{"id":2624,"date":"2007-09-07T09:27:48","date_gmt":"2007-09-07T07:27:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2624"},"modified":"2015-12-26T14:30:34","modified_gmt":"2015-12-26T13:30:34","slug":"merkels-clevere-vielfalt-strategie-und-die-einfalt-auf-der-anderen-seite-geschlossenheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2624","title":{"rendered":"Merkels clevere Vielfalt-Strategie und die Einfalt auf der anderen Seite: Geschlossenheit!"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/politik\/aktuell\/?em_cnt=1204014&amp;\">In der FR vom 4.9.<\/a> gab es ein Interview mit Bundeskanzlerin Merkel:  Darin offenbarte sie ein wichtiges Strategieelement der Union, auf das ich unsere Leser aufmerksam machen wollte. Ganz im Sinne des Ziels der NachDenkSeiten, auf Strategien der Meinungsbeeinflussung hinzuweisen. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Hier ist der einschl&auml;gige Auszug aus dem Interview:<\/strong><\/p><ul>\n<li><em>FR: Bei Edmund Stoiber tauchte der Satz auf, die Union sei in Gefahr, zu einer gesichtslosen, beliebigen Partei der Mitte zu werden.<\/em><\/li>\n<li><em>A. Merkel: Ich finde es gut, dass die Union viele Gesichter hat. Ich bin eines, Edmund Stoiber ist ein zweites. Ich m&ouml;chte als Kanzlerin ein Angebot machen f&uuml;r jeden, der sich demokratischen Grunds&auml;tzen verschreibt.<\/em><\/li>\n<li><em>FR: Und der rechte Fl&uuml;gel wird in Arbeitsteilung bedient?<\/em><\/li>\n<li><em>A. Merkel: Volksparteien sind von verschiedenen Str&ouml;mungen gepr&auml;gt. Das ist f&uuml;r ihre Bandbreite und Integrationskraft unabdingbar. &hellip;<\/em><\/li>\n<\/ul><p>Angela Merkel hat begriffen, dass eine Volkspartei wie die Union oder die SPD Wahlen nur dann erfolgreich bestehen kann, wenn sie viele Gruppen bedient &ndash; mit faktischer Politik oder mit programmatischen Formulierungen oder nur mit als glaubw&uuml;rdig vermittelten Worten. Nur wenn sich Menschen aus vielen verschiedenen Gruppen mit sehr verschiedenen politischen Anliegen wiedererkennen, sind Wahlergebnisse von &uuml;ber 40% f&uuml;r eine Partei &uuml;berhaupt denkbar. Wir nannten das bei fr&uuml;heren Wahlkampfplanungen das &bdquo;Scheibchenmodell&ldquo; der Wahlkampfplanung. Im Buch &bdquo;Willy w&auml;hlen 72&ldquo; &uuml;ber den Wahlkampf 1972 habe ich dieses Modell beschrieben. Weil dies als Strategieelement unserer gr&ouml;&szlig;eren Parteien, wie man an Angela Merkels Strategie sieht, immer noch aktuell ist, steht Ihnen der entsprechende Text als <a href=\"?p=2623\">Auszug<\/a> zur Verf&uuml;gung.<\/p><p>Angela Merkel l&auml;sst plurale Profilierung zu. Sie l&auml;sst auch den Streit dar&uuml;ber zu. Andere, CDU-Landesf&uuml;rsten wie J&uuml;rgen R&uuml;ttgers zum Beispiel praktizieren die Strategie in ihrem Bereich vorz&uuml;glich. Soziales Reden und konservative praktische Politik, harte Worte gegen die Hartz Gesetze und die Agenda 2010 auf der einen Seite und eine knallharte Privatisierungspolitik und die &Uuml;berantwortung der nordrhein-westf&auml;lischen Universit&auml;ten in den Einflussbereich der Wirtschaft auf der anderen Seite. Bei Angela Merkel auch soziale T&ouml;ne sowie Klimaschutz als neues Profilierungselement und gleichzeitig eine Renaissance von Ludwig Erhard ohne viel Soziales, das ist die verwirrende Praxis.<\/p><p>Offensichtlich funktioniert diese Strategie der gro&szlig;en Bandbreite, wie man an den Umfragen sieht. Man kann das Funktionieren dieser Strategie auch daran erkennen, dass Frau Merkel eine &bdquo;recht sozialdemokratische Kanzlerin&ldquo; (siehe Interview FR) genannt wird. Oder daran, dass man jetzt gelegentlich h&ouml;ren oder lesen kann, die CDU-Vorsitzender habe sich von den neoliberal gepr&auml;gten Beschl&uuml;ssen des Leipziger Parteitages der CDU und damit vom neoliberalen Kurs der Union verabschiedet und &uuml;berhole die SPD links. Solche Beobachter leiden offenbar an selektiver Wahrnehmung. Das ist genau das, worauf die Strategen der Vielfalt setzen.