{"id":2683,"date":"2007-10-10T09:32:37","date_gmt":"2007-10-10T07:32:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2683"},"modified":"2015-12-17T15:23:27","modified_gmt":"2015-12-17T14:23:27","slug":"konflikte-praegen-und-korrigieren-images-und-entscheiden-wahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2683","title":{"rendered":"Konflikte pr\u00e4gen und korrigieren Images &#8211; und entscheiden Wahlen"},"content":{"rendered":"<p>Zur Zeit sind wir Zeitzeugen eines interessanten, schon oft erprobten Effektes in der politischen Kommunikation: &Uuml;ber einen (Sach-)Konflikt unter Personen k&ouml;nnen Images von Politikern gepr&auml;gt, ver&auml;ndert, aufgebaut und (selten) ruiniert werden. Im konkreten Fall baut Kurt Beck sein Image als sozialdemokratisch gesonnener Sozialdemokrat auf, und Franz M&uuml;ntefering gewinnt das Image eines an der Sache und daran allein orientierten Politikers, und nebenbei wird noch relativ erfolgreich versucht, die Agenda 2010 als wirtschaftlich wirksame, allenfalls mit Gerechtigkeitsdefiziten getr&uuml;bte Tat in den K&ouml;pfen zu verankern. Albrecht M&uuml;ller.<br>\n<!--more--><br>\nVorweg sei auf den <a href=\"?p=2681\">Beitrag von Wolfgang Lieb<\/a> von gestern und zum gleichen Thema hingewiesen. Mit ihm bin ich auch bei diesem Thema einig. Wolfgang Liebs Beitrag und dieser hier sind allerdings aus sehr verschiedenen Blickwinkeln geschrieben, was seinen Reiz hat. Und nun zur Sache:<\/p><p>Bisher galt auch Kurt Beck als Vertreter Schr&ouml;derscher Agenda-Politik, er hatte deshalb auch Probleme mit seiner Partei, jedenfalls unterschied sich sein SPD- und Sozial-Image nicht entscheidend von dem Franz M&uuml;nteferings. Er hat auch die fragw&uuml;rdigsten Teile M&uuml;nteferingscher Reformpolitik unterst&uuml;tzt, z.B. die unsinnige Entscheidung, jetzt das Renteneintrittsalters auf 67 Jahre zu erh&ouml;hen, oder zum Beispiel die Fortsetzung der Entgeltumwandlung zur betrieblichen Altersvorsorge. Sein Image hat sich in wenigen Tagen ver&auml;ndert. Er gilt jetzt als H&uuml;ter sozialdemokratischer Werte und hat gute Chancen, mit diesem Imagewandel im R&uuml;cken ein gutes bis sehr gutes Wahlergebnis auf dem SPD-Parteitag Ende Oktober zu erzielen. Vermutlich ist der Konflikt auch deshalb inszeniert worden.<\/p><p>Kurt Beck verliert bei dieser Gelegenheit ein bisschen an Zustimmung bei  vielen Medien und zugleich an Image als sachorientierter Politiker. Das kann ihm aber ziemlich egal sein, weil es ihm in dieser Phase auf die breite Zustimmung des SPD-Parteitages und die Wiederbelebung des sozialdemokratischen Selbstbewusstseins und Wir-Gef&uuml;hls ankommt. Sozialdemokraten halten sich nach soviel Drangsal der letzten Jahre an jedem Strohhalm fest. Auch die kleinste Ver&auml;nderung der Agenda 2010 wie im konkreten Fall die Verl&auml;ngerung der Bezugszeit von ALG1 f&uuml;r &auml;ltere Arbeitnehmer wird als Kurskorrektur &bdquo;gef&uuml;hlt&ldquo;.<\/p><p>Franz M&uuml;ntefering wird in diesem Konflikt von vielen Medien, von der Wirtschaft, vom Koalitionspartner und Fachleuten wie dem IAB  als an der Sache orientierter Politiker gelobt, zwar als Sturkopf aber eben als gradlinig, als Anti-Populist. Nebenbei wird sein Lebenswerk, dessentwegen er seine Partei mit dem Antrag auf Neuwahlen aus der Kanzlerschaft katapultiert hat, die Schr&ouml;dersche Reformpolitik, auch noch geadelt, nebenbei wird insinuiert oder offen behauptet, diese Reformen h&auml;tten uns den wirtschaftlichen &bdquo;Erfolg&ldquo; gebracht; und dass der kleine Aufschwung ein wirklicher Aufschwung sei, wird auch  noch in die K&ouml;pfe und Herzen gedr&uuml;ckt. <\/p><p>M&uuml;ntefering profitiert also auch von diesem Konflikt, obwohl der Konflikt so aussieht, als w&auml;re er gegen ihn gerichtet und als sei er ziemlich isoliert. &bdquo;Wacker, aber einsam&ldquo; titelte der &bdquo;Stern&ldquo;, &bdquo;M&uuml;ntefering allein zu Haus&ldquo; ein anderes Blatt.