{"id":26092,"date":"2015-05-13T15:07:20","date_gmt":"2015-05-13T13:07:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26092"},"modified":"2019-07-05T10:24:00","modified_gmt":"2019-07-05T08:24:00","slug":"die-lage-spitzt-sich-zu-zum-stand-der-verhandlungen-zwischen-athen-und-den-institutionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26092","title":{"rendered":"Die Lage spitzt sich zu \u2013 Zum Stand der Verhandlungen zwischen Athen und den \u201eInstitutionen\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Die H&auml;ngepartie zwischen Athen und den Finanzministern der EU geht weiter. Die innergriechischen Kontroversen &uuml;ber einen &bdquo;ehrenvollen Kompromiss&ldquo; nehmen zu.<br>\n<strong>Niels Kadritzke<\/strong> gibt einen &Uuml;berblick &uuml;ber den Stand der Verhandlungen zwischen Athen und den &bdquo;Institutionen&ldquo;. Er zeigt auf welche Ann&auml;herungen und Kompromisse bereits erreicht wurden und wo die wichtigsten Differenzen liegen und wie sie &uuml;berbr&uuml;ckt  oder entsch&auml;rft werden k&ouml;nnten.<br>\n<!--more--><br>\nDie finanzpolitische Unsicherheit hat negative Auswirkungen auf die Wirtschaft Griechenlands, laut ELSTAT ist das BIP im 1. Quartal um 0,2 Prozent gegen&uuml;ber dem vorigen Quartal zur&uuml;ckgegangen. Das l&auml;sst die Steuereinnahmen weiter schrumpfen und die Deckungsl&uuml;cke gr&ouml;&szlig;er werden. <\/p><p><strong>Eurofin-Treffen: Die H&auml;ngepartie geht weiter<\/strong><\/p><p>Auch nach dem Br&uuml;sseler Treffen der Euro-Finanzminister (Eurofin) vom Montag geht die H&auml;ngepartie in Sachen Griechenland weiter. Zwar haben die Kollegen von Varoufakis &bdquo;Fortschritte&ldquo; in den Verhandlungen und eine &bdquo;Beschleunigung&ldquo; des gesamten Prozesses konstatiert, aber zugleich wissen lassen, dass noch mehr Zeit und mehr Anstrengungen n&ouml;tig seien, &bdquo;um die Abst&auml;nde in den noch offenen Fragen zu &uuml;berbr&uuml;cken&ldquo;.<\/p><p>Es ist bezeichnend, dass sich die griechische Seite sowohl optimistischer als auch pr&auml;ziser  ge&auml;u&szlig;ert hat. Finanzminister Varoufakis (der die griechische Delegation anf&uuml;hrte) sprach von &bdquo;substantiellen Fortschritten&ldquo;, benannte zugleich aber auch die entscheidenden &bdquo;noch offenen Fragen&ldquo;: das Rentensystem und den Bereich Arbeitsbeziehungen (sprich: Arbeitsmarkt und Tarifrecht).<\/p><p>Varoufakis hob, nach dem angeblichen &bdquo;Fiasko von Riga&ldquo; (siehe NDS vom 8. Mai) auch das gute Arbeitsklima des Br&uuml;sseler Treffens hervor. Die Atmosph&auml;re sei dieses Mal &bdquo;ausgesprochen positiv&ldquo; gewesen, zudem h&auml;tten &bdquo;viele Kollegen einger&auml;umt, dass das ganze Gerede nach dem Eurogroup-Treffen in Riga nicht hilfreich war&ldquo;. Dennoch habe es &bdquo;leider noch nicht zu einem endg&uuml;ltigen Ergebnis gereicht&ldquo;, und zwar trotz einer &bdquo;erheblicher Ann&auml;herung&ldquo; zwischen beiden Seiten.<\/p><p><strong>F&uuml;r Athen wird die Zeit knapp<\/strong><\/p><p>Wie sehr die Zeit f&uuml;r Athen dr&auml;ngt, hat Varoufakis mit einer Offenheit dargelegt, die f&uuml;r einen Finanzminister ungew&ouml;hnlich ist: Man m&uuml;sse eine Vereinbarung &bdquo;in den n&auml;chsten beiden Wochen unter Dach und Fach bringen, bevor die Liquidit&auml;tsfrage der Regierung zur Fessel werden&ldquo;. <\/p><p>Was bedeutet diese Aussage? Vom 11. Mai an gerechnet, sind wir in zwei Wochen am Beginn der letzten Maiwoche, in der ein Gro&szlig;teil der staatlichen Geh&auml;lter und der Renten ausgezahlt werden m&uuml;ssen. Die daf&uuml;r ben&ouml;tigte Summe von etwa 1,9 Mrd. Euro ist derzeit nicht gesichert, die aktuelle L&uuml;cke wird auf 1,6 Mrd. Euro gesch&auml;tzt (Kathimerini vom 11. Mai). <\/p><p>Die konnte heute zum Teil durch den Verkauf neuer T-bills in H&ouml;he von knapp 1,4 Milliarden Euro gedeckt werden. Der Rest muss wahrscheinlich durch weitere kurzfristige Darlehen der Sozialkassen und der Gemeinden aufgebracht werden. Alledings haben sich die B&uuml;rgermeister bei ihrem letzten Treffen mit Mehrheit gegen eine solche Liquidit&auml;tshilfe ausgesprochen (Kathimerini vom 9. Mai). Die Sozialkassen haben zwar bereits 600 Millionen Euro bereitgestellt, sind damit aber an ihren Grenzen angekommen. Aber selbst wenn ein Zahlungsausfall im Mai noch verhindert werden kann, sind die griechischen Zahlungsverpflichtungen f&uuml;r Juni und August (u.a. gegen&uuml;ber dem IWF und der EZB) ohne die Auszahlung der 7,2 Mrd. Euro aus dem &bdquo;alten&ldquo; Memorandum nicht einzuhalten.<\/p><p>Wie hat es Athen bei dieser klammen Kassenlage geschafft, die am 12. Mai f&auml;llige R&uuml;ckzahlungsrate an den IWF in H&ouml;he von 758 Millionen Euro abzuf&uuml;hren (und nicht 890 Millionen, wie ich in <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26019\">meinem letzten Beitrag<\/a> versehentlich geschrieben habe)? Das gelang nur durch Zugriff auf ein &bdquo;Notfallkonto&ldquo;, das Griechenland beim IWF selbst unterh&auml;lt. Von diesem Konto wurden, mit Zustimmung des IWF, 650 Millionen Euro abgezogen und auf ein anderes IWF-Konto &uuml;berwiesen; die restlichen 100 Millionen konnten intern mobilisiert werden. <\/p><p>Der Zugriff auf das eigene IWF-Konto ist zwar kein &bdquo;Trick&ldquo; (wie in der Wirtschaftspresse behauptet wurde), zeigt aber an, dass in der Tat keine innere Liquidit&auml;t mehr vorhanden ist. Zudem hat sich die Lage noch versch&auml;rft, weil die 650 Millionen innerhalb weniger Wochen wieder auf das IWF-Konto eingezahlt werden m&uuml;ssen. Das erh&ouml;ht noch die griechischen R&uuml;ckzahlungsverpflichtungen (an IWF und T-bond-Halter), die bereits in den n&auml;chsten 6 Wochen f&auml;llig werden (bis Ende Juni ca. 8 Mrd. Euro).