<\/p><p>Was vom angeblichen Linksruck der Union zu halten ist, kann man erkennen, wenn man den folgenden <a href=\"http:\/\/www.berlinonline.de\/berliner-zeitung\/print\/politik\/683315.html\">Bericht der Berliner Zeitung<\/a> &uuml;ber einen Auftritt Angela Merkels mit Buchvorstellung beim CDU-Wirtschaftsrat liest<br>\nIch zitiere daraus:<\/p><ul>\n<li><em>Merkel beruft sich in fast jeder l&auml;ngeren Rede auf den Mann ohne Parteibuch, der als Vater des Wirtschaftswunders gefeiert wird. Es sei n&ouml;tig, schreibt Merkel, den urspr&uuml;nglichen Ansatz Erhards freizulegen und Unsch&auml;rfen zu korrigieren, die sich im Verst&auml;ndnis des Konzepts der sozialen Marktwirtschaft eingeschlichen h&auml;tten. So habe Erhard den geordneten Markt bereits selbst als sozial angesehen. &ldquo;Die verbreitete Vorstellung, es gebe hier die egoistische Welt des Marktes und dort erg&auml;nzend das Soziale als Korrektur, ist verfehlt&rdquo;, so die Kanzlerin. Soziale Gerechtigkeit bedeute also nicht Umverteilung sondern eine Politik, die jedem Einzelnen die M&ouml;glichkeit zur Entfaltung seiner Person gebe. Zu viel staatliche Umverteilung sch&auml;dige die soziale Marktwirtschaft, weil Leistungsanreize und Leistungsbereitschaft dadurch schw&auml;nden. &ldquo;Nichts ist unsozialer als der Wohlfahrtsstaat&rdquo;, ist einer der S&auml;tze Erhards, die Merkel zitiert. Sie findet: &ldquo;Die Besinnung auf Ludwig Erhard sollte uns Mut machen.&rdquo;<\/em><\/li>\n<\/ul><p>&bdquo;Nichts ist unsozialer als der Wohlfahrtsstaat&ldquo; oder: &bdquo;Der geordnete Markt ist bereits selbst sozial&ldquo; &ndash; das klingt schon ungeheuer beeindruckend nach der Befreiung von den Fesseln der neoliberal gepr&auml;gten Leipziger Beschl&uuml;sse, kann man hierzu nur noch ironisch anmerken. Aber so ist das mit den vielen Gesichtern. Jeder sucht sich das Gesicht heraus, das ihm gef&auml;llt. So ist es von den Strategen auch gedacht.<\/p><p>Da bleibt f&uuml;r kritische Zeitgenossinnen\/en nur der Versuch, bei Anerkennung der Notwendigkeit pluraler Ansprache durch die Volksparteien ernsthaft und immer wieder zu pr&uuml;fen, was glaubw&uuml;rdig ist am vielf&auml;ltigen Auftritt und was nicht. Wenn eine politische Gruppe sozial t&ouml;nt und zugleich ein ganzes B&uuml;ndel gegenl&auml;ufiger Ma&szlig;nahmen wie zum Beispiel die Mehrwertsteuererh&ouml;hung und die Unternehmensteuersenkung, weitere steuerliche Erleichterungen f&uuml;r die Heuschrecken und die Studiengeb&uuml;hren durchdr&uuml;ckt und umsetzt, dann sind die sozialen T&ouml;ne sehr wahrscheinlich aufgesetzt. &Auml;hnlich ist das vermutlich mit den neuen &ouml;kologischen Akzenten. Das alles geh&ouml;rt zu einer Strategie der gro&szlig;en Bandbreite.<\/p><p>Die SPD scheint nicht einmal die strategische Notwendigkeit einer solchen W&auml;hlerstrategie begriffen zu haben. Dort freute man sich in dieser Woche kindlich &uuml;ber das neue Gef&uuml;hl der Geschlossenheit, nachdem der Vorsitzende diese Geschlossenheit angemahnt und dabei auf den Tisch gehauen hatte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/politik\/aktuell\/?em_cnt=1204014&amp;\">In der FR vom 4.9.<\/a> gab es ein Interview mit Bundeskanzlerin Merkel: Darin offenbarte sie ein wichtiges Strategieelement der Union, auf das ich unsere Leser aufmerksam machen wollte. Ganz im Sinne des Ziels der NachDenkSeiten, auf Strategien der Meinungsbeeinflussung hinzuweisen. Albrecht M&uuml;ller.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[192,198,11],"tags":[315,240,528,278,234],"class_list":["post-2624","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-cducsu","category-einzelne-politiker-personen-der-zeitgeschichte","category-strategien-der-meinungsmache","tag-merkel-angela","tag-sozialdemokratisierung","tag-soziale-marktwirtschaft","tag-steuersenkungen","tag-studiengebuehren"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2624","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2624"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2624\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29732,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2624\/revisions\/29732"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2624"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2624"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2624"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}