{"id":2669,"date":"2007-10-04T09:19:08","date_gmt":"2007-10-04T07:19:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2669"},"modified":"2015-12-17T15:38:46","modified_gmt":"2015-12-17T14:38:46","slug":"david-gegen-goliath-das-geplante-handelsabkommen-zwischen-der-eu-und-den-afrika-karibik-pazifik-staaten-soll-den-reichen-laendern-neue-maerkte-eroeffnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2669","title":{"rendered":"\u201eDavid gegen Goliath\u201c \u2013 das geplante Handelsabkommen zwischen der EU und den Afrika-Karibik-Pazifik-Staaten soll den reichen L\u00e4ndern neue M\u00e4rkte er\u00f6ffnen"},"content":{"rendered":"<p>Weitgehend unbemerkt von der &Ouml;ffentlichkeit laufen die Verhandlungen zwischen der Europ&auml;ischen Union und den Afrika-Karibik-Pazifik-Staaten (AKP-Staaten) zu den Economic Partnership Agreements (EPAs).  Die wirtschaftliche Zusammenarbeit wird mit wohlklingenden Begr&uuml;ndungen wie etwa der &ldquo;Beseitigung der Armut&rdquo;, der  &bdquo;F&ouml;rderung  nachhaltiger Entwicklung&ldquo;, der &bdquo;F&ouml;rderung der Menschenrechte&ldquo; und der &bdquo;F&ouml;rderung der Demokratie&rdquo; propagiert. Ein Beitrag von Christine Wicht.<br>\n<!--more--><br>\nDie Verhandlungen zwischen der EU und den AKP-Staaten sollen bis sp&auml;testens Dezember 2007 abgeschlossen sein, die Umsetzung  im Januar 2008 beginnen und zwischen 10 und 12 Jahren dauern. Die AKP-Staaten sollen ihre M&auml;rkte st&auml;rker f&uuml;r die Wirtschaft der EU &ouml;ffnen und im Gegenzug mit Hilfe von &bdquo;Zollpr&auml;ferenzen&ldquo; Zugang zu europ&auml;ischen M&auml;rkten erhalten. Afrikanische Kleinbauern und Produzenten, bef&uuml;rchten hingegen den Zusammenbruch lokaler Produktionszweige, ein Sinken der Ern&auml;hrungssouver&auml;nit&auml;t und eine zunehmende Abh&auml;ngigkeit von Europa. Kritiker monieren die &Ouml;ffnung von Bereichen, die weit &uuml;ber die WTO-Regelungen hinaus gehen, wie beispielsweise die Liberalisierung von Investitions- und Dienstleistungsm&auml;rkten. Die Bedingungen, an die das Abkommen gekn&uuml;pft ist, geben Anlass zu der Bef&uuml;rchtung, dass sich die Situation f&uuml;r die betroffenen AKP-Staaten, entgegen den Lockrufen der Vertreter der Europ&auml;ischen Union, nicht verbessern, sondern erheblich verschlechtern wird.<\/p><p><strong>EU-Kommission will ver&auml;nderte Wirtschaftsabkommen mit Afrika<\/strong><br>\n1975 wurde das erste Lom&eacute;-Abkommen in der Hauptstadt Togos zwischen den L&auml;ndern der EU und seinerzeit 46 AKP-Staaten geschlossen. Das Abkommen umfasste Handel, Entwicklungshilfe und politische Partnerschaften. Im Jahr 2000 l&ouml;ste das Cotonou-Abkommen die Lom&eacute;-Vertr&auml;ge ab,  der neue Kontrakt definiert die Beziehungen zwischen der EU und den AKP-Staaten bis zum Jahr 2020.  Im Gegensatz zu den Lom&eacute;-Vertr&auml;gen enth&auml;lt das Cotonou-Abkommen keine Handelspr&auml;ferenzen  (Zollfreiheit), von welchen die Unterzeichnerstaaten in der Vergangenheit profitierten. Das Lom&eacute;-Abkommen verpflichtete die AKP-Staaten dazu, Importe aus der EU nicht schlechter zu behandeln als Importe aus anderen L&auml;ndern. Diese Regelung wurde von den WTO-Mitgliedern nicht gut gehei&szlig;en mit der Begr&uuml;ndun, dass sie Nicht-AKP-Entwicklungsl&auml;nder diskriminieren w&uuml;rde und deshalb nicht mit den WTO-Regeln vereinbar sei. Die WTO hat folgende Prinzipien festgelegt, damit ein freier Welthandel gew&auml;hrleistet ist: Reziprozit&auml;t (Prinzip der Gegenseitigkeit), Liberalisierung (Abbau von Z&ouml;llen und nichttarif&auml;ren Handelshemmnissen) und Nichtdiskriminierung (insbesondere Meistbeg&uuml;nstigung).