{"id":267,"date":"2005-12-20T17:37:09","date_gmt":"2005-12-20T16:37:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/v2\/?p=267"},"modified":"2016-02-23T09:39:37","modified_gmt":"2016-02-23T08:39:37","slug":"foderalismusreform-vom-kooperativen-foderalismus-zum-wettbewerbsfoderalismus-kunftig-herrscht-zwischen-den-landern-das-recht-des-starkeren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=267","title":{"rendered":"F\u00f6deralismusreform: Vom kooperativen F\u00f6deralismus zum Wettbewerbsf\u00f6deralismus \u2013 k\u00fcnftig herrscht zwischen den L\u00e4ndern das Recht des St\u00e4rkeren"},"content":{"rendered":"<p>Am 15. Dezember haben die die Ministerpr&auml;sidenten der L&auml;nder einstimmig der bei den Koalitionsverhandlungen mitbeschlossenen sog. F&ouml;deralismusreform zugestimmt. In den Medien gab es ein gro&szlig;es Aufatmen: Endlich k&ouml;nne die Blockade zwischen Bundestag und L&auml;nderkammer beim Verabschieden von Gesetzen aufgehoben werden. Kanzlerin Merkel lobte, dass nunmehr &bdquo;das Gemeinwohl und das gesamtstaatliche Interesse&ldquo; nach vorne gebracht werden k&ouml;nne. Die F&ouml;deralismusreform bringt eine reibungslosere Entscheidungsmacht f&uuml;r den Bund einerseits und mehr Zust&auml;ndigkeiten f&uuml;r die Bundesl&auml;nder sowie mehr Wettbewerb zwischen ihnen andererseits. Letzteres bedeutet mehr Provinzialit&auml;t und das in Zeiten eines supranationalen Einigungsprozesses. Mehr Wettbewerb bringt zudem eine St&auml;rkung des Rechts des St&auml;rkeren zwischen den L&auml;ndern.<br>\n<!--more--><br>\nDurch die striktere Abgrenzung der Gesetzgebungszust&auml;ndigkeiten von Bund und L&auml;ndern, sollen k&uuml;nftig nicht mehr rund 60 Prozent der Bundesgesetze, sondern nur noch 30 bis 35 Prozent die Zustimmung der L&auml;nder ben&ouml;tigen. Der Bundesregierung soll also k&uuml;nftig das &bdquo;Durchregieren&ldquo; (Merkel) erleichtert werden. Die L&auml;nder handelten sich daf&uuml;r im Gegenzug eine nahezu ausschlie&szlig;liche Zust&auml;ndigkeit im Hochschulwesen, mehr Rechte im &Ouml;ffentlichen Dienst vor allem auch bei der Besoldung, mehr Zust&auml;ndigkeiten bei der Umweltgesetzgebung und in anderen Rechtsgebieten ein und au&szlig;erdem sollen die L&auml;nder gr&ouml;&szlig;ere Spielr&auml;ume etwa bei einigen Steuergesetzen bekommen. <\/p><p>Der in der Bundesrepublik stark ausgepr&auml;gte F&ouml;deralismus war ein &bdquo;Geschenk&ldquo; der Alliierten. Niemals sollte Deutschland wieder in Gefahr geraten, dass eine zu starke Zentralregierung auf legalem Wege in eine Diktatur &uuml;bergehen kann. Vor allem deshalb r&auml;umte das Grundgesetz den L&auml;ndern ein starkes Gegengewicht und effektive Kontrollrechte gegen&uuml;ber dem Bund ein.<\/p><p>Niemand kann bestreiten, dass im Bundesrat als Mitwirkungsorgan der L&auml;nder auf die Bundesgesetzgebung schon seit der destruktiven &bdquo;Sonthofen-Strategie&ldquo; eines Franz-Joseph Strau&szlig; zu Zeiten der sozial-liberalen Koalition, bis hin zur Erzwingung einer faktischen gro&szlig;en Koalition in der zur&uuml;ckliegenden Regierungszeit von Rot-Gr&uuml;n die Mitbestimmungs- und Zustimmungsbefugnisse der L&auml;nderregierungen parteipolitisch gegen Bundesregierungen mit einer jeweils anderen politischen Mehrheit eingesetzt, ja sogar missbraucht wurden.