<\/p><p><strong>Kontroversen &uuml;ber einen &bdquo;ehrenvollen Kompromiss&ldquo; nehmen zu<\/strong><\/p><p>Dass die Athener Regierung dank dieser L&ouml;sung wieder mal ein weiteres St&uuml;ck Zeit kaufen konnte, hat ihr auch einen Konflikt erspart, der sich nach Berichten in der Athener Presse am Wochenende innerhalb der Regierung angebahnt hat. Demnach sollen auch einzelne Minister gefordert haben, die IWF-Rate nicht zu begleichen, wenn dadurch die Gehalts- und Rentenzahlungen des Monats Mai gef&auml;hrdet w&auml;ren. Der Realit&auml;tsgehalt dieser Meldungen ist aus der Entfernung nicht zu ermessen. Klar ist aber, dass sich innerhalb der Regierung &ndash; wie auch innerhalb der Partei und der Parlamentsfraktion &ndash; die Kontroversen &uuml;ber die Kriterien eines &bdquo;ehrenvollen Kompromisses&ldquo; mit der Br&uuml;sseler Gruppe noch weiter versch&auml;rfen werden. Ich werde auf diese innerparteilichen Auseinandersetzungen in meinem n&auml;chsten Beitrag eingehen.<\/p><p><strong>Eine &Uuml;bersicht &uuml;ber den Stand der Verhandlungen zwischen  Athen und den Institutionen<\/strong><\/p><p>Im Folgenden will ich eine &Uuml;bersicht &uuml;ber den Stand der Verhandlungen zwischen Athen und den Institutionen der ehemaligen Troika geben. Vom Verlauf &ndash; und m&ouml;glichen Abschluss &ndash;  dieser Verhandlungen (auf der Basis der Vereinbarung vom 20. Februar) wird es abh&auml;ngen, ob die Griechen bis Anfang Juni jene finanzielle Entlastung bekommen, die n&ouml;tig ist, um einen Zahlungsausfall zu vermeiden, der direkt oder indirekt zu einem &bdquo;Graccident&ldquo; f&uuml;hren k&ouml;nnte.<\/p><p>Mit der folgenden Darstellung der einzelnen Themenfelder will ich zum einen deutlich machen, welche Ann&auml;herungen und Kompromisse bereits erreicht wurden; zum anderen, wo die wichtigsten Differenzen liegen und wie sie &uuml;berbr&uuml;ckt  oder entsch&auml;rft werden k&ouml;nnten (z.B. durch Vertagung). Diese Darstellung enth&auml;lt implizit aber auch eine Art S&uuml;ndenregister der alten Regierungen, die wichtige und sinnvolle Reformen vers&auml;umt oder sabotiert haben, zum Beispiel durch ihre Schonung von Steuerbetr&uuml;gern und Steuerschuldnern.<\/p><p>Nicht analysiert wird in dieser Darstellung das Problem der Privatisierungen. Auf diesem Gebiet haben sich beide Seiten so stark angen&auml;hert, dass es nicht mehr als Hindernis f&uuml;r eine Gesamtvereinbarung gilt. Allerdings ist dieses Thema innerhalb der Syriza noch sehr umstritten und k&ouml;nnte in naher Zukunft zu handfesten Konflikten auch mit den Gewerkschaften f&uuml;hren (etwa um die anstehende Privatisierung des Hafens von Pir&auml;us). Deshalb werde ich dieses Thema &ndash; und die wichtigsten laufenden Privatisierungsvorhaben &ndash; in einem meiner n&auml;chsten Berichte behandeln.<\/p><p><strong>Die Vorgaben f&uuml;r den Staatshaushalt (Prim&auml;r&uuml;berschuss)<\/strong><\/p><p>Die griechische Seite geht f&uuml;r 2015 derzeit von einem zu erzielenden Prim&auml;r&uuml;berschuss von 1, 2 Prozent aus, den sie durch die Vereinbarung vom 20. September gedeckt sieht, in der von einem &bdquo;angemessenen &Uuml;berschuss&ldquo; (des Prim&auml;rhaushalts= Einnahmen minus Ausgaben ohne Schuldenzinsen) die Rede ist. Wenn es stimmt, dass die Br&uuml;sseler Verhandlungspartner neuerdings (laut Kathimerini vom 9. Mai) wieder auf einen Prim&auml;r&uuml;berschuss von 2 bis 2,5 Prozent dr&auml;ngen, w&uuml;rde dies den Einnahmebedarf entsprechend erh&ouml;hen. In Athen geht man jedoch davon aus, dass die Partner angesichts des zu erwartenden d&uuml;rftigen Wachstums nicht auf einem h&ouml;heren &Uuml;berschuss bestehen werden. Aber selbst ohne diese Forderung geht der IWF f&uuml;r 2015 von einer Deckungsl&uuml;cke in H&ouml;he von 2,7 Mrd. Euro aus.<\/p><p><strong>Zus&auml;tzliche Steuereinnahmen <\/strong><\/p><ol class=\"abc\">\n<li><strong>Reichensteuern<\/strong>\n<p>Die Regierung plant zur Erh&ouml;hung der Einnahmen folgende Ma&szlig;nahmen (meine Quellen sind Berichte aus zwei Tageszeitungen: der aus Regierungskreisen gut unterrichteten Efimerida ton Syntaktion (5. Mai) und der Kathimerini (2. und vom 9. Mai):<\/p>\n<ul>\n<li>eine einmalige &bdquo;Kopfsteuer&ldquo; f&uuml;r ein paar Hundert Verm&ouml;gens-Milliard&auml;re;<\/li>\n<li>eine Erh&ouml;hung der Sonderabgabe f&uuml;r Bezieher von Jahreseinkommen &uuml;ber 50 000 Euro um jene 30 Prozent, um die sie von der Regierung Samaras reduziert wurde;<\/li>\n<li>eine Luxussteuer f&uuml;r teure Autos, Privatflugzeuge, Schwimmb&auml;der usw. einzuf&uuml;hren und auf Yachten zu erweitern;<\/li>\n<li>f&uuml;r den Spitzensatz der Einkommenssteuer eine geringf&uuml;gige Anhebung &uuml;ber die jetzigen 42 Prozent hinaus.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Allerdings sind die Ertr&auml;ge aus solchen &bdquo;Reichensteuern&ldquo; schwer zu kalkulieren und werden h&auml;ufig &uuml;bersch&auml;tzt. So rechnet selbst die Regierung bei der &bdquo;Luxussteuer&ldquo; lediglich mit Einnahmen von 20 Millionen Euro.<\/p><\/li>\n<li><strong>Mehrwertsteuer<\/strong>\n<p>Viel bedeutsamer f&uuml;r das Gesamtsteueraufkommen ist die Mehrwertsteuer, &uuml;ber die es nach wie vor Differenzen gibt. Die Regierung will den MWS-Satz f&uuml;r &ndash; fast &ndash; alle G&uuml;ter und Dienstleistungen von 23 auf 16 Prozent senken; die Gl&auml;ubiger sehen dagegen die Gefahr verminderter Einnahmen und bestehen auf 18 Prozent. Dabei ist zu beachten, dass die Einf&uuml;hrung einer einheitlichen MWS (von 16 oder 18 Prozent) sehr viele Waren und Dienstleistungen verteuern w&uuml;rde, die bisher zum erm&auml;&szlig;igten Satz von 13 bzw. 6,5 Prozent besteuert wurden (z.B. elektrischer Strom, &ouml;ffentliche Verkehrsmittel, Taxifahrten, Gastst&auml;ttenbesuche und Hotel-&Uuml;bernachtungen, insbesondere aber Medikamente, Nahrungsmittel und Artikel des t&auml;glichen Bedarfs). Deshalb will die griechische Seite unbedingt einen reduzierte MWS f&uuml;r Medikamente, Druckerzeugnisse und einige Grundnahrungsmittel (Brot, Milch) durchsetzen, f&uuml;r die sie einen Satz von 6,5 Prozent anstrebt, w&auml;hrend die Partner (noch) auf 9 Prozent bestehen.