{"id":26421,"date":"2015-06-16T09:54:41","date_gmt":"2015-06-16T07:54:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26421"},"modified":"2019-01-30T10:26:25","modified_gmt":"2019-01-30T09:26:25","slug":"aus-der-welt-gefallen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26421","title":{"rendered":"Aus der Welt gefallen"},"content":{"rendered":"<p>Eine Nachbetrachtung zum Absturz der Germanwings-Maschine.<\/p><p>Letzten Mittwoch wurde Angeh&ouml;rigen der Opfer des Absturzes der Germanwings-Maschine die S&auml;rge mit den &Uuml;berresten der Toten &uuml;bergeben. Am Tag darauf informierte die Staatsanwaltschaft in Paris &uuml;ber den Stand der Ermittlungen. Anlass f&uuml;r <strong>G&ouml;tz Eisenberg<\/strong>, im Lichte der neuen Erkenntnisse noch einmal auf den Fall zur&uuml;ckzublicken.<br>\n<!--more--><br>\nEine Tat verstehbar werden zu lassen, ist etwas anderes, als sie und den T&auml;ter zu entschuldigen. Es geht nicht darum, den Kopiloten von Schuld freizusprechen und das Leid der Opfer und ihrer Angeh&ouml;rigen zu schm&auml;lern. Andreas L. hat das Flugzeug zum Absturz gebracht und 149 Menschen mit in den Tod gerissen. Es m&uuml;sste gerade im Interesse der Opfer liegen &ndash; der gestrigen und der von morgen -, hinter der Tat Zugang zu finden zur Psychopathologie des T&auml;ters. Nur wenn es uns gelingt, einen m&ouml;glichst umfassenden Verst&auml;ndniszusammenhang herzustellen, werden wir vielleicht zuk&uuml;nftig in der Lage sein, im Vorfeld sensibler auf Warnsignale zu reagieren. <\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ja, das ist besonders merkw&uuml;rdig: Seine ganze Angst war vergeblich. Das erinnert an den gro&szlig;artigen Satz von Kafka, der mir jetzt einf&auml;llt, &uuml;ber seine Angst: Dass die ganzen &Auml;ngste, die er hatte, m&ouml;glicherweise v&ouml;llig &uuml;berfl&uuml;ssig waren.&ldquo;<br>\n(Wilhelm Genazino)\n<\/p><\/blockquote><p>Am Mittwoch, den 10. Juni 2015 wurde Angeh&ouml;rigen der Opfer die S&auml;rge mit dem &Uuml;berresten der Toten &uuml;bergeben, am Donnerstag waren sie nach Paris eingeladen, wo die dortige Staatsanwaltschaft sie &uuml;ber den Stand der Ermittlungen informierte. In der <em>S&uuml;ddeutschen Zeitung<\/em> vom Freitag, dem 12. Juni 2015 findet sich ein Bericht &uuml;ber die Pressekonferenz und den gegenw&auml;rtigen Kenntnisstand in Sachen Absturz der Germanwings-Maschine am 24. M&auml;rz 2015. Ich fasse diesen Artikel zusammen:<\/p><p>Eines der letzten W&ouml;rter, die Andreas L. auf seinem iPad gegoogelt hat, lautet: Patientenverf&uuml;gung. Eine solche Verf&uuml;gung legt fest, wie weit &Auml;rzte im Grenzfall gehen sollen und d&uuml;rfen, wenn ein Mensch sich zwischen Tod und Leben befindet, weder tot noch richtig lebendig ist. L. hat an diesem Tag auch noch die Suchw&ouml;rter <em>Leiden, Krankenhaus, Sterben<\/em> eingegeben. Man kann daraus schlie&szlig;en, dass Andreas L., der offenbar suizidal gestimmt war, bis zuletzt vorhatte, nur sich selbst umzubringen. Und er hatte offenbar Angst, dass dieser Versuch misslingen und man ihn fr&uuml;hzeitig finden und erfolgreich wiederbeleben k&ouml;nnte. So l&auml;sst sich sein Interesse f&uuml;r die Patientenverf&uuml;gung deuten. Bis zum Schluss war alles in der Schwebe und er schwankte zwischen verschiedenen M&ouml;glichkeiten hin und her. <\/p><p>Man hat bei