<\/p><p>Das war allerdings nicht etwa einem Webfehler unserer Verfassung sondern einer den Funktionssinn des Bundesstaates pervertierenden &Uuml;bersteigerung der &bdquo;Machtbesessenheit&ldquo; (von Weizs&auml;cker) von Parteipolitikern geschuldet. Statt die Vielfalt der Initiativen zu f&ouml;rdern, statt horizontaler Gewaltenteilung, statt einer St&auml;rkung des Subsidiarit&auml;tsgedankens und statt eines integrativen Instruments zur Konfliktbew&auml;ltigung wurden diese konstruktiven Funktionen des F&ouml;deralismus f&uuml;r den Bundesstaat durch parteipolitische Blockaden oder Machtgezerre im Bundesrat desavouiert.<br>\nNicht eine F&ouml;deralismusreform h&auml;tte also eigentlich auf die politische Tagesordnung geh&ouml;rt, sondern der machtpolitische Missbrauch des bundesstaatlichen Organs Bundesrat h&auml;tte mit Nachdruck bek&auml;mpft werden m&uuml;ssen. Statt die CDU-Ministerpr&auml;sidenten f&uuml;r ihre Blockadepolitik zu kritisieren, geriet der F&ouml;deralismus in die Kritik. <\/p><p>Diese &bdquo;F&ouml;deralismusreform&ldquo; firmiert somit eigentlich unter einem v&ouml;llig falschen Namen: Nicht die seit Gr&uuml;ndung der Bundesrepublik &uuml;ber Jahrzehnte erfolgreichen und nach wie vor vern&uuml;nftigen Prinzipien des F&ouml;deralismus werden gest&auml;rkt, sondern das &bdquo;Durchregieren&ldquo; der Bundesregierung und der sie tragenden Parteien auf der einen Seite wird erleichtert und die Regelungszust&auml;ndigkeiten der L&auml;nder andererseits werden erweitert.<br>\nStatt also dem Bundesstaat in Zeiten einer r&uuml;ckl&auml;ufigen Gestaltungsmacht des nationalen Gesetzgebers gegen&uuml;ber weltweit agierenden, &uuml;berm&auml;chtigen Wirtschafts- und Finanzinteressen wenigstens wieder mehr innerstaatlichen Gestaltungsraum zu schaffen und statt in einer Phase der Verlagerung von nationalen Entscheidungsbefugnissen etwa auf die supranationale europ&auml;ische Eben gerade auf wichtigen l&auml;nder&uuml;bergreifenden Handlungsfeldern eher mehr Gestaltungsm&ouml;glichkeiten zu geben, werden dem Bund durch diese &bdquo;Reform&ldquo; umgekehrt Kompetenzen und Rahmensetzungschancen auf vielen, f&uuml;r die Zukunft immer wichtiger werdenden Politikfeldern, wie dem Hochschulwesen, der Umweltgesetzgebung oder bei der Neuordnung des &Ouml;ffentlichen Dienstes zugunsten der L&auml;nder entzogen.<\/p><p>Dazu in gebotener Knappheit eine kurze Darstellung der &bdquo;Reformen&ldquo;:<\/p><ul>\n<li>Rahmenzust&auml;ndigkeiten des Bundes werden nahezu komplett abgeschafft.<\/li>\n<li>Selbst dort, wo Zust&auml;ndigkeiten des Bundes bleiben, soll es k&uuml;nftig f&uuml;r die L&auml;nder sog. &bdquo;Abeichungsregelungen&ldquo; geben, etwa\n<ul>\n<li>der Ausf&uuml;hrung von Bundesgesetzen, Art. 84 GG<\/li>\n<li>der Umweltgesetzgebung, Art.75 Abs. 1, also vor allem auch beim Naturschutz und bei der Landschaftspflege, beim Artenschutz, bei der Raumordnung, bei stoff- und anlagebezogenen Regelungen des Wasserhaushalts.