{"id":27032,"date":"2015-08-04T09:20:23","date_gmt":"2015-08-04T07:20:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27032"},"modified":"2018-03-14T11:48:58","modified_gmt":"2018-03-14T10:48:58","slug":"kriegsfluchtlinge-wirtschaftsfluchtlinge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27032","title":{"rendered":"Kriegsfl\u00fcchtlinge? Wirtschaftsfl\u00fcchtlinge?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Wirtschaftspolitik der EU in Afrika bedroht die Lebensgrundlage der Menschen<\/strong><\/p><p>Seit Wochen sehen wir Bilder von geretteten Bootsfl&uuml;chtlingen, Fl&uuml;chtlingen in Z&uuml;gen oder bei ihrer Ankunft in deutschen Aufnahmezentren, von unhaltbaren Zust&auml;nden in Asylunterk&uuml;nften und von Zeltlagern. Auch Bilder von Brandanschl&auml;gen gegen Fl&uuml;chtlingseinrichtungen, 200 wurden bis Ende Juni registriert. Eine &bdquo;Willkommenskultur&ldquo; (schon der Begriff ist Schwachsinn) sieht anders aus. Rund 200.000 Asylantr&auml;ge wurden 2014 registriert, 60 Prozent mehr als 2013. Bis Ende Juni dieses Jahres waren es bereits 179.000. Grund sind Milit&auml;rinterventionen, oft vom Westen mitverschuldete B&uuml;rgerkriege (in Afghanistan oder Syrien) und islamistischer Terror als Folge der Unf&auml;higkeit der s&auml;kularen Kr&auml;fte und des Westens. <\/p><p>Weiter blickende Zeitgenossen argumentieren, man m&uuml;sse die Zust&auml;nde in den Herkunftsl&auml;ndern &auml;ndern. Man m&uuml;sse, so fordert dagegen immer &ouml;fter die Politik, erst einmal die &bdquo;richtigen&ldquo; Fl&uuml;chtlingen von den missbr&auml;uchlichen, den Wirtschaftsfl&uuml;chtlingen trennen. Am Beispiel Afrika l&auml;sst sich zeigen, dass die Wirtschaftspolitik, die die EU (nicht nur) dort betreibt, den Unterschied zwischen Kriegs- und Wirtschaftsfl&uuml;chtlingen bald einmal obsolet machen wird, weil sie den Menschen die Existenzgrundlagen entzieht und ihnen gar keine Wahl als die Flucht ins vermeintlich gelobte Land Europa l&auml;sst. Von <strong>Jochen Kelter<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nNicht nur wird das in Geheimverhandlungen geplante Freihandelsabkommen TTIP zwischen der EU und den USA, die zusammen die H&auml;lfte des globalen Bruttosozialprodukts erwirtschaften, Weltregionen wie Afrika und S&uuml;damerika wirtschaftlich noch weiter an den Rand dr&auml;ngen. Bis 2014 hat die EU auch zehn Jahre lang drei getrennte Freihandelsabkommen (Economic Partnerschip Agreement \/EPA) mit drei Wirtschaftszonen in West-, Ost- und im s&uuml;dlichen Afrika ausgehandelt.<\/p><p>Westafrika muss als Folge 75, Ost- und S&uuml;dafrika gar um bis zu 83 Prozent seiner M&auml;rkte f&uuml;r zollfreie europ&auml;ische Importe &ouml;ffnen, um in Gegenzug zollfreien Zugang f&uuml;r ihre zumeist landwirtschaftlichen Produkte zu behalten. Der Afrika-Beauftragte der Bundeskanzlerin, G&uuml;nter Nooke (CDU) kritisierte die Abkommen: &bdquo; Wenn man gleichzeitig viel Steuergeld mit verschiedenen Entwicklungsprogrammen nach Afrika bringt, dann sollte man nicht mit den Wirtschaftsverhandlungen kaputt machen, was man auf der anderen Seite als Entwicklungsministerium versucht aufzubauen.