{"id":2720,"date":"2007-10-25T18:01:02","date_gmt":"2007-10-25T16:01:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2720"},"modified":"2020-02-20T10:49:08","modified_gmt":"2020-02-20T09:49:08","slug":"unbeantwortete-fragen-an-die-gegner-des-mindestlohns","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2720","title":{"rendered":"Unbeantwortete Fragen an die Gegner des Mindestlohns"},"content":{"rendered":"<p>Der Wirtschaftswissenschaftler Ulrich Blum ist Pr&auml;sident des Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung in Halle (IWH). Das Institut war dieses Jahr neu am Gemeinschaftsgutachten der Konjunkturforschungsinstitute beteiligt. Dieses Gutachten spricht sich vehement gegen die Einf&uuml;hrung von Mindestl&ouml;hnen aus. Blum hat in einem Editorial zu einer von seinem Institut herausgegebenen Brosch&uuml;re <a href=\"http:\/\/www.iwh-halle.de\/d\/publik\/wiwa\/10-07.pdf%20\">&bdquo;Wirtschaft im Wandel&ldquo; [PDF &ndash; 544 KB]<\/a> seine ablehnende Haltung mit den in der vorherrschenden &ouml;konomischen Lehre &uuml;blichen Behauptungen begr&uuml;ndet.<br>\nUnser Leser Karl Mai stellt in einem Brief zu den dort aufgestellten Hypothesen ein paar kritische Fragen, die belegen, wie hohl bzw. ideologiebehaftet die &bdquo;Begr&uuml;ndungen&ldquo; des &ouml;konomischen Mainstreams f&uuml;r die Ablehnung von Mindestl&ouml;hnen sind.<br>\n<!--more--><br>\n<strong>Werter IWH-Pr&auml;sident Prof. Blum,<\/strong><\/p><p>Ihre Ausf&uuml;hrungen im letzten Editorial des IWH-Berichtsheftes sind mir dadurch aufgefallen, dass Sie ein Maximum an unbewiesenen Thesen oder Hypothesen mit v&ouml;llig fehlenden Beweisen kombinieren und so ein gutes Beispiel liefern, wie Vertreter der vorherrschenden &ouml;konomischen Lehre in Deutschland agieren.<\/p><p>Sie schreiben:  &bdquo;All diejenigen, die Mindestl&ouml;hne aus &ouml;konomischer Sicht f&uuml;r unsch&auml;dlich hal-ten, m&uuml;ssten zun&auml;chst den Beweis antreten, dass die Marktl&ouml;hne unterhalb der Grenzproduktivit&auml;t liegen. Der hier verhandelte Mindestlohn oberhalb der Grenz-produktivit&auml;t macht den Kapitaleinsatz unrentabel &ndash; die Arbeitslosigkeit steigt, das Kapital wandert ab und bringt im Ausland Gewinne. Die Arbeitseinkommen gehen zur&uuml;ck und die Lohnquote sinkt &ndash; ein verteilungspolitisches Desaster. Des-halb sehen &Ouml;konomen (!) die Debatte &uuml;ber das Einf&uuml;hren von Mindestl&ouml;hnen sehr kritisch. Ebenso kritisch ist allerdings zu pr&uuml;fen, wie der Wettbewerbsmecha-nismus wirkt, wenn aus &uuml;bergeordneten Gr&uuml;nden die Flexibilit&auml;t der beiden an-deren Produktionsfaktoren zunehmend eingeengt wird, wenn Knappheiten als weltweit vergleichbar definiert werden, obwohl es doch lokale Umwelt-, Kapi-tal- und insbesondere Kreditm&auml;rkte geben kann. Wenig qualifizierte, r&auml;umlich immobile T&auml;tigkeiten geraten dann mit hohen sozialen und politischen Kosten schnell unter Druck, wenn Arbeit zum &bdquo;letzten&rdquo; flexiblen Produktionsfaktor wird.&ldquo; <\/p><p><strong>Gestatten Sie dazu folgende kritische Fragen und Bemerkungen:<\/strong><\/p><ol>\n<li>Die Mindestlohn-Regelungen gibt es bekanntlich in einer Reihe von Industriel&auml;ndern, darunter auch in solchen mit anerkannter Arbeitsmarktflexibilit&auml;t. Warum ist dann die Arbeitslosigkeit in diesen L&auml;ndern nicht generell weitaus gr&ouml;&szlig;er als in der BRD?<\/li>\n<li>Ist f&uuml;r die Beurteilung der nationalen Lohnh&ouml;he nicht der Koeffizient &bdquo;Lohnst&uuml;ckkosten&ldquo; die ausschlaggebende Gr&ouml;&szlig;e? Sind nicht weniger gestiegene Lohnst&uuml;ckkosten Deutschlands im Vergleich zu OECD-L&auml;ndern urs&auml;chlich f&uuml;r deutsche Exporterfolge?