insgesamt 46 &Auml;rzten Unterlagen &uuml;ber Andreas L. sichergestellt. Er f&uuml;rchtete zuletzt offenbar, an einer schweren Augenkrankheit zu leiden und entwickelte eine ans Wahnhafte grenzende Angst, zu erblinden, und damit das Fliegen und seinen geliebten Beruf zu verlieren. Diese Angst, so scheint es, trieb ihn in den Tod. Ende 2014 entdeckt Andreas L. erste Anzeichen dieser vermeintlichen Augenkrankheit und sucht noch kurz vor Weihnachten einen Augenarzt auf, der aber nichts findet, was auf eine ernsthafte Erkrankung hindeutet. Er traut der Entwarnung nicht und konsultiert weitere &Auml;rzte. Er beginnt eine regelrechte &Auml;rzte-Odyssee, die f&uuml;r Au&szlig;enstehende kaum nachvollziehbar ist. Alle &Auml;rzte kommen zum selben Ergebnis: Seine Augen sind vollkommen in Ordnung. &bdquo;Die Botschaft erreicht L. nicht. &sbquo;Wenn die Augen nicht w&auml;ren&lsquo;, schreibt er einem der &Auml;rzte, &sbquo;w&auml;re alles gut&lsquo;. Welche Tragik. Es <em>war<\/em> ja alles gut.&ldquo;<\/p><p>Die Mutter empfiehlt ihm, zu einem Psychiater zu gehen und begleitet ihn Mitte M&auml;rz sogar, als er endlich ihrem Rat folgt. Der Psychiater und die Neurologen, die er danach aufsucht, tippen auf eine Angstst&ouml;rung. Schon im Jahr 2009 musste Andreas L. die Pilotenschule verlassen, um sich wegen Depressionen behandeln zu lassen. Nun, im Jahr 2015, lehnt er eine weitere psychiatrische Behandlung ab mit der Begr&uuml;ndung, er habe es &bdquo;ja nur an den Augen&ldquo;. <\/p><p>Zum Schl&uuml;sselasservat in diesem Fall avanciert sein iPad, bzw. die Suchfunktion im Internetbrowser. Ab Mitte M&auml;rz 2015 zeugen die Sucheintr&auml;ge von einer deutlichen Zuspitzung der Lage. Er lie&szlig; sich krankschreiben. Zwischen dem 13. und dem 22. M&auml;rz steuert er kein Flugzeug. Gleich von drei &Auml;rzten besorgt er sich Atteste. Einer diagnostiziert einen &bdquo;psychosomatischen Beschwerdekomplex&ldquo;. Dieses Attest gibt Herr L. vorsichtshalber erst gar nicht beim Arbeitsgeber ab. Wie ein Ertrinkender sucht er nach einer L&ouml;sung seiner Probleme, die er zunehmend im Tod erblickt. Er fragt im Internet nach &bdquo;einem schnellen Tod&ldquo;, &bdquo;wieviel kostet Zyankali und woher kriegt man das?&ldquo; Er sucht allgemein nach Giften und t&ouml;dlichen Medikamenten-Cocktails, er sucht nach M&ouml;glichkeiten, seine Schlafst&ouml;rungen loszuwerden. Am 20. M&auml;rz klickt er auf eine Seite mit Beschreibungen von Cockpit-T&uuml;ren. Da ist er also gedanklich bereits mit der M&ouml;glichkeit befasst, die er dann vier Tage sp&auml;ter w&auml;hlt. Am Tag vor dem Ungl&uuml;ck googelt er die Patientenverf&uuml;gung. Noch immer hat er keine endg&uuml;ltige Wahl getroffen. Auf dem Hinflug nach Barcelona hatte Andreas L. den Autopiloten schon einmal auf 100 Fu&szlig; eingestellt, als der Pilot das Cockpit verlassen hatte. &bdquo;War das die Generalprobe? Oder wollte er das Flugzeug schon da abst&uuml;rzen lassen, und zuckte dann doch zur&uuml;ck?