{"id":25785,"date":"2015-04-21T08:54:05","date_gmt":"2015-04-21T06:54:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25785"},"modified":"2015-04-21T11:11:21","modified_gmt":"2015-04-21T09:11:21","slug":"einmal-kritisch-fragen-und-dann-noch-einmal-sich-nicht-mit-dem-ersten-kritischen-fragezeichen-zufrieden-geben-das-ist-das-eigentliche-prinzip-der-nachdenkseiten-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25785","title":{"rendered":"Einmal kritisch fragen und dann noch einmal. Sich nicht mit dem ersten kritischen Fragezeichen zufrieden geben. Das ist das eigentliche Prinzip der Nachdenkseiten-Arbeit"},"content":{"rendered":"<p>&hellip; und dies ist dann hoffentlich zum Nutzen und nicht zum &Auml;rger der NachDenkSeiten-Leserinnen und &ndash;Leser. Wenn man das beharrliche Noch-einmal-hinterfragen sein l&auml;sst, dann bleibt man gelegentlich auf einer vordergr&uuml;ndigen Ebene h&auml;ngen. Das muss aber nicht sein, wenn man sich des Problems bewusst ist. Man kann das Doppelt-hinterfragen lernen. Zur Demonstration einige aktuelle Beispiele. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>Erstes Beispiel: Volkswagen<\/strong><\/p><p>Den Hinweis auf dieses Beispiel verdanke ich einem Journalisten: Die &ouml;ffentliche Debatte der letzten Tage kreiste um die Frage, ob VW-Chef Martin Winterkorn weichen muss, ob Pi&euml;ch einen Machtverlust hat einstecken m&uuml;ssen; der nieders&auml;chsische Ministerpr&auml;sident gratulierte ihm zum Geburtstag, der fr&uuml;here Vorsitzende der IG Metall Huber st&uuml;tzt Pi&euml;ch, &bdquo;Ferdinand Pi&euml;ch: Was den Volkswagen-Patriarchen antreibt.- fragt &bdquo;Die Welt&ldquo;. Wie verh&auml;lt sich die Familie Porsche?<\/p><p>Noch-einmal-hinterfragen w&uuml;rde einem dar&uuml;ber nachdenken lassen, wie es dazu kommt, dass ein fr&uuml;heres  Unternehmen im &ouml;ffentlichen Eigentum zum Verschiebebahnhof der Interessen der Familien Porsche, Pi&euml;ch usw. geworden ist und warum die &ouml;ffentliche Hand und das &ouml;ffentliche Interesse eine so geringe Rolle spielt. Die jetzige Debatte h&auml;tte von den jetzigen Machthabern bei VW und Porsche inszeniert sein k&ouml;nnen. Sie hat weiter zementiert, dass dort private Familien das Sagen haben und dass im &uuml;brigen die Gremien sich nicht in  Wolfsburg sondern in Salzburg zu versammeln haben. Es w&auml;re interessant nachzuzeichnen, wie im Zeitablauf dem Staat und dem Volk  Macht und Einfluss auf Volkswagen entglitten ist.<\/p><p><strong>Zweites Beispiel: TTIP, die Vorteile f&uuml;r den Welthandel und f&uuml;r uns<\/strong><\/p><p>Auch kritische Geister lassen sich auf eine Diskussion dar&uuml;ber ein, ob TTIP den Welthandel anzuregen vermag und das Wachstum zu f&ouml;rdern vermag. Oder eben nicht, wie andere behaupten. Und wir kritisieren die St&auml;rkung privater Interessen bei juristischen Auseinandersetzungen und die Dominanz der Kapitalinteressen vor den &ouml;ffentlichen Interessen. <\/p><p>Diese kritischen Fragezeichen sind relevant und wichtig. Aber sie verdr&auml;ngen das schon fr&uuml;her einmal zu Recht begonnene Nachdenken dar&uuml;ber, <\/p><ul>\n<li>ob die internationale Arbeitsteilung nicht besser dezentralisiert w&uuml;rde, also mit st&auml;rkerer regionaler Arbeitsteilung,<\/li>\n<li>dass heute Verkehrsvermeidung und nicht die weitere Forcierung des See-, des Luftfracht-, des Stra&szlig;en- und anderen Verkehrs angesagt w&auml;re. Die &ouml;kologischen Probleme zum Beispiel, die mit enorm wachsendem Lkw- und Luftfrachtverkehr verbunden sind, geraten aus dem Blick, wenn man sich dar&uuml;ber streitet, ob TTIP den Welthandel wirklich zu steigern vermag und damit auch die angeblich daraus quellenden &ouml;konomischen Vorteile.