{"id":26658,"date":"2015-07-03T09:25:25","date_gmt":"2015-07-03T07:25:25","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26658"},"modified":"2024-08-28T19:32:43","modified_gmt":"2024-08-28T17:32:43","slug":"feindbild-islam","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26658","title":{"rendered":"Feindbild Islam"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150703-Interview_Sabine_Schiffer.jpg\" alt=\"Sabine Schiffer\" title=\"Sabine Schiffer\"><\/div><p>Auch in diesem Jahr rief der <a href=\"http:\/\/www.ramsa-deutschland.org\">Rat muslimischer Studierender &amp; Akademiker<\/a> zum 1. Juli wieder zum bundesweiten <a href=\"http:\/\/www.tgamr.de\/\">&ldquo;Tag gegen antimuslimischen Rassismus&rdquo;<\/a> auf. Wie heikel und wichtig dieses Thema ist, zeigt dabei nicht nur die <a href=\"http:\/\/klassismus.blogspot.de\/2009\/10\/moderne-sozialeugenik.html\">sozialeugenische Argumentation<\/a> eines Thilo Sarrazin und die unter anderem von PEGIDA hervorgebrachte Warnung vor einer <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/gesellschaft\/2015-04\/islamisierung-migration\">vermeintlichen<\/a> &bdquo;Islamisierung&ldquo; des Abendlandes. Die Wichtigkeit des Kampfes gegen diese Rassismus-Variante wird vor allem  dadurch deutlich, dass der <a href=\"http:\/\/www.tgamr.de\/der-mord-an-marwa\">Mord an der Apothekerin Marwa El-Sherbini<\/a> am 1. Juli 2009 bis heute weder angemessen Beachtung findet noch bez&uuml;glich seiner strukturellen Ursachen wirklich aufgearbeitet ist. <strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach hierzu mit <strong>Sabine Schiffer<\/strong>, die als Leiterin des <a href=\"http:\/\/www.medienverantwortung.de\/\">Erlanger Instituts f&uuml;r Medienverantwortung<\/a> seit Langem zum antimuslimischen Rassismus forscht und publiziert.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Frau Dr. Schiffer, gerade <a href=\"http:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article142756110\/Muslime-Die-Gewinner-des-demografischen-Wandels.html\">titelte<\/a> die Welt, eine Studie h&auml;tte ergeben, in 55 Jahren g&auml;be es mehrheitlich Muslime im Land. Das hat mich sehr erschreckt. Und zwar weniger aufgrund eigener &Uuml;berfremdungsangst als vielmehr, weil mir derlei Rhetorik <a href=\"http:\/\/sammlungen.ub.uni-frankfurt.de\/freimann\/content\/pageview\/217439\">nicht mehr allzu weit<\/a> von einer solchen, die sich Metaphern von Parasiten und Volkssch&auml;dlingen bedient, entfernt zu sein scheint&hellip;<\/strong><\/p><p>In der Tat erinnert so manches Argumentationsmuster an die Hochzeiten des sogenannten Antisemitismus im Verlauf des 19. Jahrhunderts. Die Sichtbarwerdung j&uuml;discher Religiosit&auml;t im &ouml;ffentlichen Raum, sprich der Synagogenbau, war damals in etwa so strittig wie es heute der Moscheebau ist. Und die Angeleichung der B&uuml;rgerrechte f&uuml;r Juden f&uuml;hrte zu &auml;hnlichen Abwehrmechanismen wie wir sie seit Jahrzehnten in islamophoben Texten lesen k&ouml;nnen, wo eine Gleichbehandlung im Sinne des Grundgesetzes als &bdquo;islamische Unterwanderung&ldquo; umgedeutet wird. <\/p><p>Und auch eine entmenschlichende Metaphorik gibt es wieder, etwa, wenn in