{"id":2588,"date":"2007-08-24T09:24:56","date_gmt":"2007-08-24T07:24:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2588"},"modified":"2015-12-28T11:06:09","modified_gmt":"2015-12-28T10:06:09","slug":"die-linkspartei-und-das-geld-anmerkungen-zu-einem-argumentationspapier-der-spd-bundestagsfraktion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2588","title":{"rendered":"\u201eDie Linkspartei und das Geld\u201c \u2013 Anmerkungen zu einem Argumentationspapier der SPD-Bundestagsfraktion"},"content":{"rendered":"<p>Gesetzentw&uuml;rfe und Antr&auml;ge der Fraktion der Linken w&uuml;rden den &ouml;ffentlichen Haushalten (Bund, L&auml;nder, Kommunen und Sozialversicherungen) j&auml;hrliche Mehrkosten von 154,7 Milliarden Euro bescheren, hei&szlig;t es <a href=\"upload\/pdf\/070824_finanzliste_spd_linke.pdf\">in einem Papier [PDF &ndash; 288 KB]<\/a>, das der Fraktionsvorsitzende Peter Struck den Genossinnen und Genossen f&uuml;r die Auseinandersetzung mit der Linkspartei vor Ort an die Hand gegeben hat.<br>\nDie Linkspartei sei finanzpolitisch &bdquo;unseri&ouml;s&ldquo;. Sind die Argumente der SPD-Bundestagsfraktion seri&ouml;ser?<br>\n<!--more--><br>\nDie SPD droht mit Umfragewerten weit unter 30 Prozentpunkten ihren Status als Volkspartei zu verlieren und ist derzeit meilenweit davon entfernt, eine eigene Mehrheit zu erringen. Dagegen legt Die Linke zu und ist in den demoskopischen Erhebungen mit deutlich &uuml;ber zehn Prozent zur drittst&auml;rksten Partei geworden. Vor allem zu Lasten der SPD, denn <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/:%0A%09%09stern-Umfrage%0A%09%09%09-Linkspartei\/592348.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/:%0A%09%09stern-Umfrage%0A%09%09%09-Linkspartei\/592348.html\">jeder zweite SPD-W&auml;hler unterst&uuml;tzt die Forderungen Lafontaines<\/a>.<\/p><p>Die SPD f&auml;hrt auf Bundesebene einen strikten Ablehnungskurs gegen die Linken &ndash; mit heftigen Verbalattacken gegen die neu gegr&uuml;ndete Partei und vor allem gegen den ehemaligen SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine: Nachfolgepartei der SED oder Rechtspopulist, NPD-Jargon, Zur&uuml;ck in die siebziger Jahre, unseri&ouml;s usw. usf. .<\/p><p>Nachdem Verunglimpfungen und Beschimpfungen erkennbar nichts fruchteten, sondern die Linke nur ins Gespr&auml;ch brachten, sollte nun eine &bdquo;inhaltliche Auseinandersetzung&ldquo; folgen. Der SPD-Vorstand griff bei einem ersten Versuch ins Archiv, grub alte Lafontaine-Zitate aus und konfrontierte sie mit diesen widersprechenden, neueren &Auml;u&szlig;erungen. Doch man erkannte bald, dass man mit dieser Methode aus dem Glashaus mit Steinen warf. Denn jedermann erinnert sich doch noch an die Wahlversprechen der SPD und an deren Bruch, als sie an die Regierung kam und mit der Agenda 2010 &ndash; wie sie es selbst nannte &ndash; an Partei und Bev&ouml;lkerung vorbei einen Paradigmenwechsel vollzog. Allen war doch noch die Polemik gegen eine Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer als &bdquo;Merkel-Steuer&ldquo; im Ohr, aus der dann in der Gro&szlig;en Koalition eine Erh&ouml;hung um satte 3 Prozentpunkte wurde.<br>\nWie wollte man da mit <a href=\"upload\/pdf\/070824_oskars_welt2.pdf\">ein paar widerspr&uuml;chlichen Zitaten aus &bdquo;Oskars Welt&ldquo; [PDF &ndash; 284 KB]<\/a> die Glaubw&uuml;rdigkeit Lafontaines ersch&uuml;ttern?