><\/p><p>Nur ganz selten hinterfragt wird in der &ouml;ffentlichen Debatte behauptet, man k&ouml;nne als Volkswirtschaft sparen, wenn die Regierung sparen will. Die Sparabsicht wird als ausreichend betrachtet. Was die meisten Journalisten und viele Politiker offenbar immer noch nicht wissen: Im einzelwirtschaftlichen Bereich, als Familie und als Unternehmen, kann man in der Tat effektiv sparen, wenn man sparen will (und das n&ouml;tige Einkommen hat).  Auf eine Volkswirtschaft bezogen sieht aber alles ganz anders aus. Wenn in einer wirtschaftlich kritischen Situation der Finanzminister und die Regierung weiter zu sparen versuchen, dann versch&auml;rfen sie in der Regel die Krise und sparen am Ende weniger als beabsichtigt und m&ouml;glich gewesen w&auml;re, wenn die Wirtschaft in Gang gekommen w&auml;re. NachDenkSeiten-Lesern\/innen muss man in der Regel diese Zusammenh&auml;nge nicht erl&auml;utern. Aber bei Journalisten und vielen Politikern ist dieser Denkfehler fest verankert. Das mag im &uuml;brigen damit zusammenh&auml;ngen, dass die falsche Denkfigur so popul&auml;r ist und nur wenige den Mut haben, gegen den Stachel zu l&ouml;cken. <\/p><p><strong>Ein weiteres gutes Beispiel ist die Debatte um die Altersvorsorge und die demographische Entwicklung.<\/strong><\/p><p>Gestern in den Hinweisen war ich auf einen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25650#h07\">Beitrag von Spiegel Online<\/a> eingegangen, wo die Angst vor der angeblich problematischen Gestalt der Alterspyramide &bdquo;mit H&auml;nden&ldquo; zu greifen war. Das primitive Denken zeigt sich in einem einzigen in der Demographiedebatte immer wiederkehrenden Satz: &bdquo;Immer weniger Junge m&uuml;ssen f&uuml;r immer mehr Alte sorgen&ldquo;. In der Sprache von Spiegel Online: Die Pyramide wird zur Urne. <\/p><p>Dass die Produktivit&auml;t, dass die Erwerbsquote und vieles mehr eine wichtige Rolle spielen und beachtet werden sollten, wenn man &uuml;ber Altersaufbau und Vorsorge f&uuml;rs Alter ein Urteil f&auml;llen will, hat in das Denken der meisten Journalisten und Politiker keinen Eingang gefunden. Mangelnde Sachkenntnis und monokausale Denkfiguren reichen zum Fehlurteil. <\/p><p>Man muss also zur Analyse dieser Vorg&auml;nge nicht unbedingt auf dahintersteckende wirtschaftliche Interessen und auf politische Korruption verweisen &ndash; man muss nicht, aber man kann, weil tats&auml;chlich gerade bei diesem Thema die Interessen der Banken und der Versicherungen und ihre Lobby- und Propagandaarbeit eine gro&szlig;e Rolle spielen.<\/p><p><strong>Ein weiteres Beispiel: Die Bewunderung von Export und von Freihandel.<\/strong><\/p><p>Auch die folgende Einsicht ist den meisten NachDenkSeiten-Leserinnen und Lesern gel&auml;ufig: Wir leben nicht vom Export&uuml;bersch&uuml;ssen, mit Export&uuml;bersch&uuml;ssen werden Forderungen gegen&uuml;ber anderen Volkswirtschaften erworben. Was daraus wird, ist v&ouml;llig offen. &ndash; Die allgemein verbreitete und bei der Diskussion um TTIP massiv eingef&uuml;hrte These, dass mit einem Anstieg des Welthandels wachsender Wohlstand verbunden sei, erscheint bei differenziertem Nachdenken nicht als schl&uuml;ssig. Nur wenn mit einem erweiterten Welthandel auch daf&uuml;r gesorgt wird, dass alle anfallenden volkswirtschaftlichen Kosten der Produktion eines Exportgutes auch wirklich angelastet werden, &ndash; auch die sogenannten externen Kosten, die Umwelt- und Gesundheitsbelastung durch den Transport mit LKWs, oder auch die Kosten der milit&auml;rischen Sicherung der Weltmeere &ndash; , nur dann k&ouml;nnte man von einem Wohlstandszuwachs sprechen. Aber diese Berechnungen werden gar nicht angestellt. Es wird die primitive Formel eingestellt: Freihandel ist gut, Ausbau des Welthandels n&uuml;tzt allen.<\/p><p>Die Primitivit&auml;t des Denkens hat in diesem konkreten Fall damit zu tun, dass die meisten Politiker, die meisten Journalisten und sogar ein beachtlicher Teil der Wissenschaftler nicht gelernt haben, in realen Gr&ouml;&szlig;en, in real terms, zu denken. Sie sehen: in Geldgr&ouml;&szlig;en gerechnet w&auml;chst der Betrag der ausgetauschten G&uuml;ter. Was dahinter an Ressourcenverbrauch steckt, auch an nat&uuml;rlichen Ressourcen, interessiert nicht. <\/p><p>Nicht sachverst&auml;ndig und sogar primitiv &ndash; das ist das Markenzeichen der Bewertung und Handlungsempfehlungen hier wie bei anderen hochaktuellen Problemen.<\/p><p>Zum Schluss eine Bitte an  jene NachDenkSeiten-Leserinnen und Leser, die schon l&auml;nger die NachDenkSeiten verfolgen. F&uuml;r viele von Ihnen werden meine Anmerkungen nicht neu sein. Es gibt aber viele neue Leserinnen und Leser. Deshalb sind manchmal Wiederholungen der Argumente notwendig.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Leser der NachDenkSeiten machte uns auf eine Serie von sonderbaren und hochmanipulativen Beitr&auml;gen des WDR aufmerksam. Ein Beispiel von mehreren: Heute fr&uuml;h im Morgenecho kam der CDU Europa-Abgeordnete Elmar Brok <a href=\"http:\/\/www.wdr5.de\/sendungen\/morgenecho\/interviewbrok110.html\">zu Wort<\/a>, unwidersprochen mit dieser Aussage: &ldquo;Eine wirkliche Perspektive f&uuml;r Griechenland [ist es nur], wenn sie die Reformma&szlig;nahmen machen, die sie wieder wettbewerbsf&auml;hig<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25677\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[183,11],"tags":[423,380,273,1552],"class_list":["post-25677","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-medienkritik","category-strategien-der-meinungsmache","tag-austeritaetspolitik","tag-export","tag-privatvorsorge","tag-wdr"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25677","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=25677"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25677\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25679,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25677\/revisions\/25679"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=25677"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=25677"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=25677"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}