{"id":25986,"date":"2015-05-07T08:57:37","date_gmt":"2015-05-07T06:57:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25986"},"modified":"2015-05-07T10:03:44","modified_gmt":"2015-05-07T08:03:44","slug":"zu-bluems-kritischen-aeusserungen-ueber-die-justiz-betr-die-bestellung-und-unabhaengigkeit-der-schoeffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25986","title":{"rendered":"Zu Bl\u00fcms kritischen \u00c4u\u00dferungen \u00fcber die Justiz \u2013 betr. die Bestellung und Unabh\u00e4ngigkeit der Sch\u00f6ffen"},"content":{"rendered":"<p>Zu unserem Beitrag &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25956\">die Abschottung der Justiz vor Kritik<\/a> kam vom NachDenkSeiten-Leser H. L. Laturell eine weiterf&uuml;hrende Erg&auml;nzung zur Diskussion. Er berichtet von seiner Erfahrung als Sch&ouml;ffe im Saarland. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nVor ein paar Jahren war ich Sch&ouml;ffe an einem saarl&auml;ndischen Gericht. Vor meiner ersten Verhandlung sprach ich den Richter darauf an, ob wir Sch&ouml;ffen nur Statisten, also Zuh&ouml;rer seien, oder uns auch mit Fragen an der Urteilsfindung beteiligen d&uuml;rften. Nat&uuml;rlich d&uuml;rften wir Sch&ouml;ffen auch Fragen stellen hie&szlig; es und das tat ich dann auch. Meine Mitsch&ouml;ffen blieben derweil allesamt stumm und verhielten sich eher passiv. Als ich dann in einem besonderen Fall gegen das Urteil eines Richters stimmte und meinen Mitsch&ouml;ffen auch noch davon &uuml;berzeugen konnte, hatte ich wohl das  Ma&szlig; &uuml;berschritten. Der Richter tat gekr&auml;nkt und meine bis Dato bereits festgelegten letzten Verhandlungstermine fielen pl&ouml;tzlich alle aus. Noch hatte ich keinen Verdacht und hielt es f&uuml;r normal.<\/p><p>Bei den n&auml;chsten und folgenden Sch&ouml;ffenwahlen kam ich nicht mehr zum Zug. Dann hatte ich beil&auml;ufig ein Gespr&auml;ch mit einem Rechtspfleger, schilderte dabei mein Erlebnis und bekam zur Antwort, dass das der Normalfall sei. Kein Richter wolle mit Sch&ouml;ffen zusammenarbeiten, die ihre Entscheidungen in Frage stellten oder sich gar mit eigenen Fragen in die Verhandlung einmischten, hie&szlig; es.<\/p><p>Nun ist es so, dass Sch&ouml;ffen gew&auml;hlt werden und die Wahl nicht immer auf die selben fallen kann, weil ja &ldquo;geheim&rdquo; bzw. &ldquo;anonym&rdquo;, glaubte ich. Ich bin dennoch verwundert, dass manche Sch&ouml;ffen immer wieder gew&auml;hlt werden, sozusagen unheimliches Gl&uuml;ck bei der Wahl haben. Meistens sind es dann Personen, die von den Parteien nach dem Parteienproporz zum Sch&ouml;ffen vorgeschlagen werden. Die erste Frage, die mir bei meiner allerersten Bewerbung zum Sch&ouml;ffen gestellt wurde war dann auch die: Welcher Partei geh&ouml;ren sie an?  Als ich damals sagte, dass ich keiner Partei angeh&ouml;re wurde mir gleich beschieden, dass ich wohl keine Aussicht auf eine Wahl zum Sch&ouml;ffen habe.<\/p><p>Es ist schon eine lange Zeit her, da wurde uns in er Schule gelehrt, dass Sch&ouml;ffen nach dem Zufallsprinzip ernannt werden und das Amt auch nicht ablehnen k&ouml;nnen. Zumindest das Zufallsprinzip scheint derweil abgeschafft und dem Parteienproporz geopfert worden zu sein. Nach meinen Erfahrungen als Sch&ouml;ffe in Prozessen habe ich inzwischen vor nichts mehr Angst, als vor Gericht einem faulen und tr&auml;gen, an der Wahrheitsfindung uninteressierten Richter ausgeliefert zu sein, der es zudem nicht ertr&auml;gt, wenn man ihm widerspricht. Wenn jetzt im Zuge, der vor dem Verfassungsgericht beklagten Richterbesoldung von einer besonderen Verantwortung der Richter die Rede ist, die es auch zu honorieren gilt, rollen sich mir ein wenig die Zehenn&auml;gel nach oben. Kein Richter wurde je wegen einen Fehlurteils zur Verantwortung gezogen und wem das Geld fehlt, sich durch die Instanzen zu boxen, der hat eben die Arschkarte.<\/p><p>H. L. Laturell.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zu unserem Beitrag &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25956\">die Abschottung der Justiz vor Kritik<\/a> kam vom NachDenkSeiten-Leser H. L. Laturell eine weiterf&uuml;hrende Erg&auml;nzung zur Diskussion. Er berichtet von seiner Erfahrung als Sch&ouml;ffe im Saarland. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[126,165,103],"tags":[930],"class_list":["post-25986","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-erosion-der-demokratie","category-innen-und-gesellschaftspolitik","category-leserbriefe","tag-justiz"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25986","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=25986"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25986\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":25988,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/25986\/revisions\/25988"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=25986"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=25986"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=25986"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}