<\/p><p>Nun gab es am 21. August einen weiteren Anlauf:<\/p><p>Bei den bekannt sparsamen Deutschen war es in der parteipolitischen Auseinandersetzung schon immer sehr popul&auml;r, dem politischen Gegner vorzuwerfen, er k&ouml;nne nicht mit Geld umgehen. Damit hat &uuml;ber Jahrzehnte hinweg die CDU die SPD bek&auml;mpft. Das gleiche Spiel betreibt nun die SPD gegen&uuml;ber der Linken:<\/p><p>Gesetzentw&uuml;rfe und Antr&auml;ge der Fraktion der Linken w&uuml;rden die &ouml;ffentlichen Haushalte j&auml;hrlich zus&auml;tzlich 154,7 Milliarden Euro kosten, hei&szlig;t es in dem Papier des Fraktionsvorsitzenden Peter Struck.<\/p><p>154,7 Milliarden, das w&auml;ren bei einem Bruttoinlandsprodukt von &uuml;ber 2.300 Milliarden Euro im Jahre 2006 knapp 7 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung. Die Deutschen m&uuml;ssten also etwa 25 Tage im Jahr f&uuml;r die Forderungen der Linkspartei arbeiten. Gemessen an den Ausgaben der &ouml;ffentlichen Haushalte in H&ouml;he von &uuml;ber 1000 Milliarden Euro w&auml;ren das sogar &uuml;ber 15 Prozent. Deshalb sei es &bdquo;populistisch&ldquo; und &bdquo;unseri&ouml;s&ldquo;, solche Forderungen zu stellen, so der Vorwurf.<\/p><p>Ich kann die Zahlen jetzt nicht &uuml;berpr&uuml;fen, genauso wenig, wie die Genossinnen und Genossen das k&ouml;nnen, die mit dem Papier vor Ort gegen Die Linke argumentieren sollen.<\/p><p>Was zun&auml;chst auff&auml;llt: Der &uuml;berwiegende Teil der Forderungen der Linken bedeutet vor allem im sozialen Bereich nicht mehr und eher weniger als die Wiederherstellung des Zustands, wie er etwa um die Jahrtausendwende offenbar noch f&uuml;r finanzierbar gehalten wurde. Zugegebenerma&szlig;en war bis dahin &ndash; vor allem in den 90er Jahren &ndash; von der Kohl-Regierung ein riesiger Schuldenberg aufgeh&auml;uft worden, doch der war eher den Kosten der deutschen Einheit als dem Anwachsen der Sozialhaushalte geschuldet. Der Anteil der Sozialleistungen gemessen am BIP hatte sich n&auml;mlich seit 1980 von 30,8 auf 29,8 Prozent im Jahre 2001 verringert (Arbeits- und Sozialstatistik, Statistisches Taschenbuch 2001, Bonn 2001).<br>\nBis heute hatten wir weder ein &bdquo;demografisches Problem&ldquo; (eher im Gegenteil), noch eine dramatische &Uuml;beralterung, noch hat sich der Gesundheitszustand der Bev&ouml;lkerung verschlechtert, geschweige denn, dass die internationale Wettbewerbsf&auml;higkeit gelitten h&auml;tte.<br>\nWas sich aber ver&auml;ndert hat, das ist z.B. der dramatische Anstieg der Zahl der Arbeitslosen und der R&uuml;ckgang der Erwerbsquote; au&szlig;erdem gab es Reallohnverluste. Vor allem diese Verschlechterungen haben zu finanziellen Engp&auml;ssen in den sozialen Sicherungssystemen gef&uuml;hrt &ndash; weil halt mit weniger Beitragszahlern bei stagnierenden, ja sogar sinkenden Beitragss&auml;tzen die Einnahmen im Verh&auml;ltnis zu den Ausgaben gesunken sind.