{"id":25956,"date":"2015-05-05T13:22:20","date_gmt":"2015-05-05T11:22:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25956"},"modified":"2019-02-04T11:12:26","modified_gmt":"2019-02-04T10:12:26","slug":"so-schottet-sich-die-justiz-gegen-oeffentliche-kritik-ab-und-errichtet-mit-hilfe-von-medien-eine-mauer-des-schweigens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25956","title":{"rendered":"So schottet sich die \u201eJustiz\u201c  gegen \u00f6ffentliche Kritik ab und errichtet mit Hilfe von Medien eine Mauer des Schweigens"},"content":{"rendered":"<p>Davon berichtet Norbert Bl&uuml;m, Bundesminister a. D. und Autor des im Westend Verlag erschienenen Buches &uuml;ber die aus seiner Sicht herrschende Willk&uuml;r an deutschen Gerichten. Was ist geschehen: 1. Sein Buch &bdquo;Einspruch &ndash; Wider die Willk&uuml;r an deutschen Gerichten&ldquo; wurde vom Bundesrichter Professor Dr. Thomas Fischer <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2014\/45\/norbert-bluem-einspruch-justiz\">in der &bdquo;Zeit&ldquo; vehement rezensiert<\/a>. 2. Norbert Bl&uuml;m bot der &bdquo;Zeit&ldquo; eine Entgegnung an. Diese wurde nicht aufgenommen. 3. Bl&uuml;m bot dem Bundesrichter einen &ouml;ffentlichen Disput an. Dieses Angebot wurde zun&auml;chst angenommen und dann verweigert. 4. Daraufhin versuchte Norbert Bl&uuml;m, seine Entgegnung beim Berliner Tagesspiegel, bei der Frankfurter Zeitung am Sonntag (FAS) und bei der TAZ unterzubringen. Auch diese lehnten ab. Das ist angesichts der Dringlichkeit des Themas h&ouml;chst erstaunlich. Normalerweise suchen Bl&auml;tter interessante Texte. Wir dokumentieren die Entgegnung Norbert Bl&uuml;ms. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Nachspiel<\/strong><\/p><p>Bemerkungen zu &bdquo;Einspruch: Wider die Willk&uuml;r an deutschen Gerichten&ldquo;<\/p><p>von Norbert Bl&uuml;m<\/p><p>Noch nie habe ich so viele Briefe erhalten wie nach dem Erscheinen meines Buches &bdquo;Einspruch: Wider die Willk&uuml;r an deutschen Gerichten&ldquo;. Es sind viele hunderte von Briefen. Ich habe sie nicht gez&auml;hlt, aber alle gelesen. Die meisten Briefe sind verzweifelte Notschreie oder letzte Hilferufe.<\/p><p>Wenn nur ein F&uuml;nftel der Klagen, die mich erreichen stimmt, dann ist &bdquo;Land unter&ldquo; im Rechtsstaat Deutschland. <\/p><p>Ich f&uuml;hle mich so hilflos wie die Briefeschreiber. So muss es in einem Rettungsboot zugehen, das &uuml;berf&uuml;llt ist und keine weiteren Schiffbr&uuml;chigen aufnehmen kann.<\/p><p>Wer es mit dem &bdquo;System&ldquo; verdorben hat, vom Pech betroffen, einen Rechtsanwalt an seiner Seite hat, der nichts kann oder nichts will, oder es gar mit einem Richter zu tun bekommt, der seine Ressentiments nicht zu b&auml;ndigen vermag und zudem auch noch faul ist, der kann alle Hoffnung fahren lassen.<\/p><p><strong>Justiz: die Prinzessin auf der Erbse<\/strong><\/p><p>Von keinem Zweifel an sich selbst erfasst, verbarrikadiert sich das Justizsystem hinter seiner Unabh&auml;ngigkeit. Gott wei&szlig; alles. Mancher Richter wei&szlig; alles besser.