{"id":2593,"date":"2007-08-28T09:01:08","date_gmt":"2007-08-28T07:01:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2593"},"modified":"2015-12-28T10:58:51","modified_gmt":"2015-12-28T09:58:51","slug":"auf-der-hoehe-der-zeit-platzeck-steinbrueck-und-steinmeier-denken-sich-die-zukunft-einer-sozialen-demokratie-aus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2593","title":{"rendered":"Auf der H\u00f6he der Zeit \u2013 Platzeck, Steinbr\u00fcck und Steinmeier denken sich die Zukunft einer \u201esozialen Demokratie\u201c aus"},"content":{"rendered":"<p>Alles ist gut! Wir machen alles richtig! Wir sind besser als die anderen! Wir waren und wir bleiben auf der &bdquo;H&ouml;he der Zeit&ldquo;! So kann man die selbstbeweihr&auml;uchernde <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/deutschland\/artikel\/4\/129781\/2\/print.html\">Einleitung<\/a> der designierten Parteivorsitzenden Steinmeier und Steinbr&uuml;ck unter Hilfestellung des zur&uuml;ckgetretenen SPD-Vorsitzenden Platzeck zu einem Buch &uuml;ber die Zukunft der Sozialdemokratie zusammenfassen. Auf schwindelnder H&ouml;he &uuml;ber &bdquo;marxistischer Orthodoxie und liberalem Laissez-faire&ldquo; und jenseits der realen Welt definieren die &bdquo;Cheftheoretiker&ldquo; der heutigen SPD (an ihrem Vorsitzenden Kurt Beck vorbei) ihr Leitbild der &bdquo;sozialen Demokratie&ldquo;. Diese Definition besteht aus drei unausgef&uuml;llten Schlagworten, n&auml;mlich &bdquo;Marktwirtschaft, Demokratie und sozialer Zusammenhalt&ldquo;. In ihrem Text wird diese Begriffstriade wie in einer Waschtrommel hin und her gew&auml;lzt. Dabei entstehen Schaum- und Sprechblasen, die, sobald man sie greifen will, zerplatzen. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\nWer &uuml;ber &bdquo;sozialen Zusammenhalt&ldquo; nachdenkt, m&uuml;sste wenigstens an einer Stelle auf die soziale Wirklichkeit zu sprechen kommen.<br>\nWer auf der &bdquo;H&ouml;he der Zeit&ldquo; sein will, m&uuml;sste etwa das immer bedrohlicher anwachsende Armutsrisiko, die immer gr&ouml;&szlig;er werdende Gruppe der Niedrigl&ouml;hner, die 7 Millionen Arbeitslose und Hartz IV-Aufstocker, die Not der Alleinerziehenden und vor allem die skandal&ouml;se Kinderarmut als Problem dieser Zeit erkennen. <\/p><p>Auch wenn man sich &ndash; wie die Autoren &ndash; nicht &bdquo;in die Rolle derjenigen dr&auml;ngen lassen (will), die allein die Verteilung von Wohlstand im Blick haben&ldquo;, so k&ouml;nnte, wer &uuml;ber sozialen Zusammenhalt redet, wenigstens einen besorgten Blick auf das Auseinanderdriften der Einkommensverteilung und auf die rapide Zunahme prek&auml;rer Einkommenslagen oder auf die Tatsache lenken, dass die untere H&auml;lfte nur &uuml;ber gerade mal 4 % des Nettogeld- und Nettoimmobilienverm&ouml;gens verf&uuml;gt.<\/p><p>Wer davon redet, dass &bdquo;der sozialdemokratische Weg &hellip; der Weg der Lebenschancen f&uuml;r alle&ldquo; ist, sollte wenigstens andeuten, wie er diese Lebenschancen angesichts zunehmender Unsicherheit der Arbeitspl&auml;tze gegen einen expandierenden Niedriglohnbereich und gegen sinkende Nettol&ouml;hne und &ndash;geh&auml;lter zu verbessern gedenkt.<\/p><p>Wer sich der &bdquo;zur Solidarit&auml;t bereiten&ldquo;, &bdquo;breiten Mitte&ldquo; der Gesellschaft zuwenden will, sollte wenigstens zur Kenntnis nehmen, dass diese &bdquo;Mitte&ldquo; inzwischen mit ihren Lohnsteuern und den indirekten Steuern zu &uuml;ber 55 Prozent des gesamten Steueraufkommens beitr&auml;gt, w&auml;hrend die Gewinn- und Kapitaleinkommensteuerquote seit den als ach so &uuml;berholt geltenden siebziger Jahren von 33 auf 15 Prozent gesunken ist.