{"id":26932,"date":"2015-07-27T10:10:20","date_gmt":"2015-07-27T08:10:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26932"},"modified":"2015-07-27T16:58:45","modified_gmt":"2015-07-27T14:58:45","slug":"fuer-oder-gegen-tsipras-eine-polemik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26932","title":{"rendered":"F\u00fcr oder gegen Tsipras \u2013 eine Polemik"},"content":{"rendered":"<p>Der griechische Ministerpr&auml;sident hat alles falsch gemacht. Ein Verr&auml;ter! Er hat alles richtig gemacht, meinen andere. Und dann auch noch diese Kommunisten und Marxisten! Die Polemik gegen sie gr&uuml;ndet auf der Gef&uuml;hlswelt der F&uuml;nfzigerjahre. &ndash; Im Netz und sonst wo tobt die Debatte. Und zwar ganz sch&ouml;n nach dem Schema links\/rechts. Und ganz Schlaue wie der Nobelpreistr&auml;ger Krugmann beklagen sich, <a href=\"http:\/\/www.n-tv.de\/wirtschaft\/Krugman-von-Tsipras-enttaeuscht-article15551661.html\">Tsipras h&auml;tte nicht gesagt<\/a>, dass er keinen Plan B hat. H&auml;tte Herr Krugman ihn ja fragen k&ouml;nnen, er hat ihn ja pers&ouml;nlich getroffen. &ndash; Plan B, ein omin&ouml;ses Wort, aber in aller Munde. W&auml;re ja ganz gut gewesen, so etwas zu haben. Aber so einfach, wie sich das manche Kritiker vorstellen, ist es nicht. &ndash; Mir scheint, es gibt einen gravierenden Fehler des Chefs von Syriza und der griechischen Regierung: Er hat den Zynismus und die Menschenverachtung der auf europ&auml;ischer &ndash; ma&szlig;geblich deutscher &ndash; Seite handelnden Personen weit untersch&auml;tzt. Und er hat vor allem nicht wahrgenommen, dass Personen wie Merkel, Sch&auml;uble und die Verantwortlichen bei der EU das totale Scheitern Griechenlands brauchen, um sich und ihre L&auml;nder vor dem Hintergrund der d&uuml;steren griechischen Wirklichkeit umso glanzvoller darzustellen und damit vergessen zu machen, wie laienhaft und fehlerhaft ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik ist. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<\/p><p><em>Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verf&uuml;gbar.<\/em><br>\n<!--more--><br>\n<\/p><div class=\"powerpress_player\" id=\"powerpress_player_242\"><!--[if lt IE 9]><script>document.createElement('audio');<\/script><![endif]-->\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-26932-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150727_Fuer_oder_gegen_Tsipras_NDS.mp3?_=1\"><\/source><a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150727_Fuer_oder_gegen_Tsipras_NDS.mp3\">http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150727_Fuer_oder_gegen_Tsipras_NDS.mp3<\/a><\/audio><\/div><p class=\"powerpress_links powerpress_links_mp3\">Podcast: <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150727_Fuer_oder_gegen_Tsipras_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_pinw\" target=\"_blank\" title=\"Play in new window\" onclick=\"return powerpress_pinw('https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?powerpress_pinw=26932-podcast');\" rel=\"nofollow\">Play in new window<\/a> | <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/podcast\/150727_Fuer_oder_gegen_Tsipras_NDS.mp3\" class=\"powerpress_link_d\" title=\"Download\" rel=\"nofollow\" download=\"150727_Fuer_oder_gegen_Tsipras_NDS.mp3\">Download<\/a><\/p><p><strong>M&ouml;glicherweise hat der griechische Sozialist die F&auml;higkeit eines deutschen Christdemokraten zum Mitleid &uuml;bersch&auml;tzt.