<\/p><p>Statt alles zu tun, um die Wirtschaft anzukurbeln und damit mehr Besch&auml;ftigung mit h&ouml;heren L&ouml;hnen zu schaffen, hat man bei Rot-Gr&uuml;n und der Gro&szlig;en Koalition das Pferd vom Schwanze aufgez&auml;umt und die sozialen Sicherungssysteme beschnitten. Unter dem zynischen Schlagwort &bdquo;Arbeit hat Vorfahrt&ldquo; wurden L&ouml;hne und sog. &bdquo;Lohnnebenkosten&ldquo; um jeden Preis gedr&uuml;ckt, es wurden mit Hartz die Arbeitslosen statt die Arbeitslosigkeit bek&auml;mpft und gleichzeitig in einem &bdquo;Steuersenkungswahn&ldquo; (R. Hickel) eine Unternehmensteuerreform nach der anderen durchgezogen. Zur&uuml;ckhaltend gerechnet, wurden in den letzten Jahren die Unternehmen um dreistellige Milliardensummen entlastet. Die erhofften Investitionen und neue Arbeitspl&auml;tze blieben leider aus. Die Gewinne flossen eher in Spekulationsblasen, die derzeit zu platzen beginnen. Und um eine Finanzkrise zu verhindern, pumpt jetzt die Europ&auml;ische Zentralbank 200 Milliarden in den Kreditmarkt, damit nicht noch mehr Banken insolvent werden und die Anleger nicht noch mehr Verm&ouml;gen verlieren als bereits geschehen.<br>\nEin Kredit von 200 Milliarden an die Verm&ouml;genden ist eben etwas anderes als 154 Milliarden an die Unverm&ouml;genden.<\/p><p>Obwohl die in der Argumentationsliste der SPD angegebenen Zahlen nicht nachvollziehbar sind, lohnt es sich dennoch, einen genaueren Blick darauf zu werfen. <\/p><p>Da wird etwa dem Antrag der Fraktion Die Linke zur <em><strong>&bdquo;Wiedereinf&uuml;hrung der Lebensstandardsicherung in der gesetzlichen Rente&ldquo; (Drs. 16\/5903)<\/strong> entgegengehalten:<br>\n<strong>&bdquo;Mit dem Antrag will die Linkspartei den Rentenbeitragssatz bis 2030 auf 28 Prozent anheben.<\/strong><br>\nDerzeit liegt der Satz bei 19,9 Prozent und soll 2030 die Marke von 22 Prozent nicht &uuml;bersteigen. Die Linkspartei ignoriert die demografische Entwicklung und gef&auml;hrdet den Standort Deutschland. Ein Anstieg der Lohnnebenkosten um sechs Prozentpunkte w&uuml;rde rund 600.000 Arbeitspl&auml;tze kosten. (Ein Anstieg der Lohnnebenkosten von einem Prozentpunkt kostet rund 100.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitspl&auml;tze.)<br>\nF&uuml;r Arbeitnehmer mit einem Bruttoeinkommen von 2.000 Euro w&uuml;rde eine derartige Erh&ouml;hung der Rentenversicherungsbeitr&auml;ge eine monatliche Einbu&szlig;e von 80 Euro bedeuten, auf das Jahr gerechnet sind das 960 Euro.&ldquo;<\/em><\/p><p>In <a href=\"?p=2575#more-2575\">meinem Beitrag vom 22. August<\/a> habe ich mich &ndash; &uuml;brigens vor Ver&ouml;ffentlichung des SPD-Argumentationspapiers &ndash; mit dieser Art von Rechnung auseinandergesetzt:<br>\nZun&auml;chst w&auml;re festzustellen: Bis <a href=\"http:\/\/www.boeckler.de\/pdf\/impuls_2007_12_4-5.pdf\">2030 gibt es kein demografisches Problem [PDF &ndash; 280 KB]<\/a>, deshalb ignoriert die Linkspartei die &bdquo;demografische Entwicklung&ldquo; zu Recht. Die Zahl der potenziellen Arbeitskr&auml;fte in Deutschland wird eher wachsen. Bis dahin wird die Generation der &bdquo;Babyboomer&ldquo; dem Arbeitsmarkt zur Verf&uuml;gung stehen. Es starten mehr junge Menschen am Arbeitsmarkt, als in Rente gehen &ndash; in den kommenden Jahren scheiden die eher schwach besetzten Kriegs- und Nachkriegsjahrg&auml;nge aus. Es wird also &ndash; wie in der Vergangenheit &ndash; eher ein Arbeitsmarktproblem als ein Demografieproblem geben.<\/p><p>Aber nehmen wir einmal an, die Arbeitsmarktlage bliebe die n&auml;chsten 20 Jahre so schlecht wie bisher und man m&uuml;sste den Rentenbeitragssatz von 22 &ndash; also der politisch &bdquo;gedeckelten&ldquo; H&ouml;chstgrenze &ndash; auf 28 Prozent anheben. <\/p><p>Damit w&uuml;rde der Nettobeitrag, der von den Arbeitnehmern aufzubringen ist, von knapp 11 auf 14 Prozent steigen.