<\/p><p>Das Cotonou-Abkommen verbindet die Europ&auml;ische Union mit 77L&auml;ndern Afrikas, des karibischen Raums und des Pazifischen Ozeans und verfolgt das Ziel die unilateralen Handelspr&auml;ferenzen der Lom&eacute;-Vertr&auml;ge durch wirtschaftliche Partnerschaften (EPAs) zu ersetzen. Dies soll unter reziproken Bedingungen geschehen. Angesichts der &ouml;konomischen Asymmetrie der Handelspartner ist eine Wechselseitigkeit kaum m&ouml;glich. Es d&uuml;rfte in erster Linie f&uuml;r die europ&auml;ischen Unternehmen ein enormer Wettbewerbsvorteil entstehen. Ziel der reziproken Bedingung ist  auch die Beseitigung so genannter nicht-tarif&auml;rer Handelshemmnisse. Es sollen die Vorschriften abgeschafft werden, die den Marktzugang f&uuml;r ausl&auml;ndische Anbieter (auf beiden Seiten) regulieren:<\/p><p><strong>Joachim Wuermeling, Staatssekret&auml;r im Bundesministerium f&uuml;r Wirtschaft und Technologie<\/strong>, &auml;u&szlig;erte in seiner Rede der 1. Sitzung des INTA (Handels-) Ausschusses des Europ&auml;ischen Parlaments am 23.01.2007 zu den EPA-Verhandlungen:<\/p><blockquote><p>&hellip;Wir streben dabei substantielle Verbesserungen des Marktzugangs f&uuml;r alle AKP-EPA-L&auml;nder in den EU-Markt an, gleichzeitig auch m&ouml;glichst die Erfassung von handelsbezogenen Themen wie Investitionen oder das &ouml;ffentliche Beschaffungswesen. Diese Handelsthemen k&ouml;nnen entwicklungspolitisch sinnvolle Denk- und Reformprozesse ansto&szlig;en und bieten Potential gerade auch f&uuml;r die angestrebte regionale Integration. Wir unterst&uuml;tzen das Anliegen der Kommission nach einer Aktualisierung der Marktzugangs-Strategie im Hinblick auf eine Verbesserung des Informationsflusses zwischen allen Beteiligten (KOM, EU-MS, Wirtschaftsverb&auml;nde, Unternehmen). Erforderlich ist insbesondere eine B&uuml;ndelung der Kr&auml;fte vor Ort, um einen besseren &Uuml;berblick &uuml;ber die vielf&auml;ltigen nicht-tarif&auml;ren Handelshemmnisse zu erhalten und entsprechend reagieren zu k&ouml;nnen.<\/p><\/blockquote><p>Sollten die nicht-tarif&auml;ren Handelshemmnisse beseitigt werden, w&uuml;rden die so genannten Singapur-Themen und das ad acta gelegte Multilaterale Investitionsabkommen (MAI) praktisch &uuml;ber die Hintertreppe eingef&uuml;hrt. (<a href=\"http:\/\/www.wto-runde.de\/glossar\/index.html\">Begriffserkl&auml;rungen<\/a>)<\/p><p>Die Singapur-Themen enthielten folgende Forderungen:<\/p><ul>\n<li>Schaffung neuer Investitionsregeln, um ausl&auml;ndischen Investoren den Zugang zu den M&auml;rkten zu erleichtern<\/li>\n<li>Liberalisierung des Wettbewerbs <\/li>\n<li>Transparenz im &ouml;ffentlichen Beschaffungswesen (Vergabe &ouml;ffentlicher Auftr&auml;ge) und<\/li>\n<li>Handelserleichterungen (Abbau b&uuml;rokratischer Hemmnisse)<\/li>\n<\/ul><p>Das MAI sah vor, die Rechte f&uuml;r internationale