{"id":26958,"date":"2015-07-28T10:16:17","date_gmt":"2015-07-28T08:16:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26958"},"modified":"2024-08-28T19:16:43","modified_gmt":"2024-08-28T17:16:43","slug":"die-investoren-nehmen-das-oeffentliche-schulwesen-ins-visier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26958","title":{"rendered":"\u201eDie Investoren nehmen das \u00f6ffentliche Schulwesen ins Visier\u201c"},"content":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150724_mhl_.jpg\" alt=\"Matthias Holland-Letz\" title=\"Matthias Holland-Letz\"><\/div><p>Wenn nun schon die Hochschulrektorenkonferenz, der wir den neoliberalen Umbau der Hochschulen der letzten Jahre und Jahrzehnte zu verdanken haben, angesichts von TTIP <a href=\"http:\/\/www.hrk.de\/presse\/pressemitteilungen\/pressemitteilung\/meldung\/hochschulrektorenkonferenz-zu-ttip-bildung-ist-keine-ware-3718\/\">warnt<\/a>: &ldquo;Bildung ist keine Ware&ldquo;, wird klar, wie &uuml;bel die Gesellschaftsprognose f&uuml;r die n&auml;chsten Jahre aussehen kann. Bei allem Wirbel um TTIP und Co. darf aber nicht in Vergessenheit geraten, dass die &ouml;ffentliche Bildung schon seit langer Zeit unter Privatisierungsdruck steht &ndash; auch ganz ohne TTIP, was derlei Entwicklung jedoch weiter forcieren wird. <strong>Jens Wernicke<\/strong> sprach hierzu mit <strong>Matthias Holland-Letz<\/strong>, dem Autor der &bdquo;Privatisierungsreporte&ldquo; <a href=\"http:\/\/gew.de\/\">der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft<\/a>.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Herr Holland-Letz, Sie sind der Rechercheur und Texter hinter den <a href=\"http:\/\/www.gew.de\/index.php?eID=dumpFile&amp;t=f&amp;f=24020&amp;token=8fc223a1f5a737257cf72564fbf42066c72563b5&amp;sdownload=\">Privatisierungsreporten der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft [PDF &ndash; 1.7 MB]<\/a>. Der k&uuml;rzlich erschienene <a href=\"http:\/\/www.gew.de\/privatisierung-lobbyismus\/aktuelles\/detailseite\/neuigkeiten\/privatisierungsreport-16-privatschulen-auf-dem-pruefstand\/\">16. Privatisierungsreport<\/a> setzt sich kritisch mit den Privatschulen im Lande auseinander. Warum ist das notwendig und worum geht es im Bericht?<\/strong><\/p><p>Privatschulen gab es zwar schon immer in der Bundesrepublik. Doch ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. 3.500 allgemeinbildende Schulen in privater Tr&auml;gerschaft sind es derzeit, also fast 60 Prozent mehr als noch 1998. <\/p><p>Uns hat interessiert: Sind Privatschulen <em>wirklich<\/em> besser als die &ouml;ffentlichen, wie das ja so gerne und oft behauptet wird? Und was bedeutet es f&uuml;r den Zusammenhalt der Gesellschaft, wenn immer mehr Eltern ihre Kinder auf eine Privatschule schicken? <\/p><p><strong>Und, sind sie besser? Und von welchen Kriterien reden wir hier &uuml;berhaupt?<\/strong><\/p><p>Nein, Privatschulen sind nicht besser. Der Bildungsforscher Professor Manfred Wei&szlig; belegt das anhand einer ganzen Reihe von Studien. Und wir reden hier von Kriterien wie Klassengr&ouml;&szlig;e und davon, wie reformfreudig eine Schule ist. Und selbstverst&auml;ndlich geht es auch um die Leistungen der Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler. Hier finden wir keine nennenswerten Unterschiede zwischen Privatschulen und &ouml;ffentlichen Schulen. Immer vorausgesetzt, man vergleicht sogenannte statistische Zwillinge, also M&auml;dchen und Jungen mit &auml;hnlichem Familienhintergrund und &auml;hnlichen sozio-geistigen Voraussetzungen. Dass Privatschulen bei Leistungsvergleichen oftmals einen besseren Eindruck machen, liegt lediglich daran, dass Kinder aus den sogenannten bildungsfernen Elternh&auml;usern hier weniger stark vertreten sind als an &ouml;ffentlichen Schulen. Da vergleicht man also &Auml;pfel mit Birnen, das ist nicht seri&ouml;s.