{"id":26139,"date":"2015-05-18T09:55:46","date_gmt":"2015-05-18T07:55:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26139"},"modified":"2019-01-04T12:32:39","modified_gmt":"2019-01-04T11:32:39","slug":"rezension-volker-handon-die-psycho-trader","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26139","title":{"rendered":"Rezension \u2013 Volker Handon \u201eDie Psycho-Trader. Aus dem Innenleben unseres kranken Finanzsystems\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/marketing.medienpalast.de\/images\/2abf13f18e66dcbb3e4b58aa712dc01b.jpg\" alt=\"Volker Handon - Die Psycho-Trader\" title=\"Volker Handon - Die Psycho-Trader\"><\/div><p>Volker Handon ist ein Wertpapierh&auml;ndler, ein Day-Trader. Schon sein BWL-Studium finanzierte er sich durch ausgiebiges Backgammonspielen sowie durch das Verticken von Gebrauchtwagen in Frankfurt am Main. Seinen &bdquo;Spieltrieb&ldquo; lebte Handon sp&auml;ter bei der Commerzbank wie auch als Market-Maker an der Deutschen Terminb&ouml;rse (DTB) aus. Das war in den neunziger Jahren. Damals hatte man Leute wie ihn noch als Spekulanten bezeichnet. Heute spricht man von Anlegern oder Investoren. Handon ist jetzt selbstst&auml;ndig. Aber vieles an der B&ouml;rsenwelt gef&auml;llt ihm nicht mehr. Er will jetzt aufkl&auml;ren, einige &bdquo;dunkle Stellen auf dem Spielfeld besser ausleuchten&ldquo;. Deswegen hat er ein Buch geschrieben. <a href=\"http:\/\/www.westendverlag.de\/buecher-themen\/programm\/die-psycho-trader-volker-handon.html#.VVmKQ85v2aG\">&bdquo;Die Psycho-Trader. Aus dem Innenleben unseres kranken Finanzsystems&ldquo;<\/a>, hei&szlig;t es. Erschienen ist es vergangene Woche im Westend Verlag. Von <strong>Thomas Trares<\/strong> [<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26139#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>]<br>\n<!--more--><br>\nHandon schreibt dabei an der Schnittstelle zwischen B&ouml;rsenhandel, Psychologie und Wirtschaftspolitik, garniert mit pers&ouml;nlichen Erlebnissen aus der B&ouml;rsen- und Finanzwelt. Dem Leser gew&auml;hrt er dabei durchaus interessante Einblicke. So schildert er, wie schon zu seiner Zeit an der Deutschen Terminb&ouml;rse H&auml;ndler durch halbseidene Nebengesch&auml;fte ihr Gehalt aufbesserten. Oder aber wie die Hedgefonds es immer wieder schaffen, die Vorschriften zur Verhinderung von Lebensmittelspekulation zu umgehen. &bdquo;Der durchaus sinnvolle Absicherungsmarkt ist heute zu einer riesigen Spekulationsspielwiese geworden&ldquo;, meint Handon dazu.<\/p><p>Interessant sind aber auch die Erfahrungen, die er im Rahmen der Pleite seiner Clearingbank MF Global gemacht hat. &bdquo;Pl&ouml;tzlich wurde ich von Hedgefonds bombardiert, die mir meine Forderungen gegen&uuml;ber MF Global f&uuml;r kleinstes Geld abkaufen wollten.&ldquo; Offenbar gingen die Hedgefondsmanager dabei nicht gerade zimperlich vor. &bdquo;Meine Verhandlungspartner erkl&auml;rten mir gebetsm&uuml;hlenartig, wie aussichtslos meine Situation sei und dass das Beste f&uuml;r mich w&auml;re, ihr Kaufangebot anzunehmen. Selbst Drohungen sprach man gegen mich aus, um mich weichzuklopfen.&ldquo;<\/p><p>Enth&uuml;llungen von Wertpapierh&auml;ndlern sto&szlig;en seit der Finanzkrise offenbar auf besonderes Interesse. Sei es der &bdquo;Cityboy&ldquo; Geraint Anderson aus London, Greg Smith von Goldman Sachs oder in Deutschland die unter Pseudonym schreibende Derivate-H&auml;ndlerin Anne T; die Motivation ist immer &auml;hnlich. Ein Insider packt aus, meist aus Unmut &uuml;ber die innere Verfassung des Finanzsystems.