{"id":2658,"date":"2007-09-27T18:11:25","date_gmt":"2007-09-27T16:11:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2658"},"modified":"2015-12-17T16:10:48","modified_gmt":"2015-12-17T15:10:48","slug":"unsere-oberen-fuehlen-sich-wie-helden-weil-sie-gegen-unseren-willen-regieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2658","title":{"rendered":"Unsere Oberen f\u00fchlen sich wie Helden, weil sie gegen unseren Willen regieren"},"content":{"rendered":"<p>Es wird immer mehr zum Usus, dass unsere F&uuml;hrungseliten den Willen der Mehrheit missachten, gegen diesen Willen entscheiden und dann mit massiver Propaganda versuchen, die Menschen zu beeinflussen. Nat&uuml;rlich wei&szlig; ich auch, dass politische Entscheidungen nicht auf der Basis von Umfragen gemacht werden k&ouml;nnen. Aber die Selbstverst&auml;ndlichkeit, mit der heute Mehrheitsmeinungen missachtet werden, ist schon bemerkenswert. Das gilt f&uuml;r die grunds&auml;tzliche Frage der Einstellung der Mehrheit der Menschen zu Sozialstaat und zu Solidarit&auml;t in einer Gesellschaft. Die Mehrheit will das. Die Politik missachtet das. Es gilt dann f&uuml;r solche Fragen wie den Transrapid zur Flughafenanbindung in M&uuml;nchen. Die betroffenen M&uuml;nchner spielen keine gro&szlig;e Rolle. Siehe dazu unten Beispiel A. &ndash; Es gilt f&uuml;r die Linie von Arbeits- und Sozialminister M&uuml;ntefering. Er macht aus der Missachtung der W&uuml;nsche der Mehrheit eine Tugend. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Beispiel A: Transrapid<\/strong><\/p><p><strong>Ude plant Klagen gegen Transrapid<\/strong><br>\nDer M&uuml;nchner OB will ein breites politisches B&uuml;ndnis aus Umweltsch&uuml;tzern, Parteien und Organisationen schmieden, um gerichtlich den Bau der umstrittenen Magnetschwebebahn zu verhindern. Die Gr&uuml;nen k&uuml;ndigten an, ein Volksbegehren gegen die Zugtrasse zu pr&uuml;fen. Die Freien W&auml;hler wollen ein B&uuml;rgerbegehren lostreten.<br>\nUde bezeichnet den Transrapid wegen der unkalkulierbaren Kosten zudem als &ldquo;Milliardengrab&rdquo;.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.fr-online.de\/in_und_ausland\/wirtschaft\/aktuell\/?em_cnt=1216596\">FR<\/a><\/p><p><strong>Beispiel B: M&uuml;nteferings Strategie<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst zu einem Interview im Stern vom August.<\/p><p><strong>&ldquo;Ich mache Politik f&uuml;r die Enkel&rdquo; <\/strong><br>\nEin Mann zeigt klare Kante. Unser Kurs ist richtig, wir d&uuml;rfen den Menschen nicht nach dem Mund reden, sagt Franz M&uuml;ntefering. Im Stern spricht der Vizekanzler &uuml;ber Hartz IV und Heuschrecken, Merkel und Mindestl&ouml;hne, Geiz und Gerechtigkeit. Und, nat&uuml;rlich, &uuml;ber die Probleme der SPD.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/politik\/deutschland\/:Franz-M%FCntefering-Ich-Politik-Enkel\/596662.html\">Stern<\/a><\/p><p>Auszug aus dem Stern-Interview (Heft 35\/2007) mit Vizekanzler Franz M&uuml;ntefering &ndash; ein kompakter Text zum Erkennen der eingeschlagenen Strategie der Meinungsmache:<\/p><blockquote><p><strong>Hartz IV, Unternehmensteuer, Rente mit 67 &ndash; &uuml;berall haben Sie die B&uuml;rger gegen sich.<\/strong><br>\nWenn wir Politik nach Umfragen machen sollen, brauchen wir keine Politiker, dann brauchen wir Umfragen-Umsetzer. Ich bin aber Politiker. W&uuml;nsch dir was, das haut nicht hin. Wenn man von seiner Sache &uuml;berzeugt ist, muss man daf&uuml;r werben, andere &uuml;berzeugen, daf&uuml;r k&auml;mpfen. Politik muss auch f&uuml;hren.<\/p>\n<p><strong>Und wenn sie in die Irre f&uuml;hrt?<\/strong><br>\nIch bin nicht so vermessen zu sagen, dass ich mich nicht irren kann. Aber ich glaube, dass wir in allen Punkten, &uuml;ber die wir momentan diskutieren, dicht an der Wahrheit dran sind. Wir Politiker k&ouml;nnen und m&uuml;ssen unseren Auftrag auch annehmen und den Menschen sagen: Wir schlagen jetzt diesen Weg vor, er ist gut, vielleicht anstrengend, aber vern&uuml;nftig, das sind die Argumente, kommt mit. Man tr&auml;gt die Verantwortung nicht nur f&uuml;r vier Jahre. Die reicht viel weiter. Das ist vielleicht die gr&ouml;&szlig;te Herausforderung in der Demokratie: den Mut zu haben, nachhaltige Politik zu machen, die &uuml;ber die Legislaturperiode hinausgeht. F&uuml;r die Enkel.