<\/li>\n<\/ul><p><strong>Drittes Beispiel: Der neue Ost-West-Konflikt<\/strong><\/p><p>Die &ouml;ffentliche Debatte zu diesem wichtigen Thema hat sich weit vom Kern des Problems und auch des sinnvollen Ziels weg entwickelt. Wir streiten dar&uuml;ber, wer verantwortlich war f&uuml;r die t&ouml;dlichen Sch&uuml;sse auf dem Maidan und dar&uuml;ber, wer den Konflikt begonnen hat, der Westen und die NATO oder Russland mit seiner Annexion der Krim. Wir vereinbaren den ersten und zweiten Waffenstillstand von Minsk und beobachten die Verletzungen; wir verh&auml;ngen Sanktionen und veranstalten G7 statt G8-Gipfel; die Russen r&uuml;sten und wir r&uuml;sten und lassen gepanzerte Milit&auml;rfahrzeuge durch Osteuropa rollen. Und wir beklagen die Propaganda der anderen und diese beklagen unsere Propaganda.<\/p><p>Aber dar&uuml;ber, was zu tun w&auml;re, um Europa einschlie&szlig;lich Russlands zusammen zu halten und den Graben wieder zuzusch&uuml;tten, dar&uuml;ber, was zu tun w&auml;re, um die vereinbarte gemeinsame Sicherheit in Europa wieder  anzustreben und zu erreichen, wird fast nicht nachgedacht. Um diese Fragen zu stellen, muss man sich bewusst einen Ruck geben, eben zweimal nachfragen.<\/p><p>&Uuml;brigens muss man auch den Eindruck gewinnen, dass dar&uuml;ber, was ein Krieg wirklich bedeutet auch nur oberfl&auml;chlich nachgedacht wird.<\/p><p><strong>Viertes Beispiel: K&ouml;nnen wir den Balten und anderen osteurop&auml;ischen V&ouml;lkern vorschreiben,  wie sie sich zur NATO entscheiden? Dass sie beigetreten sind, ist ihre Entscheidung.<\/strong><\/p><p>Dieses Thema h&auml;ngt eng mit dem dritten Beispiel zusammen. Gelegentlich wird gegen&uuml;ber Kritikern der NATO Osterweiterung heftig angemerkt, dass man unseren Nachbarn im Osten nicht vorschreiben k&ouml;nne und d&uuml;rfe, wie sie sich zur NATO-Osterweiterung stellen. Das ist die vordergr&uuml;ndige Debatte. Und die gezogenen Schl&uuml;sse scheinen ausgesprochen einleuchtend zu sein.<\/p><p>Wenn man ein zweites Mal nachdenkt, dann sieht die Welt etwas anders aus: ich zumindest habe bei meiner Kritik in einem fr&uuml;heren Beitrag zum Thema die NATO-Osterweiterung insgesamt gemeint und nicht jene V&ouml;lker kritisiert, die der NATO beigetreten sind. Das war in der Tat ihre eigene Entscheidung. Aber ob wir hier in Deutschland die NATO Osterweiterung f&uuml;r richtig halten, ob wir es f&uuml;r richtig halten, die NATO und auch die weitere Aufr&uuml;stung am Laufen zu halten und die Konfrontation mit Russland zu versch&auml;rfen, das darf doch wohl unsere eigene Sache sein! Ich bin pers&ouml;nlich ohnehin daf&uuml;r gewesen, dass das westliche B&uuml;ndnis &auml;hnlich wie der Warschauer Pakt in den Jahren nach 1989 abgewickelt wird und unsere Sicherheit auf die Grundlage gemeinsamer Sicherheit