{"id":2599,"date":"2007-08-30T12:34:39","date_gmt":"2007-08-30T10:34:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2599"},"modified":"2015-12-28T10:22:18","modified_gmt":"2015-12-28T09:22:18","slug":"deutsches-institut-fuer-altersvorsorge-verloren-im-dschungel-der-moeglichkeiten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2599","title":{"rendered":"Deutsches Institut f\u00fcr Altersvorsorge: &#8220;Verloren im Dschungel der M\u00f6glichkeiten&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Informationsdefizite, &Uuml;berforderungen durch Produkt- und F&ouml;rdervielfalt sowie Geldmangel sind die gr&ouml;&szlig;ten Hemmnisse f&uuml;r eine effektive und passgenaue Altersvorsorge. Zu diesem Ergebnis kommt eine <a href=\"http:\/\/www.dia-vorsorge.de\/pm000065c.htm\">aktuelle Untersuchung des Deutschen Instituts f&uuml;r Altersvorsorge (DIA)<\/a>. F&uuml;r die Studie wurden 26 Bundesb&uuml;rger im Alter von Ende 20 bis Mitte 40 vom Forschungsinstitut empirica (Berlin) im Auftrag des DIA jeweils bis zu zwei Stunden befragt. Das Ergebnis: Die Komplexit&auml;t der Materie und die verwirrende Vielfalt der F&ouml;rderwege sowie die Furcht vor einer falschen Anlageentscheidung und einer langfristigen Festlegung schrecken vom Abschluss eines Altersvorsorgevertrags ab.<br>\nWieder einmal ein typisches PR-Machwerk als &ldquo;Studie&rdquo; getarnt. Wolfgang Lieb<br>\n<!--more--><br>\n&Uuml;ber Sinn und Zweck seines Schaffens gibt das DIA dankenswerterweise auf den <a href=\"http:\/\/www.dia-vorsorge.de\/institut.htm\">eigenen Seiten<\/a> Auskunft: &ldquo;Ziel des Instituts ist es, Chancen und Risiken der staatlichen Altersversorgung bewusst zu machen und die private Initiative zu f&ouml;rdern.&rdquo;<br>\nGesellschafter des Instituts sind die Deutsche Bank AG, Deutsche Bank Bauspar AG, DWS Investment GmbH und Deutscher Herold AG, Kooperationspartner ist die Deutsche Bank Privat- und Gesch&auml;ftskunden AG.<br>\nSprecher des DIA ist Bernd Katzenstein, er ist gleichzeitig <a href=\"http:\/\/wwww.berndkatzenstein.de\/magazine.html\">Chefredakteur des Kundenmagazins &bdquo;Forum&ldquo; des Finanzdienstleisters MLP AG<\/a>. Soviel zum erkenntnisleitenden Interesse des Auftraggebers der &bdquo;Studie&ldquo;. <\/p><p>Die Befragung der 26 Bundesb&uuml;rger wurde vom privaten Forschungsinstitut &bdquo;empirica&ldquo; durchgef&uuml;hrt. Ein Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich <a href=\"http:\/\/www.empirica-institut.de\/empi2007\/startseite.html\">&ldquo;Verm&ouml;gensbildung und Altersvorsorge&rdquo;<\/a>. Das Institut bekommt deshalb schon gerne mal einen Auftrag vom DIA, so etwa zum Thema <a href=\"http:\/\/www.empirica-institut.de\/cgi\/plist2007.pl?searchstring=Wirtschaftspolitik\">&bdquo;Mehr Altersvorsorge durch k&uuml;rzere Ausbildungszeiten&ldquo;<\/a>.<br>\nAufsichtsratsvorsitzender und Mitbegr&uuml;nder dieses Instituts ist Ulrich Pfeiffer. Pfeiffer ist auch Sprecher des Managerkreises der Friedrich-Ebert-Stiftung. Die von diesem &bdquo;Managerkreis&ldquo; in den letzten Jahren ver&ouml;ffentlichten Papiere belegen &uuml;ber weite Strecken, dass sich die Mehrheit dieses Kreises als <a href=\"?p=254\">Lobby und Br&uuml;ckenkopf der neoliberalen Ideologie im Umfeld der SPD versteht<\/a>. In den Papieren des Managerkreises wird seit Jahren gefordert, das &bdquo;Rentenniveau abzusenken&ldquo; und die &bdquo;Privatvorsorge ausbauen&ldquo;.<br>\nSoviel zum erkenntnisleitenden Interesse des beauftragten Instituts.<\/p><p>Nun zur Sache:<\/p><p>Auch ohne Spezialkenntnisse in Umfragen, Studien etc. kann man die Zahl von 26 Befragten zur&uuml;ckhaltend formuliert als nicht sehr repr&auml;sentativ bezeichnen &ndash; da kann man sich auch nicht damit herausreden, dass die 26 Leute im Alter von Ende 20 bis Mitte 40 &bdquo;bis zu zwei Stunden&ldquo; befragt wurden. Nun gut, k&ouml;nnte man sagen, es handle sich ja nur um eine &bdquo;Pilotstudie&ldquo;, mit der man mal sondieren wollte, wie man eine richtige Studie anlegen m&uuml;sste.<br>\nAber warum muss man eine solche &bdquo;Pilotstudie&ldquo; ver&ouml;ffentlichen und dazu noch als Buch? Und warum muss die DIA daf&uuml;r werben und an die Presse gehen?