&ldquo;, fragt die <em>S&uuml;ddeutsche Zeitung<\/em> abschlie&szlig;end. <\/p><p>Die Ermittlungsergebnisse zeigen uns einen verzweifelten jungen Mann, der in einer tiefen Lebenskrise steckt und den Weg zu anderen Menschen nicht findet, die ihm da raus- und weiterhelfen k&ouml;nnten. Was letztlich den Ausschlag gab, dass er die Methode des erweiterten Suizids w&auml;hlte, werden wir nicht erfahren. Man kann dar&uuml;ber im Sinne meiner fr&uuml;heren Anmerkungen nur spekulieren. (siehe: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25597\">Alles mitrei&szlig;en in den Untergang<\/a>, Nachdenkseiten vom 2. April 2015)<\/p><p>F&uuml;r jeden, der therapeutisch arbeitet, ist die scheinbar grundlose Angst ein vertrautes Ph&auml;nomen. Man spricht in F&auml;llen wie dem des Andreas L. von Hypochondrie. Der hypochondrische Mensch ist st&auml;ndig und &uuml;berm&auml;&szlig;ig um seine Gesundheit besorgt. Er beobachtet sich unentwegt und neigt dazu, unbedeutende Beschwerden zu lebensbedrohlichen Erkrankungen auszubauen, wobei er von der t&ouml;dlichen Ernsthaftigkeit seiner Erkrankung &uuml;berzeugt ist. Eine fixe Idee wie die, die Herr L. hervorgebracht hat, ist dadurch charakterisiert, dass sie gegen vern&uuml;nftige Argumente und medizinisch-wissenschaftliche Aufkl&auml;rungsversuche perfekt abisoliert ist. Ein richtiger Hypochonder ist auf diese Weise nicht erreichbar. Er denkt, dass er denkt und dass alle anderen um ihn herum ihn nicht verstehen, inkompetent oder Komplizen einer gegen ihn in Szene gesetzten Verschw&ouml;rung sind. Die Hypochondrie ist eine Art von k&ouml;rperlichem Wahn: Der Hypochonder fahndet in seinem K&ouml;rper nach Hinweisen auf gef&auml;hrliche Erkrankungen, genauso wie der sich verfolgt f&uuml;hlende Mensch nach Agenten und versteckten Mikrophonen sucht. Warum tut er das? Die Hypochondrie bietet den Vorteil, diffuse &Auml;ngste oder unertr&auml;gliche aggressive Tendenzen zu konkretisieren und einzugrenzen. Der Hypochonder verwandelt seine diffusen inneren &Auml;ngste in die konkrete und deshalb leichter zu ertragende Furcht vor k&ouml;rperlicher Krankheit. &bdquo;Der Boden wankt, sie wissen nicht warum und von was. Dieser ihr Zustand ist Angst, wird er bestimmter, so ist er Furcht&ldquo;, hei&szlig;t es im Vorwort von Ernst Blochs <em>Das Prinzip Hoffnung<\/em>. Stets handelt es sich bei der Hypochondrie um einen symbolischen Hinweis auf Existenzprobleme, und es ist Aufgabe des Arztes oder Therapeuten, die k&ouml;rpersprachlich verr&auml;tselte und chiffrierte Botschaft zu entschl&uuml;sseln. Es geh&ouml;rt zur Tragik dieses Falles, dass Andreas L. auf seiner Odyssee niemandem begegnete, der das R&auml;tsel seiner vermeintlichen Augenerkrankung zu l&ouml;sen verstand, die dahinter liegende Problematik erkannte und behutsam zum Thema machte. Das Thema w&auml;re Angst gewesen. Mit der Diagnose &bdquo;Angstst&ouml;rung&ldquo; allein ist niemandem geholfen &ndash;  auch Andreas L. nicht. Das Diagnostizieren, mit dem wir heute so schnell bei der Hand sind und worauf wir uns so viel zugutehalten,  erweist sich als ein Instrument, mit dem die Gesellschaft St&ouml;rungen und Gef&auml;hrdungen ihres Zusammenlebens gerade nicht zu verstehen lernt, sondern abdeckt, abriegelt und administrativ in den Griff zu bekommen versucht. Diagnosen befriedigen das Ordnungs- und Kausalit&auml;tsbed&uuml;rfnis der Wissenschaft und der professionellen Helfer sowie den Wunsch, in einem bisher undurchschaubaren, chaotischen, gef&auml;hrlichen, vielleicht auch angstausl&ouml;senden Bereich Ordnung zu schaffen durch Einordnen und Klassifizieren: &bdquo;Aha, das ist es also!