{"id":26002,"date":"2015-05-08T11:21:47","date_gmt":"2015-05-08T09:21:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26002"},"modified":"2024-09-12T05:29:21","modified_gmt":"2024-09-12T03:29:21","slug":"die-welt-im-umbruch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26002","title":{"rendered":"Die Welt im Umbruch"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150508_scholz.jpg\" alt=\"Jochen Scholz\" title=\"Jochen Scholz\"><\/div><p>Das V&ouml;lkerrecht erodiert und das Recht des St&auml;rkeren wagt seine R&uuml;ckkehr auf die B&uuml;hne der Welt. Die sozialen Proteste <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18547\">nehmen zu<\/a> und die Armut in Deutschland w&auml;chst ungebremst an, sodass inzwischen <a href=\"http:\/\/www.n-tv.de\/politik\/12-5-Millionen-Deutsche-sind-arm-article14549586.html\">12,5 Millionen<\/a> Bundesb&uuml;rger als arm anzusehen sind. Der europ&auml;ische Wohlfahrtsstaat soll abgewickelt werden und ein neuer &bdquo;gro&szlig;er Krieg&ldquo; gegen Russland wird nicht nur diskutiert, sondern bereits <a href=\"http:\/\/de.sputniknews.com\/meinungen\/20141113\/269994380.html\">geprobt<\/a>. Oder, wie die ZEIT es beschreibt: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/2014\/37\/weltordnung-irak-syrien-ukraine-krieg\">&bdquo;Krieg, Terror, Vertreibung. Die alte Ordnung kollabiert. Wir leben in einer Zeitenwende.&ldquo;<\/a> &Uuml;ber diese sprach <strong>Jens Wernicke<\/strong> mit dem ehemaligen Berufsoffizier <strong>Jochen Scholz<\/strong>, der viele Jahre in NATO-Gremien t&auml;tig war.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Scholz, Sie arbeiten gerade an einem neuen Buch zur sich abzeichnenden &bdquo;<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Neue_Weltordnung\">neuen Weltordnung<\/a>&ldquo;. Was meinen Sie damit? Und worum wird es gehen?<\/strong> <\/p><p>So ganz stimmt das nicht, nicht nur, weil ich Esoterikern kein neues Futter geben m&ouml;chte. Der Arbeitstitel des Buches lautet: &bdquo;Das amerikanische Jahrhundert &ndash; 1944 bis ?&ldquo;. Wobei, wenn Sie mir dieses Bild gestatten, das Jahr der Konferenz von <a href=\"http:\/\/www.wirtschaftslexikon24.com\/d\/bretton-woods-abkommen\/bretton-woods-abkommen.htm\">Bretton Woods<\/a> gewisserma&szlig;en den Mittelpfeiler einer Br&uuml;cke bildet, deren Uferverankerung auf die Jahre 1893-1898 zur&uuml;ckgeht, und deren Endpunkt sich durch den sich allm&auml;hlich lichtenden Nebel bereits als Baustelle abzeichnet. <\/p><p>Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war die Expansion, &bdquo;Go West&ldquo; genannt, auf dem nordamerikanischen Kontinent abgeschlossen, &bdquo;the end of frontier&ldquo;, wie es der US-Historiker Frederick Jackson Turner einmal ausdr&uuml;ckte, also erreicht. Die amerikanische Wirtschaft war daher auf der Suche nach neuen Akkumulationsm&ouml;glichkeiten und Akademiker wie Turner lieferten f&uuml;r diese geographische Expansion die ideologischen Begr&uuml;ndungen, indem sie diese mit dem Anspruch der USA als <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/American_exceptionalism\">Ausnahmeerscheinung unter den Nationen<\/a> verbanden. <\/p><p>L&auml;sst man diese &Uuml;berh&ouml;hung jedoch beiseite, kommt das bekannte historische Muster von Staaten zum Vorschein, die nach ihrer territorialen Konsolidierung expandieren, also