{"id":26629,"date":"2015-07-01T13:30:55","date_gmt":"2015-07-01T11:30:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26629"},"modified":"2019-03-02T17:00:24","modified_gmt":"2019-03-02T16:00:24","slug":"gegen-legendenbildung-aufklaerung-ueber-die-verhandlungspositionen-gegen-legendenbildung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26629","title":{"rendered":"Gegen Legendenbildung: Aufkl\u00e4rung \u00fcber die Verhandlungspositionen gegen Legendenbildung"},"content":{"rendered":"<p>Blick in die Dokumente zur Kontroverse zwischen der griechischen Regierung und den drei Geberinstitutionen (EU, IWF. EZB)<br>\nMartin Schulz und vor allem Vertreter der deutschen Regierung haben in vielen Interviews behauptet, weder Rentenk&uuml;rzungen noch die Erh&ouml;hung der Mehrwertsteuer sollten in Griechenland durchgesetzt werden. Diese Behauptungen halten einer &Uuml;berpr&uuml;fung der Dokumente (siehe unten) nicht Stand. Allerdings wird, wie oft von Kritikern behauptet,&nbsp; der erm&auml;&szlig;igte Steuersatz&nbsp; von 6%&nbsp; auf pharmazeutische Produkte nach dem Vorschlag der Geberl&auml;nder nicht erh&ouml;ht. Der Vergleich der drei entscheidenden Positionspapiere (siehe unten) schafft Aufkl&auml;rung<\/p><ul>\n<li>Am Anfang steht ein &uuml;berarbeiteter, aktuellster&nbsp;Vorschlag der drei Institutionen an die griechische Regierung.<\/li>\n<li>Dann haben die drei Geberinstitutionen den darauf&nbsp;vorgelegten Vorschlag der griechischen Regierung massiv ver&auml;ndert (auch durch Streichungen).<\/li>\n<li>Zum Vergleich steht am Ende der Vorschlag der griechischen Regierung.<\/li>\n<\/ul><p>Von <strong>Rudolf Hickel<\/strong><br>\n<!--more--><br>\n<strong>Die Abfolge<\/strong><\/p><ol>\n<li>Die griechische Regierung&nbsp; hat einige wichtige der urspr&uuml;nglichen Forderungen der Gl&auml;ubiger akzeptiert. Durch einige K&uuml;rzungen im Rentensystem und die &Auml;nderungen bei der Mehrwertsteuererh&ouml;hung ist Tsipras von den eigenen Wahlversprechen abgewichen.<\/li>\n<li>Darauf haben die drei Institutionen wie folgt reagiert: Ungef&auml;hr die H&auml;lfte des griechischen Vorschlags wurde gel&ouml;scht und durch neue Ma&szlig;nahmen ersetzt. Danach soll die Mehrwertsteuer nicht nur 0,7% sondern 1% des Bruttoinlandsprodukts erbringen. Es ist vorgesehen, die f&uuml;r den Tourismus und die Binnennachfrage wichtige Gastronomie k&uuml;nftig mit dem h&ouml;chsten Steuersatz von 23% (anstatt 13%) zu belasten. Im Rentenbereich werden die phasenweise Einstellung der sog. solidarische Unterst&uuml;tzung (EKAS) gefordert und damit die Renten gek&uuml;rzt. Gefordert wird auch, die Mindestrente bis 2021 einzufrieren.<\/li>\n<li>Abgesehen von diesen &Auml;nderungen ist im derzeit letzten Vorschlag der Institutionen keine &Auml;nderung mehr vorgenommen worden. Da erkl&auml;rt die Diskrepanz zum Vorschlag der griechischen Regierung vom Montag, dem 22. 6. 2015.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Das Fazit<\/strong><\/p><p>Derzeit setzen die drei Institutionen trotz etlicher Zugest&auml;ndnisse im Prinzip die seit 2010 als Gegenleistung f&uuml;r Finanzhilfen durchgesetzte Austerit&auml;tspolitik fort. Diese hat unbestreitbar zum Einbruch der Produktion um 25%, zum Anstieg der Arbeitslosigkeit auf &uuml;ber 25% (Jugendliche 50%)&nbsp; und&nbsp; zur steigenden Armutsquote gef&uuml;hrt hat. Da die gesamtwirtschaftliche Produktion stark eingebrochen ist, hat der Anteil der Gesamtschulden am Bruttoinlandsprodukt auf &uuml;ber 180 % zugenommen. <\/p><p><strong>Was Not tut<\/strong><\/p><p>Drei Programmpunkte sollten in die Verhandlungen aufgenommen werden:<\/p><ol>\n<li>Die Kredite des IWF und der EZB, deren R&uuml;ckzahlung aktuell zur Zahlungsunf&auml;higkeit f&uuml;hren w&uuml;rde, sollten durch den Rettungsfonds (ESM) &uuml;bernommen werden und langfristig refinanziert werden.&nbsp;<\/li>\n<li>Ein Sofortprogramm gegen Armut mit dem Schwerpunkt medizinischer Versorgung sollte realisiert werden.<\/li>\n<li>Gegen&uuml;ber den bisherigen Finanzhilfen, die nahezu ausschlie&szlig;lich zur Abwicklung der Gl&auml;ubigerforderungen genutzt werden,&nbsp; bedarf es des Einsatzes frischen Geldes zum Aufbau der Wirtschafts- und Infrastruktur.<\/li>\n<\/ol><p><strong>Quellen:<\/strong><\/p><ul>\n<li><a href=\"http:\/\/europa.eu\/rapid\/press-release_IP-15-5270_en.htm\">&Uuml;berarbeiteter und aktuellster Vorschlag der drei Institutionen an die griechische Regierung<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/blogs.ft.com\/brusselsblog\/files\/2015\/06\/Greek-crediors.pdf\">Der am Mittwoch von IWF, EZB und EU-Kommission v&ouml;llig ver&auml;nderte Griechische Vorschlag von Montag [PDF &ndash; 291 KB]<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/s.kathimerini.gr\/resources\/article-files\/protasi--2.pdf\">Der Vorschlag der griechischen Regierung (vom Montag, 22.06.2015) [PDF &ndash; 3.4 MB]<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Blick in die Dokumente zur Kontroverse zwischen der griechischen Regierung und den drei Geberinstitutionen (EU, IWF. 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