{"id":2575,"date":"2007-08-22T09:10:52","date_gmt":"2007-08-22T07:10:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2575"},"modified":"2015-12-28T11:19:54","modified_gmt":"2015-12-28T10:19:54","slug":"staat-zahlt-21-milliarden-subventionen-fuer-die-private-riester-rente","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2575","title":{"rendered":"Staat zahlt 2,1 Milliarden Subventionen f\u00fcr die private \u201eRiester-Rente\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Hinzu kommen noch Steuermindereinnahmen durch die M&ouml;glichkeit von Steuerersparnissen f&uuml;r den Aufbau der Riester-Rente von derzeit j&auml;hrlich maximal 1.575 Euro. Mit Riesensummen subventionieren also die Steuerzahler damit gleichzeitig auch das Zusatzgesch&auml;ft der Versicherungswirtschaft. <a href=\"http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/Presse\/pressemitteilungen,did=214230.html\">Sozialminister M&uuml;ntefering feiert die Abschlusszahlen f&uuml;r die Riester-Rente als Riesenerfolg<\/a>. Dabei sind es gerade mal ein Drittel der sozialversicherungspflichtig Besch&auml;ftigten, die einen solchen Vertrag abgeschlossen haben &ndash; n&auml;mlich 9 von 27 Millionen. Dieses Drittel geh&ouml;rt jedoch gewiss nicht gerade zu denjenigen Erwerbst&auml;tigen, die das gr&ouml;&szlig;te Armutsrisiko im Alter tragen. Wolfgang Lieb.<br>\n<!--more--><br>\nDie &bdquo;Reformen&ldquo; bei der gesetzlichen Rente haben dazu gef&uuml;hrt, dass die Durchschnittsnettorente mit <a href=\"?p=2531\">790 Euro im Monat bei M&auml;nnern (im Osten sind es 836 Euro) und mit 434 Euro bei Frauen (im Osten sind es 660 Euro)<\/a> deutlich unter der Armutsgef&auml;hrdung angekommen ist. Als armutsgef&auml;hrdet gilt, wer unter 856 Euro im Monat hat (so BILD vom 21.08.07). Die &bdquo;wichtigste Reform seit der Bismarck&rsquo;schen Sozialgesetzgebung&ldquo; (Steinbr&uuml;ck)  hat also &bdquo;gegriffen&ldquo; und zwar wieder einmal in die Taschen, <a href=\"?p=1004\">der ohnehin nicht gut Betuchten.<\/a><\/p><p>Um sich aus der politischen Verantwortung f&uuml;r den dramatischen Rentenabbau und f&uuml;r den Vertrauensbruch gegen&uuml;ber den Rentnern zu stehlen, soll nun die Verantwortung auf die Betroffenen verschoben werden. Motto: Wer im Alter arm ist, ist selbst schuld, warum hat er nicht selbstverantwortlich privat vorgesorgt. Deshalb muss nun die Riester-Rente als Erfolgsmodell verkauft werden. <\/p><p>Anstatt mit einer aktiven Konjunkturpolitik mehr Menschen in Lohn und Brot zu bringen und sie in die Lage zu versetzen ordentliche Rentenversicherungsbeitr&auml;ge zu leisten, hat man an Symptomen kuriert und das Nettorentenniveau von urspr&uuml;nglich 70 Prozent des Nettogehalts durch die Abkoppelung der Renten- von der Lohnentwicklung drastisch gesenkt.<br>\nStatt einer F&ouml;rderung einer aktiven Lohnpolitik, damit sich die Beitragsleistungen entsprechend erh&ouml;hen, hat man die Einf&uuml;hrung Mini-, Teilzeit-, Ein-Euro-Jobs oder einen Niedriglohnsektor (mit negativer Einkommensteuer) gef&ouml;rdert und die Beitragss&auml;tze von Hartz IV-Beziehern gesenkt und damit die Rentenkassen geschw&auml;cht.<br>\nUnd man belastet die gesetzliche Rentenversicherung weiter, indem man die <a href=\"?p=2542\">Sozialversicherungsfreiheit der Entgeltumwandlung<\/a> bei der betrieblichen Altervorsorge &uuml;ber das Jahr 2008 hinaus verl&auml;ngert.