<\/p><p>&bdquo;Das Buch strotzt voller Unwahrheiten&ldquo; schreit einer in dem Saal, in dem ich gerade aus dem Buch vorgelesen habe. Er ist jedoch nicht in der Lage, kulanterweise wenigstens zwei oder drei F&auml;lle aus der angeblich strotzenden Menge der Unwahrheiten zu nennen. Ein anderer behauptet k&uuml;hn, das Buch sei ohne jede Recherche geschrieben. Woher wei&szlig; er das? Urteil ohne Beweisaufnahme. Viele Jahre habe ich an dem Buch gearbeitet. Behauptung ist schon Begr&uuml;ndung. Wer k&uuml;mmert sich schon um Wahrheit?<\/p><p>&bdquo;Die Wahrheit interessiert mich nicht&ldquo; hatte ein Richter behauptet, den das Verfassungsgericht r&uuml;gte, allerdings erst nachdem zwei Instanzen ihn zuvor ungeschoren davonkommen lie&szlig;en. Was w&uuml;rde passieren, wenn ein Arzt feststellte: &bdquo;Die Diagnose interessiert mich nicht&ldquo;? Wahrscheinlich w&uuml;rde er die Approbation verlieren. K&ouml;nnen Richter sich alles leisten? <\/p><p>An drei Orten verlie&szlig;en Richter mit betr&auml;chtlichem akustischen Aufwand den Saal, in dem ich das Buch vorgestellt hatte, bereits bevor die Diskussion begonnen hatte. Zweifel an ihrer Amtsf&uuml;hrung sind offenbar nicht zumutbar. Die hohen Herren sind das nicht gewohnt. <\/p><p>&Uuml;ber alles kann in der offenen Gesellschaft diskutiert werden, nur Richter und ihre Urteile sind gleichsam tabu. Richterschelte ist sogar gef&auml;hrlich. Das Strafrecht winkt. Die Prinzessin auf der Erbse war ein Dickh&auml;uter im Vergleich zur richterlichen Empfindlichkeit.<\/p><p>Ich soll mich doch in Afrika, Asien, Lateinamerika oder sonstwo in der Dritten Welt umsehen, um zu erkennen, wie gut der deutsche Rechtsstaat sei. Das bekomme ich oft entgegengehalten. Da werden Erinnerungen wieder wach an alte  Zeiten des Kalten Krieges, in denen Kritikern empfohlen wurde: &bdquo;Geht doch r&uuml;ber, wenn es euch hier nicht gef&auml;llt!&ldquo;.<\/p><p>Es beruhigt mich auch der Trost nicht, unser Recht sei &bdquo;in Ordnung&ldquo;, wenn seine Anwender unordentlich sind. Die Praxis entscheidet schlie&szlig;lich &uuml;ber den Zustand der Gerechtigkeit. Es ist auch keine Beruhigung f&uuml;r mich, wenn manche Richter und Anw&auml;lte mir nach der Veranstaltung streng vertraulich zufl&uuml;stern: Sie haben Recht, es ist etwas faul im Rechtsstaat Deutschland.<\/p><p>Warum aber meldet sich keiner zu Wort? <\/p><p>Was mich allerdings &uuml;berrascht (und best&auml;tigt), ist die ungehemmte Aggression, mit der Spitzenrepr&auml;sentanten der Justiz auf das Buch reagieren. &bdquo;Der Fisch stinkt vom Kopf&ldquo; behauptet der Volksmund, aus dem bekanntlich generationenerprobte Weisheit spricht.<\/p><p><strong>Richter Fischer: von Gottes Gnaden?