<\/p><p><strong>Und woran liegt er dann, der, ja, sagen wir es, wie es ist: Privatschool-Boom? Ich meine, wenn doch nichts besser ist&hellip;<\/strong><\/p><p>Das hat viele Gr&uuml;nde. In Ostdeutschland schlie&szlig;en die Beh&ouml;rden staatliche Schulen, weil die Sch&uuml;lerzahlen zu gering sind, als Folge des demographischen Wandels, der wiederum aus einer wenig kinderfreundlichen Sozialpolitik und einer wenig kinderfreundlichen gesellschaftlichen Situation resultiert. Dann tun sich oft Eltern zusammen und gr&uuml;nden eine Privatschule &ndash; damit es am Wohnort weiter ein schulisches Angebot gibt. <\/p><p>Und berufst&auml;tige Eltern sind dringend auf Ganztagsschulen angewiesen, andere legen gro&szlig;en Wert auf bilingualen Unterricht. Beides wird von staatlichen Schulen aber oft nicht angeboten, dazu fehlen die &ouml;ffentlichen Mittel. <\/p><p>Au&szlig;erdem spielen weltanschauliche Gr&uuml;nde eine Rolle. Hinzu kommt die Angst vieler Mittelschichtseltern vor dem sozialen Abstieg. Die schicken ihre Kinder auf eine Privatschule, damit sie dort unter ihresgleichen lernen &ndash; und damit, so die Hoffnung, sie bessere Bildung bekommen und hierdurch f&uuml;r die sp&auml;tere Zukunft besser gewappnet sind. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div style=\"text-align: center\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150724-interview-holland-letz_.jpg\" alt=\"\" title=\"\"><\/div><div style=\"text-align:center;\">\n<p><strong>Rettet die Bildung!: &bdquo;<a href=\"http:\/\/rettet-die-bildung.blogspot.de\/2012\/06\/privatschulen-nicht-automatisch-besser.html\">Privatschulen nicht automatisch besser<\/a>&ldquo;<\/strong><\/p>\n<\/div><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Es geht also um Distinktionsverhalten? Die Eltern &bdquo;kaufen&ldquo; ihren Kindern sozusagen einen Abschluss, der, jenseits von Inhalt und Qualit&auml;t, zumindest bei einigen dieser Kinder dann sp&auml;ter als Teile der Elite pr&auml;destiniert?<\/strong><\/p><p>Das k&ouml;nnte man sagen, ja. Laut einer Studie aus dem Jahr 2014 sagen 41 Prozent der Eltern von Privatschulkindern: Wir betrachten Privatschulen als exklusive Einrichtungen, die die soziale Ungleichheit versch&auml;rfen. Das scheint diese Eltern aber nicht etwa zu st&ouml;ren, wahrscheinlich ist diese Selektion vielen Familien sogar ganz recht. Aber Vorsicht! Es ist ja vor allem das staatliche Schulsystem in seiner jetzigen Form, das f&uuml;r schwerwiegende gesellschaftliche Spaltung sorgt: Hier die Gymnasien, wo vor allem die Kinder des B&uuml;rgertums zu finden sind &ndash; und dort die &uuml;brigen Schulen f&uuml;r alle anderen sozialen Schichten. Der Privatschulboom verst&auml;rkt diese Spaltung noch.