{"id":26370,"date":"2015-06-10T09:49:07","date_gmt":"2015-06-10T07:49:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26370"},"modified":"2015-06-12T17:23:26","modified_gmt":"2015-06-12T15:23:26","slug":"g7-und-das-klima-die-entscheidenden-themen-wurden-nicht-angesprochen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26370","title":{"rendered":"G7 und das Klima \u2013 die entscheidenden Themen wurden nicht angesprochen"},"content":{"rendered":"<p>Als sich die M&auml;chtigen der Welt beim G7-Gipfel in Elmau &uuml;ber verbindliche Ziele zur CO2-Reduktion stritten, ging es nicht um die Rettung der Welt. Es geht auch nicht um die unz&auml;hligen Menschen, die durch den Klimawandel, der irreversibel ist und auch von Frau Dr. Merkel nicht gestoppt werden kann, Schaden nehmen. Vor allem f&uuml;r Deutschland geht es beim Thema &bdquo;Klimaschutz&ldquo; vor allem um den schn&ouml;den Mammon. G7 gegen Schwellenl&auml;nder, Deutschland gegen alle. Die Umwelttechnologie ist ein gigantischer Markt mit einem Billionenvolumen &ndash; und Weltmarktf&uuml;hrer ist Deutschland. Da wundert es kaum, warum in Deutschland der Klimawandel hysterischer als in anderen L&auml;ndern kommentiert wird. Bei all ihrem Geschachere um CO2-Reduktion verschenkt die Weltgemeinschaft dabei die Chance, die Folgen des Klimawandels wirklich zu minimieren. Von <strong>Jens Berger<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_9187\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-26370-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150612_G7_und_das_Klima_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150612_G7_und_das_Klima_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150612_G7_und_das_Klima_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150612_G7_und_das_Klima_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=26370-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150612_G7_und_das_Klima_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"150612_G7_und_das_Klima_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>Die letzte Wachstumsbranche<\/strong><\/p><p>Schon <a href=\"http:\/\/www.wiwo.de\/technik-wissen\/wie-oeko-technik-die-deutsche-industrie-revolutioniert-395625\/4\/\">heute<\/a> arbeiten 1,2 Millionen Deutsche im Greentech-Sektor, wie Zahlen, die im Auftrag des Umweltministeriums erhoben worden, zeigen. Umwelttechnik ist damit noch vor dem Maschinenbau und der Automobilindustrie der wichtigste industrielle Sektor Deutschlands. Dieser Erfolg kommt nicht von irgendwo her. Rigide Umweltschutzgesetze und strenge Industrierichtlinien, kombiniert mit gigantischen Subventionen, haben aus den lila Latzhosen Schlipstr&auml;ger gemacht und auch die Marktf&uuml;hrer im Industriesektor in die Umwelttechnik getrieben. Der weltweit gr&ouml;&szlig;te Greentech-Konzern ist mittlerweile Siemens, dessen Umweltsparte 19 Milliarden Euro umsetzt.<\/p><p>Waren die USA vor dem Amtsantritt des &Ouml;l-Mannes George W. Bush noch Weltmarktf&uuml;hrer auf dem Greentech-Sektor, so hat Deutschland den Amerikanern diesen Rang l&auml;ngst abgejagt &ndash; und dies bei steil nach oben steigenden Wachstumszahlen. Alleine das Marktsegment &ldquo;erneuerbare Energien&rdquo; soll pro Jahr um 11% steigen &ndash; das Segment &ldquo;Energieeffizienz&rdquo; um 6%. In den n&auml;chsten zehn Jahren wird sich das Volumen des Greentech-Sektors damit mehr als verdoppeln. 2020 sollen laut einer Studie von Roland Berger 2,2 Millionen Deutsche im Greentech-Sektor t&auml;tig sein &ndash; mehr als in der Automobilindustrie und im Maschinenbau zusammen. Keine Frage, die deutsche Industrie hat ein Interesse an weltweit verbindlichen Klimazielen &ndash; je rigider, desto besser.