Investoren in beachtlichem Ausma&szlig; zu st&auml;rken, mit dem Argument, dass freier Wettbewerb zu gesamtgesellschaftlichen Nutzen f&uuml;hren w&uuml;rde. Das Abkommen ist 1998 gescheitert. Die Singapur-Themen, die bemerkenswerte &Auml;hnlichkeit mit den Forderungen des MAI aufweisen, wurden bereits 1996 auf der WTO-Konferenz in Singapur formuliert und scheiterten 2003 auf der WTO-Konferenz in Canc&uacute;n am Widerstand der Entwicklungsl&auml;nder, die bef&uuml;rchteten den ausl&auml;ndischen Investoren ausgeliefert zu werden. Nun sollen die abgelehnten Forderungen mit bilateralen Vertr&auml;gen, durch die Hintert&uuml;r den Verhandlungspartnern ins Pflichtenheft geschrieben werden.<\/p><p>Die Europ&auml;ische Union verlangt die Liberalisierung folgender Bereiche<\/p><ul>\n<li>Investitionsregeln<\/li>\n<li>Wettbewerbsregeln<\/li>\n<li>&ouml;ffentliches Beschaffungswesen (auf der Basis der Nicht-Diskriminierung europ&auml;ischer Anbieter)<\/li>\n<\/ul><p><strong>Die Auswirkungen des sogenannten Freihandels <\/strong><br>\nDie AKP-Staaten haben die Forderung der EU zur Markt&ouml;ffnung f&uuml;r Industrie- und Agrarprodukte kritisiert. Aufgrund der ausgepr&auml;gten Subventionspolitik sind viele und wichtige aus der Europ&auml;ischen Union exportierte Produkte weitaus g&uuml;nstiger als beispielsweise nicht subventioniertes Fleisch aus den AKP-Staaten. Die Lieferung hoch subventionierter gefrorener Gefl&uuml;gelteile aus der EU hatte verheerende Folgen f&uuml;r den Gefl&uuml;gelmarkt von Ghana und Kamerun und bedrohte die Existenz der afrikanischen Gefl&uuml;gelproduzenten. Der Kilopreis f&uuml;r importiertes Huhn lag um bis zu 50 Prozent unter dem Preis des einheimischen Gefl&uuml;gelfleisches. Der Evangelische Entwicklungsdienst (EED) hat eine Brosch&uuml;re unter dem Titel &bdquo;Keine chicken schicken&ldquo; &ndash; &bdquo;Wie H&uuml;hnerfleisch aus Europa Kleinbauern in Westafrika ruiniert und eine starke B&uuml;rgerbewegung in Kamerun sich erfolgreich wehrt&ldquo; <a href=\"http:\/\/www.eed.de\/fix\/files\/doc\/eed_chicken_06_deu.pdf\">herausgegeben [PDF &ndash; 2,9 MB]<\/a>.<br>\nSubventionierte EU-Agrarprodukte dominieren vielfach die M&auml;rkte von Entwicklungsl&auml;ndern und zerst&ouml;ren zugleich die Lebensgrundlage der dortigen Kleinbauern. So werden beispielsweise subventionierte Milch, Zwiebeln, Tomaten, Mais, Reis und Tomatenmark importiert.<br>\nDie Senegalesen protestieren gegen die Auswirkungen des Fischereiabkommens, dass die EU (mit 16 AKP-Staaten) abgeschlossen hat. Eine Studie des UN-Umweltprogramms kommt zu dem Schluss, dass die Einnahmen, die Senegal aus dem EU-Abkommen erh&auml;lt, die entstandenen Einkommensverluste und Sch&auml;den an den Fischressourcen keineswegs decken k&ouml;nnen.<\/p><p><strong>Heidemarie Wieczorek-Zeul, Bundesministerin f&uuml;r wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung<\/strong>, hielt bereits am 20. Februar 2006 einen Vortrag im Br&uuml;sseler B&uuml;ro der Friedrich-Ebert-Stiftung und forderte Handel und Entwicklung als Instrumente der Global Governance ein. Ihrer Ansicht nach bedeutet eine wirtschaftliche und soziale Gestaltung der Globalisierung eine Reform des Welthandels und die Durchsetzung von Kernarbeitsnormen, da das herrschende internationale Handelssystem st&auml;rkere L&auml;nder beg&uuml;nstige und die am wenigsten entwickelten L&auml;nder von der Dynamik sich vernetzender M&auml;rkte weitgehend abgekoppelt w&uuml;rden.