<br>\nDer Arbeitgeberseite w&uuml;rde die Erh&ouml;hung ihres parit&auml;tisch zu finanzierenden Anteils um gleichfalls drei Prozent mehr (tats&auml;chlich sind es weniger) &ndash; also auf insgesamt 28 Prozent der Bruttolohnsumme &ndash; &bdquo;zugemutet&ldquo;.<br>\nWegen des Glaubens an den Mythos der Lohnnebenkosten gilt das f&uuml;r die SPD als im Jahr 2030 unzumutbar f&uuml;r die Unternehmen.<\/p><p>Daf&uuml;r wird aber zur Vermeidung von Altersarmut mit den Riesterschen Rentenreformen umgekehrt den jungen Arbeitnehmern schon heute (2007!) zugemutet, um die staatlichen Zulagen zu bekommen 3 Prozent und ab 2008 sogar 4 Prozent vom Brutto-Jahreseinkommen zur&uuml;ckzulegen. Der Pr&auml;sident des Verbandes Deutscher Rentenberater Martin Rei&szlig;ig, r&auml;t am 22. 8. 07 auf Seite 13 der BILD-Zeitung, mindestens &bdquo;10 Prozent vom Netto beiseite zu legen und so wird das allenthalben propagiert.<\/p><p>Die angeblich &bdquo;unseri&ouml;se&ldquo; Rechnung der Linken sieht also so aus, dass der Arbeitnehmer mit einem Bruttoeinkommen von 2000 Euro im Jahre 2030 monatlich etwa 80 Euro mehr f&uuml;r die Altersvorsorge aufbringen m&uuml;sste. Nach der &bdquo;seri&ouml;sen&ldquo; Gegenrechnung sollten die jungen Leute aber schon ab heute mindestens 4 Prozent vom Brutto, besser aber 10 Prozent ihres Nettoeinkommens, also sagen wir rund  bis zu 150 Euro beiseite legen. 80 Euro im Jahre 2030 gegen 150 Euro heute! Wer argumentiert da eigentlich seri&ouml;s?<\/p><p>Genauso unseri&ouml;s ist die Drohkulisse im SPD-Papier, wonach <em>&bdquo;ein Anstieg der Lohnnebenkosten von einem Prozentpunkt &hellip; rund 100.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitspl&auml;tze&ldquo;<\/em> koste. Diese Behauptung wird auch nicht dadurch seri&ouml;ser, dass sie unl&auml;ngst vom <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:BA%20Chef%20Beitr%E4ge\/229340.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:BA%20Chef%20Beitr%E4ge\/229340.html\">BA-Chef Frank-J&uuml;rgen Weise<\/a> wiederholt wurde. Hat denn die Senkung der Arbeitslosenbeitr&auml;ge um 2,3 Prozent von 6,5 auf 4,2 Prozent etwa 230.000 Arbeitspl&auml;tze gebracht? Nach dieser Logik w&uuml;rde die komplette Abschaffung der Arbeitslosenversicherung 420.000 Arbeitspl&auml;tze schaffen.<\/p><p>Nehmen wir einen weiteren Punkt aus dem SPD- Argumentationspapier:<\/p><p><strong>Antrag der Linkspartei:<\/strong> <em><strong>&bdquo;F&uuml;r ein menschenw&uuml;rdiges Existenzminimum&ldquo;<br>\n(Drs. 16\/2743)<br>\n&bdquo;In dem Antrag fordert die Linkspartei die Bundesregierung unter anderem dazu auf, den Regelsatz von ALG II (SGB II) und der Sozialhilfe (SGB XII) zeitnah auf 420 Euro monatlich zu erh&ouml;hen und das Bedarfsbemessungssystem zu erneuern.<\/strong><br>\nDer Antrag f&uuml;hrt zu Mehrbelastungen in H&ouml;he von <strong>10 Mrd. Euro.<\/strong> Die Gro&szlig;e Koalition hat die S&auml;tze auf 347 Euro monatlich erh&ouml;ht und auch die Angleichung West\/Ost vorgenommen. Damit sind die S&auml;tze bereits h&ouml;her als es fr&uuml;her die Sozialhilfes&auml;tze waren, die bereits ein existenzsicherndes Niveau hatten.&ldquo;<\/em><\/p><p>Ich kann auch die Mehrbelastung im Umfang von 10 Milliarden durch eine Erh&ouml;hung der Regels&auml;tze von derzeit 347 auf 420 Euro nicht nachvollziehen.