{"id":26946,"date":"2015-07-27T16:54:30","date_gmt":"2015-07-27T14:54:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26946"},"modified":"2019-07-05T10:19:14","modified_gmt":"2019-07-05T08:19:14","slug":"spekulationen-um-einen-linken-plan-b-fuer-einen-grexit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26946","title":{"rendered":"Spekulationen um einen linken \u201ePlan B\u201c f\u00fcr einen Grexit"},"content":{"rendered":"<p>In der Bild-Zeitung von heute ist ein rei&szlig;erischer Bericht zu lesen, der vieles durcheinander bringt. Unter dem Titel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/ausland\/alexis-tsipras\/entging-knapp-einem-waehrungsputsch-41956194.bild.html\">Was wusste Tsipras vom Drachmen-Putsch seiner Minister?<\/a>&ldquo; wird ein Vorgang, der Mitte Juli die griechische &Ouml;ffentlichkeit besch&auml;ftigt hat, mit der neuesten Selbst-Enth&uuml;llung von Ex-Finanzminister Varoufakis vermengt. Der hat in London selbst erz&auml;hlt, dass er Ende letzten Jahres, also vor dem Syriza-Wahlsieg vom 25 Januar, Gedankenspiele &uuml;ber die Einf&uuml;hrung und Handhabung <a href=\"http:\/\/www.telegraph.co.uk\/finance\/economics\/11764018\/Varoufakis-reveals-cloak-and-dagger-Plan-B-for-Greece-awaits-treason-charges.html\">einer &bdquo;Parallelw&auml;hrung&ldquo; angestellt habe<\/a>. Dabei ist schon erstaunlich, dass Varoufakis einen Freund als &bdquo;Hacker&ldquo; einsetzen wollte, um die Daten des griechischen Steuersystems abzugreifen; aber der Plan wurde schnell begraben, weil er sich als undurchf&uuml;hrbar erwies. Genauso impraktikabel w&auml;re der Plan gewesen, den Ex-Energieminister Lafazanis vor einem gr&ouml;&szlig;eren Kreis seiner linken Anh&auml;nger zumindest er&ouml;rtert hat. Da der Grexit auch hierzulande zuweilen als ernsthafte, und realistische &bdquo;Alternative&ldquo;, als der linke &bdquo;Plan B&ldquo; dargestellt  wird, m&ouml;chte ich den Vorgang auf Grund meiner angestellten Recherchen in seinen politischen, &ouml;konomischen, aber auch ethischen Facetten darzustellen versuchen. Und damit zugleich einen Beitrag zur Debatte um die Frage der &bdquo;Alternativlosigkeit&ldquo; leisten, die gerade am Thema Griechenland (Tsipras als &bdquo;Verr&auml;ter&ldquo; oder &bdquo;tragischer Held&ldquo;?) aufgelebt ist. Von <strong>Niels Kadritzke<\/strong>[<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26946#foot_1\" name=\"note_1\">*<\/a>].<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Wo ist eine Alternative zu erkennen?<\/strong><\/p><p>Welchen Sinn hat der Vorwurf, dass man die Ideologie der &bdquo;Alternativlosigkeit&ldquo; verbreite, wenn man eine Situation darstellt, in der eine glaubw&uuml;rdige Alternative &ndash; jedenfalls im Rahmen der realen Situation und der dominanten Parameter  &ndash; weit und breit nicht zu sehen ist? Es ist nat&uuml;rlich die einfachste L&ouml;sung, den &Uuml;berbringer einer solchen schlechten Nachricht als ideologischen Feind &ndash; oder &Uuml;berl&auml;ufer &ndash; zu beschimpfen, statt sich auf die kritisierte Darstellung einzulassen und an der Realit&auml;t zu korrigieren. Auf diese Weise wird die Kritik an dem angeblichen ideologischen &bdquo;&Uuml;berl&auml;ufer&ldquo; selbst zur Ideologie, jedenfalls dann, wenn sie selbst keine auf die realen M&ouml;glichkeiten gest&uuml;tzte Alternative vorweisen kann.