<\/p><blockquote><p>Damit auch &auml;rmere Entwicklungsl&auml;nder die Chancen der Globalisierung nutzen k&ouml;nnen, so die Ministerin, &ldquo;m&uuml;ssen Industrie- und Schwellenl&auml;nder ihre M&auml;rkte f&uuml;r Exporte aus den Entwicklungsl&auml;ndern weit st&auml;rker &ouml;ffnen als bisher. Exportsubventionen und Z&ouml;lle m&uuml;ssen abgebaut werden.<\/p><\/blockquote><p>Die Zauberformel hei&szlig;t &bdquo;weitere &Ouml;ffnung der M&auml;rkte&ldquo; und &bdquo;Abbau von Z&ouml;llen&ldquo;, dann k&ouml;nnten auch &auml;rmere L&auml;nder einen Nutzen aus der Globalisierung ziehen. Viele Verhandlungsseite der AKP-Staaten glauben daran nicht, sondern bef&uuml;rchten eine weitere Verschlechterung der Situation ihrer L&auml;nder. Die Auswirkungen der Forderungen, die an die Strukturanpassungsprogramme des Internationalen W&auml;hrungsfonds (IWF) gebunden waren, lassen die Vertreter der AKP-Staaten mit Recht daran zweifeln, dass sie von der Globalisierung profitieren werden. Die IWF-Politik hat sich in zahlreichen F&auml;llen negativ auf die Lebensbedingungen der jeweiligen Bev&ouml;lkerung der vom IWF &ldquo;gef&ouml;rderten&rdquo; Staaten ausgewirkt. Von den durchgef&uuml;hrten Privatisierungen, Deregulierungen und Liberalisierungen profitierten eher die Konzerne der reichen Geberl&auml;nder.<\/p><p><strong>Widerstand aus dem Europ&auml;ischen Parlament <\/strong><br>\nDas Entwicklungskomitee des Europ&auml;ischen Parlaments &auml;u&szlig;erte sich zum wiederholten Male kritisch zu den EPA-Verhandlungen. Der im Januar 2006 vor dem EU-Parlament pr&auml;sentierte Bericht der EU-Parlamentarierin Luisa Morgantini, kommt zu dem Ergebnis, dass Handels- und Investitionsliberalisierung nicht zur Beseitung der Armut taugen.<br>\nQuelle: <a href=\"upload\/pdf\/20071004europarl.pdf\">Europ&auml;isches Parlament [PDF &ndash; 584 KB]<\/a><\/p><p>Beispielsweise w&uuml;rde der Wegfall von Zolleinnahmen einen Einbruch der &ouml;ffentlichen Aufwendungen f&uuml;r Gesundheit und Bildung zur Folge haben. Der Bericht warnt davor, dass  durch die WTO-Kompatibilit&auml;t das Ziel, die heimischen M&auml;rkte zu sch&uuml;tzen, verdr&auml;ngt werde. Aus diesem Grund wird die Kommission im Bericht dazu aufgefordert, die Asymmetrie der AKP-Wirtschaften zu ber&uuml;cksichtigen und die Notwendigkeit einer gr&ouml;&szlig;eren Flexibilit&auml;t zu akzeptieren, die Verankerung des Prinzips der Nicht-Gegenseitigkeit im WTO-Regelwerk einzusetzen und Alternativen zu erarbeiten. <\/p><p>Das Europ&auml;ische Parlament ist sich dessen bewusst:<\/p><blockquote><p>dass mit den WPA (Wirtschaftspartnerabkommen) neue Handelsbeziehungen zwischen der EU und den AKP-L&auml;ndern festgelegt werden sollen, dass sich aber in der Vergangenheit gezeigt hat, dass eine Liberalisierung des Handels zwischen ungleichen Partnern als Instrument der Entwicklung nicht wirksam und sogar kontraproduktiv ist.