nichts Neues unter dem Himmel. <\/p><p>Mit dem Sturz der hawaiischen K&ouml;nigin Anfang 1893 kann man dann den Beginn des bis heute anhaltenden Ausgreifens &uuml;ber den eigenen Kontinent hinaus markieren, auch wenn Pr&auml;sident Harrisons Nachfolger Cleveland den Anschluss Hawaiis an die USA noch ablehnte. Und nach dem &bdquo;lovely little war&ldquo; gegen Spanien 1898, das den USA die Herrschaft &uuml;ber Kuba und die Philippinen einbrachte, gab es nie wieder ein Zur&uuml;ck nach 1893 oder davor, allenfalls noch Expansionspausen wie etwa jene nach dem Friedensvertrag von Versailles. <\/p><p>In meinem Buch m&ouml;chte ich diese Expansion mit globalem Anspruch nachzeichnen und nachweisen, dass dieser seit Beginn des 20. Jahrhunderts auch ein geopolitischer Vektor zugrunde liegt, der auf den eurasischen Kontinent zielt und unabh&auml;ngig von der jeweiligen Pr&auml;sidentschaft von den Prim&auml;reliten &ndash; der Begriff stammt von <a href=\"http:\/\/www.uni-muenster.de\/PeaCon\/krys.html\">Hans-J&uuml;rgen Krysmanski<\/a> &ndash; verfolgt wird. Der aktuelle Konflikt um die Ukraine ist hierf&uuml;r geradezu paradigmatisch. Die Tr&auml;ume der Neokonservativen um Paul Wolfowitz und Richard Perle in den 1990er Jahren, das amerikanische 20. Jahrhundert weit in das 21. hinein verl&auml;ngern zu k&ouml;nnen, sind mit dem Aufstieg von China, Indien, Brasilien und der Konsolidierung Russlands unter Putin zerstoben. <\/p><p>Dazu hat die US-Politik allerdings auch einen wesentlichen Eigenbeitrag geleistet, besonders mit der Geldpolitik. Anstatt etwa Prozesse wie jene um eine Neue Seidenstra&szlig;e, eine Neue Entwicklungsbank, das Contingent Reserve Arrangement der BRICS-Staaten oder jenen der Shanghai Cooperation Organisation konstruktiv mitzugestalten, propagiert die US-Politik nach wie vor ihren globalen F&uuml;hrungsanspruch. Wenn ich mich nicht sehr t&auml;usche, erleben wir in Deutschland und dem &ldquo;alten Europa&rdquo; seit Anfang Februar dieses Jahres diesbez&uuml;glich nun aber den Beginn eines au&szlig;enpolitischen Strategiewechsels, wie er zuletzt mit Egon Bahrs Rede am 15. Juli 1963 an der Evangelischen Akademie Tutzing &ndash; Stichwort <a href=\"http:\/\/www.1000dokumente.de\/index.html?c=dokument_de&amp;dokument=0091_bah&amp;object=abstract&amp;st=&amp;l=de\">&ldquo;Wandel durch Ann&auml;herung&rdquo;<\/a> &ndash; eingeleitet worden war. Ich meine den Minsk2-Prozess. Wird dieser Ansatz durchgehalten, steigen die Chancen, ein globales Chaos zu verhindern.&nbsp; &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/p><p><strong>Was genau ist dieser Minsk2-Prozess denn und inwiefern steht dieser f&uuml;r die genannte Ver&auml;nderung?<\/strong><\/p><p>Die wesentlichen Elemente: Er fand ohne Beteiligung der USA statt, er diente der Deeskalation, Russland wird k&uuml;nftig in die Verhandlungen zwischen der EU und der Ukraine eingebunden und die Vision des gemeinsamen Wirtschaftsraumes zwischen Lissabon und Wladiwostok wurde in die Abschlusserkl&auml;rung aufgenommen.<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Wieso liegen Ihnen ein &bdquo;Wandel durch Ann&auml;herung&ldquo; und eine gerechtere Weltordnung denn so am Herzen, wenn ich fragen darf?