<\/li>\n<li>Vor allem aber auch im Hochschulwesen (insbes. Art. 72 Abs. 3 GG). Dazu muss man noch hinzuf&uuml;gen, dass der Bund im Hochschulwesen durch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts eigentlich schon heute nur noch einen Rahmen ohne Kompetenz hat. Karlsruhe hat durch zwei wichtige Urteile in diesem Jahr den L&auml;nder-Egoismus vor allem der CDU-Regierungen etwa schon bei der faktischen Verhinderung der &bdquo;Juniorprofessur&ldquo; oder bei der Abschaffung der bundesweiten Studiengeb&uuml;hrenfreiheit in seinen Urteilen antizipiert. Jetzt sollen die L&auml;nder auch noch von den Minimalvoraussetzungen eines einheitlichen Hochschulwesens, n&auml;mlich von bundeseinheitlichen Regelungen f&uuml;r den Hochschulzugang und f&uuml;r die Hochschulabschl&uuml;sse abweichen d&uuml;rfen. Das hei&szlig;t, der Bund darf den Hochschulzugang und die Hochschulabschl&uuml;sse zwar noch regeln, aber die L&auml;nder brauchen sich nicht daran zu halten.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>Die oftmals besp&ouml;ttelten &bdquo;hergeholten&ldquo; (hergebrachten) Grunds&auml;tze des Berufsbeamtentums sollen nunmehr &bdquo;fortzuentwickeln&ldquo; sein (Art. 33 Abs. 5 GG) und die L&auml;nder erhalten die Regelungshoheit &uuml;ber die Angeh&ouml;rigen ihres &Ouml;ffentlichen Dienstes bis hin zur Festsetzung der Besoldungsh&ouml;he f&uuml;r ihre Beamten. (Art 74 Abs. 1 GG)<\/li>\n<li>Auch bei der &bdquo;konkurrierenden Gesetzgebung&ldquo;, also dort wo der Bund sozusagen ein Recht des ersten Zugriffs hat, werden ihm engere Fesseln angelegt.<\/li>\n<li>Bei den sog. Gemeinschaftsaufgaben hatte der Bund fr&uuml;her schon im Wesentlichen nur den &bdquo;goldenen Z&uuml;gel&ldquo;, n&auml;mlich das Geld als Lenkungs- und Anreizmittel. Die Gemeinschaftsaufgabe &ndash; also die Mitfinanzierung &ndash; beim Hochschulbau, bei Forschungsgro&szlig;ger&auml;ten, oder bei Vorhaben von nationaler Exzellenz vor allem aber bei der Bildungsplanung wird nunmehr komplett abgeschafft.<\/li>\n<li>Au&szlig;erdem werden die Kompetenzen etwa beim Versammlungsrecht, beim Strafvollzug, beim Ladenschlussrecht, beim Gastst&auml;ttenrecht, bei Sport- und Freizeitanlagen (inklusive &bdquo;sozialem L&auml;rm&ldquo;), beim Lebensmittelrecht oder f&uuml;r die allgemeinen Rechtsverh&auml;ltnisse der Presse komplett auf die L&auml;nder &uuml;bertragen.<\/li>\n<li>Auch auf dem Gebiet des Steuerrechts, etwa bei den Verbrauchs- und Aufwandsteuern und vor allem bei der Grunderwerbssteuer bekommen die L&auml;nder gr&ouml;&szlig;ere Selbstst&auml;ndigkeit.<\/li>\n<\/ul><p>Allein auf dem Gebiet der inneren Sicherheit wird die Zentralisierung deutlich gest&auml;rkt, also etwa durch die Ausweitung der BKA-Kompetenzen zur Abwehr terroristischer Gefahren.<\/p><p>Als Begr&uuml;ndung f&uuml;r die Vermehrung der L&auml;nderzust&auml;ndigkeiten h&ouml;rt man landauf landab, dass die gr&ouml;&szlig;ere Autonomie mehr Deregulierung und mehr Wettbewerb zwischen den L&auml;ndern erm&ouml;gliche und dass dies unser Land und seine Menschen &ndash; endlich &ndash; voranbr&auml;chte.<\/p><p>Nun erleben wir ja Tag f&uuml;r Tag, was Deregulierung und mehr Wettbewerb auf transnationaler und internationaler Ebene in der Realit&auml;t bedeuten. Sie l&ouml;sen einen Wettlauf um die Senkung von Steuern oder die Senkung von urspr&uuml;nglich einmal politisch gewollten Umwelt- und sozialen Standards aus. Gibt es nicht gerade deshalb immer mehr politische Bem&uuml;hungen um staaten&uuml;bergreifende Harmonisierung und Koordinierung der entsprechenden Regelungen?<br>\nMehr Wettbewerb bedeutet gleichzeitig aber auch, dass die St&auml;rkeren sich gegen die Schw&auml;cheren durchsetzen oder dass die gegen&uuml;ber Umwelt- und Sozialstandards skrupelloseren politischen Akteure diejenigen in Zugzwang setzen, f&uuml;r die diese Errungenschaften einen hohen Wert darstellten.