<\/p><\/blockquote><p>Der Bericht fordert mehr Mittel, &hellip;<\/p><blockquote><p>um die Volkswirtschaften der AKP-L&auml;nder dabei zu unterst&uuml;tzen, den zunehmend anspruchsvollen technischen, hygienischen und anderen ordnungspolitischen Standards zu gen&uuml;gen. Au&szlig;erdem m&uuml;ssen Mittel vorgesehen werden, um die sozialen Auswirkungen der Wirtschaftsreformen, die die WPA mit sich bringen, abzumildern.<\/p><\/blockquote><p>Dar&uuml;ber hinaus w&uuml;rde<\/p><blockquote><p>&hellip;ein freier Handel mit der EU &hellip; ebenfalls zu erheblichen Einnahmeverlusten f&uuml;r die AKP-L&auml;nder f&uuml;hren. Die Einnahmen aus Importz&ouml;llen und -abgaben sind ein wichtiger Bestandteil der nationalen Haushalte in den AKP-L&auml;ndern. Im Falle einer weitgehenden Handelsliberalisierung m&uuml;ssen diese Einnahmen durch andere Einnahmeformen wie direkte Steuern oder Mehrwertsteuer ersetzt werden. Einige dieser Steuern k&ouml;nnten R&uuml;ckschritte bewirken und nicht im Einklang mit dem im Abkommen von Cotonou verankerten Ziel der Linderung der Armut stehen. Au&szlig;erdem sind viele AKP-L&auml;nder nicht in der Lage, Steuersysteme einzuf&uuml;hren oder diese ausreichend auszuweiten. Die Abschaffung von Einfuhrz&ouml;llen k&ouml;nnte zu einer billigeren Versorgung mit Waren f&uuml;r die einheimische Produktion f&uuml;hren (Maschinen f&uuml;r die industrielle Produktion usw.); die WPA-Verhandlungen k&ouml;nnen jedoch nicht abgeschlossen werden, ohne dass eine L&ouml;sung gefunden wurde, die den Verlust an &ouml;ffentlichen Einnahmen der AKP-L&auml;nder ausgleicht.<\/p><\/blockquote><p>Im Bericht wurden deutlich die Folgen der Singapur-Themen ins Feld gef&uuml;hrt:<\/p><blockquote><p>Bei WTO-Treffen auf Ministerebene haben die Entwicklungsl&auml;nder hartn&auml;ckig den Vorschlag abgelehnt, die so genannten Singapur-Themen (insbesondere Investitionen, &ouml;ffentliche Beschaffung und Wettbewerb) in das WTO-Mandat mit einzubeziehen. Die EU sollte die Forderungen der AKP-Partner respektieren und die auf dem WTO-Treffen in Doha eingegangenen Verpflichtungen einhalten, und bei den Verhandlungen &uuml;ber die WPA die Diskussion &uuml;ber die Singapur-Themen vermeiden. Die &Uuml;bernahme der Singapur-Themen in ein WPA-Abkommen w&uuml;rde wahrscheinlich dazu f&uuml;hren, dass die Rechte von Unternehmen aus der EU zu Lasten der Entwicklungspl&auml;ne der AKP-L&auml;nder auf nationaler Ebene gest&auml;rkt w&uuml;rden.<\/p><\/blockquote><p>Abschlie&szlig;end steht im Bericht:<\/p><blockquote><p>in den Volkswirtschaften der AKP-L&auml;nder muss ein anderes System entwickelt werden, in dem die Produktion f&uuml;r den einheimischen Markt Vorrang vor dem Exportmarkt hat und das Einkommen der Erzeuger garantiert ist.<\/p><\/blockquote><p><strong>Kritik aus Gro&szlig;britannien<\/strong><br>\nBereits im Vorfeld des G8-Gipfels 2005 im schottischen Gleneagles kritisierte die britische Regierung das EU-AKP-Freihandelsabkommen. Der damalige Premierminister Tony Blair forderte die EU-Kommission auf, entwicklungspolitische Zielsetzungen st&auml;rker zu verfolgen und die AKP-Staaten nicht zu weiteren Liberalisierungszugest&auml;ndnissen zu dr&auml;ngen. Im Jahr 2005 verfassten mehr als 180 Vertreter des britischen Unterhauses eine EPA-kritische Resolution. Der Ausschuss f&uuml;r internationale Entwicklung &auml;u&szlig;erte sich besorgt &uuml;ber die Vorschl&auml;ge der EU-Kommission. 