{"id":26707,"date":"2015-07-08T14:43:37","date_gmt":"2015-07-08T12:43:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26707"},"modified":"2021-10-03T12:42:34","modified_gmt":"2021-10-03T10:42:34","slug":"claus-kleber-enthuellt-sich-selbst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26707","title":{"rendered":"Claus Kleber enth\u00fcllt&#8230; sich selbst"},"content":{"rendered":"<p>Am 2. Juni 2015 hielt der heute-journal Moderator Dr. Claus Kleber seine <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6i9TwD_q6lk\">Antrittsvorlesung als Honorarprofessor an der Eberhard-Karls-Universit&auml;t in T&uuml;bingen<\/a>. Auf die Frage im Titel der Vorlesung &bdquo;Rettet den Journalismus! Wozu?&ldquo; blieb Kleber eine klare Antwort schuldig, ebenso auf die Frage des Wie. W&auml;hrend er mit einer zum gro&szlig;en Teil altert&uuml;mlich anmutenden Power-Point-Pr&auml;sentation, die vor allem Zwischentitel einblendete, einige Knackpunkte moderner Medientechnik problematisierte und sich damit seinem jungen Studierendenpublikum als Ansprechpartner anbot, lie&szlig; er Aussagen zu seinem eigentlichen Kerngesch&auml;ft &ndash; journalistische Recherche und Aufbereitung f&uuml;rs Fernsehen &ndash; vermissen. Dabei ist es genau seine <a href=\"http:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.uni-tuebingen-claus-kleber-haelt-antrittsvorlesung.933459c4-53d7-4e0c-bf29-beaf93beabe9.html\">Praxiserfahrung im journalistischen Handwerk<\/a>, wovon sich die Universit&auml;t am meisten verspricht. Vermutlich wird auch sein Zugriff auf die Archive des &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunks gesch&auml;tzt, denn diese sind dem normalsterblichen Wissenschaftler nicht ohne Weiteres zug&auml;nglich. Auf welch d&uuml;nnem Eis sich &bdquo;Professor&ldquo; Kleber allerdings sowohl in Sachen Recherche als auch Neue Medien bewegt, wird an einigen Stellen in der Vorlesung deutlich, auf die im Folgenden besonders eingegangen wird. Von <strong>Sabine Schiffer<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_5427\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-26707-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150710_Claus_Kleber_enthuellt_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150710_Claus_Kleber_enthuellt_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150710_Claus_Kleber_enthuellt_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150710_Claus_Kleber_enthuellt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=26707-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150710_Claus_Kleber_enthuellt_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"150710_Claus_Kleber_enthuellt_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p>Der ehemalige Radiojournalist Claus Kleber, der zum Einstieg Einblicke ins Arbeiten am fr&uuml;heren Newsticker gibt und auf die damit verbundene und verflossene &bdquo;Medienmacht&ldquo; hinweist, ist inzwischen der Vertreter des &bdquo;Erfolgsprodukts heute journal&ldquo;. An mehreren Stellen in seiner Antrittsvorlesung redet er den Medien als &bdquo;Markt&ldquo; das Wort. Das Publikum nennt er in dieser Logik &bdquo;Kunden&ldquo;. Das ZDF w&auml;re demnach Klebers Kunde, denn er ist dort nicht angestellt, sondern firmiert als freier Mitarbeiter. Konsequent stellt das Gesicht des heute journals nicht