&ldquo; Diagnosen r&uuml;cken den Patienten zurecht f&uuml;r den medizinisch-psychiatrischen Apparat und seine Normalisierungstechniken. Vor allem bahnen sie den Weg f&uuml;r die Verschreibung von Medikamenten, woran die Pharmaindustrie ein gro&szlig;es Interesse hat. Unser Anliegen sollte deshalb nicht sein, ein Symptom schnellstm&ouml;glich zu beseitigen, sondern den Versuch zu unternehmen, seine Bedeutung aus der Vielschichtigkeit des jeweiligen Menschen und seiner Lebensgeschichte heraus zu verstehen. Diagnosen und Etiketten sind allenfalls von relativem Wert, und oft sind sie der n&ouml;tigen Offenheit dem Patienten gegen&uuml;ber nicht f&ouml;rderlich. Nimmt man ein Symptom allzu schnell unter Beschuss ohne seine Bedeutung im seelischen Gesamthaushalt eines Menschen begriffen zu haben, bringt man  ihn in Gefahr. Symptome haben, wie der Psychoanalytiker Fritz Morgenthaler gesagt hat, die Funktion einer &bdquo;Plombe&ldquo;, die eine L&uuml;cke im Selbst, ein seelisches Loch ausf&uuml;llt. Entfernt man die Plombe, bleiben dem Patienten nur das Loch und ein namenloser Schmerz. Das Symptom ist ein k&ouml;rperlicher Ausweg f&uuml;r psychische Konflikte und bindet &Auml;ngste. Nimmt man dem Kranken diesen Ausweg, l&auml;uft man im Extremfall Gefahr ihn zu t&ouml;ten. Die verhaltenstherapeutische und medikament&ouml;se Symptombek&auml;mpfung haben Konjunktur, weil sie &bdquo;zielf&uuml;hrend&ldquo; und &bdquo;effizient&ldquo; zu sein scheinen und nicht so viel Zeit ben&ouml;tigen, wie eine langwierige psychoanalytische Behandlung.<\/p><p>Fritz Morgenthaler hat das Unzeitgem&auml;&szlig;e und Un&ouml;konomische der Psychoanalyse wie folgt beschrieben: &ldquo;Mit einer Analyse kann ich nicht schnell eine L&ouml;sung finden oder irgendein Problem, das einen Patienten plagt, &uuml;berbr&uuml;cken. Die Analyse eignet sich auch schlecht dazu, einen Patienten in einer unangepassten Stellung der Gesellschaft gegen&uuml;ber schnell wieder der herrschenden Gesellschafts-Moral anzugleichen, ihm zu helfen, ein guter Sch&uuml;ler, ein braver Angestellter oder ein erfolgreicher Gesch&auml;ftsmann zu sein. Der analytische Prozess folgt &Uuml;bertragungsstrukturen und Entwicklungslinien, die nicht den Strukturen der Gesellschaft entsprechen, in der wir leben.&rdquo; <\/p><p>Bei manchen Menschen ist Angst das Lebensgrundgef&uuml;hl. Ihre Urspr&uuml;nge verlieren sich im Nebel der Kindheit. Sie reichen mitunter zur&uuml;ck in die vorsprachliche Zeit der fr&uuml;hen Mutter-Kind-Beziehung und sind deswegen f&uuml;r therapeutische Verfahren, die auf Sprachlichkeit basieren, schwer erreichbar. Unter lebensgeschichtlich g&uuml;nstigen Bedingungen bildet sich so etwas aus, wie ein Urvertrauen. Die verl&auml;ssliche Zuwendung wird verinnerlicht als Gewissheit des eigenen Werts. Jean-Paul Sartre nannte diesen Vorgang <em>Valorisierung<\/em>.  Der Valorisierte tr&auml;gt in sich die Gewissheit, dass die Dinge kommen k&ouml;nnen und er das Leben und seine Widrigkeiten meistern wird. Wem es hingegen an Zuwendung und verl&auml;sslicher Anwesenheit der Bezugspersonen mangelt, der f&uuml;hlt sich nicht hinreichend sicher genug gehalten und entwickelt anstelle eines Urvertrauens Misstrauen und Angst.  