<\/p>\n<p><strong>Auch auf die Gefahr der Abwahl hin?<\/strong><br>\nSo ist es. Aber die Sache funktioniert nicht so simpel.<\/p>\n<p><strong>Sind Sie Schr&ouml;ders Nachlassverwalter?<\/strong><br>\nIch bin ich. Aber die Agenda 2010 war eine gro&szlig;e historische Leistung von Gerhard Schr&ouml;der. Viele haben keine Ahnung mehr, was das war. Das waren gro&szlig;e Steuersenkungen, unten und oben, eine riesige Arbeitsmarktreform, Verbesserung der Kinderbetreuung, mehr Geld f&uuml;r Forschung und vieles mehr. Es tut sich auch eine ganze Menge. Mehr als die H&auml;lfte der &uuml;ber 55-J&auml;hrigen sind in Besch&auml;ftigung, 1997 waren es nur 38 Prozent. Wir haben 700.000 Arbeitslose weniger als vor einem Jahr.<\/p>\n<p><strong>Es nutzt der SPD nur &uuml;berhaupt nichts.<\/strong><br>\nWenn man eine Rendite haben will, muss man auch sagen, dass die einem geh&ouml;rt. Dann muss man sich melden: Wir waren das, wir sind das! Das sollten wir ein bisschen lauter tun.<\/p>\n<p><strong>Im SPD-Vorstand sch&auml;men sich stattdessen immer noch einige f&uuml;r Schr&ouml;ders Politik.<\/strong><br>\nAber immer weniger. Wir m&uuml;ssen diesen Weg weitergehen. Ein anderer Kurs w&auml;re falsch f&uuml;r das Land &ndash; und auch f&uuml;r die Partei. Wir d&uuml;rfen nicht zur&uuml;ckfallen in die teils strukturkonservative sozialdemokratische Politik der 70er Jahre. Wir m&uuml;ssen den sozialen Fortschritt suchen. Das war und ist Markenzeichen der SPD. Leider haben das nicht alle bei uns verstanden, Teile der Gewerkschaften auch nicht, und in der Union wollen sich auch viele Konservative wieder einen schlanken Fu&szlig; machen.<\/p><\/blockquote><p>Soweit Ausz&uuml;ge aus dem Interview M&uuml;nteferings mit dem &bdquo;Stern&ldquo;.<\/p><p>Wir sehen, die R&uuml;cksichtslosigkeit gegen&uuml;ber den W&uuml;nschen der Mehrheit der Menschen wird in Tugenden umgewandelt: Vorsorge f&uuml;r die Zukunft, klare Kante, Verantwortung und dann die inzwischen gel&auml;ufige Behauptung, Schr&ouml;ders Agenda 2010 h&auml;tte uns etwas gebracht, sie sei eine &bdquo;historische Leistung&ldquo; gewesen.<br>\nEs ist nicht auszuschlie&szlig;en, dass eine solche &Uuml;bertreibung verf&auml;ngt. Bei einer solchen &Uuml;bertreibung arbeiten die Absender mit einem psychischen Mechanismus. Die Adressaten reagieren etwa so: na ja, der soll mal nicht &uuml;bertreiben. Aber es bleibt bei ihnen h&auml;ngen, die Agenda 2010 sei doch ganz gut gewesen.<\/p><p>Nat&uuml;rlich arbeiten unsere F&uuml;hrungseliten mit massiver Propaganda daran, die Mehrheit der Menschen nachtr&auml;glich umzudrehen. Umso wichtiger ist es, auf diese Strategien und Mechanismen hinzuweisen. Nutzen Sie zum Beispiel die Dauerpropaganda der Bundesregierung auf vielen Feldern, um in Ihrem Umfeld das Wissen &uuml;ber diese Propaganda und die dahinter steckenden Strategien zu verbreiten.<\/p><p>Hier noch zwei Links zu einem der letzten Beispiele der Propaganda von M&uuml;ntefering f&uuml;r die Rente mit 67:<br>\nQuelle 1: <a href=\"http:\/\/www.gemeinschaft-der-generationen.bmas.de\/\">Bundesministerium f&uuml;r Arbeit und Soziales &ndash; Gemeinschaft der Generationen<\/a><br>\nQuelle 2: <a href=\"http:\/\/www.gemeinschaft-der-generationen.bmas.de\/download\/bmas_plakat_paul_hochformat.pdf\">Bundesministerium f&uuml;r Arbeit und Soziales &ndash; Gemeinschaft der Generationen \/ Plakat [PDF &ndash; 472 KB]<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es wird immer mehr zum Usus, dass unsere F&uuml;hrungseliten den Willen der Mehrheit missachten, gegen diesen Willen entscheiden und dann mit massiver Propaganda versuchen, die Menschen zu beeinflussen. 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