Medien von Muslimen als &bdquo;Krebsgeschw&uuml;ren&ldquo; die Rede ist. Dieses Beispiel zeigt &uuml;brigens wunderbar, wie sich Diskursmuster heutzutage spiegeln: So wird unter Pal&auml;stinensern manchmal Israel als &bdquo;Krebsgeschw&uuml;r&ldquo; bezeichnet, wohingegen man in Israel die Pal&auml;stinenser mit eben dieser Metapher belegt. Hier ist es wichtig, zu wissen, dass solche Gedankenbilder stets eine eigene Logik enthalten &ndash; jene n&auml;mlich, dass etwas, das man als Krebsgeschw&uuml;r ansieht, mindestens zu bek&auml;mpfen und bestenfalls auszurotten ist. Deshalb kann man die Rhetorik damit nicht abtun, dass eine direkte Aufforderung zur Gewalt fehle. <\/p><p><strong>Wird &bdquo;der Islam&ldquo; denn dieser Zeit mittels aggressiverer Rhetorik mehr und mehr zum Feind stilisiert? Haben Sie noch mehr Beispiele f&uuml;r diese Behauptung parat?<\/strong><\/p><p>Ja, bei uns steht &bdquo;der Islam&ldquo; im Fokus, obwohl der antimuslimische Rassismus das Ressentiment gegen Juden nicht etwa abgel&ouml;st hat, das gibt es nach wie vor. Aber w&auml;hrend Muslime lange als Feind von au&szlig;en betrachtet wurden &ndash; im Sinne von Gewalt, Frauenunterdr&uuml;ckung oder R&uuml;ckst&auml;ndigkeit in der sogenannten Islamischen Welt &ndash; sind nun durch einige Ereignisse der letzten Jahre die hiesigen Muslime in den Aufmerksamkeitskegel des Misstrauens geraten. <\/p><p>Zwar war deren Muslimsein in den Jahren zuvor auch schon da, aber kein Thema. Nun erwecken so manche Stellungnahmen zum Islam in Deutschland aber den Eindruck, als handele es sich um eine Art <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/F%C3%BCnfte_Kolonne\">F&uuml;nfte Kolonne<\/a>. <\/p><p>Der Topos einer eingebildeten &bdquo;Islamisierung&ldquo;, wie er auch mit solchen linearen Glaskugellesereien wie in dieser von der &bdquo;Welt&ldquo; bem&uuml;hten sogenannten Studie bedient wird, erinnert allerdings zurecht an den einer ebenso imaginierten &bdquo;Judaisierung&ldquo;, den man angesichts einer erfolgreichen j&uuml;dischen Minderheit in Deutschland und Europa einst herauf beschwor &ndash; &uuml;brigens lange, bevor die Nazis sich derlei Rhetorik zunutze machten. Wie ein Katalysator zum Umschlagen von &ndash; &uuml;brigens stets auch <a href=\"http:\/\/www.journal-fuer-psychologie.de\/index.php\/jfp\/article\/view\/258\/297\">Privilegien sichernden<\/a> &ndash; Vorurteilen in Hass, Hetze und konkrete k&ouml;rperliche Gewalt wirken dann sehr oft Wirtschaftskrisen.  <\/p><p><strong>Und woher kommt derlei &bdquo;Feindbild&ldquo;? Man darf wohl annehmen, dass es nicht vom Himmel f&auml;llt&hellip;<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst mal kommen einfach viele Missverst&auml;ndnisse zusammen. Etwa sind alle, <em>den<\/em> Muslimen oder <em>dem<\/em> Islam vorgeworfenen Verfehlungen, ja gar nicht exklusiv. Frauenbenachteiligung bis hin zum Mord, Gewalt oder gar die aktuellen Kriege sind ja nun wirklich weit genug verbreitet, um ernst genommen und bek&auml;mpft zu werden. Sie allein im Kontext von Islam und Muslimen zu diskutieren, verschiebt die Wahrnehmung f&uuml;r die wirklich relevanten Zusammenh&auml;nge. Wenn beispielsweise der sogenannte Islamische