{"id":26692,"date":"2015-07-07T16:21:21","date_gmt":"2015-07-07T14:21:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26692"},"modified":"2019-07-05T10:21:42","modified_gmt":"2019-07-05T08:21:42","slug":"tsipras-als-repraesentant-aller-griechischen-euro-befuerworter-ein-kompromiss-waere-moeglich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26692","title":{"rendered":"Tsipras als Repr\u00e4sentant aller griechischen Euro-Bef\u00fcrworter \u2013 Ein Kompromiss w\u00e4re m\u00f6glich"},"content":{"rendered":"<p>Das unerwartete Ergebnis des Referendums vom 5. Juli, also die 61,3 Prozent Stimmen f&uuml;r ein Ochi sind ein wichtiges politisches Datum, das ganz Europa zur Kenntnis nehmen sollte &ndash; und vor allem die Politiker, die in den n&auml;chsten Tagen (oder h&ouml;chstens Wochen) &uuml;ber das Schicksal Griechenlands und der Eurozone entscheiden. Aber dieses Ergebnis ver&auml;ndert nicht die harten Fakten &bdquo;on the ground&ldquo;: weder die katastrophale Lage des griechischen Bankensystems und vor allem der Realwirtschaft, noch die Schwierigkeiten, die der Einigung auf einen &bdquo;ehrenvollen&ldquo; Kompromiss zwischen der Regierung Tsipras und den Gl&auml;ubiger-Institutionen im Wege stehen. Die entscheidende Frage nach diesem Referendum lautet also, ob und wie das Votum einer breiten Mehrheit der griechischen Bev&ouml;lkerung die Entwicklungen auf diesen beiden &bdquo;realen&ldquo; Ebenen beeinflussen kann. Ein Lagebericht von <strong>Niels Kadritzke<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nMan kann selbstverst&auml;ndlich der Meinung sein, dass das Referendum als solches ein Wert an sich im Sinne der demokratischen Artikulation gesellschaftlicher Interessen und Stimmungen ist. In der aktuellen Situation ist die entscheidende Frage aber, welchen Beitrag dieses Votum zu der von der Athener Regierung angestrebten Probleml&ouml;sung leistet. Auf keinen Fall ist diese Volksabstimmung der Beweis daf&uuml;r, dass Probleme, die nicht strikt innenpolitisch begrenzt sind, besser gel&ouml;st werden k&ouml;nnen, wenn man die betroffenen V&ouml;lker befragt. Denn wie die Griechen denken, war schon vorher ungef&auml;hr bekannt. Und wenn man das deutsche Volk (der Steuerzahler) befragen w&uuml;rde, welchen Beitrag es zur Rettung Griechenland innerhalb der Eurozone leisten will, w&auml;re das Ergebnis derzeit verheerend &ndash; jedenfalls f&uuml;r die Griechen.<\/p><p>Nach wie vor m&uuml;ssen also die Schwierigkeiten &ndash; ob man das gut findet oder nicht &ndash; auf der nicht plebiszit&auml;ren Ebene, also von den Politikern bzw. politischen Klassen der beteiligten L&auml;nder gel&ouml;st werden. Genau darum geht es jetzt, nach dem griechischen Referendum. Fragen wir also, wie es um die Chancen einer Einigung nach dem 5. Juli steht.<\/p><p><strong>Motive f&uuml;r das Referendum<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst aber m&uuml;ssen wir unbedingt nochmals einen Blick auf die Umst&auml;nde des Referendums werfen, um dessen innenpolitische Bedeutung einzusch&auml;tzen zu k&ouml;nnen. Damit komme ich noch einmal kurz auf meinen Beitrag vom letzten Montag zur&uuml;ck, wo ich die Entscheidung der Regierung Tsipras als einen <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26609\">Akt der Verzweiflung dargestellt habe<\/a>.