<\/p>\n<p>Ein weiterer Streitpunkt ist die Entscheidung der Regierung, den MWS-Satz f&uuml;r alle Inseln generell um 30 Prozent zu reduzieren. Die Gl&auml;ubiger dringen darauf, diese Ma&szlig;nahme wieder r&uuml;ckg&auml;ngig zu machen, obwohl sich dieses &bdquo;Steuerprivileg&ldquo; durchaus rechtfertigen l&auml;sst: Auf den Inseln sind fast alle Waren, die nicht lokal produziert werden, wegen der hohen Transportkosten deutlich teurer als auf dem Festland. Die Gl&auml;ubiger verweisen allerdings darauf, dass Insel nicht gleich Insel ist. Und in diesem Punkt haben sie Recht: Steuerentlastungen f&uuml;r das Gewerbe in brummenden Touristenzentren wie Mykonos, Santorini oder Rhodos w&auml;ren sozial wie &ouml;konomisch v&ouml;llig verfehlt. Diesem Einwand will die Regierung mit gezielten Sondersteuern Rechnung tragen. Sie schl&auml;gt u.a. vor:<\/p>\n<ul>\n<li>eine Sondersteuer (3 bis 5 Prozent) f&uuml;r &Uuml;bernachtungen in Luxushotels (die auf Inseln wie Mykonos und Santorini die Regel sind);<\/li>\n<li>eine Sondersteuer von 3 Prozent auf Rechnungen von Nachklubs, Bars usw. w&auml;hrend der Touristensaison;<\/li>\n<li>eine Sondersteuer von 6 Prozent f&uuml;r die Ums&auml;tze bei Uhren-  Schmuck- und Kunsthandlungen auf den Touristeninseln;<\/li>\n<\/ul>\n<p>Dank solcher gezielten Sondereinnahmen soll der MWS-Nachlass f&uuml;r die Inselwelt gerettet werden, was nur fair w&auml;re gegen&uuml;ber der Bev&ouml;lkerung von Inseln, die nicht vom Tourismus profitieren.<\/p><\/li>\n<li><strong>Einnahmen von den privaten TV-Sendern<\/strong>\n<p>Eine weitere Einnahmenquelle hat zugleich medienpolitische Bedeutung. Die Regierung will durchsetzen, dass die privaten TV-Sender f&uuml;r ihre Sendefrequenzen endlich Lizenzgeb&uuml;hren bezahlen. Die stehen bislang nur auf dem Papier. Die gesetzlich vorgeschriebenen Auktionen f&uuml;r den Erwerb von Frequenzen haben nie stattgefunden. Die gro&szlig;en und einflussreichen Privatsender wie Mega TV, Antenna, Alpha und Star &ndash; die in der Regel mit gewerblichen Interessen anderer Art verkn&uuml;pft sind (v.a. mit der Reeder- und Baubranche) &ndash; haben ihre Lizenzen also nicht ersteigert, d.h. in den Erwerb der Sendelizenz investiert. Und sie haben auch keine Lizenzgeb&uuml;hren gezahlt, wie sie in jedem anderen Land &uuml;blich ist. Beides werden die kommerziellen Sender in Zukunft tun m&uuml;ssen, erkl&auml;rte Regierungschef Tsipras letzte Woche im Parlament. Und stellte dabei klar, dass sie nachtr&auml;glich auch Lizenzen f&uuml;r ihre neuen digitalen Frequenzen erwerben m&uuml;ssen.<\/p>\n<p>Zudem werden die Sender ein weiteres Privileg einb&uuml;&szlig;en, das sie bislang genie&szlig;en: Noch nie mussten sie die Mehrwertsteuerbetr&auml;ge, die sie f&uuml;r Werbung von den Firmen kassieren, an den Fiskus abf&uuml;hren. Von dieser Pflicht wurden sie durch eine Rechtsverordnung entbunden, die noch in den letzten Tagen der Samaras-Regierung vom alten Parlament um ein weiteres Jahr verl&auml;ngert wurde. <\/p>\n<p>Die skandal&ouml;sen finanziellen Verg&uuml;nstigungen n&auml;hren den Verdacht, dass die Sender die erlassenen &bdquo;Steuerschulden&ldquo; mit einer regierungsfreundlichen Berichterstattung beglichen haben. Deshalb werden die Privatsender von vielen Griechen seit langem als &bdquo;eingebettete Kan&auml;le&ldquo; (kan&aacute;lia tis emplok&iacute;s) bezeichnet. <\/p>\n<p><strong>Eine Steuer, die fehlt<\/strong><\/p>\n<p>An dieser Stelle muss &ndash; in Parenthese &ndash; auf die steuerliche Privilegierung der Reeder hingewiesen werden, die einen wichtigen Punkt im Wahlprogramm der Syriza darstellte. In den Pl&auml;nen der Tsipras-Regierung zur Steigerung der Einnahmen ist eine Besteuerung der Reeder allerdings nicht vorgesehen. Die reichste Unternehmerkaste des Landes spendierte der Staatskasse nach wie vor lediglich eine &bdquo;freiwillige&ldquo; Solidarit&auml;tsabgabe, f&uuml;r die sie auch noch als &bdquo;patriotisch&ldquo; gefeiert werden will. Im Jahr 2015 soll dieser Sponsorenbetrag auch noch um 30 Prozent billiger ausfallen. <\/p>\n<p>Das hei&szlig;t: Die in der Verfassung festgeschriebene prinzipielle Steuerfreiheit f&uuml;r die Reeder wird von der Regierung Tsipras offenbar nicht angetastet. Das d&uuml;rfte mit dem Risiko zusammenh&auml;ngen, dass sich die gro&szlig;en, im internationalen Handel agierenden Reeder unter eine &bdquo;andere Flagge&ldquo; fl&uuml;chten k&ouml;nnten. Aber wenn man das so sieht, sollte man es auch deutlich sagen. Und zwar nicht nur den eigenen W&auml;hlern, sondern auch der IWF-Chefin Lagarde, die regelm&auml;&szlig;ig auf die Privilegien der griechischen Reeder hinweist.<\/p>\n<p><strong>Einnahmen von knapp einer Milliarde Euro<\/strong><\/p>\n<p>Die Gesamtsumme der zus&auml;tzlichen Steuereinnahmen, die im Haushaltsjahr 2015  durch die aufgez&auml;hlten Ma&szlig;nahmen erzielt werden sollen, sch&auml;tzt die Regierung auf 784 bis 940 Millionen Euro (eine differenzierte Aufstellung in Kathimerini vom 2. Mai 2015). <\/p>\n<p>Gegen diese Liste neuer Steuereinnahmen haben die Partner\/Gl&auml;ubiger nat&uuml;rlich nichts einzuwenden. Sie halten diese allerdings insgesamt &ndash; und angesichts der prognostizierten &ouml;konomischen Entwicklung &ndash;  f&uuml;r unzureichend. Und ganz sicher h&auml;tten sie nichts gegen eine Besteuerung des kirchlichen (Grund-) Besitzes einzuwenden, an den sich die Regierung Tsipras ebenfalls nicht heranwagt (u.a. mit R&uuml;cksicht auf den kirchenfreundlichen Koalitionspartner der Unabh&auml;ngigen Hellenen).