<\/p><p>K&uuml;rzer formuliert: Dass der &bdquo;Klassenfeind&ldquo; behauptet, es gebe keine (bessere) Alternative, hei&szlig;t noch lange nicht, dass es eine gibt. Den Beweis der Existenz einer Alternative muss man schon selbst beibringen &ndash; oder zumindest ein paar einleuchtende Indizien daf&uuml;r, dass ein anderes Konzept besser oder auch nur ertr&auml;glicher ist. <\/p><p><strong>Das Grexit-Konzept und die Stimmung in der Bev&ouml;lkerung<\/strong><\/p><p>Das einzige Konzept, von dem einige behaupten, es sei die bessere Alternative, das ist das Grexit-Konzept, das leider nur den Nachteil hat, dass es von drei Viertel der griechischen Bev&ouml;lkerung abgelehnt wird, weil sie den Grexit-Vorbereitern nicht trauen und im &Uuml;brigen bef&uuml;rchten, dass ihnen die &bdquo;H&ouml;lle nach dem Purgatorium&ldquo; nicht ertr&auml;glicher vorkommen wird. Solche Befindlichkeiten der griechischen Bev&ouml;lkerung kann man nat&uuml;rlich einfach ausblenden oder leugnen. Es hilft nichts, wenn man diese Umfragen, weil sie einem nicht ins Bild passen als F&auml;lschungen der Demoskopen abtut: &bdquo;Diese vielfach zitierte Umfrage&ldquo; (in Wirklichkeit sind es &uuml;ber die Jahre mehr als ein Dutzend) ist &bdquo;reine Propaganda&ldquo;, also manipuliert, <a href=\"http:\/\/le-bohemien.net\/2015\/07\/23\/prinz-chaos-griechenland-tsipras-eu\/2\/\">wei&szlig; etwa Prinz Chaos II.<\/a> und beschwert sich, dass diese auch noch in deutschen Medien verbreitet werden. Was hiermit erneut geschieht, pr&auml;zisiert durch den Hinweis, dass die j&uuml;ngste Umfrage, erschienen am 25. Juli in der linken Tageszeitung Efimerida ton Syntakton, eine sehr interessante Ver&auml;nderung aufzeigt:  Demnach sind nicht nur 78 Prozent der Befragten f&uuml;r den Euro, sondern inzwischen auch 70 Prozent der Syriza-W&auml;hler, der h&ouml;chste je ermittelte Wert. <\/p><p><strong>Wie sah die konkrete Strategie der Drachmen-Fraktion aus?<\/strong><\/p><p>F&uuml;r die griechische Wirklichkeit sind solche Zweifel an der Stimmung im Lande unerheblich. Deshalb m&ouml;chte ich mich &nbsp;einem ernsthaften Thema zuwenden, n&auml;mlich der sehr konkreten Strategie, die die Drachmen-Fraktion ausgearbeitet hat und vor kurzem sogar in die Realit&auml;t umsetzen wollte. Ich wollte &uuml;ber diese Episode, die uns die realen Probleme der Grexit-Perspektive vor Augen f&uuml;hrt, schon letzte Woche berichten, inzwischen hat die Financial Times vom Samstag das Thema in die Schlagzeilen gebracht, und <a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/ausland\/griechenland-krise\/riesen-zoff-in-athen-um-geheimen-grexit-plan-41959326.bild.html\">die Bild-Zeitung hat heute auf ihre Art nachgezogen<\/a>. Ich will aber meine Darstellung mit dem seri&ouml;seren Text der FT beginnen. <\/p><p>Nach dem Bericht (<a href=\"http:\/\/www.ft.com\/intl\/cms\/s\/0\/2a0a1d94-3201-11e5-8873-775ba7c2ea3d.html#axzz3h5wFHi7b\">der versierten Athen-Korrespondentin Karen Hope und ihrem Kollegen Tony Barber<\/a>) hat am 14. Juli im Hotel Oscar (in der N&auml;he des Larissa-Bahnhofs) eine Art Krisenkonferenz der Linken Plattform (AM), also der organisierten Syriza-Linken stattgefunden. Das Faktum steht fest, und alle Athener Medien haben dar&uuml;ber breit berichtet. Weniger klar ist, was dort genau besprochen wurde. Der FT-Artikel behauptet unter anderem:<\/p><ul>\n<li>Der Chef der Plattform, Energieminister Panyiotis Lafazanis (der drei Tage sp&auml;ter aus dem Tsipras-Kabinett entlassen wurde) schlug vor, &bdquo;die Syriza-Regierung soll die Kontrolle &uuml;ber die staatliche M&uuml;nzanstalt &uuml;bernehmen, wo die Hauptvorr&auml;te der Bargeldreserven des Landes