<\/p><p>Der erste Aspekt der Verzweiflung war die Haltung der Verhandlungspartner. Deren verh&auml;rtete Position &ndash; als Antwort auf einen sehr konzessionsbereiten Vorschlag der griechischen Seite &ndash; wird in aller Klarheit sichtbar, wenn man das Papier studiert, das der (seit gestern amtierende) Finanzminister Tsakalotos verfasst hat (auf deutsch <a href=\"http:\/\/www.mdb-klaus-ernst.de\/2015\/07\/02\/warum-ist-es-nicht-zu-einer-einigung-zwischen-der-griechischen-\">hier<\/a>). Diese Gegenposition wurde der griechischen Seite in der Tat in ultimativer Form pr&auml;sentiert. Und alle Versuche der EU-Kommission, dies zu bestreiten und auf weitere &bdquo;Konzessionen&ldquo; gegen&uuml;ber Athen zu verweisen, wurden inzwischen als reine PR-Man&ouml;ver entlarvt (ich komme auf diesen Punkt noch zur&uuml;ck).<\/p><p>&Uuml;ber den anderen wichtigen Aspekt der Verzweiflung wissen wir inzwischen mehr: In der Tat hat sich Tsipras zu dem Referendum entschlossen, weil er bef&uuml;rchten musste, dass seine Partei und vor allem die Parlamentsfraktion den in Br&uuml;ssel erzielbaren Kompromiss ablehnen w&uuml;rde. Niemand anders als Tsakalotos hat dies in einem Fernsehinterview schon vor dem 5. Juli offen eingestanden: Die Regierung sei in das Referendum &bdquo;hineingezogen&ldquo; worden, weil die Vereinbarung von Br&uuml;ssel in der Syriza-Fraktion auf Widerstand gesto&szlig;en w&auml;re, also nicht mit der &bdquo;eigenen Mehrheit&ldquo; der Regierung durchzusetzen war.<\/p><p>Im &Uuml;brigen war die Entscheidung innerhalb der Syriza-F&uuml;hrung heftig umstritten. Vize-Ministerpr&auml;sident Dragasakis erhob schwere Bedenken, andere wichtige Leute (wie Wirtschaftsminister Stathakis) pl&auml;dierten sogar f&uuml;r eine Absage des Referendums, ebenso zwei prominente Europa-Abgeordnete der Syriza (wie &uuml;brigens auch der griechische Gewerkschaftsverband GSSE). Die Bedenken der innerparteilichen Referendums-Gegner bezog sich vor allem auf zwei Punkte. Erstens f&uuml;rchtete man eine Polarisierung der Gesellschaft, und zweitens kritisierte man die Unberechenbarkeit der Wirkungen:  Niemand k&ouml;nne sagen, wie die Verhandlungspartner innerhalb der &bdquo;Br&uuml;sseler Gruppe&ldquo; reagieren. Weil  man also dem Volk nicht klar sagen k&ouml;nne, was die Konsequenzen ihrer Stimmabgabe w&auml;ren, gewinne man mit dem Referendum nur ein Stimmungsbild, das keinen klaren Handlungsauftrag f&uuml;r die Regierung beinhalte.<\/p><p>Diesem letzten Bedenken hat Alexis Tsipras allerdings in seinen Reden und Interviews w&auml;hrend der Referendums-Kampagne Rechnung getragen. Er betonte immer und immer wieder, dass es keineswegs um die Frage &bdquo;Drachme oder Euro&ldquo; gehe, sondern vielmehr um ein verst&auml;rktes Mandat f&uuml;r neue Verhandlungen, die eine tragbare und &bdquo;nachhaltige&ldquo; Vereinbarung zum Ziel habe, und Griechenlands Zukunft innerhalb der Eurozone sichern m&uuml;sse.<\/p><p><strong>Was erkl&auml;rt die unerwarteten 61 Prozent f&uuml;r das Ochi?<\/strong><\/p><p>Diese letzte Aussage war die zentrale Voraussetzung daf&uuml;r, dass Tsipras und die Regierung ihren angestrebten Erfolg, ein m&ouml;glichst starkes &bdquo;Ochi&ldquo; erreichen konnten. Aber auch f&uuml;r die Parteif&uuml;hrung waren die 61,3 Prozent Nein-Stimmen eine gro&szlig;e &Uuml;berraschung. Alle Umfragen in den letzten beiden Tagen vor dem Referendum, (die nicht mehr publiziert werden durften, aber den Parteien nat&uuml;rlich bekannt waren), gingen von einem Stimmanteil von 50 bis 55 Prozent f&uuml;r Ochi aus. Dass es &uuml;ber 60 Prozent wurden, ist erkl&auml;rungsbed&uuml;rftig. Mit Sicherheit spielten folgende Faktoren eine Rolle:<\/p><ul>\n<li>das klare Bekenntnis zum Euro, aber auch das emotionale Auftreten von Tsipras, der sein &bdquo;Charisma&ldquo; voll ausspielte und um Vertrauen auch seiner politischen Gegner warb;<\/li>\n<li>das Engagement aller gescheiterten Ex-Regierungschefs (Simitis, Karmanlis, Samaras) f&uuml;r ein Ja, das viele W&auml;hler als Zumutung empfanden, weil sie wieder mal auf die &bdquo;politische Klasse h&ouml;ren sollte;<\/li>\n<li>die zahlreichen Stellungnahmen und Aufrufe europ&auml;ischer Politiker, die den Griechen &ndash; oft in drohender Tonlage &ndash; ein Ja abforderten, was wie immer den gegenteiligen Effekt erzeugt;<\/li>\n<li>die offensichtlich parteiische Berichterstattung der meisten privaten TV-Kan&auml;le,  deren Tenor (in der Zusammenstellung der Nachrichten wie in den Kommentaren) wie ein Echo auf die &bdquo;Interventionen&ldquo; der ausl&auml;ndischen Politiker klang;<\/li>\n<li>Die Ver&ouml;ffentlichung eines &bdquo;Zwischengutachtens&ldquo; des IWF, in dem klar festgestellt wird, dass das griechische Problem ohne eine Schuldenentlastung auf keinen Fall zu bew&auml;ltigen ist &ndash; eine Feststellung, die in den Augen der W&auml;hler einen zentralen Argumentationsstrang der Athener Regierung best&auml;tigt hat.<\/li>\n<\/ul><p>(Eine Nebenbemerkung: Einer der genannten Faktoren muss &ndash; f&uuml;r nichtgriechische Leser &ndash; unbedingt erl&auml;utert werden. Die Tatsache, dass Aufrufe und sogar schlichte Meinungs&auml;u&szlig;erungen, in Griechenland eher die gegenteilige Wirkung ausl&ouml;sen, ist sp&auml;testens seit den beiden Parlamentswahlen von 2012 in Br&uuml;ssel wie in allen europ&auml;ischen Hauptst&auml;dten bekannt. Das wirft die Frage auf, was die europ&auml;ischen Politiker sich denken &ndash; oder im Schilde f&uuml;hren -, die sich immer wieder auf diese Weise artikulieren. Die Frage will ich hier nur an die Leser weitergeben, die sich mit intelligenten Verschw&ouml;rungstheorien auseinandersetzen wollen.)<\/p><p><strong>&bdquo;Vertrauen in das Unbekannte&ldquo;<\/strong><\/p><p>All diese Faktoren haben dazu beigetragen, dass Tsipras und die Regierung ihre Botschaft durchbringen konnten: die meisten W&auml;hler waren davon &uuml;berzeugt, dass ein Nein keinesfalls den Grexit n&auml;her bringe, sondern im Gegenteil dazu beitragen werde, den Grexit abzuwenden. Ob dieses Versprechen  real eingel&ouml;st werden kann, wird erst die Zukunft zeigen. Deshalb kann man das Ergebnis des Referendums als Ausdruck des &bdquo;Vertrauens in das Unbekannte&ldquo; bezeichnen (eine sch&ouml;ne Formulierung des Kolumnisten Nikos Konstandaras in der Kathimerini). Dies ist ein ganz erstaunliches Ph&auml;nomen, das viele Facetten hat, ganz sicher aber eines belegt: die Glaubw&uuml;rdigkeit eines &bdquo;neuen&ldquo; Politikers, der es geschafft hat, nicht mehr (oder noch nicht) mit den alten Politikern, ja der gesamten politischen Klasse identifiziert zu werden. <\/p><p>Und dies, obwohl er sehr h&auml;ufig mit den &bdquo;alten&ldquo; Methoden uneinl&ouml;sbarer oder ungewisser Versprechungen arbeitet, indem er z.B. vor dem Referendum verk&uuml;ndet hat: dass sie Banken am Dienstag nach dem Referendum wieder &ouml;ffnen werden, dass die Geh&auml;lter und Renten f&uuml;r Juli ausbezahlt werden oder dass die privaten Bankeinlagen sicher sind, also kein &bdquo;bail-in&ldquo; nach dem Modell Zypern zu bef&uuml;rchten sei. Tats&auml;chlich werden jedoch die Banken fr&uuml;hestens am Donnerstag &ouml;ffnen, und ob die n&auml;chsten Geh&auml;lter ausgezahlt werden, h&auml;ngt ebenso wie die Frage eines bail-in vom (Wohl)Verhalten der EZB und der Partner in der Eurozone ab.<\/p><p>Damit sind wir bei der Frage, welche Wirkung das Ergebnis des Referendums innenpolitisch und vor allem auf der europ&auml;ischen Verhandlungsebene haben k&ouml;nnte. Auf dieser zweiten Ebene sind die Dinge &auml;u&szlig;erst unklar oder bestenfalls im ziemlich tr&uuml;ben Flusse. Anders allerdings auf der griechischen Ebene: Hier hat das Referendum eine klare und wichtige Weichenstellung gebracht.