<\/p>\n<p>Zudem d&uuml;rften EU-Kommission, EZB  und der IWS generell die Ertragskraft der einzelnen steuerlichen Ma&szlig;nahmen anzweifeln. Dabei ist allen Partnern klar, dass die Ertr&auml;ge zun&auml;chst nur gesch&auml;tzt werden k&ouml;nnen, aber man will nat&uuml;rlich belastbare Zahlen sehen, die sich nicht schon nach kurzer Zeit als Makulatur erweisen. Das gilt auch f&uuml;r eine zweite Kategorie steuerlicher Einnahmequellen.<\/p><\/li>\n<\/ol><p><strong>Ma&szlig;nahmen gegen Steuerbetrug und Eintreiben von Steuerr&uuml;ckst&auml;nden<\/strong><\/p><p><strong>Steuerhinterziehung<\/strong><\/p><p>Um die Steuerhinterziehung effektiver zu bek&auml;mpfen, will die Regierung die Kontrollen und Betriebspr&uuml;fungen verst&auml;rken, was allerdings mehr Personal erfordert. Zu diesem Programm geh&ouml;rt vor allem das beschleunigte Abarbeiten der Listen gro&szlig;er Verm&ouml;gen im Ausland (<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=22468\">die Lagarde-Liste f&uuml;r Bankguthaben in der Schweiz<\/a>, eine Liechtenstein-Liste und die Liste von hohen Bank&uuml;berweisungen ins Ausland). Bei diesen Geldverm&ouml;gen besteht der Verdacht, dass sie gegen&uuml;ber dem griechischen Fiskus nicht deklariert wurden. <\/p><p>Des Weiteren soll f&uuml;r alle Gewerbebetreiber und Freiberufler ein Gesamtprofil ihrer Geldguthaben und Verm&ouml;genswerte erstellt werden. Auf diese Weise will man Steuerbetr&uuml;ger, die zu niedrige Einkommen deklarieren, anhand ihres Lebensstils &bdquo;&uuml;berf&uuml;hren. Wenn sie ihre Guthaben und Verm&ouml;genswerte nicht plausibel machen k&ouml;nnen, sollen sie zur Kasse gebeten werden. <\/p><p>Um die gro&szlig;en Fische zu fangen, soll beim Finanzministerium das &bdquo;Zentrum f&uuml;r die Kontrolle der Steuerpflichten mit gro&szlig;en Verm&ouml;gen&ldquo; (KEFOMEP) verst&auml;rkt werden, das sich vor allem die Namen auf der Lagarde- und den anderen Listen vornehmen sollen. Die Ermittlungen der KEFOMEP-Leute werden an die Finanzstaatsanwaltschaft weitergeleitet, die in eindeutigen F&auml;llen die sofortige Beschlagnahmung von Geldkonten und Verm&ouml;genswerten anordnen kann (EfSynt. 5. April 2015). Dank solcher beschleunigter Verfahren will die Einnahmenverwaltung des Finanzministeriums dieses Jahr zus&auml;tzlich mehr als 700 Millionen Euro einnehmen.<\/p><p>Zu dieser eingeplanten Summe k&ouml;nnten noch Einnahmen hinzukommen, die der Fiskus mit einer weiteren, aber noch nicht verabschiedeten Ma&szlig;nahme anstrebt: mit der pauschalen Besteuerung nicht deklarierter Einkommen, die auf griechischen und ausl&auml;ndischen Bankkonten gelandet sind. Wenn solche Summen freiwillig gemeldet werden, will der Fiskus eine einheitliche &bdquo;Abgabe&ldquo; von 15 bis 20 Prozent erheben, die allerdings vor einer strafrechtlichen Verfolgung wegen Steuerhinterziehung sch&uuml;tzt.<\/p><p><strong>Teilamnestie problematisch &ndash; Alles schon einmal dagewesen<\/strong><\/p><p>An dieser Stelle sind zwei Anmerkungen zu machen. <\/p><p>Erstens: Der zuletzt skizzierte Plan ist nur einer von mehreren, die rechtlich und &bdquo;steuermoralisch&ldquo; h&ouml;chst problematisch sind, weil sie einer Teilamnestie gleichkommen. Das best&auml;rkt die verm&ouml;genden Griechen in ihrem Verhaltensmuster, den Fiskus prinzipiell erst mal zu &uuml;bervorteilen &ndash; in der Hoffnung, dass der am Ende ohnehin auf einen Gro&szlig;teil seiner Forderungen verzichtet.<\/p><p>Zweitens: Die beschriebenen Reformprojekte im Bereich Steuererfassung l&ouml;sen ein d&eacute;ja-vue-Gef&uuml;hl aus: Das Alles hat man in den letzten f&uuml;nf Jahren schon mehrfach geh&ouml;rt &ndash; ohne dass Taten gefolgt w&auml;ren. Das beste Beispiel ist die Erfassung gro&szlig;er Verm&ouml;gen, die von der Troika &ndash; und der Task Force der EU &ndash; schon seit Jahren angemahnt wird. Doch entsprechende praktische Schritte erfolgten weder unter der Regierung Papandreou, noch unter Papadimos und Samaras. Die Parteien des alten Systems f&uuml;hlten sich ihrer traditionellen Klientel weiterhin verpflichtet. Das war einer der Hauptgr&uuml;nde, warum die Troika-Vertreter der Regierung Samaras letztlich das &bdquo;Vertrauen&ldquo; entzogen haben. Es ist also kein Wunder, dass sie heute &ndash; unter dem Eindruck des d&eacute;ja-vu-Effekts &ndash; von der neuen Regierung mehr erwarten als nur die Verabschiedung neuer Gesetze. <\/p><p>Das hat die neue Regierung erkannt, wenn auch ein bisschen sp&auml;t. Erst Ende April verk&uuml;ndete Finanzminister Varoufakis erste konkrete Ma&szlig;nahmen zur sch&auml;rferen Verfolgung von Steuers&uuml;ndern. In Kooperation mit dem Generalinspekteur der &ouml;ffentlichen Verwaltung, Leandros Rakintzis (der einer der sch&auml;rfsten Kritiker der fr&uuml;heren Vers&auml;umnisse war) will man folgende strukturellen Reformen in Angriff nehmen:<\/p><ul>\n<li>die Leiter der lokalen Finanz&auml;mter sollen regelm&auml;&szlig;ig ausgetauscht werden, damit m&ouml;glichst keine klientelistischen Verflechtungen mit ihrer &bdquo;Kundschaft&ldquo; entstehen; dieses Prinzip der &bdquo;Zirkulation&ldquo; soll auch f&uuml;r andere Funktionen wie Betriebspr&uuml;fungen gelten;<\/li>\n<li>die &bdquo;innere Kontrolle&ldquo; der Finanzverwaltung soll verst&auml;rkt werden; dazu wird die eigenst&auml;ndige Finanzinspektion wieder eingerichtet, die F&auml;llen von Korruption in den eigenen Reihen nachgehen soll (sie war unter der Regierung Samaras aufgel&ouml;st worden); <\/li>\n<li>das Personal der Finanz&auml;mter wird &ndash; wie der gesamte &ouml;ffentliche Dienst &ndash; einem neuen System der Evaluierung unterzogen, das zusammen mit der Generalinspektion der &ouml;ffentlichen Verwaltung entwickelt werden soll (weitere Details in Efimerida ton Syntaktion vom 30. April 2015).