<\/p><p>Der Hauptgrund f&uuml;r die bewusst herbeigef&uuml;hrte Zerst&ouml;rung der gesetzlichen Altersvorsorge ist darin zu suchen, dass die Bundesregierung dem Dogma verhaftet ist, dass die parit&auml;tisch finanzierten Beitragss&auml;tze f&uuml;r die gesetzliche Rentenversicherung f&uuml;r alle Zukunft nicht &uuml;ber 22 Prozent steigen d&uuml;rften. Die <a href=\"http:\/\/www.arbeitnehmerkammer.de\/sozialpolitik\/doku\/01_aktuell\/info-grafik\/2007_01_22_generationengerechte_rentenpolitik.pdf\">Bremer Arbeitnehmerkammer [PDF &ndash; 224 KB]<\/a> hat ausgerechnet, dass sogar ohne Rente mit 67 durch eine Anhebung des Nettobeitrags, er von den Arbeitnehmern aufzubringen ist,  von knapp 10 auf 14 Prozent weiterhin ein Lebensstandard sicherndes Alterseinkommen finanzierbar w&auml;re. Wegen des Mythos der zu hohen sog. &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; wird der Arbeitgeberseite die Erh&ouml;hung ihres parit&auml;tisch zu finanzierenden Anteils um gleichfalls 4 Prozent &ndash; also auf insgesamt 28 Prozent der Bruttolohnsumme &ndash; nicht &bdquo;zugemutet&ldquo;. <\/p><p>Man gaukelt den Menschen vor mit der Deckelung der Beitr&auml;ge f&uuml;r die gesetzliche Rente sollten die j&uuml;ngeren Generationen entlastet werden. Dabei geht es ausschlie&szlig;lich darum die parit&auml;tische Finanzierung zu &bdquo;deckeln&ldquo; und das hei&szlig;t die k&uuml;nftigen Generationen der Arbeitgeber aus der Pflicht zu nehmen.<\/p><p>Dazu werden die Arbeitnehmer auf ihre &bdquo;Selbstverantwortung&ldquo;, d.h. auf die private Vorsorge bzw. auf die Riester-Rente verwiesen. Was dabei unterschlagen wird, ist die Tatsache, dass selbst mit der staatlich subventionierten Riester-Rente &ndash; und zwar ausschlie&szlig;lich von den Arbeitnehmern alleine  &ndash; schon jetzt l&auml;ngst mehr Geld f&uuml;r die Altersvorsorge aufgebracht, werden muss, als durch eine Beitragssteigerung f&uuml;r die gesetzliche Rente, die ein <a href=\"?p=2039\">ausk&ouml;mmliches Renteneinkommen sicherte<\/a>.<\/p><p>Weil die Menschen eins und eins zusammenz&auml;hlen k&ouml;nnen oder weil sie mit ihren niedrigen L&ouml;hnen es sich schlicht nicht leisten konnten, zu &bdquo;riestern&ldquo;, war die Riester-Rente trotz aller Kampagnen der Bundesregierung anf&auml;nglich ein Flop. Da halfen auch die gut bezahlten Werbeauftritte von Walter Riester bei der <a href=\"?p=2467\">Versicherungswirtschaft nichts<\/a>. Auch Finanzdienstleister waren <a href=\"?p=2052\">&bdquo;schockiert&ldquo;<\/a> dar&uuml;ber, dass die ganz &uuml;berwiegende Mehrheit an der &bdquo;staatlichen Rente&ldquo; festhalten will und ihre jahrelange Kampagne f&uuml;r die private Vorsorge offenbar nichts fruchtete. Die Versicherungswirtschaft fordert deshalb noch mehr Subventionen als urspr&uuml;nglich bei Einf&uuml;hrung der Riester-Rente schon vorgesehen waren oder am besten gleich eine private Pflichtrente &ndash; wie sie auch der ach so liberale <a href=\"?p=1808\">Professor Sinn<\/a> schon anmahnte.