<\/strong><\/p><p>Professor Dr. Thomas Fischer, Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof, schreibt in der ZEIT, deren Starjurist er offensichtlich ist, eine fulminante Kritik meines Buches. Man muss es zu sch&auml;tzen wissen, dass ein so vielbesch&auml;ftigter Mann wie Richter Fischer, der mit 600 Revisionen im Jahr &ndash; wie er voll Selbstmitleid klagte &ndash; so &uuml;berlastet ist, dass er &bdquo;weder Zeit noch Lust hat auch noch in den Landgerichten nachzuschauen, ob dort vielleicht eine Spur &uuml;bersehen wurde&ldquo;, dennoch Zeit findet, Bl&uuml;m in der ZEIT seine Zeilen zu g&ouml;nnen, um nebenbei seinen Sachverstand gl&auml;nzen zu lassen.<\/p><p>Aber ausgerechnet &bdquo;Zur Sache&ldquo; bietet Richter Fischer zwischen wenig und nichts. Ad personam ist offensichtlich sein Hobby. Er konzentriert sich auf Personalfeststellungen. Im Fischerschen Panoptikum bin ich &bdquo;eine liebenswerte M&auml;rchenfigur&ldquo; und mit der F&auml;higkeit ausgestattet, &bdquo;fr&uuml;hkindliche Ahnungslosigkeit zu simulieren&ldquo;. Es gelingt Bl&uuml;m nach Fischer, &bdquo;den Geruch von Alt&ouml;l und Waschpaste aus den Werkshallen seiner Jugend zu verbreiten&ldquo;. Als &bdquo;Robin Bl&uuml;m von Locksley&ldquo; verteidigt er &bdquo;der Oma ihr klein H&auml;uschen, als habe er es mit eigenen H&auml;nden errichtet&ldquo; stellt Fischer fest.<\/p><p>Nach dieser habituellen, olfaktorischen und historischen Einordnung wendet sich Richter Fischer spekulativ meinen Einkommensverh&auml;ltnissen zu und behauptet k&uuml;hn, &bdquo;vom Wert des Bl&uuml;mschen Einkommens k&ouml;nnen f&uuml;nf Rechtspfleger und drei Sozialrichter leben&ldquo;. Er f&uuml;gt einf&uuml;hlsam hinzu &bdquo;das Richtergehalt sei die Belohnung daf&uuml;r, dass sie Jahrzehnte lang versucht haben, des Ministers Eingebungen halbwegs verl&auml;sslich in Rechtspraxis umzusetzen.&ldquo;<\/p><p>Des Richters Kenntnis der Gewaltenteilung scheint verbesserungsf&auml;hig. Jedenfalls entspricht sie nicht dem letzten Stand der Entwicklung, nach der des Ministers Eingebungen noch lange nicht Gesetz sind.<\/p><p><strong>Hoppla: im Zitat vergriffen!<\/strong><\/p><p>Die Verl&auml;sslichkeit der Fischerschen Beweisf&uuml;hrung l&auml;sst im &uuml;brigen zu w&uuml;nschen &uuml;brig. Sie ist mangelhaft, um nicht zu sagen schludrig. Das Zitat &bdquo;Vom Recht versteht er zwischen Nichts und Wenig&ldquo; ordnet Fischer als &bdquo;radikales Bekenntnis&ldquo; dem Vorwort meines inkriminierten Buches zu. <\/p><p>&bdquo;Sorry Euer Ehren&ldquo; &ndash; das Zitat befindet sich weder im Vor- noch im Nachwort noch sonstwo in dem Buch. Es ist peinlich f&uuml;r Fischer und auch f&uuml;r die ZEIT, dass aus dem falschen Zitat sogar ungepr&uuml;ft die &Uuml;berschrift f&uuml;r die Buchbesprechung gemacht wurde. Blinder Eifer und devote Verehrung eines Autors vernebelt offenbar auch die liberale Sichtweise einer angesehenen Wochenzeitung. <\/p><p>Richtig hei&szlig;t es in dem Buch: &bdquo;Von Justiz verstehe ich wenig bis nichts&ldquo;. <\/p><p>Zwischen &bdquo;Recht&ldquo; und &bdquo;Justiz&ldquo; klafft eine spezifische Differenz, die der Rezensent leichtfertig &uuml;bersah.