<\/li>\n<\/ul><p><strong>Eine Lotterie gegen MWS-Betrug<\/strong><\/p><p>Die gr&ouml;&szlig;te systemische L&uuml;cke klafft bei den Mehrwertsteuer-Einnahmen. Sie entsteht durch den Verkauf von Waren und Dienstleistungen ohne Quittungsbelege. Seit Beginn der Krise hat es verschiedene Versuche gegeben, diese notorische Steuervermeidung einzud&auml;mmen. Die neue Regierung hat nun eine Idee aufgegriffen, die auf den ersten Blick wie ein Aprilscherz anmutet: Man will den Konsumenten einen Anreiz zum Sammeln von Quittungen bieten, in dem ihre Kaufbelege zugleich als Lose f&uuml;r eine Lotterie dienen, die &auml;hnlich hohe Gewinne aussch&uuml;tten soll wie die &bdquo;nationale Lotterie&ldquo; der vormals staatlichen und inzwischen (unsinnigerweise) privatisierten Lotto-Gesellschaft OPAP. Angesichts der Lotto-Begeisterung der Griechen rechnet das Finanzministerium mit einer Erh&ouml;hung des MWS-Aufkommen um 250 bis 600 Millionen Euro pro Jahr.  <\/p><p>Mit einem weiteren Vorschlag reagiert das Finanzministerium auf die Tatsache, dass die Hinterziehung der MWS auf den boomenden Touristeninseln besonders weit verbreitet ist. Zum Beispiel lag in der Saison 2013 der Prozentsatz der Steuervergehen im Gastgewerbe in Rhodos bei 85 und in Santorini bei 77 Prozent der kontrollierten Betriebe (siehe dazu <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=18096\">NDS vom 25. Juli 2013<\/a>). Deshalb soll ab Juni 2015 gelten, dass auf Inseln mit mehr als 3000 Einwohnern Rechnungsbetr&auml;ge &uuml;ber 70 Euro nur noch per Kredit- oder EC-Karte beglichen werden d&uuml;rfen, um die vollst&auml;ndige Erfassung aller Ums&auml;tze samt MWS sicherzustellen.<\/p><p>Eine &auml;hnliche Kampagne ist gegen die Schwarzarbeit im Tourismussektor geplant, die ja ebenfalls auf Kosten des Fiskus geht: Wenn die Arbeitgeber keine Beitr&auml;ge zur Sozial- und Krankenversicherung abf&uuml;hren, erh&ouml;hen sich die Defizite bei den Kassen, die durch staatliche Zusch&uuml;sse ausgeglichen werden m&uuml;ssen. Deshalb werden in den Sommermonaten 500 Kontrolleure der gro&szlig;en Sozialkassen, die sonst am Schreibtisch sitzen, &bdquo;an die Front&ldquo; geschickt, um F&auml;lle von Schwarzarbeit in Restaurants und Hotelbetrieben aufzudecken. Der f&uuml;r die Kassen zust&auml;ndige Minister Stratoulis hofft, auf diese Weise mindestens 136 Millionen Euro eintreiben zu k&ouml;nnen. (Kathimerini vom 9. Mai). <\/p><p>Diese Summe ist auch in der Aufstellung enthalten, die das Finanzkomitee der Regierung der &bdquo;Br&uuml;sseler Gruppe&ldquo; vorgelegt hat. Demnach sollen die Ma&szlig;nahmen gegen Steuerhinterziehung und zum Eintreiben ausstehender Steuerschulden insgesamt Einnahmen im Bereich zwischen 2,3 Mrd. und 3,25 Mrd. Euro erbringen (eine differenzierte Aufgliederung der Einnahmequellen in Kathimerini vom 2. Mai). Die Unsch&auml;rfe dieser gesch&auml;tzten Zahlen reflektiert vor allem die unsichere Erfolgsquote in zwei weiteren Bereichen: beim Eintreiben von Steuerschulden und bei der Bek&auml;mpfung der Steuerhinterziehung durch Schmuggel  (v.a.Tabakwaren) und Betrug (v.a. mit Schiffsdiesel).<\/p><p><strong>Eintreiben von Steuerschulden<\/strong><\/p><p>Die Regierung Tsipras verspricht ein drastisch beschleunigtes Verfahren beim Eintreiben festgestellter Steuerschulden, die sich mittlerweile auf fast 80 Milliarden Euro akkumuliert haben. Wenn davon in den n&auml;chsten vier Jahren auch nur 10 Prozent in die Staatskasse flie&szlig;en w&uuml;rden, w&auml;re das ein gutes Ergebnis. Denn viele Steuerpflichtige haben tats&auml;chlich kein Einkommen mehr, und viele steuers&auml;umige Firmen sind l&auml;ngst bankrott. Deshalb hat die neue Regierung ein Gesetz ihrer Vorg&auml;nger &uuml;bernommen, wonach die alte Schuld in bis zu 100 Monatsraten abgezahlt werden kann, d.h. binnen maximal 8 Jahren. Auch deshalb lassen sich keine sicheren Zahlen &uuml;ber die Ertr&auml;ge f&uuml;r das laufende Haushaltsjahr errechnen. <\/p><p>Angesichts dessen besteht die Gefahr, dass sich die griechische Regierung, was den kurz- oder auch nur mittelfristigen Erfolg dieser Methoden betrifft, in die Tasche l&uuml;gen k&ouml;nnte. Das Athener Finanzministerium geht f&uuml;r 2015 von 300 bis 400 Millionen Einnahmen aus. Dabei setzt sie gro&szlig;e Hoffnungen auf das Angebot, den Steuerschuldnern s&auml;mtliche Strafgeb&uuml;hren und Verzugszinsen zu erlassen, wenn sie die geschuldete Summe auf einen Schlag entrichten. Bislang sind auf diesem Wege allerdings erst 100 Millionen Euro in die Staatskasse gekommen. <\/p><p>Aber auch bei dieser Regelung stellt sich das oben angesprochen Dilemma: Um wenigstens einen Bruchteil der ausstehenden Gelder einzutreiben, werden die Steuers&uuml;nder zu milde behandelt. Allerdings w&auml;re es zu einfach, sich &uuml;ber diesen Versto&szlig; gegen die Ma&szlig;st&auml;be sozialer Gerechtigkeit zu emp&ouml;ren. Die Ungerechtigkeit ist vielmehr eine Folge des Zwangs, der von den Gl&auml;ubigern ausgeht. Wenn diese der Athener Regierung im Hinblick auf das 100-Raten-Gesetzes vorwerfen, die gro&szlig;en Steuerschuldner zu beg&uuml;nstigen, kann man das nur als Heuchelei bezeichnen.