<br>\nIm Jahr 2005, also beim h&ouml;chsten Stand der Arbeitslosigkeit, lagen die <strong>Kosten f&uuml;r Sozial- und Arbeitslosenhilfe insgesamt bei <a href=\"?p=1338#more-1338\">44,4 Milliarden Euro<\/a>.<br>\nBei einem Anstieg von 347 auf 420 Euro, also um rund 20 Prozent komme ich, selbst  wenn ich das auf die Gesamtkosten von Alg II plus Sozialleistungen von weit &uuml;ber 40 Milliarden Euro beziehe, jedenfalls nicht auf 10 Milliarden Euro.<\/strong><\/p><p><strong>Im &Uuml;brigen &uuml;bertrumpfen selbst die Gr&uuml;nen Die Linke und fordern inzwischen eine Anhebung sogar auf 450 Euro. Und f&uuml;r so &bdquo;existenzsichernd&ldquo; h&auml;lt inzwischen wohl selbst der Bundesarbeitsminister das Niveau dieser Regels&auml;tze nicht mehr.<\/strong> Er l&auml;sst n&auml;mlich derzeit &uuml;berpr&uuml;fen, ob die bisherige Methode, die Regels&auml;tze f&uuml;r Erwachsene zu errechnen, die tats&auml;chlichen Preissteigerungen abbildet.<\/p><p>N&auml;chster Punkt: <\/p><p><strong><em>&bdquo;Die Linkspartei fordert die Bundesregierung auf, die Bezugsdauer des ALG I so zu verl&auml;ngern, dass f&uuml;r jedes Jahr Beitragszahlung ein Anspruch auf einen weiteren Monat Arbeitslosengeld entsteht. Als Mindestabsicherung soll es nach zwei Jahren Beitragszahlung einen nach Alter st&auml;rker gestaffelten Anspruch auf Arbeitslosengeld<br>\ngeben.<\/em><\/strong><br>\nF&uuml;r diese Forderung allein w&uuml;rde ein w&uuml;rde ein Finanzvolumen von <strong>2,5 Mrd. Euro<\/strong> j&auml;hrlich notwendig werden.&ldquo;<\/p><p>Diese Forderung entspricht in etwa dem Zustand des &bdquo;Arbeitslosengeldes&ldquo; vor den Hartz-Reformen und ungef&auml;hr der Beschlusslage der CDU auf ihrem Dresdener Parteitag.<br>\nW&auml;re ein dazu erforderliches Finanzvolumen von 2,5 Mrd. Euro nicht aus den &Uuml;bersch&uuml;ssen der Bundesagentur im Jahre 2006 von 11 Milliarden Euro und &ndash; trotz der Beitragssenkung &ndash; im Jahre 2007 von nochmals mehren (nach gegenw&auml;rtigen Sch&auml;tzungen von &uuml;ber 5) Milliarden finanzierbar?<br>\nIst es etwa seri&ouml;ser, die Arbeitslosenversicherungsbeitr&auml;ge nunmehr auf 3,9 Prozent weiter abzusenken und sogar die <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:Koalition%20Arbeitslosenbeitrag%20Prozent\/242593.html\" title=\"Externer Link zu http:\/\/www.ftd.de\/politik\/deutschland\/:Koalition%20Arbeitslosenbeitrag%20Prozent\/242593.html\">Zusage zu brechen, dass 1 Prozent der Mehrwertsteuererh&ouml;hung in die Arbeitslosenversicherung gehen soll?<\/a><\/p><p>Man k&ouml;nnte Punkt f&uuml;r Punkt durchgehen. In fast allen Punkten des SPD-Argumentationspapiers k&ouml;nnte man Widerspr&uuml;che, falsche Behauptungen oder unseri&ouml;se Kalkulationen nachweisen. So etwa auch, wenn dort die Mehrwertsteuererh&ouml;hung als unumg&auml;nglich unterstellt, die Unternehmensteuersenkungen aber als f&uuml;r die Wettbewerbsf&auml;higkeit des Exportweltmeisters unerl&auml;sslich dargestellt wird. <\/p><p>Hier nur noch ein letztes Beispiel:<br>\n<strong>Antrag der Partei Die Linke: &bdquo;Hochschulen &ouml;ffnen &ndash; BAf&ouml;G ausweiten&ldquo;<br>\n(Drs. 16\/847)<\/strong><\/p><p><em>&bdquo;Mit diesem Antrag will die Linkspartei die automatische Anpassung des BAf&ouml;G an die Entwicklung der Lebenshaltungskosten, voraussetzungsfreie Masterf&ouml;rderung und Aufhebung der Altersgrenze von 30 Jahren,<br>\nUmstellung des F&ouml;rderh&ouml;chstzeitraums von Regelstudienzeit auf die durchschnittliche Studienzeit, elternunabh&auml;ngige F&ouml;rderung bereits nach drei Jahren Arbeitst&auml;tigkeit statt nach f&uuml;nf Jahren.