{"id":2613,"date":"2007-09-05T10:50:59","date_gmt":"2007-09-05T08:50:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2613"},"modified":"2015-12-28T09:28:09","modified_gmt":"2015-12-28T08:28:09","slug":"die-pluenderung-von-volksvermoegen-geht-weiter-und-wieder-spueren-wir-unsere-ohnmacht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2613","title":{"rendered":"Die Pl\u00fcnderung von Volksverm\u00f6gen geht weiter &#8211; und wieder sp\u00fcren wir unsere Ohnmacht."},"content":{"rendered":"<p>Laut einem Bericht der Financial Times Deutschland hat die Deutsche Bahn AG ihre Immobilientochter Aurelis, der s&auml;mtliche nicht betriebsnotwendigen Grundst&uuml;cke der Deutschen Bahn AG geh&ouml;ren, f&uuml;r ca. 1,65 Mrd. Euro an den Baukonzern Hochtief verkauft. Die Erl&ouml;se sollen vollst&auml;ndig an die DB Station&amp;Service AG, die Bahnhofsbetreibergesellschaft, flie&szlig;en. Zur Finanzierung wurde der Finanzinvestor Redwood Grove mit ins Boot geholt. Und im manager-magazin wird wieder mal Reklame f&uuml;r &Ouml;PP gemacht. Albrecht M&uuml;ller.<br>\nQuelle 1: <a href=\"http:\/\/www.ftd.de\/unternehmen\/handel_dienstleister\/:Bahn%20Immobilientochter%20Hochtief\/248550.html\">Bahn<\/a><br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/www.manager-magazin.de\/geld\/geldanlage\/0,2828,503573,00.html\">&Ouml;PP<\/a><\/p><p><!--more--><\/p><ol>\n<li><strong>Zum Verkauf der Immobilientochter Aurelis:<\/strong><br>\nEin wichtiges St&uuml;ck des Konzerns wurde damit bereits vor dem B&ouml;rsengang versilbert. Im Grunde spielt es nat&uuml;rlich keine Rolle, ob eine der gr&ouml;&szlig;ten Immobiliengesellschaften der Bundesrepublik vor oder im Rahmen eines B&ouml;rsengangs verkauft werden, bemerkenswert ist allerdings, dass so etwas nahezu ohne &ouml;ffentliche Aufmerksamkeit passiert. Die Aurelis besitzt sehr viele, nahezu unbezahlbare Grundst&uuml;cke in den Innenst&auml;dten, die nun, ohne jegliche Einflussm&ouml;glichkeit des Deutschen Bundestages, also ohne demokratische Kontrolle, f&uuml;r einen Spottpreis versilbert worden sind. Der Bahntochter geh&ouml;ren 27.000.000 m_ Fl&auml;che. Damit ergibt sich nach meiner Berechnung ein durchschnittlicher Quadratmeterpreis von 61 &euro;.<br>\nAuch ein solch riesiger Deal geht ohne Debatte im Parlament vonstatten. Die &Ouml;ffentlichkeit, also die B&uuml;rger, denen dieses Verm&ouml;gen geh&ouml;rt, werden nachtr&auml;glich informiert.<\/li>\n<li><strong>Megamarkt mit Minirenditen<\/strong><br>\nDer Titel des mm-Artikels klingt ja noch unentschieden. Der Text selbst f&auml;ngt auch mit dem Hinweis auf ein h&ouml;chst unrentables &Ouml;PP-Projekt, den Herrentunnel in L&uuml;beck, an. Aber dieser kritische Einstieg spielt im weiteren Verlauf keine Rolle mehr. Um den Vorteil einer Beteiligung privaten Kapitals an &ouml;ffentlichen Investitionen zu untermauern, wird auf Berechnungen von Beratungsunternehmen zur&uuml;ckgegriffen, die als Begleiter von &Ouml;PP-Projekten gigantisch profitieren k&ouml;nnen &ndash; das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton und Ernst &amp; Young. Ein Vertreter dieses Unternehmens darf sagen, im Bereich Infrastruktur h&auml;tten wir einen Investitionsstau (pl&ouml;tzlich &ndash; nachdem gerade auch diese Wirtschaftsberater den Staat verarmen haben lassen, sagen sie das) und es werde gegenw&auml;rtig bestenfalls 1\/3 dessen investiert, was erforderlich w&auml;re. Und dann schlie&szlig;t der Redakteur des manager-magazins messerscharf: &bdquo;Grund genug also, weitere private Gelder zu mobilisieren.&ldquo; Wieso eigentlich keine &ouml;ffentlichen Gelder?<br>\nUnd dann wird behauptet, die Kommunen seien bislang zufrieden mit der Partnerschaft zwischen &ouml;ffentlicher Hand und privaten Investoren. Wieder beruft sich der Autor auf Ernst &amp; Young. Nach deren Studie sollen sich 87% der St&auml;dte, die bereits &ouml;ffentliche Einrichtungen privatisiert haben, positiv &uuml;ber das Ergebnis dieser Privatisierungen &auml;u&szlig;ern. Und dann wird noch behauptet, die Kommunen h&auml;tten Kosteneinsparungen von bis zu 20%.