<\/p><p><strong>Steuerbetrug durch Schwarzhandel<\/strong><\/p><p>Durch Schmuggel und andere Arten von Steuerbetrug entgehen dem griechischen Staat j&auml;hrlich Einnahmen in Milliardenh&ouml;he. Nach dem einschl&auml;gigen Report des &ndash; von der EU-Kommission finanzierten &ndash; Project Organized Crime Portfolio (OCP) &ndash; b&uuml;&szlig;t der griechischen Fiskus durch Schmuggel und Absatz unversteuerter Ware (wie Alkoholika) j&auml;hrlich knapp 1,5 Mrd. Euro ein (zitiert nach Kathimerini vom 10. April 2015). <\/p><p>Die wichtigste Betrugskategorie ist dabei der Zigarettenschmuggel. Griechenland ist ein wichtiges Transitland f&uuml;r die Zigaretten-Mafia, die einen Teil ihrer Schmuggelware auch auf dem griechischen Markt absetzt. Nach den Sch&auml;tzungen von Euromonitor International hat der griechische Fiskus 2014 durch den Verkauf unversteuerter Tabakwaren etwa 740 Millionen Euro eingeb&uuml;&szlig;t. Der Anteil illegaler Zigaretten am Gesamtverbrauch ist im Lauf der Krise (von 2008 bis 2013) von 5 auf 18 Prozent gestiegen (nach einem Report des Journalistenteams IOS in der Efimerida ton Syntakton vom 14. M&auml;rz 2015). <\/p><p>Einem Gewerbe wie dem professionellen Zigarettenschmuggel kann man nat&uuml;rlich nicht komplett das Handwerk legen. Aber man hat es bislang auch nicht ernsthaft versucht. Die seit langem beschlossenen technischen Anlagen (Scanner f&uuml;r LKWs an den Grenz&uuml;berg&auml;ngen) wurden nie installiert. Jetzt k&ouml;nnte die neue Regierung durch verst&auml;rkte Grenzkontrollen und systematische Korruptionsbek&auml;mpfung beim Zollpersonal (durch Inspektionen der Finanzpolizei und durch &bdquo;Innenkontrollen&ldquo; bei den Zoll- und Hafenbeh&ouml;rden) an dieser Front mehr erreichen als ihre Vorg&auml;nger-Regierungen. Deshalb veranschlagt sie in ihren Haushaltsplanungen zus&auml;tzliche Einnahmen von 250 bis 400 Millionen Euro. <\/p><p><strong>Die Schiffsdiesel-Kartelle<\/strong><\/p><p>Diese Summe schlie&szlig;t allerdings schon die erhofften Erfolge beim Kampf gegen eine weitere wichtige Betrugskategorie ein: die Manipulation von Schiffsdiesel. Die T&auml;ter sind in diesem Fall die Lieferanten der Reedereien, die einen Teil der deklarierten Liefermenge von steuerlich beg&uuml;nstigtem Schiffsdiesel abzweigen und z.B. zu Traktor-Diesel verarbeiten, den sie illegal, da unterbesteuert auf den Markt bringen. An diesem Betrug sind nat&uuml;rlich auch die Reedereien beteiligt, indem sie falsche Liefermengen quittieren. <\/p><p>Die auf diese Weise unterschlagenen Steuersummen kann man nur sch&auml;tzen. F&uuml;r die letzten zehn Jahre gingen die Experten von bis zu 1,2 Mrd. Euro aus. Allerdings resultierte der gr&ouml;&szlig;ere Teil dieser Summe fr&uuml;her aus der &bdquo;Umwandlung&ldquo; von steuerbeg&uuml;nstigten Heiz&ouml;l, das mafi&ouml;se Gro&szlig;h&auml;ndler als &bdquo;teuren&ldquo; Dieselkraftstoff verkauften, um die eingesparten unterschlagenen &ndash; Steuersummen als Extraprofit einzusacken (siehe <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=15882\">meinen NDS-Bericht vom 17. Januar 2013<\/a>). Nach der Anhebung der Heiz&ouml;lsteuer wurde der Schiffsdiesel zur Haupteinnahmequelle dieser H&auml;ndlermafia. <\/p><p>Der h&auml;tte man schon l&auml;ngst das Handwerk legen k&ouml;nnen, wenn das vor drei Jahren verabschiedete Gesetz umgesetzt worden w&auml;re, das f&uuml;r die ganze Branche ein l&uuml;ckenloses Kontrollsystem der zwischen Raffinerien, Gro&szlig;handel und Abnehmern flie&szlig;enden Dieselmengen vorsieht, einschlie&szlig;lich der GPS-&Uuml;berwachung aller Bewegungen der Tanklaster bzw. Tankschiffe. <\/p><p>Dieses Konzept konnten oder wollten die fr&uuml;heren Regierungen gegen den Widerstand der gesamten Dieselbranche nicht durchsetzen. Aber auch die neue Regierung hat erst Mitte April einen Ausschuss eingesetzt, der sich um die Installation der n&ouml;tigen Kontrollsysteme k&uuml;mmern soll (Kathimerini vom 16. April). Der muss zuerst einmal ein &bdquo;Register der Treibstofflagereinrichtungen&ldquo; erstellen &ndash; also praktisch am Punkt Null anfangen. Damit ist extrem unwahrscheinlich, dass das System bis Ende 2015 funktionieren kann, wie Vize-Finanzminister Mardas angek&uuml;ndigt hat. Jedenfalls sind f&uuml;r das laufende Jahr aus dieser Quelle keine gro&szlig;en zus&auml;tzlichen Steuereinnahmen zu erwarten, die Mardas allzu optimistisch mit 150 Millionen veranschlagt.<\/p><p><strong>Zwei Problemzonen: Rentensystem und Arbeitsmarkt<\/strong><\/p><p>In den bislang beschriebenen Feldern gibt es zwar noch offene Detailfragen zu kl&auml;ren, aber eine Einigung zwischen der Regierung Tsipras und der Br&uuml;sseler Gruppe erscheint nicht nur als m&ouml;glich, sondern als sehr wahrscheinlich. Betr&auml;chtlich sind die Differenzen dagegen noch bei den Kapiteln Rentensystem und Arbeitsmarkt, die beide Seiten als die entscheidenden &bdquo;Problemzonen&ldquo; ansehen.  <\/p><p>Was die erste Problemzone betrifft, so scheint es innerhalb der Br&uuml;sseler Gruppe keine Einigkeit zu geben. Die h&auml;rtesten Forderungen an die griechische Seite erhebt der IWF, der auf weitreichenden &bdquo;Reformen&ldquo; des Arbeitsrecht- und des Tarifrechts, wie auch auf der &bdquo;&Ouml;ffnung&ldquo; bestimmter &bdquo;geschlossener&ldquo; Berufsgruppen besteht. Zwei Punkte sind besonders kontrovers: die Gl&auml;ubiger-Institutionen wollen erstens die arbeitsrechtliche M&ouml;glichkeit von (einseitig verf&uuml;gten) Massenentlassungen durchsetzen, und zweitens im Tarifvertragsrecht die Rolle der Gewerkschaften einschr&auml;nken und die Rolle des Staates verst&auml;rken. <\/p><p>Beide Forderungen lehnt die Athener Regierung ab. Sie verweist darauf, dass sie bereits in Sachen Mindestlohn betr&auml;chtlich zur&uuml;ckstecken musste (durch Verzicht auf eine sofortige Anhebung des allgemeinen Mindestlohns). Und sie macht vor allem geltend, dass so komplizierte Dinge nicht unter Zeitdruck entschieden werden k&ouml;nnen und deshalb in die zweite Verhandlungsrunde verschoben werden sollten.