<br>\nWas soll man also von dem Gerede &uuml;ber den sozialen Zusammenhalt halten, wenn solche Sachverhalte mit sozialer Sprengkraft ausgeblendet werden?<\/p><p>Platzeck, Steinmeier und Steinbr&uuml;ck behaupten, sie w&uuml;rden &bdquo;ein inhaltliches Projekt beschreiben, das an die Hoffnungen, W&uuml;nsche und Bef&uuml;rchtungen der ganz normalen Menschen unserer Zeit ankn&uuml;pft&ldquo;. Zur Beschreibung dieses &bdquo;inhaltlichen Projekts&ldquo; bieten sie kaum etwas Neues an: &bdquo;Der konsequente Erneuerungskurs der Regierung Schr&ouml;der war ein guter Anfang. Er hat uns Sozialdemokraten wieder auf Augenh&ouml;he mit der Wirklichkeit gebracht. Diesen Weg m&uuml;ssen wir deshalb entschlossen weitergehen, wenn wir die positive Wechselwirkung zwischen dynamischer Wirtschaft, stabiler Demokratie und sozialer Sicherheit weiter stabilisieren und verstetigen wollen.&ldquo;<br>\nHat der &bdquo;konsequente Erneuerungskurs der Regierung Schr&ouml;der&ldquo; etwa an &bdquo;die Hoffnungen, W&uuml;nsche und Bef&uuml;rchtungen der ganz normalen Menschen unserer Zeit&ldquo; angekn&uuml;pft, indem er das Vertrauen der Menschen in die sozialen Sicherungssysteme zerst&ouml;rte, indem er die Hoffnungen auf ein &Auml;lterwerden ohne Armutsrisiko zunichte machte, indem er die Bef&uuml;rchtungen vor einem Absturz in die Bed&uuml;rftigkeit bei einem unverschuldeten Verlust des Arbeitsplatzes zur bitteren Wirklichkeit werden lie&szlig;, indem er die W&uuml;nsche nach Sicherheit und sozialem Ausgleich durch den existenziellen Zwang zur Arbeit um jeden Preis ersetzte und indem er die Ungleichheit geradezu zu einem Stimulans f&uuml;r eine &bdquo;dynamische Marktwirtschaft&ldquo; erkl&auml;rte?<br>\nHaben die Hartz-Reformen, haben die Rentenreformen, haben die Unternehmensteuerreformen soziale Sicherheit stabilisiert oder verstetigt?<\/p><p>Es ist reichlich hochtrabend und eher geschichtsklitternd, wenn die Autoren so tun, als &bdquo;verdankte sich der enorme Erfolg der westeurop&auml;ischen Nachkriegsordnung in der zweiten H&auml;lfte des vergangenen Jahrhunderts zweifellos der erfolgreichen Durchsetzung der sozialdemokratischen Grundidee&ldquo;. Haben etwa Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Kurt-Georg Kiesinger oder Helmut Kohl sozialdemokratische Grundideen umgesetzt? Hatten denn Kurt Schumacher, Erich Ollenhauer und Willy Brandt die Unionsregierungen nicht bek&auml;mpft, hatten Hans-Jochen Vogel, Bj&ouml;rn Engholm, Rudolf Scharping und Oskar Lafontaine der &Auml;ra Kohl etwa deswegen eine Ende gesetzt, weil dieser &uuml;ber 16 Jahre sozialdemokratische Grundideen durchsetzte?<\/p><p>Es ist geradezu ein Musterbeispiel f&uuml;r die Beliebigkeit, ja Ged&auml;chtnislosigkeit der rechten SPD-F&uuml;hrungsriege, dass sie den Liberalen Lord Dahrendorf als Kronzeugen f&uuml;r das &ldquo;sozialdemokratische 20. Jahrhundert&rdquo; benennen. Hat der FDP-Politiker nicht gerade umgekehrt nach dem Sturz von Helmut Schmidt und in einer Zeit der konservativen Vorherrschaft in Europa und den USA seine These vom &bdquo;Ende des sozialdemokratischen Jahrhunderts&ldquo; verk&uuml;ndet? Dies vor allem, um die Aufk&uuml;ndigung der sozial-liberalen Koalition durch seine FDP und die Beteiligung an einer &bdquo;geistig-moralischen Wende&ldquo; unter Helmut Kohl ideologisch zu rechtfertigen.