Staat ein islamisches Thema w&auml;re, dann h&auml;tte es ihn seit 1.400 Jahren geben m&uuml;ssen &ndash; sein Auftauchen in den letzten Jahren deutet daher auf einen anderen Zusammenhang hin, den ich unter dem Stichwort <a href=\"http:\/\/www.hintergrund.de\/201503273477\/politik\/welt\/im-stellvertreterkrieg.html\">&bdquo;Geostrategie&ldquo;<\/a> hier nur kurz andeuten mag. <\/p><p>Und genau hierin liegen die Wurzeln f&uuml;r den Teil des Dramas, in welchem tats&auml;chlich bewusst ein Feindbild Islam aufgebaut wurde. Der US-amerikanische <a href=\"https:\/\/www.americanprogress.org\/issues\/religion\/report\/2015\/02\/11\/106394\/fear-inc-2-0\/\">Center for American Progress<\/a> hat erst k&uuml;rzlich in einem Studienupdate die Geldmittel genannt, die geflossen sind, um antiislamische Stimmungen in breiten Bev&ouml;lkerungsteilen in den USA zu erzeugen. Dabei zeigt sich, dass die Mittel vor allem von Akteuren kamen, die mit Blick auf Nahost und dar&uuml;ber hinaus spezifische Eigeninteressen verfolgen. <\/p><p>Dennoch bleibt es nat&uuml;rlich schwer vorstellbar, dass ein Gro&szlig;teil unseres westlichen Islam-Bildes vor allem auf Propaganda beruht. Dass dem so ist, legen aber viele Untersuchungen nahe. <\/p><p><strong>Wie w&auml;re es: Ich nenne Ihnen einige typische Werturteile gegen Muslime und den Islam und Sie erwidern hierauf?<\/strong><\/p><p>Mmh, wenn es sein muss. Denn als Semiotiker [<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">1<\/a>] wei&szlig; man nat&uuml;rlich, dass das Unterbewusstsein die Verneinung nicht erkennt &ndash; und wir damit also eine weitere Wiederholung von Stereotypen reproduzieren werden. Und Wiederholen ist leider nach wie vor das beste Mittel der &Uuml;berzeugung &ndash; und also ganz im Sinne der in der Untersuchung des Progress-Centers genannten Propagandisten. <\/p><p><strong>Also ok, aber das sieht immer so nach Ausweichen aus. Lassen Sie es uns wider besseres Wissen doch einmal mit einigen Behauptungen aufnehmen. Ich beginne mit: Der Islam ist eine r&uuml;ckst&auml;ndige, undemokratische Religion&hellip;<\/strong><\/p><p>Das ist jede Religion, wenn man sie ernst nimmt. Wenn wir die Regeln f&uuml;r Abtreibung der katholischen Kirche mit einigen anerkannten Fatwas etwa der Al-Azhar-Universit&auml;t vergleichen, dann kommt allerdings der Islam moderner daher. <\/p><p>Und manche Menschen sind zwar religionslos, aber dennoch r&uuml;ckst&auml;ndig. Hier fehlt also schlicht die Relevanz f&uuml;r den behaupteten Zusammenhang. Und nat&uuml;rlich geht in Bezug auf Muslime zunehmend das Bewusstsein verloren, dass Religion nur ein Faktor und nicht zwingend der bestimmende Faktor im Leben eines Menschen ist. <\/p><p>Wenn ich mir zudem einzelne sogenannte Islamische L&auml;nder anschaue, dann sind sie und auch Regionen innerhalb eines Landes ebenso heterogen wie andere L&auml;nder auch. Die genauen Gr&uuml;nde f&uuml;r Stagnation in einzelnen Regionen w&auml;ren daher jeweils erst noch zu ermitteln. Wir erleben es ja gerade am Beispiel Syriens, wie man innert weniger Jahre ein ganzes fortschrittliches Land, von dem wir etwa in Sachen <em>Diversity<\/em> noch viel h&auml;tten lernen k&ouml;nnen, ins Mittelalter zur&uuml;ckgebombt hat. <\/p><p><strong>Gut, weiter&hellip; Der Islam ist per se m&ouml;rderisch und gef&auml;hrlich. Und zwar mehr als jede andere Religion.