<br>\nWas auf europ&auml;ischer Ebene bis hin zur Bundesregierung inzwischen &ndash; etwa bei der Dienstleistungs-Richtlinie &ndash; wenigstens verbal bek&auml;mpft wird, weil das zu einem weiteren &bdquo;Dumping&ldquo; von historisch erk&auml;mpften sozialen Rechten f&uuml;hren w&uuml;rde, wird jetzt im Landesinneren zum Prinzip erhoben.<\/p><p>Die Abwerbung von Spitzenkr&auml;ften durch die finanzkr&auml;ftigeren L&auml;nder gegen&uuml;ber den finanzschw&auml;cheren durch die unterschiedliche Bezahlung etwa von Professoren, Lehrern oder Verwaltungsbeamten geh&ouml;rt k&uuml;nftig zum erw&uuml;nschten L&auml;nderwettbewerb. Wir bekommen sozusagen einen &bdquo;Bayern-M&uuml;nchen-Effekt&ldquo; auf der politischen Ebene: Die &bdquo;Bayern&ldquo; kaufen etwa dem armen FC Cottbus oder dem nicht so finanzkr&auml;ftigen 1. FC K&ouml;ln die hoffnungsvollen Spieler ab, sie bauen damit ihre Spitzenposition in der Tabelle aus und Cottbus und K&ouml;ln steigen eben ab. Was man beim Fu&szlig;ball noch hinnehmen k&ouml;nnte, weil da nur private Vereine oder die Hoffnungen von Fu&szlig;ball-Fans betroffen sind, f&uuml;hrt auf der staatlichen Ebene zu einem weiteren Verlust an Einheitlichkeit der Lebensverh&auml;ltnisse in Deutschland, und das zu Lasten von Millionen von Menschen, die eben nicht in den finanzst&auml;rkeren L&auml;ndern leben.<\/p><p>Der zunehmende Standortwettbewerb zwischen den L&auml;ndern, wird in der Umweltpolitik, wie wir es gegenw&auml;rtig auf internationaler Ebene erleben, zu einem Abschleifen der Umweltstandards f&uuml;hren. Es wird eben dort investiert, wo die geringsten Standortanforderungen bestehen und wo die niedrigsten Investitions- und Produktionskosten entstehen.<\/p><p>Angesichts des laufenden &bdquo;Bologna-Prozesses&ldquo;, mit dem Ziel der Schaffung eines einheitlichen europ&auml;ischen Hochschulraumes mit einheitlichen Zertifikaten und Abschl&uuml;ssen und mit der Harmonisierung von Studieninhalten zur F&ouml;rderung der Mobilit&auml;t von Studierenden innerhalb Europas, ist es geradezu absurd, wenn in Deutschland die Regelungsbefugnis hierf&uuml;r der Provinzialit&auml;t anheim gegeben wird.<\/p><p>Die Abschaffung der gemeinschaftlichen Finanzierung des Hochschulbaus und der Forschungsgro&szlig;ger&auml;te an den Hochschulen durch den Bund und die L&auml;nder kann eigentlich nur zu unsinnigen und teuren Mehrfachinvestitionen zwischen den &bdquo;starken&ldquo; Wettbewerbern f&uuml;hren und weiter dazu, dass die &auml;rmeren L&auml;nder bei der Qualit&auml;t der Ausbildung und der Forschung gegen&uuml;ber den reicheren nicht mehr mithalten k&ouml;nnen, weil sie sich die &bdquo;guten&ldquo; (leider meist teuren) Leute und die Forschungsgro&szlig;ger&auml;te nicht leisten k&ouml;nnen. Der Ruf dieser Hochschulen in den armen L&auml;ndern (vor allem im Osten) wird noch mehr leiden. &bdquo;Eliteausbildung&ldquo; findet bei denen statt, die sich das leisten k&ouml;nnen. Damit wird einer der international anerkannten Vorteile des deutschen Hochschulwesens, n&auml;mlich ein qualitativ einigerma&szlig;en gleichwertiger Leistungsstandard aller Hochschulen &uuml;ber die gesamte Republik verspielt.<\/p><p>Dass angesichts der wenig schmeichelhaften Pisa-Ergebnisse f&uuml;r Deutschland nun auch noch eine einheitliche Bildungsplanung abgeschafft werden soll, geh&ouml;rt mit zu den gr&ouml;&szlig;ten Unsinnigkeiten dieser F&ouml;deralismusreform.