infrage, dass Information &ndash; ein genuines Interesse in einer Demokratie &ndash; als Ware gehandelt wird und Konkurrenz unter den Anbietern dieser Dienstleistung ein Teil des Gesch&auml;fts zu sein hat, an dem sich auch der &ouml;ffentlich-rechtliche Rundfunk (&Ouml;RR) mit dem ungn&auml;digen Quotenblick beteiligt. Die Themen &bdquo;Grundversorgung&ldquo;, &bdquo;Medien als &ouml;ffentliches Gut&ldquo; und &bdquo;Rundfunkstaatsvertr&auml;ge&ldquo; kommen in dieser Wahrnehmung des Medien-Gesch&auml;fts gar nicht erst vor. Das Ideal einer Bef&auml;higung aller B&uuml;rger zur Meinungsbildung durch umfassende Berichterstattung steht also nicht im Zentrum von Klebers Darstellung. <\/p><p><strong>Druck auf den &ouml;ffentlich-rechtlichen Rundfunk (&Ouml;RR)<\/strong><\/p><p>Anhand von Statistiken zur Charlie Hebdo-Berichterstattung Anfang des Jahres 2015 zeigt Kleber auf, dass bei allem &bdquo;Erfolg&ldquo; des &Ouml;RR in Sachen Einschaltquote die Altersstruktur des Publikums auf ein aussterbendes Publikum hindeutet. Das gew&uuml;nschte Publikum tummle sich hingegen in den sogenannten Sozialen Medien und sehe nicht unbedingt &bdquo;eine anst&auml;ndige Nachrichtensendung&ldquo;. Dabei sagt die Nutzung dieser Netzwerke zun&auml;chst noch wenig &uuml;ber die betrachteten Inhalt aus &ndash; &uuml;ber Twitter, Facebook und andere Dienste werden nat&uuml;rlich auch klassische Formate verbreitet, Magazinsendungen etwa und das teilweise sogar vor deren Ausstrahlungszeitpunkt im Abendprogramm des Fernsehens. Es handelt sich also <em>nicht<\/em> lediglich um eine Marktfrage &ndash; und die Marktfrage d&uuml;rfte zudem auf keinen Fall jene nach <em>Qualit&auml;t<\/em> und <em>Vertrauen<\/em> verdr&auml;ngen, wo etablierte und damit lange bekannte Medien immer noch gewisse Vorz&uuml;ge in deren Einsch&auml;tzbarkeit vor neu zu bewertenden neuen Medien haben. Fehlende Selbstkritik und journalistische Fehlleistungen &ndash; etwa in der Ukraineberichterstattung &ndash; spielen in Klebers Vorlesung jedoch kaum eine Rolle, stattdessen geht es um die Filterfunktion von Google, Facebook &amp; Co.<\/p><p>Zun&auml;chst trifft Kleber eine richtige Feststellung, dass n&auml;mlich allein der Weg ins Internet f&uuml;r die bisherigen &bdquo;Marktf&uuml;hrer&ldquo; im Analogen kein Heilsbringer ist. Die Gesetzm&auml;&szlig;igkeiten des Netzes m&uuml;ssen verstanden werden. Und Medienkonvergenz ist eigentlich ein Thema f&uuml;r ein ganzes Semester. <\/p><p>W&auml;hrend man in der Tat &ndash; und das tut Kleber im Folgenden ausf&uuml;hrlich &ndash; auf die Folgen von Algorithmen und der sogenannten Filter Bubble bei Angeboten im Internet aufmerksam machen muss, sind dennoch Internetriesen wie die Suchmaschine Google und deren spezifische Funktionsweisen <em>nicht<\/em> f&uuml;r den Niedergang des &Ouml;RR verantwortlich zu machen, und zwar trotz der durchaus stattfindenden Gleichordnung bzw. Nachordnung bestimmter Internetangebote durch Suchmaschinen, so dass Beitr&auml;ge eher singul&auml;r und nicht im Verbund von Dossiers und zusammengefasstem Wissen erscheinen. Der Aspekt der Bevorzugung von Blogs in Suchmaschinen-Rankings wird von Kleber garnicht erw&auml;hnt. <\/p><p>Dass die Angebote der klassischen Medien f&uuml;r Kontextualisierung und Hintergrundeinbettung stehen w&uuml;rden, ist jedoch eine idealtypische