<\/p><p>Die griechische Seite hat dabei sehr &uuml;berzeugende Argumente. Sie kann darauf verweisen, dass selbst die griechischen Arbeitgeber das Tarifvertragsrecht nicht antasten wollen. Was ihnen allerdings nicht schwer f&auml;llt: Die Tarifvertr&auml;ge werden heute in kaum einer Branche eingehalten, und die Gegenmacht der Gewerkschaften (die im privaten Sektor ohnehin nur schwach vertreten sind) ist durch Krise und Arbeitslosigkeit fast auf Null gesunken. Damit ist aus schierer Not eine ganz besondere Art von &bdquo;Sozialpartnerschaft&ldquo; entstanden, die in Griechenland niemand durch harte Forderungen &agrave; la IWF gef&auml;hrden will. <\/p><p><strong>Ideologische Obsessionen auf Seiten der Institutionen<\/strong><\/p><p>Vollends obsessiv &ndash; im Sinne von wahnsinnig &ndash;  ist das Beharren der Ex-Troika auf der M&ouml;glichkeit von Massenentlassungen. Mit dieser Forderung enthebt sich die dogmatische Fraktion der Gl&auml;ubiger in die Sph&auml;re reiner Ideologie, die mit der Realit&auml;t nichts zu tun hat. Denn es gibt keinerlei Belege &ndash; ja nicht einmal plausible Vermutungen -, die daf&uuml;r sprechen, dass diese Art von &bdquo;Lockerung&ldquo; des Arbeitsmarktes einen Beitrag zur wirtschaftlichen Erholung Griechenlands leisten k&ouml;nnte. Die meisten seri&ouml;sen Analysen sehen das entscheidende Hindernis f&uuml;r die &ouml;konomische Entwicklung nicht in zu hohen Lohnkosten oder &uuml;berzogenen Arbeitnehmerrechten, sondern im Zustand des Bankensystems, das der Realwirtschaft keine Kredite gew&auml;hrt, und in einer ineffizienten staatlichen  B&uuml;rokratie, die den privaten Unternehmenssektor mehr behindert als f&ouml;rdert. Zudem gibt es in Griechenland nur wenige Betriebe mit gro&szlig;en Belegschaften. Und zum anderen haben sich gerade diese Unternehmen in der gro&szlig;en Depression am besten behauptet und haben kein Interesse ihre Mitarbeiter durch eine Diskussion &uuml;ber Massenentlassungen zu verunsichern.   <\/p><p>Die Athener Regierung hat sich im Hinblick auf die &bdquo;Reformen&ldquo; im Bereich Arbeitsrecht mit der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einen wichtigen B&uuml;ndnispartner gesichert, der gew&auml;hrleisten soll, dass die f&uuml;r die EU allgemein geltenden Standards f&uuml;r Griechenland nicht aufgeweicht werden. Und in einem Telefongespr&auml;ch hat sich Tsipras am 7. Mai mit EU-Kommissionspr&auml;sident Juncker auf eine Formel geeinigt, die im Hinblick auf  Arbeitsmarkt-Reformen drei vordringliche Ziele definiert: Konkurrenzf&auml;higkeit, Schaffung von Arbeitspl&auml;tzen und Wahrung des sozialen Zusammenhalts. Dabei bekannte sich Tsipras zu einem &bdquo;modernen und effektiven System von Tarifverhandlungen&ldquo;, das &bdquo;den h&ouml;chsten europ&auml;ischen Standards&ldquo; gerecht werden m&uuml;sse. <\/p><p>Mit seiner Forderung nach einem &bdquo;breit angelegten Beratungsprozess&ldquo; zu diesem Thema machte Tsipras allerdings klar, dass seine Regierung das Kapitel &bdquo;Arbeitsmarkt und Arbeitsbedingungen&ldquo; zumindest in die n&auml;chste Verhandlungsphase verschieben will, wo es systematisch auch hingeh&ouml;rt.  Es w&auml;re in der Tat absurd, wenn man die Auszahlung der Restsumme auf dem alten Memorandums-Programm &ndash; also die Rettung Griechenlands vor der unmittelbaren Zahlungsunf&auml;higkeit &ndash; von einer aktuell bedeutungslosen Frage abh&auml;ngig machen w&uuml;rde. Viele Beobachter gehen deshalb davon aus, dass  dieses Thema zun&auml;chst einmal eingefroren wird. Das w&uuml;rde der griechischen Seite auch Zeit verschaffen, um das schwierige Thema sowohl innerhalb der Partei als auch mit den Gewerkschaften zu beraten. <\/p><p><strong>Der Knackpunkt ist das Rentensystem<\/strong><\/p><p>Das zweite strittige Thema durch Verschiebung zu entsch&auml;rfen, wird dagegen kaum gelingen. Deshalb hat Vavoufakis das Thema Rentensystem in seiner Pressekonferenz nach der Eurofin-Sitzung vom Montag als den eigentlichen &bdquo;Knotenpunkt&ldquo; bezeichnet. <\/p><p>Auch bei diesem zentralen Thema gibt es eine gemeinsame Formel, die nach dem schon erw&auml;hnten Gespr&auml;ch zwischen Tsipras und Juncker von griechischer Seite ver&ouml;ffentlicht wurde. Demnach wolle man ein Rentensystem anstreben, das &bdquo;gerecht, f&uuml;r die &ouml;ffentlichen Haushalte verkraftbar und in der Lage ist, die Altersarmut zu verhindern&ldquo;.<\/p><p>Diese Formel kann nicht dar&uuml;ber hinwegt&auml;uschen, dass es in dieser Frage noch bedeutende Differenzen gibt. <\/p><p>Worum geht es? Zun&auml;chst sei daran erinnert, dass die Regierung Tsipras ihre Forderung &bdquo;eingefroren&ldquo; hat, die niedrigen Renteneinkommen (unter 700 Euro) durch eine &bdquo;13. Rente&ldquo;, also um acht Prozent aufzubessern.  Dieser Verzicht auf die sofortige Realisierung eines wichtigen Syriza-Wahlversprechens resultiert nat&uuml;rlich aus der katastrophalen Kassenlage der wichtigsten und gr&ouml;&szlig;ten Rentenanstalten, die ohnehin auf st&auml;ndige Zusch&uuml;sse aus dem staatlichen Haushalt angewiesen sind. Im ersten Quartal 2015 weisen die Kassen ein Defizit von 349 Millionen Euro aus und ihre Einnahmen aus Beitr&auml;gen sind im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent zur&uuml;ckgegangen (Kathimerini vom 11. Mai). <\/p><p>Die Regierung geht davon aus, dass eine Subventionierung der Sozial- und Rentenkassen aus Steuergeldern auf Dauer notwendig bleibt. Oder zumindest so lange, wie die Beitr&auml;ge zu den Kassen weiter sinken (als Folge der anhaltend  hohe Arbeitslosigkeit und der sogar noch zunehmenden Schwarzarbeit, beides Hauptmerkmale der &ouml;konomisch-sozialen Krise). <\/p><p>Diese Position hat auch Finanzminister Varoufakis auf