liegen&ldquo;;<\/li>\n<li>Lafazanis habe gesagt, die dort liegenden 22 Mrd. Euro reichten aus  &ldquo;um Pensionen und Geh&auml;lter f&uuml;r den &ouml;ffentlichen Sektor zu bezahlen und Griechenland mit Nahrungsmitteln und Treibstoff zu versorgen, w&auml;hrend man die Einf&uuml;hrung einer neuen Drachme vorbereitet&rdquo;;<\/li>\n<li>Nach Lafazanis sollte die (unabh&auml;ngige) griechische Zentralbank (Trapeza tis Ellados oder TtE) &bdquo;auf der Stelle ihre Unabh&auml;ngigkeit verlieren und unter Kontrolle der Regierung gestellt; ihr Pr&auml;sident Yannis Stournaras w&uuml;rde verhaftet werden, falls er sich, wie zu erwarten, gegen diese Ma&szlig;nahmen stellen w&uuml;rde&ldquo;. <\/li>\n<\/ul><p>Die politische Intention des Ganzen hat Lafazanis nach diesem FT-Bericht wie folgt begr&uuml;ndet: &bdquo;Unser Plan ist auf die Schaffung einer nationalen W&auml;hrung gerichtet. Das ist etwas, was wir bereits h&auml;tten tun sollen. Aber jetzt k&ouml;nnen wir es tun&ldquo;. Bei diesem Zitat beruft sich die FT auf Leute, die bei der Versammlung anwesend waren. Die sollen auch berichtet haben, dass in dem Saal ein &bdquo;echt revolution&auml;rer Geist&ldquo; herrschte.<\/p><p>Solche Details, die sich auf H&ouml;rensagen st&uuml;tzen, machen misstrauisch. Und ganz offensichtlich haben die FT-Autoren griechische Zeitungsberichte ausgewertet, die auch nur &uuml;ber indirekte Informationen verf&uuml;gten. Andererseits steht au&szlig;er Zweifel, dass bei einer Versammlung von 400 bis 500 Personen (diese Zahl taucht in allen Berichten auf) ziemlich viele Informationen nach au&szlig;en dringen. Ob die richtig, &uuml;bertrieben oder erfunden sind, steht auf einem anderen Blatt. Aber die entscheidende Frage ist, ob die Informationen &uuml;ber das Treffen der AP-Fraktion im Kern zutreffend sind oder nicht.<\/p><p>Ich habe die Berichte in der griechischen Presse zun&auml;chst f&uuml;r &uuml;bertrieben, aber auch f&uuml;r nicht sehr relevant gehalten. Nachdem aber Lazafanis und andere der AP angeh&ouml;renden Minister von Tsipras entlassen wurde, habe ich mich bem&uuml;ht, den Gehalt der Informationen abzuchecken. Bei meinen Recherchen (in Syriza- wie in journalistischen Kreisen) haben alle meine (gut informierten und glaubw&uuml;rdigen) Gespr&auml;chspartner best&auml;tigt, dass auf besagter Versammlung ein solcher Plan besprochen wurde. Ich bin inzwischen &uuml;berzeugt, dass die ersten Berichte in der griechischen Presse (15. Und 16. Juli in Kathimerini, To Vima und Efimerida ton Syntakton) im Kern zutreffend sind. <\/p><p>Nat&uuml;rlich gibt es &Uuml;bertreibungen und Spekulationen, die auch die FT teilweise &uuml;bernommen hat. Zum Beispiel klingt es sehr unwahrscheinlich, dass in der Diskussion &uuml;ber die &bdquo;Verhaftung&ldquo; von Stournaras gesprochen wurde. Und mit Sicherheit hat Lafazanis nicht 22 Mrd. Euro in der M&uuml;nzanstalt vermutet, denn er wei&szlig; sehr wohl (wie er inzwischen selbst erkl&auml;rt hat), dass dort nur ein Bruchteil der (vermuteten) Banknoten liegt, w&auml;hrend der Gro&szlig;teil in den Kellern der Zentralbank ruht. Aber es gibt eine wichtige Information, die in der FT nicht vorkommt: Offenbar hat Lafazanis seinen Plan auch auf Regierungsebene (vermutlich in einem kleineren F&uuml;hrungszirkel) vorgetragen und ist damit abgeblitzt. Vor allem hatte er bei Tsipras nie eine Chance.<\/p><p><strong>Was wusste Alexis Tsipras von der Grexit-Strategie und wie stellte er sich dazu?