<\/p><p><strong>Ist diese zunehmende schulische Ungleichheit, die ja vor allem ein Spiegel der wachsenden gesamtgesellschaftlichen ist, &hellip;ist diese denn &uuml;berhaupt grundgesetzeskonform? Ich denke da etwa an den Gleichheitsgrundsatz, dessen Realisierung ob des Schulgeldes an Privatschulen wohl alles andere als gewahrt sein d&uuml;rfte&hellip;<\/strong><\/p><p>Im Grundgesetz, Artikel 7, steht: Eine Privatschule darf nur genehmigt werden, wenn eine &bdquo;Sonderung&ldquo; der Sch&uuml;ler nach den Besitzverh&auml;ltnissen der Eltern nicht stattfindet. Viele Privatschulen sagen: Kein Problem, bei uns richtet sich die H&ouml;he des Schulgeldes nach dem Familieneinkommen. <\/p><p>Der Rechtsexperte Professor Hermann Avenarius h&auml;lt dem jedoch entgegen: Das Sonderungsverbot wird verletzt, wenn die Privatschule im Durchschnitt mehr als 100 Euro monatlich verlangt. Eine ganze Reihe von privaten Einrichtungen liegt aber deutlich dar&uuml;ber. Trotzdem werden diese Schulen genehmigt. Inwiefern das rechtens ist und &uuml;berhaupt sein kann, w&auml;re zu pr&uuml;fen. Leider ist &bdquo;Recht&ldquo; aber oft auch schlicht das, was sich als ungerechte Praxis durchsetzt und etabliert. <\/p><p><strong>Wie werden denn Privatschulen heute finanziert?<\/strong><\/p><p>Zun&auml;chst zahlt der Staat. Allerdings nicht 100 Prozent der Kosten, sondern zwischen 60 und 87 Prozent. Den Rest m&uuml;ssen die Privatschulen selbst aufbringen. Die Sache ist politisch heikel. Denn die Privatschul-Lobby fordert: Der Staat soll 100 Prozent der Kosten &uuml;bernehmen &ndash; dann m&uuml;ssen wir auch kein Schulgeld verlangen. Viele Privatschul-Eltern und -Lehrkr&auml;fte sehen das genauso. Doch wenn der Staat dies &ndash; bei gleichbleibendem Bildungsetat &ndash; t&auml;te, dann fl&ouml;ssen <em>noch<\/em> mehr &ouml;ffentliche Gelder in den Privatschulsektor und eben weniger in den <em>&ouml;ffentlichen<\/em> Bildungsbereich. Das w&auml;re fatal, viele Schulgeb&auml;ude sind ja jetzt schon marode, Unterricht f&auml;llt aus, weil Lehrkr&auml;fte fehlen, und so weiter und so fort.<\/p><p><strong>Und warum handelt die Politik nicht und schiebt dem Privatschulboom endlich einen Riegel vor?<\/strong><\/p><p>Weil die politisch Verantwortlichen wissen, wie schnell Mittelschichts-Eltern auf die Barrikaden gehen, wenn die von ihnen favorisierten Schulen in Bedr&auml;ngnis geraten. Das zeigt das Beispiel Hamburg, als der schwarz-gr&uuml;ne Senat im Jahr 2008 beschloss, eine Schule f&uuml;r alle bis zur 6. Klasse durchzusetzen. Akademiker-Eltern sahen das Gymnasium bedroht. Sie gingen zu Tausenden auf die Stra&szlig;e, machten politischen Druck &ndash; und der Senat knickte ein. <\/p><p>Das ist das eine. Hinzu kommt: Auch in den Kultusministerien sitzen Neoliberale, die der Ansicht sind: Privatschulen sind flexibler und innovativer als &ouml;ffentliche Schulen. Deshalb brauchen wir sie. Weiteres Argument in diesem politischen Lager: Privatschulen setzen &ouml;ffentliche Schulen &bdquo;unter Wettbewerbsdruck&ldquo;. Und das erh&ouml;ht angeblich dann die Qualit&auml;t. Dem widerspricht Professor Manfred Wei&szlig;. Er betont, dass es keine Belege daf&uuml;r gibt, dass Wettbewerb die Qualit&auml;t der Schulen steigere. Das sagt &uuml;brigens <em>auch<\/em> die OECD.<\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><div style=\"text-align:center;\">\n<p><em>&ldquo;Vor allem finanzstarke und bildungsbewusste Eltern wenden sich vom staatlichen Schulwesen ab. Sie werden best&auml;rkt von einer Privatschullobby, die mit Unterst&uuml;tzung neoliberaler Bildungs&ouml;konomen den Wettbewerb zwischen staatlichen und privaten Schulen als K&ouml;nigsweg zu mehr Qualit&auml;t im Schulwesen propagiert.