2006 forderten die Handelsminister Gro&szlig;britanniens in einem offenen Brief, den AKP-Staaten f&uuml;r die Markt&ouml;ffnung Zeit zu lassen. In diesem Brief wurde dar&uuml;ber hinaus auf die EU-Subventionen eingegangen und gefordert, dass die AKP-Staaten die M&ouml;glichkeit haben sollten, importierte, subventionierte Nahrungsmittel zu verbieten, damit die einheimischen M&auml;rkte nicht untergraben werden. Auch die Forderung der Singapur-Themen wurden abgelehnt. <\/p><p><strong>&ldquo;Der EU-Kommission das Verhandlungsmandat entziehen&rdquo;<\/strong><br>\nDer Europa-Ausschuss der franz&ouml;sischen Nationalversammlung ver&ouml;ffentlichte im Juli 2006 einen 300 Seiten umfassenden Bericht mit der Empfehlung, der EU-Kommission das Mandat f&uuml;r die EPA-Verhandlungen zu entziehen. Der Bericht warnt vor &bdquo;einem politischen, taktischen, &ouml;konomischen und geostrategischen Fehler, wenn die Kommission auf ihrem Fahrplan beharrt und die EPAs gegen den Widerstand aus den AKP-Staaten bis Ende 2007 durchdr&uuml;cken will&ldquo;. Der Bericht fordert als Konsequenz, der EU-Kommission das bisherige Verhandlungsmandat zu entziehen und durch ein neues zu ersetzen. (Quelle: <a href=\"http:\/\/www.attac.de\/wto\/epas\/Protokoll_Strategietreffen_Stop_EPAs_170307.pdf\">attac [PDF &ndash; 56 KB]<\/a>).<br>\nEin B&uuml;ndnis von Nichtregierungsorganisationen hat am 14. Februar 2007 die EU-Kommission dazu aufgerufen, Afrika nicht weiter auf den Abschluss neuer Freihandelsabkommen zu dr&auml;ngen. Das B&uuml;ndnis trat nach  einem Treffen im Februar in Nairobi, auf dem UNO-Experten, afrikanische Handelsminister und zivilgesellschaftliche Organisationen &uuml;ber die EPA&rsquo;s diskutierten, mit folgendem Aufruf an die EU-Kommission heran: Die Beteiligten der Konferenz kamen &uuml;berein, dass keine der betroffenen Regionen Afrikas &uuml;ber ausreichende Informationen verf&uuml;ge, um das Handelsabkommen fristgerecht am 31. Dezember 2007 ratifizieren zu k&ouml;nnen.<br>\nDie Nichtregierungsorganisation attac hat die Bundesregierung aufgefordert, dem Vorbild der franz&ouml;sischen Nationalversammlung zu folgen und sich in der EU f&uuml;r ein Aussetzen der EPA-Verhandlungen stark zu machen.<\/p><p><strong>Widerstand gegen die EPA&rsquo;s<\/strong><br>\nDie seit 2004 bestehende &ldquo;Stop-EPA-Kampagne&rdquo; wurde von afrikanischen, pazifischen, karibischen und europ&auml;ischen Organisationen auf den Weg gebracht. Bisher haben sich nahezu 200 Netzwerke und Organisationen aus den Regionen und der EU der Kampagne angeschlossen, darunter namhafte Organisationen wie Brot f&uuml;r die Welt, Oxfam, attac, terres des hommes, WEED, und germanwatch. Die &ouml;konomisch schwachen Staaten  f&uuml;rchten, dass sie einem Wettbewerb mit europ&auml;ischen Unternehmen nicht standhalten k&ouml;nnen, zudem schw&auml;cht die Abh&auml;ngigkeit der verhandelnden L&auml;nder von Entwicklungshilfen ihre Verhandlungsposition. Die an der Kampagne beteiligten Nichtregierungsorganisationen sehen in der Forderung nach weiterer Liberalisierung ein klares Indiz, dass die Europ&auml;ische Union vorrangig das Ziel der Ausdehnung des europ&auml;ischen Zugangs zu den AKP-M&auml;rkten verfolge. Die EU-Kommissare Peter Mandelson und Louis Michel drohten im Februar 2007 den Verhandlungspartnern aus West- und Zentralafrika unverhohlen damit, dass eine Erh&ouml;hung der Importz&ouml;lle angestrebt werde, wenn das Abkommen bis Ende des Jahres nicht ratifiziert werden sollte, dar&uuml;ber hinaus seien k&uuml;nftige Entwicklungshilfen an den Vertragsabschluss gekn&uuml;pft.