{"id":26682,"date":"2015-07-07T09:25:19","date_gmt":"2015-07-07T07:25:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26682"},"modified":"2015-07-07T14:19:39","modified_gmt":"2015-07-07T12:19:39","slug":"eine-andere-wirtschaftspolitik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26682","title":{"rendered":"\u201eEine andere Wirtschaftspolitik!\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Das &bdquo;Nein&ldquo; der Griechen vom 5. Juli steht fu&#776;r die &Uuml;berwindung eines desastr&ouml;sen neoliberalen Europas<br>\nIn einer Fernseh-Talkshow am Sonntag kurz nach dem Abbruch der Verhandlungen zwischen Griechenland und der Eurogruppe in Bru&#776;ssel sagte ein deutscher Spitzenbeamter des Europ&auml;ischen Stabilit&auml;tsmechanismus (ESM): &bdquo;Denen (also den Griechen) geht es gar nicht um ein paar Prozentpunkte bei der Mehrwertsteuer. Die wollen eine andere Wirtschaftspolitik!&ldquo; Der Mann, ein Spitzenfunktion&auml;r also in jenem Tross, der seit der Finanz- und Euro-Krise mit desastr&ouml;sen Sparprogrammen Europa ruiniert, hat also fu&#776;nf Monate gebraucht, um das zu kapieren. So viel zur intellektuellen Flexibilit&auml;t und ideologischen Verblendung dieser Herrschaften. Natu&#776;rlich will die griechische Regierung eine andere Wirtschafts- und damit Finanz- und Sozialpolitik. Von <strong>Jochen Kelter<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nWobei es dann allerdings schon eine Rolle spielt, ob eine alleinerziehende Mutter mit 800 Euro Monatseinkommen 13 oder 23 Prozent Mehrwertsteuer auf Lebensmittel zahlen muss.<\/p><p>Der Internationale W&auml;hrungsfonds (IWF) hatte schon zu Beginn der Griechenland-Krise 2010 befunden, es mu&#776;sse ein radikaler Schuldenschnitt her. Befolgt wurde diese Einsicht dann nicht. Zu gewichtig waren die Interessen deutscher und franz&ouml;sischer Banken zu jenem Zeitpunkt.<br>\nUnterdessen hat man die Banken, die ihre Gewinne gemacht haben, von ihrem finanziellen Engagement entlastet und es den Bu&#776;rgern Europa aufgebu&#776;rdet. Seither wird auf Gehei&szlig; von IWF, Europ&auml;ischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission (bzw. der Eurogruppe) mit menschenverachtender K&auml;lte gespart und geku&#776;rzt.<\/p><p>Am Montag nach dem klaren &bdquo;Nein&ldquo; der Griechen hetzte die &bdquo;Neu Zu&#776;rcher Zeitung&ldquo; bereits wieder gegen &bdquo;motorradfahrende Traumt&auml;nzer und krawattenlose Volksverfu&#776;hrer&ldquo;. Die wahren Traumt&auml;nzer aber sitzen l&auml;ngst in Bru&#776;ssel, Frankfurt und anderswo.<\/p><p>M&ouml;glicherweise w&auml;re Premierminister Tsipras besser beraten gewesen, kein Referendum u&#776;ber die Bedingungen der &bdquo;Troika&ldquo; , sondern stattdessen schon zu einem fru&#776;heren Zeitpunkt der Verhandlungen mit den &bdquo;Institutionen&ldquo; Neuwahlen anzusetzen, die er wohl haushoch gewonnen h&auml;tte. So aber hat er seinen europ&auml;ischen und griechischen Gegnern die M&ouml;glichkeit gegeben zu behaupten, wer mit &bdquo;Nein&ldquo; gegen die Sparpl&auml;ne der &bdquo;Troika&ldquo; stimme, votiere fu&#776;r den Austritt aus Euro und EU &ndash; was gelogen ist, denn beides ist vertraglich nicht vorgesehen (so arrogant von sich u&#776;berzeugt ist man, notabene, in Bru&#776;ssel). <\/p><p>Dazu gesellten sich in Politik und Medien zunehmend offen ideologische, pers&ouml;nlich beleidigende, fremdenfeindliche und rassistische T&ouml;ne, was den Zusammenhalt in Europa zus&auml;tzlich besch&auml;digt hat.<\/p><p>Noch einmal sei wiederholt, was vernu&#776;nftige &Ouml;konomen und andere seit langem betonen: Der Euro ist so konstruiert, als beginne man beim Bau eines Hauses mit dem Dach. Eine gemeinsame W&auml;hrung ohne gemeinsame Finanz, Wirtschafts- und Sozialpolitik und ohne Finanzausgleich untereinander kann nicht funktionieren. Die Mitgliedsstaaten h&auml;tten einen Gro&szlig;teil ihrer fiskalischen und politischen Hoheit abgeben und einen Bundesstaat bilden mu&#776;ssen, wozu sie nicht bereit waren. Und den Konzernen und Banken genu&#776;gte das &bdquo;Dach&ldquo;, die gemeinsame W&auml;hrung, um einfacher zocken und Geld transferieren zu k&ouml;nnen.<\/p><p>Nun ist zu hoffen, dass der keineswegs geschw&auml;chten, sondern gest&auml;rkten griechischen Regierung ein Kompromiss der sozialdemokratischen, also sozial noch halbwegs vertr&auml;glichen Art mit Europa gelingt. Die Regierung Tsipras n&auml;mlich macht nichts anderes als sozialdemokratische Politik. Nur haben die sogenannten Sozialdemokraten Europas l&auml;ngst vergessen, was das ist, die Herren Gabriel, Monsieur Hollande oder Signor Renzi, die nicht mal zu Traumt&auml;nzern, nur zu Technokraten der Macht ohne Bezug zur Wirklichkeit taugen.<\/p><p>Zu hoffen ist auf den Beginn einer allm&auml;hlichen &Uuml;berwindung der desastr&ouml;sen neoliberalen Herrschaft der Banken und Konzerne in Europa. Die Zivilgesellschaft in den L&auml;ndern Europas ist aufgerufen, in Wort und Tat, auch durch humanit&auml;re Hilfe, wie sie von beherzten Bu&#776;rgern bereits begonnen wurde, dazu beizutragen und dem bereits wieder einsetzenden Propagandageheul entschieden entgegenzutreten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das &bdquo;Nein&ldquo; der Griechen vom 5. Juli steht fu&#776;r die &Uuml;berwindung eines desastr&ouml;sen neoliberalen Europas<br \/> In einer Fernseh-Talkshow am Sonntag kurz nach dem Abbruch der Verhandlungen zwischen Griechenland und der Eurogruppe in Bru&#776;ssel sagte ein deutscher Spitzenbeamter des Europ&auml;ischen Stabilit&auml;tsmechanismus (ESM): &bdquo;Denen (also den Griechen) geht es gar nicht um ein paar Prozentpunkte bei der<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26682\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[139,22,30],"tags":[423,241,1555,312,851],"class_list":["post-26682","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-euro-und-eurokrise","category-europaische-union","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-austeritaetspolitik","tag-bankenrettung","tag-griechenland","tag-reformpolitik","tag-schuldenschnitt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26682","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26682"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26682\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26688,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26682\/revisions\/26688"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26682"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26682"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26682"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}