{"id":27162,"date":"2015-08-10T16:53:47","date_gmt":"2015-08-10T14:53:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27162"},"modified":"2015-08-10T19:22:39","modified_gmt":"2015-08-10T17:22:39","slug":"klammern-wir-uns-mit-der-osze-an-eine-hoffnung-die-schon-lange-keine-mehr-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27162","title":{"rendered":"Klammern wir uns mit der OSZE an eine Hoffnung, die schon lange keine mehr ist?"},"content":{"rendered":"<p>Jene Menschen, die sich dagegen str&auml;uben, den Aufbau eines neuen Ost-West-Konfliktes zu akzeptieren, verweisen als Alternative auf den Aufbau und die Nutzung der Strukturen gemeinsamer Sicherheit in Europa. Das w&auml;re in der Tat eine hoffnungsvolle Alternative. Danach zu streben macht Sinn. Aber man sollte sich nicht der Illusion hingeben, die geschaffenen Strukturen w&uuml;rden noch funktionieren. Am Beispiel der OSZE wird das sichtbar. Sie ist ihrer Glaubw&uuml;rdigkeit beraubt. Willy Wimmer hat sich dazu gerade ge&auml;u&szlig;ert (A). Ich erg&auml;nze seinen kurzen Text um eine eigene Erfahrung, die seinen Eindruck best&auml;tigt (B). Und er machte mich heute auf einen Spiegel-Artikel von 1992 aufmerksam, der die Signale des Erosionsprozesses schon markierte. <strong>Albrecht M&uuml;ller<\/strong>.<br>\n<!--more--><\/p><ol class=\"abc\">\n<li><strong>Willy Wimmer: &bdquo;Im Jugoslawien-Krieg wurde der OSZE das R&uuml;ckgrat wegoperiert&ldquo;<\/strong><br>\nDie OSZE &uuml;berwacht mit gut 500 Beobachtern die Lage in der Ost- Ukraine. Donbass-Einwohner werfen jedoch der Organisation vor, einseitig &uuml;ber den Konflikt zu berichten. Dieser Tage kam es sogar zu Protesten vor dem OSZE-St&uuml;tzpunkt in Donezk. Der ehemalige OSZE-Vizepr&auml;sident Willy Wimmer meint, die Demo sei in einem Punkt erfolgreich gewesen.<br>\nDie Protestler k&ouml;nnten zumindest damit zufrieden sein, dass die Beobachter in jene Ortschaften gehen w&uuml;rden, in denen es milit&auml;rische Auseinandersetzungen gegeben habe, die die OSZE bisher weder beobachtet, noch bewertet hat, so Wimmer. Die Protestaktion sei gleichzeitig ein Warnzeichen an die Organisation. &bdquo;Es kann ja nicht angehen, dass man erst demonstrieren muss, bevor die OSZE ihre Arbeit macht. Und deswegen sollte die OSZE das so empfinden, wie es auch gemeint ist: als Warnung f&uuml;r k&uuml;nftiges Vorgehen.&ldquo;<br>\nDenn man habe aus der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht, wie die Organisation benutzt worden sei. Sp&auml;testens seit dem Jugoslawien-Krieg wisse man, dass solche Missionen von nachrichtendienstlichen Mitarbeitern unterwandert seien.<br>\nEs gibt auch einen anderen schwachen Punkt: &bdquo;Die Arbeit der Beobachter mag durchaus sehr sorgf&auml;ltig sein. Sie wissen aber nicht, was auf dem Weg zwischen ihrer Beobachtung und dem OSZE-Ministerrat mit ihren Bewertungen passiert. Wir haben oft genug erleben m&uuml;ssen, dass die Berichte, bevor sie an die offizielle Regierungsseite der OSZE gegangen sind, von dem jeweiligen amerikanischen Vertreter umgeschrieben worden sind&ldquo;, bemerkt der ehemalige OSZE-Vizepr&auml;sident.<br>\nQuelle: <a href=\"http:\/\/de.sputniknews.com\/politik\/20150807\/303697488.html\">sputniknews<\/a><\/li>\n<li><strong>Dazu eine kleine Geschichte &uuml;ber eine Begegnung am Vorabend des Jugoslawien Krieges:<\/strong><br>\nAm Vorabend des Jugoslawienkriegs, am 23. M&auml;rz 1999, war ich zusammen mit meinem Sohn und dessen Freund auf dem Heimweg von Irland. Wir hatten eine Flasche irischen Whiskys erworben. Im Zug von Frankfurt\/Flughafen nach Karlsruhe bot ich den Drumherumsitzenden einen Schluck Whisky an, vorausgesetzt, sie k&ouml;nnten ein Glas auftreiben. Ein junger Mann, zwischen 30 und 35 Jahren, stand auf und kramte aus seinem Tornister einen Becher heraus. Wir fragten, woher er den gerade komme; daraus ergab sich ein spannendes Gespr&auml;ch mit f&uuml;r uns alle aufkl&auml;render Bedeutung. Er berichtete, er sei Soldat der Bundeswehr und bis gestern im Auftrag des Ausw&auml;rtigen Amtes im Kosovo als Beobachter der OSZE eingesetzt gewesen. Morgen gehe dort der Krieg los und er bedaure dies au&szlig;erordentlich, weil &bdquo;wir als friedenstiftende Truppe einen guten Job gemacht haben, um die streitenden Volksteile auseinanderzuhalten.