&rdquo;<\/em><\/p>\n<\/div><div style=\"text-align:center;\">\n<p><strong>DGB: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.dgb.de\/themen\/++co++fffbe6ea-9cc2-11e0-5421-00188b4dc422\">Privatschulboom vergr&ouml;&szlig;ert soziale Spaltung<\/a>&ldquo;<\/strong><\/p>\n<\/div><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Sehen Sie, wenn der Trend sich fortsetzt, eines Tages die Existenz des &ouml;ffentlichen Schulwesens in G&auml;nze bedroht? Ein GEW-Kollege <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=21109\">sprach bei mir im Interview<\/a> hier einmal vom &ouml;ffentlichen Bildungssystem, das &bdquo;in der Privatisierungszange&ldquo; sei. Und zugleich sind ja die <a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11356\">Strategien der direkten und indirekten Privatisierung<\/a> zur Erschlie&szlig;ung des globalen Bildungsmarktes auch dank Ihrer Recherchen l&auml;ngst hinl&auml;nglich belegt. Meine Sie, dass es sehr wohl m&auml;chtige Interessen gibt, die gern <em>alle<\/em> Schulen im Land in privater Hand dem Markt &uuml;berantwortet s&auml;hen?<\/strong><\/p><p>Ja, diese Gefahr sehe ich durchaus. Es ist ja so, dass Investoren weltweit das &ouml;ffentliche Schulwesen ins Visier nehmen. In den USA machen kommerzielle Bildungsdienstleister prima Gesch&auml;fte, in dem sie etwa Management-Dienstleistungen oder Online-Schulunterricht an private Charter Schools verkaufen. Sogar for <em>profi<\/em>t-Charter Schools sind dort m&ouml;glich. Und in Gro&szlig;britannien sitzt der Bildungskonzern Pearson, der sich anschickt, mit Privatschulen Profit zu machen. Zun&auml;chst in L&auml;ndern wie Indien, Ghana oder den Philippinen. Diese Unternehmen w&uuml;rden ihr business nur zu gerne in der EU ausweiten. Und ich vermag nicht zu erkennen, dass Deutschland hier eine Insel der Seligen sein soll. <\/p><p>Teile des &ouml;ffentlichen Schulwesens &uuml;berl&auml;sst der Staat ja bereits heute den Privaten. Private Unternehmen k&uuml;mmern sich um Lehrerfortbildung, sie locken mit kostenlosen Unterrichtsmaterialien, die versteckte Werbebotschaften enthalten, sie verkaufen Nachhilfekurse. Nicht zu vergessen auch die <a href=\"http:\/\/www.gew.de\/index.php?eID=dumpFile&amp;t=f&amp;f=24021&amp;token=148a97cf4191a690ad1f656365418c74741669c0&amp;sdownload=\">privaten, unternehmensnahen Stiftungen [PDF &ndash; 1.1 MB]<\/a>. Sie &uuml;ben gro&szlig;en Einfluss aus, wenn es um den Diskurs geht, wie sich &ouml;ffentliche Schulen weiterentwickeln sollen. <\/p><p>Und hier sind wir dann bei der so genannten inneren Privatisierung, auf die Sie anspielen: Schulen werden Zug um Zug nach dem Vorbild privater Unternehmen umgebaut. Mit einer m&auml;chtigen Schulleitung an der Spitze, mit eigenem Budget, mit vermeintlicher &bdquo;Autonomie&ldquo; und &bdquo;Selbstverantwortung&ldquo;. Ist das nicht wohl schon eine Vorbereitung auf weitere Schritte, hin zur &Uuml;bernahme durch private Tr&auml;ger, wie es etwa die Berliner FDP und der Deutsche Parit&auml;tische Wohlfahrtsverband bereits gefordert haben? <\/p><p><strong>Welche konkreten Akteure tummeln sich denn hier auf dem entsprechenden &bdquo;Markt&ldquo; &ndash; und was wei&szlig; man &uuml;ber sie? Zahlen Sie Tarifl&ouml;hne, halten sich an Lehrpl&auml;ne &ndash; und geht es den Kindern und Jugendlichen in ihren Schulen gut?