<\/p><p>Handons Buch best&auml;tigt vieles von dem, was man schon aus fr&uuml;heren Schilderungen kennt. H&auml;ndler sind demnach alles andere als rationale handelnde Investoren, oft bestimmen Emotionen wie Gier, Euphorie, Angst und Stress den Alltag. &bdquo;Die Kollegen im Parketthandel kannten genau zwei Themen: Geld und Sex. Das galt &uuml;brigens auch f&uuml;r die Frauen, die dort arbeiteten. Es war im Grunde der gr&ouml;&szlig;te Affen- und Saustall, den ich bis dahin gesehen hatte.&ldquo; Und von britische Banken wei&szlig; Handon zu berichten, dass diese von Bewerbern gar schonmal die Messung ihres Testosteronspiegels verlangen. Denn &bdquo;in der ersten Angriffsreihe setzen Banken in der Regel auf aggressive Spieler &ndash; Jungs mit den sprichw&ouml;rtlichen Eiern in der Hose&ldquo;.<\/p><p>Handon schaltet sich aber auch gerne mal in die politische Diskussion ein, wobei man viele seiner Argumente so auch bei den &bdquo;Nachdenkseiten&ldquo; finden k&ouml;nnte: &bdquo;Ich halte die Behauptung, der Aktienmarkt sei eine zuverl&auml;ssige S&auml;ule f&uuml;r die Altersvorsorge, nicht nur f&uuml;r absoluten Quatsch, sondern f&uuml;r vors&auml;tzliche Volksverdummung.&ldquo; Und die kurz vor der &bdquo;Tagesschau&ldquo; ausgestrahlte Sendung &bdquo;B&ouml;rse vor acht&ldquo; ist f&uuml;r ihn ein sch&ouml;nes Beispiel f&uuml;r die gute Lobbyarbeit der Finanzwirtschaft: &bdquo;Jeden Werktag zur besten Sendezeit f&uuml;nf kostenlose Werbeminuten f&uuml;r die B&ouml;rse im &ouml;ffentlich-rechtlichen Fernsehen.&ldquo; Und dass ausgerechnet die SPD 2009 unter dem damaligen Finanzminister Peer Steinbr&uuml;ck eine Abschlagsteuer auf Kapitalgewinne eingef&uuml;hrt hat, h&auml;lt er ebenso f&uuml;r &bdquo;merkw&uuml;rdig&ldquo;.<\/p><p>Skurril ist dagegen Handons Vorschlag zur Reform des Steuersystems. Hier schwebt ihm eine Flatrate auf die Einkommensteuer mit wenigen Ausnahmen sowie ein relativ hoher Mehrwertsteuersatz von beispielsweise 35 Prozent vor. Die gezahlte Mehrwertsteuer soll allerdings auf die Einkommensteuer anrechenbar sein. Handon verspricht sich davon eine gerechtere Einkommens- und Verm&ouml;gensverteilung sowie ein einfacheres und gerechteres Steuersystem. Die Einf&uuml;hrung einer Finanztransaktionssteuer lehnt er dagegen ab.<\/p><p>Handon redet bei alledem ohne gro&szlig;en Schaum vorm Mund, er verf&auml;llt auch nicht in H&auml;ndler-Kauderwelsch. Seine Sprache ist unaufgeregt und verst&auml;ndlich. Dennoch merkt man ihm an, dass er sauer ist. Sauer auf die Politik, weil diese sich von den Banken &uuml;ber den Tisch ziehen lie&szlig; und das Ganze als &bdquo;alternativlos&ldquo; verkauft hat. Auch die Medien bekommen ihr Fett weg: &bdquo;Meine Frau ist regelrecht genervt, wenn ich ihr aus dem Wirtschaftsteil der FAZ beim morgendlichen Fr&uuml;hst&uuml;ck wieder einmal die Stellen vorlese, die eins zu eins aus dem Internet abgeschrieben wurden.&ldquo; Sauer ist er aber auch auf Thomas Jordan, den Pr&auml;sidenten der Schweizerischen Nationalbank (SNB), und zwar weil dieser ohne Vorwarnung einfach die Bindung des Schweizer Franken an den Euro aufgehoben hat. F&uuml;r Handon war dies ein &bdquo;Vertrauenstsunami&ldquo;. Au&szlig;erdem beklagt er die geringe Finanzbildung in der Bev&ouml;lkerung.