{"id":26872,"date":"2015-07-21T10:06:26","date_gmt":"2015-07-21T08:06:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26872"},"modified":"2019-01-30T10:24:55","modified_gmt":"2019-01-30T09:24:55","slug":"das-raetsel-der-freiwilligen-knechtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26872","title":{"rendered":"Das R\u00e4tsel der \u201efreiwilligen Knechtschaft\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Als Nachtrag zu meinem Text &ldquo;<strong><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26801\">Von Grillen und Ameisen<\/a><\/strong>&rdquo; gehe ich der Frage nach, wie man es sich erkl&auml;ren kann, dass Massen von Menschen politischen Kr&auml;ften folgen, die ihnen Schaden zuf&uuml;gen. Die Dressur zum Gehorsam in der fr&uuml;hen Kindheit und die ein Leben lang wirksame &bdquo;Identifikation mit dem Aggressor&ldquo; verhindern die Entwicklung der F&auml;higkeit zu Mitgef&uuml;hl und Solidarit&auml;t&ndash; mit uns und anderen. Von <strong>G&ouml;tz Eisenberg<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Das &bdquo;falsche Selbst&ldquo; und die Wendung gegen das (eigene und fremde) Gl&uuml;ck<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Unserem Gl&uuml;ck auszuweichen haben wir alles unternommen.&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>(Vlado Kristl)<\/p><p>&bdquo;Fr&uuml;h in der Kindheit&ldquo;, berichtet Theodor W. Adorno in seinem Buch <em>Minima Moralia<\/em>, &bdquo;sah ich die ersten Schneeschaufler in d&uuml;nnen sch&auml;bigen Kleidern. Auf meine Frage wurde mir geantwortet, das seien M&auml;nner ohne Arbeit, denen man diese Besch&auml;ftigung g&auml;be, damit sie sich ihr Brot verdienten. Recht geschieht ihnen, dass sie Schnee schaufeln m&uuml;ssen, rief ich w&uuml;tend aus, um sogleich fassungslos zu weinen.&ldquo;<\/p><p>Der kleine Theodor reagiert zun&auml;chst ganz im Sinne der Erwachsenenwelt, deren Urteile und Vorurteile er sich zu eigen gemacht hat. Die Schneeschaufler trifft seine mitleidlose Wut. Dann aber kriegt er die Kurve und er beginnt zu weinen &ndash; aus Scham wegen seiner Anpassung und aus Mitleid mit den frierenden Menschen. Der kleine Junge schl&auml;gt sich auf die Seite der gequ&auml;lten M&auml;nner, in deren Leiden er sich wiedererkennt. <\/p><p>Reif und erwachsen werden bedeutet f&uuml;r die meisten Kinder und Jugendlichen, sich die besch&auml;digte Existenz des durchschnittlichen Erwachsenen zu eigen zu machen. Unter dem Druck elterlicher Strafandrohungen und Strafen identifiziert sich das Kind mit den Normen und Werten der Erwachsenen. Ein Kind kann ohne das Wohlwollen und die Zuwendung der Erwachsenen nicht existieren, zu gro&szlig; ist seine Angst vor Liebesverlust und Verlassenheit. Arno Gruen beschreibt diesen Vorgang in seinem neuen Buch <em>Wider den Gehorsam<\/em> so: &bdquo;Wenn ein Kind von demjenigen, der es sch&uuml;tzen sollte, k&ouml;rperlich und\/oder seelisch &uuml;berw&auml;ltigt wird und das Kind zu niemandem fliehen kann, wird es von Angst &uuml;berw&auml;ltigt. Eine Todesangst sucht das Kind heim. Es kann nicht damit leben, dass die Eltern sich von ihm zur&uuml;ckziehen. Ohne Echo f&uuml;r seine ihm eigene Wahrnehmungs- und Reaktionsf&auml;higkeit kann ein Kind nicht &uuml;berleben. Es &uuml;bernimmt, um seine Verbindung aufrechtzuerhalten, die Erwartungen der Eltern. Auf diese Weise wird das seelische Sein eines Kindes in seiner autonomen Wahrnehmungs- und Reaktionsf&auml;higkeit geradezu ausgel&ouml;scht.