<br>\nMittelfristig soll das BAf&ouml;G &bdquo;zu einer elternunabh&auml;ngigen und bedarfsdeckenden Grundsicherung mit Vollzuschuss&ldquo; ausgebaut werden. &bdquo;Diese Grundsicherung soll auch Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;lern der Oberstufe, Auszubildenden in au&szlig;erbetrieblichen oder vollzeitschulischen Ausbildungsg&auml;ngen und Erwachsenen w&auml;hrend der Teilnahme an Weiterbildungsma&szlig;nahmen zur Verf&uuml;gung stehen.&ldquo;<br>\nDer Ausbau zu einer Grundsicherung ver&auml;ndert den Charakter des BAf&ouml;G: Statt eine auf Sicherung der Chancengleichheit in der Bildung gerichtete Sozialleistung entst&uuml;nde ein &ndash; unfinanzierbares &ndash; staatliches Stipendiensystem f&uuml;r Jedermann.<br>\nDas ist sozialpolitischer Unsinn. Auch Studierende aus Doppelakademiker- oder Spitzenverdiener-Haushalten erhielten so einen vollen BAf&ouml;G-Anspruch.<br>\nKosten 17,2 Mrd. Euro&ldquo;<\/em><\/p><p>Die Argumentation in dem SPD-Papier ist ein reines Horrorgem&auml;lde. Dazu w&auml;re folgendes anzumerken:<br>\nEs war die nordrhein-westf&auml;lische, SPD-gef&uuml;hrte Landesregierung, die Ende der 90er Jahre einen Antrag zur Einf&uuml;hrung einer &bdquo;elternunabh&auml;ngigen Studienf&ouml;rderung&ldquo; in die Kultusministerkonferenz eingebracht hatte. Die Berechnung war kostenneutral. Sie setzte allerdings voraus, dass das Kindergeld und die Kinderfreibetr&auml;ge f&uuml;r Jugendliche ab 18, die in Ausbildung stehen, sowie die bisherige Studienf&ouml;rderung in einen Ausbildungsfonds flie&szlig;en sollten.<br>\nWarum sollen eigentlich studierende Jugendliche bis zum Alter von 27 (k&uuml;nftig nur noch bis 25) nur &uuml;ber das Kindergeld und die Steuerfreibetr&auml;ge an die Eltern gef&ouml;rdert werden?<br>\nNicht eine elternunabh&auml;ngige F&ouml;rderung von jungen Menschen in der Ausbildung ist unsozial, sondern &ndash; wie man an der sozialen Zusammensetzung der Studierenden leicht ablesen kann &ndash; das derzeitige Transfersystem.<br>\nWarum sind die Studierenden aus &bdquo;Doppelakademiker- oder Spitzenverdiener-Haushalten&ldquo; &uuml;ber die steuerlichen Kinderfreibetr&auml;ge dem Staat eigentlich erheblich mehr wert als die Kinder derjenigen, die nur das Kindergeld geltend machen k&ouml;nnen und &ndash; wenn das Einkommen der Eltern niedrig genug ist &ndash; Baf&ouml;G-berechtigt sind?<br>\nDiese steuerliche Privilegierung der wohlhabenden Eltern ist &bdquo;sozialpolitischer Unsinn&ldquo; &ndash; und nicht eine elterunabh&auml;ngige Ausbildungsf&ouml;rderung, die am Auszubildenden statt an den Eink&uuml;nften der Eltern des Auszubildenden ansetzt.<\/p><p>In dem Argumentationspapier hei&szlig;t es ganz pauschal:<br>\n<em>&bdquo;Die vorgeschlagenen steuerlichen Gegenfinanzierungsma&szlig;nahmen sind derzeit politisch nicht umsetzbar(Verm&ouml;gensteuer) oder erbringen voraussichtlich nicht das erforderliche Mehraufkommen (Erbschaft- und Schenkungsteuer).<br>\nDie starke Anhebung des Spitzensteuersatzes w&uuml;rde insbesondere<br>\nmittelst&auml;ndische Unternehmen belasten und w&uuml;rde somit die Ma&szlig;nahmen zur Erh&ouml;hung der steuerlichen Wettbewerbsf&auml;higkeit im Rahmen der Unternehmensteuerreform 2008 konterkarieren.