<\/strong><\/p><p>Eine direkte Best&auml;tigung f&uuml;r Diskussionen auf Regierungsebene gibt es nicht. Aber Tsipras hat es indirekt &uuml;berdeutlich erkennen lassen. Am 21. Juli erkl&auml;rte er, dass ein &bdquo;Plan B&ldquo; bei allen Diskussionen in der Regierung niemals Zustimmung gefunden habe, schon gar nicht bei ihm selbst. Dass sich diese &Auml;u&szlig;erung auch auf den Plan von Lafazanis bezieht, machte Tsipras mit dem Satz deutlich: &bdquo;Wenn manche glauben, dass ein alternativer linker Plan der Sch&auml;uble-Plan sein kann, oder die Erbeutung (w&ouml;rtlich: Raub) der Banknotenbest&auml;nde der EZB, oder dass wir den Rentnern IOU-Papiere statt Renten geben, dann sollen sie kommen und das dem griechischen Volk erkl&auml;ren.&ldquo; (zitiert nach Kathimerini vom 22. Juli)<\/p><p>Der Hinweis auf die IOU (I owe you)-Papier bezieht sich auf den &bdquo;Plan B&ldquo;, zu dem sich Ex-Finanzminister Varoufakis bekannt hat (siehe dazu meine Anmerkungen zu dem Varoufakis-Text <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26868#h02\">auf den NDS vom 21. Juli<\/a>). Aber der Hinweis auf die Banknotenbest&auml;nde der Zentralbank verweist auf den Lafazanis-Plan. Ungekl&auml;rt ist die Frage, wie diese beiden Pl&auml;ne zusammenh&auml;ngen; ich gehe davon aus, dass sie nicht identisch sind, obwohl auch in dem Varoufakis-Konzept die Kontrolle der Zentralbank&ldquo; vorgesehen war. Der Ex-Finanzminister sagt allerdings &uuml;ber seinen Plan, dass er in einem inneren Entscheidungszirkel mit vier gegen zwei Stimmen abgelehnt wurde, wobei unschwer zu erraten ist, welche zweite Stimme sich f&uuml;r den Varoufakis Plan ausgesprochen hat.<\/p><p>Eine v&ouml;llig andere Geschichte ist der von Varoufakis selbst ausgeplauderte Gedanke, die Voraussetzungen f&uuml;r eine W&auml;hrungsumstellung &uuml;ber das illegale &bdquo;Hacken&ldquo; von Daten der griechischen Steuerbeh&ouml;rden zu schaffen. Diese Idee hat Varoufakis Ende letzten Jahres entwickelt, aber bald als unrealistisch erkannt, weil der beauftragte Hacker (ein pers&ouml;nlicher Freund) nicht liefern konnte. Mit dem Lafazanis-Plan von Mitte Juli hat dieser Vorgang (so bizarr er auch ist) absolut nichts zu tun.<\/p><p>Entscheidend in der zitierten Tsipras-Erkl&auml;rung ist der Hinweis, dass der Plan B (B wie Beute) von Lafazanis auf die Banknotenbest&auml;nde der EZB zielte. Damit sind wir bei der &bdquo;politischen&ldquo; Analyse der Aktion, die man als die bislang erste &bdquo;praktische Version&ldquo; einer Grexit-Strategie sehen muss. <\/p><p><strong>Welche Konsequenzen h&auml;tte der Grexit-Plan von Lazafanis?<\/strong><\/p><p>Betrachten wir zun&auml;chst die rechtliche Qualit&auml;t der geplanten Aktion. Der skizzierte Plan B sah die &bdquo;Erbeutung&ldquo; von Banknoten vor, die keineswegs dem Staat Griechenland oder seiner Zentralbank geh&ouml;ren. Die TtE verwaltet diese Bargeldreserven nur im Auftrag der EZB. Werden diese von Unbefugten beschlagnahmt, stellt dies jedenfalls eine unberechtigte Aneignung dar. Deren Konsequenzen v&ouml;llig unklar w&auml;ren und zu nicht kalkulierbare Reaktionen sowohl bei der EZB als auch bei den griechischen B&uuml;rgerinnen und B&uuml;rgern gef&uuml;hrt h&auml;tten.