<\/strong><\/p><p>Wir kennen zwei kommerzielle Unternehmen, die in Deutschland Privatschulen betreiben. Das ist der Stuttgarter Bildungsanbieter Klett und die Berliner Aktiengesellschaft Phorms. Die m&uuml;ssen sich allerdings an die Vorschrift halten, dass zumeist nur gemeinn&uuml;tzige Privatschultr&auml;ger vom Staat gef&ouml;rdert werden. Das verhindert, dass Klett und Phorms auf diesem &bdquo;Markt&ldquo; bisher wirklich bedeutenden Profit einfahren k&ouml;nnen. Sie verdienen aber mit <a href=\"http:\/\/www.gew.de\/index.php?eID=dumpFile&amp;t=f&amp;f=24011&amp;token=69ee175edc9727d78ae93043053cc1d43f4cfa60&amp;sdownload=\">schulnahen Dienstleistungen [PDF &ndash; 545 KB]<\/a>, von der Buchf&uuml;hrung &uuml;ber das Personalmanagement bis hin zur Schulsoftware. Und je mehr Schulen sie betreiben, desto st&auml;rker lohnt sich das. <\/p><p>&Uuml;ber die Arbeitsbedingungen wissen wir nur wenig. Gewerkschafter berichten, dass etliche Privatschulen unter TV-L, also dem Tarifvertrag f&uuml;r den &ouml;ffentlichen Dienst der L&auml;nder, zahlen. Zeitvertr&auml;ge sind weit verbreitet. Oft fehlt es zudem an Mitbestimmung. <\/p><p>Ansonsten m&uuml;ssen sich auch die Privatschulen an die Lehrpl&auml;ne der L&auml;nder halten. Da gelten hierzulande &ndash; noch, m&ouml;chte man fast sagen &ndash; andere Vorschriften als in den USA, wo sich die Charter Schools ihre eigenen Curricula basteln d&uuml;rfen. <\/p><p>Und wie sich die Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler in Privatschulen f&uuml;hlen? Nun, Studien hierzu sind mir nicht bekannt. Die EPFOS-Privatschule in Schweinfurt hatte 2013 ungen&uuml;gend auf das Abitur vorbereitet &ndash; alle Sch&uuml;ler fielen durch die schriftliche Pr&uuml;fung. Wer das durchmachen muss, der f&uuml;hlt sich nicht wohl. Soviel jedenfalls steht fest. <\/p><p><strong>Und was bedeutet das sogenannte Freihandelsabkommen TTIP <a href=\"http:\/\/www.gew.de\/index.php?eID=dumpFile&amp;t=f&amp;f=24221&amp;token=36c846394686be87ea7093dd4268786300371e71&amp;sdownload=\">f&uuml;r das Schulwesen [PDF &ndash; 8.6 MB]<\/a> und bez&uuml;glich dieses &bdquo;Bildungsmarkts&ldquo;? W&uuml;rde TTIP beispielsweise den Privatschulen zus&auml;tzlichen R&uuml;ckenwind verschaffen?<\/strong><\/p><p>Noch besteht in den EU-L&auml;ndern der sogenannte Subventionsvorbehalt. Der bedeutet: Die EU-Mitgliedstaaten haben das Recht, ihr jeweiliges Schulsystem, einschlie&szlig;lich der Privatschulen, zu &bdquo;subventionieren&ldquo;, also sozusagen jenseits der Zw&auml;nge des Marktes zu organisieren. Sie haben gleichzeitig das Recht, diese Subventionen nicht-europ&auml;ischen Bildungsanbietern zu verweigern. Wenn ein US-Konzern also hierzulande eine Privatschulkette startet, muss er auf steuerliche F&ouml;rderung verzichten. Das sch&uuml;tzt die bestehenden Einrichtungen. Sollte TTIP Realit&auml;t werden, dann w&auml;re es wichtig, den Subventionsvorbehalt zu verteidigen. <\/p><p>Anders liegt der Fall, wenn ein US-Anbieter Online-Kurse an deutsche Schulen verkaufen will. Noch m&uuml;ssten die Kultusministerien diese Kurse genehmigen. Durchaus denkbar ist aber, dass TTIP dieses Verfahren als &bdquo;nicht notwendiges Handelshemmnis&ldquo; einstuft. Dann k&ouml;nnten die Ministerien diese Kontrollm&ouml;glichkeit verlieren &ndash; und die Anbieter von kommerziellen Online-Kursen h&auml;tten freie Bahn.<\/p><p><strong>Was w&uuml;rden Sie angesichts dieser unsch&ouml;nen Entwicklungen denn raten zu tun? Gibt es etwas, das sich anbietet; etwas, das jedermann diesen Dingen entgegenzusetzen vermag?<\/strong><\/p><p>Wer sich gegen Privatisierung engagieren will, kann dies in Gewerkschaften, Parteien, B&uuml;rgerinitiativen und auch in der Anti-TTIP-Bewegung tun. Aber das hei&szlig;t, dicke Bretter zu durchbohren. Dazu braucht es einen langen Atem.<\/p><p><strong>Ich bedanke mich f&uuml;r das Gespr&auml;ch.