Naivit&auml;t, die etwa die Kritik am <em>Ausblenden von Zusammenh&auml;ngen<\/em> durch Nachrichtenformate eines Journalisten wie <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/politisches-feature-die-tagesshow.714.de.html?dram:article_id=90042\">Walter van Rossum<\/a> str&auml;flich ignoriert. Nun stimmt es durchaus, dass man als &Ouml;RR im Internet einiges kompensieren kann, indem man mehrere Beitr&auml;ge zum Thema zusammengruppiert anbietet. Aber ausgerechnet das Beispiel des Fu&szlig;ball-Funktion&auml;rs Blatter und die Verdienste der FIFA als Beleg anzuf&uuml;hren, um Pluralit&auml;t und Differenziertheit zu belegen, klingt angesichts hei&szlig; diskutierter Themen um NSU und NSA, den Ukrainekonflikt, TTIP und die Griechenlandberichterstattung wirklich sch&ouml;nf&auml;rberisch.<\/p><p>F&uuml;r den Druck auf den &Ouml;RR im Internet gibt es jedoch noch einen sehr wichtigen Faktor, den man bei der Problematisierung der Thematik nicht au&szlig;en vor lassen darf: die EU-Gesetzgebung, die wiederum Medien als Markt definiert und ausschlie&szlig;lich im Sinne einer &bdquo;Marktgerechtigkeit&ldquo; argumentiert. Demnach m&uuml;ssen die von den Beitragszahlenden finanzierten Inhalte des &Ouml;RR wieder von den Websites gel&ouml;scht werden, da selbige sonst einen unzul&auml;ssigen &bdquo;Wettbewerbsvorteil&ldquo; gegen&uuml;ber den privaten Anbietern h&auml;tten.<\/p><p><strong>&Uuml;bersch&auml;tzung statt Recherche: Social Media<\/strong><\/p><p>Social Media darf auch zum Recherchieren benutzt werden und nicht nur f&uuml;r den Vertrieb eigener Botschaften. Claus Kleber erw&auml;hnt das sogar, erweckt aber den Eindruck, als habe er eine gewisse Ehrfurcht, ja sogar Furcht, vor den sogenannten Sozialen Medien. Angst ist jedoch niemals ein guter Ratgeber. Stattdessen w&auml;re es angebracht, dieselben ebenso zu nutzen wie die Etablierten und dabei Recherchen und Quellen auf Herz und Nieren zu pr&uuml;fen. Dann w&uuml;rde man etwa hinterfragen, ob es wirklich ein Nachbar von Osama bin Laden in Pakistan war, der die Twitter-Botschaften zu seiner angeblichen T&ouml;tung in Abbottabad verbreitete &ndash; angesichts der Tatsache, dass jegliche Beweisfotos von der Aktion fehlen und pakistanische Medien bereits Ende 2001 von bin Ladens Tod <a href=\"http:\/\/www.foxnews.com\/story\/2001\/12\/26\/report-bin-laden-already-dead.html\">berichteten<\/a>. Und auch das Thema V&ouml;lkerrecht klammert der unkritische Nachrichtensprecher in diesem Kontext vollkommen aus. <\/p><p>Bei kritischer Quellenpr&uuml;fung w&auml;re ihm auch die peinliche Lobhudelei auf den Internetdienst Bellingcat als &bdquo;gro&szlig;artige Leistung&ldquo; nicht passiert. Diese Plattform zeichnet verantwortlich f&uuml;r die Anfang Juni 2015 verbreitete Botschaft, dass Russland Satellitenbilder zum MH17-Absturz gef&auml;lscht habe. Diese Nachricht, die es in fast alle gro&szlig;en Medien schaffte und heute noch auf der Website der tagesschau <a href=\"http:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/mh17-ukraine-russland-bellingcat-101.html\">abrufbar ist<\/a>, musste jedoch schon wenig sp&auml;ter wieder korrigiert werden, weil die Unseriosit&auml;t der Plattforum aufflog. Dies wurde zwar erst kurz nach der Antrittsvorlesung in den gro&szlig;en Medien <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/ausland\/mh17-satellitenbilder-bellingcat-betreibt-kaffeesatzleserei-a-1036874.html\">berichtet<\/a>, allerdings war den aufmerksamen Nutzern von Twitter am Tag vor dieser Vorlesung bereits klar, dass an der Sache etwas faul sein musste. Denn der Verantwortliche f&uuml;r den von Bellingcat genutzten online-Erkennungsdienst Fotoforensics, Dr. Neal Krawetz (@hackerfactor), hatte sich bereits am 1. Juli auf Twitter von dem angeblichen Untersuchungsergebnis der selbsternannten Investigativrechercheure <a href=\"https:\/\/twitter.com\/hackerfactor\/status\/605362347616526337\">distanziert<\/a> &ndash; nachdem er von einem Nutzer nach der Validit&auml;t der angeblichen Enth&uuml;llung gefragt worden war. Und man h&auml;tte auch auf den <a href=\"https:\/\/gabrielewolff.wordpress.com\/tag\/bellingcat\">Blog von Gabriele Wolff<\/a> sto&szlig;en k&ouml;nnen, die bereits vor Wochen ein Dossier zu den merkw&uuml;rdigen Untersuchungsmethoden von Bellingcat angelegt hatte. Siehe dazu auch unseren <a href=\"http:\/\/www.medienverantwortung.de\/newsletter-2015\/#Juni2015\">Newsletter vom 2. Juni 2015<\/a>.<\/p><p><strong>Von Feinden, Freunden und Fehleinsch&auml;tzungen<\/strong><\/p><p>Dass die russische Regierung wiederholt NATO und USA mit Blick auf AWACS-&Uuml;berwachungsaufnahmen aufgefordert hat, doch die eigenen Satellitenbilder vom Absturzort der MH17 zu ver&ouml;ffentlichen sowie die Funkmitschnitte, d&uuml;rfte Herrn Kleber aber eigentlich nicht entgangen sein &ndash; zumindest w&auml;re diese Information auch analog erh&auml;ltlich gewesen. Sie h&auml;tte grunds&auml;tzlich zu einem vorsichtigeren Umgang mit einem solch vermeintlichen Internetwunder f&uuml;hren m&uuml;ssen.<\/p><p>In der Logik des Ignorierens bestimmter Ressourcen im Internet auf der einen und der &Uuml;bersch&auml;tzung der dort gefundenen Hinweise, die ins eigene Erwartungsbild passen, auf der anderen Seite lobt Kleber dann noch die neuen Medien als diejenigen, die die Revolution auf dem Tahrir-Platz m&ouml;glich gemacht h&auml;tten &ndash; ja, die revolution&auml;re Kraft w&auml;re gar aus dem Netz gekommen und w&uuml;rde auch nur wieder aus dem Netz kommen k&ouml;nnen. Auch hier fehlt offensichtlich die konterkarierende Recherche, da nicht wenige Wissenschaftler immer wieder betonen, dass die sogenannten Revolutionen eben nicht mit der Nutzung neuer Medien zu erkl&auml;ren sind &ndash; und dass unter anderem das Zusammenspiel neuer und etablierter Medien mit anderen Faktoren f&uuml;r den gro&szlig;en Auftrieb in &Auml;gypten verantwortlich war. Damit sind aber dann schon gar nicht mehr die Entwicklungen in Tunesien, Libyen oder Syrien zu erkl&auml;ren. Drei Fachleute seien hier exemplarisch genannt und auf ihre Expertisen zum Thema verwiesen: <a href=\"https:\/\/bildungsportal.sachsen.de\/magma\/mediaSetPreview\/e4f4a7b7f73fdc17045cc5255941c8d02c899a39?withNavigation=false\">Prof. Carola Richter<\/a>, <a href=\"https:\/\/www.uni-marburg.de\/cnms\/arabistik\/egyptian-revolution\">Dr. Atef Botros<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.wissenschaft-und-frieden.de\/seite.php?artikelID=1737&amp;PHPSESSID=v9dntpnsn5qq1mph1ueo978ql6\">Ivesa L&uuml;bben<\/a>.