<\/p><p>Mit dieser Reform haben sich einmal mehr die politischen und gesellschaftlichen Kr&auml;fte durchgesetzt, die von &bdquo;Deregulierung&ldquo; und &bdquo;Wettbewerb&ldquo; nicht nur mehr Effizienz erwarten, sondern darin geradezu das zentrale Steuerungs- und allumfassende Heilmittel nicht nur f&uuml;r die wirtschaftlichen Prozesse, sondern auch f&uuml;r die gesellschaftlichen und politischen Abl&auml;ufe sehen.<\/p><p>Nichts gegen Wettbewerb, weder im Sport und schon gar nichts gegen den Wettbewerb zwischen Betrieben und ihren jeweiligen Produkten auf dem Markt. Der Wettbewerb hat zwischen den Marktteilnehmern eine unersetzbare steuernde Funktion. Das Wettbewerbsprinzip jedoch immer mehr auf die Gesellschaft und den Staat zu &uuml;bertragen, birgt riesige Gefahren f&uuml;r den Zusammenhalt des politischen Gemeinwesens und f&uuml;r die Demokratie insgesamt.<\/p><p>Dazu braucht man sich nur einmal kurz auf die Prinzipien oder Motive zu besinnen, die hinter einer wettbewerbsgesteuerten im Unterschied oder sogar Gegensatz zu einer demokratischen (politischen) Gesellschaft stehen.<\/p><ul>\n<li>Man wird wohl kaum bestreiten k&ouml;nnen, dass hinter dem Wettbewerb das Motiv des <strong>Eigennutzes<\/strong> steht, w&auml;hrend die demokratische Gesellschaft f&uuml;r das <strong>Gemeinn&uuml;tzige<\/strong> oder sogar f&uuml;r das Solidarische steht.<\/li>\n<li>Wettbewerb richtet sich gegen den anderen Wettbewerber und ist diesem gegen&uuml;ber tendenziell <strong>destruktiv<\/strong>, w&auml;hrend die demokratische Gesellschaft und immer auch das Ganze im Auge haben sollte und von daher eher <strong>konstruktiv<\/strong> ist. Die Mitglieder der Gesellschaft sind auch f&uuml;reinander da oder zumindest aufeinander angewiesen.<\/li>\n<li>Wettbewerb lebt von der <strong>Konkurrenz<\/strong>, ein demokratisches Gemeinwesen aber auch von der <strong>Kooperation<\/strong>.<\/li>\n<li>Wettbewerb misst sich am Anderen. Triebkr&auml;fte sind also eher <strong>extrinsische Motive<\/strong>. Ein demokratisches Gemeinwesen lebt aber auch von der <strong>intrinsischen Motivation<\/strong> seiner B&uuml;rger, einer Motivation die auch Anreizen folgt, die jenseits der &ouml;konomischen liegen und auch inneren, wertbezogenen Antrieben Raum gibt.<\/li>\n<li>Wettbewerb schielt auf den <strong>kurzfristigen Erfolg<\/strong>. Ein Staat muss auch die <strong>l&auml;ngerfristigen Interessen<\/strong> der Gesamtbev&ouml;lkerung im Auge haben.<\/li>\n<li>Der Wettbewerb schafft <strong>&auml;u&szlig;ere, fremdbestimmte Zw&auml;nge<\/strong>, Demokratie macht aber <strong>Selbstbestimmung<\/strong> oder wenigstens <strong>Mitbestimmung<\/strong> aus.<\/li>\n<li>Es wird doch geradezu als Kult gepflegt, dass im einzelwirtschaftlichen Wettbewerb immer auch <strong>autorit&auml;re Entscheidungen<\/strong> der &bdquo;Unternehmensf&uuml;hrer&ldquo; verlangt und erwartet werden, die Gesellschaft, der Staat oder die L&auml;nder untereinander, sind jedoch keine einzelwirtschaftlich agierende Unternehmen mit einem Unternehmer oder Managern an der Spitze, sondern sie sind jedenfalls nach unserer Verfassung <strong>demokratisch<\/strong> konstituiert.