Wer die allererste Liebe nicht empfangen hat und wem es in der Phase beinahe vollkommener Abh&auml;ngigkeit an Halt und Geborgenheit fehlte, wird von einer Angst erfasst, die bodenlos ist und eine kaum gemilderte Todes- und Vernichtungsangst darstellt. Die Urform der Angst ist die vor dem Verlust der Mutter oder anderer fr&uuml;her Bezugspersonen. &bdquo;Wer nicht in den vor den bewussten Erfahrungen liegenden Perioden des Lebens Urvertrauen erlebt hat, wird sich dieses Geborgenheitsgef&uuml;hl sp&auml;ter nur mit uns&auml;glicher M&uuml;he durch Freiheit des Denkens erwerben k&ouml;nnen, und wen umgekehrt Kindheitserfahrungen an eine paranoide Position fixiert haben, der findet nur schwer die Gelassenheit des Vertrauens&ldquo;, schrieb Alexander Mitscherlich vor vielen Jahren. <\/p><p>Was wir am Verhalten des Andreas L. in den Tagen vor seiner Tat beobachten k&ouml;nnen, ist: Dem Verzweifelten wird die Welt enger von Tag zu Tag. Handlungsalternativen schwinden und k&ouml;nnen irgendwann nicht mehr wahrgenommen werden. Der Weg in die Katastrophe ist durch die schrittweise Verengung von Handlungsalternativen im Verlauf einer biographischen Krise gekennzeichnet. Am Ende steht die Gewalt als letzte und einzige Option. Sie kann immer noch in verschiedene Richtungen gehen. Zum Wesen der Aggression geh&ouml;rt es, dass sie eine verschiebbare Energie ist. Sie kann sich gegen uns selbst, wir k&ouml;nnen sie gegen uns selbst richten; dann nimmt sie die Gestalt der Selbstbestrafung und &ndash;bezichtigung an, die man Depression nennt. Ihre Extremform ist der Suizid. Aggression kann sich gegen Objekte, Mitmenschen, Leute wenden &ndash; der klassische Fall von Destruktion: Homizid, Mord. Mord und Selbstmord sind h&auml;ufig austauschbar, jedenfalls auf dem Niveau des zerst&ouml;rerischen Willens. Tendenzen zum Suizid oder zum Mord sind nur auf dem Papier zu trennen. In der psychischen Realit&auml;t gehen sie Mischungen ein und sind h&auml;ufig wie zu einem Zopf verflochten. F&uuml;r einen Moment ist in der Schwebe, wohin die gestaute Wut sich wenden wird. Im Falle des erweiterten Suizids, den man Amok nennt, geht sie in beide Richtungen: ein Mensch, der zuvor einen oft langwierigen sozialen Tod gestorben und aus der Welt gefallen ist, ist bestrebt, m&ouml;glichst viele Fremde in den eigenen Untergang mit hineinzurei&szlig;en.<\/p><p>&bdquo;Die Eule der Minerva beginnt erst mit der einbrechenden D&auml;mmerung ihren Flug&ldquo;, hei&szlig;t es bei Hegel, was so viel hei&szlig;en soll, dass wir mit unserem Begreifen und unseren Erkl&auml;rungen oft zu sp&auml;t kommen. Erst wenn die Katastrophe eingetreten ist, scheint alles einer Logik zu gehorchen, die die ganze Zeit &uuml;ber auf eine aggressive Eruption zusteuerte. Jetzt ist jeder Lernprozess dadurch versperrt, dass er zu sp&auml;t kommt. <\/p><p>Im Verlag Brandes &amp; Apsel ist Anfang 2015 G&ouml;tz Eisenbergs neues Buch <em>Zwischen Amok und Alzheimer. Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus<\/em> erschienen.<br>\nSiehe dazu <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25005\">die Rezension von Joke Frerichs<\/a> auf den NachDenkSeiten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Nachbetrachtung zum Absturz der Germanwings-Maschine.<\/p>\n<p>Letzten Mittwoch wurde Angeh&ouml;rigen der Opfer des Absturzes der Germanwings-Maschine die S&auml;rge mit den &Uuml;berresten der Toten &uuml;bergeben. Am Tag darauf informierte die Staatsanwaltschaft in Paris &uuml;ber den Stand der Ermittlungen. 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