<\/p><p><strong>Eine innenpolitische Wende<\/strong><\/p><p>Die klare Mehrheit f&uuml;r das Ochi ist von gro&szlig;er Bedeutung f&uuml;r die Zukunft der Syriza und die Entwicklung der griechischen Innenpolitik. Das versteht man nur, wenn man sich die Zusammensetzung des Ochi-Lagers anschaut. Von den 61 Prozenten gehen rund 10 Prozentpunkte auf das Konto der griechischen Rechtsextremisten, die einen Grexit herbeiw&uuml;nschen: Die Neonazi-partei Chrysi Avgi hat im Parlament f&uuml;r das Referendum gestimmt (zusammen mit Syriza und deren Koalitionspartner Anel) und zum &bdquo;Ochi&ldquo; aufgerufen; und auch ein Teil der Anel-W&auml;hler (nach Umfragen mehr als die H&auml;lfte) bef&uuml;rwortet den Grexit. Letzteres gilt auch f&uuml;r 15 bis 20 Prozent der W&auml;hler, die Syriza- und Grexit-Anh&auml;ger zugleich sind. <\/p><p>H&auml;tte das Nein-Lager nur knapp &uuml;ber 50 Prozent der Stimmen erzielt,  h&auml;tte dies bedeutet, dass sich in der Mehrheit dieser Nein-Stimmen ein offenes oder verdecktes Ja zum Grexit verbirgt. <\/p><p>Bei &uuml;ber 60 Prozent der Stimmen kann die Syriza-F&uuml;hrung argumentieren, dass eine Mehrheit des Nein-Lagers tats&auml;chlich f&uuml;r das von Tsipras formulierte Ziel eines &bdquo;besseren&ldquo; Verhandlungsresultats innerhalb des Euro gestimmt hat. F&uuml;r die &bdquo;Auswertung&ldquo; oder produktive Nutzung des Volkswillens ist aber entscheidend, dass Tsipras nach dem Referendum eine wichtige innenpolitische Wende eingeleitet hat. Er hat s&auml;mtliche anderen politischen Parteien &ndash; au&szlig;er den Neonazis und der leninistischen KKE &ndash; zu  einem &bdquo;nationalen Konsens&ldquo; eingeladen und dazu gebracht, seine schwierige Mission in Br&uuml;ssel zu unterst&uuml;tzen. <\/p><p>Damit kann sich Tsipras gegen&uuml;ber den europ&auml;ischen Partnern auf eine breite Front st&uuml;tzen, die nicht nur die &bdquo;neue&ldquo; Zentrumspartei Potami, sondern auch die alten Systemparteien Nea Dimokratia (ND) und Pasok umfasst. Unterstrichen wurde dieser Erfolg durch die Entscheidung des ND-Vorsitzenden Samaras, den Parteivorsitz niederzulegen, sodass die ND sich gegen&uuml;ber der Regierung neu positionieren kann. Wobei anzumerken ist, dass Tsipras auch pers&ouml;nlich stets solide Beziehungen zum liberalen Fl&uuml;gel der ND unterhalten hat, was auch durch seine (pers&ouml;nliche) Entscheidung unterstrichen wurde, den ND-Politiker Prokopis Pavlopoulos (bis Oktober 2009 Minister in der Karamanlis-Regierung) gegen viele Bedenken innerhalb der Syriza zum Staatspr&auml;sidenten w&auml;hlen zu lassen. <\/p><p><strong>Tsipras als Repr&auml;sentant aller griechischen Euro-Bef&uuml;rworter<\/strong><\/p><p>Damit hat Tsipras seinen &uuml;berzeugenden Erfolg im Referendum innenpolitisch noch aufgewertet und zu einem wichtigen Instrument im Verh&auml;ltnis zu seinen europ&auml;ischen Partnern gemacht. Er kann demnach heute und in den kommenden entscheidenden Tagen in Br&uuml;ssel als Repr&auml;sentant aller griechischen Euro-Bef&uuml;rworter und Grexit-Gegner auftraten, der jene 70 Prozent der Bev&ouml;lkerung hinter sich versammelt, die sich auch in allen Umfragen der letzten Zeit als Euro-Bef&uuml;rworter bekannt haben. Also auch die 38 Prozent der Ja-Bef&uuml;rworter, die im Referendum gegen ihn gestimmt haben, weil sie durch ein &bdquo;Nein&ldquo; die Zugeh&ouml;rigkeit zum Euro gef&auml;hrdet sahen.