<\/strong><\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Matthias Holland-Letz<\/strong>, geboren 1961, ist Diplom-Volkswirt sozialwissenschaftlicher Richtung und Freier Journalist. Er arbeitet unter anderem f&uuml;r WDR, DLF und SWR. <\/p><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><strong>Weiterlesen:<\/strong><\/p><ul>\n<li>Artikel: <a href=\"http:\/\/www.gew.de\/aktuelles\/detailseite\/neuigkeiten\/stopp-ttip-jetzt-erst-recht\/%20\">&bdquo;Stopp TTiP &ndash; Jetzt erst recht!&ldquo;<\/a><\/li>\n<li>Artikel: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.gew.de\/aktuelles\/detailseite\/neuigkeiten\/ttip-und-ceta-gewerkschaften-zeigen-flagge\/\">TTIP und CETA: Gewerkschaften zeigen Flagge<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Vortrag: Jens Wernicke: &bdquo;<a href=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=11356\">Offene und verdeckte Privatisierung im Bildungswesen<\/a>&ldquo;<\/li>\n<li>Buch: Jens Wernicke: &bdquo;<a href=\"https:\/\/hessenkongress.files.wordpress.com\/2010\/01\/hochschule-im-historischen-prozess.pdf\">Hochschule im historischen Prozess. Zum Verh&auml;ltnis von Universit&auml;tsentwicklung, Klassengesellschaft und Macht [PDF &ndash; 3.9 MB]<\/a>&ldquo;<\/li>\n<\/ul><div class=\"hr_wrap\">\n<hr>\n<\/div><p><em>Weitere Ver&ouml;ffentlichungen von <strong>Jens Wernicke<\/strong> finden Sie auf seiner Homepage <a href=\"http:\/\/www.jenswernicke.de\">jenswernicke.de<\/a>. Dort k&ouml;nnen Sie auch eine <a href=\"http:\/\/feedburner.google.com\/fb\/a\/mailverify?uri=JensWernicke&amp;loc=de_DE\">automatische E-Mail-Benachrichtigung<\/a> &uuml;ber neue Texte bestellen.<\/em><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/vg07.met.vgwort.de\/na\/0e4904ae44ff418c8aadcc6daacff47c\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div style=\"float:right;margin: 0 0 15px 15px\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/upload\/bilder\/150724_mhl_.jpg\" alt=\"Matthias Holland-Letz\" title=\"Matthias Holland-Letz\"\/><\/div>\n<p>Wenn nun schon die Hochschulrektorenkonferenz, der wir den neoliberalen Umbau der Hochschulen der letzten Jahre und Jahrzehnte zu verdanken haben, angesichts von TTIP <a href=\"http:\/\/www.hrk.de\/presse\/pressemitteilungen\/pressemitteilung\/meldung\/hochschulrektorenkonferenz-zu-ttip-bildung-ist-keine-ware-3718\/\">warnt<\/a>: &ldquo;Bildung ist keine Ware&ldquo;, wird klar, wie &uuml;bel die Gesellschaftsprognose f&uuml;r die n&auml;chsten Jahre aussehen kann. Bei allem Wirbel<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=26958\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[151,37,209,143],"tags":[374,895,434,866,561,408,508],"class_list":["post-26958","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bildungspolitik","category-globalisierung","category-interviews","category-privatisierung-oeffentlicher-leistungen","tag-eliten","tag-freihandel","tag-gew","tag-konkurrenzdenken","tag-privatschulen","tag-soziale-herkunft","tag-wirtschaft-in-der-schule"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26958","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=26958"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26958\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":120371,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/26958\/revisions\/120371"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=26958"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=26958"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=26958"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}