<\/p><p><strong>H&auml;tten die Autoren nur ein wenig Realit&auml;tsbezug, so m&uuml;ssten sie sich, statt von der &bdquo;sozialen Demokratie&ldquo; im 21. Jahrhundert zu schwadronieren, dar&uuml;ber Gedanken machen, warum heute das Ende der Sozialdemokratie als Volkspartei droht. <\/strong><\/p><p>Dieses Ende droht umso mehr, wenn man lesen muss, wie Steinmeier und Steinbr&uuml;ck als designierte Parteivorsitzende mit ihren eigenen Parteimitgliedern umspringen. Allzu viele SPD-Genossen hingen &bdquo;Kategorien der Ges&auml;&szlig;geographie&ldquo; an. Nicht selten anzutreffen sei unter Sozialdemokraten eine &bdquo;betr&auml;chtliche Verunsicherung &uuml;ber die Ziele und den Auftrag der Sozialdemokratie im 21. Jahrhundert.&ldquo; Die SPD habe &ldquo;weniger links als die PDS&rdquo; zu sein, hei&szlig;t es dann etwas vage, aber auch wieder &ldquo;nicht so rechts wie die CDU&rdquo;. Viele Sozialdemokraten w&uuml;rden ungeachtet ver&auml;nderter Umst&auml;nde &bdquo;allzu defensiv an bestimmten Instrumenten und institutionellen Arrangements der Vergangenheit festhalten&ldquo; und &bdquo;wortreich &uuml;ber die vermeintliche Hegemonie lamentieren, die ein angeblicher &ldquo;neoliberaler Mainstream&rdquo; heute aus&uuml;be.&ldquo; <\/p><p><strong>Statt als k&uuml;nftige Vorsitzende ihrer Partei die verunsicherten Parteimitglieder zu &uuml;berzeugen und mitzunehmen, werden sie mit besserwisserischem Spott, ja sogar H&auml;me &uuml;bersch&uuml;ttet<\/strong>. Das ist wohl kennzeichnend f&uuml;r den k&uuml;nftigen F&uuml;hrungsstil der Leute, die von B&uuml;rokraten- und Regierungssesseln in die F&uuml;hrungsspitze ihrer Partei aufsteigen.<\/p><p>Platzeck, Steinmeier und Steinbr&uuml;ck merken nicht einmal mehr, dass sie mit dieser Kritik an ihrer eigenen Partei unbewusst im &bdquo;neoliberalen Mainstream&ldquo; mitschwimmen:<br>\n&bdquo;In Wirklichkeit gibt es den m&auml;chtigen neoliberalen &ldquo;Mainstream&rdquo; innerhalb der deutschen und europ&auml;ischen Gesellschaft eben nicht&ldquo; &ndash; damit haben die Autoren ausnahmsweise einmal v&ouml;llig Recht, wie alle Umfragen beweisen. Im Widerspruch zum gesellschaftlichen Meinungsstrom gibt es allerdings einen neoliberalen Mainstream innerhalb der selbsternannten F&uuml;hrungselite, von den PR-Lobbygruppen &uuml;ber viele Medien bis hin zur SPD, der mit allen Mitteln versucht, gegen diese Mehrheitsmeinung innerhalb der Gesellschaft ein neoliberales Politik- und Gesellschaftskonzept durchzusetzen &ndash; und dabei st&auml;ndig &uuml;ber Vermittlungsprobleme klagt. Das beweist nicht zuletzt dieser Beitrag.<\/p><p>Denn was bietet der &bdquo;Neuentwurf einer Gesellschaft&ldquo; anderes, als dass &bdquo;wirtschaftliche Dynamik, Lebenschancen f&uuml;r alle, &ouml;kologische Verantwortung und sozialer Schutz intelligent miteinander&ldquo; verbunden werden sollen. Einen solchen &bdquo;Entwurf&ldquo; k&ouml;nnte die CDU genauso unterschreiben wie die FDP oder die Arbeitgeberb&auml;nde, so nichtssagend ist diese Formel. <\/p><p>Das einzig Konkrete, worauf sich Platzeck, Steinmeier und Steinbr&uuml;ck beziehen, ist der &bdquo;konsequente Erneuerungskurs der Regierung Schr&ouml;der&ldquo;. Und so als w&auml;re Schr&ouml;der nie abgew&auml;hlt worden und als h&auml;tte die SPD nicht eine Wahl nach der anderen verloren, m&uuml;sse die SPD diesen Weg &bdquo;entschlossen weitergehen, wenn wir die positive Wechselwirkung zwischen dynamischer Wirtschaft, stabiler Demokratie und sozialer Sicherheit weiter stabilisieren und verstetigen wollen.