<\/p><p>Ob diese neue B&uuml;ndnispolitik in Br&uuml;ssel zum Erfolg f&uuml;hrt, ist v&ouml;llig offen. F&uuml;r die Innenpolitik ist sie aber jetzt schon irreversibel. Bis vor kurzem hat sich Tsipras strikt geweigert, die anderen demokratischen Parteien zu einer &bdquo;nationalen Konsultation&ldquo; einzuladen oder gar einen st&auml;ndigen Ausschuss zur Unterrichtung der Opposition zu bilden. Jetzt hat der Regierungschef die anderen Parteien sogar dazu gebracht, ein gemeinsames Papier zu unterschreiben. <\/p><p><strong>Eine Spaltung innerhalb der griechischen Gesellschaft wurde vermieden<\/strong><\/p><p>Damit ist auch die Gefahr gebannt, dass die polarisierende Wirkung des Referendums die Gesellschaft dauerhaft spaltet. Tsipras hat vor dieser Spaltung &uuml;brigens schon am Vorabend der Abstimmung gewarnt und damit  eine aufgeheizte Atmosph&auml;re beruhigt, in der eine Ja-Stimme &ndash; von Syriza-Linken wie von Anel-Anh&auml;ngern &ndash; als &bdquo;nationaler Verrat&ldquo; denunziert werden konnte. Dazu ein Beispiel: Nach einem Bericht der Efimerida ton Syntaktion vom 4. Juli beklagte sich die Rednerin auf einer Ja-Kundgebung mit den Worten:  &bdquo;Ich h&auml;tte nie gedacht, dass man mich im Jahr 2015, nur weil ich in Europa bleiben will, als Germanotsoli&aacute; bezeichnet.&ldquo; (das Wort bedeutet w&ouml;rtlich &bdquo;Evzone der Deutschen&ldquo;, im Sinne von Kollaborateur oder S&ouml;ldner).  In dieselbe Kerbe hieb Panos Kammenos, Chef des Koalitionspartners Anel und Verteidigungsminister. Als der einen seiner Abgeordneten, der unter Berufung auf sein Gewissen zu einer Ja-Stimme aufforderte, sogleich aus der Partei warf, lautete die Begr&uuml;ndung von Kammenos: &bdquo;Wir haben Krieg, und da gibt es kein Pardon&ldquo;.<\/p><p>Die partei&uuml;bergreifende innenpolitische Front der Grexit-Gegner hat eine zweite, nicht weniger wichtige Bedeutung. Im Grunde ist sie ein Schachzug von Tsipras, der die innerparteiliche Opposition der radikalen Linken vor&uuml;bergehend neutralisieren oder endg&uuml;ltig matt setzen soll. In den Verhandlungen, die jetzt unmittelbar anstehen, wird sich diese Fraktion, die direkt oder indirekt auf den Grexit setzt, nicht gegen die politische F&uuml;hrung artikulieren, die nach dem Referendum nicht nur die Regierung, sondern ein sehr breites Segment des &bdquo;politischen Systems&ldquo; und vor allem eine breite gesellschaftliche Mehrheit repr&auml;sentiert. Und das in einer Situation, in der sich das Schicksal des Landes und das von vielen kommenden Generationen entscheidet.<\/p><p><strong>Die Aussichten in Br&uuml;ssel<\/strong><\/p><p>Was k&ouml;nnen diese Verhandlungen in Br&uuml;ssel erbringen? Auf den ersten Blick sind die Aussichten, nach dem Referendum einen Kompromiss zu erreichen, der f&uuml;r Griechenland g&uuml;nstiger ausf&auml;llt als das letzte Angebot der Gl&auml;ubiger vor zwei Wochen, nicht sehr ermutigend. Die wichtigsten &bdquo;Partner&ldquo; haben bereits erkl&auml;rt, dass f&uuml;r sie das laute Ochi aus Griechenland und das neue breite Athener B&uuml;ndnis kein Grund ist, ihre Bedingungen zu mildern. Im Gegenteil: Mit Hinweis auf die sich laufend verschlechternden realwirtschaftlichen Daten werden sie vermutlich eher noch strenger auftreten. <\/p><p>Ganz leichte Hoffnungszeichen, dass die Tsipras-Regierung auf Entgegenkommen hoffen darf, kommen allerdings aus Paris und Rom. Aber dass sich Hollande oder Renzi in Berlin mehr Geh&ouml;r verschaffen k&ouml;nnten, scheint derzeit eher unwahrscheinlich. Zudem klingen die Stimmen aus den Euro-L&auml;ndern im Norden (Niederlande, Finnland, Lettland) und im Osten (Slowakei, Slowenien) noch unnachgiebiger als vor dem