<\/p><p>Der entscheidende Effekt der Aktion w&auml;re aber noch ein anderer gewesen: Die Entwendung von EZB-Geldern durch die griechische Regierung h&auml;tte das sofortige Ausscheiden Griechenlands aus dem Euroverbund nach sich gezogen. Die &Uuml;bernahme der Kontrolle &uuml;ber die Zentralbank und die M&uuml;nzanstalt w&auml;re ein schwerer Rechtsversto&szlig; und gleichbedeutend mit dem Grexit gewesen. Sozusagen die Erf&uuml;llung aller Sch&auml;uble-Tr&auml;ume. <\/p><p><strong>Unkontrollierter Zahlungsausfall statt &bdquo;samtener&ldquo; Grexit<\/strong><\/p><p>Die gro&szlig;e Frage lautet: War das die Absicht. Das erkl&auml;rte Kalk&uuml;l der Lafazanis-Gruppe lautete anders, n&auml;mlich eine zeitliche Frist bis zur Einf&uuml;hrung einer neuen W&auml;hrung finanziell zu &uuml;berbr&uuml;cken. Der Grexit, der am Ende des Plans eintreten sollte, w&auml;re jedoch &uuml;ber Nacht vollzogen worden, als unkontrollierter Zahlungsausfall und Staatsbankrott &ndash; statt eines &bdquo;samtenen&ldquo; Grexit, den der Chef&ouml;konom der linken Plattform, Kostas Lapavitsas, verfolgt. Von dessen Rolle &ndash; oder Beteiligung &ndash; an der Diskussion im Oscar-Hotel hat man nichts geh&ouml;rt und man darf gespannt sein, ob und wie er sich zu dem Plan einer Eroberung europ&auml;ischer W&auml;hrungsreserven auf griechischem Boden &auml;u&szlig;ert.<\/p><p>Haben Lafazanis und die linke Plattform diese Konsequenzen bedacht? Die Rechtswidrigkeit des Plans steht au&szlig;er Zweifel. Aber f&uuml;r ein &bdquo;revolution&auml;res&ldquo; Vorgehen spielt das nat&uuml;rlich keine Rolle. In dem Fall h&auml;tte die Rechtwidrigkeit aber zugleich die Zwecklosigkeit des ganzen Plans bedeutet. Mit Falschgeld kann man keine Gesellschaft und keine &Ouml;konomie betreiben. Schon gar nicht bei einem Zusammenbruch der Banken, der die zweite unmittelbare Folge eines rauen und gar nicht &bdquo;samtenen&ldquo; Grexit w&auml;re.   <\/p><p><strong>Weitere Fragen zum Realit&auml;tsgehalt eines Plans B<\/strong><\/p><p>Man k&ouml;nnte noch weitere Fragen an den &bdquo;Realit&auml;tsgehalt&ldquo; des gesamten Plans B der linken Plattform stellen. Zum Beispiel:<\/p><ul>\n<li>Wie lange sollten die 22 Mrd. Euro eigentlich reichen? Ganz sicher nicht die 9 Monate, die Experten als Minimum f&uuml;r die Einf&uuml;hrung einer neuen W&auml;hrung veranschlagen, zumal wenn man einen Gro&szlig;teil davon f&uuml;r unabdingbare Importe verwenden muss.<\/li>\n<li>Wusste man nicht, dass der Wert der gelagerten Banknoten nur 12 Mrd. Euro ist, w&auml;hrend der Rest des &bdquo;Schatzes&ldquo; in Form von Wertpapieren u.a. besteht (wie der f&uuml;r Staatseinnahmen zust&auml;ndige Vizeminister Mardas enth&uuml;llt hat)?<\/li>\n<li>Was wollte man tun, wenn sich Angestellte der Zentralbank und der M&uuml;nzanstalt geweigert h&auml;tten, die Schl&uuml;ssel herauszur&uuml;cken, wie es ihre staatsb&uuml;rgerliche Pflicht gewesen w&auml;re? Welche Ordnungsmacht sollte dann zum Einsatz kommen? Das wurde mit Sicherheit nicht offen diskutiert, aber welcher Revolution&auml;r m&uuml;sste sich diese Frage nicht stellen?<\/li>\n<\/ul><p>Auf solche Fragen sind die Lafazanis-Leute Auskunft schuldig. Bis jetzt haben sie sich zu der ganzen Geschichte h&ouml;chst unklar und eher ausweichend geantwortet. Lafazanis und seine Freunde beschr&auml;nken sich darauf, die Presseberichte als &bdquo;unsinnig&ldquo; und &bdquo;sensationsl&uuml;stern&ldquo; zu denunzieren (was sie z.T. auch sind). <\/p><p>Zum Beispiel mit dem Satz: &bdquo;Ziel (dieser Publikationen) ist nicht die Person von Panayiotis Lafazanis, sondern die konsequenten anti-Memorandums und progressiven Positionen, die er ausdr&uuml;ckt&ldquo; (Zitat in Kathimerinie vom 16. Juli). Aber zum Kern der Berichte nimmt bisher keiner konkret Stellung. <\/p><p>Lafazanis selbst hat folgendes erkl&auml;rt: &bdquo;Alle diese Szenarien, dass wir zum Beispiel die TtE erobern wollten, sind unsinnig. Ich bin kein Terrorist. Aber diese 22  Milliarden gibt es, und zwar verteilt &uuml;ber verschiedenen Punkten des Landes. Als Scheine. Und dieses Geld muss den Leuten gegeben werden.