<\/strong><\/p><p>Er konnte m&ouml;glicherweise nicht wissen, dass im Milieu des b&uuml;rgerlichen Protestantismus des Herrn Sch&auml;uble nicht Mitleid, sondern H&auml;rte und Wehtun als Tugenden betrachtet werden. Diese H&auml;rte ist die Schwester der frommen Spr&uuml;che. (Siehe dazu am Ende dieses Textes den Nachtrag zu einer geplanten Predigt des deutschen Finanzministers) <\/p><p><strong>Die Br&uuml;sseler und die Berliner Versager brauchen das Elend im S&uuml;den, um zu gl&auml;nzen<\/strong><\/p><p>Tsipras und seine Leute haben untersch&auml;tzt, wie sehr Griechenland daf&uuml;r herhalten muss, die wirtschafts- und finanzpolitische Linie der Sch&auml;ubles zu best&auml;tigen. Die EU hat es vers&auml;umt, gegen die Auseinanderentwicklung der Wettbewerbsf&auml;higkeiten der europ&auml;ischen L&auml;nder und insbesondere der L&auml;nder in der Euro-Gruppe an zu arbeiten; unter F&uuml;hrung der deutschen Bundesregierung wurde eine Austerit&auml;tspolitik durchgesetzt, die keinen Erfolg haben konnte und hatte. Das alleine sind schon zwei gravierende Fehler. Indem es aber dem widerspenstigen Griechenland ganz elend geht, erscheinen seine Widersacher als die gro&szlig;en K&ouml;nner. Die Fehler bei der Anlage der Eurozone und die laufenden Fehler der ma&szlig;geblich von Deutschland bestimmten Politik sind weggewischt, denn verglichen mit Griechenland stehen die anderen gut da. Aber eben nur verglichen mit Griechenland und mit Spanien und Italien und Portugal. Griechenland musste und muss ganz tief sinken, damit nach den Fehlern der anderen keiner mehr fragt. Auch nicht nach der Verantwortung f&uuml;r das ganze Elend.<\/p><p>Es k&ouml;nnte sein, dass Tsipras die Konsequenz der implementierten Verelendungspolitik untersch&auml;tzt, dass er mit seinem Einlenken, was manche eine 180&deg; Wendung nennen, zwar einen Schrecken in Kauf nimmt, aber auf das Ende des Schreckens hofft. Das k&ouml;nnte eine tr&uuml;gerische Hoffnung sein. Es k&ouml;nnte sein, dass die entscheidenden Leute in Berlin, in Helsinki und in Den Haag ein Exempel statuieren wollen und deshalb die Griechinnen und Griechen noch tiefer tauchen wollen. Diese Vermutung w&auml;re auch dann noch von Bedeutung, wenn Griechenland aus der Eurozone ausgeschieden w&auml;re. Auch dann k&ouml;nnen Griechenlands Peiniger noch nachtreten. Und auch diese Vermutung muss man als Verantwortlicher in Griechenland in die Entscheidungsfindung einbeziehen. Es ist alles komplizierter, als die laufende Polemik erkennen l&auml;sst.<\/p><p><strong>Tsipras hat m&ouml;glicherweise die Gef&uuml;gigkeit der europ&auml;ischen Medien untersch&auml;tzt.<\/strong><\/p><p>Aber was h&auml;tte er denn tun sollen? Er kann sich keine demokratischen, kritischen Medien backen. Schon gar nicht in Europa, nicht einmal im eigenen Land. So muss er und sein Volk hinnehmen, dass den unpassenden und grotesken Forderungen und sogenannten Reformen applaudiert wird: zum Beispiel zur Mehrwertsteuererh&ouml;hung und zur Rentenk&uuml;rzung mitten in der Rezession, und zur Privatisierung des Volksverm&ouml;gens, was man angesichts der schlechten Konjunktur nur als Verscherbeln betrachten kann: als Raub. Darauf spekulieren im &Uuml;brigen die Betreiber der sogenannten Reformen. Siehe das Interesse von Fraport Frankfurt an den griechischen Flugh&auml;fen.<\/p><p><strong>Tsipras kann auch nicht verhindern, dass Sch&auml;uble und Co. mit ihrer Grexit-Debatte die Spekulation gegen Griechenland anheizen und so die Lage noch weiter verschlimmern.<\/strong><\/p><p>Was h&auml;tten sie dagegen tun sollen? Was kann man tun gegen den zynischen Einsatz von Spekulation gegen ein anderes Volk und gegen dessen Politiker, also gegen die eigenen Kollegen? Nichts. Gar nichts. Wer machtlos ist, erscheint als Versager, vor allem dann, wenn die anderen alles besser wissen.