<\/p><p>Oder ist der Vorsitzende Richter, Prof. Dr. Thomas Fischer, in der Hast seiner Verfolgungsjagd gar zum Opfer einer Freudschen Fehlleistung geworden, indem er sich selbst und seine juristische Funktion mit &bdquo;Recht&ldquo; verwechselt? Der Richter als Verk&ouml;rperung des Rechts ist jedoch ein Missverst&auml;ndnis.<\/p><p>Einen langen Brief schreibt Fischer einem Leserbriefschreiber, der mit dem Res&uuml;mee endet: Mein Buch sei aus Marktkalk&uuml;l geschrieben. &bdquo;Man verkauft 2.500 B&uuml;cher und kriegt f&uuml;r jedes Exemplar 1 Euro&ldquo;. Woher kennt der Herr Richter meine Motivation und dazu auch noch Auflagenzahl und Honorar? Aus der Luft gegriffen. Das scheint das bevorzugte Reservoir zu sein, aus dem Herr Richter seine Beweise entnimmt. <\/p><p>Wenn Herr Richter Fischer so leichtfertig argumentiert und so schlampig vor Gericht agiert wie in seiner Besprechung, dann Gnade Gott dem armen Kerl, der vor Gericht in seine H&auml;nde f&auml;llt. <\/p><p>Fischers St&auml;rke ist nicht die Beweisf&uuml;hrung, seine Begabung liegt mehr in der Diffamierung.<\/p><p>Feige ist er au&szlig;erdem. Die Einladung zu einem &ouml;ffentlichen Disput nimmt er an, um sie Stunden sp&auml;ter wieder mit einer armseligen Ausflucht zur&uuml;ckzunehmen, ich h&auml;tte die Einladung seiner Chefin, der Pr&auml;sidentin des Bundesgerichtshofes, &bdquo;zugeleitet&ldquo;. Er f&uuml;gt der falschen Behauptung noch die Vermutung hinzu, damit eine &bdquo;Einsch&uuml;chterung&ldquo; zu verbinden, um &bdquo;meine Machtposition zu demonstrieren&ldquo;. Wie kann man mit einer h&ouml;flichen Einladung Machtpositionen verbinden?<\/p><p>Wie kommt man mit solchen Kindereien auf h&ouml;chste Richterst&uuml;hle? Richter Fischer teilt die paradoxe F&auml;higkeit, stark im Austeilen, aber schwach im Nehmen zu sein, mit der Kondition vieler Meisterboxer, deren Schlagkraft enorm, aber ihr Kinn empfindsam ist. Versteckt sich hinter diesen Konstellationen vielleicht eine professionelle Deformation, die man als richterliche Berufskrankheit bezeichnen k&ouml;nnte?<\/p><p><strong>Berufskrankheiten<\/strong><\/p><p>Berufskrankheiten markieren Anf&auml;lligkeiten von Schwachstellen eines Berufes. Bergleute sind z.B. durch die Staublunge gef&auml;hrdet. Politiker, die um Mehrheiten k&auml;mpfen, stehen in der Versuchung, dem Volk nach dem Maul zu reden.<\/p><p>Die Krankheitsgefahren f&uuml;r Richter lauern an anderen Stellen. Die Unabh&auml;ngigkeit der Richter verleitet offenbar manche Amtsinhaber, sich f&uuml;r &bdquo;unantastbar&ldquo; zu halten. So schnell passiert einem Richter als Konsequenz aus Fehlleistungen auch nichts. Vor wem sollte er sich auch in Acht nehmen m&uuml;ssen? Eher wird ein Mensch vom Blitzschlag erwischt als ein Richter von Entlassung bedroht, stellt Felix Merth fest, der es wissen muss. Er ist selber Richter am Oberlandesgericht Schleswig und dort f&uuml;rs Personal zust&auml;ndig. <\/p><p><strong>Die justiziable Trinit&auml;t: unabh&auml;ngig, unantastbar, &uuml;berheblich?