&ldquo; Das Kind unterwirft sich den elterlichen Erwartungen und wird &ndash; brav. Es l&auml;sst die Erwachsenen in sich wachsen, statt seines eigenen Selbst. Es kann nun ein Leben lang nicht aufh&ouml;ren, die Gef&uuml;hle seiner Eltern anstelle seiner eigenen zu haben. Sein K&ouml;rper wird ihm zum Fremd-K&ouml;rper, die eigenen Impulse werden ihm fremd, bis es sie schlie&szlig;lich als bedrohlich erlebt und abwehrt. Es entwickelt notgedrungen das, was der englische Psychoanalytiker D. W. Winnicott und nach ihm Alice Miller als &bdquo;falsches Selbst&ldquo; bezeichnet haben. Zu viele Bestandteile des Ich erweisen sich als Nicht-Ich, als fremd-entfremdende Introjekte, so dass der auf diese Weise herangewachsene Mensch zu keinem gelassenen Umgang mit dem Anderen finden kann und sich die Einf&uuml;hlung in fremdes Elend versagt. Er verschlie&szlig;t sein Herz gegen Mitleid und andere weiche Regungen und macht sich zum Anwalt seiner Zerst&ouml;rung. Der Konformismus, der sich auf der Basis einer &bdquo;Identifikation mit dem Aggressor&ldquo; entwickelt, ist mit Feindseligkeit und B&ouml;sartigkeit kontaminiert. Wo Ich-Einschr&auml;nkung und Wunschvernichtung in fr&uuml;her Kindheit, in Schule und Beruf Verletzungen zuf&uuml;gten und  Narben hinterlie&szlig;en, entwickelt sich panikartige Angst vor dem Anspruch auf Gl&uuml;ck, auf Formen von Unabh&auml;ngigkeit, den man in sich selbst unter Schmerzen begraben musste. Alles, was in der Au&szlig;enwelt und bei anderen an aufgegebene eigene Gl&uuml;cksanspr&uuml;che und Hoffnungen erinnert, wird abgelehnt, im Extremfall gehasst und verfolgt. <em>No Pity for he Poor<\/em> nennt der erwachsen gewordene Theodor W. Adorno die dem &bdquo;autorit&auml;ren Charakter&ldquo; eigene Verh&auml;rtung gegen die Leiden der Armen und Erfolglosen, der auch er in der oben geschilderten Kindheitsepisode einen Augenblick lang Raum gegeben hatte. F&uuml;r einen Moment ist es in der Schwebe, auf welche Seite sich ein Mensch in seiner Entwicklung schl&auml;gt. Der privilegiert aufwachsende Adorno entscheidet sich f&uuml;r die eigenen Gl&uuml;cksanspr&uuml;che und das Lebendige, die meisten anderen w&auml;hlen unter &auml;u&szlig;erem Druck den Weg der Anpassung und der Assimilation ans Tote. &ldquo;Der Weg des Faschismus ist der Weg des Maschinellen, Toten, Erstarrten, Hoffnungslosen. Der Weg des Lebendigen ist grunds&auml;tzlich anders, schwieriger, gef&auml;hrlicher, ehrlicher und hoffnungsvoller&rdquo;, schrieb Wilhelm Reich in seiner <em>Massenpsychologie des Faschismus<\/em>. Schon Mitte des 16. Jahrhunderts hatte der eng mit Montaigne befreundete franz&ouml;sische Jurist und Autor Etienne de la Bo&eacute;tie sich &uuml;ber die Tyrannenverehrung seiner Mitmenschen gewundert und sie &bdquo;Freiwillige Knechtschaft&ldquo; genannt: &bdquo;Diesmal m&ouml;chte ich nur erkl&auml;ren, wie es geschehen kann, dass so viele Menschen, so viele D&ouml;rfer, St&auml;dte und V&ouml;lker manchesmal einen einzigen Tyrannen erdulden, der nicht mehr Macht hat, als sie ihm verleihen, der ihnen nur insoweit zu schaden vermag, als sie es zu dulden bereit sind, der ihnen nichts &Uuml;bles zuf&uuml;gen k&ouml;nnte, wenn sie es nicht lieber erlitten, als sich ihm zu widersetzen.