{"id":26647,"date":"2015-07-02T17:25:49","date_gmt":"2015-07-02T15:25:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26647"},"modified":"2019-05-24T15:51:58","modified_gmt":"2019-05-24T13:51:58","slug":"chaoten-am-werk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26647","title":{"rendered":"Chaoten am Werk"},"content":{"rendered":"<p>Die Regierung in Griechenland muss weg. Diese zutiefst undemokratische Haltung verbreiten nicht nur Journalisten in ihren als Berichte verkleideten Hetz-Kommentaren, es ist auch das Ziel der Bundesregierung und der &uuml;brigen Gl&auml;ubiger. Die weisen das zwar weit und zum Teil auch emp&ouml;rt von sich, doch ist die Sachlage l&auml;ngst klar. Die Bundesregierung hat jeglichen Verhandlungen bis zum Sonntag eine Absage erteilt (Die Ruhe haben wir ja) und der Pr&auml;sident des EU-Parlaments Martin Schulz (SPD) stellte heute im <a href=\"http:\/\/www.daserste.de\/information\/politik-weltgeschehen\/morgenmagazin\/politik\/Martin-Schulz-Griechen-Referendum-Manipulative-Vorgehensweise-100.html\">Morgenmagazin<\/a> noch einmal klar: Von <strong>Andr&eacute; Tautenhahn<\/strong><br>\n<!--more--><\/p><blockquote><p>&bdquo;Wir werden danach dem griechischen Volk helfen, ganz sicher nicht der Regierung.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Viele Kollegen wie auch Politiker st&ouml;ren sich unter anderem daran, dass die Regierung Tsipras von einem Tag auf den n&auml;chsten ihre Meinung &auml;ndere. Mal lehne sie die Forderungen der Gl&auml;ubiger ab und rufe ein Referendum aus, dann wieder signalisiere sie Zustimmung zu den Bedingungen. Es muss also ein chaotischer Haufen sein, der in Athen das Sagen hat und die Menschen ins Ungl&uuml;ck st&uuml;rze. So einfach ist das nat&uuml;rlich nicht.<\/p><p><strong>Kompromissbereitschaft fehlt bei den Gl&auml;ubigern<\/strong><\/p><p>Das Verhalten von Tsipras hat n&auml;mlich einen Beweis erbracht. Die Gl&auml;ubiger sind unter keinen Umst&auml;nden bereit, auch nur irgend einen Kompromiss mit der derzeitigen griechischen Regierung zu vereinbaren. Das Man&ouml;ver von Tsipras am Mittwoch, die K&uuml;rzungsbedingungen der Gl&auml;ubiger im wesentlichen zu akzeptieren, hat das gezeigt. <\/p><p>Es hat auch gezeigt, dass die Behauptung der Geldgeber, sie h&auml;tten eine Umstrukturierung der Schulden sowie ein dickes Investitionsprogramm angeboten, nicht ernst gemeint war. Denn sonst h&auml;tten sie am Mittwoch den Handschlag gesucht. Die Gl&auml;ubiger haben sogar &ouml;ffentlich gelogen, als sie behaupteten, ein solches Angebot h&auml;tte es gegeben. Der SPD Chef Sigmar Gabriel wiederholte die dreiste Unwahrheit in der Sondersitzung des Bundestages am Mittwoch. <\/p><p>Ein anderes SPD-Mitglied, der Chef des Instituts f&uuml;r Makro&ouml;konomie (IMK), Gustav A. Horn, stellt nun klar, der Chef der Sozialdemokraten hat sich mindestens an einer Legendenbildung beteiligt. Auf <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/gustav.horn.1\/posts\/815550558560641?pnref=story\">Facebook schreibt Horn<\/a>: <\/p><blockquote><p>Unsere &Uuml;berpr&uuml;fung der uns vorliegenden Dokumente zu den Verhandlungen zwischen und den Institutionen sowie der Eurogruppe haben folgendes Bild ergeben. <\/p>\n<ol>\n<li>Es gab den offiziellen Vorschlag das zweite Hilfsprogramm bis November zu verl&auml;ngern.<\/li>\n<li>Der Wert wird mit rund 15 Mrd. beziffert, was falsch ist, da es sich um teilweise problematische Umschichtungen handelt, bei dem Geld, das eigentlich f&uuml;r die Bankenrekapitalisierung vorgesehen war, zum Abtrag der Schulden beim IMF benutzt werden sollte.<\/li>\n<li>Es hat nie ein offizielles Angebot &uuml;ber ein 35 Mrd. Investitionsprogramm gegeben. Man hat Griechenland informell nur eine erleichterte Nutzung bestehender Programme zugesagt. Die Erleichterung besteht in einem geringeren Kofinanzierungsbeitrag, den Griechenland aber auch nicht leisten kann.<\/li>\n<li>Es gab nie ein offizielles Angebot einer Umstrukturierung der Schulden. Es gab informelle Bem&uuml;hungszusagen, sich um solche Gespr&auml;che in Zukunft zu bem&uuml;hen.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Fazit: Hier werden Legenden gestrickt. Aber wenn diese Angebote tats&auml;chlich ernst gemeint waren, kann man sie am Montag ja wiederholen. <\/p><\/blockquote><p><strong>Kein Interesse an Informationen<\/strong><\/p><p>Es gibt noch andere Stimmen, die zum gleichen Ergebnis kommen. Nur die Medien interessiert das nicht oder nur am Rande. Sie bezeichnen die griechische Regierung als Chaoten, dabei ist sie es, die um ein H&ouml;chstma&szlig; an Transparenz bem&uuml;ht ist und die Weitergabe von Informationen betreibt, wo andere sich hinter den Institutionen nur verstecken. Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis <a href=\"http:\/\/yanisvaroufakis.eu\/\">bloggt<\/a> und <a href=\"https:\/\/twitter.com\/yanisvaroufakis\">twittert<\/a> sich einen Wolf, um die Haltung seiner Regierung zu erkl&auml;ren.<\/p><p>Doch eine Auseinandersetzung damit findet &uuml;berhaupt nicht statt. Daf&uuml;r gibt es Hetze am Flie&szlig;band, wie das Satiremagazin Extra3 am Mittwoch auf eine erschreckend humorvolle Weise vorgef&uuml;hrt <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=GQpwrtTST_M\">hat<\/a>. So gilt wohl die Formel: Die griechische Regierung erkl&auml;rt alles und keiner glaubt ihr, die &#8234;Bundesregierung erkl&auml;rt nichts und alle glauben ihr. Denn was tut unsere Regierung eigentlich? Im Bundestag erkl&auml;rte die Kanzlerin, Europa sei stark und eine Notwendigkeit zum Handeln gebe es im Augenblick nicht. Pl&ouml;tzlich ist Ruhe angesagt, nachdem die letzten Wochen alarmistisch anmutende Phantomuhren um die Wette tickten.<\/p><p>Sigmar Gabriel, den man nur noch als aufgeblasene Sprechpuppe der Kanzlerin betrachten kann, gibt sich einfach hin f&uuml;r die Zerst&ouml;rung Europas. Er trat am Mittwoch im Parlament ja nicht als Wirtschaftsminister, sondern ausdr&uuml;cklich als SPD-Parteichef und Sprecher der SPD-Fraktion ans Rednerpult. Dabei forderte er sogar noch mehr Disziplin und noch strengere Regeln f&uuml;r Europa.<\/p><blockquote><p>&bdquo;Ich glaube, dass wir diese Krise auch nutzen m&uuml;ssen, um &uuml;ber unsere Fehler in der Vergangenheit zu sprechen, aber auch &uuml;ber das, was in Zukunft kommen wird. Der Weg, den wir nur verantwortungsbewusst und mutig in vielen Fragen, nicht nur bei Griechenland, gehen m&uuml;ssen, wird am Ende nicht weniger Disziplin und nicht weniger gemeinsame Regeln erfordern, sondern mehr, auch was die Finanz- und Wirtschaftspolitik angeht. Wenn wir wollen, dass unser Kontinent seine politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Bedeutung sowie sein einzigartiges Wohlstandsmodell im 21. Jahrhundert behauptet, dann brauchen wir mehr Verbindlichkeit in Europa und in der Euro-Zone und nicht weniger.&ldquo;<\/p><\/blockquote><p>Quelle: <a href=\"http:\/\/dip21.bundestag.de\/dip21\/btp\/18\/18114.pdf\">Bundestag Protokollauszug [PDF]<\/a><\/p><p><strong>Die SPD f&auml;llt aus<\/strong><\/p><p>Sigmar Gabriel verortet sich und seine Partei also dort wo ein Hardliner wie Sch&auml;uble schon ist. Gabriel h&auml;tte die Rede also auch auf einem Parteitag der CDU halten k&ouml;nnen. Was ist an ihm dann eigentlich noch SPD, sollte sich die Basis jetzt fragen. Sie sollte sich auch fragen, ob es den f&uuml;hrenden Pers&ouml;nlichkeiten ihrer Partei nicht vielleicht gen&uuml;gt, wenn bei Wahlen kaum mehr als 25 Prozent herausspringen. Das Ergebnis reicht ja f&uuml;r Posten, auf denen politische Positionen des Wahlkampfes nach und nach abger&auml;umt und ins Gegenteil verkehrt werden k&ouml;nnen. <\/p><p>W&uuml;rde man das nicht als chaotisch und irre bezeichnen? Nein, denn offensichtlich wird die griechische Regierung als durchgeknallt empfunden, weil sie es wagt, an dem festzuhalten, f&uuml;r das sie ein Mandat des Souver&auml;ns erhalten hat. Doch angesichts der seit zehn Jahren andauernden Regentschaft Merkels mag es f&uuml;r viele hierzulande befremdlich erscheinen, dass es noch Regierungen gibt, die so etwas wie ein politisches Programm verfolgen. <\/p><p>Wahrscheinlich hat die Bundesregierung deshalb eine Social Media Offensive mit Facebook Profil und Instagram-Account gestartet, wo vor allem viele sch&ouml;ne Bilder und Filmchen zu finden sind. Bunt und sch&ouml;n ist das, aber wenig informativ. Denn die Informationen der Bundesregierung sehen in Wirklichkeit sehr tragisch aus, wie der bewundernswerte Tilo Jung mit seinem Team von <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/jungundnaiv?fref=ts\">Jung &amp; Naiv<\/a> Woche f&uuml;r Woche in der Bundespressekonferenz akribisch herausarbeitet. <\/p><p><em>Der Autor ist Diplom Sozialwissenschaftler und Freiberuflicher Journalist.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Regierung in Griechenland muss weg. Diese zutiefst undemokratische Haltung verbreiten nicht nur Journalisten in ihren als Berichte verkleideten Hetz-Kommentaren, es ist auch das Ziel der Bundesregierung und der &uuml;brigen Gl&auml;ubiger. Die weisen das zwar weit und zum Teil auch emp&ouml;rt von sich, doch ist die Sachlage l&auml;ngst klar. 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