<\/p><p>Am 23. Juli 2007 berichteten die Medien dar&uuml;ber, dass mehr als 50 Afrikaner, darunter auch Frauen und Kinder, auf dem Weg nach Teneriffa ertrunken sind. Die Fl&uuml;chtlinge waren auf dem Weg in eine bessere Welt, weil sie in ihrer Heimat keine Perspektive sahen. Sollten die AKP-Staaten dazu gezwungen werden, ihre M&auml;rkte f&uuml;r europ&auml;ische Investoren, Dienstleistungen und Waren unter den geforderten Bedingungen st&auml;rker zu &ouml;ffnen, wird sich auch k&uuml;nftig an der Perspektivenlosigkeit der Einwohner der Unterzeichnerstaaten nichts &auml;ndern. Diese Form der Handelspolitik marodiert die  betreffenden L&auml;nder und nimmt den B&uuml;rgern eine reelle Chance auf eine bessere Zukunft. Auf dem internationalen StopEPA-Tag am 27. September forderten Nichtregierungsorganisationen &bdquo;Afrika nicht wie eine Dampfwalze zu &uuml;berrollen&ldquo; und warnten vor weiteren Liberalisierungen, die steigende Arbeitslosigkeit, soziale Ungerechtigkeit und zunehmende Armut nach sich ziehen w&uuml;rden. Jean Ziegler schreibt in seinem Buch, Imperium der Schande: &bdquo;Es geht nicht darum den Afrikanern mehr zu geben, sondern ihnen weniger zu nehmen&ldquo;. <\/p><p><em>Buchempfehlung zu diesem Thema: Europa pl&uuml;ndert Afrika, attac Basistext 24 von Annette Groth und Theo Kneifel ISBN 978-3-89965-228-4, 6,50 Euro<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weitgehend unbemerkt von der &Ouml;ffentlichkeit laufen die Verhandlungen zwischen der Europ&auml;ischen Union und den Afrika-Karibik-Pazifik-Staaten (AKP-Staaten) zu den Economic Partnership Agreements (EPAs). Die wirtschaftliche Zusammenarbeit wird mit wohlklingenden Begr&uuml;ndungen wie etwa der &ldquo;Beseitigung der Armut&rdquo;, der &bdquo;F&ouml;rderung nachhaltiger Entwicklung&ldquo;, der &bdquo;F&ouml;rderung der Menschenrechte&ldquo; und der &bdquo;F&ouml;rderung der Demokratie&rdquo; propagiert. Ein Beitrag von Christine Wicht. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,22,37,132],"tags":[895,589,233,849,394,1719,601],"class_list":["post-2669","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-europaische-union","category-globalisierung","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-freihandel","tag-iwf","tag-marktliberalismus","tag-nahrungsmittel","tag-subventionen","tag-wieczorek-zeul-heidemarie","tag-wto"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2669","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2669"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2669\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29629,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2669\/revisions\/29629"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2669"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2669"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2669"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}