&ldquo; Wie diese Verteilung aussehen sollte, sagt er nicht. Ein klares Dementi, auf die publizierten Zitate bezogen, sieht anders aus. Und Lafazanis bietet auch nicht, so wenig wie andere Genossen von der Linken Plattform, eine Tonaufnahme seiner Rede und der Diskussionen im Oscar-Hotel (diese Aufnahmen gibt es ganz sicher). <\/p><p><strong>Tsipras: &bdquo;Ich sehe keinen einzigen alternativen Vorschlag in Bezug auf das erpresserische Dilemma vom 12. Juli&ldquo;<\/strong><\/p><p>Am besten w&auml;re es, wenn sich andere Beteiligte &auml;u&szlig;ern w&uuml;rden, um dem Spuk von Spekulationen und linkischen Dementis ein Ende zu machen: Wie die Zeitung Vima schon am 16. Juli berichtete, soll die ganze Aff&auml;re auch in einem Gespr&auml;ch zwischen Tsipras, dem Staatspr&auml;sidenten Pavlopoulos und dem Zentralbankpr&auml;sidenten Stournaras er&ouml;rtert worden sein. Das Zitat, das in diesem Zusammenhang von Tsipras verbreitet wird, lautet: &bdquo;Ich habe mich mit Verr&uuml;ckten eingelassen.&ldquo; Sollte der Satz so nicht gefallen sein, so d&uuml;rfte er gut erfunden sein. Ein belegtes Zitat ist dagegen, was der Regierungschef seinen Grexit-Genossen innerhalb der Syriza vorgehalten hat: &bdquo;Ich lese bislang immer nur &hellip; heroische Stellungnahmen, kenne aber keinen einzigen alternativen Vorschlag in Bezug auf das erpresserische Dilemma vom 12. Juli.&ldquo; <\/p><p>Alexis Tsipras w&uuml;rde diesen Appell wahrscheinlich auch an die Adresse aller europ&auml;ischen Genossen richten.<\/p><p>Die Grexit-Anh&auml;nger unter den Kritikern von Tsipras sollten ihm und seiner Regierung &ndash;&nbsp; anhand des Plan B der Syriza-Linken &ndash;&nbsp; einige Fragen beantworten, und zwar regierungstechnischer, politischer und moralischer Art. Vor allem aber m&uuml;ssen sie auf die Demokratie-Frage, auf die sie sich zurecht&nbsp; berufen, eine Antwort geben: Kann man ein Konzept f&uuml;r praktisch umsetzbar halten, das eine gro&szlig;e gesellschaftliche Mehrheit&nbsp; ablehnt? <\/p><p>W&uuml;rde Lafazanis mit einer Linken Plattform eine eigene Partei &nbsp;gr&uuml;nden, was in den n&auml;chsten Monaten wahrscheinlich geschehen wird, d&uuml;rfte sie nicht viel mehr Stimmen erringen als die Syriza vor der Krise. Und da waren es unter f&uuml;nf Prozent.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div class=\"footnote\">\n<p>[<a href=\"#note_1\" name=\"foot_1\">&laquo;*<\/a>] Verantwortlich f&uuml;r die Einstellung dieses Beitrags ist <strong>Wolfgang Lieb<\/strong>. Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, die nicht unbedingt der Meinung beider Herausgeber und der Redaktion entsprechen muss.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Bild-Zeitung von heute ist ein rei&szlig;erischer Bericht zu lesen, der vieles durcheinander bringt. Unter dem Titel &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.bild.de\/politik\/ausland\/alexis-tsipras\/entging-knapp-einem-waehrungsputsch-41956194.bild.html\">Was wusste Tsipras vom Drachmen-Putsch seiner Minister?<\/a>&ldquo; wird ein Vorgang, der Mitte Juli die griechische &Ouml;ffentlichkeit besch&auml;ftigt hat, mit der neuesten Selbst-Enth&uuml;llung von Ex-Finanzminister Varoufakis vermengt. 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