<\/p><p><strong>Umverteilung global<\/strong><\/p><p>Investitionen in die Umwelttechnik sind &ndash; wie alle Investitionen &ndash; auch ein Umverteilung von Geldern. Wenn Umweltsch&uuml;tzer die Kosten zur vermeintlichen Abwehr des Klimawandels mit den Kosten der Finanzkrise vergleichen, so ist dies sympathisch naiv. Schon die Vergangenheit des deutschen &Ouml;kobooms war eine Umverteilung &ndash; zum Teil auch von unten nach oben. Verdeutlichen kann man dies an Windr&auml;dern und Solard&auml;chern. Jahrelang waren Investitionen in erneuerbare Energien reine Steuersparmodelle f&uuml;r Besserverdiener &ndash; Verlustabschreibungen, ausgeglichen durch subventionierte Energiepreise. Was der Besserverdiener an Steuern gespart hat, musste von der Allgemeinheit &uuml;ber h&ouml;here Stromkosten bezahlt werden. H&ouml;here Stromrechnungen f&uuml;r die Kassiererin zugunsten der die Steuerersparnis ihres Chefs. Aber wenn es der Umwelt dient, ist es ja ok. Protest von &ldquo;links&rdquo; blieb bei dieser Form der Umverteilung erwartungsgem&auml;&szlig; aus.<\/p><p>Heute geht es eher um eine globale Umverteilung. Um Klimaziele zu erreichen, muss viel Geld in Umwelttechnik investiert werden. Davon profitieren zu allererst die Unternehmen, die im Markt stark sind, allen voran Weltmarktf&uuml;hrer Deutschland. Wenn die Chinesen also weniger CO2 aussto&szlig;en sollen, m&uuml;ssen sie viel Geld investieren. Geld f&uuml;r deutsche Technik aus deutschen Firmen. So holt sich Deutschland das Geld zur&uuml;ck, das China den Deutschen und mehr noch den Amerikanern f&uuml;r Konsumg&uuml;ter abnimmt. Ein sch&ouml;ner Kreislauf, solange alle L&auml;nder die immer rigideren Klimaprotokolle unterzeichnen.<\/p><p><strong>Aber das ist doch gut!<\/strong><\/p><p>Nat&uuml;rlich w&auml;re es aus deutscher Sicht problematischer, wenn sich die hiesige Volkswirtschaft den R&uuml;stungssektor als Wachstumsmarkt ausgesucht h&auml;tte. Greentech schadet zumindest niemanden und nutze der Menschheit &ndash; oder? Das h&auml;ngt davon, wen man betrachtet. Umweltstandards sind auch ein Schutz der OECD-Staaten vor der Konkurrenz aus den Schwellenl&auml;ndern. Kraftwerke, Industrieanlagen oder Autos k&ouml;nnen auch die Chinesen bauen, f&uuml;r den heimischen und den Exportmarkt. Wenn es allerdings Produktstandards gibt, die nur unter Einbeziehung westlicher Patente eingehalten werden k&ouml;nnen, so ist dies lediglich eine Handelsbarriere der anderen Art. <\/p><p>Das Ergebnis dieses billionenschweren Umverteilungskreislaufs besteht in einem reduzierten Verbrauch fossiler Rohstoffe und einem reduzierten Aussto&szlig; von Treibhausgasen. In welchem Ma&szlig;e diese Treibhausgase &uuml;berhaupt f&uuml;r den Klimawandel verantwortlich sind und was die Folgen dieses Klimawandels sind, ist dabei heftig <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-98091084.html\">umstritten<\/a>. Fest steht, dass die Emission von Treibhausgasen auch signifikante Auswirkungen auf die globale Erw&auml;rmung hat. Die Frage lautet vielmehr &ndash; kann eine Reduktion des Aussto&szlig;es von Treibhausgasen diese Entwicklung ma&szlig;geblich abschw&auml;chen? <\/p><p><strong>Klimamodelle und Folgenabsch&auml;tzung<\/strong><\/p><p>Genau in diesem Punkt sind sich die seri&ouml;sen Klimawissenschaftler uneins. Nat&uuml;rlich nimmt niemand die selbsternannten &ldquo;Wissenschaftler&rdquo; ernst, die als &ldquo;Klimaskeptiker&rdquo; auf L&uuml;gen basierende Verschw&ouml;rungstheorien unters Volk bringen. Die seri&ouml;sen Klimawissenschaftler sind sich zwar einig &uuml;ber den gro&szlig;en Einfluss menschlichen Handelns auf die Klimaentwicklung &ndash; uneinig sind sie sich indes, ob eine Reduktion des CO2-Aussto&szlig;es wirklich so viel bringen wird. Nat&uuml;rlich sind die deutschen Klimaforscher um das mit Staatsmitteln aufgep&auml;ppelte PIK-Potsdam stets ganz vorne mit dabei, wenn es gilt, schrille Szenarien auszumalen. Je schriller, desto besser die Chance f&uuml;r die deutsche Politik, international rigide Grenzwerte durchzusetzen und damit hochprofitable Auftr&auml;ge heim ins Land zu holen. Das ist nicht verwerflich &ndash; wenn eine Volkswirtschaft von Regenschirmproduzenten dominiert wird, wird sie die Klimawissenschaftler, die Regen vorhersagen, mit staatlichen Geldern ausstatten. Alles andere w&auml;re ja auch dumm.