&ldquo; <\/p><p>Wo leben die Autoren eigentlich? Wir haben zwar Rekordgewinne, aber nach lang anhaltender Stagnation mit gerade mal um die zwei Prozent Wachstum noch lange keine dynamische Wirtschaft und schon gar keine Dynamik auf dem Arbeitsmarkt.<\/p><p>Spricht es f&uuml;r eine &bdquo;stabile&ldquo; oder (wie es an anderer Stelle hei&szlig;t) f&uuml;r eine &bdquo;lebendige&ldquo; Demokratie, wenn in der Amtszeit von Schr&ouml;der von Wahl zu Wahl &bdquo;historisch niedrige&ldquo; Wahlbeteiligungen zu verzeichnen waren und der W&auml;hlerblock der Nichtw&auml;hler inzwischen deutlich gr&ouml;&szlig;er ist als die Stimmenanteile f&uuml;r die jeweiligen &bdquo;Sieger&ldquo;-Parteien? Was bieten die SPD-Spitzenpolitiker dagegen an, dass weit &uuml;ber die H&auml;lfte der Bev&ouml;lkerung mit <a href=\"?p=1834\">dem Funktionieren der Demokratie bei uns unzufrieden ist<\/a>. Dass nach einer neuen Umfrage von Emnid jede siebte Frau und 9 Prozent der M&auml;nner dazu neigen, rechtsextreme Parteien zu w&auml;hlen; dass ausgerechnet Platzeck in seinem Bundesland &bdquo;no-go-areas&ldquo; f&uuml;r Ausl&auml;nder hat, interessiert offenbar nicht. Hauptsache, man kann von &bdquo;stabiler Demokratie&ldquo; schwadronieren.<\/p><p>Da wird dar&uuml;ber fabuliert, dass soziale Sicherheit &bdquo;weiter&ldquo; stabilisiert und verstetigt werden sollen. Haben die Autoren noch nichts davon geh&ouml;rt, dass das einzige, was sich zu stabilisieren und zu verfestigen droht, die Armut und dabei vor allem die Kinderarmut ist? Haben sie nicht zur Kenntnis genommen, dass eine &uuml;berw&auml;ltigende Mehrheit in der Bev&ouml;lkerung der Meinung ist, dass seit der Agenda 2010 die soziale Sicherheit abgenommen hat? Und das ist ja nicht nur eine Stimmung in der Bev&ouml;lkerung, das l&auml;sst sich mit harten Zahlen belegen: Der Arbeitslosigkeit folgt nach einem Jahr der Absturz in die Bed&uuml;rftigkeit des Alg II. Selbst der sozialdemokratische Sozialminister verk&uuml;ndet doch landauf landab, dass die gesetzliche Rente nicht mehr armutsfest ist. Diese Entwicklung soll also stabilisiert und verfestigt werden? Oder wird irgendwo in dem Text ein Ausweg auch nur angedeutet?<\/p><p>Genauso neben der Wirklichkeit liegt die Behauptung, dass die &bdquo;Arbeitsmarkt- und Sozialreformen der Agenda 2010 die entscheidende Grundlage daf&uuml;r gelegt hat, dass inzwischen Hunderttausende Menschen neue Arbeitspl&auml;tze gefunden haben&ldquo;. Eher das Gegenteil ist richtig, denn die Entwicklung von Arbeitslosigkeit und Besch&auml;ftigung im aktuellen Konjunkturverlauf ist verglichen mit dem Aufschwung vor der Agenda <a href=\"?p=2578\">eher ung&uuml;nstiger<\/a>.<br>\nGeradezu l&auml;cherlich machen sich unsere Schr&ouml;derfans, wenn sie schreiben, seine Regierung habe in Deutschland &bdquo;den &uuml;berf&auml;lligen Paradigmenwechsel zu einer nachhaltigen Familienpolitik eingeleitet&ldquo;. &Uuml;ber dieses Lob w&uuml;rde selbst unser &bdquo;Ged&ouml;ns&ldquo;-Kanzler in sein ber&uuml;hmtes Haifischlachen ausbrechen.<\/p><p>Es sind gerade mal zwei Angebote die in dem Text gemacht werden: Erstens, der Paradigmenwechsel vom angeblich &bdquo;nachsorgenden&ldquo; oder &bdquo;reparierenden&ldquo; Sozialstaat zum &bdquo;vorsorgenden und investiven&ldquo; Sozialstaat. Und zweitens das &bdquo;ursozialdemokratische Versprechen des individuellen Aufstiegs durch Leistung&ldquo;.