{"id":2651,"date":"2007-09-21T08:44:10","date_gmt":"2007-09-21T06:44:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2651"},"modified":"2015-12-22T14:26:02","modified_gmt":"2015-12-22T13:26:02","slug":"die-folge-einer-schock-strategie-zb-die-riester-rente-und-ungesicherte-arbeitsverhaeltnisse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2651","title":{"rendered":"Die Folge einer Schock-Strategie: z.B. die Riester-Rente und ungesicherte Arbeitsverh\u00e4ltnisse."},"content":{"rendered":"<p>Der <a href=\"?p=2648\">Hinweis 13 in den Hinweisen des Tages vom 20.9.<\/a> wurde von einigen unsrer Leser als grunds&auml;tzliche Kritik am Buch von Naomi Klein empfunden. Das ist ziemlich falsch verstanden. Die Anmerkung Strassburgs war eine kleine Kritik an der Buchbesprechung von Kathrin R&ouml;ggla, im Kern der (&uuml;berzogene) Hinweis darauf, dass in den USA auch noch nicht alles privatisiert ist und dass bei uns in Europa die &bdquo;Krisenproduktionsmaschine&ldquo; schon lange arbeitet, auch ohne laute Katastrophen. Diesen Hinweis kann man als Kritik an Naomi Kleins Buch werten. Ich will das nicht tun. Denn hier bei uns werden zwar keine spektakul&auml;ren Katastrophen produziert, aber es werden zumindest sehr viele pers&ouml;nliche Katastrophen durch Zerst&ouml;rung wichtiger Einrichtungen und sozialer Errungenschaften produziert. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nNaomi Kleins Grundgedanke (siehe dazu auch Rudolf Walthers Besprechung in der FR\/Anhang), dass neoliberal gepr&auml;gte Ver&auml;nderungen mit Hilfe von (solchen) Katastrophen und Schocks durchgesetzt werden, kann man bei uns vielf&auml;ltig beobachten. Gute Beispiele sind erstens die Zerst&ouml;rung der Arbeitslosenversicherung in Kombination mit einer gemachten Rezession und zweitens die Privatisierung der Altersvorsorge. <\/p><p><strong>Zum ersten:<\/strong><br>\nMit Hilfe einer die wirtschaftliche Stagnation f&ouml;rdernden Geld- und Fiskalpolitik wurde schon zu Beginn der Achtziger und dann massiv ab 1992\/3 die Konjunktur abgew&uuml;rgt und in der Folge ein Heer von Arbeitslosen geschaffen. Auch der kleine Boom zwischen 1997 und 2000 wurde abgebrochen. Die Folgen sind bekannt: ein geringes Wachstum von durchschnittlich 1,3% real zwischen 1992 und 2006, eine Arbeitslosenzahl von &uuml;ber 5 Millionen in der Spitze, die Ausweitung prek&auml;rer Arbeitsverh&auml;ltnisse und stagnierende sowie sinkende L&ouml;hne.<br>\nDiese Situation wurde kombiniert mit Hartz IV, das den Arbeitslosen signalisierte, ihre Vorstellungen von einem ansprechenden Lohn herunter zu schrauben, wenn sie wieder Arbeit haben wollen, und den noch arbeitenden Menschen klarmachte, dass sie nach einem Jahr Arbeitslosigkeit in die Rolle des Alg2-Empf&auml;ngers fallen, also besser parieren.<br>\nDas waren keine so spektakul&auml;ren Schocks und Katastrophen wie von Naomi Klein geschildert. Aber diese Politik war kein Zufall und hatte eindeutig das Ziel, den Anteil der Arbeitnehmer am Sozialprodukt zu schm&auml;lern &ndash; mit der Katastrophen ausl&ouml;senden Methode der sozialen Verunsicherung.