<\/strong><\/p><p>Nun, wenn man die Milit&auml;reins&auml;tze weltweit ignoriert, die im Namen von Humanit&auml;t und Menschenrechten gef&uuml;hrt wurden und werden, und etwa auch den sogenannten &bdquo;Krieg gegen den Terror&ldquo;, der inzwischen weit &uuml;ber <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=25535\">eine Millionen Opfer<\/a> zu verzeichnen hat, dann kann man sich freilich die Beispiele herauspicken, wo Muslime grausame Taten begehen. <\/p><p>Statistisch ist die Behauptung nicht zu halten, aber mittels medialer Auswahl- und Vergr&ouml;&szlig;erungsprozesse kann solch ein Eindruck aufrechterhalten werden. <\/p><p>Im Islam, wenn ich das mal so pauschalisierend formulieren darf, gibt es aber tats&auml;chlich einen wichtigen Unterschied zum Christentum, in dem man ja neutestamentarisch dazu aufgefordert wird, auch noch die andere Wange hinzuhalten. Gegen Angriffe d&uuml;rfen Muslime sich n&auml;mlich wehren. <\/p><p><strong>Die gr&ouml;&szlig;te Gefahr f&uuml;r unser aller Wohl geht von der terroristischen Bedrohung durch sogenannte &bdquo;Islamisten&ldquo; aus.<\/strong><\/p><p>Wer sagt das? Der Geheimdienst? Auch der sollte seine eigenen Statistiken ernst nehmen. Also, sogenannte Islamisten sind gef&auml;hrlich, das stimmt, das sind <a href=\"http:\/\/www.thedailybeast.com\/articles\/2015\/01\/14\/are-all-terrorists-muslims-it-s-not-even-close.html\">andere Terroristen<\/a> aber auch. <\/p><p>Au&szlig;erdem wird hier die Asymmetrie in der Sache vollkommen verdreht. Ich will an dieser Stelle einmal Herfried M&uuml;nkler zitieren, der auf der sogenannten N&uuml;rnberger Sicherheitstagung 2008 in seinem Vortrag meinte: <a href=\"http:\/\/www.medienverantwortung.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/zukunft25sschiffer_sicherheitstagung.pdf\">&bdquo;Wir brauchen keine Selbstmordattent&auml;ter, wir haben Technologie.&ldquo; [PDF]<\/a> Das bringt es sehr pr&auml;gnant auf den Punkt. Neben den medial vergr&ouml;&szlig;erten Angstszenarien, die niemals das Autofahren als gef&auml;hrlichste Lebensbedrohung darstellen w&uuml;rden, fehlt es in aller Regel an einer Analyse von Hierarchie und Macht im jeweiligen Kontext. Wer ist Akteur, wer reagiert? Ein bisschen am Symptom herumzudoktern hat aber noch keine Krise gel&ouml;st und schon gar keine globale <a href=\"http:\/\/le-bohemien.net\/2015\/03\/31\/islamischer-staat-es-geht-um-armut-nicht-um-religion\/\">soziale<\/a> Wirtschafts- oder <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tp\/artikel\/45\/45127\/1.html\">Ressourcen-Krise<\/a>. <\/p><p><strong>Fast alle Moslems sind Terroristen. Oder anders herum: Fast alle Terroranschl&auml;ge auf der Welt werden von Moslems ver&uuml;bt&hellip;<\/strong><\/p><p>Nehmen Sie als Beispiel die Europol-Statistiken, weil sie im Internet leicht zug&auml;nglich sind. Haben Sie Angst vor der ETA? Statistisch w&auml;re das geboten. Lupenartig vergr&ouml;&szlig;ert wird jedoch eine andere Problematik, was &uuml;brigens auch frustrierte Muslime geradewegs in die Arme