<\/p><p><strong>Gut, man k&ouml;nnte sagen, Tsipras h&auml;tte das alles wissen m&uuml;ssen und den Versuch machen m&uuml;ssen, alle diese Gemeinheiten durch Vorhersagen zu entsch&auml;rfen.<\/strong><\/p><p>Aber auch das zu realisieren ist sehr schwierig und deshalb ist die Empfehlung vermutlich zu billig.<\/p><p>Die in Griechenland Verantwortlichen hatten und haben nur die Wahl zwischen schlechten und noch schlechteren Alternativen, und sie haben das Problem, angesichts der Komplexit&auml;t der Probleme nicht vorhersagen zu k&ouml;nnen, welches die schlechten und welches die noch schlechteren Alternativen sind. Schon deshalb ist die Polemik von links gegen weiter links und umgekehrt unangebracht.<\/p><p><strong>Ein Nachtrag aus aktuellem Anlass:<\/strong><\/p><p>Am 6. September 2015 kommt Wolfgang Sch&auml;uble ins Nordelsass zum Jahresfest der evangelischen Kirchen in Elsass\/Lothringen. Er wird dort um 10:00 Uhr predigen. Siehe <a href=\"http:\/\/www.wolfgang-schaeuble.de\/termine\/\">hier<\/a> und hier die &Uuml;bersicht:<\/p><p><strong>Jahresfest des Hauses des evangelischen Kirchen in Elsass\/Lothringen<\/strong><\/p><p>Predigt und Nachgespr&auml;ch<\/p><p>Datum: 06. September 2015<br>\nZeit: 10:00<br>\nOrt: Chateau Liebfrauenberg\/Elsass<\/p><p><strong>Sch&auml;uble straft Griechen mit Eisesk&auml;lte und geht dann predigen. Und die evangelischen Kirchen von Elsass und Lothringen spielen den Tetzel und bieten preiswerten Ablass.<\/strong><\/p><p>Wenn die Nachbarn des <a href=\"http:\/\/www.chateau-du-liebfrauenberg.de\/\">Chateau Liebfrauenberg<\/a> unter unseren Leserinnen und Lesern, also Menschen aus dem Elsass, aus Lothringen, aus Baden, der Pfalz und dem Saarland Zeit und Lust haben, sich dieses verlogene Spektakel anzusehen und anzuh&ouml;ren, dann machen Sie einen Spaziergang\/-fahrt zum Chateau Liebfrauenberg. Von Karlsruhe sind es 63 km, von Saarbr&uuml;cken 87 km, von Stra&szlig;burg 54 und von Wissembourg 28 km.<\/p><p>Die NachDenkSeiten werden vorher einen Offenen Brief an die Veranstalter ver&ouml;ffentlichen. Es w&auml;re sch&ouml;n, er f&auml;nde Ihr Interesse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der griechische Ministerpr&auml;sident hat alles falsch gemacht. Ein Verr&auml;ter! Er hat alles richtig gemacht, meinen andere. Und dann auch noch diese Kommunisten und Marxisten! Die Polemik gegen sie gr&uuml;ndet auf der Gef&uuml;hlswelt der F&uuml;nfzigerjahre. &ndash; Im Netz und sonst wo tobt die Debatte. Und zwar ganz sch&ouml;n nach dem Schema links\/rechts. Und ganz Schlaue wie<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26932\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[107,22,11],"tags":[423,1045,1555,312,440,1230],"class_list":["post-26932","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-audio-podcast","category-europaische-union","category-strategien-der-meinungsmache","tag-austeritaetspolitik","tag-grexit","tag-griechenland","tag-reformpolitik","tag-schaeuble-wolfgang","tag-tsipras-alexis"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26932","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26932"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26932\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":26949,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26932\/revisions\/26949"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26932"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26932"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26932"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}