Referendum. <\/p><p><strong>Elemente eines Kompromisses<\/strong><\/p><p>Dabei liegen die Elemente eines Kompromisses der letzten Stunde klar erkennbar auf dem Tisch. Das wichtigste ist zweifellos das Zugest&auml;ndnis von Seiten der Partner, endlich auszusprechen, dass die Frage der Schuldentragf&auml;higkeit gekl&auml;rt werden muss. Wenn das Wort Schuldenentlastung (von Schuldenschnitt will niemand mehr sprechen) in einer Vereinbarung vorkommt, wird die Einigung in vielen Einzelpunkten sehr viel leichter fallen. <\/p><p>Dasselbe gilt f&uuml;r ein Programm zur wirtschaftlichen Belebung, mit der die Perspektive der griechischen Volkswirtschaft steht und f&auml;llt. Wenn eine Vereinbarung weder das Wort Schuldenentlastung noch Ma&szlig;nahmen zur Wirtschaftsbelebung enth&auml;lt, wird keine griechische Regierung es unterschreiben k&ouml;nnen. Werden diese Themen endlich angepackt, hat Tsipras gute Chancen, auch ein als hart empfundene Vereinbarung im Parlament durchzubringen. Und zwar schon deshalb, weil er nach dem Referendum den Grundsatz geopfert hat, dass ein Kompromiss unbedingt von den Koalitionsfraktionen gebilligt werden muss. Wenn der linke Syriza-Fl&uuml;gel oder einige Anel-Abgeordnete nicht daf&uuml;r stimmen, kann er sich die Mehrheit &ndash; unter Berufung auf die Stunde der Gefahr &ndash; mit Hilfe anderer Parteien organisieren. <\/p><p>In der Schuldenfrage werden sich Tsipras und Tsakalotos zweifellos auf das &bdquo;Gutachten&ldquo; des IWF berufen, das den konkreten Vorschlag macht, die Laufzeiten der griechischen Kredite zu verdoppeln (auf bis zu 40 Jahre) und vor allem den Zeitpunkt des Beginns der R&uuml;ckzahlungen deutlich weiter hinauszuschieben (was auf einen &bdquo;Schuldenschnitt&ldquo; von 30 Prozent hinauslaufen w&uuml;rde). Eine Diskussion &uuml;ber diesen Punkt k&ouml;nnen die Gl&auml;ubiger schlecht verweigern, nachdem sie im Rahmen ihrer PR-Kampagne behauptet haben, sie h&auml;tten noch kurz vor Ausrufung des griechischen Referendums ein entsprechendes Angebot auf den Tisch gelegt. Zitat:  &bdquo;Es bestand die gemeinsame Auffassung aller beteiligten Seiten, dass diese Sitzung der Eurogruppe eine umfassende &Uuml;bereinkunft &uuml;ber Griechenland erzielen sollte, &hellip; die (auch) die k&uuml;nftigen Finanzierungsbed&uuml;rfnisse wie auch die Tragf&auml;higkeit (viability) der griechischen Schulden abdecken sollte.&ldquo;(nach Kathimerini, 28. Juni) <\/p><p><strong>Der Grexit lauert an der n&auml;chsten Ecke<\/strong><\/p><p>Welche Vorschl&auml;ge die griechische Seite heute Abend nach Br&uuml;ssel mitbringen wird, bleibt abzuwarten. Was aber jetzt schon klar ist: Sie steht unter unertr&auml;glichem Druck, weil zu Hause das Bankensystem kurz vor dem Zusammenbruch steht und weil der Staat die im Juli anstehenden Zahlungsverpflichtungen nicht leisten kann &ndash;nicht einmal die Gehalts- und Rentenzahlungen, die noch diese Woche f&auml;llig sind. In dieser Situation ist von alles entscheidender Bedeutung, wie sich die EZB verh&auml;lt. In einem BBC-Interview hat ein hoher EZB-B&uuml;rokrat heute morgen erl&auml;utert, dass man es &ndash; trotz der &bdquo;whatever it needs&ldquo;-Aussage von Draghi &ndash; nicht verantworten k&ouml;nne, ein quasi bankrottes Banksystem zu retten. Das gehe jedenfalls nicht ohne die Entscheidung auf politischer Ebene, dass Griechenland innerhalb des Eurosystems gerettet wird. Nur dann k&ouml;nne man Banken unterst&uuml;tzen, die als Besicherung f&uuml;r weitere ELA-Kredite nur noch griechische Staatspapiere zu bieten haben.