<\/li>\n<li>Wettbewerb <strong>h&auml;lt Ungleichheit aus<\/strong>, ja braucht sie geradezu als Antriebskraft, eine Gesellschaft bricht jedoch auseinander, wenn <strong>zuviel Ungleichheit<\/strong> herrscht.<\/li>\n<li>Wettbewerb ist <strong>gewinnorientiert<\/strong>, eine offene demokratische Gesellschaft, die ihre Zukunft gestalten will, verlangt jedoch gerade mehr <strong>Spielraum f&uuml;r das Neue<\/strong>, das Unsichere, das sich nicht sofort und kalkulierbar in Profit Niederschlagende &ndash; man denke doch nur an Bildung und Forschung.<\/li>\n<li>Wettbewerb mag zu <strong>einzelwirtschaftlicher Effizienz<\/strong> f&uuml;hren, die <strong>volkswirtschaftliche Effizienz<\/strong> misst sich aber auch am Allgemeinwohl und am allgemeinen Wohlstand und daf&uuml;r bedarf es zumindest auch wertender Rahmensetzungen &ndash; z.B. der Prinzipien des Sozialstaats.<\/li>\n<\/ul><p>Um es noch einmal zu sagen: Es geht hier nicht um eine radikale Kritik am Wettbewerb oder gar dessen Ablehnung, dort wo er seinen Sinn und seinen Platz hat. Wenn der Wettbewerbsgedanke jedoch zum herrschenden Funktionsprinzip f&uuml;r Staat und Gesellschaft wird, dann ger&auml;t die demokratische Substanz in Gefahr.<br>\nEine demokratische Gesellschaft braucht zwar auch den Wettbewerb als ein wichtiges Regulativ der Wirtschaft, aber die historische Erfahrung zeigt, dass umgekehrt Wettbewerb durchaus auch ohne Demokratie auskommt. F&uuml;r die Geltung von Wettbewerbsprinzipien ist die Demokratie vielleicht hilfreich, aber keineswegs konstituierend. Es ist ja schlie&szlig;lich kein Zufall, dass in den faschistischen Diktaturen von Hitler bis Franco, von der griechischen &uuml;ber die portugiesische bis zur chilenischen Milit&auml;rdiktatur der kapitalistische Wettbewerb weitgehend unangetastet blieb und selbst die imperialistische Kriegswirtschaft im Nazi-Deutschland kannte zumindest noch einen oligopolistischen Wettbewerb.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 15. Dezember haben die die Ministerpr&auml;sidenten der L&auml;nder einstimmig der bei den Koalitionsverhandlungen mitbeschlossenen sog. F&ouml;deralismusreform zugestimmt. In den Medien gab es ein gro&szlig;es Aufatmen: Endlich k&ouml;nne die Blockade zwischen Bundestag und L&auml;nderkammer beim Verabschieden von Gesetzen aufgehoben werden. Kanzlerin Merkel lobte, dass nunmehr &bdquo;das Gemeinwohl und das gesamtstaatliche Interesse&ldquo; nach vorne gebracht werden<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=267\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[188,126,165],"tags":[320,256,284,1712,418,443],"class_list":["post-267","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bundesregierung","category-erosion-der-demokratie","category-innen-und-gesellschaftspolitik","tag-bolognaprozess","tag-bundesrat","tag-deregulierung","tag-foederalismusreform","tag-grundgesetz","tag-standortwettbewerb"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/267","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=267"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/267\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":31505,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/267\/revisions\/31505"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=267"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=267"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=267"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}