seiner Pressekonferenz nach der Eurofin-Sitzung vom Montag bekr&auml;ftigt. Dagegen interpretieren die  Gl&auml;ubiger\/Partner Griechenlands die Formulierung &bdquo;f&uuml;r die &ouml;ffentlichen Haushalte verkraftbar&ldquo; so, dass grunds&auml;tzlich keine Mittel aus dem Staatsbudget flie&szlig;en d&uuml;rfen. Das hei&szlig;t, sie fordern einen &bdquo;ausgeglichen&ldquo; Haushalt der Rentenkassen &ndash; ab sofort. Um das zu erreichen, stellen sie zwei Forderungen, die die Regierung nicht erf&uuml;llen will:<\/p><ul>\n<li>die K&uuml;rzung  bestimmter &bdquo;Zusatzrenten&ldquo;, die im Durchschnitt ein F&uuml;nftel, zuweilen aber bis zu einem Drittel der Gesamtrente ausmachen;<\/li>\n<li>die sukzessive Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre bis 2020, wobei eine fr&uuml;here Verrentung mit 62 Jahren ausnahmsweise und bei stark reduzierten Bez&uuml;gen m&ouml;glich sein soll.<\/li>\n<\/ul><p>Die erste Forderung lehnt die Athener Regierung bislang ab, aber sie k&ouml;nnte sich am Ende auf die K&uuml;rzung der allerh&ouml;chsten Zusatzrenten einlassen. Im zweiten Punkt will sie die etappenweise Anhebung  des Renteneintrittsalters &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum strecken und zwar m&ouml;glichst bis 2025. Keine gro&szlig;en Einw&auml;nde hat sie gegen die Idee,  die M&ouml;glichkeit einer Fr&uuml;hverrentung allgemein zu erschweren. Varoufakis und die Rentenexperten der Syriza kritisieren seit einiger Zeit immer wieder, dass der &ouml;ffentliche Sektor seit Beginn der Krise auf Kosten der Rentenkasse  geschrumpft ist: Durch den von der Troika geforderten Personalabbau wurden zwar die direkten Staatsausgaben reduziert, aber die finanziellen Lasten wurden auf die Rentenkassen der &ouml;ffentlichen Bediensteten abgew&auml;lzt, und noch st&auml;rker auf die Kasse der Angestellten &ndash; der quasi staatlichen Banken. Der Zuschussbedarf dieser Pensionskassen hat sich in den letzten f&uuml;nf Jahren dramatisch erh&ouml;ht, weil sie eine Flut von Fr&uuml;hrentnern zu verkraften haben, die sie noch viele, viele Jahre durchfinanzieren m&uuml;ssen &ndash; und das bei sinkendem Beitragsaufkommen.<\/p><p><strong>Die Rentenkassen als Opfer der Krise<\/strong><\/p><p>Die Rentenkassen selbst sind also zum Opfer der Krise geworden und das nicht nur wegen der vielen Fr&uuml;hrentner.  Auch der Schuldenschnitt vom Februar  2012, der sogenannte PSI, hat die Kassen um mindestens 12 Milliarden Euro erleichtert, weil man sie per Gesetz gezwungen hatte, einen betr&auml;chtlichen Teil ihre Aktiva in griechischen Staatspapieren anzulegen (siehe dazu <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=14532\">NDS 25. Sept. 2012<\/a>). F&uuml;r diese Verluste wurden die Renten- und Krankenversicherungskassen nie entsch&auml;digt &ndash; im Gegensatz zu den Banken, deren PSI-Verluste durch Rekapitalisierung voll kompensiert wurden.<\/p><p>So richtig und unvermeidlich es ist, das griechische Rentensystem auf den Pr&uuml;fstand zu stellen, so falsch w&auml;re es, so wichtige und weitreichende Fragen &uuml;bers Knie zu brechen. Deshalb wird man sich in den zwei n&auml;chsten Wochen wohl nur auf Grunds&auml;tze einigen k&ouml;nnen, wenn &uuml;berhaupt. Weitaus sinnvoller w&auml;re es, diese Frage gr&uuml;ndlich zu pr&uuml;fen und sich mindestens ein Jahr Zeit zu lassen, um ein neues System der Rentenfinanzierung zu entwerfen. <\/p><p>Dabei ist allerdings jetzt schon klar, dass die griechische Regierung in einem entscheidenden Punkt richtig liegt: Allein aus dem Beitragsaufkommen sind die Renten auf Dauer nicht zu finanzieren. Die Alternative w&auml;re eine drastische Reduzierung aller Rentenanspr&uuml;che. Das aber w&uuml;rde die soziale Krise noch weiter versch&auml;rfen, weil inzwischen f&uuml;r Hunderttausende griechische Familien die Rente eines Mitglieds das einzige Einkommen darstellt. <\/p><p><strong>Rentenkassen und Privatisierungserl&ouml;se<\/strong><\/p><p>Die entscheidende Frage ist allerdings, wie der Zuschussbedarf f&uuml;r das Rentensystem finanziert werden soll. Hier hat die Syriza eine originelle Antwort parat, die eine ernsthafte Pr&uuml;fung verdient hat. Die Gelder f&uuml;r die Sozialkassen sollen nicht aus dem allgemeinen Haushalt, also dem Steueraufkommen stammen, sondern aus den Erl&ouml;sen, die der Staat durch Privatisierungen und insbesondere durch den Verkauf von Immobilien einnehmen k&ouml;nnte.<\/p><p>&Uuml;ber dieses Finanzierungsmodell hat die Syriza-F&uuml;hrung eine ziemlich elegante Verbindung zwischen der Renten- und der Privatisierungsfrage hergestellt. Und damit der Debatte &uuml;ber die beste Verwertung des staatlichen Besitzes eine neue Richtung gegeben. Was das f&uuml;r die bereits laufenden Privatisierungsvorhaben (Hafen von Pir&auml;us, Provinzflugh&auml;fen u.a.) bedeutet, werde ich in einem meiner n&auml;chsten Beitr&auml;ge untersuchen.<\/p><p>Aber schon heute ist eines klar: An der Privatisierungsfrage wird der angestrebte &bdquo;ehrenvolle Kompromiss&ldquo; mit der Br&uuml;sseler Gruppe nicht scheitern. Allerdings droht der Regierung Tsipras auf diesem Feld eine innerparteiliche Kontroverse &ndash; und wom&ouml;glich eine Kraftprobe mit den Gewerkschaften, die bereits begonnen haben, gegen konkrete Privatisierungsvorhaben mobil zu machen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die H&auml;ngepartie zwischen Athen und den Finanzministern der EU geht weiter. Die innergriechischen Kontroversen &uuml;ber einen &bdquo;ehrenvollen Kompromiss&ldquo; nehmen zu.<br \/> <strong>Niels Kadritzke<\/strong> gibt einen &Uuml;berblick &uuml;ber den Stand der Verhandlungen zwischen Athen und den &bdquo;Institutionen&ldquo;. 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