<\/strong><br>\n&nbsp;<br>\nNun, ich bin im Kalten Krieg aufgewachsen und war Berufsoffizier in der, wie ich sie gerne nenne, Baudissin-Armee. Der Generalleutnant und Friedensforscher Wolf Graf von Baudissin hat ma&szlig;geblich das Konzept des Staatsb&uuml;rgers in Uniform beim Aufbau der Bundeswehr gepr&auml;gt und hinsichtlich des beruflichen Selbstverst&auml;ndnisses des Soldaten in der Demokratie die Maxime vertreten, dass es seine vornehmste Aufgabe sei, Kriege zu <em>verhindern<\/em>. <\/p><p>Dies hat dann seinen Ausdruck im Soldatengesetz gefunden, dessen Paragraph 7 die Grundpflicht definiert, n&auml;mlich &ldquo;das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen&rdquo;. Diese eindeutige und ausschlie&szlig;liche Bindung des soldatischen Auftrags an das Grundgesetz mit seinem Friedensgebot wurde in einem schleichenden Prozess nach dem Ende des Ost-West-Konflikts jedoch ad acta gelegt. <\/p><p><strong>Inwiefern denn das?<\/strong><\/p><p>Denken Sie nur an die so genannten Verteidigungspolitischen Richtlinien und deren Gehalt, an den Umbau der Streitkr&auml;fte zur Interventionsarmee, die Beteiligung der Luftwaffe am V&ouml;lkerrechtsbruch 1999 in Jugoslawien und den Einsatz der deutschen Streitkr&auml;fte in Afghanistan im Rahmen der &ldquo;Operation Enduring Freedom&rdquo; im Jahr 2001. <\/p><p>Die UN-Sicherheitsrats-Resolutionen 1368 und 1373 vom September 2001 wurden hierzu passend uminterpretiert, um der &Ouml;ffentlichkeit den milit&auml;rischen Einsatz als Antwort auf den 11. September als grundgesetzkonform zu pr&auml;sentieren. Und der Deutsche Bundestag hatte mehrheitlich nichts gegen die Winkeladvokaten der damaligen Bundesregierung einzuwenden. <\/p><p>Nicht nur mir, auch zahlreichen meiner ehemaligen Kameraden, deren Berufsethos sich auf Baudissin gr&uuml;ndete, geht diese Entwicklung gewaltig gegen den Strich. Wir lehnen die &ldquo;Enttabuisierung des Milit&auml;rischen&rdquo;, wie Altkanzler Schr&ouml;der es nannte, entschieden ab, weil sie einen R&uuml;ckfall in Zeiten bedeutet, die wir l&auml;ngst &uuml;berwunden zu haben glaubten, also einen zivilisatorischen R&uuml;ckschritt. Ich empfehle zu dieser Thematik die <a href=\"http:\/\/www.peter-gauweiler.de\/pdf\/reden\/2014-06-04_hamburg.pdf\">Rede [PDF]<\/a> des CSU-Abgeordneten Dr. Gauweiler vor Offizieren der Helmut-Schmidt-Universit&auml;t Hamburg vom Sommer 2014, die an Klarheit und Deutlichkeit nichts zu w&uuml;nschen &uuml;brig l&auml;sst. <\/p><p>Hinzu kommt, dass die EU ihr Ansehen in der Welt als Friedensprojekt au&szlig;erhalb des Westens aufs Spiel setzt, wenn ihr Milit&auml;r zum ordin&auml;ren Instrument der Durchsetzung von US-Interessen degeneriert. Denn um nichts anderes ging es 1999, 2001 und geht es heute bei den Planungen der NATO f&uuml;r den Einsatz einer Schnellen Eingreiftruppe in den baltischen Staaten erneut. Wir Europ&auml;er in der EU m&uuml;ssen endlich begreifen, dass die einstige, weitgehende Interessenidentit&auml;t zwischen den USA und Westeuropa mit dem Ende der Systemauseinandersetzung definitiv zu Ende ist. Schaffen wir das nicht, beh&auml;lt Brzezinski recht, denn dann sind wir nicht mehr als Vasallen einer Weltmacht, die ihre Interessen gegen das V&ouml;lkerrecht und die Mehrheit der Weltbev&ouml;lkerung absolut setzt. <\/p><p><strong>Und welche Alternative ist denkbar f&uuml;r Sie? Wie k&ouml;nnte diese neue Weltordnung denn aussehen, wenn statt Kriegen mehr Dialog angezettelt wird?