<\/strong><\/p><p>Richter sind unabh&auml;ngig. Unabh&auml;ngigkeit schl&auml;gt leicht in &Uuml;berheblichkeit um, wenn sie sich als Unangreifbarkeit versteht. David Jungblut, ein junger resignierter Richter, nennt diese Gefahr &bdquo;amtsanma&szlig;ende Ignoranz&ldquo;. Ein erfahrener und international renommierter Rechtsanwalt schreibt mir: &bdquo;Was ich in meiner Berufszeit bei Richtern an Selbstdarstellung, fachlicher &Uuml;berforderung, eklatanter Indisponiertheit, fallbezogener Unf&auml;higkeit und offener Bequemlichkeit erlebt habe, tr&auml;gt kabarettreife Z&uuml;ge&hellip;&ldquo; &bdquo;Jeder Richter richtet im Schutze seiner weitgehend instrumentalisierten Unantastbarkeit die eigene berufliche Charakterdarbietung selbstbez&uuml;glich ein&ldquo;. <\/p><p><strong>Fehlende Selbsterkenntnis versperrt den Weg zur Besserung<\/strong><\/p><p>Nicht die Fehlurteile &bdquo;Mollath, W&ouml;rz, Gill, Arnold, Rupp, Uhlac&ldquo; sind die eigentlichen Skandale, sondern die Unwilligkeit des Systems, Fehler aufzusp&uuml;ren und die Bockigkeit, sie zu korigieren. Selbst wenn die Fehler offenkundig geworden sind, Zeugen ihre L&uuml;gen zugeben, Gutachter sich bis auf die Knochen blamiert haben, ganze Aufkl&auml;rungsgeb&auml;ude zusammenkrachen, dauert es oft Jahre, bis der Verurteilte rehabilitiert ist. Fehler zugeben geh&ouml;rt nicht zu den Tugenden, die Richter und Staatsanw&auml;lte &uuml;ben. Acht Jahre musste W&ouml;rz auf Gerechtigkeit warten, nachdem ein Zivilgericht den gleichen Sachverhalt anders beurteilt hatte als drei Jahre zuvor das Strafgericht. Gill harrte f&uuml;nf Jahre seiner Rehabilitation, nachdem seine Tochter zugegeben hatte, dass die Verurteilung ihres Vaters auf ihrer L&uuml;ge beruhte. Arnold erreichte die Entsch&auml;digung gar nicht mehr, er starb als Hartz-IV-Empf&auml;nger. Das Gericht hatte sich zuviel Zeit f&uuml;r die Wiedergutmachung des Schadens genommen, den es angerichtet hatte. <\/p><p>Es fehlt im Justizsystem eine Kultur, welche das Eingest&auml;ndnis von Fehlern nicht wie eine Schande behandelt.<\/p><p><strong>Richter ohne Gewissensbisse<\/strong><\/p><p>Wenn Ralf Eschenbach, Richter am Bundesgerichtshof, annimmt, dass jedes vierte Strafurteil nicht stimmt, und wenn die Fernuniversit&auml;t Hagen nach einer ausf&uuml;hrlichen Untersuchung jedes zweite Urteil an Familiengerichten f&uuml;r fehlerhaft h&auml;lt, dann steht das in schreiendem Kontrast zur Selbstzufriedenheit der Richter. Dass dreiviertel von f&uuml;nfhundert befragten Strafrichtern nie oder selten Zweifel an ihren Urteilen haben, bereitet mir Angst. Richter, denen die Sensibilit&auml;t  f&uuml;r Gewissensbisse abhanden gekommen ist, gef&auml;hrden unser System. Als Holzf&auml;ller oder Steinbrucharbeiter w&auml;ren sie ungef&auml;hrlich. Gerichtsurteile aber werden auf der d&uuml;nnen Haut von Menschen geschrieben. <\/p><p>Br&auml;sig-dumpf stellte einst Bundesrichter Armin Nack fest: &bdquo;Auch im Stra&szlig;enverkehr gibt es Unf&auml;lle, und nicht alle sind vermeidbar.