sogenannter Hassprediger treibt. Die gibt es tats&auml;chlich, allerdings auf allen Seiten. Leider stimmen aber manche der Beobachtungen, die solche Aufhetzer &ndash; oft ohne nachvollziehbaren Ursprung &ndash; dann betonen: Muslimische Soldaten stehen nicht vor den Toren der USA oder mitten in Europa. Westliche Soldaten hingegen zerst&ouml;rten ganze L&auml;nder, in denen der sogenannte Islamistische Terror nun w&auml;chst und gedeiht. <\/p><p><strong>Das <a href=\"http:\/\/www.google.de\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=4&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=0CDQQFjAD&amp;url=http%3A%2F%2Fxa.yimg.com%2Fkq%2Fgroups%2F65106939%2F1623280874%2Fname%2FIslamophobie_Reader.pdf&amp;ei=IEmVVdKgCsuLsgGd54G4Cg&amp;usg=AFQjCNFfBJiDav9Ij1bNc3HKvhnnelyCjw&amp;bvm=bv.96952980,d.bGg\">Kopftuch<\/a> ist ein Symbol f&uuml;r die Unterdr&uuml;ckung und Misshandlung der Frau.<\/strong><\/p><p>Weshalb kopftuchtragende Frauen ja dann bis vors Bundesverfassungsgericht ziehen, um ihre Kleidungsfreiheit auch im Beruf einzuklagen. Mit dieser Paradoxie werden wir leben m&uuml;ssen, dass wir &bdquo;die muslimische Frau&ldquo; befreien wollen und die das aber gar nicht will. Mal abgesehen, dass das Thema auch ein medial vergr&ouml;&szlig;ertes ist, weil insgesamt nur ca. 1\/3 der Musliminnen weltweit &uuml;berhaupt Kopftuch tr&auml;gt und dass es nat&uuml;rlich kopftuchtragende, emanzipierte, feministische Frauen auch in Deutschland gibt &ndash; wie etwa <a href=\"http:\/\/ein-fremdwoerterbuch.com\/\">K&uuml;bra G&uuml;m&uuml;&#351;ay<\/a> &ndash; dar&uuml;ber wird viel weniger gesprochen. <\/p><p>Es passt eben ins Bild, dass man selten die Frauen selber fragt oder nur diejenigen zu Wort kommen l&auml;sst, die das sagen, was man selbst h&ouml;ren will. Oder auch diejenigen, deren Aussagen man dann dadurch entwertet, dass man sie als gehirngewaschen interpretiert. Ganz zu schweigen von der Themenstellung, die man den Frauen oft genug vorgibt. Das ist Chauvinismus. Wer also meint, Chauvinismus per se bei Muslimen ausmachen zu m&uuml;ssen, der scheint in ganz guter Gesellschaft zu sein.<\/p><p><strong>Wegen der Demokratiedefizite, wegen Frauenfeindlichkeit und immanenter Barbarei ist es an der Zeit, die islamischen L&auml;nder zu &hellip; &bdquo;demokratisieren&ldquo;.<\/strong><\/p><p>Nach &bdquo;Demokratiedefiziten&ldquo; fragen Sie mich jetzt aber nicht ernsthaft angesichts der Krise in und um Griechenland, oder? Man betrachte die Polemik um ein m&ouml;gliches Votum der B&uuml;rger. Und wie die sogenannte &bdquo;Demokratisierung&ldquo; islamischer L&auml;nder aussieht, haben wir ja bereits gesehen: Krieg und Destabilisierung im Irak fortfolgende. <\/p><p>Jedoch Wahlen wie in Algerien Anfang der 1990er Jahre, in Pal&auml;stina 2006 und relativ aktuell in Syrien werden vom Westen dann f&uuml;r nichtig erkl&auml;rt, weil man die Ergebnisse nicht haben will. Da wird dann schnell relativiert mit dem projektiven Hinweis, die seien ja noch nicht &bdquo;reif&ldquo; f&uuml;r die Demokratie &ndash; ein durchschaubares Man&ouml;ver der Bevormundung, der es um alles M&ouml;gliche, sicher aber nicht um das Vorgebrachte geht. <\/p><p>In &Auml;gypten etwa