{"id":25796,"date":"2015-04-22T12:53:30","date_gmt":"2015-04-22T10:53:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25796"},"modified":"2015-04-22T15:42:27","modified_gmt":"2015-04-22T13:42:27","slug":"gianis-weselsky-ja-gehts-noch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25796","title":{"rendered":"Gianis Weselsky? Ja geht\u00b4s noch?"},"content":{"rendered":"<p>SPIEGEL Online macht seinem Ruf mal wieder alle Ehre. In einem <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wirtschaft\/unternehmen\/demokratie-braucht-rebellen-wie-weselsky-und-varoufakis-a-1029839.html\">h&ouml;hnischen Kommentar<\/a> drischt der Leiter des SPON-Wirtschaftsressorts Sven B&ouml;ll ordentlich auf die zwei Lieblingsfeinde der deutschen Medien ein &ndash; den Gewerkschaftschef Claus Weselsky und den griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis; irrlichternde Wahnsinnige seien sie. Besonders dreist ist dabei, dass B&ouml;ll die Positionen und Forderungen seiner beiden publizistischen Opfer hinterlistig als notwendigen demokratischen Widerstand gegen den politischen Stillstand in Deutschland preist und diesen Widerstand dabei sehr geschickt diskreditiert. Von <strong>Jens Berger<\/strong><\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_7426\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-25796-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150422_Gianis_Weselsky_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150422_Gianis_Weselsky_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150422_Gianis_Weselsky_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150422_Gianis_Weselsky_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=25796-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150422_Gianis_Weselsky_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"150422_Gianis_Weselsky_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Man kann (und muss) B&ouml;lls Artikel auf zwei Ebenen lesen: Auf der ersten Ebene kritisiert er vordergr&uuml;ndig die Diskussionskultur in Deutschland. Man k&ouml;nne eine &bdquo;Auseinandersetzung&ldquo; auch hierzulande gut gebrauchen, die Debatte sei stattdessen aber gepr&auml;gt von &bdquo;Einheitsbrei-Statements&ldquo; und einem &bdquo;Austausch von Sprechblasen&ldquo;. B&ouml;ll fordert ausdr&uuml;cklich eine &bdquo;Rebellion&ldquo;, die zu einer &bdquo;ernsthaften Debatte&ldquo; f&uuml;hren k&ouml;nnte, &bdquo;an deren Ende ein alternativer Weg stehen k&ouml;nnte&ldquo;. <\/p><p>Auf der zweiten Ebene spricht er Claus Weselsky und Yanis Varoufakis jedoch die F&auml;higkeit ab, eine ebensolche Debatte auszul&ouml;sen. Der Eine (Weselsky) &bdquo;legt [n&auml;mlich] schon wieder die Republik lahm&ldquo;, der Andere (Varoufakis) &bdquo;irrlichtert in der Eurokrise&ldquo;. Die Gegner von Weselky und Varoufakis k&ouml;nnen, so B&ouml;ll, &bdquo;schon alleine aus Gr&uuml;nden der Selbstachtung&ldquo; deren Forderungen &bdquo;gar nicht erf&uuml;llen&ldquo;. Ihre Anliegen seien daher auch &bdquo;unberechtigt&ldquo; und &bdquo;zwangsl&auml;ufig zur&uuml;ckgewiesen&ldquo; worden. B&ouml;ll hat den Eindruck, Weselsky und Varoufakis seien &bdquo;ideologisch verbohrte Anf&uuml;hrer von irrlichternden Truppen, die sich auf Kosten anderer profilieren&ldquo;. <\/p><p>Aus wessen Kosten profilieren sich die beiden ideologisch Verbohrten denn bitte sch&ouml;n, Herr B&ouml;ll? Ist es denn nicht so, dass Claus Weselsky stets im Namen und Auftrag der gro&szlig;en Mehrheit der von ihm vertretenden Arbeitnehmer spricht und agiert? Hat nicht jede Urabstimmung zum Arbeitskampf seine Linie mit &uuml;bergro&szlig;er Mehrheit gest&uuml;tzt? <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Zum Thema: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=23772\">Jens Berger &ndash; Ich bin ein GDL-Versteher!<\/a><\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Und Yanis Varoufakis &ndash; vertritt der griechische Finanzminister etwa nicht die Position der Mehrheit der Griechen, die sich beim Urnengang f&uuml;r genau diese Politik entschieden haben? Demnach sind die Arbeitnehmer der Deutschen Bahn und die Griechen also &bdquo;irrlichternde Truppen&ldquo;? Das ist schon ziemlich dreist.<\/p><p>Eigentlich scheint es B&ouml;ll jedoch vor allem zu st&ouml;ren, dass sowohl Weselsky als auch Varoufakis ausnahmsweise einmal nicht die Interessen der Arbeitgeber-\/Kapitalseite vertreten, die bei SPON so beliebt ist. Klar, wer die Interessen der Arbeitnehmer oder des Volkes vertritt, kann nach SPON-Auslegung nur &bdquo;unberechtigte&ldquo; Forderungen aufstellen, die dann auch &bdquo;zwangsl&auml;ufig&ldquo; zur&uuml;ckgewiesen werden m&uuml;ssen. Begr&uuml;nden muss man dies offenbar nicht. Es w&auml;re ja auch noch sch&ouml;ner, wenn die Plebs was anzumelden h&auml;tte &ndash; vox populi, vox Rindvieh, wie der Lateiner zu sagen pflegt. SPON vertritt (nicht nur) hier eine elit&auml;re, anti-demokratische, ja reaktion&auml;re Linie, die voll im Geiste der Zeit liegt.<\/p><p>Geradezu grotesk ist in diesem Zusammenhang die erste Ebene von B&ouml;lls Traktat. Welche Debatte will er denn f&uuml;hren, wenn schon die kleinste Abweichung vom &bdquo;Einheitsbrei&ldquo; mit derart harten Bandagen bek&auml;mpft wird? Wie soll eine &bdquo;ernsthafte Debatte&ldquo; gef&uuml;hrt werden, wenn s&auml;mtliche Interessen des Volkes und der Arbeitnehmer von vorn herein &bdquo;unberechtigt&ldquo; sind? Und vor allem &ndash; welchen &bdquo;alternativen Weg&ldquo; will B&ouml;ll finden, wenn er jede Alternative als &bdquo;ideologische Verbohrtheit&ldquo; und &bdquo;Irrlichterei&ldquo; ohnehin ausschlie&szlig;t? B&ouml;ll zementiert mit seinem Traktat genau den Einheitsbrei, den er zu bek&auml;mpfen vorgibt.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg05.met.vgwort.de\/na\/fa26229844554d25b8b1b6b4d068ceb6\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>SPIEGEL Online macht seinem Ruf mal wieder alle Ehre. 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