&ldquo; Wenn eine Fluggesellschaft mit einem solchen Vergleich Flugzeugabst&uuml;rze kommentieren w&uuml;rde, gingen ihr die Flugg&auml;ste laufen. &bdquo;Ohne Fehlurteile m&uuml;sste man alle Angeklagten freisprechen&ldquo; r&auml;sonierte dieser Richter Nack. Ohne Abst&uuml;rze funktioniert der Flugbetrieb nur, wenn keine Flugzeuge starten, w&auml;re ein analoger fliegerischer Zynismus.<\/p><p>Im Unterschied zur Justiz wird im Flugverkehr akribische Fehleranalyse betrieben. Keine Kosten und M&uuml;hen werden gescheut, dem Fehler auf die Spur zu kommen. Wenn es sein muss, wird der Flugschreiber noch 6000 Meter unter der Meeresoberfl&auml;che gesucht. Auch anderswo pflegt man die Ursachenanalyse und zieht daraus Konsequenzen. Die Bundes&auml;rztekammer z&auml;hlt jeden Fehleingriff. Die Verkehrswacht ermittelt Jahr f&uuml;r Jahr die Zahl der Verkehrstoten und Verletzten, um daraus Schl&uuml;sse f&uuml;r die Unfallverh&uuml;tung herzuleiten. Vergleichbares Interesse der Justiz ist unbekannt. Die fatale Selbstgewissheit der Justiz gef&auml;hrdet das Vertrauen in die Rechtspflege.<\/p><p><strong>Recht und Ethik<\/strong><\/p><p>Vielleicht ist die Quelle der Verlotterung von Rechtssitten der Verfall des ethischen Rechtsbewusstseins. &bdquo;Erlaubt ist, was nicht verboten ist&ldquo; erkl&auml;rte der Vorsitzende der Ethikkommission der Bundesrechtsanwaltskammer Dr. Michael Krenzler. <\/p><p>Es gibt jedoch Sachen, die macht man nicht, auch wenn sie nicht verboten sind. Und es gibt Pflichten, die man einh&auml;lt, auch wenn die Verst&ouml;&szlig;e gegen sie nicht bestraft werden. Wenn alles, was richtig ist, erzwungen w&uuml;rde, schw&auml;nde Freiheit aus der Sittlichkeit und aus unserer Gesellschaft. Wir sollen das Gute tun, auch wenn wir es nicht tun m&uuml;ssen.<\/p><p>Das Recht ist auf Ethik auch deshalb angewiesen, weil das Leben mehr F&auml;lle kennt, als das Recht Gesetze. <\/p><p>Ein Rechtsstaat ohne Moral geht vor die Hunde, und Richter ohne moralische Autorit&auml;t verlieren die Achtung. Auf Achtung vor Richtern und Rechtsanw&auml;lten aber ist die Anerkennung des Rechtsstaates angewiesen.<\/p><p>Ein Hoffnungsschimmer erreichte mich: Der Vorsitzende des Richterbundes Frank und der Vizepr&auml;sident der Bundesrechtsanwaltskammer Dr. Krenzler stellten sich der Diskussion. Ist das der Beginn einer aufkl&auml;rerischen Morgend&auml;mmerung? <\/p><p>Ich gebe nicht auf!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Davon berichtet Norbert Bl&uuml;m, Bundesminister a. D. und Autor des im Westend Verlag erschienenen Buches &uuml;ber die aus seiner Sicht herrschende Willk&uuml;r an deutschen Gerichten. Was ist geschehen: 1. Sein Buch &bdquo;Einspruch &ndash; Wider die Willk&uuml;r an deutschen Gerichten&ldquo; wurde vom Bundesrichter Professor Dr. Thomas Fischer <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2014\/45\/norbert-bluem-einspruch-justiz\">in der &bdquo;Zeit&ldquo; vehement rezensiert<\/a>. 2. 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