<\/strong><br>\n&nbsp;<br>\nHierf&uuml;r notwendig w&auml;re die Formung einer Welt, in der nicht mehr nur <em>eine<\/em> global aufgestellte Macht den Rest in jeder Hinsicht zu dominieren versucht. Diese ist allerdings an einige grundlegende Voraussetzungen gebunden&hellip; <\/p><p>Die USA m&uuml;ssten erstens ihren erst j&uuml;ngst in Obamas Rede zur Lage der Nation bekr&auml;ftigten weltweiten F&uuml;hrungsanspruch aufgeben und auch die &uuml;berhebliche &Uuml;berzeugung, eine &ldquo;au&szlig;ergew&ouml;hnliche&rdquo; und &ldquo;unverzichtbare&rdquo; Nation zu sein, die daraus Vorrechte ableiten d&uuml;rfe. <\/p><p>Sie m&uuml;ssten sich zweitens eingestehen, dass sie ohne die bislang bestehende, mehr oder minder freiwillige Bereitschaft der &uuml;brigen Welt, ihnen ihre Machtprojektion zu finanzieren, ihren Anspruch nicht aufrecherhalten k&ouml;nnen, der &uuml;brigens massiv zulasten der abh&auml;ngig Besch&auml;ftigten in den USA und der dortigen Mittelklasse geht. Der Pr&auml;sident des Council on Foreign Relations, Richard Haass, schrieb in einem <a href=\"http:\/\/askaboutpolitics.blogspot.de\/2008\/11\/from-newsweek-memo-to-president-elect.html\">Memorandum<\/a> an den k&uuml;nftigen Pr&auml;sidenten im November 2008: &ldquo;We must encourage others to continue to recycle their dollars here&mdash;in part by buying and investing in American companies. We require $2 billion a day just to stay afloat.&rdquo;<br>\n&nbsp;<br>\nDrittens m&uuml;ssten Europa und die aufstrebenden Staaten in der Welt die verheerenden Folgen der US-Politik stets vor Augen haben und einen anderen Weg beschreiten, n&auml;mlich den der internationalen Kooperation auf gleicher Augenh&ouml;he und der strikten Beachtung des V&ouml;lkerrechts, besonders eines absoluten Gewaltverzichts in den internationalen Beziehungen. Dazu muss die Welt nicht neu erfunden werden, denn die Instrumente sind mit den Vereinten Nationen, ihrer Charta, ihren Unterorganisationen und den Regionalen Abmachungen, wie der OSZE sowie der SCO schon lange vorhanden, sie m&uuml;ssen lediglich weiterentwickelt werden. <\/p><p>Viertens bedarf es einer v&ouml;lligen Neuordnung des internationalen Finanzsystems, was unter anderem mit der Abl&ouml;sung einer nationalen W&auml;hrung als Weltleitw&auml;hrung einhergehen muss und des Aufbaus einer gerechten Weltwirtschaftsordnung, von der alle Staaten gleicherma&szlig;en profitieren und in welcher die soziale Frage eine ma&szlig;gebliche Rolle spielt. Vorschl&auml;ge hierf&uuml;r gibt es zuhauf, beispielsweise bei Stephen Zarlengas <a href=\"http:\/\/www.monetary.org\/\">American Monetary Institute<\/a> sowie zahlreichen Forschungseinrichtungen weltweit. <\/p><p>Ich kann hier nur die unverzichtbaren Fundamente ansprechen, auf denen die Welt am Ende der Dominanz des Westens neu gestaltet werden muss, wenn dies nicht chaotisch ablaufen soll. Dazu muss der Westen insgesamt begreifen, dass die Phase abgelaufen ist, in der er seine Standards generell allen anderen &uuml;berst&uuml;lpen kann. Er sollte sich damit begn&uuml;gen, dass das von ihm entwickelte V&ouml;lkerrecht und die durch ihn gesetzten und kodifizierten individuellen Rechte weltweit Verbreitung gefunden haben. Vor allem jedoch sollte er sich selbst an seine Grunds&auml;tze halten. Die jahrhundertelange Phase der Ausbeutung der &uuml;brigen Welt ist definitiv vorbei. Tiefe Einsichten hierzu bietet Andre Gunder Franks Buch <a href=\"http:\/\/www.ucpress.edu\/book.php?isbn=9780520214743\">&ldquo;ReOrient- Gloabal Economy in the Asian Age&rdquo;<\/a>, das leider bisher nicht auf Deutsch erschienen ist. <\/p><p><strong>Und was bedeutet all das das f&uuml;r uns Deutsche und die Politik hierzulande?