{"id":27090,"date":"2015-08-07T12:15:10","date_gmt":"2015-08-07T10:15:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27090"},"modified":"2026-02-02T15:55:20","modified_gmt":"2026-02-02T14:55:20","slug":"bye-bye-europe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27090","title":{"rendered":"Bye Bye Europe !"},"content":{"rendered":"<p>Bin ich ganz alleine, oder geht es Ihnen auch so? Seit den Ereignissen des 12. Juli empfinde ich ein  Gef&uuml;hl der Leere, so als sei mir etwas Selbstverst&auml;ndliches abhanden gekommen. Nein, so alt wie Helmut Kohl bin ich nicht und mit ihm vergleichen m&ouml;chte ich mich auch nicht gerne, aber wir stammen aus gewisserma&szlig;en benachbarten Regionen,  was die N&auml;he zu Frankreich anbelangt.<br>\nFrankreich war immer mein Bezugspunkt und die selbstverst&auml;ndliche N&auml;he zu Frankreich, meine Jugendreisen dorthin (Deutschland habe ich erst sp&auml;ter im selben Ma&szlig;e kennengelernt) haben auch meine Einstellung zu den Europ&auml;ischen Institutionen gepr&auml;gt: Eine biographische Selbstverst&auml;ndlichkeit im Geiste der Vers&ouml;hnung nach dem 2. Weltkrieg. Eine Kolumne von <strong>Erik Jochem<\/strong>.<br>\n<!--more--><br>\nSicherlich, im Laufe der Jahre bin ich politisch etwas kl&uuml;ger geworden und habe lernen m&uuml;ssen, dass die Europ&auml;ische Union vor allem die Umsetzung einer gewissen wirtschaftspolitischen Ideologie verk&ouml;rpert, der man aus &auml;sthetischen Gr&uuml;nden ein paar freundliche Etiketten um den Hals geh&auml;ngt hat. Noch beim Vertrag von Maastricht war ich arglos genug, die Einf&uuml;hrung einer &bdquo;Unionsb&uuml;rgerschaft&ldquo; (aus der praktisch nicht viel geworden ist) f&uuml;r eine sch&ouml;ne Sache zu halten.<\/p><p>Nach 2008 &ndash; dem Vertrag von Lissabon &ndash; hat es mich eine ganze Weile gekostet zu verstehen, dass Deutschland in Br&uuml;ssel &uuml;ber Nacht das Kommando in den Scho&szlig; gefallen war. Hatte vorher zumindest das diffuse Gef&uuml;hl geherrscht, dass in Br&uuml;ssel regelm&auml;&szlig;ig Dinge ma&szlig;geblich zwischen Deutschland und Frankreich ausgehandelt werden mussten, war Deutschland nun pl&ouml;tzlich dominant.<\/p><p>Mehr und mehr fiel auf, dass das Wohlergehen der deutschen Industrie zum legitimen Hauptargument in Verhandlungen auf europ&auml;ischer Ebene wurde, Br&uuml;ssel schien mit allseitiger Duldung einschlie&szlig;lich der Franzosen zur deutschen Provinz geworden zu sein.<\/p><p>Es folgte der untaugliche Versuch der &Uuml;bertragung der deutschen Sparbr&ouml;tchen- und Wettbewerbspolitik auf andere europ&auml;ischen Staaten, mit den Folgen, die aktuell immer noch zu besichtigen sind.<\/p><p>In dieser ganzen Zeit verabschiedete sich die europ&auml;ische Idee gewisserma&szlig;en wie in hom&ouml;opathischen Dosen, ohne dass man davon angesichts des Gleichklangs der Regierungen in Europa irgendetwas bemerken musste. <\/p><p>Das &auml;nderte sich erst mit der Regierungs&uuml;bernahme von SYRIZA in Griechenland im Februar diesen Jahres, als man w&auml;hnen und hoffen durfte, dass nun die alte Kompromissmaschine Europa wieder in Gang gesetzt w&uuml;rde. <\/p><p>Das absolute Gegenteil war der Fall, zu Tage trat der neue europ&auml;ische Geist absoluter Kompromisslosigkeit, ja Menschenverachtung, verk&ouml;rpert durch den deutschen Finanzminister und sein (nord-)europ&auml;isches Gefolge. Der 12. Juli 2015 war ein historischer Tag.<\/p><p>An ihm endete das Europa der Vers&ouml;hnung nach dem 2. Weltkrieg und muss die B&uuml;hne verlassen. Seine Dienste werden nicht mehr gebraucht. Es waren schon lange die Dienste eines alten Trottels, der nicht gemerkt hat, dass die Erben all seine Sachen zu Geld machen. <\/p><p>Mir aber fehlt seitdem etwas, das ich schmerzlich vermisse.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bin ich ganz alleine, oder geht es Ihnen auch so? Seit den Ereignissen des 12. Juli empfinde ich ein Gef&uuml;hl der Leere, so als sei mir etwas Selbstverst&auml;ndliches abhanden gekommen. 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