<\/p><p>Wenn diese politische L&ouml;sung nicht innerhalb weniger Tage erfolgt, steht Griechenland in der Tat vor der Notwendigkeit, eine bail-in L&ouml;sung nach dem Vorbild Zypern vorzunehmen. Damit w&auml;re eine weitere Zusage von Tsipras, die er vor dem Referendum gemacht hat, nicht mehr einzuhalten. Und es w&auml;re vermutlich nur der erste Schritt auf dem Weg zu einer &bdquo;Notw&auml;hrung&ldquo; &ndash; also letztlich in den Abgrund, der bis vor kurzem nur in b&ouml;sen, aber irrealen Albtr&auml;umen zu existieren schien.<br>\nDie Lage ist so dramatisch, dass der Grexit, gegen den &uuml;ber 70 Prozent der Griechen ihre Stimme erhoben haben &ndash; schon an der n&auml;chsten Ecke lauern kann. &bdquo;Grexit is on everybody&rsquo;s lip&ldquo;, erkl&auml;rte der EZB-Vertreter gegen&uuml;ber der BBC, &bdquo;but nobody wants to pronounce the word&ldquo;.  <\/p><p><strong>Was kann die griechische Regierung noch tun?<\/strong><\/p><p>Hier stellt sich die Frage, was von griechischer Seite geschehen kann, um eine Vereinbarung wahrscheinlicher zu machen, die man in Griechenland als Erfolg und Konsequenz des Referendums darstellen kann. Viele Kommentatoren haben konstatiert, dass Tsipras seinen Finanzminister Varoufakis geopfert habe, um die Verhandlungen atmosph&auml;risch zu erleichtern. Das ist zwar insofern richtig, als der R&uuml;cktritt des bisherigen Finanzministers eine Art &bdquo;Morgengabe&ldquo; an die Gl&auml;ubiger darstellt, die Varoufakis zur persona non grata im Kreis der 19 Euro-Finanzminister erkl&auml;rt haben. Tatsache ist aber auch, dass der R&uuml;cktritt &nbsp;von Varoufakis schon lange klar war, und dass jetzt nur der Moment gekommen ist, wo dieser R&uuml;ckzug maximalen taktischen Nutzen einbringt. F&uuml;r jeden Beobachter war sp&auml;testens seit der Riga-Konferenz klar &ndash; als Varoufakis die internen Diskussionen mit seinem Handy aufgezeichnet hat -, dass Varoufakis Material f&uuml;r sein n&auml;chstes Buch sammelt, was er nur schreiben kann, wenn er nicht mehr im Amt ist. Aber auch in der Regierung selbst war Varoufakis seit einigen Wochen marginalisiert, ohne seine wichtige Funktion als ein intelligenter Ratgeber einzub&uuml;&szlig;en.<\/p><p>Viel wichtiger ist ein zweiter Punkt: Die Regierung Tsipras sollte in ihrem neuen Vorschlag noch deutlicher und konkreter die Reformen[<a href=\"#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>] vorstellen, die sie in Angriff nehmen muss. Und zwar um die Voraussetzungen daf&uuml;r zu schaffen, dass die Wirtschaft wieder in Gang kommt, nachdem die neuesten Prognosen f&uuml;r das laufende Jahr immer verheerender ausfallen (derzeit gilt schon die Prognose einer Rezession von 2,0 Prozent als optimistisch).<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] <strong>Nachbemerkung:<\/strong> Da ich auf diesen Punkt notwendiger &bdquo;Reformen&ldquo; immer wieder zur&uuml;ckkomme, m&ouml;chte ich hier eine kl&auml;rende Anmerkung anf&uuml;gen. Mehrere Leser haben mich nach meinem letzten Beitrag (vom 28.Juni) allen Ernstes gefragt, warum ich immer &bdquo;neoliberale&ldquo; Reformen fordere und damit im Grunde die Position der Gl&auml;ubiger rechtfertige. Ich habe einem dieser um meine ideologische Sauberkeit besorgten Leser Folgendes geantwortet:<br>\nWas ich unter wichtigen und unentbehrlichen Reformen verstehe, habe ich immer wieder erl&auml;utert. Zuletzt auch in meiner Analyse in Le Monde diplomatique vom Februar dieses Jahres (<a href=\"http:\/\/monde-diplomatique.de\/artikel\/!225662\">nachzulesen hier<\/a>). Dort argumentiere ich, dass gerade die Definition der eigenen Reform-Agenda zugleich ein Mittel ist, den Begriff Reform entgegen der neoliberalen Reform-Rhetorik mit einem sozialen und progressiven Inhalt aufzuf&uuml;llen. Gemeint sind deshalb die Reformen, von denen Varoufakis selbst gesprochen hat und die im Wahlprogramm der Syriza ausbuchstabiert sind, ohne dass sie bislang mit der Konsequenz angepackt wurden, die m.E. sowohl taktisch als auch strategisch n&ouml;tig w&auml;re. Und von denen ihr eine gro&szlig;e Mehrheit der griechischen Bev&ouml;lkerung best&auml;tigen w&uuml;rde, dass sie &uuml;berf&auml;llig sind.