<\/p><p>Einen gesetzlichen Zwang zur privaten Rente traute sich die Bundesregierung (noch) nicht zu, daf&uuml;r hat sie der Forderung nach noch mehr Subventionen f&uuml;r das Versicherungsgesch&auml;ft nun weiter nachgegeben: &bdquo;Mit Erreichen der dritten Riester-Stufe in weniger als einem halben Jahr am 1. Januar 2008 steigt die Grundzulage auf 154 und die Kinderzulage auf 185 Euro j&auml;hrlich. Und f&uuml;r jedes dann neu hinzukommende Kind werden 300 Euro pro Jahr auf das Riester-Konto flie&szlig;en. Der m&ouml;gliche Sonderausgabenabzug betr&auml;gt ab kommendem Jahr bis zu 2.100 Euro. Ebenfalls soll 2008 ein neuer Sonderbonus f&uuml;r Berufseinsteiger kommen: Alle direkt F&ouml;rderberechtigte unter 21 Jahre werden bei Abschluss eines Riester-Vertrags einmalig eine Bonuszahlung von 100 Euro erhalten&ldquo;, hei&szlig;t es in der <a href=\"http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/Presse\/pressemitteilungen,did=214230.html\">Pressemitteilung des BMAS<\/a><\/p><p>In den unteren Einkommensgruppen w&uuml;rden noch nicht so viele Vertr&auml;ge wie gew&uuml;nscht abgeschlossen, begr&uuml;ndete <a href=\"http:\/\/www.pr-inside.com\/de\/regierung-rechnet-bis-jahresende-mit-r203545.htm\">Arbeitsminister Franz M&uuml;ntefering diese neue Subvention<\/a>. Da hat ihn wohl eine <a href=\"http:\/\/www.netzeitung.de\/arbeitundberuf\/667531.html\">OECD-Studie<\/a> aufgeschreckt, wonach beim Rentenniveau f&uuml;r Geringverdiener Deutschland innerhalb der OECD an letzter Stelle liegt. <\/p><p>Verehrter Herr Sozialminister,<br>\nist Ihnen eigentlich nicht klar, dass gerade die unteren Einkommensgruppen, die mit ihrem Einkommen gerade so hinkommen, sich um das Heute sorgen m&uuml;ssen, bevor sie das Morgen mit einer ausk&ouml;mmlichen Rente erreichen?<br>\nEs ist halt so und wird auch immer so bleiben, dass eine private Vorsorge anders als eine gesetzliche Rente keinen internen sozialen Ausgleich bietet &ndash; im privaten System herrscht eben das Versicherungsprinzip, im gesetzlichen das Solidarprinzip.<\/p><p>&Uuml;ber diese Tatsache helfen auch alle Bildungsveranstaltungen &agrave; la &laquo;Altersvorsorge macht Schule&raquo; nicht hinweg, deren Halbjahresbilanz Sie heute meinten, feiern zu m&uuml;ssen. &bdquo;Zwischen Februar und Juli h&auml;tten knapp 3.500 Menschen einen von 325 Kursen an den Volkshochschulen besucht, um sich mit der eigenen Altersvorsorge zu besch&auml;ftigen&ldquo; lobten Sie. Haben Sie mal nachgerechnet? Das sind weniger als ein Dutzend Menschen pro Kurs.<br>\nUnd das ist Ihnen ein <a href=\"http:\/\/www.pr-inside.com\/de\/regierung-rechnet-bis-jahresende-mit-r203545.htm\">Presseevent<\/a> sogar zusammen mit Ihrem Kollegen Finanzminister an der Volkshochschule (VHS) Neuk&ouml;lln wert?<br>\nVielleicht wollen Sie ja damit aber auch nur ein Beispiel f&uuml;r den &bdquo;vorsorgenden Sozialstaat&ldquo; geben. Motto: Wer sich nicht &uuml;ber seine Rente bildet, ist selbst schuld, wenn er verarmt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hinzu kommen noch Steuermindereinnahmen durch die M&ouml;glichkeit von Steuerersparnissen f&uuml;r den Aufbau der Riester-Rente von derzeit j&auml;hrlich maximal 1.575 Euro. Mit Riesensummen subventionieren also die Steuerzahler damit gleichzeitig auch das Zusatzgesch&auml;ft der Versicherungswirtschaft. <a href=\"http:\/\/www.bmas.bund.de\/BMAS\/Navigation\/Presse\/pressemitteilungen,did=214230.html\">Sozialminister M&uuml;ntefering feiert die Abschlusszahlen f&uuml;r die Riester-Rente als Riesenerfolg<\/a>. 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