<\/p><p>Letztlich mag man sich als Leser fragen, warum ausgerechnet Ver&ouml;ffentlichungen von Wertpapierh&auml;ndlern so viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen, schlie&szlig;lich gibt es ja noch zahllose andere interessante Berufe. Im Wertpapierhandel kommen aber wohl gleich mehrere Faktoren zusammen: So lassen sich dort Renditen erzielen, die sonst wohl nur im organisierten Verbrechen m&ouml;glich sind, angereichert wird dies dann noch mit einer geh&ouml;rigen Portion Intransparenz. Denn wer wei&szlig; schon genau, was wirklich hinter den Fassaden der sch&ouml;nen Bankenwelt vor sich geht? Beim Betrachter mag all dies Bewunderung und Abscheu zugleich hervorrufen.<\/p><p>&bdquo;Ich glaube, es gibt keinen anderen Job mit einer gr&ouml;&szlig;eren Divergenz zwischen gesellschaftlichem Ansehen und intellektueller Leistung als den des B&ouml;rsenmaklers. Es ist unfassbar, wie sich diese Branche v&ouml;llig zu Unrecht ein solch gutes Standing in der &Ouml;ffentlichkeit erschleichen konnte, obwohl hier bestenfalls mit lauwarmem Wasser gekocht wird&ldquo;, schreibt Handon dazu. Den Beruf des Wertpapierh&auml;ndlers w&uuml;rde er heute nicht mehr ergreifen. &bdquo;Finger weg vom Handel mit Geld! Er besitzt ein viel zu gro&szlig;es Potenzial Menschen ungl&uuml;cklich zu machen:&ldquo; R&auml;umliche Distanz hat Handon bereits zur Finanzwelt geschaffen. Schon seit 2006 arbeitet er als &bdquo;Lonesome Day-Trader&ldquo; in seiner &bdquo;Homeoffice&ldquo;.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Thomas Trares ist Diplom-Volkswirt. Studiert hat er an der Johannes Gutenberg-Universit&auml;t Mainz. Danach war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur vwd. Seit &uuml;ber zehn Jahren arbeitet er als freier Wirtschaftsjournalist in Berlin.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/marketing.medienpalast.de\/images\/2abf13f18e66dcbb3e4b58aa712dc01b.jpg\" alt=\"Volker Handon - Die Psycho-Trader\" title=\"Volker Handon - Die Psycho-Trader\"\/><\/div>\n<p>Volker Handon ist ein Wertpapierh&auml;ndler, ein Day-Trader. Schon sein BWL-Studium finanzierte er sich durch ausgiebiges Backgammonspielen sowie durch das Verticken von Gebrauchtwagen in Frankfurt am Main. Seinen &bdquo;Spieltrieb&ldquo; lebte Handon sp&auml;ter bei der Commerzbank wie auch als Market-Maker<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26139\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[136,208,137],"tags":[292,283,285,849],"class_list":["post-26139","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-banken-boerse-spekulation","category-rezensionen","category-steuern-und-abgaben","tag-finanzkasino","tag-finanzmaerkte","tag-hedgefonds","tag-nahrungsmittel"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26139","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26139"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26139\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":48253,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26139\/revisions\/48253"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26139"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26139"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26139"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}