mit Russland und auf den notwendigen Strukturen abgest&uuml;tzt wird. In einem solchen Konzept h&auml;tte man selbstverst&auml;ndlich daf&uuml;r sorgen m&uuml;ssen und k&ouml;nnen, dass auch die V&ouml;lker Osteuropas keine Angst vor ihrem &ouml;stlichen Nachbarn haben m&uuml;ssen. <\/p><p>Und wenn sie stattdessen doch einer NATO h&auml;tten beitreten wollen, dann w&auml;re das eben eine geschrumpfte Rest-NATO gewesen. Und sie h&auml;tten ihre R&uuml;stungskosten selbst bezahlen m&uuml;ssen. <\/p><p><strong>F&uuml;nftes Beispiel: Sterbende Fl&uuml;chtlinge und die notwendige Stabilisierung Libyens<\/strong><\/p><p>Als jetzt wieder Hunderte von Menschen im Mittelmeer ertranken, hat der deutsche Au&szlig;enminister als Hilfe aus der Not angeregt, Libyen zu stabilisieren. Das ist in der Tat ein vern&uuml;nftiger Gedanke. Das fr&uuml;here &bdquo;stabilisierte&ldquo; Libyen war wirtschaftlich ein einigerma&szlig;en intaktes Land und bot offensichtlich eine Menge Arbeitspl&auml;tze. Deshalb ist der erste Gedanke, Libyen zu stabilisieren, durchaus verst&auml;ndlich. Aber das zweite Nachdenken w&auml;re auch hier angebracht: Warum ist Libyen destabilisiert? Wer hat es mit Krieg &uuml;berzogen? Beim dritten Nachdenken kommt man dann noch zu der Frage, ob die westliche Strategie, um der Herstellung der Menschenrechte willen solche L&auml;nder wie Libyen zu destabilisieren, wirklich sinnvoll ist. M&ouml;glicherweise ist es im Interesse des Lebens, des &Uuml;berlebens und auch der Menschenrechte sinnvoll, selbst einen Alleinherrscher wie Gaddafi nicht zu destabilisieren, wenn man den Weg zur wirklichen Besserung nicht einigerma&szlig;en zu planen und zu sch&uuml;tzen vermag.<\/p><p>Ihnen werden t&auml;glich andere Beispiele begegnen. Verlassen Sie sich nicht auf das <strong>erste<\/strong> Nachdenken. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&hellip; und dies ist dann hoffentlich zum Nutzen und nicht zum &Auml;rger der NachDenkSeiten-Leserinnen und &ndash;Leser. Wenn man das beharrliche Noch-einmal-hinterfragen sein l&auml;sst, dann bleibt man gelegentlich auf einer vordergr&uuml;ndigen Ebene h&auml;ngen. Das muss aber nicht sein, wenn man sich des Problems bewusst ist. Man kann das Doppelt-hinterfragen lernen. Zur Demonstration einige aktuelle Beispiele. <strong>Albrecht<\/strong><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25785\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[35,11],"tags":[895,243,466,260,1371,340],"class_list":["post-25785","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aufbau-gegenoeffentlichkeit","category-strategien-der-meinungsmache","tag-freihandel","tag-in-eigener-sache","tag-nato","tag-ukraine","tag-volkswagen","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25785","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=25785"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25785\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25788,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25785\/revisions\/25788"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=25785"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=25785"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=25785"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}