&ldquo;<\/p><p>Die afrikanischen Regierungen hatten sich ein Jahrzehnt lang gegen den Abschluss dieser Abkommen gestr&auml;ubt, weil sie wussten, was das f&uuml;r ihre L&auml;nder bedeuten w&uuml;rde. Gerade wirtschaftlich st&auml;rkere L&auml;nder wie Kenia oder Ghana wollten ihre Wirtschaften von der Rohstofff&ouml;rderung bis zur verarbeitenden Industrie ausbauen. Das ist nun vorbei. Gegen deutsche Maschinen und Werkb&auml;nke haben sie keine Chance. Bis zuletzt hatten die Ostafrikaner das Abkommen abgelehnt. Dann drohte die EU im Herbst 2014 in einem Ultimatum mit der Streichung von Zollerleichterungen. Das h&auml;tten Kenias Kaffeeproduktion und die Produzenten von Schnittblumen, die zu 90 Prozent von Europa abh&auml;ngen, nicht &uuml;berlebt. Die Regierung knickte ein.<\/p><p>Die afrikanischen M&auml;rkte werden mit hochsubventionierten Billigimporten aus Europa &uuml;berschwemmt, gegen die einheimische Produzenten nicht ankommen. Schon fr&uuml;her hatten europ&auml;ische Fangflotten die Meere vor der westafrikanischen K&uuml;ste leergefischt, so dass Fischer und H&auml;ndler in ihrer Existenz bedroht waren und sind. Jetzt kommen noch H&uuml;hner dazu, von denen in Europa fast nur die Brust verarbeitet wird. Der Rest wird zu Dumpingpreisen nach Afrika exportiert. In Kamerun etwa gingen Kleinbauern reihenweise pleite, die ihr Zuchtbetriebe zuvor mit EU-Entwicklungshilfe aufgebaut hatten.<\/p><p>Auch Exportz&ouml;lle, mit denen man die eigenen Rohstoffe sch&uuml;tzen kann, sind den Afrikanern untersagt. Und jeden Vorteil, den sie Dritten gew&auml;hren, m&uuml;ssen sie zuk&uuml;nftig automatisch auch der EU zugestehen. Auf die Rohstoffe vor allem n&auml;mlich hat es das rohstoffarme Europa abgesehen.<\/p><p>Hierzulande mag man weiter &uuml;ber die angemessene Willkommens- oder Abschreckungskultur debattieren. &Auml;ndern wird sich nichts, so lange Europa sich nicht von seiner hegemonialen neoliberalen Wirtschaftsdiktatur verabschiedet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><strong>Die Wirtschaftspolitik der EU in Afrika bedroht die Lebensgrundlage der Menschen<\/strong><\/p>\n<p>Seit Wochen sehen wir Bilder von geretteten Bootsfl&uuml;chtlingen, Fl&uuml;chtlingen in Z&uuml;gen oder bei ihrer Ankunft in deutschen Aufnahmezentren, von unhaltbaren Zust&auml;nden in Asylunterk&uuml;nften und von Zeltlagern. Auch Bilder von Brandanschl&auml;gen gegen Fl&uuml;chtlingseinrichtungen, 200 wurden bis Ende Juni registriert. Eine &bdquo;Willkommenskultur&ldquo; (schon der Begriff ist Schwachsinn)<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27032\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[105,37,178,132],"tags":[1223,1171,912,1055,895,1426,394],"class_list":["post-27032","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aktuelles","category-globalisierung","category-ressourcen","category-ungleichheit-armut-reichtum","tag-afrika","tag-asyl","tag-buergerkrieg","tag-fluechtlinge","tag-freihandel","tag-hegemonie","tag-subventionen"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27032","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=27032"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27032\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27070,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27032\/revisions\/27070"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=27032"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=27032"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=27032"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}