<br>\nDa kann Franz M&uuml;ntefering aber kr&auml;ftig lachen. Von Einsamkeit kann keine Rede sein, jedenfalls nicht in der Runde, die &uuml;ber die Vorschl&auml;ge von Beck entscheidet, wenn diese vom SPD-Parteitag verabschiedet worden sind. Dann sitzt man in der Koalitionsrunde und dann vielleicht im Kabinett, und dann hat Beck nicht einmal unter den SPD-Mitgliedern des Kabinetts eine Mehrheit. Und Beck selbst hat die Front gegen seinen Korrekturwunsch im Kabinett noch gest&auml;rkt, indem er neben Steinbr&uuml;ck auch noch Steinmeier als SPD-Vize und Barbara Hendrix als Schatzmeisterin zur Wahl vorgeschlagen hat.<\/p><p>Wenn dann die CDU\/CSU nicht selbst zum F&ouml;rderer der Beck&rsquo;schen Korrekturen an der Agenda 2010 geworden ist, dann sind halt die Beschl&uuml;sse des SPD-Parteitages leider nicht durchzusetzen. Und M&uuml;ntefering ist doch noch Sieger. Deshalb glaube ich auch nicht daran, dass er wegen des Konflikts mit Beck jetzt zur&uuml;cktritt.<\/p><p>Kurt Beck wird darunter nicht sonderlich leiden. Er hat sein Bestes versucht &ndash; so der Eindruck, er gilt jetzt wieder als verl&auml;sslicher Sozialdemokrat, er hat den Frieden mit den Gewerkschaften wieder wenigstens ein bisschen hergestellt und er ist auf der Basis dieser Imagepr&auml;gung  &uuml;berzeugend zum Vorsitzenden gew&auml;hlt worden. Alles andere, dat rejelt sisch schon, w&uuml;rden die K&ouml;lner sagen.          <\/p><p>Ich w&uuml;rde mich nicht wundern, wenn die n&auml;chsten Umfragen als Reflex auf den laufenden Konflikt Verbesserungen f&uuml;r die SPD, f&uuml;r Beck (jedenfalls bei den eigenen W&auml;hlern) und f&uuml;r M&uuml;ntefering br&auml;chten. Warten wir es ab.<\/p><p>Aus fr&uuml;heren Konflikten wissen wir, dass dies funktioniert:<\/p><ul>\n<li>So hat z.B. der konfliktgeladene Wettbewerb um die Kanzlerkandidatur der SPD zwischen Lafontaine und Schr&ouml;der Anfang 1998 die Umfragewerte der SPD und der beiden Politiker sp&uuml;rbar nach oben gehievt.<\/li>\n<li>&Auml;hnliches konnte man schon im Vorfeld der Landtagswahl von 1970 in NRW beobachten, als die beiden CDU-Politiker Lenz und K&ouml;ppler erbittert um die<br>\nSpitzenkandidatur stritten. Der unbekannte K&ouml;ppler wurde dadurch &uuml;berhaupt erst richtig bekannt, er gewann das Rennen in seiner Partei und fast auch die Landtagswahl gegen den selbstsicheren und gro&szlig;en Favoriten Heinz K&uuml;hn von der SPD.<\/li>\n<li>Auch der (schon vergessene) Wettbewerb zwischen Rudolf Scharping und Gerhard Schr&ouml;der um den Parteivorsitz 1993 und damit um die Kanzlerkandidatur der SPD f&uuml;r die Wahl 1994, der &uuml;ber eine Mitgliederbefragung entschieden wurde, die als solche schon konfliktgeladen war, hat das Ansehen zumindest des Siegers Rudolf Scharping enorm steigen lassen. An diesem Beispiel kann man allerdings auch erkennen, wie schnell so etwas wieder verflogen sein kann.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Zeit sind wir Zeitzeugen eines interessanten, schon oft erprobten Effektes in der politischen Kommunikation: &Uuml;ber einen (Sach-)Konflikt unter Personen k&ouml;nnen Images von Politikern gepr&auml;gt, ver&auml;ndert, aufgebaut und (selten) ruiniert werden. 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