<\/p><p>Letztlich ging es dabei eigentlich nur um Marktforschung f&uuml;r die Finanzwirtschaft:<br>\nEtwa ein Drittel der Befragten, vor allem Akademiker, geh&ouml;rten zu den &bdquo;potentiell Unterversorgten&ldquo;, hei&szlig;t es in der Ver&ouml;ffentlichung. &bdquo;Diese Gruppe ist nur mit sehr individuell zugeschnittenen und &auml;u&szlig;erst flexiblen Sparvertr&auml;gen zu &uuml;berzeugen&ldquo;, r&auml;t Pfeiffer.<br>\nWeitere 20 Prozent der Befragten s&auml;hen sich dazu schlicht finanziell nicht in der Lage. Die einen glaubten das allerdings nur, entdecken aber nach entsprechender Beratung noch Einsparpotentiale in ihrem aktuellen Konsumverhalten. <\/p><p>Die Adressaten dieser Ratschl&auml;ge zu &bdquo;individuell zugeschnittenen&ldquo; und &bdquo;&auml;u&szlig;erst flexiblen Sparvertr&auml;gen&ldquo; oder zu &bdquo;entsprechender Beratung&ldquo; &uuml;ber Einsparpotentiale in ihrem Konsumverhalten sind ziemlich klar &ndash; es k&ouml;nnen eigentlich nur die Finanzdienstleister sein.<\/p><p>Was es volkswirtschaftlich bedeutet, bei einer schwachen Binnennachfrage &ndash; dem Hauptproblem bei der gegenw&auml;rtigen Stabilisierung des Konjunkturaufschwungs &ndash; den Menschen einzureden, sie m&uuml;ssten noch mehr Abstriche bei ihrem Konsum machen, lassen wir hier einmal au&szlig;er Betracht. Zu mehr Arbeitspl&auml;tzen und h&ouml;heren L&ouml;hnen und damit zu mehr Beitr&auml;gen f&uuml;r die gesetzlichen Sicherungssysteme tr&uuml;ge ein solcher Konsumverzicht jedenfalls nicht gerade bei.<\/p><p>Bernd Katzenstein &ndash; wie gesagt Sprecher des DIA und Chefredakteur des MLP-Forums &ndash; zieht aus der Studie auch gleich die f&uuml;r seine Klientel und die Politik passenden Schl&uuml;sse:<br>\nEr pl&auml;diert angesichts der verwirrenden Vielzahl der F&ouml;rderwege und Vorsorgeprodukte f&uuml;r einfache L&ouml;sungen, &bdquo;so k&ouml;nnten beispielsweise zuk&uuml;nftige Gehaltserh&ouml;hungen komplett oder teilweise in Altersvorsorgepl&auml;ne umgeleitet werden&ldquo;. <\/p><p>Ja, das w&auml;re doch was: Die Gewerkschaften nehmen bei Tarifverhandlungen k&uuml;nftig die Vertreter der Versicherungswirtschaft mit an den Tisch, damit die Prozentpunkte, die in die Altersvorsorgepl&auml;ne umgelenkt werden sollten, m&ouml;glichst hoch ausfallen. Vielleicht k&ouml;nnten sie ja damit sogar ihre gegenw&auml;rtige Schw&auml;che gegen&uuml;ber dem Unternehmerlager wieder etwas kompensieren.<\/p><p>Am besten w&auml;re aber doch gleich ein verpflichtendes Gesetz, wonach Gehaltserh&ouml;hungen k&uuml;nftig &bdquo;komplett oder teilweise&ldquo; als Spielgeld im Casino der Investmentbanker eingesetzt werden. Denn &ndash; so wurde jedenfalls vor dem gegenw&auml;rtigen Crash fast &uuml;berall behauptet &ndash; auf den Finanzm&auml;rkten werden ja am effizientesten und profitabelsten die &ouml;konomische Werte geschaffen, und nicht etwa dadurch, dass sich die Arbeitnehmer von ihren L&ouml;hnen Waren und G&uuml;ter der (altert&uuml;mlichen) Real&ouml;konomie leisten k&ouml;nnen.<\/p><p>Verzicht auf Gehaltserh&ouml;hungen zugunsten des Umsatzes der Versicherungswirtschaft, das w&auml;re doch was f&uuml;r eine neue &Ouml;ffentlichkeitskampagne der Finanzdienstleister und ihrer PR-Agenturen. Und die Forschungslobbyisten von DIA oder empirica w&uuml;rden auch das noch mit Dutzenden von &bdquo;Studien&ldquo; als &bdquo;alternativloses&ldquo; Konzept f&uuml;r die Politik begr&uuml;nden. Man braucht dazu ja nur mal 26 Leute intensiv zu befragen.<\/p><p>Und man kann sich inzwischen wohl sicher sein, dass solche &bdquo;Studien&ldquo; in der &Ouml;ffentlichkeit als ernsthafte, wissenschaftliche Expertenmeinungen aufgenommen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Informationsdefizite, &Uuml;berforderungen durch Produkt- und F&ouml;rdervielfalt sowie Geldmangel sind die gr&ouml;&szlig;ten Hemmnisse f&uuml;r eine effektive und passgenaue Altersvorsorge. Zu diesem Ergebnis kommt eine <a href=\"http:\/\/www.dia-vorsorge.de\/pm000065c.htm\">aktuelle Untersuchung des Deutschen Instituts f&uuml;r Altersvorsorge (DIA)<\/a>. 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