<\/p><p><strong>Zum zweiten, zur privaten Altersvorsorge:<\/strong><br>\nDas faschistische Chile wurde als Testgel&auml;nde f&uuml;r die Erprobung einer privaten Altersvorsorge benutzt. Die Arbeitnehmer wurden gezwungen, sich privat zu versichern. (Das Milit&auml;r und Polizei &uuml;brigens nicht) Heute sind in Chile viele dieser Menschen der Altersarmut ausgeliefert. Der damalige chilenische Pr&auml;sident Lagos hat anl&auml;sslich eines Besuches in Deutschland Ende Januar 2005 in einem Frankfurter Rundschau-Interview vor diesen Weg gewarnt. Diese Warnung traf bei seinem Genossen, dem damaligen SPD-Vorsitzenden Franz M&uuml;ntefering, auf taube Ohren. Dieser forciert mit der Riester-Rente, der R&uuml;rup-Rente und den privaten Betriebsrenten das Gesch&auml;ft der Finanzindustrie &ndash; zulasten der Steuerzahler und zulasten der Rentabilit&auml;t der eingezahlten Beitr&auml;ge.<br>\nAuch diese Entwicklung wurde mit mehreren Schocks, wenn man so will mit einer Krisenproduktionsmaschinerie gef&ouml;rdert. Die Leistungsf&auml;higkeit der gesetzlichen Rente wurde systematisch zerst&ouml;rt: mit der Beitrags-Anlastung der versicherungsfremden Leistungen der Altersvorsorgekosten der deutschen Vereinigung und des Zuzugs und der Verrentung von Aussiedlern, die keinerlei Beitrag gezahlt hatten, mit dem Festhalten des Beitragssatzes unter 20%, mit dem Nachhaltigkeits- und Demographiefaktor, mit Hilfe von Nullrunden und zu guter letzt mit der Erh&ouml;hung des Renteneintrittsalters auf 67 mit der Konsequenz des Abzugs von zweimal 3,6%, wenn die heute 30- oder 40j&auml;hrigen, mit 65 in Rente gehen wollen. Lauter Ma&szlig;nahmen zur Absenkung der Leistungsf&auml;higkeit und der Perspektive auf die Katastrophe Altersarmut.<br>\nUnd das Ergebnis: die Menschen werden in die Riester-Rente getrieben, deren Rentabilit&auml;t ausgesprochen fragw&uuml;rdig ist. Eines kann man schon jetzt sagen: die staatlichen F&ouml;rderungen werden hochgradig von den Abschluss- und Vertriebskosten sowie den Kosten f&uuml;r die Verwaltung des gebildeten Kapitals aufgefressen.<br>\nPr&uuml;fen Sie das einmal selbst, wenn Sie eine Riester-Rente abgeschlossen haben. Wie hoch ist ihre Rendite? Und wie viel zahlen wir und auch Sie als Steuerzahler zu diesem Vergn&uuml;gen dazu?<br>\nUnd dann pr&uuml;fen Sie mal noch, wie es ist, wenn Sie aussteigen m&uuml;ssen, weil Ihnen das Geld nicht mehr reicht.<br>\nUnd dann werden Sie verstehen, warum M&uuml;ntefering so viel Reklame f&uuml;r dieses Produkt machen muss.<\/p><p>Ich wiederhole: das sind keine Katastrophen jener Art, die Naomi Klein schildert. Bei wohlwollender Interpretation ihrer Thesen kann man diese jedoch auf diese F&auml;lle und eine ganze Reihe anderer F&auml;lle in Deutschland und Europa anwenden. Mit einem hatte der intervenierende Leser der NachDenkSeiten Strassburg n&auml;mlich wirklich recht: auch Europa ist betroffen und nicht erst seit dem Auftauchen von Sarkozy.<\/p><p><strong>Anhang: <\/strong><\/p><p><strong>Naomi Klein: Die Folter als stummer Partner<\/strong><br>\nBesprechung des neuen Buches &ldquo;Die Schockstrategie&rdquo;  von Naomi Klein &ndash; durch Rudolf Walther<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/_inc\/_globals\/print.php?em_cnt=1211849&amp;em_ref=\/in_und_ausland\/kultur_und_medien\/feuilleton&amp;em_ivw=fr_feuilleto&amp;em_client=fr&amp;em_site_color=1&amp;em_site_style=1&amp;em_site_template=1&amp;em_site_text=1\">FR<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der <a href=\"?p=2648\">Hinweis 13 in den Hinweisen des Tages vom 20.9.<\/a> wurde von einigen unsrer Leser als grunds&auml;tzliche Kritik am Buch von Naomi Klein empfunden. Das ist ziemlich falsch verstanden. 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