&ldquo; Es sei ihre Aufgabe gewesen, immer dann, wenn es einen Konflikt gab, rauszufahren, zu schlichten und dann auch einen Bericht zu schreiben.<br>\nWir wollten wissen, wie bei den Konflikten per Saldo die Schuld verteilt war. Er meinte, sie h&auml;tten eine M&uuml;nze werfen k&ouml;nnen. Einmal seien es die Serben gewesen und dann wieder die Kosovo-Albaner, ziemlich ebenm&auml;&szlig;ig verteilt. Weil wir von den deutschen Medien den Eindruck vermittelt bekommen hatten, dass die Schuld mehrheitlich bei den Serben gelegen h&auml;tte, fragten wir nach. Ja, so meinte er, so sei die Berichterstattung in den deutschen Medien wohl bisher gewesen. Und er k&ouml;nne das auch erkl&auml;ren. Mit der Begr&uuml;ndung, dass sie, die Bundeswehrangeh&ouml;rigen und andere Soldaten Englisch nicht als Muttersprache beherrschten, liefen ihre Berichte &uuml;ber die Schreibtische von Briten und Amerikanern. Und das Ergebnis sei dann in der Regel gewesen, dass die Serben mehrheitlich schuld waren.<\/li>\n<li><strong>Ein Spiegel-Artikel vom 16.3.1992 als ein weiteres Beispiel daf&uuml;r, wie die US-amerikanische Strategie und deutsche Vorstellungen von gemeinsamer Sicherheit in Europa auseinanderliefen:<\/strong><br>\n<strong><a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-13681878.html\">&bdquo;Ein neuer Rivale?<\/a><\/strong><br>\nEine Studie amerikanischer Milit&auml;rstrategen fordert den Protest von Kanzler Kohl und Vize Genscher heraus: Die USA reklamieren weltweiten F&uuml;hrungsanspruch und sehen in Deutschland oder Japan potentielle Gegner. Die Bonner aber setzen auf ein europ&auml;isches Sicherheitssystem, das sich m&ouml;glichst der US-Kontrolle entzieht.&ldquo;<br>\n&hellip;\n<p><strong>A.M.:<\/strong> Aus einem europ&auml;ischen Sicherheitssystem, das sich der US-Kontrolle entzieht, ist nichts geworden. Siehe dazu die Arbeit der OSZE im Osten der Ukraine. (A).<\/p><\/li>\n<\/ol>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jene Menschen, die sich dagegen str&auml;uben, den Aufbau eines neuen Ost-West-Konfliktes zu akzeptieren, verweisen als Alternative auf den Aufbau und die Nutzung der Strukturen gemeinsamer Sicherheit in Europa. Das w&auml;re in der Tat eine hoffnungsvolle Alternative. Danach zu streben macht Sinn. Aber man sollte sich nicht der Illusion hingeben, die geschaffenen Strukturen w&uuml;rden noch funktionieren.<\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=27162\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[169,170,171,11],"tags":[901,1426,462,1456,260,1089],"class_list":["post-27162","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-aussen-und-sicherheitspolitik","category-friedenspolitik","category-militaereinsaetzekriege","category-strategien-der-meinungsmache","tag-geheimdienste","tag-hegemonie","tag-jugoslawien","tag-osze","tag-ukraine","tag-wimmer-willy"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27162","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=27162"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27162\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":27163,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/27162\/revisions\/27163"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=27162"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=27162"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=27162"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}