<br>\nDass sich die Kommunen, die solche Projekte durchgef&uuml;hrt haben, positiv &auml;u&szlig;ern, ergibt sich schon aus der Theorie der kognitiven Dissonanz. Wer so etwas entschieden und als Stadtrat oder Oberb&uuml;rgermeister oder als K&auml;mmerer verantwortet hat, wird und muss das immer positiv bewerten, sonst drohte ihm ja die Abwahl. Deswegen sind diese Verantwortlichen heilfroh, wenn die Befrager von Ernst &amp; Young des Wegs kommen und ihnen best&auml;tigen, dass sie im Trend liegen, dass es fast alle so machen und dass solche Entscheidungen kostensparend seien.<br>\nVon den f&uuml;r die &ouml;ffentliche Hand h&ouml;chst fragw&uuml;rdigen und kostspieligen Projekten ist in dem Artikel allerdings nicht die Rede:<br>\nNicht von der Insolvenz des U-Bahn Betreibers in London.<br>\nNicht von den h&ouml;chst zweifelhaften Projekten in M&uuml;lheim an der Ruhr, in K&ouml;ln, in Braunschweig, in Offenbach und an vielen anderen Orten.<br>\nAuch nicht von Frankfurt am Main, wo sogar die FAZ mit kritischen Berichten gl&auml;nzte. Siehe dazu auch <a href=\"?p=2341\">&ldquo;Beispielhaft f&uuml;r die fragw&uuml;rdige Praxis bei PPP-Privatisierungsprojekten: eine sonderbare Eile in Frankfurt.&rdquo;<\/a> auf den NachDenkSeiten.<br>\nNichts von den kritischen Berichten der Rechnungsh&ouml;fe.<\/li>\n<\/ol><p>Man muss den Eindruck gewinnen, dass dieser Artikel vor allem ein Lernziel hat: er soll suggerieren, dass &Ouml;PP f&uuml;r die &ouml;ffentlichen Stellen, also f&uuml;r die Gemeinden, die Kreise, die L&auml;nder und den Bund in jedem Fall nur positive Auswirkungen hat. Ausschlie&szlig;lich f&uuml;r die privaten Investoren k&ouml;nnten solche Geldanlagen riskant werden. Also muss die Politik den &ouml;ffentlichen H&auml;nden nur steuerfinanzierte PPP-Berater bereitstellen und die privaten Investoren mit Steuererleichterungen und unb&uuml;rokratischen Regelungen &bdquo;anreizen&ldquo;, sich ins Risiko zu st&uuml;rzen. Zum Wohle f&uuml;r uns alle &ndash; bis dann das dicke Ende auf den Steuerzahler zukommt. Clever gemacht.<\/p><p><strong>Nachtrag:<\/strong><br>\nIch werde gerade noch auf einen <a href=\"upload\/pdf\/2007_35_PPP_Banken.pdf\">Artikel in DIE ZEIT vom 23.8.2007 [PDF &ndash; 24 KB]<\/a> aufmerksam gemacht:<\/p><blockquote><p><strong>MACHER &amp; M&Auml;RKTE, Haushalt: Privates Geld <\/strong><br>\nDie Regierungskoalition will gemeinsam mit deutschen Banken ein Beratungsunternehmen schaffen, um die private Finanzierung &ouml;ffentlicher Investitionsvorhaben, sogenannter Public Private Partnerships (PPP), voranzutreiben.<\/p><\/blockquote><p>Das ist ein weiteres tolles St&uuml;ck. Jetzt geht der Einfluss der Finanzwirtschaft schon so weit, dass sie die Bundesregierung als Partner in einem gemeinsamen Unternehmen gewinnt, das Propaganda f&uuml;r PPP machen soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laut einem Bericht der Financial Times Deutschland hat die Deutsche Bahn AG ihre Immobilientochter Aurelis, der s&auml;mtliche nicht betriebsnotwendigen Grundst&uuml;cke der Deutschen Bahn AG geh&ouml;ren, f&uuml;r ca. 1,65 Mrd. Euro an den Baukonzern Hochtief verkauft. Die Erl&ouml;se sollen vollst&auml;ndig an die DB Station&amp;Service AG, die Bahnhofsbetreibergesellschaft, flie&szlig;en. Zur Finanzierung wurde der Finanzinvestor Redwood Grove mit<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2613\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[28,11],"tags":[268,1732,1731],"class_list":["post-2613","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-privatisierung","category-strategien-der-meinungsmache","tag-deutsche-bahn","tag-ernstyoung","tag-hochtief"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2613","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2613"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2613\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29741,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2613\/revisions\/29741"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2613"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2613"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2613"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}