&ldquo; Auch der junge Max Horkheimer macht in den 20er und fr&uuml;hen 30er Jahren des 20. Jahrhunderts die traurige Erfahrung, dass die Masse der Menschen sich mit ihren Unterdr&uuml;ckern identifiziert, statt sich mit denen zu solidarisieren, die sich gegen sie auflehnen. In seinem Buch <em>D&auml;mmerung<\/em> schreibt er: &bdquo;Auch dass die beherrschten Klassen, von den fortgeschrittensten Gruppen abgesehen, der Verlogenheit ihrer Vorbilder folgen, ist zwar schwer verst&auml;ndlich, aber doch hinreichend allgemein bekannt. Besteht doch die Abh&auml;ngigkeit dieser Klassen nicht allein darin, dass man ihnen zu wenig zu essen gibt, sondern dass man sie in einem erb&auml;rmlichen geistigen und seelischen Zustand h&auml;lt. Sie sind die Affen ihrer Gef&auml;ngnisw&auml;rter, beten die Symbole ihres Gef&auml;ngnisses an und sind bereit, nicht etwa diese ihre W&auml;rter zu &uuml;berfallen, sondern den in St&uuml;cke zu rei&szlig;en, der sie von ihnen befreien will.&ldquo; Genau das k&ouml;nnen wir im Moment erneut beobachten: Statt sich im Schicksal der Griechen wiederzuerkennen und zu rufen: &bdquo;Wir sind alle Griechen!&ldquo;, identifiziert sich die Masse der Menschen in Nordeuropa mit denen, die den Griechen das Fell &uuml;ber die Ohren ziehen und sie ihrem Diktat unterwerfen wollen. <\/p><p>Lawrence Le Shan, der Pionier der psychologischen Krebsforschung, hat eine Methode entwickelt, um seine Patienten mit den abgewiesenen Teilen ihres Selbst in Ber&uuml;hrung zu bringen. In ihrer st&auml;ndigen Selbstzur&uuml;ckweisung und Selbstbestrafung erblickt er einen wesentlichen karzinogenen Faktor. St&auml;ndig hallen die Entwertungen und Verurteilungen der Eltern in den seelischen Innenr&auml;umen der Patienten nach, die sie h&auml;ufig nicht nur akzeptiert, sondern sogar gutgehei&szlig;en haben. Gehorsam und loyal halten sie ihren Peinigern die Treue und geben sich selbst die Schuld. <\/p><p>Le Sahn schildert in seinem Buch <em>Psychotherapie gegen den Krebs<\/em> (Stuttgart 1982) eine Sequenz aus der Therapie mit Arlene.<\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Ich bat sie, sich an einer Vorfall in ihrer Kindheit zu erinnern, bei dem sie ihrer Meinung nach h&ouml;chst ungerecht behandelt worden und sehr gekr&auml;nkt gewesen war. Sie erinnerte sich an ein solches Geschehen und konnte es sich in allen Einzelheiten ins Ged&auml;chtnis zur&uuml;ckrufen. Am Ende hatte sie allein in ihrem immer gelegen und geweint. Arlene konnte diese Szene ganz deutlich vor sich sehen und wusste sogar noch, welches Kleid sie an jenem Tag angehabt hatte. Nun bat ich sie, sich vorzustellen, dass wir hier im Sprechzimmer eine Zeitmaschine h&auml;tten. Sie sollte sich hineinbegeben und &ndash; die erwachsene Frau, die sie heute war &ndash; in jenes Zimmer und in jenen Augenblick ihrer Kindheit zur&uuml;ckreisen. <\/p>\n<p>Le Shan: Jetzt betreten Sie &ndash; so wie Sie heute sind &ndash; das Zimmer, in dem die kleine Arlene weinend auf ihrem Bett liegt. Sie gehen hinein, und das Kind sieht zu Ihnen auf. Was tun Sie?<\/p>\n<p>Arlene: Ich w&uuml;rde ihr eins draufgeben!!