<\/p><p>Oh, k&ouml;nnten die Autoren doch nur ein einziges Beispiel daf&uuml;r nennen, wo w&auml;hrend der letzten 9 Jahre unter sozialdemokratischer Regierungsbeteiligung &bdquo;die Perspektive sozialen Fortschritts und gleicher Freiheit grunds&auml;tzlich allen unabh&auml;ngig von ihrer Herkunft&ldquo; wenigstens ein St&uuml;ckchen weiter ge&ouml;ffnet wurde.<\/p><p>Und hatten wir, bevor der neue Begriff vom &bdquo;vorsorgenden Sozialstaat&ldquo; erfunden wurde, etwa einen &bdquo;Nachsorgestaat&ldquo;? Hatten wir nicht vielmehr einen Sozialstaat, der soziale Sicherheit und Schutz vor den elementaren Lebensrisiken gew&auml;hrleisten sollte? Wollte der Sozialstaat vor seinem &bdquo;Umbau&ldquo; wirklich bevormunden, oder wollte er nicht vielmehr vor einem Verlust an Teilhabe absichern und damit den von den Autoren beschworenen &bdquo;gesellschaftlichen Zusammenhalt&ldquo; bewahren?<br>\nGing der Sozialstaat, so wie er &uuml;ber 150 Jahre von Sozialdemokraten und Gewerkschaften erk&auml;mpft wurde, nicht in viel st&auml;rkerem Ma&szlig;e von einer &bdquo;Eigenverantwortlichkeit&ldquo; aus, als die neue Wortsch&ouml;pfung vom &bdquo;vorsorgenden Sozialstaat&ldquo;? Letzterer begreift sich ja als &bdquo;aktivierender&ldquo; Sozialstaat, der sich so viel darauf zugute h&auml;lt, von seinen B&uuml;rgern eine permanente Anpassung an den &bdquo;Wandel&ldquo;, die st&auml;ndige Weiterqualifikation und stete Bereitschaft zur Flexibilit&auml;t zu verlangen. Aber wenn dann doch jemand aus dem Arbeitsprozess verdr&auml;ngt wird, setzt dieser &bdquo;aktivierende&ldquo; Sozialstaat &ouml;konomischen Zwang zur Aus&uuml;bung auch unzumutbarer Arbeit ein; wer das nicht schafft, den gibt er der Bed&uuml;rftigkeit anheim. So sieht also die Bef&auml;higung zum &bdquo;Leben aus eigener Kraft&ldquo; im vorsorgenden Sozialstaat aus.<\/p><p>Solange jedenfalls von den &bdquo;pr&auml;ventiven&ldquo; Investitionen f&uuml;r &bdquo;gute und gleiche Lebenschancen&ldquo; nichts zu erkennen ist, solange ist der &bdquo;Paradigmenwechsel&ldquo; in den &bdquo;vorsorgenden Sozialstaat&ldquo; nicht mehr als eine Worth&uuml;lse. Eine Worth&uuml;lse, die das Scheitern einer Politik des sog. &bdquo;Umbaus&ldquo; des Sozialstaats verdecken und die Opfer einer verfehlten sozialdemokratischen Politik auf den Sankt-Nimmerleins-Tag vertr&ouml;sten soll.<\/p><p><em><strong>Mein Fazit:<\/strong> Das Ziel einer solchen &bdquo;sozialen Demokratie&ldquo;, wie von Platzeck, Steinmeier und Steinbr&uuml;ck angestrebt, bedeutet eine Abkehr von der &bdquo;Sozialdemokratie&ldquo; und zugleich die Aufk&uuml;ndigung des &bdquo;demokratischen Sozialismus&ldquo;, wie er noch in fr&uuml;heren Parteiprogrammen als Ziel genannt wurde.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alles ist gut! Wir machen alles richtig! Wir sind besser als die anderen! Wir waren und wir bleiben auf der &bdquo;H&ouml;he der Zeit&ldquo;! So kann man die selbstbeweihr&auml;uchernde <a href=\"http:\/\/www.sueddeutsche.de\/deutschland\/artikel\/4\/129781\/2\/print.html\">Einleitung<\/a> der designierten Parteivorsitzenden Steinmeier und Steinbr&uuml;ck unter Hilfestellung des zur&uuml;ckgetretenen SPD-Vorsitzenden Platzeck zu einem Buch &uuml;ber die Zukunft der Sozialdemokratie zusammenfassen. 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