&ldquo;<\/em><\/p><p>Selbstredend ist eine Anhebung der Verm&ouml;gens-, Erbschafts- und Schenkungssteuer in einer Gro&szlig;en Koalition nicht durchsetzbar, obwohl es im Bundestag eine &bdquo;linke Mehrheit&ldquo; (Edmund Stoiber) daf&uuml;r g&auml;be. Und nat&uuml;rlich m&uuml;sste die SPD ihre eigenen Entscheidungen korrigieren, wenn sie wieder zu einer Anhebung der Spitzensteuers&auml;tze, wie sie auch in anderen L&auml;ndern &uuml;blich sind, kommen wollte.<\/p><p>Die Vorw&uuml;rfe einer politisch nicht durchsetzbaren Gegenfinanzierung treffen also nicht die Linkspartei, sondern fallen auf die SPD zur&uuml;ck.<\/p><p>Dass die SPD in ihrer Argumentation <\/p><ul>\n<li>entgegen allen Fakten durchg&auml;ngig am <a href=\"?p=2101\">Mythos der besch&auml;ftigungsvermindernden Wirkung der Lohnnebenkosten<\/a> festh&auml;lt<\/li>\n<li>die Unternehmensteuerreform verteidigt, die bestenfalls zur weiteren <a href=\"?p=2295\">Steigerung der Unternehmens- und Verm&ouml;genseinkommen<\/a> und zu einem weiteren Steuersenkungswettlauf f&uuml;hren d&uuml;rfte<\/li>\n<li>und dies alles penetrant mit der internationalen Wettbewerbsf&auml;higkeit begr&uuml;ndet, obwohl wir seit Jahren Exportweltmeister sind<\/li>\n<\/ul><p>beweist nur einmal mehr, dass sie eben den Einfl&uuml;sterungen der neoliberalen Ideologen im Lande folgt, statt der politischen Mehrheit in der Bev&ouml;lkerung. Schon gar nicht kann sie sich auf harte finanzpolitische oder &ouml;konomische Fakten st&uuml;tzen.<\/p><p>&bdquo;Die Linkspartei macht den Staat und seine B&uuml;rger arm&ldquo; schreibt Peter Struck in seinem Begleitschreiben.<br>\nMan m&uuml;sste den SPD-Fraktionsvorsitzenden zur&uuml;ckfragen: Wer hat eigentlich bisher den Staat arm gemacht und eine dramatische Zunahme der Armut in diesem Lande zugelassen oder mit seinen &bdquo;Reformen&ldquo; herbeigef&uuml;hrt?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesetzentw&uuml;rfe und Antr&auml;ge der Fraktion der Linken w&uuml;rden den &ouml;ffentlichen Haushalten (Bund, L&auml;nder, Kommunen und Sozialversicherungen) j&auml;hrliche Mehrkosten von 154,7 Milliarden Euro bescheren, hei&szlig;t es <a href=\"upload\/pdf\/070824_finanzliste_spd_linke.pdf\">in einem Papier [PDF &ndash; 288 KB]<\/a>, das der Fraktionsvorsitzende Peter Struck den Genossinnen und Genossen f&uuml;r die Auseinandersetzung mit der Linkspartei vor Ort an die Hand gegeben hat.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2588\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[25,195,135,191],"tags":[330,319,312,479,278,1736,449],"class_list":["post-2588","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-lohnnebenkosten","category-die-linke","category-finanzpolitik","category-spd","tag-lafontaine-oskar","tag-lohnentwicklung","tag-reformpolitik","tag-reservearmee","tag-steuersenkungen","tag-struck-peter","tag-umsatzsteuer"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2588","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2588"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2588\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29756,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2588\/revisions\/29756"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2588"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2588"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2588"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}