&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>Das Erschrecken Arlenes &uuml;ber diese spontane Reaktion bildete den ersten Schritt in Richtung einer neuen Einstellung zu den zur&uuml;ckgewiesenen Teilen ihres Selbst.<br>\nSozialpsychologisch gewendet bedeutet die Le Shan&lsquo;sche Methode der <em>Zeitmaschine<\/em>: Der Weg zur Solidarit&auml;t mit anderen f&uuml;hrt &uuml;ber die Wiederentdeckung der Leiden des Kindes, das wir einmal waren und das wir auf dem Weg zum Erwachsenwerden zum Verschwinden und Verstummen bringen mussten. Die Dressur zum Gehorsam in der fr&uuml;hen Kindheit und die ein Leben lang wirksame Identifikation mit dem Aggressor verhindern die Entwicklung der F&auml;higkeit zu Erbarmen und Mitgef&uuml;hl &ndash; mit uns und anderen.<\/p><p><strong>Der Neoliberalismus f&ouml;rdert die zwischenmenschliche Verfeindung<\/strong><\/p><blockquote><p>\n&bdquo;Zwei Jungen begegnen irgendwo in den amerikanischen W&auml;ldern einem aggressiven Grizzlyb&auml;ren. W&auml;hrend der eine in Panik ger&auml;t, setzt sich der andere seelenruhig hin und zieht sich seine Turnschuhe an. Da sagt der in Panik Geratene: &sbquo;Bist du verr&uuml;ckt? Niemals werden wir schneller laufen k&ouml;nnen als der Grizzlyb&auml;r.&lsquo; Und sein Freund entgegnet ihm: &sbquo;Du hast Recht. Aber ich muss nur schneller laufen k&ouml;nnen als du.&lsquo;&ldquo;\n<\/p><\/blockquote><p>(Robert Stern)<\/p><p>Es gibt gesellschaftliche Gro&szlig;wetterlagen, die im Sinne eines &ouml;ffentlichen Klimas Haltungen wie die eben beschriebene treibhausm&auml;&szlig;ig f&ouml;rdern. Es macht einen nicht zu untersch&auml;tzenden Unterschied, ob man in einer Gesellschaft aufw&auml;chst und lebt, in der Schwachen und weniger Leistungsf&auml;higen solidarisch beigesprungen und unter die Arme gegriffen wird, oder in einer, in der sie der Verelendung preisgegeben und als sogenannte <em>Loser<\/em> zu Objekten von Hohn und Spott werden. Unter g&uuml;nstigen lebensgeschichtlichen Bedingungen erworbene F&auml;higkeiten wie die, sich in andere einf&uuml;hlen zu k&ouml;nnen und sich von ihrem Leid ber&uuml;hren zu lassen, bed&uuml;rfen dauerhafter &auml;u&szlig;erer St&uuml;tzung, sonst bilden sie sich zur&uuml;ck und zerfallen schlie&szlig;lich. Die Eigenschaften und Haltungen, die einen in der Konkurrenz weiterbringen: kalte Schonungs- und Skrupellosigkeit, Anpassungsbereitschaft, Wendigkeit, eine gewisse Gewieftheit etc. &uuml;berwuchern diejenigen, die dem im Wege stehen und die man bislang als die eigentlich menschlichen angesehen hat. Der Andere, der Mitmensch, wird unter solchen Bedingungen zum feindlichen Konkurrenten, zum &Uuml;berz&auml;hligen, schlie&szlig;lich zum Gegen- oder Nicht-Menschen, dem jede Einf&uuml;hlung verweigert und Unterst&uuml;tzung aufgek&uuml;ndigt wird. Man gew&ouml;hnt sich daran, dass das Gl&uuml;ck der einen mit dem Leid der anderen zusammen existiert: Gl&uuml;ck ist, wenn der Pfeil den Nebenmann trifft. Jede Gesellschaft produziert ihr gem&auml;&szlig;e Charaktere, lebt von ihnen und reproduziert sich durch sie. Erich Fromm hat f&uuml;r die gemeinsame Charakter-Matrix einer Gruppe den Begriff &bdquo;Gesellschafts-Charakter&ldquo; gepr&auml;gt. Dabei geht er davon aus, dass der grundlegende Faktor bei der Bildung des &bdquo;Gesellschafts-Charakters&ldquo; die Lebenspraxis ist, wie sie durch die Produktionsweise und die sich daraus ergebende gesellschaftliche Schichtung zustande kommt. &bdquo;Der Gesellschafts-Charakter ist jene besondere Struktur der <em>psychischen Energie<\/em>, die durch die jeweilige Gesellschaft so geformt wird, dass sie deren reibungslosem Funktionieren dient.