<\/p><p><strong>Vertane Chance<\/strong><\/p><p>Aus deutscher Sicht ist nichts gegen die grassierende Klimahysterie einzuwenden &ndash; schlie&szlig;lich bringt sie Geld ins Land. Mit Umweltschutz oder gar den Folgen des Klimawandels hat das aber nichts zu tun. Das Klima wird w&auml;rmer, die Meere werden steigen, es wird Opfer geben &ndash; dies alles sind Fakten, die von niemanden ernsthaft bestritten werden. All dies wird eintreten, auch wenn die Menschheit von morgen an gar keine fossilen Rohstoffe mehr verbrennt und alle K&uuml;he und Schafe keult &ndash; ihr nat&uuml;rlicher Methanaussto&szlig; hat Studien zufolge mehr Folgen f&uuml;r die Erderw&auml;rmung als Auto- und Kraftwerksabgase zusammen, aber mit &ldquo;Kuhkatalysatoren&rdquo; l&auml;sst sich nun einmal kein Geld verdienen.<\/p><p>Wenn nun aber der Klimawandel auf jeden Fall kommt, dann m&uuml;sste man sich doch darauf vorbereiten? Eben dies wird aber nicht getan, da die Gelder zur praktischen Klimafolgenabwehr nicht in die Taschen deutscher oder amerikanischer Konzerne gehen. Man k&ouml;nnte beispielsweise Bangladesch Geld geben, damit dieses Land D&auml;mme baut, die es schon bald brauchen wird. Man k&ouml;nnte Nationen im s&uuml;dlichen Afrika Geld geben, damit sie schon jetzt ihre Landwirtschaft auf kommende D&uuml;rreperioden vorbereiten. Industriel&auml;nder k&ouml;nnen die Folgen des Klimawandels spielend leicht finanzieren &ndash; Holland und seine D&auml;mme sind da nur ein Beispiel. Die &auml;rmsten L&auml;nder des S&uuml;dens, die vom Klimawandel am h&auml;rtesten getroffen werden, stehen den Folgen des Klimawandels jedoch machtlos gegen&uuml;ber. Sie sind bei der gesamten Debatte nicht Subjekt, sondern Objekt. Und daran wird sich leider auch nichts &auml;ndern.<\/p><p>All dies wurde aber auch in Elmau nicht diskutiert, genau so wie auf zahllosen Veranstaltungen zuvor. Es dreht sich dort nicht um Entwicklungsl&auml;nder, sondern um Verteilungsfragen zwischen den G7 und dem Rest der Welt. Und wen wundert es, dass Angela Merkel auch in Elmau mal wieder wie ein L&ouml;win gek&auml;mpft hat, um m&ouml;glichst verbindliche Klimaziele zu erreichen. Ginge es &ldquo;nur&rdquo; um die Umwelt, w&uuml;rde man dies wie zahllose andere wichtige Themen auch auf Gremienebene verhandeln und in den Medien w&uuml;rde kein Hahn danach kr&auml;hen. Es geht aber um die Wirtschaft &ndash; und die ist Chefsache. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als sich die M&auml;chtigen der Welt beim G7-Gipfel in Elmau &uuml;ber verbindliche Ziele zur CO2-Reduktion stritten, ging es nicht um die Rettung der Welt. Es geht auch nicht um die unz&auml;hligen Menschen, die durch den Klimawandel, der irreversibel ist und auch von Frau Dr. Merkel nicht gestoppt werden kann, Schaden nehmen. Vor allem f&uuml;r Deutschland<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26370\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,37,177,11,176],"tags":[1431,593,1436,394,291],"class_list":["post-26370","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-globalisierung","category-klimawandel","category-strategien-der-meinungsmache","category-umweltpolitik","tag-elmau","tag-g7820","tag-klimaprotokoll","tag-subventionen","tag-verteilungsgerechtigkeit"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26370","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26370"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26370\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26404,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26370\/revisions\/26404"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26370"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26370"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26370"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}