<\/strong> <\/p><p>Deutschland und die EU sind wegen ihrer Verbindungen zu den USA hier besonders gefordert, auf ihren Hauptverb&uuml;ndeten &ndash; &uuml;brigens in dessen wohlverstandenem eigenen Interesse &ndash; einzuwirken, seine Anma&szlig;ung durch eine realistische Einsch&auml;tzung der verbleibenden eigenen M&ouml;glichkeiten zu ersetzen. Wie die G&ouml;tter Hybris bestrafen, kennen wir ja aus der griechischen Mythologie. Willy Wimmer hat es vor einigen Jahren so ausgedr&uuml;ckt: &ldquo;Die Japaner waren auch schon einmal f&uuml;nf Meter gro&szlig;.&rdquo; <\/p><p>Die Welt mit der oben beschriebenen Zielsetzung neu zu ordnen, erfordert eine Initiative der gro&szlig;en Staaten und besonders der EU. Denn sie hat nach 1945 auf &uuml;berzeugende Weise nachgewiesen, dass einstige Todfeinde ihre unterschiedlichen Interessen in einem rechtlichen Rahmen mit friedlichen Mitteln zum Ausgleich bringen k&ouml;nnen. Insofern ist sie auch auf besondere Weise in der Pflicht, wenn es gilt, f&uuml;r ein k&uuml;nftiges friedliches Zusammenleben aller Staaten auf diesem Planeten die Initiative zu ergreifen. Zweifellos eine gigantische Aufgabe, denn die bisherigen Versuche einer Neuordnung bezogen sich immer nur auf eine Region der Welt und waren nach Kriegen notwendig geworden. <\/p><p>Auch f&uuml;r diese Aufgabe gibt es jedoch ein Vorbild, n&auml;mlich die Konferenz &uuml;ber Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, die fast zwei Jahre von 1973 bis 1975 tagte und ein ansehnliches Ergebnis erzielte, von dem wir heute noch zehren. Die Schaffung &ldquo;eines gemeinsamen humanit&auml;ren und wirtschaftlichen Raums vom Atlantik bis zum Pazifik auf der Grundlage der uneingeschr&auml;nkten Achtung des V&ouml;lkerrechts und der Prinzipien der OSZE&rdquo;, wie k&uuml;rzlich in Minsk vereinbart, k&ouml;nnte sich katalytisch auf die Etablierung eines Gremiums auswirken, das sich ein solches Ziel f&uuml;r die gesamte Staatenwelt setzt. Selbstverst&auml;ndlich m&uuml;ssen daran alle Staaten gleichberechtigt teilnehmen.&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Und wenn man sich nun f&uuml;r eine solche neue und gerechtere Welt einsetzen mag: Was kann denn ein jeder und eine jede von uns konkret tun? Was rieten Sie?<\/strong><\/p><p>Den J&uuml;ngeren unter uns rate ich dazu, ein wenig Zeit von den Aktivit&auml;ten in den sozialen Netzwerken abzuknapsen und sie f&uuml;r ein Engagement in der Friedensbewegung zu investieren. Zum Beispiel f&uuml;r die Veranstaltungen des &bdquo;<a href=\"http:\/\/friedenswinter.de\/\">Friedenswinters<\/a>&ldquo;. Denn die alte Friedensbewegung ist ein wenig in die Jahre gekommen. Das soll keine Kritik an der j&uuml;ngeren Generation sein. Ich wei&szlig; sehr wohl, dass diese Art der  Kommunikation sehr wichtig geworden ist. Man kann sich darin jedoch auch verlieren. <\/p><p>Wir befinden uns in einer ziemlich kritischen Lage, seit der Konflikt um die Ukraine angeheizt worden ist. Deswegen muss aus der Mitte der Bev&ouml;lkerung das Signal an die Politik ausgehen, dass diese eine Eskalationsstrategie <em>nicht<\/em> akzeptiert. <\/p><p>Dazu empfehle ich, sich angesichts des jammervollen Zustandes der deutschen Leitmedien aus alternativen Quellen zu informieren, wie in Deutschland etwa den NachSenkSeiten oder im englischsprachigen Raum etwa bei Counterpunch, Information Clearinghouse oder Consortium News, um nur einige zu nennen.