<\/p><p>Klebers Fehleinsch&auml;tzung in Sachen Massenmedien unter dem Stichwort &bdquo;Gutenberg-Parenthese&ldquo; gegen Ende seines Vortrags, worin er den Schritt &uuml;ber die &bdquo;Dorfgrenze&ldquo; hinaus sieht, der Nachdenken und Meinungsbildung erst m&ouml;glich gemacht h&auml;tte, ignoriert historische Tatsachen. In dieser Logik h&auml;tte es weder die Entwicklung der griechischen Demokratie, die Hochkultur der Antike, die gro&szlig;en Denker im Nahen Osten, noch andere kulturelle Meisterleistungen in der Geschichte der Menschheit geben d&uuml;rfen &ndash; die Kommunikationswege sind unergr&uuml;ndlich und die Erkenntnism&ouml;glichkeiten innerhalb der jeweils gegebenen Rahmen offensichtlich auch. <\/p><p><strong>Auch im Netz gibt&rsquo;s nichts umsonst, man bezahlt mit seinen Daten<\/strong><\/p><p>Diese Binsenweisheit, die sich inzwischen auch au&szlig;erhalb des <em>Chaos Computer Club<\/em> und diverser Net-Communities herumgesprochen haben d&uuml;rfte, f&uuml;llt eine weitere Passage des Kleber-Vortrags, die man vielleicht lieber mit der Unter&uuml;berschrift &bdquo;Ich kenne Prominente&ldquo; versehen m&ouml;chte. <\/p><p>Nat&uuml;rlich ist es ansprechend, wenn ein prominenter Professor bei der Geburtsstunde von Amazon pers&ouml;nlich anwesend war und deshalb das Gesch&auml;ftsmodell &agrave; la &bdquo;Sag mir, was Du liest, und ich sage Dir, was Du sonst noch kaufen wirst&ldquo; sofort durchschaut hat. Manch gew&auml;hlte Metapher zur Verdeutlichung des Denkens dieser Internet-Innovatoren mag jedoch mehr &uuml;ber den, der sie &auml;u&szlig;ert, sagen, als &uuml;ber den Gesch&auml;ftssinn von Bezos, Zuckerberg oder Eric Schmidt. So meint Kleber etwa: &bdquo;Pr&auml;zisionsgeschosse bringen nun mal mehr als Streuung&ldquo; oder &bdquo;Blickfeldverengung ist besser als Horizonterweiterung&ldquo; &ndash; aus &ouml;konomischer Sicht, zielgerichtet im Sinne der Werbewirtschaft. Eine Problematisierung von Big Data im Sinne etwa <a href=\"http:\/\/www.suhrkamp.de\/buecher\/daten_drohnen_disziplin-zygmunt_bauman_12667.html\">Zygmunt Baumans<\/a> bleibt Kleber seinen Studierenden hingegen schuldig und man darf wohl von Gl&uuml;ck reden, dass der &Ouml;RR, der aufgrund seines Haushalts&uuml;berschusses ja nicht auf jeden Cent gucken muss, nicht gesch&auml;ftst&uuml;chtig noch mehr &bdquo;Horizonteinschr&auml;nkung&ldquo; und Bellizismus als bisher bef&ouml;rdern soll. Die Kriegsmetaphorik in Klebers gesamter Vorlesungssprache spricht hingegen B&auml;nde. <\/p><p>Beim Wording m&ouml;chte man sich insgesamt mehr Sensibilit&auml;t von &bdquo;Professor&ldquo; Kleber w&uuml;nschen. Neben der bereits erw&auml;hnten marktgerechten Sprache, die die Unterwerfung des Mediensystems unter Marktgesetze, nicht infrage stellt (&bdquo;Marktplatz der Ideen&ldquo;), kolportiert auch noch anderer Sprachgebrauch die Sicht der Herrschenden: &bdquo;Gnadenfrist&ldquo;, &bdquo;Feinde&ldquo;, &bdquo;Nigger&ldquo; (wenn auch in kritischem Kontext), &bdquo;Finsterlinge&ldquo; etc. Macht etwa das ZDF keinen Gebrauch vom <a href=\"http:\/\/fra.europa.eu\/sites\/default\/files\/fra_uploads\/112-media-toolkit_diversity_en.pdf\">EBU Diversity Toolkit [PDF &ndash; 134 KB]<\/a>? Diese Sprache passt jedenfalls nicht zum Selbstbild einer Vierten Gewalt, die wie Kleber meint, den &bdquo;M&auml;chtigen auf die Finger schaut&ldquo; und Sachverhalte in politische Zusammenh&auml;nge einordnet. Man sollte beispielsweise vom &bdquo;sogenannten Islamischen Staat&ldquo; sprechen und nicht irgendwelchen Interessierten zuarbeiten, indem man so eine geschickte und suggestive Bezeichnung einfach &uuml;bernimmt.  <\/p><p>Eine Nutzerin unserer Facebook-Seite meinte zum Posting der Antrittsvorlesung, zun&auml;chst den Redner wie folgt zitierend: &bdquo;Auf Dauer k&ouml;nne nur qualitativ hochwertiger und transparenter Journalismus &uuml;berleben.&ldquo; &ndash; &bdquo;Der Mann h&auml;lt also seine berufliche Grabrede.&ldquo; <\/p><p>Soweit will ich nicht gehen. Das Nachrichtengucken als Ritual, wie Kleber es mit einem Nachtgebet vergleicht, wird dennoch sicherlich nicht ausreichen, um ein Publikum zu halten oder gar (zur&uuml;ck) zu gewinnen, das sich aufgefordert f&uuml;hlt, auch selbst mitzudenken. Beim beruflichen &Uuml;berleben als Professor k&ouml;nnte der Knackpunkt anders gelagert sein, weil die Studierenden kaum M&ouml;glichkeiten der Beeinflussung bei der Entscheidung f&uuml;r oder gegen Universit&auml;tspersonal haben &ndash; und von Anekdoten und Eindr&uuml;cken aus der Berufspraxis des langj&auml;hrigen Auslandskorrespondenten d&uuml;rfte durchaus Interessantes zu erwarten sein. Mit Blick auf die Lehr-Aufgaben am Institut f&uuml;r Medienwissenschaft der Universit&auml;t T&uuml;bingen ist die Ank&uuml;ndigung Klebers am Schluss seiner Rede auf jeden Fall ermutigend und sympathisch. Er will <em>gemeinsam<\/em> mit den Studierenden lernen. Hoffen wir, dass er den guten Vorsatz auch umsetzt. N&ouml;tig w&auml;re es.<\/p><p><em><strong>Dr. phil. Sabine Schiffer<\/strong> hat zur Islamdarstellung in den Medien promoviert. 2005 gr&uuml;ndete sie das Institut f&uuml;r Medienverantwortung, das sie seither leitet. Sie doziert und publiziert zu den Themen: &bdquo;Vierte contra F&uuml;nfte Gewalt&ldquo;, Kriegsmarketing, Stereotype im Mediendiskurs sowie Medienbildung.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 2. Juni 2015 hielt der heute-journal Moderator Dr. Claus Kleber seine <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=6i9TwD_q6lk\">Antrittsvorlesung als Honorarprofessor an der Eberhard-Karls-Universit&auml;t in T&uuml;bingen<\/a>. Auf die Frage im Titel der Vorlesung &bdquo;Rettet den Journalismus! Wozu?&ldquo; blieb Kleber eine klare Antwort schuldig, ebenso auf die Frage des Wie. W&auml;hrend er mit einer zum gro&szlig;en Teil altert&uuml;mlich anmutenden Power-Point-Pr&auml;sentation, die<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26707\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,41,11],"tags":[373,313,1255,1466,1065,1113,244],"class_list":["post-26707","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-medienanalyse","category-strategien-der-meinungsmache","tag-oekonomisierung","tag-oerr","tag-einschaltquote","tag-kleber-claus","tag-mh17","tag-soziale-medien","tag-vierte-gewalt"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26707","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26707"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26707\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":76620,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26707\/revisions\/76620"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26707"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26707"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26707"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}