sitzt heute der demokratisch gew&auml;hlte Pr&auml;sident, ein Muslimbruder, im Gef&auml;ngnis. Wie einst mit Mubarak pflegt die Bundesregierung jedoch wieder gute Kontakte mit dem jetzigen Machthaber. Und die reaktion&auml;rste Macht auf der arabischen Halbinsel, Saudi-Arabien, gilt unserer Regierung als &bdquo;Stabilit&auml;tsfaktor&ldquo; im Nahen Osten. Und schlie&szlig;lich geht &bdquo;der Westen&ldquo; hin und wieder mal hin und bombt ausgediente Diktatoren weg, um sie dann durch andere zu ersetzen. Total glaubw&uuml;rdige Demokratievermittlung, nicht wahr?<\/p><p>Muslimen wird ja Vieles unterstellt, wie wir hier gesehen haben. Was aber, wenn sie gar nicht so dumm sind, wie etwa Thilo Sarrazin meint? Glauben Sie nicht, dass sie dann die doppelten Standards und diese ganze Verlogenheit durchschauen? Ich bin jedenfalls davon &uuml;berzeugt, dass wir nur ein friedliches Miteinander erhalten oder erreichen k&ouml;nnen, wenn dasselbe auch auf Ehrlichkeit und Gerechtigkeit und also Ebenb&uuml;rtigkeit basiert &ndash; und das ganz allgemein, also auch &uuml;ber die sogenannte Islamische Welt hinaus. <\/p><p>Mit der aktuellen ungerechten Weltwirtschaftsordnung, die den Wohlstand einiger Weniger &ndash; und dazu geh&ouml;rt wohl bald nicht mehr unsere Mittelschicht &ndash; auf Kosten der &Auml;rmsten begr&uuml;ndet, k&ouml;nnen wir nur Hass und Gewalt, ja Widerstand erzeugen. <\/p><p>Wir d&uuml;rfen von Muslimen durchaus Selbstkritik verlangen, aber daf&uuml;r m&uuml;ssten wir selbst auch einmal damit anfangen &ndash; denn der <em>M&auml;chtigere<\/em> tr&auml;gt eben auch den <em>gr&ouml;&szlig;eren<\/em> Teil der Verantwortung in einer Situation. <\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em><strong>Dr. phil. Sabine Schiffer<\/strong> hat zur Islamdarstellung in den Medien promoviert. 2005 gr&uuml;ndete sie das Institut f&uuml;r Medienverantwortung, das sie seither leitet. Sie doziert und publiziert zu den Themen: &bdquo;Vierte contra F&uuml;nfte Gewalt&ldquo;, Kriegsmarketing, Stereotype im Mediendiskurs sowie Medienbildung.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Sabine Schiffer: <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/apuz\/29060\/der-islam-in-deutschen-medien?p=all\">Der Islam in deutschen Medien<\/a><\/li>\n<li>Sabine Schiffer und Constantin Wagner: <a href=\"https:\/\/heimatkunde.boell.de\/2010\/04\/01\/antisemitismus-und-islamophobie-neue-feindbilder-alte-muster\">Antisemitismus und Islamophobie &ndash; Neue Feindbilder, alte Muster<\/a><\/li>\n<li>Sabine Schiffer: <a href=\"http:\/\/www.nrhz.de\/flyer\/beitrag.php?id=21102\">&ldquo;Unsere Medien&rdquo; in Zeiten innerukrainischer und antirussischer Kriegshetze: Wer Hass s&auml;ht, wird PEGIDA ernten<\/a><\/li>\n<li>Wilhelm Heitmeyer: <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/islamfeindlichkeit-menschen-islamischen-glaubens-werden.694.de.html?dram:article_id=302039\">&ldquo;Menschen islamischen Glaubens werden homogenisiert&rdquo;<\/a><\/li>\n<li>Wilhelm Heitmeyer: <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/politik\/deutschland\/2010-12\/studie-deutsche-zustaende\">Mehr Islamfeindlichkeit bei Reichen<\/a><\/li>\n<li>Noam Chomsky: <a href=\"http:\/\/www.informationclearinghouse.info\/article27419.htm\">It&rsquo;s Not Radical Islam That Worries The US &ndash; It&rsquo;s Independence<\/a><\/li>\n<li>Noam Chomsky: <a href=\"http:\/\/www.chomsky.info\/interviews\/200704--.htm\">On Religion and Politics<\/a><\/li>\n<li>Noam Chomsky: <a href=\"http:\/\/www.jihadwatch.org\/2010\/07\/noam-chomsky-us-more-fundamentalist-than-saudi-arabia-or-the-taliban\">U.S. more &ldquo;fundamentalist&rdquo; than Saudi Arabia or the Taliban<\/a><\/li>\n<li>Iman Attia: <a href=\"http:\/\/www.journal-fuer-psychologie.de\/index.php\/jfp\/article\/view\/258\/297\">Privilegien sichern, nationale Identit&auml;t revitalisieren: Gesellschafts- und handlungstheoretische Dimensionen der Theorie des antimuslimischen Rassismus im Unterschied zu Modellen von Islamophobie und Islamfeindlichkeit<\/a><\/li>\n<li>Etienne Balibar und Immanuel Wallerstein: <a href=\"http:\/\/www.kommunismus.narod.ru\/knigi\/pdf\/Balibar_Wallerstein_-_Rasse_Klasse_Nation_Teil_1.pdf\">Rasse, Klasse, Nation: Ambivalente Identit&auml;ten [PDF &ndash; 4.7 MB]<\/a><\/li>\n<li>Christoph Dreier: <a href=\"http:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2014\/12\/31\/pegi-d31.html\">Pegida und der Rechtsruck der Politik<\/a><\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch eine <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a> &uuml;ber neue Texte bestellen.<\/em><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;1<\/a>] Semiotik: Wissenschaft, die sich mit Zeichensystemen aller Art befasst<\/p>\n<\/div><p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/75c216dea58f48108467709f80288255\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150703-Interview_Sabine_Schiffer.jpg\" alt=\"Sabine Schiffer\" title=\"Sabine Schiffer\"\/><\/div>\n<p>Auch in diesem Jahr rief der <a href=\"http:\/\/www.ramsa-deutschland.org\">Rat muslimischer Studierender &amp; Akademiker<\/a> zum 1. Juli wieder zum bundesweiten <a href=\"http:\/\/www.tgamr.de\/\">&ldquo;Tag gegen antimuslimischen Rassismus&rdquo;<\/a> auf. Wie heikel und wichtig dieses Thema ist, zeigt dabei nicht nur die <a href=\"http:\/\/klassismus.blogspot.de\/2009\/10\/moderne-sozialeugenik.html\">sozialeugenische Argumentation<\/a> eines Thilo Sarrazin und die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26658\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[207,209,199,11],"tags":[1462,340],"class_list":["post-26658","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-anti-islamismus","category-interviews","category-kirchen-religionen","category-strategien-der-meinungsmache","tag-schiffer-sabine","tag-zuwanderung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26658","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26658"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26658\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120375,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26658\/revisions\/120375"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26658"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26658"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26658"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}