&ldquo; Der seit den 1980er Jahren hegemonial gewordene Neoliberalismus hat den Sozialstaat gepl&uuml;ndert und planiert. Er hat einen sozialen und moralischen Darwinismus etabliert, der den Kampf eines jeden gegen jeden ins Recht setzt, den Werten eines absolut asozialen Individualismus zum Durchbruch verholfen hat und das Gros der Bev&ouml;lkerung dazu verurteilt, in einem Universum permanenter Verteidigung und Aggression zu leben. Wer Mitgef&uuml;hl zeigt, droht aus dem Markt geworfen zu werden und einen sozialen Tod zu sterben. Insofern d&uuml;rfen wir uns nicht wundern, dass die vom Sozialstaat propagierte Kultur des menschlichen Entgegenkommens und der Solidarit&auml;t von einer Kultur der wechselseitigen Verfeindung und des Hasses abgel&ouml;st wird. Empathie und Mitgef&uuml;hl befinden sich in den Gesellschaften des losgelassenen Marktes  im freien Fall, weil sie von au&szlig;en keine St&uuml;tzung mehr erfahren, sondern mehr und mehr als St&ouml;rfaktoren und Hindernisse im individuellen Fortkommen betrachtet werden.<\/p><p>Eine solidarische, egalit&auml;re Gesellschaft &ndash; mit Freundlichkeit als vorherrschendem Kommunikationsstil &ndash; w&uuml;rde den Menschen nicht mehr so viel Bosheit einpressen, sondern Raum und Zeit f&uuml;r eigene Entwicklungen einr&auml;umen. Ihr Hauptaugenmerk g&auml;lte der Schaffung neuer verl&auml;sslicher R&auml;ume, in denen es Kindern m&ouml;glich w&auml;re, unter Bedingungen raum-zeitlicher Konstanz und leiblicher Anwesenheit ihrer Bezugspersonen ihre psychische Geburt zu vollenden und sich zu Menschen in einer menschlichen Gesellschaft zu entwickeln. Eine Gesellschaft, die ihre soziale Integration und den zwischenmenschlichen Verkehr auf Formen solidarischer Kooperation gr&uuml;ndet, statt auf der letztlich a-sozialen Vergesellschaftung durch Markt und Geld, wird auch andere psychische Strukturen und andere Formen der Vermittlung von Psychischem und Gesellschaftlichem hervorbringen, f&uuml;r die uns Heutigen die richtigen Begriffe fehlen. Allenfalls wird man sagen k&ouml;nnen, dass der individuelle Selbstwert einen ausgepr&auml;gten Bezug zur Gemeinschaft aufweisen w&uuml;rde, in der der Einzelne in echter Solidarit&auml;t aufgehoben w&auml;re. Unter solch utopischen Bedingungen aufgewachsenen Menschen w&uuml;rde weniger Bosheit eingepresst, so dass sie nicht mehr gen&ouml;tigt w&auml;ren, diese im sozialen Vorurteil gegen Minderheiten zu richten. Sie k&ouml;nnten sich diesen einf&uuml;hlsam und solidarisch zuwenden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als Nachtrag zu meinem Text &ldquo;<strong><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26801\">Von Grillen und Ameisen<\/a><\/strong>&rdquo; gehe ich der Frage nach, wie man es sich erkl&auml;ren kann, dass Massen von Menschen politischen Kr&auml;ften folgen, die ihnen Schaden zuf&uuml;gen. 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