<br>\n&nbsp;<br>\n<strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Jochen Scholz<\/strong> war bis 2000 Berufsoffizier in der Luftwaffe. In dieser Zeit war er unter anderem 12 Jahre in NATO-Gremien, 6 Jahre in multinationalen NATO-St&auml;ben sowie 6 Jahre im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg) t&auml;tig. Von 1999 bis 2011 war er Mitglied der &ldquo;Kommission Europ&auml;ische Sicherheit und Zukunft der Bundeswehr&rdquo; des Instituts f&uuml;r Friedensforschung und Sicherheitspolitik&nbsp;(IFSH) an der Universit&auml;t Hamburg. Wegen des Jugoslawienkrieges trat er aus der SPD aus.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterschauen und -lesen:<\/strong><\/p><p>Video: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=T3qiRn3tVpg\">Georg Schramm: Krieg Geld gegen Staaten<\/a><\/p><p>Video: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=cgkQXJ3mugY\">Daniele Ganser: Medial vermittelte Feindbilder und die Anschl&auml;ge vom 11. September 2001&#8232;<\/a><\/p><p>Video: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=708pvp0E9dI\">Noam Chomsky: How to create a terrorist&hellip;<\/a><\/p><p>Video: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=BPKc-hmNiaI\">Jochen Scholz: &bdquo;Nachhaltigkeit als Beitrag zur Konfliktpr&auml;vention&ldquo;<\/a><\/p><p>Artikel: <a href=\"http:\/\/www.hintergrund.de\/201412093333\/politik\/welt\/der-kampf-um-die-fuehrung-in-europa.html\">Jochen Scholz: &bdquo;Der Kampf um die F&uuml;hrung in Europa: Historisches und Aktuelles zum &sbquo;Kalten Krieg&lsquo;&ldquo;<\/a><\/p><p>Artikel: <a href=\"http:\/\/www.sopos.org\/aufsaetze\/47d95e62a04c6\/1.phtml\">Jochen Scholz: &bdquo;Und immer droht uns der Russe&hellip;&ldquo;<\/a><\/p><p>Artikel: <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/geheime-krieger\">Jochen Scholz: &bdquo;Geheime Krieger&ldquo;<\/a><\/p><p>Artikel: <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/der-freitag\/verdeckte-aktion-der-ruhigen-hand\">Jochen Scholz: &bdquo;Verdeckte Aktion der ruhigen Hand&ldquo;<\/a><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p>Eine automatische E-Mail-Benachrichtigung &uuml;ber neue Texte von Jens Wernicke k&ouml;nnen Sie <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">hier<\/a> bestellen.<br>\n<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/79690f5d132f4ffc9acd67af811496db\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150508_scholz.jpg\" alt=\"Jochen Scholz\" title=\"Jochen Scholz\"\/><\/div>\n<p>Das V&ouml;lkerrecht erodiert und das Recht des St&auml;rkeren wagt seine R&uuml;ckkehr auf die B&uuml;hne der Welt. Die sozialen Proteste <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18547\">nehmen zu<\/a> und die Armut in Deutschland w&auml;chst ungebremst an, sodass inzwischen <a href=\"http:\/\/www.n-tv.de\/politik\/12-5-Millionen-Deutsche-sind-arm-article14549586.html\">12,5 Millionen<\/a> Bundesb&uuml;rger als arm anzusehen sind. 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