<br>\nMit anderen Worten: Wenn es eine Chance gab, einen ehrenvollen Kompromiss mit den Gl&auml;ubigern zu erzielen, dann &uuml;ber eine strikte und aktive Reformagenda, die auch den eigenen W&auml;hlern sagt, was n&ouml;tig ist. Ich meine damit nat&uuml;rlich nicht neoliberales Zeug, sondern radikale &Auml;nderungen<\/p>\n<ul>\n<li>in der Bek&auml;mpfung der Steuerflucht und Steuerhinterziehung, wo immer noch viel zu wenig geschieht;<\/li>\n<li>bei der Evaluierung und Reform des &ouml;ffentlichen Dienstes, der nach wie vor extrem ineffektiv ist, weil der Klientelismus daf&uuml;r gesorgt hat, dass an vielen Stellen die falschen und unmotivierten Leute sitzen; und wo es unglaublich viel Leerlauf gibt, weil Personal an den falschen Stellen sitzt und bei weitem nicht ausgelastet ist (das k&ouml;nnte ich Ihnen als halber griechischer Sozialb&uuml;rger an hunderten Beispielen erl&auml;utern);<\/li>\n<li>im Rentensystem, wo die Modalit&auml;ten der Fr&uuml;hverrentung dazu gef&uuml;hrt haben (gerade in den letzten f&uuml;nf Jahren!), dass die Kassen ausgeblutet sind, weil die &ldquo;Ersparnisse&rdquo; durch Fr&uuml;hverrentung im &ouml;ffentlichen Dienst als Kosten auf das Rentensystem abgew&auml;lzt wurden.<\/li>\n<\/ul>\n<p>All das sind Punkte, die die Syriza in ihrem Programm benennt, und die auch Varoufakis jetzt in den letzten Verhandlungen als absolut vordringlich akzeptiert hat.<br>\nIch bitte also, mir nicht diesen Unfug mit den neoliberalen Reformen zu unterstellen&hellip; Ich finde es immer wieder bedauerlich, wenn bestimmte Informationen und Interpretationen, die vielleicht nicht ganz den Erwartungen des Lesers entsprechen, reflexartig so interpretiert werden, als k&auml;men sie von feindlicher Seite.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das unerwartete Ergebnis des Referendums vom 5. Juli, also die 61,3 Prozent Stimmen f&uuml;r ein Ochi sind ein wichtiges politisches Datum, das ganz Europa zur Kenntnis nehmen sollte &ndash; und vor allem die Politiker, die in den n&auml;chsten Tagen (oder h&ouml;chstens Wochen) &uuml;ber das Schicksal Griechenlands und der Eurozone entscheiden. Aber dieses Ergebnis ver&auml;ndert nicht<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26692\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[22,173],"tags":[1045,851,1224,1465,1230,1292,1464],"class_list":["post-26692","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-europaische-union","category-griechenland","tag-grexit","tag-schuldenschnitt","tag-syriza","tag-tsakalotos-euklid","tag-tsipras-alexis","tag-varoufakis-yanis","tag-volksabstimmung"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26692","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26692"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26692\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":53050,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26692\/revisions\/53050"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26692"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26692"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26692"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}