<\/li>\n<li>Wie hoch sind die nationalen Grenzkosten der Arbeitnehmer im internationalen Vergleich und im Verh&auml;ltnis zu den betreffenden Lohnh&ouml;hen und zu den Lohnst&uuml;ckkosten?<\/li>\n<li>Wie ist das Verh&auml;ltnis der deutschen Grenzkosten f&uuml;r Arbeit zu den deutschen Marktl&ouml;hnen und wie hoch sind die den Markt r&auml;umenden Gleichgewichtsl&ouml;hne?<\/li>\n<li>Ist der deutsche Marktlohn von der Lohnsteuerh&ouml;he determiniert, und wenn ja, in welcher Relation?<\/li>\n<li>Sind Sie der Meinung, dass die gesetzlichen Sozialabgaben innerhalb der Arbeitskosten in der BRD &uuml;ber dem Durchschnitt der EU-15 liegen und bef&uuml;rworten Sie eine Absenkung der deutschen gesetzlichen Sozialabgaben aus Gr&uuml;nden der internationalen Wettbewerbsf&auml;higkeit?<\/li>\n<li>Wie kann logisch ein Mindestlohn zur Senkung der Lohnquote f&uuml;hren, wenn er die L&ouml;hne hoch h&auml;lt, und wie wirkt dieser Effekt im internationalen Vergleich der Lohnquotenentwicklung?<\/li>\n<li>Welche &bdquo;&uuml;bergeordneten Gr&uuml;nde&ldquo; engen die Flexibilit&auml;t &bdquo;der beiden anderen Produktionsfaktoren&ldquo; ein und wie vertr&auml;gt sich dies mit der marktradikalen Wettbewerbsideologie?<\/li>\n<li>Wie kann die Arbeit dort &bdquo;zum letzten&ldquo; flexiblen Produktionsfaktor werden, wo und sofern der Arbeitsmarkt durch Mindestl&ouml;hne reguliert wird?<\/li>\n<\/ol><p>Falls Sie Ihre Untersuchungsnachweise und empirischen Beweise f&uuml;r die oben zitierten Formulierungen zur Hand haben, so sollten Sie diese den Lesern nicht vorenthalten. Daneben m&uuml;ssten die von mir vorstehend formulierten Fragen eine &uuml;berzeugende Antwort erfahren.<\/p><p>Viel Erfolg!<\/p><p>Mit freundlichen Gr&uuml;&szlig;en,<br>\nKarl Mai.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Wirtschaftswissenschaftler Ulrich Blum ist Pr&auml;sident des Instituts f&uuml;r Wirtschaftsforschung in Halle (IWH). Das Institut war dieses Jahr neu am Gemeinschaftsgutachten der Konjunkturforschungsinstitute beteiligt. Dieses Gutachten spricht sich vehement gegen die Einf&uuml;hrung von Mindestl&ouml;hnen aus. Blum hat in einem Editorial zu einer von seinem Institut herausgegebenen Brosch&uuml;re <a href=\"http:\/\/www.iwh-halle.de\/d\/publik\/wiwa\/10-07.pdf%20\">&bdquo;Wirtschaft im Wandel&ldquo; [PDF &ndash; 544 KB]<\/a><\/p>\n<div class=\"readMore\"><a class=\"moretag\" href=\"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/?p=2720\">Weiterlesen<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"spay_email":"","footnotes":""},"categories":[147,141,157,30],"tags":[574,333,317,746],"class_list":["post-2720","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-arbeitslosgigkeit","category-arbeitsmarkt-und-arbeitsmarktpolitik","category-wettbewerbsfaehigkeit","category-wirtschaftspoliik-und-konjunktur","tag-iwh","tag-lohnstueckkosten","tag-mindestlohn","tag-wirtschaftsforschungsinstitute"],"jetpack_featured_media_url":"","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2720","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2720"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2720\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":29590,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2720\/revisions\/29590"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2720"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2720"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.nachdenkseiten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2720"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}